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Katrin Flothen, Transparenz im kapitalmarktrechtlichen Sinne in:

Katrin Flothen

Marktmanipulation und Kurspflege, page 97 - 98

Eine Konkretisierung unter Berücksichtigung des § 20a WpHG und der MaKonV

1. Edition 2009, ISBN print: 978-3-8329-4256-4, ISBN online: 978-3-8452-1805-2 https://doi.org/10.5771/9783845218052

Series: Mannheimer Schriften zum Unternehmensrecht, vol. 14

Bibliographic information
97 D. Die Transparenz des Marktes – Die Kenntnis der Anleger Die Transparenz des Kapitalmarktes kann ein geeignetes Abgrenzungskriterium zulässiger Kurspflege von unzulässiger Marktmanipulation darstellen. Das WpHG kennt eine Vielzahl von Transparenz- und Publizitätspflichten, die den Kapitalmarkt und seine funktionsbezogenen Einrichtungen schützen und so dem freien Zusammenspiel von Angebot und Nachfrage dienen sollen. In Erwägungsgrund (6) AusnahmenVO heißt es, dass Transparenz eine Grundvoraussetzung für die Vermeidung von Marktmissbrauch ist. I. Transparenz im kapitalmarktrechtlichen Sinne Die Transparenz eines Wertpapiermarktes bestimmt, in welchem Umfang Informationen über den Wertpapierhandel öffentlich verbreitet und damit für die Marktteilnehmer sichtbar werden.346 Verlässliche Informationen sind der Schlüssel für die informationseffiziente Preisbildung auf den Kapitalmärkten und, darauf aufbauend, für deren allokative Effizienz.347 Die Transparenz eines Marktes bestimmt, in welchem Umfang die Marktteilnehmer Informationen über die aktuelle Auftragslage erhalten.348 Hierzu gehören Auftragslimits, Volumina etc. von auf ihre Ausführung wartenden Order von Anlegern und anderen Marktteilnehmern sowie Kursofferten von „Market Makern“.349 Die Verbreitung von Informationen über abgeschlossene Transaktionen ist ebenfalls zu nennen.350 Ein gewisses Maß an Transparenz ist für den Kapitalmarkt notwendig, damit überhaupt Transaktionen stattfinden können.351 In einem nicht transparenten Markt müssen außerordentlich hohe Suchkosten aufgewendet werden, um einen handelswilligen Partner und den gewünschten Transaktionspreis zu finden.352 Je transparenter der Gesamtmarkt ist, desto leichter können Anleger die auf anderen Marktplätzen gewonnenen Informationen bei ihren Entscheidungen berücksichtigen. Dies führt dazu, dass sich die Preise der verschiedenen Marktzentren schneller aneinander angleichen. Auf diese Weise kann Transparenz 346 Rudolph/Röhrl in Hopt/Rudolph/Baum, Börsenreform, S. 204. 347 Mülbert/Steup, WM 2005, 1633; allgemein zum Zweck von Transparenz insbesondere durch das TUG, Nießen, NZG 2007, 41 ff. 348 Gomber, Elektronische Handelssysteme, S. 19; Kumpan, WM 2006, 797, 798; Liersch, Blockhandel, S. 73; Rudolph/Röhrl in Hopt/Rudolph/Baum, Börsenreform, S. 204. 349 Kursofferten bestehen aus Kauf- und Verkaufspreisen, je ein solches Paar wird auch „Quote“ genannt, und stellen ein verbindliches Handelsangebot der Market Maker dar, zu diesen Preisen ein bestimmtes Volumen zu handeln (dazu Gomber, Elektronische Handelssysteme, S. 21; Kress, Kapitalmarktregulierung, S. 113; Kumpan, WM 2006, 797, 798; Rudolph/Röhrl, in Hopt/Rudolph/Baum, Börsenreform, S. 208 f. 350 Gomber, Elektronische Handelssysteme, S. 19; Kumpan, WM 2006, 797, 798; Rudolph/Röhrl in Hopt/Rudolph/Baum, Börsenreform, S. 204. 351 Kumpan, WM 2006, 797, 798. 352 Kumpan, WM 2006, 797, 798; Rudolph/Röhrl in Hopt/Rudolph/Baum, Börsenreform, S. 206. 98 bis zu einem gewissen Grade helfen, einen in verschiedene Marktplätze fragmentierten Gesamtmarkt zu konsolidieren.353 Zu Transparenz im kapitalmarktrechtlichen Sinne gehören aber auch Informationen, die das Unternehmen oder die Branche, in der das Unternehmen tätig ist, selbst betreffen. Diese Informationen sind wie die Kenntnisse über den Kapitalmarkt und das Handelsgeschehen notwendig, um eine fundierte Anlageentscheidung treffen zu können. Transparenz im kapitalmarktrechtlichen Sinne bedeutet daher, dass der Kapitalmarktteilnehmer erwarten darf, dass er über alle Umstände sachlich und richtig unterrichtet wird, die für sein Handeln am Kapitalmarkt von Bedeutung sind oder sein können.354 Unter diese Informationen fallen vor allem solche Risiken und Anlagen, die objektiv zu den wertbildenden Faktoren der Anlage gehören und die ein durchschnittlicher und verständiger Anleger bei seiner Anlageentscheidung berücksichtigen würde.355 Transparenz bedeutet schlicht Klarheit und Offenheit.356 Ein Markt ist umso transparenter, je mehr Informationen die Akteure über das angebotene Finanzprodukt und den Markt besitzen.357 II. Gesetzliche Vorgaben zur Herstellung von Transparenz Innerhalb des gesetzlichen Regelungsbereichs für das Verbot der Marktmanipulation und für die Kurspflege wird mit einer Vielzahl von Vorschriften versucht, eine Transparenz des Marktes und damit verbunden eine umfassende Information der Kapitalmarktteilnehmer zu erreichen. Über das 4. FMFG und das AnSVG hinaus wurden insbesondere durch das am 01.01.2007 in Kraft getretene Transparenzrichtlinie-Umsetzungsgesetz (TUG)358 umfangreiche Transparenzpflichten statuiert. Dort ist vorgesehen, dass sowohl die Aufsichtsbehörden als auch die Anleger umfangreich informiert werden müssen. Das Gesetz enthält eine Vielzahl von Vorschriften, durch die sichergestellt werden soll, dass bestimmte Informationen auf bestimmte Weise in den Markt gegeben werden. Es enthält jedoch keine Spezialregelungen für den Bereich der Marktmanipulation 353 Klenke, Börsendienstleistungen, S. 172 f.; Kumpan, WM 2006, 797, 798; Seitz, AG 2004, 497, 502. 354 Meißner, Kursstabilisierung, S. 131; Möller, WM 2002, 309, 310. 355 Meißner, Kursstabilisierung, S. 131. 356 Caspari in Grundmann/Schwintowski/Singer/Weber, Anleger- und Funktionsschutz, S. 12. 357 Caspari, NZG 2005, 98, 100. 358 Gesetz zur Umsetzung der Richtlinie 2004/109/EG des Europäischen Parlaments und des Rates vom 15.12.2004 zur Harmonisierung der Transparenzanforderungen in Bezug auf Informationen über Emittenten, deren Wertpapiere zum Handel auf einem regulierten Markt zugelassen sind, und zur Änderung der Richtlinie 2001/34/EG (Transparenzrichtlinie- Umsetzungsgesetz, BGBl. 2007, S. 19; siehe auch Noack, WM 2007, 377 ff.; Veil, ZBB 2006, 162 ff.).

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Zusammenfassung

Durch Marktmanipulation und Kurspflege wird die Bildung der Börsenkurse gezielt beeinflusst. Die Abgrenzung der verbotenen Börsenkursmanipulationen und der erlaubten Kurspflege stellt aufgrund des Phänomens der Ähnlichkeit der Handelstechniken eine Herausforderung dar und ist gerade in Zeiten der Finanzmarktkrise von Bedeutung.

Die Arbeit untersucht die in § 20a WpHG und den europäischen Regelungen zur Verfügung gestellten Abgrenzungsmerkmale darauf, ob sie sich zur Konkretisierung der verbotenen Marktmanipulation von der erlaubten Kurspflege eignen. So werden für den Leser Leitlinien entwickelt, die eine eindeutige Klassifizierung von Markmanipulation und Kurspflege als zulässig bzw. unzulässig ermöglichen.