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Katrin Flothen, Kritik an dem Begriff des Markttrends in:

Katrin Flothen

Marktmanipulation und Kurspflege, page 133 - 134

Eine Konkretisierung unter Berücksichtigung des § 20a WpHG und der MaKonV

1. Edition 2009, ISBN print: 978-3-8329-4256-4, ISBN online: 978-3-8452-1805-2 https://doi.org/10.5771/9783845218052

Series: Mannheimer Schriften zum Unternehmensrecht, vol. 14

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133 noch nicht.507 Dieses bildet sich aufgrund von Angebot und Nachfrage. Entsprechen sich Angebot und Nachfrage hinsichtlich Anzahl und Wert, ist der Markt ausgeglichen; es bildet sich ein Gleichgewicht. Die Volatilität geht zurück.508 Ökonomisch ist der Begriff des Markttrends im Rahmen der Wertpapieranalyse zu finden. Dabei zeigt die Kurskurve dann einen Markttrend, wenn der Kurs deutlich in eine Richtung verläuft.509 Nach der Dauer der gleichgerichteten Kursbewegungen wird zwischen Primärtrends, Sekundärtrends und Tertiärtrends unterschieden. Primärtrends sind langfristige Trends, die ein Jahr oder länger dauern. Sekundärtrends sind mittelfristige Trends, die zwei Monate bis ein Jahr dauern und Tertiärtrends sind kurzfristige Trends, die eine Woche bis zu zwei Monate dauern.510 Der Marktrend ist folglich ein kumulierter Wert, der die Entwicklung des Börsenkurses über einen längeren Zeitraum wiedergibt. Er basiert auf Angebot und Nachfrage nach einem Wertpapier. Der Trend gibt dabei die Entwicklung nicht im Detail wieder, sondern zeigt die Richtung an und damit, ob sich der Kurs verallgemeinert positiv bzw. negativ entwickelt. II. Kritik an dem Begriff des Markttrends Der Begriff des „Markttrends“ taucht in der heutigen Fassung der AusnahmenVO nicht auf. Im Zuge der Entwicklung des Verordnungstextes wurde darüber diskutiert, ob die Begriffe der „aktuellen Geschäftslage“ und der Begriff des „Markttrends“ in die Definition von Stabilisierungsmaßnahmen aufgenommen werden sollten.511 Danach sollten Stabilisierungsmaßnahmen zu dem Zweck eingesetzt werden dürfen, sinkende Kursbewegungen auszugleichen, die weder auf der aktuellen Geschäftslage des Emittenten, noch auf dem Markttrend beruhten. Die Begriffe „aktuelle Geschäftslage“ und „Markttrend“ wurden nicht in dem Verordnungstext verwendet, da sie für zu unbestimmt befunden wurden und mehr Einzelfragen offen ließen, als sie beantworteten.512 Es war insbesondere nicht zu klären, ob sich der Markttrend aus den Kursen der laufenden Notierung oder aus einer langfristigen Kursentwicklung ergibt oder ob sich der Markttrend auf den Markt in dem betroffenen Wertpapier, auf vergleichbare Aktien, auf eine sektorale Entwicklung, einen Index oder auf den Gesamtmarkt an der betreffenden Börse beziehen soll. Es war ebenso unklar, wie ein solcher Markttrend festgestellt und dokumentiert werden sollte.513 507 Möller, WM 2002, 309, 315; Vogel WM 2003, 2437. 508 Weber, ZGR 2004, 280, 296 ff. 509 Arlt, Anlegerschutz, S. 53; Liostl, Kapitalmarkttheorie, Kapitel 3.1.; Schiller/Tytko/Marek, WISU 2001, 506, 508. 510 Schiller/Tytko/Marek, WISU 2001, 506, 508 f. 511 Pfüller/Anders, WM 2003, 2445, 2450. 512 Pfüller/Anders, WM 2003, 2445, 2450. 513 Pfüller/Anders, WM 2003, 2445, 2450. 134 Da die Bezugsgröße für einen Markttrend unterschiedlich sein kann und nicht hinreichend klar ist, ist es nahezu unmöglich, Markttrends festzustellen und zu überprüfen, aufgrund welcher Maßnahme oder welchem Einflussfaktor es zu einer entsprechenden Entwicklung des Kurses gekommen ist. Der Begriff des Markttrends ist daher unbestimmt. III. Die Art und Weise der Handlungen gegen den Markttrend Unabhängig davon, dass der Begriff des Markttrends unbestimmt ist, ist auch die Aussage, dass Kurspflegemaßnahmen mit und Marktmanipulation gegen den Markttrend erfolgen, nicht nachvollziehbar. 1. Die Auswirkungen von Marktmanipulationen Hinsichtlich manipulativer Handlungen sind Fälle denkbar, bei denen zwar eine unzulässige, manipulative Handlung vorliegt, der Manipulator aber nicht gegen den Markttrend, das allgemeine Marktgeschehen, handelt. Als Beispiel ist auf das Scalping514 zu verweisen. Der Scalper erfüllt selbst dann die Voraussetzungen des § 20a Abs. 1 WpHG, wenn er Empfehlungen abgibt, die inhaltlich richtig sind515 und damit dem Markttrend bzw. dem Marktgeschehen entsprechen. Seine Empfehlungen führen dazu, dass sich der Markt, wie zuvor schon allgemein erwartet, noch schneller positiv oder negativ entwickelt. Der Markttrend bzw. das allgemeine Marktgeschehen wird damit nicht umgekehrt oder in eine andere Richtung gelenkt. Vielmehr werden der Trend und die positive bzw. negative Stimmung der anderen Marktteilnehmer gegenüber dem Wertpapier ausgenutzt und gefördert. 2. Die Auswirkungen von Kurspflegemaßnahmen Die Kurspflege umfasst solche marktausgleichenden An- und Verkäufe, die einer stetigen und stabilen Kursentwicklung dienen und einem Abgleiten der Kurse oder auch unerwünschten künstlichen Kurssteigerungen entgegenwirken sollen.516 Kurz 514 Siehe oben S. 58. 515 BGHSt 48, 373, 380 f.; siehe oben Fn. 38. 516 Arlt, Anlegerschutz, S. 89; Bosch in Hellner/Steuer, Bankrecht und Bankpraxis, Rn. 10/339; Bruchner/Pospischil in Lutter/Scheffer/Schneider, Konzernfinanzierung, Rn. 11.49; Crüwell/Fürhoff, Kurspflege, S. 334, 336; Johannsen-Roth, Erwerb eigener Aktien, S. 86; Krämer/Hess, FS für Döser, S. 171, 176; Kümpel, Bank- und Kapitalmarktrecht, Rn. 16.381 m.w.N.; Lenzen, WM 2000, 1131, 1133; Meißner, Kursstabilisierung, S. 27; Meyer, WM 2002, 1106; Möller, WM 2002, 309, 315; Munk, T-Aktie, S. 105 ff.; Schäfer, WM 1999, 1345; Schönhöft, Strafbarkeit der Marktmanipulation, S. 99; Schröder in Achenbach/Ransiek,

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Zusammenfassung

Durch Marktmanipulation und Kurspflege wird die Bildung der Börsenkurse gezielt beeinflusst. Die Abgrenzung der verbotenen Börsenkursmanipulationen und der erlaubten Kurspflege stellt aufgrund des Phänomens der Ähnlichkeit der Handelstechniken eine Herausforderung dar und ist gerade in Zeiten der Finanzmarktkrise von Bedeutung.

Die Arbeit untersucht die in § 20a WpHG und den europäischen Regelungen zur Verfügung gestellten Abgrenzungsmerkmale darauf, ob sie sich zur Konkretisierung der verbotenen Marktmanipulation von der erlaubten Kurspflege eignen. So werden für den Leser Leitlinien entwickelt, die eine eindeutige Klassifizierung von Markmanipulation und Kurspflege als zulässig bzw. unzulässig ermöglichen.