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Katrin Flothen, Die Definition eines Markttrends in:

Katrin Flothen

Marktmanipulation und Kurspflege, page 132 - 133

Eine Konkretisierung unter Berücksichtigung des § 20a WpHG und der MaKonV

1. Edition 2009, ISBN print: 978-3-8329-4256-4, ISBN online: 978-3-8452-1805-2 https://doi.org/10.5771/9783845218052

Series: Mannheimer Schriften zum Unternehmensrecht, vol. 14

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132 Begründung zur MaKonV kein Kriterium sein, um Marktmanipulationen und Kurspflegemaßnahmen voneinander abzugrenzen. IV. Zusammenfassung Das bloße Innehaben einer marktbeherrschenden Stellung reicht entgegen der Begründung zur MaKonV nicht aus, um einen Marktmissbrauch im Sinne des § 20a WpHG zu begründen. Sie führt nicht per se zum Marktmissbrauch. Erst wenn weitere, aktive Manipulationshandlungen hinzutreten, ist von einer Marktmanipulation zu sprechen. Kurspflegemaßnahmen werden aus einer marktbeherrschenden Stellung und zur Sicherung dieser Stellung durch die beauftragten Kreditinstitute und Wertpapierhäuser vorgenommen. Eine marktbeherrschende Stellung eignet sich daher nicht zur Konkretisierung von Marktmanipulationshandlungen und zur Abgrenzung der Marktmanipulation von der Kurspflege. K. Die Handlung gegen den Markttrend Zulässige Kurspflegemaßnahmen dürfen nicht gegen den Markttrend durchgeführt werden.504 Maßnahmen zur Preisbeeinflussung, die gegen den Markttrend erfolgen, könnten daher eine Marktmanipulation und ein geeignetes Kriterium darstellen, welches die Unterscheidung von Marktmanipulation und Kurspflege ermöglicht. I. Die Definition eines Markttrends In der Literatur505 wird behauptet, eine Kurspflege gegen den Markttrend sei unzulässig. Was darunter jedoch zu verstehen ist, ist nicht geklärt. Im Rahmen von Kurspflege darf auf den Börsenpreis eingewirkt werden, um Zufallsschwankungen zu vermeiden, die nicht in der aktuellen Geschäftslage des Emittenten begründet sind oder von der allgemeinen Marktentwicklung hervorgerufen werden.506 Handlungen gegen den Markttrend werden als Handlungen beschrieben, die konträr zu dem aktuellen Marktgeschehen durchgeführt werden. Ein Gleichgewicht des Marktes besteht 504 Leppert/Stürwald, ZBB 2004, 302, 309; Meyer, AG 2002, 289, 293; Möller, WM 2002, 309, 315; Weber, NZG 2004, 23, 26; Ziouvas, ZGR 2003, 113, 137. 505 Kümpel, Bank- und Kapitalmarktrecht, Rn. 16.419; Leppert/Stürwald, ZBB 2004, 302, 309; Meyer, AG 2002, 289, 293; Möller, WM 2002, 309, 315; Schwark in Schwark, Kapitalmarktrechtskommentar, § 20a WpHG, Rn. 40; Weber, NZG 2004, 23, 26; Vogel, WM 2003, 2437, 2440, 2442; ders. in Assmann/Schneider, WpHG, § 20a, Rn. 210; Ziouvas, ZGR 2003, 113, 137. 506 Arlt, Anlegerschutz, S. 89; Ekkenga, WM 2002, 317; Fleischer, ZIP 2003, 2045, 2045 f.; Vogel WM 2003, 2437. 133 noch nicht.507 Dieses bildet sich aufgrund von Angebot und Nachfrage. Entsprechen sich Angebot und Nachfrage hinsichtlich Anzahl und Wert, ist der Markt ausgeglichen; es bildet sich ein Gleichgewicht. Die Volatilität geht zurück.508 Ökonomisch ist der Begriff des Markttrends im Rahmen der Wertpapieranalyse zu finden. Dabei zeigt die Kurskurve dann einen Markttrend, wenn der Kurs deutlich in eine Richtung verläuft.509 Nach der Dauer der gleichgerichteten Kursbewegungen wird zwischen Primärtrends, Sekundärtrends und Tertiärtrends unterschieden. Primärtrends sind langfristige Trends, die ein Jahr oder länger dauern. Sekundärtrends sind mittelfristige Trends, die zwei Monate bis ein Jahr dauern und Tertiärtrends sind kurzfristige Trends, die eine Woche bis zu zwei Monate dauern.510 Der Marktrend ist folglich ein kumulierter Wert, der die Entwicklung des Börsenkurses über einen längeren Zeitraum wiedergibt. Er basiert auf Angebot und Nachfrage nach einem Wertpapier. Der Trend gibt dabei die Entwicklung nicht im Detail wieder, sondern zeigt die Richtung an und damit, ob sich der Kurs verallgemeinert positiv bzw. negativ entwickelt. II. Kritik an dem Begriff des Markttrends Der Begriff des „Markttrends“ taucht in der heutigen Fassung der AusnahmenVO nicht auf. Im Zuge der Entwicklung des Verordnungstextes wurde darüber diskutiert, ob die Begriffe der „aktuellen Geschäftslage“ und der Begriff des „Markttrends“ in die Definition von Stabilisierungsmaßnahmen aufgenommen werden sollten.511 Danach sollten Stabilisierungsmaßnahmen zu dem Zweck eingesetzt werden dürfen, sinkende Kursbewegungen auszugleichen, die weder auf der aktuellen Geschäftslage des Emittenten, noch auf dem Markttrend beruhten. Die Begriffe „aktuelle Geschäftslage“ und „Markttrend“ wurden nicht in dem Verordnungstext verwendet, da sie für zu unbestimmt befunden wurden und mehr Einzelfragen offen ließen, als sie beantworteten.512 Es war insbesondere nicht zu klären, ob sich der Markttrend aus den Kursen der laufenden Notierung oder aus einer langfristigen Kursentwicklung ergibt oder ob sich der Markttrend auf den Markt in dem betroffenen Wertpapier, auf vergleichbare Aktien, auf eine sektorale Entwicklung, einen Index oder auf den Gesamtmarkt an der betreffenden Börse beziehen soll. Es war ebenso unklar, wie ein solcher Markttrend festgestellt und dokumentiert werden sollte.513 507 Möller, WM 2002, 309, 315; Vogel WM 2003, 2437. 508 Weber, ZGR 2004, 280, 296 ff. 509 Arlt, Anlegerschutz, S. 53; Liostl, Kapitalmarkttheorie, Kapitel 3.1.; Schiller/Tytko/Marek, WISU 2001, 506, 508. 510 Schiller/Tytko/Marek, WISU 2001, 506, 508 f. 511 Pfüller/Anders, WM 2003, 2445, 2450. 512 Pfüller/Anders, WM 2003, 2445, 2450. 513 Pfüller/Anders, WM 2003, 2445, 2450.

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Zusammenfassung

Durch Marktmanipulation und Kurspflege wird die Bildung der Börsenkurse gezielt beeinflusst. Die Abgrenzung der verbotenen Börsenkursmanipulationen und der erlaubten Kurspflege stellt aufgrund des Phänomens der Ähnlichkeit der Handelstechniken eine Herausforderung dar und ist gerade in Zeiten der Finanzmarktkrise von Bedeutung.

Die Arbeit untersucht die in § 20a WpHG und den europäischen Regelungen zur Verfügung gestellten Abgrenzungsmerkmale darauf, ob sie sich zur Konkretisierung der verbotenen Marktmanipulation von der erlaubten Kurspflege eignen. So werden für den Leser Leitlinien entwickelt, die eine eindeutige Klassifizierung von Markmanipulation und Kurspflege als zulässig bzw. unzulässig ermöglichen.