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Yannick Wey, Andrea Kammermann, Bachmann-Geiser, Brigitte: Geschichte der Schweizer Volksmusik. Basel: Schwabe Verlag, 2019, 399 pp. ISBN 978-​3-​7965-​3853-​7. Preis: € 64,00 in:

Anthropos, page 197 - 198

Anthropos, Volume 115 (2020), Issue 1, ISSN: 0257-9774, ISSN online: 0257-9774, https://doi.org/10.5771/0257-9774-2020-1-197

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that made a case for bringing gender analysis to theory and research in economic anthropology, a subfield that proved particularly resistant to feminist insights. The later work, an article from 2012, offers a comparative study of gender, race, and cultural tourism in Peru and Mexico. Both these pieces consider women’s work and the salience of gender analysis, but also embrace a con‐ sideration of indigenous identity and cultural represen‐ tation. Of particular interest is the discussion of how these works were received at the time; i. e., as some scholars feared that her argument about Andean women, who work in the tourist industry to their own advantage, was not critical enough of the fraught power balances characterizing Latin America. Of importance here is also Babb’s discussion of the tensions between intersec‐ tional analysis problematizing the notion of women as a unified category on the one hand, and decolonial femi‐ nists’ challenging of the concept of gender as a colonial construction on the other; as well as the attempt by Babb and others of bringing these critical perspectives together. In the concluding chapter, Babb summons the threads to argue for a decolonial feminist anthropology that can generate continuing debate and engaged prac‐ tice vis-à-vis Andean women. While Babb occasionally may seem to take too lightly on the multi-layered and structural restraints for a decolonial feminist endeavor (i. e., related to the political economy of research fund‐ ing and credit reward systems, as well as the epistemo‐ logical and methodological divides that underlie the call for a decolonial feminist anthropology in the first place), she uses the conclusion to address some such re‐ straints, for instance, by addressing the relative silence from urban feminists after Fujimori’s forced steriliza‐ tion campaign among indigenous women in the 1990 s. While hence importantly addressing some epistemic di‐ vides and challenges, the book does not fully address the status of gender perspectives in current mainstream anthropology, which was well-established by the 1990 s, but appearing more scattered today and especially in re‐ lation to the “turn to ontology” in anthropology. This surely does not reduce the value of Babb’s argument, as her intention is precisely to set the stage for continued debate and engagements. Indeed, the book offers impor‐ tant insights by providing a meta-reflection about con‐ ceptual, epistemological, and methodological tendencies and shifts. It will be a valuable source of inspiration and debate for experienced scholars and activists as well as novices for decades to come. Cecilie Vindal Ødegaard (cecilie.odegaard@uib.no) Bachmann-Geiser, Brigitte: Geschichte der Schwei‐ zer Volksmusik. Basel: Schwabe Verlag, 2019, 399 pp. ISBN 978-3-7965-3853-7. Preis: € 64,00 Mit der “Geschichte der Schweizer Volksmusik” legt die Schweizer Volkskundlerin Brigitte Bachmann-Gei‐ ser ihre umfangreichste Arbeit vor, die gleichzeitig eine Gesamtschau ihrer über rund 45 Jahre betriebenen For‐ schungen zur Schweizer Volkskultur, insbesondere zu Musikinstrumenten, darstellt. Wie im Vorwort selbst er‐ wähnt, ist die Monografie keine “Geschichte” im chro‐ nologischen Sinne, sondern eine Abfolge von vierzehn in sich geschlossenen, thematischen Kapiteln. Diese umspannen verschiedene Volksmusikinstrumente (zum Beispiel Alphorn, Hausorgel, Zither, Hackbrett), Musik‐ praktiken (etwa Betruf, Jodeln, Volkslied, Blasmusik‐ wesen) sowie Ausführungen zur “Erneuerung der Volksmusik” und “Musik im Kalenderbrauch”. Ebenda zeigt sich der weit gefasste Volksmusikbegriff, unter dem Viehschellen, Kirchenglocken, aber auch Kinderund Substitutinstrumente miteinbezogen werden. Bei Letzteren handelt es sich um Haushaltsgegenstände und Handwerksutensilien, die zu musikalischen Zwecken umfunktioniert werden. Historisch greift die Dokumen‐ tation der Quellen sowohl vor die Gründung der Schweiz als auch vor die Entstehung des Begriffs Volks‐ musik zurück, so werden archäologische Funde von Rasseln (1.000 v. Chr.) sowie Schellen und Panflöten aus der römischen Periode auf dem Gebiet der heutigen Schweiz beschrieben und bebildert. Die 400-seitige Monografie ist mit 187 Abbildungen reich illustriert. Auf zwei CDs ermöglichen 97 Tonbei‐ spiele die klangliche Erfahrung der dokumentierten In‐ halte. Die reichhaltige Fülle an Materialien zeichnet ein lebendiges und zugleich komplexes Bild der Schweizer Volksmusik und erleichtert dank der audiovisuellen Ver‐ mittlung den Zugang zur Thematik. Die Diversität der Themen und Materialien widerspiegelt die Forschungs‐ biografie der Autorin, deren Schwerpunkte sich auf die Gewichtung der Kapitel auswirken. So werden einzelne Instrumente, insbesondere das Alphorn, die Zither und die Viehschelle, umfangreich auf zehn bis zwanzig Sei‐ ten dargestellt, während etwa die Ländlermusik nur am Rande beschrieben und der Büchel lediglich in einzel‐ nen Sätzen erwähnt wird. Diese Gewichtung, welche der Leserschaft arbiträr erscheinen mag, wurde bereits vom Musikethnologen Dieter Ringli in einer Rezension (“Beeindruckende Materialsammlung” Schweizerische Musikzeitung [26.06.2019]) kritisiert, zusammen mit dem Umstand, dass der Forschungsstand weitgehend dem des ausgehenden 20. Jh.s entspricht und neuere Strömungen und Forschungsergebnisse nur sporadisch einfließen. Die “Geschichte der Schweizer Volksmusik” ist aus volkskundlicher Sicht insbesondere dadurch interessant, dass die Musikpraktiken in Zusammenhang mit dem Brauchtum und in einigen Fällen auch mit wirtschaftli‐ chen beziehungsweise touristischen Interessen darge‐ stellt werden. Dies äußert sich insbesondere in den Ka‐ piteln über den Kuhreihen, die Viehschellen, die Kir‐ chenglocken und die Musik im Rahmen der Kalender‐ bräuche, wobei in letzterem die Ausführungen über “Fasnachtsbräuche” hervorgehoben werden kön‐ nen. Aufgrund des weiten Felds, das innerhalb der Mono‐ grafie abgesteckt wird, bleiben die einzelnen Praktiken notwendigerweise auf zusammenfassende Informatio‐ nen und ausgewählte Details beschränkt, allerdings Book Reviews 197 Anthropos 115.2020 kann über die zahlreichen bibliografischen Verweise die relevante Fachliteratur konsultiert werden, womit sich die Lektüre für den Einstieg in ein bestimmtes Gebiet der Schweizer Volksmusik eignet. Die starke Reduktion der Inhalte auf Zusammenfassendes ist einerseits eine Stärke, mancherorts aber auch eine Schwäche der Publi‐ kation, da sie teilweise Verallgemeinerungen, wider‐ sprüchliche Aussagen oder unklare Interpretationen der Quellen hervorbringt. So steht auf Seite 45 zur Thema‐ tik des Kuhreihens, in den Publikationen Hofers (1710), Rousseaus (1768), Stolbergs (1794) und Tarennes’ (1813) seien die Noten im Gegensatz zum Kuhreihen Barbara Brogers ohne Text abgedruckt, weil die Reise‐ schriftsteller mit der Mundart nicht zurechtkamen. Stol‐ bergs Kuhreihen (1794), welcher große Ähnlichkeit mit demjenigen Brogers aufweist, wurde jedoch mit schwei‐ zerdeutschem Text veröffentlicht und Tarennes’ (1813) Publikation verfügt über den gesungenen Text verschie‐ dener Kuhreihen, sogar mit Varianten in Schweizer‐ deutsch, Französisch und im lokalen Patois. Ferner stammt die Kuhreihennotation von 1710 nicht von Jo‐ hannes Hofer, sondern von Theodor Zwinger, der Ho‐ fers Dissertation 22 Jahre später um mehrere Kapitel er‐ weiterte und veröffentlichte. Auf Seite 56 wird aus Franz Königs “Reise in die Alpen” (Bern 1814) zitiert: “Die Mädchen singen, die Männer jodeln” – dies sei der älteste Beleg für das Wort “jodeln” in der Schweiz. Das wäre eine wertvolle Erkenntnis, allerdings kann das Zitat bei König nicht gefunden werden, da die angegebene Seite 627 in dem rund 150-seitigen Buch nicht existiert. König (1814: 62) schreibt inhaltlich ver‐ gleichbar, dass Mädchen und Frauen den Gesang lieben, während die Männer “jauchzen, und hauren nach Tyro‐ ler Art” – somit wurde diese Singweise damals als tiro‐ lerisch empfunden und in der Schweiz noch nicht mit “jodeln” bezeichnet. Das Unterkapitel zum zivilen Blasmusikwesen (176 f.) enthält verallgemeinernde Aussagen, wie Blasmusikvereine “organisieren jedes Jahr mindestens drei Konzerte” oder “[i]n jedem Dorf, in jeder Stadt gibt es mindestens ein Blasmusikkorps”, letztere widerspricht der Tatsache, dass die Zahl der Schweizer Gemeinden die der Blasmusiken übersteigt und viele größere Gemeinden mehrere Vereine behei‐ maten. Die Aussage, an den fünfjährlichen Eidgenössi‐ schen Blasmusikfesten würden „heutzutage zwei Kom‐ positionen in Auftrag gegeben, die in eindrücklichen Gesamtinterpretationen … uraufgeführt werden“ irri‐ tiert: Zwar werden an diesen Festen Auftragskomposi‐ tionen aufgeführt, diese werden aber für die Wettvorträ‐ ge in diversen Kategorien (2016 waren es neun) ver‐ wendet und nicht für einen Gesamtchor. Andere ähnlich problematische Beispiele nennt bereits Ringli (2019). Die außergewöhnlich breite Thematik der Monogra‐ fie geht hier mit einer gewissen Streuung in der Be‐ handlung der Quellen einher, bei einem kritischen Um‐ gang unter Konsultation der Originalquellen ergibt sich dennoch ein informatives Gesamtbild Schweizerischer Volksmusikpraktiken. Die umfangreiche Quellensamm‐ lung und die großzügige Ausstattung mit Bild und Ton vermitteln ein Bild der Schweizer Volksmusik, das In‐ teresse für die diversen, teils heute noch wenig beachte‐ ten Genres weckt und zu weiteren Nachforschungen animiert. Yannick Wey (yannick.wey@hslu.ch) Andrea Kammermann (andrea.kammermann@hslu.ch) Bojunga, Claudio: Roquette-Pinto. O corpo a corpo com o Brasil. Rio de Janeiro: Casa da Palavra, 2017. 288 pp. ISBN 978-85-7734-654-7. Preço: R$ 59,90 Há silêncios estranhos no ensinamento da antropolo‐ gia no Brasil. Um deles diz respeito a Edgard Roquette- -Pinto (1884–1954), cuja obra foi de suma importância no contexto da institucionalização tímida da antropolo‐ gia brasileira na primeira metade do século XX. Embora exista uma bibliografia consolidada sobre diversos as‐ pectos de sua vida e obra, o livro do escritor e jornalista Claudio Bojunga, que recebeu o prestigiado Prêmio Ja‐ buti da Câmara Brasileira do Livro (CBL) em 2017, na categoria “Biografia, Documentário e Reportagem”, tem uma qualidade peculiar: o autor é um dos netos do biografado. Por um lado, isto desperta curiosidade espe‐ cial entre os leitores, mas, por outro lado, também colo‐ ca um desafio para manter um distanciamento objetivo com relação à vida e obra de “Roquette”, como ele cos‐ tuma ser citado em muitas apresentações verbais ou es‐ critas. A dúvida do leitor de eventualmente ter em mãos uma hagiografia do grande avô até é reforçada depois da leitura do primeiro capítulo (“Roquette, o semeador”), mas felizmente se dissipa logo depois. Trata-se de uma obra bem-vinda, já que um trabalho biográfico anterior, de Roberto Ruiz da Rosa Matheus (Edgard Roquette- -Pinto, Aspectos marcantes de sua vida e obra. Brasília: Ministério da Educação e Cultura), é de 1984 e diversos estudos posteriores tratam apenas de aspectos específi‐ cos da obra científica. Além disso, o incêndio do Museu Nacional em setembro de 2018 transformou a biografia de Bojunga, indiretamente, num testemunho da impor‐ tância daquela instituição tão vilipendiada pela adminis‐ tração pública de um país onde a memória de seus gran‐ des cientistas parece ser algo tratado como negligenciá‐ vel. Por se tratar de uma biografia, vê-la estruturada em ordem cronológica não causa surpresa. Bojunga, porém, optou por destacar as duas facetas principais de seu avô como pessoa pública: o cientista (médico, antropólogo físico, etnólogo) e o educador preocupado com a divul‐ gação de saberes científicos e a democratização do aces‐ so à educação. O resultado é uma narrativa fascinante sobre um personagem central na vida científica e inte‐ lectual do Brasil na primeira metade do século XX. Ca‐ da capítulo aborda individualmente algum aspecto da atuação profissional de Roquette-Pinto: sua formação, sobretudo no Museu Nacional; sua grande expedição à Serra do Norte; a publicação do clássico “Rondônia”; seus estudos de antropologia física e suas concepções de “raça”; o trabalho incansável como radialista; etc. As‐ 198 Book Reviews Anthropos 115.2020

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Abstract

Anthropos is the international journal of anthropology and linguistics, founded in 1906 by Wilhelm Schmidt, missonary and member of the Society of the Divine Word (SVD). Its main purpose is the study of human societies in their cultural dimension. In honor of Wilhelm Schmidt‘s legacy, the cultivation of anthropology, ethnology, linguistics, and religious studies remain an essential component oft he Anthropos Institute – the organizational carrier of the journal.

Zusammenfassung

Anthropos - internationale Zeitschrift für Völkerkunde wird vom Anthropos Institut St. Augustin seit 1906 zweimal jährlich herausgegeben. Ursprünglich als Sprachrohr für katholische Missionarsarbeit geplant, gilt sie heute als wichtige Fachzeitschrift der allgemeinen Ethnologie. Sie behandelt sowohl kulturelle als auch sprachliche Themen in mehreren Sprachen, mit Schwerpunkt auf den Völkern des gesamtamerikanischen und afrikanischen Kontinents.