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Christine Egger, Rivinus, Karl Josef: Andreas Amrhein OSB und die Anfänge der Benediktinermission in Ostafrika. Sankt Ottilien: EOS Editions, 2019. 411 pp. ISBN 978-​3-​8306-​7953-​0. (Ottilianer Reihe – Schriften zur Geschichte und Sendung der Missionsbenediktiner, 16) Preis: € 39,95 in:

Anthropos, page 264 - 265

Anthropos, Volume 115 (2020), Issue 1, ISSN: 0257-9774, ISSN online: 0257-9774, https://doi.org/10.5771/0257-9774-2020-1-264

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whether or not people have enough to eat. These kinds of challenges should not be glossed over. There are some good points embedded within this thesis. In particular a couple of observations about the importance of the living culture museums as “educa‐ tion” – both for the outsiders, and as a context for the “passing down of knowledge to the younger genera‐ tions” (177) – touch on some critical points that warrant further exploration within this context. She compares watching the cultural performances to reading a book about the same topic, and points out that one will retain much more information through the performance, even if it is, as she states, a “reproduction of a re-invented past” (though what cultural heritage displays are not?), hinting at some important pedagogical implications of cultural tourism. She does not, however, connect these points with current educational issues in the area. This thesis is based (as many master’s theses are) on only a few weeks of fieldwork, and thus describes activ‐ ities and dynamics observed during a particular slice in time. The activities that people are engaged in, the opin‐ ion they are expressing about a particular project or venture, or – also importantly – what they are eating, can all change, based on seasonal rhythms, social dy‐ namics, or in response to changing circumstances. While some observations certainly reflect ongoing reali‐ ties and relationships, others might be related to cyclical or sudden factors. It is simply not possible to answer the questions that she attempts to, or to make generalized statements, after such a limited time in the field. Fur‐ thermore, given the short time she was in the field, the certainty with which she consigns some of the aspects of San culture to the past is surprising. While they are not trying to pretend that they are living only by hunting and gathering today, and many visible aspects of their culture have certainly changed, many aspects of their culture, knowledge, skills, values, and social structures are still very much in place. This is part of what makes that area extremely important in terms of indigenous land rights in Namibia. This broader context seems to be missing from Ritterband’s account. While reading the thesis, I regularly found myself wishing that the review had been requested before its publication as a book, rather than after. Despite some notable exceptions, the vast majority of social science master’s theses are not publishable as they are. This is not to say that they are not meaningful; ideally, they ad‐ dress important questions and contribute to academic conversations, potentially adding fresh insights. How‐ ever, master’s theses are generally based on an initial foray into field research, which Ritterband admits up front was the case with her. The authors also usually have limited experience with academic writing and analysis. Even good master’s theses do not, generally, make good books. The main difference between a master’s thesis and a book (or an academic article) is submission of the work to a review process that includes peer review and pro‐ fessional editing. This process should entail rounds of revisions (sometimes several), careful fact-checking, and ultimately a thorough professional proofread. This publication does not seem to have benefitted from any of these processes. This is unfortunate, for had it re‐ ceived thoughtful reviews and the opportunity to revisit some of the fundamental questions and conclusions, and to make at least one more trip to the field to check data, the author could have developed a more nuanced and sophisticated argument, and possibly provided some useful recommendations on this critical topic. In a rush to publication, however, glaring errors and omissions and superficial interpretations detract from the poten‐ tially valuable aspects of this work. Jennifer Hays (jennifer.hays@uit.no) Rivinus, Karl Josef: Andreas Amrhein OSB und die Anfänge der Benediktinermission in Ostafrika. Sankt Ottilien: EOS Editions, 2019. 411 pp. ISBN 978-3- 8306-7953-0. (Ottilianer Reihe – Schriften zur Ge‐ schichte und Sendung der Missionsbenediktiner, 16) Preis: € 39,95 “Andreas Amrhein OSB und die Anfänge der Bene‐ diktinermission in Ostafrika” lautet der Titel der 2019 veröffentlichten Studie von Karl Josef Rivinus SVD, die in der “Ottilianer Reihe – Schriften zur Geschichte und Sendung der Missionsbenediktiner” erschienen ist. Mit seiner Untersuchung hat der Kirchenhistoriker den Ver‐ such unternommen, “neben einer biographischen Skizze … ein Segment des umfangreichen Wirkens von Am‐ rhein, nämlich die Entstehung der St. Ottilianer Missi‐ onskongregation sowie deren Wirken in Ost-Afrika von 1888 bis zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs” (9) zu behandeln. Sie basiert auf bereits durch Mitglieder der Kongregation publizierten Darstellungen und Quellen zum Leben des Gründers P. Andreas Amrhein (1844– 1927), der als Sohn eines Landwirts im schweizerischen Gunzwil geboren wurde, sowie eigenen Forschungen in staatlichen und kirchlichen Archiven in Deutschland und dem Vatikan. Als die Missionsbenediktiner von St. Ottilien 1884 ins Leben gerufen wurden, waren sie das erste katholi‐ sche Missionshaus der Neuzeit im Deutschen Kaiser‐ reich. Ihre Gründungsgeschichte deckt sich in großen Teilen mit der Biografie ihres Gründers, die allerdings noch nicht geschrieben wurde – zumindest nicht in Form einer umfassenden Monografie. Mit den beiden Bänden “Der Gründer. Schriften von P. Andreas Am‐ rhein OSB (1844–1927)” (2006) und “Der Gründer. Briefe von P. Andreas Amrhein OSB, Teilband I: 1866– 1889” (2010) liegt jedoch eine umfangreiche Quellen‐ sammlung vor, die P. Cyrill Schäfer OSB und Matilda Handl mit ihren ebenfalls in der “Ottilianer Reihe” er‐ schienenen Editionen einem größeren Kreis an Forsche‐ rinnen und Forschern zugänglich gemacht haben. Die Entwürfe, Schriften, Konstitutionen und Briefe können als Grundlage für die Auseinandersetzung mit den An‐ fängen der Kongregation und ihres missionarischen En‐ gagements im heutigen Tansania dienen. Hier setzt Karl 264 Book Reviews Anthropos 115.2020 Josef Rivinus SVD an, um das bisherige Desiderat der Forschung aufzuarbeiten. Dieser Teil der Geschichte der Benediktinermission lässt sich nur vor dem Hintergrund und in enger Verbin‐ dung mit der deutschen und europäischen Kolonialge‐ schichte des 19. und frühen 20. Jh.s sehen, die den Weg für die Aktivitäten deutscher Missionarinnen und Mis‐ sionare auf dem afrikanischen Kontinent ebnete: “Kolo‐ nialbewegung und Mission avancierten zum Main‐ stream. Sie fanden zu einer reziproken, gleichwohl am‐ bivalenten Beziehung. … In dieser … Gemengelage und atmosphärischen Stimmung ist das missionarische Engagement des aus der Schweiz stammenden Benedik‐ tiners P. Andreas Amrhein anzusiedeln” (6 f.). Für die Entstehung der Kongregation nicht weniger bedeutsam waren die Auseinandersetzungen zwischen Kirche und Staat im sogenannten “Kulturkampf”, die sich neben dem Deutschen Kaiserreich noch auf weitere europäi‐ sche Länder und Staaten bezogen. Am Beispiel von P. Andreas Amrhein, der Ottilianer Kongregation und der Anfänge ihrer Missionstätigkeit in Ostafrika hat sich die vorliegende Studie auf die Su‐ che nach dem Erfahrungshorizont eines Protagonisten der mit dem deutschen Kolonialismus aufkeimenden ka‐ tholischen Missionsbewegung begeben und ist den Aus‐ wirkungen der großen historischen Prozesse dieser Epo‐ che auf den Katholizismus im Deutschen Kaiserreich, seine Institutionen und Gestimmtheiten nachgegangen. Daraus ergeben sich detaillierte Hinweise auf den Wer‐ degang Amrheins vom angehenden Kunstmaler zu einem klugen Netzwerker im Sinne der Mission und sei‐ ner eigenen Vision vom ersten katholischen Missions‐ haus im Deutschen Kaiserreich, vor allem auf seine en‐ gen Verbindungen zu politischen und kirchlichen Ak‐ teuren in ganz Europa, zum Beispiel zu den bereits eta‐ blierten Steyler Missionaren in den Niederlanden oder den Missionaren von Mill Hill in England, mit deren Hilfe er seine Neugründung in Bayern vorbereite‐ te. “Amrhein hat es vorzüglich verstanden, jede sich bietende Gelegenheit zu ergreifen, das Institut von St. Ottilien, seine Tätigkeit und Anliegen werbewirksam zu präsentieren” (240). Darin liegt die Stärke dieses Bandes, mit dem Karl Josef Rivinus SVD eine detailreiche, gut lesbare Schil‐ derung der Anfänge der Missionsbenediktiner von St. Ottilien und ihrer Mission in Ostafrika gelungen ist. Den Fokus legt er dabei auf die Darstellung einer pro‐ zesshaften Entwicklung sowie der politischen und kirchlichen Einflussfaktoren auf den Gründer als deren zentralen Akteur, während der biografische Ansatz in den Hintergrund rückt. Die erzählte Lebensgeschichte, die Amrheins persönliche Entwicklung, sein facettenrei‐ ches Leben und seine Gedankenwelt nur bis in die 1880-er Jahre genauer verfolgt, konzentriert sich ganz auf diese Aspekte. Die Darstellung reicht in acht Kapiteln von der Ent‐ stehung einer “neuen Missionsepoche” (15) seit Mitte des 19. Jh.s bis zum Ende des Ersten Weltkriegs. “Mit dem verlorenen Krieg und dem Friedensvertrag von Versailles waren für Deutschland die Kolonialepoche und damit ebenso die Tätigkeit der Missionare von St. Ottilien im Konnex der Kolonialherrschaft in Ostafrika zu Ende gegangen” (356). An dieser Stelle ist der Ein‐ schätzung des Autors zu widersprechen. Neuere Studien haben gezeigt, dass die Benediktinermission in Ostafri‐ ka unter britischer Kolonialherrschaft von den 1920-er Jahren bis zum Zweiten Vatikanischen Konzil und der politischen Unabhängigkeit Tansanias Mitte der 1960-er Jahre eine aus Ottilianer Sicht durchaus erfolgreiche Wiederaufnahme bzw. Fortsetzung fand. Auch hierfür waren die grenzüberschreitenden Netzwerke der Kon‐ gregation und ihrer zentralen Akteure entscheidend – ganz nach dem Vorbild ihres Gründers P. Andreas Am‐ rhein. Christine Egger (christine.egger@uni-passau.de) Rooney, Michelle Nayahamui: Nogat Mani. Social Safety Nets for Tufi Migrants of ATS Settlement, Mo‐ resby, Papua New Guinea. Canberra: The Australian National University, 2017. 385 pp. Die von der Australian National University (ANU) in Canberra angenommene Dissertation thematisiert das Leben und die sozialen Sicherungsbemühungen von Tu‐ fi-Migranten aus der nördlichen Provinz Oro (oder Northern) in einer Armutssiedlung in Papua-Neuguine‐ as (PNG) Hauptstadt Port Moresby über den Zeitraum von Mitte der 1990-er Jahre bis zur Feldforschung im Jahr 2013. Prägend ist dabei ein urbaner Kontext feh‐ lender formaler Einkommensmöglichkeiten und er‐ schwinglichen Wohnraums und entsprechender prekärer Lebensverhältnisse mit niedrigen oder nichtexistenten Einkommen, die sich mit dem Pidgin-Terminus nogat mani, kein Geld, zusammenfassen lassen. Hinzu kom‐ men das Fehlen jeglicher staatlichen sozialen Siche‐ rung, das hohe Bevölkerungswachstum und die Krimi‐ nalität. Basierend auf theoretischen Konzepten des Werts, des Austauschs, der Verwandtschaft und des urbanen Raums zeigen die elf Kapitel der Studie, wie die auf ge‐ genseitiger Verpflichtung und Reziprozität basierende kollektive kulturelle Identität der gemeinsamen Pro‐ vinzherkunft und Verwandtschaft genutzt wird, um die alltäglichen Herausforderungen der sozialen Marginali‐ sierung in der Großstadt zu bewältigen. Die Autorin ist Bürgerin des Landes mit langjähriger Lebenserfahrung in der Hauptstadt. Da ihr Partner der Tufi-Diaspora an‐ gehört, hat sie als Verwandte Zugang zu der Siedlung. PNGs städtische Bewohner belaufen sich auf drei‐ zehn Prozent der Gesamtbevölkerung. Davon leben ge‐ schätzte fünfzig Prozent in illegalen informellen Sied‐ lungen ohne Zugang zu Strom und Wasser und ohne Anschluss an die städtische Kanalisation. Die Unter‐ künfte reichen von zumeist einfach gezimmerten Bret‐ terhütten bis zu wenigen Häusern aus permanentem Ma‐ terial. Da die Migranten zum Großteil keine Rechtstitel über das genutzte Land besitzen, besteht auch kein An‐ Book Reviews 265 Anthropos 115.2020

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Abstract

Anthropos is the international journal of anthropology and linguistics, founded in 1906 by Wilhelm Schmidt, missonary and member of the Society of the Divine Word (SVD). Its main purpose is the study of human societies in their cultural dimension. In honor of Wilhelm Schmidt‘s legacy, the cultivation of anthropology, ethnology, linguistics, and religious studies remain an essential component oft he Anthropos Institute – the organizational carrier of the journal.

Zusammenfassung

Anthropos - internationale Zeitschrift für Völkerkunde wird vom Anthropos Institut St. Augustin seit 1906 zweimal jährlich herausgegeben. Ursprünglich als Sprachrohr für katholische Missionarsarbeit geplant, gilt sie heute als wichtige Fachzeitschrift der allgemeinen Ethnologie. Sie behandelt sowohl kulturelle als auch sprachliche Themen in mehreren Sprachen, mit Schwerpunkt auf den Völkern des gesamtamerikanischen und afrikanischen Kontinents.