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Dorina Miller Parmenter, Watts, James W.: How and Why Books Matter. Essays on the Social Function of Iconic Texts. Sheffield: Equinox, 2019. 218 pp. ISBN: 978-​1-​78179-​768-​6. Price: $ 29.95 in:

Anthropos, page 284 - 285

Anthropos, Volume 115 (2020), Issue 1, ISSN: 0257-9774, ISSN online: 0257-9774, https://doi.org/10.5771/0257-9774-2020-1-284

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dreijährigen Expedition nach Kamtschatka und zu den Kurilen reisen und die dortige Flora botanisieren. Auf dieser Reise gelangte er über Jakutsk und Ochotsk bis nach Gižiginsk, wo er unter ungeklärten Umständen Mitte des Jahres 1807 ums Leben kam. Sei‐ ne Sammlung sibirischer Pflanzen befindet sich im Bo‐ tanischen Institut der Akademie der Wissenschaften in St. Petersburg, wohin auch sein Herbarium 1841 ge‐ langte, nachdem es sich vorher im Besitz von Adelbert von Chamisso befunden hatte. Redowskys Reisejournal ist bislang unveröffentlicht geblieben; Hartmut Walra‐ vens präsentiert hier erstmals eine Abschrift aus dem Archiv der Akademie der Wissenschaften, die der Arzt Joseph Rehmann (1753–1831) offenbar in Auftrag ge‐ geben hatte. Rehmann hatte mit Redowsky in Irkutsk zusammengearbeitet, der Botaniker hatte ihm u.a. bei der Identifikation von tibetischen Drogen geholfen. Walravens geht davon aus, dass im Original auch die Wegstrecke von Kjachta nach Urga beschrieben wurde, Rehmann davon aber keine Kopie anfertigen ließ, weil er diese Route aus eigener Erfahrung kannte (23). Da Redowskys Manuskript bislang nicht aufgefunden wur‐ de, kann man sich glücklich schätzen, dass diese Kopie überhaupt noch vorhanden ist. In der Einleitung stellt Walravens neben Redowskys Biografie die maßgebli‐ chen Quellen zu Jakuten und Tungusen aus dem 18. und 19. Jh. vor. In seiner Aufstellung fehlt allerdings ein Hinweis auf die vor kurzem veröffentlichten “Ethnogra‐ phischen Schriften” zu den sibirischen Ethnien von Ger‐ hard Friedrich Müller, die von Wieland Hintzsche und Aleksandr Ch. Ėlert bei den Franckeschen Stiftungen in Halle 2010 und 2018 in der Reihe “Quellen zur Ge‐ schichte Sibiriens und Alaskas aus russischen Archi‐ ven” erschienen sind. Müller hatte damit eine erste sys‐ tematische und umfangreiche Beschreibung der sibiri‐ schen Völker bereits in der Mitte des 18. Jh.s verfasst, die allerdings genauso wie Redowskys Manuskript erst jetzt publiziert wurde. Das Manuskript setzt sich aus tagebuchartigen Einträ‐ gen von Redowskys Reiseroute und systematischen Be‐ schreibungen der Jakuten (Eigenbezeichnung: Sacha) und der damals sogenannten Tungusen (heute: Evenen/ Evenken) zusammen. Bei seiner Beschreibung der Rei‐ se fallen die vielen lateinischen Bezeichnungen der ent‐ deckten Pflanzen auf, die nicht näher erläutert werden. Für Botaniker dürfte dieser Teil des Manuskripts eine wertvolle Lektüre sein. Für Ethnologen ist es sicherlich eher der Teil, wo die Jakuten und die Evenen und ihre Lebensweise näher dargestellt werden (53–80, 115– 148). Redowsky beginnt mit einem kurzen Abriss der Eroberung der jakutischen Gebiete durch die russischen Kosaken (53), anschließend beschreibt er ihr Äußeres, ihre Behausungen und Essgewohnheiten. Auch über Hochzeitsbräuche, Geburt und Erziehung der Kinder wird berichtet, genauso wie über Jagdgewohnheiten. Er‐ staunlich wenig erfährt man über die Pferdezucht der Jakuten (68). Besonders ausführlich schildert er die Mit‐ gift (kalym) der Frauen (71ff.), die bei ihrer Verheira‐ tung geleistet werden musste und von der ihr Status ab‐ hing: So war eine Frau mit Mitgift eine freie Frau, wenn ihr Mann starb. Im Trennungsfall erhielt sie ihre Mitgift wieder zurück, während eine Frau ohne Mitgift von ihrem Mann weiterverkauft werden konnte (75). Re‐ dowsky hatte einen intensiven Einblick in das Leben der Jakuten erhalten und beschreibt sehr anschaulich die Lebensverhältnisse der zahlenmäßig größten ostsibiri‐ schen Ethnie. Außerdem werden auch der vorherrschen‐ de Schamanismus und die religiösen Bräuche geschil‐ dert (78–80). Anschließend berichtet er von seiner weiteren Reise bis zur Ochotskischen See, die wesentlich beschwerli‐ cher war als der erste Teil der Reise nach Jakutsk, dabei schildert er auch den dort üblichen Tauschhandel an der chinesischen Grenze (108). Es folgt die Darstellung der Lebensweise der dort ansässigen Tungusen (ab S. 115). Zunächst wird ihr Äußeres beschrieben inklusive ihrer Unterkünfte, danach werden ihre Jagdgewohnheiten und Sitten geschildert. Redowsky streicht dabei die hand‐ werkliche Geschicklichkeit der Tungusen heraus (121). Er erwähnt auch die Ausbreitung von Seuchen, die von den russischen Eroberern eingeschleppt worden sind, worüber er bei den Jakuten kein Wort verliert. Außer‐ dem gibt er auch hier einen historischen Überblick über die Unterwerfung der Tungusen durch die russischen Kosaken und Pelztierjäger (promyšlenniki). Am Ende folgt noch ein kurzer Teil seines Reisejournals (149– 156), in welchem er seinen Weg entlang der Küste an der Ochotskischen See bis nach Gižiginsk beschreibt, wo es dann am 15.8.1807 abbricht. In der Einleitung sind zwei Karten mit der Reiseroute Redowskys abgebildet, die dem Leser bei der Orientie‐ rung behilflich sind und am Ende des Bandes findet man ein Personen- und ein botanisches Register mit den lateinischen Bezeichnungen der aufgeführten Pflanzen und abschließend eine Aufzählung der Stationen von Redowskys Reiseroute. Insgesamt gesehen ist es sehr begrüßenswert, dass dieses Manuskript endlich veröffentlicht und einem breiten Leserkreis zugänglich gemacht wurde. Es lädt dazu ein, sich ein umfassendes Bild der Lebensweise von Sacha, Evenken und Evenen zu Beginn des 19. Jh.s zu machen und dieses sowohl mit früheren als auch mit späteren Quellen zu vergleichen. Außerdem wird ein‐ drucksvoll geschildert, wie strapaziös die Reise war und wie vielfältig die Eindrücke waren, die Natur und indi‐ gene Ethnien bei dem westeuropäischen Reisenden hin‐ terlassen haben. Kristina Küntzel-Witt (kristina.kuentzel@t-online.de) Watts, James W.: How and Why Books Matter. Es‐ says on the Social Function of Iconic Texts. Sheffield: Equinox, 2019. 218 pp. ISBN: 978-1-78179-768-6. Price: $ 29.95 This important collection of essays from James W. Watts fills in many gaps left by previous studies of books in general, and religious scriptures in particular, that prioritize the meaning and influence of specific 284 Book Reviews Anthropos 115.2020 words without consideration for the physical media and performative affects surrounding those words. Using cross-cultural examples and drawing heavily on ritual theory and rhetoric, Watts emphasizes the material con‐ texts surrounding people’s uses of scriptures – such as what the books look like, and how they are displayed and ritualized – resulting in an analysis of how these us‐ es generate and maintain different forms of social pow‐ er. Many of the chapters in this volume were previously published by Watts between 2004 and 2015, but have been extensively revised and updated with examples from and references to recent scholarship in anthropolo‐ gy and religious studies. Three chapters were especially written for this volume to further expand upon previous ideas and to address current issues in book studies, such as digital texts. Watts’ seminal article outlining a theory of the ways that scriptures generate meaning and authority, influen‐ tial since its original publication in 2008, is “The Three Dimensions of Scriptures.” Expanded into the first three chapters of this volume, Watts explains how books mat‐ ter through their semantic, expressive, and iconic di‐ mensions. The semantic dimension involves direct con‐ tact with the words of texts through reading and inter‐ pretation. The expressive dimension was identified as “performative” in Watts’ earlier publications, but now is clarified as presenting a written text mentally, orally, vi‐ sually and theatrically as words and images (14). The iconic dimension, or attention to the “physical form, rit‐ ual manipulation, and artistic representation of scrip‐ tures” (15), is the area that has received the least atten‐ tion from scholars (and readers in general) who tend to focus on the semantic dimension, and thus it receives the most attention as the expanded subject of chapter 2. Watts’ theory of scriptures draws upon his expertise as a scholar of the Hebrew Bible, rhetoric, and law, and incorporates the functions of ritual as elucidated by ritu‐ al theorists such as J. Z. Smith, Catherine Bell, and Roy Rappaport. While all books have the three dimensions to some degree, writes Watts, they are typically ignored until they are given attention in ritual. “Scriptures are books or writings whose use in all three dimensions has been ritualized,” according to Watts. “The otherwise trivial practices involved in reading a book are, in the case of scriptures, given sustained attention” (17) and thus set apart from ordinary use, identifying their sacred status. These ritual uses of scriptures then create and maintain social power, conferring a sense of social au‐ thority, inspiration, and legitimation to the texts and their users (22). After Watts lays out the basic framework of how scriptures work in societies, the remaining chapters ap‐ ply the theory of the three dimensions to specific exam‐ ples. They cover topics that have received media atten‐ tion in recent years such as digital texts (chap. 4), the deliberate desecration of other people’s scriptures (chap. 5), disputes over the display of “Ten Commandments Monuments in the U.S. Constitution” (chap. 7), and the changing role of libraries in contemporary societies (chap. 10). Topics of more specialized academic interest are ritualized ancient texts (chap. 6), anti-materialism and anti-ritualism in religious traditions and scholars’ attention (chap. 8), and the relationships between mass literacy, increased access to texts, and scholarly exper‐ tise (chap. 9). The wide range of topics addressed and examples used in this volume demonstrate its usefulness to scholars in multiple fields that deal with in how and why the phenomena of books and texts, especially those with the status of scripture, exert influence and authori‐ ty in individual lives and social groups. For those who are already familiar with Watts’ writing, this volume adds additional nuance to his previous studies and the numerous illustrations act as a helpful resource for fur‐ ther investigations. Dorina Miller Parmenter (dparmenter@spalding.edu) Watts, James W. (ed.): Sensing Sacred Texts. Sheffield: Equinox Publishing, 2017. 195 pp. ISBN 978-1-78179-576-7. Price: £ 22.95 “Sensing Sacred Texts” is one of several anthologies with new and interesting approaches to holy books. In the introduction, editor James W. Watts writes that “Sensing Sacred Texts” “adds to previous collections of iconic books,” and he points to “The Death of Sacred Texts” (Myrvold 2010) and “Iconic Books and Texts” (Watts 2013). “Sensing Sacred Texts” consists of ten chapters and the contributions cover The Christian Bible, The Hebrew Bible, The Torah, The Qur’an, Bud‐ dhist Texts, Confucian Texts, and, the authoritative En‐ cyclopedia Britannica. Watts informs the reader that in the call for papers they omitted the sense of hearing since this aspect has been getting much attention in previous research on sacred texts. This may explain why Hinduism, a major religious tradition, is not covered in this anthology. In Hinduism, sacred revelations are not primarily texts, but sound, recitation. Nevertheless, the auditory aspect is present in a couple of the contributions. In her “Engaging All the Senses. On Multi-Sensory Stimulation in the Process of Making and Inauguration a Torah Scroll,” Marianne Schleicher does cover the hearing aspect by pointing to the sound made during the process of making the Torah Scroll. Yohan Yoo in his contribution “Neo-Confucian Sensory Readings of Scriptures. The Reading Methods of Chu His and Yi Hwang,” explains the importance of sens‐ ing the sound of what is being recited. The first chapter is different compared to the others. Instead of presenting rituals of religious followers, S. Brent Plate treats artistic approaches to sacred and au‐ thoritative texts. In her entry, “What the Book Arts Can Teach Us about Sacred Texts. The Aesthetic Dimension of Scripture,” one of the examples is the burning of all the volumes of Britannica. According to Plate, this burning represents a farewell to the notion of books and their content as something lasting. Plate’s last example is that of artist Meg Hitchcock who challenges our con‐ Book Reviews 285 Anthropos 115.2020

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References

Abstract

Anthropos is the international journal of anthropology and linguistics, founded in 1906 by Wilhelm Schmidt, missonary and member of the Society of the Divine Word (SVD). Its main purpose is the study of human societies in their cultural dimension. In honor of Wilhelm Schmidt‘s legacy, the cultivation of anthropology, ethnology, linguistics, and religious studies remain an essential component oft he Anthropos Institute – the organizational carrier of the journal.

Zusammenfassung

Anthropos - internationale Zeitschrift für Völkerkunde wird vom Anthropos Institut St. Augustin seit 1906 zweimal jährlich herausgegeben. Ursprünglich als Sprachrohr für katholische Missionarsarbeit geplant, gilt sie heute als wichtige Fachzeitschrift der allgemeinen Ethnologie. Sie behandelt sowohl kulturelle als auch sprachliche Themen in mehreren Sprachen, mit Schwerpunkt auf den Völkern des gesamtamerikanischen und afrikanischen Kontinents.