Content

Harald Grauer, Cartographica Helvetica [Missionskartographie]. Fachzeitschrift für Kartengeschichte; Nr. 58. Murten: Verlag Cartographica Helvetica, 2019. 71 pp. ISSN 1015-​8480. Preis: CHF 25,00. in:

Anthropos, page 203 - 204

Anthropos, Volume 115 (2020), Issue 1, ISSN: 0257-9774, ISSN online: 0257-9774, https://doi.org/10.5771/0257-9774-2020-1-203

Browse Volumes and Issues: Anthropos

Bibliographic information
tulación de la lógica del sistema y de sus líneas de fuga, del potencial centrípeto de tal o cual figura; más que las disquisiciones sobre el patriarcado, la transgresión, la marginalidad o la antiestructura, lo más logrado del li‐ bro son las matizadas páginas que reconstruyen la exis‐ tencia singular de Adelaide, quemada por su madre mi‐ entras cura sus paperas con brasas, que alterna sus días entre una pensión, un marcapasos, dos hijos y una serie de espíritus que la visitan regularmente; de Mariana, cu‐ yo padre fue ahorcado en un árbol y es poseída por un orixá adolescente que sólo aspira a pasear y viajar con novios guapos; de Leonor, descendiente de indígenas, prostituta, empleada doméstica y operaria de taller me‐ cánico, a quien su esposo sorprende en la cama con el exu de un negão; de Mab y Gaby, oficiantes transexua‐ les de épocas distintas (la primera contemporánea de la silicona industrial, las hormonas y el SIDA, la segunda entusiasta de la dieta, las cirugías y los médicos); de Thiago, mezcla de sirios e italianos, único varón hetero‐ sexual del libro, creyente católico a quien su propio mé‐ dico envía a un centro espiritista donde es poseído por el Caboclo Tupinambá y Maria Padilha das Almas; o del funcional matrimonio entre Toninho (homosexual) y Eva (heterosexual), especialistas en la jurema y en curar burdeles invocando a Pombagira, Tata Mulambo das Se‐ te Encruzilhadas o incluso a doña Argentina, elegante hacendada portuguesa viuda de un hombre muy católico que se entretenía clavando gente a muros o enterrándola viva. El primer encuentro con el singular Toninho, de hecho, marca el tono general de la obra. La autora lo contacta por teléfono y le pregunta cómo harán para en‐ contrarse: el simpático patriarca del terreiro responde que llevará un clavel en la oreja y en la mano un disco de Lola Flores (“... lo llamé desde un bar en el centro de la ciudad donde un muchacho con cara lánguida y gui‐ tarra cantaba una lacia bossa nova; me ahogaba el ambi‐ ente”, p. 38). El resto del libro mantiene ese tono ama‐ ble, sensible, nostálgico, que recobra penas sin llegar a ser lúgubre y la policromía de una fe ajena sin caer en la estridencia, y traza de forma vívida la actualidad de ese mundo pintoresco intuido por Métraux, Verger, Bastide o Duvignaud. Diego Villar (villardieg@gmail.com) Cartographica Helvetica [Missionskartographie]. Fachzeitschrift für Kartengeschichte; Nr. 58. Murten: Verlag Cartographica Helvetica, 2019. 71 pp. ISSN 1015-8480. Preis: CHF 25,00. Innerhalb der historischen Forschung erfährt die Be‐ schäftigung mit der Ausbreitung und dem Wirken von Missionsgesellschaften und Missionsorden gegenwärtig eine verstärkte Aufmerksamkeit. Dies geschieht vor al‐ lem vor dem Hintergrund, die Arbeit dieser Organisatio‐ nen und ihrer Vertreter/-innen im Horizont der Globali‐ sierungs- und Kolonialgeschichte zu lesen und sie als treibende Kräfte der Globalisierung zu verstehen. In diesem Zuge arbeitet die Forschung heraus, wie diese Akteur/innen Wissensbestände schufen oder überform‐ ten und zwischen Kontinenten und sozialen Gruppen vermittelten. Das vorliegende Themenheft der Zeitschrift Carto‐ graphica Helvetica fügt sich mit dem Themenschwer‐ punkt “Missionskartographie” in diesen Forschungs‐ trend ein und eröffnet mit der Kartographie eine weitere Perspektive. Dies geschieht in exemplarischer Weise in sechs illustrierten Beiträgen in Aufsatzform. Sie stam‐ men aus der Feder von vier Autoren: Guy Thomas, Hans-Peter Höhener, René Smolarski und Peter H. Meurer. Der lokalen Verankerung der Zeitschrift Carto‐ graphica Helvetica entsprechend, stellen die Beiträge vielfältige Bezüge zur Schweiz und zur Geschichte der schweizerischen auswärtigen Mission her, die sowohl in protestantischer als auch in katholischer Trägerschaft sind. Das Heft schließt mit einer von Peter H. Meurer erstellten Bibliographie zu sog. Missionsatlanten. Diese verzeichnet Publikationen bis in die 1970-er Jahre hin‐ ein und ist sowohl konfessionell als auch sprachlich breit angelegt, so dass beispielsweise auch schwedische und portugiesische Titel aufgeführt sind. Der erste Beitrag des Heftes stammt von Guy Thomas und bietet eine Einführung in das Feld der “Missionskartographie” anhand der missionskarto‐ graphischen Tätigkeit der Basler Mission (sie ist seit 2001 in die “Mission 21” fusioniert) und deren Karten‐ sammlung im Stammsitz in Basel (2–12). Hierbei wird nicht nur die wissenschaftliche Seite der kartographi‐ schen Tätigkeit beleuchtet, sondern auch ihre Bedeu‐ tung für die praktische Missionsarbeit und ihr Einsatz in der Publizistik und Missionswerbung der Missionsge‐ sellschaft. Guy Thomasʼ zweiter und deutlich kürzerer Beitrag befasst sich mit dem Basler Missionar Hans Schärer (1904–1947) und dessen Arbeit als Ethnologen in Kalimantan, Borneo (13–15). Dieser kartographierte die traditionelle Kosmovision der Dayak-Bevölkerungs‐ gruppe unter denen er lebte und als Missionar arbeitete. Der Autor zeigt somit, dass die kartographische Tätig‐ keit von Missionaren nicht nur die Kartographie nach westlichen naturwissenschaftlichen kartographischen Paradigmen umfasst, sondern auch die Erhebung lokaler Weltbilder mit Hilfe des Mediums Kartographie, und so auch jenseitige und physisch nicht messbare Welten be‐ inhalten kann. Der dritte Beitrag des Heftes widmet sich einer jesuitischen Weltkarte von 1619, die sich heute im “Historischen Museum Luzern” befindet (16–24). Die Karte, die von dem Jesuiten Johann Baptist Cysat (1587–1657) erstellt wurde und in einen Holzschrein eingebettet ist, diente Hans-Peter Höhener zufolge wahrscheinlich zu Unterrichtszwecken an einem Jesui‐ tenkolleg. Die Karte zeigt nicht nur die Grenzen der Je‐ suitenprovinzen, sondern ermöglicht über Anmerkun‐ gen auch die einfache Bestimmung der Uhrzeit eines Ortes in Relation zu anderen Orten und ist gerahmt von einem Matyrologium. Dieses präsentiert die Märtyrer des Jesuitenordens und verweist auf den Ort des jeweili‐ gen Martyriums. Dieses Beispiel demonstriert, wie na‐ turwissenschaftliche Weltaneignung und religiöse Bot‐ schaft kartographisch miteinander verwoben wurden, Book Reviews 203 Anthropos 115.2020 um den Schülern an den Jesuitenschulen geistliche Vor‐ bilder zu präsentieren. René Smolarski beleuchtet im vierten Beitrag des Heftes die Verbindungen des Ver‐ lagshauses Justus Perthes in Gotha zu evangelischen Missionen (25–40). Der Verlag spielte im Deutschland des 19. und frühen 20. Jh.s eine zentrale Rolle für die Kartographie und die außereuropäische Geographie; so publizierte er die Zeitschrift Mittheilungen [sic] aus Justus Perthes’ Geographischer Anstalt (später Peter‐ manns Mitteilungen). Diese Zeitschrift stellte für deut‐ sche Forschungsreisende eine zentrale Publikations‐ plattform dar. Gleichzeitig war der Verlag eng mit den kolonialen Ambitionen und Aktivitäten Deutschlands verbunden. Der Beitrag beleuchtet, wie der Verlag aus Gotha mit evangelischen Missionaren zusammenarbei‐ tete – deren kartographisches Wissen dann auch in die allgemeinen Kartenwerke und die Zeitschriften des Ver‐ lages einfloss – und wie sich in diesem Beziehungsge‐ flecht die Erstellung von Missionsatlanten gestaltete. Exemplarisch, als Missionskartograph im eigentlichen Sinne, wird im Beitrag Carl Hugo Hahn (1818–1895) vorgestellt, der Mitglied der Rheinischen Missionsge‐ sellschaft war, in Afrika auf hohem Niveau kartogra‐ phisch tätig war und mit dem genannten Verlag koope‐ rierte (34–38). Die letzten beiden Aufsätze, die von Peter H. Meurer verfasst wurden, wenden sich wieder der katholischen Missionskartographie zu. Der erste Beitrag befasst sich anhand des Werkes des Schweizer Jesuiten Alexander Baumgartner (1841–1910) und des zeitweiligen Jesuiten Oscar Werner mit der Nutzung von Karten in der Zeit‐ schrift Katholische Missionen und mit den katholischen Missionsatlanten des 19. Jh.s (41–52). Der Autor geht auch auf französische Übersetzungen der entsprechen‐ den Werke ein und richtet seinen Blick damit auf einen Wissenstransfer, der sich über Sprachgrenzen und politi‐ sche Systeme hinweg vollzieht (47). Der zweite Aufsatz Meurers thematisiert das hundertjährige (missions-)kar‐ tographische Engagement der Steyler Missionare (53– 67), das rückblickend in der Wahrnehmung oftmals von den linguistischen und ethnologischen Aktivitäten die‐ ser Missionsgesellschaft überdeckt wird. Hierbei rückt er als Akteure Karl Streit SVD (1874–1935) und für die zweite Generation Heinrich Emmerich SVD (1901– 1984) in den Mittepunkt seiner Darstellungen. Meurer weist nachdrücklich auf die editorischen Probleme und Kooperationen hin, die bei Erstellung der voluminösen Missions- und Kirchenatlanten zu bewältigen und ein‐ zugehen waren. Auch in diesem Beitrag verliert der Au‐ tor nicht die als Übersetzungen vorliegenden Auflagen aus dem Blick, die von den besprochenen Kartenwerken angefertigt wurden. Die bereits angesprochene abschlie‐ ßende Bibliographie zu Missionsatlanten von Meurer soll noch kurz in Erinnerung gerufen werden, damit die‐ ser hier versteckte Schatz nicht in Vergessenheit gerät. Die Beiträge des Themenheftes fügen sich gut in ge‐ genwärtige Diskurse um Wissenstransfer und Wissens‐ produktion im Kontext von Missionsgesellschaften ein, wie sie innerhalb der Geschichtswissenschaften und Missionswissenschaft geführt werden. Dabei sind sie sachorientiert und verzichten weitgehend auf eine theo‐ riebasierende Rückbindung an diese Diskurse. Hier hät‐ te sich der Rezensent stellenweise einen ideologiekriti‐ scheren Zugang gewünscht, wie etwa eine stärkere Re‐ flexion der Einbettung der angesprochenen Kartogra‐ phen und Karten in koloniale und protokoloniale Denk‐ weisen, Praktiken und ökonomische Systeme. Leider sind die abgebildeten Karten, obwohl die Auflösung und formale Druckqualität hoch ist, teilweise so klein reproduziert, dass sie letztlich nur noch Impressionen vom Original vermitteln können. Den Autoren des Heftes ist zu danken, dass sie sich des Themas Missionskartographie angenommen haben und mit dichten und informativen Beiträgen ein wenig beachtetes Feld der Missions- und Wissenschaftsge‐ schichte beleuchten. Abschließend ist zu wünschen, dass das Heft mit seinen Beiträgen auch jenseits des Feldes der Kartographie- und Geographiegeschichte wahrgenommen wird und weitere Forschungen zu dem Thema anregt. Der Rezensent würde sich freuen, wenn eine erweiterte und hinsichtlich der Bildpräsentation überarbeitete Fassung des Heftes als Einführung in die Geschichte der Missionskartographie in Buchformat in einer missionshistorischen Publikationsreihe erscheinen würde. Harald Grauer (library@anthropos.eu) Causey, Andrew: Drawn to See. Drawing as an Ethnographic Method. Toronto: University of Toronto Press, 2017. 171 pp. ISBN 978-1-4426-3665-1. Price: $ 29.95 Ethnografie, so Andrew Causey, versteht üblicher‐ weise durch das Wort. Dazu nutzt sie Mündlichkeit und Schriftlichkeit, Fragen und Antworten, transformiert diese durch vielfältige Prozesse des Be-, Auf- und Um‐ schreibens und lässt sie in ein scheinbar abgeschlosse‐ nes und endgültiges Dokument einmünden. Doch alle wissen: Ein ethnografierter Ausschnitt der Welt ist nie vollständig verstanden, geschweige denn abgebildet. Vielmehr bleibt er zwangsläufig selektiv, situativ und subjektiv. Dieser grundsätzlichen Inkommensurabilität begegnet Causeys Monografie auf dem Gebiet der Me‐ thodologie der Anthropologie. Hier erörtert sie die Rolle des Zeichnens und des Sehens mit dem Ziel, das als de‐ fizient verstandene menschliche Sehvermögen zu ver‐ feinern. “This book is an invitation for you to explore visuality … to give you another set of options for col‐ lecting, recording, and presenting ethnographic infor‐ mation” (3). Als Kulturanthropologe und Außerordentlicher Pro‐ fessor am Columbia College Chicago befasst sich And‐ rew Causey mit Objekten der materiellen Kultur, mit der Kunst und mit dem Tourismus. Anlässlich früherer Forschungen auf Sumatra entwickelte er seine in “Dra‐ wn to See” vorgestellten Ideen: Angesichts der Interak‐ tion zwischen westlichen Backpackern und Einheimi‐ schen – Feilschen um die Souvenirpreise – wurde Cau‐ 204 Book Reviews Anthropos 115.2020

Chapter Preview

References

Abstract

Anthropos is the international journal of anthropology and linguistics, founded in 1906 by Wilhelm Schmidt, missonary and member of the Society of the Divine Word (SVD). Its main purpose is the study of human societies in their cultural dimension. In honor of Wilhelm Schmidt‘s legacy, the cultivation of anthropology, ethnology, linguistics, and religious studies remain an essential component oft he Anthropos Institute – the organizational carrier of the journal.

Zusammenfassung

Anthropos - internationale Zeitschrift für Völkerkunde wird vom Anthropos Institut St. Augustin seit 1906 zweimal jährlich herausgegeben. Ursprünglich als Sprachrohr für katholische Missionarsarbeit geplant, gilt sie heute als wichtige Fachzeitschrift der allgemeinen Ethnologie. Sie behandelt sowohl kulturelle als auch sprachliche Themen in mehreren Sprachen, mit Schwerpunkt auf den Völkern des gesamtamerikanischen und afrikanischen Kontinents.