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Berthold Riese, Kohl, Frank Stephan, und Gregor Wolff (Hrsg.): Teobert Maler. Historische Fotografien aus Mexiko und Guatemala. Berlin: Ibero-Amerikanisches Institut; Preußischer Kulturbesitz, 2018. 168 pp. ISBN 978-​3-​935656-​72-​6. in:

Anthropos, page 235 - 236

Anthropos, Volume 115 (2020), Issue 1, ISSN: 0257-9774, ISSN online: 0257-9774, https://doi.org/10.5771/0257-9774-2020-1-235

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did not delve deep enough.” The other meaning is that as a teenager Verhoeven wanted to become a missionary and finally became an eminent promoter of the archae‐ ology of Flores. In 2018, another book about Theo Verhoeven had been published in the Netherlands by Frank Westerman (“Wij, de mens”. Amsterdam). As an “author-in-resi‐ dence” at Leiden University, his students gathered some material about Theo Verhoeven. His main interest, how‐ ever, is the clash of evolution theory and religion, con‐ centrating on the difference between humans and ani‐ mals. Westerman in his book is astonished to see how modern religious believers often are not shocked by evolutionist theories. Furthermore, Theo Verhoeven un‐ til his death remained a strict and pious Catholic (258). For the true detailed and documented biography of Theo Verhoeven, we must be happy with this book by Gert Knepper. Karel Steenbrink (kasteenbrink@ziggo.nl) Kohl, Frank Stephan, und Gregor Wolff (Hrsg.): Teobert Maler. Historische Fotografien aus Mexiko und Guatemala. Berlin: Ibero-Amerikanisches Institut; Preu‐ ßischer Kulturbesitz, 2018. 168 pp. ISBN 978-3- 935656-72-6. Das Ibero-Amerikanische Institut in Berlin besitzt seit 1930 einen bedeutenden Teilnachlass des Archäolo‐ gie-Dokumentars und Fotografen Teobert Maler (1842– 1917), der sich auf Mexiko und Guatemala bezieht. Seit er im Gefolge der österreichischen Truppen Kaiser Ma‐ ximilians von Mexiko nach Mexiko gekommen war, hat Maler bis zu seinem Tod hauptsächlich in Yucatán (Me‐ xiko) gelebt. Als Ergebnis eines Inventarisierungs- und Digitalisierungsprojektes und einer daraus resultieren‐ den Ausstellung im Jahr 2017 werden nun einige Einbli‐ cke und Ergebnisse als Sammelband vorgelegt. In den Beiträgen im ersten Teil des Buches geht es um Malers Lebenslauf, seine fotografische Arbeit, die dafür nötigen Techniken und Geräte und den Verbleib seines Nachlasses. Dazu haben die Herausgeber Malers Tagebücher und andere Unterlagen im Berliner Nach‐ lass ausgeschöpft, und konnten so einige Lücken im Le‐ benslauf Malers, bezogen auf seine Reisen und Arbeiten in den frühen mexikanischen Jahren (1864–1877), schließen. Ein Beitrag des Augsburger Journalisten Stephan Merk beleuchtet die Beziehung des französischen Ar‐ chäologen Désiré Charnay (1828–1915) zu dem 14 Jah‐ re jüngeren Maler und dokumentiert und analysiert sie vorbildlich. Er liefert bedeutende Einblicke in die frü‐ hen archäologischen Arbeiten in Mexiko: Charnay und Maler waren gleichermaßen Pioniere auf diesem Gebiet, und jeder war auf seinen Vorteil und die Vermittlung ei‐ nes positiven Bildes von sich und seinen Leistungen be‐ dacht, so dass sie sich in ihren öffentlichen Auftritten und Publikationen eher ignorierten als sich gegenseitig anzuerkennen, wiewohl sie zeitweilig eng zusammenge‐ arbeitet haben. Beide waren wohl ausgesprochen ego‐ zentrische Eigenbrötler. Merk gibt sich erfreulicherwei‐ se nicht Spekulationen über Unbekanntes in ihren Be‐ ziehungen hin, sondern untersucht die wenigen ausdeut‐ baren Sachverhalte akribisch und evaluiert sie kritisch, so dass er zu zuverlässlichen neuen Einsichten über Konkurrenz und Kooperation dieser frühen Mexiko-Ar‐ chäologen gelangt. Ein weiterer Beitrag in diesem ersten Teil betrifft die Peripathie des Malerschen Nachlassteiles, der durch die Initiative des Geografen Hermann Hagen (1889–1976) ins Ibero-Amerikanische Institut in Berlin gelangt ist. Dieser Beitrag des Mitherausgebers Wolff ist, wie das ganze Buch, streng auf die Berliner Bestände be‐ schränkt, bezieht also weder Cambridge, Mass. (U.S.A.), Detmold, Hamburg, Paris oder Wien als be‐ kannte und zugängliche Lagerungsorte weiterer Nach‐ lassteile ein. Selbst die in Berlin vorliegenden Nachlass‐ splitter werden mit ihrer Erwerbs- und Verbleibsge‐ schichte nicht systematisch dargestellt, obwohl das in Anbetracht der guten Quellenlage möglich gewesen wä‐ re; denn Eduard Seler (1849–1922), Paul Ehrenreich (1855–1914) und Walter Lehmann (1878–1939), die Berliner Haupterwerber von Malerschen Fotografien, sind zentrale Figuren der damaligen amerikanistischen Forschung und daher wohlbekannt und alle infrage kommenden Nachlassteile werden unter dem Dach der Stiftung Preußischer Kulturbesitz verwaltet, zu der auch das Ibero-Amerikanische Institut gehört. Aufgrund der Fokussierung auf den Nachlassteil im Ibero-Amerikani‐ schen Institut erwähnt Wolff sie und andere bekannte Nachlassorte nur en passant. Ein Gesamtverzeichnis des über die ganze Welt verstreuten Maler-Nachlasses wird nicht angestrebt. Das bleibt also ein dringendes Deside‐ ratum zukünftiger Erschließung. Im genannten Institut und im Museum für Völker‐ kunde liegen neben Malers Hauptnachlass noch zahlrei‐ che Nachlasssplitter vor allem in Form von Fotografien vor, ferner etwas Korrespondenz und als besonders wichtige Dokumente seine Notizbücher. Sie auszuwer‐ ten wird in Anbetracht von Malers ebenmäßiger und klarer Schreibschrift und seinen äußerst akkuraten Handskizzen zwar eine einfache aber aufgrund des Um‐ fangs und der Fülle an zu recherchierenden Details eine langwierige Aufgabe sein. Dass Teobert Maler yukatekische Maya-Ruinen um‐ fassend und detailliert dokumentiert hat, ist seit der Ver‐ öffentlichung seines diesbezüglichen Manuskriptes durch den verstorbenen Bonner Altamerikanisten Hanns J. Prem von 1997 (auch unter dem Impressum des Ibe‐ ro-Amerikanischen Instituts) bekannt. Ergänzend dazu verweisen Benavides Castillo und Paap auf die Ruinen von Chanchén, Dzehkabtún, Itzimté, Nocuchich und Xkipché und vergleichen, was Maler zwischen 1887 und 1895 als noch stehende Ruinen dokumentiert hat, mit dem was davon heute noch erhalten oder inzwi‐ schen zerstört ist. Die Bilanz deckt die gesamte Spann‐ breite von weitgehend Erhaltenem, über durch Witte‐ rung und Bewuchs stark Zerstörtem bis durch menschli‐ che Einwirkung (Ausbeutung als Steinbruch, Schatzsu‐ Book Reviews 235 Anthropos 115.2020 cher, Landwirtschaft, etc.) vollkommen Zerstörtem ab und entspricht im Ergebnis wahrscheinlich dem globa‐ len Standard nicht besonders hart durch Grabräuberei betroffener Regionen. Der zweite Teil des Buches ist den Abbildungen ge‐ widmet: es sind dies 129 Fotos (aus einem Fundus von fast 3000!). Die Reproduktionsvorlagen waren zum Teil offenbar in mangelhaftem Zustand und sind dann nicht mit optimaler moderner Technik für den Druck vorbe‐ reitet worden. Viele sind daher kontrastarm und flau wiedergegeben, einige trotz Teilzerstörung (Lösung der Fotoschicht, zerbrochene Glasplatten) ausgewählt wor‐ den, wobei das Buch doch gewiss keine Bestandsauf‐ nahme für Fotorestaurierung sein soll. Man fragt sich auch, nach welchen Kriterien die Auswahl der vorzu‐ stellenden Fotos stattfand. Zwar ist fast die ganze the‐ matische und technische Spannbreite von Malers Foto‐ grafien (also auch seine Stereo-Fotos) vertreten: Stadtund Dorfansichten, zum Teil auch mit Menschenan‐ sammlungen, Porträts, Gruppenbilder, Ruinen, Pflan‐ zen, Tiere und archäologische Funde. Es fehlen nur die bedeutenden dokumentarischen Fotos, die Maya-Hand‐ schriften der sogenannten Bücher des Chilam Balam re‐ produzieren und als Grundlage moderner Editionen die‐ ser Quellen gedient haben. Diese werden weder abgebil‐ det noch irgendwo im Buch erwähnt. Die Fotos sind, wie es leider in fast allen Fotobüchern üblich ist, inhaltlich nicht erschlossen. Nicht einmal of‐ fensichtliche Zusammenhänge, wie die Aufnahmese‐ quenz von Abbildungen oder die Identifizierung von Personen und Orten geht über Malers eigene knappe Beschriftungen hinaus. Weitergehende Kontextualisie‐ rungen finden sich allerdings gelegentlich in den Sach‐ beiträgen des ersten Teils. Es hätte sich gelohnt, vor der Veröffentlichung des Abbildungsteiles eine thematische Erschließung vorzunehmen, dann eine sinnvolle Aus‐ wahl zu treffen und alle danach verbleibenden Bilder mit präzisen Erläuterungen zu versehen, anstatt ein un‐ erschlossenes unkontextualisiertes Potpourri zu bieten. So ist dieses Buch, das entgegen des Untertitels “His‐ torische Fotografien aus Mexiko und Guatemala” kein Foto aus Guatemala, der Nachbarepublik Mexikos in der die klassische Maya-Kultur ebenfalls in Blüte stand, enthält, eher als Beitrag zur Biografie Teobert Malers zu sehen denn als Fotobuch. Bücher mit Fotos von Teobert Maler besitzen wir bereits in stattlicher Zahl und in meist besserer Qualität der Abbildungen als sie hier vor‐ gelegt werden. Zu nennen sind “Bauten der Maya” von Gerdt Kutscher am Ibero-Amerikanischen Institut in Berlin 1971 vorgelegt; Andreas Herrmanns Veröffentli‐ chung aus dem Fundus der Sammlung in Detmold (“Auf den Spuren der Maya. Eine Fotodokumentation von Teobert Maler”), die 1992 in Graz erschienen ist, und Malers bereits erwähnte “Península [de] Yucatán”, ein Manuskript im Maler-Nachlass des Ibero-Amerika‐ nischen Instituts, das 1996 wiederum beim Ibero-Ame‐ rikanischen Institut in Berlin erschienen ist. Die Doku‐ mentation guatemaltekischer Maya-Städte, die hier ganz fehlt, war schon an der Wende des 19. zum 20. Jh. in mehreren Bänden unter dem Impressum des Peabody Museums in Cambridge, Mass. (U.S.A.) erschienen. Berthold Riese (briese@uni-bonn.de) Kristensen, Dorthe Brogård: Patients, Doctors, and Healers. Medical Worlds among the Mapuche in South‐ ern Chile. Cham: Palgrave Macmillan, 2019. 228 pp. ISBN 978-3-319-97030-1. Price: € 74, 89 Dorthe Brogård Kristensen’s “Patients, Doctors, and Healers. Medical Worlds among the Mapuche in South‐ ern Chile” makes an interesting contribution to the scarce ethnographic accounts in English of Mapuche medicine and medical pluralism in Chile. It combines careful descriptions of case studies of illness narratives with theoretical insights and generalisations. The book focuses on the social and political implications of how people choose and evaluate different cultural forms of medical diagnosis and treatment: in the case at hand, biomedicine and Mapuche medicine. The question as to why Mapuche medicine is perceived by some patients as more effective than biomedicine is at the core of the author’s theoretical exploration of medical pluralism. The main argument is that medical choices and itinerar‐ ies are not restricted to purely medical issues, but also relate to the broader social and political context. There‐ fore, the author postulates that the choice for Mapuche medicine by both indigenous and nonindigenous people is a way of expressing and transforming a social posi‐ tion of marginality, generating interethnic solidarity bonds among marginal individuals, and expressing dis‐ content with the Chilean public health system and its in‐ herent inequalities. A central idea of this work is that illness narratives relate to collective memories of suffering which have been left out of hegemonic discourses and practices. These collective “repressed” memories remain “hidden” due to the lack of a repertoire of social discourses and practices to address them in hegemonic society. The au‐ thor calls these hidden memories olvidos (forgetfulness) or “unacknowledged realities.” The author describes three olvidos. One is at the heart of the birth of the Chilean Republic: the idea of racial mixture (mestizaje) as an inevitable process of whitening the population, both racially and culturally. The other two are related to Chile’s recent past and concern both the violence per‐ petrated by Pinochet dictatorship (1973–1990) against political opponents, and the imposition of neoliberal re‐ forms during his military regime, leading to increased social inequality. The author hypothesises that medical discourses have “replaced” the olvidos mentioned above and are used as a means of expressing them through medical metaphors such as wekufe (evil spirit) or bicho (bug). These illness metaphors can promote action and provide tools to ex‐ press and transform painful experiences. One interesting case is that of Aberlardo, a man who witnessed his fath‐ er being tortured by soldiers when he was eleven years old. Aberlardo was affected by a bicho, which was “eat‐ 236 Book Reviews Anthropos 115.2020

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References

Abstract

Anthropos is the international journal of anthropology and linguistics, founded in 1906 by Wilhelm Schmidt, missonary and member of the Society of the Divine Word (SVD). Its main purpose is the study of human societies in their cultural dimension. In honor of Wilhelm Schmidt‘s legacy, the cultivation of anthropology, ethnology, linguistics, and religious studies remain an essential component oft he Anthropos Institute – the organizational carrier of the journal.

Zusammenfassung

Anthropos - internationale Zeitschrift für Völkerkunde wird vom Anthropos Institut St. Augustin seit 1906 zweimal jährlich herausgegeben. Ursprünglich als Sprachrohr für katholische Missionarsarbeit geplant, gilt sie heute als wichtige Fachzeitschrift der allgemeinen Ethnologie. Sie behandelt sowohl kulturelle als auch sprachliche Themen in mehreren Sprachen, mit Schwerpunkt auf den Völkern des gesamtamerikanischen und afrikanischen Kontinents.