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Levent Günes, Aufenthaltsdauer von türkischen Staatsangehörigen in:

Levent Günes

Europäischer Ausweisungsschutz, page 43 - 44

1. Edition 2009, ISBN print: 978-3-8329-4003-4, ISBN online: 978-3-8452-1312-5 https://doi.org/10.5771/9783845213125

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43 2.2.2 Aufenthaltsdauer von türkischen Staatsangehörigen Ende 2005 lebten 1.764.041 Millionen Menschen mit einer türkischen Staatsangehörigkeit in Deutschland und stellten die größte Gruppe unter den Ausländern dar. Etwa 26% der Ausländer in Deutschland sind türkische Staatsangehörige.30 Abbildung 5:31 Auch bei den türkischen Staatsangehörigen in Deutschland ist ein ähnliches Bild wie bei den Unionsbürgern zu erkennen. Etwa 10,1% der türkischen Staatsbürger leben kürzer als sechs Jahre hier bzw. 12,6% von sechs bis zehn Jahren. Der Anteil derjenigen, die länger als 10 Jahre hier leben ist mit 77,3% sehr hoch.32 Auffallend ist, dass die Anzahl der türkischen Staatsangehörigen mit einer Aufenthaltsdauer von mehr als dreißig Jahren im Vergleich zu Unionsbürgern mit etwa 24,8% eher gering ausfällt.33 Gründe hierfür können vor allem die Rückkehr vieler türkischer Staatsbürger sein, die in den ersten Anwerbejahren eingereist wa- 30 Ebenda, S. 82. 31 Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (2006), Migration, Asyl und Integration; 14. Aufl., Nürnberg, S. 83. 32 Vgl. ebenda; eigene Berechnungen. 33 Vgl. ebenda; eigene Berechnungen. Aufenthaltsdauer von Türken in Deutschland (2005) Davon Aufenthaltsdauer von … bis unter … Jahren 0% 5% 10% 15% 20% 25% 30% un ter 1 1 b is 4 4 b is 6 6 b is 8 8 b is 10 10 bi s 1 5 15 bi s 2 0 20 bi s 2 5 25 bi s 3 0 30 un d m eh r 0 50.000 100.000 150.000 200.000 250.000 300.000 350.000 400.000 450.000 500.000 44 ren. Eine weitere Auffälligkeit zeigt sich in der Gruppe derjenigen, die seit zwanzig bis dreißig Jahren in Deutschland leben. Mit 21,4% ist dieser Personenkreis größer als bei den Unionsbürgern (309.052 Personen, ca.14%). Bei beiden Gruppen lassen sich diese Zahlen vor allem wohl durch den verstärkten Familiennachzug, der nach dem Anwerbestopp in den siebziger Jahren eingeführt wurde, erklären.34 Vergleicht man diese Zahlen mit den Gesamtzahlen aller Ausländer, so fällt auf, dass beide Gruppen bezüglich der Aufenthaltsdauer von über fünfzehn Jahren über dem Gesamtdurchschnitt liegen. Bei der Aufenthaltsdauer von bis zu zehn Jahren dagegen liegen beide Gruppen unter dem Durchschnitt. Diese Konstellation dürfte auf die Aufnahme von Flüchtlingen in den 90er Jahren und die neue Einwanderungswelle aus Osteuropa und dem asiatischen bzw. afrikanischen Kontinent zurückzuführen sein. Demzufolge ist festzuhalten, dass bei beiden hier untersuchten Gruppen bereits die zweite und dritte Generation in der Bundesrepublik lebt, wobei allerdings bei den türkischen Staatsangehörigen derzeit eine partielle Rückkehr der ersten Generation zu beobachten ist. 2.3 Aufenthaltsstatus von Unionsbürgern und türkischen Staatsangehörigen in Deutschland Der Aufenthaltsstatus eines Ausländers in Deutschland richtet sich zunächst nach dem Grund des Aufenthaltes, im Übrigen ganz überwiegend aber auch nach der Aufenthaltsdauer im Bundesgebiet.35 Sie ist insofern für vorliegende Untersuchung wichtig, als mit einem besseren Aufenthaltsstatus ein besonderer Ausweisungsschutz einhergeht. Im Folgenden wird ermittelt, welcher Aufenthaltsstatus bei Unionsbürgern und türkischen Staatsangehörigen anzutreffen ist und welcher besondere Ausweisungsschutz damit vorliegt. Vorab werden die unterschiedlichen Formen der Aufenthaltsgenehmigung erläutert. 2.3.1 Aufenthaltsstatus Mit dem Inkrafttreten des Zuwanderungsgesetzes am 01.01.2005 wurde das Ausländergesetz (AuslG) durch das neue Aufenthaltsgesetz (AufenthG) abgelöst. Ferner wurde eine Novellierung des Freizügigkeitsgesetzes für EU-Bürger (Frei- 34 Ebd. 35 Vgl. Statistisches Bundesamt (2001), Ausländische Bevölkerung in Deutschland, Wiesbaden, S. 18.

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Zusammenfassung

Für straffällige Ausländer, die in Deutschland geboren oder im Kindesalter eingereist sind, stellt sich eine Ausweisung regelmäßig als „Doppelbestrafung“ dar. Auch die Verwurzelung im Bundesgebiet schützt nach nationalen Maßstäben hiervor nur begrenzt. Betrachtet man das sozioökonomische Profil der Ausgewiesenen, so zeigt sich, dass diese fast ausnahmslos der sog. Unterschicht angehören. Bildungsarmut, Arbeits- und Perspektivlosigkeit sowie der damit einhergehende unsichere Aufenthaltsstatus bestimmen ihr Leben. Im Gegensatz zum bisherigen nationalen Ausländerrecht stellt der Europäische Ausweisungsschutz nun insbesondere für Unionsbürger und assoziationsbegünstigte türkische Staatsangehörige stärker auf faktische Bindungen in der „Heimat“ ab. Aus sozialwissenschaftlicher Perspektive ist nachweisbar, dass er hierdurch ausgesprochen effektiv wirkt und die Ausweisungszahlen in der Ausländerpraxis deutlich reduziert hat.