Content

Axel Gablik, „Its all about perception“ – ISAF und das Wirken im Informationsumfeld in:

Robin Schroeder, Stefan Hansen (ed.)

Stabilisierungseinsätze als gesamtstaatliche Aufgabe, page 303 - 322

Erfahrungen und Lehren aus dem deutschen Afghanistaneinsatz zwischen Staatsaufbau und Aufstandsbewältigung (COIN)

1. Edition 2015, ISBN print: 978-3-8487-0690-7, ISBN online: 978-3-8452-4901-8, https://doi.org/10.5771/9783845249018-303

Bibliographic information
303 Kapitel 20 „Its all about perception“ – ISAF und das Wirken im Informationsumfeld Axel Gablik Als zum 31. Dezember 2014 die Mission der International Security Assistance Force (ISAF) endete, konnte kaum ein militärisches Aufgabengebiet von sich behaupten, es habe während des dreizehnjährigen Einsatzes in Afghanistan keine gravierenden Veränderungen erfahren müssen. Für das „Kommunikationsmanagement“ hat ein Beobachter sogar einen „Paradigmenwechsel“ diagnostiziert: „Ziel ist es nicht mehr ausschließlich, gegen einen bewaffneten Gegner zu gewinnen, sondern die Bevölkerung im Operationsgebiet und die relevanten nationalen und internationalen Öffentlichkeiten für sich zu gewinnen. Komprimiert formuliert bedeutet dies: Die Kommunikationsfähigkeiten sind genauso entscheidend wie die Kampffähigkeiten, und die Überzeugungskraft ist gleichbedeutend mit der Feuerkraft.“1 Der Begriff „Paradigmenwechsel“, den der Politologe Elmar Janssen hier für die Kommunikation nutzt, ist keine Übertreibung. Allerdings zeigt er sich weniger in der Gleichstellung von „Kommunikationsfähigkeiten“ mit „Kampffähigkeiten“ – das ist nur die scheinbare Oberfläche und abgesehen davon könnte es suggerieren, als stünden die beiden Fähigkeiten in Konkurrenz zueinander – und das tun sie ausdrücklich eben nicht. Das Umwälzende ist der Denkansatz, das Mindset für einen Bereich, der seine ISAF-Aufgabe mit dem Selbstverständnis massenmedial basierter, kulturell adaptierter Informationsvermittlung begann oder zugespitzt formuliert: Die Kommunikation der frühen ISAF-Jahre verstand sich als mediale Verpackung der Absichten von ISAF. Zum Ende der Mission handelt Communication aber vor allem vom Wirken im Informationsumfeld, von der Beeinflussung der Akteure in ihrer Wahrnehmung und ihrem Verhalten. Das Informationsumfeld wird zum militärischen Operationsraum, Feuerkraft zur „Botschaft“. Kommunikation ist ____________________ 1 Janssen, Elmar: Kommunikationsmanagement und Kriegsführung im 21. Jahrhundert: die neue Art des Feindkontakts zwischen psychologischer Kampfführung und PR- Schlachten nach 9/11, in: Thomas, Jäger (Hrsg.): Die Welt nach 9/11. Auswirkungen des Terrorismus auf Staatenwelt und Gesellschaft, (Zeitschrift für Außen- und Sicherheitspolitik, Sonderheft 2), Wiesbaden 2011, S. 718. Axel Gablik 304 nicht mehr auf Medien und das Gespräch reduziert; sie hat heute mit Narrativen zu tun und kämpft mit dem Gegner und seiner Propaganda um die Deutungshoheit.2 Massenmedien sind nur noch ein Teil im eigenen Wirkungsarsenal, keineswegs mehr die dominierenden Instrumente. Dass sich die „relevanten nationalen und internationalen Öffentlichkeiten“ in jedem Einsatzgebiet auswirken, mithin auch relevante Akteure im Informationsumfeld sind und auf allen Ebenen Operationen beeinflussen, ist inzwischen im militärischen Denken wie selbstverständlich verankert. Umgekehrt zeigt sich heute niemand mehr überrascht, wenn Ereignisse in einem Einsatzgebiet innenpolitische Debatten in der Heimat auslösen oder befeuern. Das lange gepflegte Inseldenken – hier das Einsatzgebiet und weit weg die Heimat et vice versa – hat in einer vernetzten Welt keine Zukunft: „Because frankly the battlefield isn’t necessarily a field anymore“, wie es Admiral Michael G. Mullen, Chairman of the Joint Chiefs of Staff, schon 2010 formulierte,3 als viele andere Militärs (und Politiker) ihre Gefechtsfelder noch als geographisch eingrenzbare und noch dazu als thematisch abschließbare Räume dachten. Informationen und Meinungen lassen sich nicht von Staatsgrenzen beeindrucken, genauso wenig von der Absicht, sie einhegen zu wollen. Wer sich im Global Information Environment4 bewegt – und das traf auf ISAF und ihre Angehörigen vom Viersterne-General bis zum sprichwörtlichen einfachen Soldaten allemal zu –, bewegt sich potenziell immer auf globalem Parkett, findet Beachtung und Widerhall, nicht immer positiv für die Mission und ihre Reputation. ____________________ 2 Über die Bedeutung von Narrativen in modernen Konflikten siehe unter anderem Bernardi, Daniel Leonard/Cheong, Pauline Hope/Lundry, Chris/Ruston, Scott W.: Narrative Landmines. Rumors, Islamist Extremism, and the Struggle für Strategic Influence, New Brunswick/New Jersey/London 2010. Ruston hatte im Übrigen seine Ideen im Rahmen des Multinational Information Operations Experiment – dem unter anderem Frankreich, Großbritannien und die USA angehören, und das seit Jahren durch Deutschland koordiniert wird – vorgestellt und die Entwicklung eines Instrumentariums zur Gestaltung von Narratives unterstützt. Auch wenn das MNIOE kein NATO-Strukturelement ist, übernimmt es als offenes Forum für NATO-Mitglieder und Partner eine wichtige Funktion in der Weiterentwicklung von Informationsoperationen bzw. Kommunikation allgemein. 3 Die Bemerkung fiel im Zusammenhang mit Mullens Einlassungen zu den Operationen in Marjah, Provinz Helmand, im Frühjahr 2010. Zitiert nach Council on Foreign Relations (Hrsg.): „Admiral Mullen's Speech on Military Strategy, Kansas State University, March 2010“, 03.03.2010, www.cfr.org, (04.03.2015). 4 Zitiert nach King, Sara B.: Military Social Influence in the Global Information Environment: A Civilian Primer, in: Analyses of Social Issues and Public Policy, 11:1, 2011, S. 1–26. ISAF und das Wirken im Informationsumfeld 305 „It’s all about perception“5 lautete ab 2009/2010 das neue Credo in Kabul und löste damit – nicht sofort und keineswegs geradlinig und zügig – die bislang sorgfältig kontrollierte Trennung von letalen und nicht-letalen Kräften, Mitteln und Methoden auf.6 Das ist die eigentliche Veränderung oder Neuerfindung von Kommunikation: Die Wirkung dominiert und Waffensysteme, Medien, das Gefecht, das Erscheinungsbild von Soldaten auf einer Patrouille, das Targeting, das Interview des Kommandeurs und vieles andere mehr sind Transportmittel der Wirkung, sind mithin „Kommunikation“ im weitesten Sinne.7 Das begehrteste Zielobjekt im Informationsumfeld ist die Wahrnehmung des jeweils anderen. Das Image – die Wahrnehmung anderer von uns – bestimmt entscheidend, ob man erfolgreich operiert oder nicht, ob die Bevölkerung Vertrauen fasst oder nicht, ob der Gegner das Gefecht eher vermeidet oder nicht. Da das begehrteste Zielobjekt die Wahrnehmung des anderen ist, ist das höchste eigene Gut die Glaubwürdigkeit im Informationsumfeld, denn sie bestimmt nachhaltig den Grad der eigenen politischen und militärischen Handlungsfähigkeit – und die Wahrnehmung durch andere Akteure. Wenn es denn um die Perzeption geht, wenn Effects entscheidend sind, weil sie die Wahrnehmung der Akteure beeinflussen, dann erlangt „die politische, die kulturelle und die menschliche Dimension einen entscheidenden ____________________ 5 Würde man eine Anthologie prominenter ISAF-Aphorismen zusammenstellen wollen: dieser Satz dürfte nicht fehlen. Er fand unter der Ägide von General Stanley A. McChrystal und seinem Nachfolger als ISAF-Befehlshaber, General David H. Petraeus, weite Verbreitung in den Stäben, und eben nicht nur in Kommunikationskreisen. 6 Häufig wird umgangssprachlich – abgeleitet aus amerikanischen Quellen – zwischen nicht-kinetischen und kinetischen Waffensystemen differenziert. Diese Unterscheidungen werden auf die jeweiligen Kräfte und Methoden übertragen. Die NATO nutzt in ihren Definitionen das Begriffspaar letal/nicht-letal. Im taktischen Einsatzerleben ist das „kinetisch/nicht-kinetische“-Ordnungskriterium auch nicht zielführend, vor allem, weil es lediglich ein interner Unterscheidungsansatz ist, mit keinerlei nachweisbarer Differenzierung in der Wirkung auf die Bevölkerung in einem Einsatzgebiet. Die Bevölkerung sieht keinen Unterschied zwischen dem Infanteristen und etwa dem mit ihm hinsichtlich Bewaffnung und Ausrüstung weitgehend identisch auftretenden Spezialisten für Psychological Operations – und dieser Eindruck wird noch verstärkt, wenn beide in einer gemeinsamen Patrouille ihren Auftrag erfüllen. 7 Vgl. dazu Supreme Headquarters Allied Powers Europe (SHAPE): ACO Directive (AD) 95-2ACO Strategic Communications, 21.05.2012, www.aco.nato.int, (04.03. 2015). Das Papier thematisiert im Schwerpunkt die Implementierung von strategischer Kommunikation in die NATO-Kommandostrukturen des Allied Command Operations (ACO), gibt aber gleichzeitig eine gute Zusammenfassung der Notwendigkeiten, letale und nicht-letale Wirkungen zu koordinieren. Axel Gablik 306 Stellenwert“8 in der Operationsführung. Ein solches Verständnis hat Folgen für den Infanteristen, der seine Wirkung bislang als ausschließliches Produkt seiner Fighting Power definierte. Die Besinnung auf die „menschliche Dimension“ hat allerdings nicht weniger gravierende Folgen für den Spezialisten in Psychological Operations (PSYOPS) und Information Operations (InfoOps) bzw. ihrem Verständnis von Kommunikation und ihrer Anwendung in militärischen Operationen. Wenn man Kommunikation als das Einbringen von Wirkung im Informationsumfeld versteht, ausdrücklich nicht gebunden an fachspezifische Methoden und Mittel – wie etwa Massenmedien –, dann wird der Kommunikationsexperte nicht zum Medienexperten, sondern einerseits wird er zum Analysten des Informationsumfeldes, der die Human Domain untersucht und daraus seine Schlüsse zieht, und andererseits wird er vor allem zum Gestalter von Effekten, zum Wirkungsdesigner, der sich bei der Auswahl und Kombination von Instrumenten von ihrem jeweiligen Wirkungspotenzial leiten lässt und nicht davon, ob sie als letal oder nicht-letal definiert werden. Die größte Wirkung im gewünschten Maß und der gewünschten Richtung setzt der, der vernetzt und damit fach- und aufgabenübergreifend denkt.9 Was also verbirgt sich hinter dem Wandel der Kommunikation im Einsatz, den nicht nur Kommunikationsspezialisten als bahnbrechend bezeichnen – auch wenn die Entwicklung noch längst nicht abgeschlossen scheint?10 1. „As we relearned“ Das Wirken im Informationsumfeld ist keine Nischenaktivität der Streitkräfte; kann es nicht sein, denn jeder Soldat transportiert Wirkung mit dem, was er tut oder auch unterlässt zu tun. Daraus resultiert: ____________________ 8 Lezzi, Bruno: „Die Zukunft der Landstreitkräfte – Keine militärischen Mauerblümchen“, 19.11.2013, www.nzz.ch, (04.03.2015). 9 Vgl. dazu van Loon, Ton: ‘Vernetzte Sicherheit‘ im Alltag eines Korps: Ein Versuch des I. Deutsch-Niederländischen Korps, neue Wege zu gehen, in: Borchert, Heiko/ Thiele, Ralph (Hrsg.): Vernetzte Sicherheit. Eine konstruktive Zwischenbilanz, (Zeitschrift für Außen- und Sicherheitspolitik, Sonderheft 4/2012). General van Loon ließ in seinem Korpsstab eine Abteilung Communication & Engagement einrichten. Diese Abteilung versteht van Loon auf der Grundlage seiner Einsatzerfahrungen in Afghanistan eben nicht als bloße organisatorische Bündelung von PSYOPS, InfoOps, Public Affairs (PA) und Civil Military Affairs (CIMIC), sondern als „Strategische Kommunikationseinheit“ für einen Comprehensive Approach im Informationsumfeld. 10 Viele Aussagen in den folgenden Abschnitten beruhen auf eingestuften Dokumenten und Gesprächen unter anderem während verschiedener Einsatzverwendungen, die hier nicht zitiert werden können. ISAF und das Wirken im Informationsumfeld 307 „Lasting strategic success is not a function of enemy units eliminated or targets destroyed. A successful strategic outcome rests, as it has since time immemorial, on winning the contest of wills.“11 Wüsste man es nicht besser, man würde diesen Satz eher von Human Domain- Experten erwarten als eben von denjenigen, die ihre Einsatzaufgabe bislang mit Kill & Destroy etikettierten. Militärtheoretiker wissen sofort, wie der einschlägige Satz bei Carl von Clausewitz lautet, auf den sich die Autoren hier beziehen: „Der Krieg ist also ein Akt der Gewalt, um den Gegner zur Erfüllung unseres Willens zu zwingen.“12 Wie dies zweihundert Jahre nach den Napoleonischen Befreiungskriegen zu geschehen hat, reißen die Generale Raymond T. Ordieno (Chief of Staff US Army), James F. Amos (Commandant US Marine Corps) und Admiral William H. McRaven (Commander US Special Operations Command) in ihrem Strategiepapier vom Mai 2013 zwar nur an, aber die Richtung ist unverkennbar auf die Beeinflussung von Akteuren ausgerichtet: „[S]trategies [...] must have human objectives, defined as actions taken to influence people, be they government and military leaders or groups within a population, as their core strategic focus.”13 Oder anders und sehr selbstkritisch: „As we relearned in Iraq and Afghanistan“ sollte man keinen Einsatz beginnen „with a strategic plan that amounts to little more than engaging and destroying the enemy order of battle“14. Hinsichtlich des entscheidenden Contest of Wills ist man also gut aufgestellt, wenn man sich zum einen mit den Human Factors, der Human Domain befasst,15 um überhaupt zu verstehen, wie sein Gegenüber seine Umwelt wahrnimmt oder wahrnehmen könnte. Und zum anderen muss man in der Lage sein, seine Kräfte, Mittel und Methoden ohne künstliche, auftragsfremde Selbstbeschränkung auszuwählen und in ihrer Wirkung aufeinander abzustimmen. Kurz: Man muss die bislang mitunter hartnäckig verteidigte, hinsichtlich ihrer Wirkungen im Informationsumfeld aber sehr künstliche Grenzziehung zwischen letalen und nicht-letalen Instrumenten ignorieren. Der Geg- ____________________ 11 Odierno, Raymond T./Amos, James F./McRaven, William H.: „Strategic Landpower, Winning the Clash of Wills, Strategic Landpower and the Inherently Human Nature of Conflict“, 2013, www.tradoc.army.mil, (27.03.2015), S. 10. 12 Von Clausewitz, Carl: Vom Kriege, 19. Auflage, Bonn 1890, S. 191–192. 13 Odierno/Amos/McRaven, „Strategic Landpower“, S. 4. 14 Ebd., S. 10. Wie einschneidend diese Sätze sind, kann man beispielweise nachvollziehen bei Scahill, Jeremy: Dirty Wars. The World is a Battlefield, New York 2013, der insbesondere den Special Forces bescheinigt, dass sie die Human Domain bislang nicht oder nur kaum in ihre Perspektiven aufgenommen hätten. 15 Odierno/Amos/McRaven, „Strategic Landpower“, S. 3 et passim. Die „Human Domain“ ist der Schlüsselbegriff des Strategiepapiers. Axel Gablik 308 ner hat dies übrigens schon vor Jahren sehr gut verstanden, denn die Kinetic Propaganda ist ein wichtiger Baustein seiner „Hybriden Kriegsführung“,16 auf die ISAF durch eben die Trennung von letaler und nicht-letaler Wirkung lange Zeit keine geeignete Antwort fand. In letzter Instanz sind es nur zwei Faktoren, die eine Beschränkung der Mittelauswahl gegen jedes Argument durchsetzen: Erstens der politische Wille und zweitens die zu erwartenden negativen Wirkungen im Informationsumfeld. „As we relearned“ – Fach- Egoismen und artifizielle Kategorisierungen sind in der Zusammenstellung des militärischen Instrumentariums schon immer schlechte Ratgeber gewesen. Beeinflussung ist die Wirksumme der eingesetzten Kräfte, Mittel und Methoden, die den Kommandeuren zur Verfügung stehen, und die sie je nach Wirkungsabsicht kombinieren können. Aber: „Kriegführung wird nicht mehr nur als hauptsächlich technisches Problem gesehen, das mit technischen Mitteln gelöst werden kann“:17 Einfach nur die Elemente zusammenzufügen, reicht nicht aus, um in die gewünschte Richtung wirksam zu werden. Eine Patrouille, die eine Dorfbevölkerung durch ihr Auftreten verängstigt, kann diesen Makel der eigenen Reputation schwerlich mit einer Hochglanzbroschüre kompensieren, sondern nur durch ihr angemessenes Auftreten, durch Vertrauensbildung – der Handzettel wirkt nur dann positiv, wenn sein Verteiler nicht als individuelle Bedrohung wahrgenommen wird, sondern in seinem Erscheinungsbild, seinem professionellen, immer der Lage adäquaten Verhalten ein glaubwürdiges Sicherheitsgefühl vermitteln kann. Warum man dies tun sollte? Ist das Dorf fernab in irgendeiner unzugänglichen Gegend wirklich so wichtig? „Information is sent across the globe in seconds and public opinion is the final arbiter of success“:18 Die Welt ist überall per Smartphone zugeschaltet. Wer seine Glaubwürdigkeit verliert – vollkommen gleichgültig, wo er das tut –, muss sich um die Deutungshoheit über sein Narrativ, seine Absichten und die Qualitätsurteile seines Handelns keine Sorgen mehr machen, das erledigen andere, weltweit, nach Kräften unterstützt durch den Gegner. Und nicht zuletzt er, der Gegner, und seine Fähigkeiten, das Informationsumfeld zu beeinflussen, waren es, die das Umdenken in ISAF provozierten – für die Taliban zweifellos ein unintended effect. ____________________ 16 Siehe dazu unter anderem Hoffman, Frank G.: Hybrid Warfare and Challenges, in: Joint Force Quarterly, 52:1, 2009, S. 34–48. Hoffman gilt als einer der Protagonisten für den Denkansatz der hybriden Kriegführung, die als Konstrukt im Zusammenhang mit der Krise in der Ukraine eine weite Verbreitung und Beachtung findet. 17 Lezzi, „Die Zukunft der Landstreitkräfte“. 18 Bell, Vaughan: „How to win wars by influencing people’s bevaviour“, 16.03.2014, www.theguardian.com, (04.03.2015). ISAF und das Wirken im Informationsumfeld 309 Der PSYOPS-Spezialist lernte, dass mit der Produktion eines Handzettels seine Arbeit nicht getan ist und dass es nicht ausreicht, wenn er sich für interkulturell kompetent betrachtet, sondern dass es alle anderen in seiner Patrouille auch sein müssen. Der Infanterist lernte, dass man sein einmal beschädigtes Image nicht mit dem Verteilen von Relation Building Items allein heilen kann, sondern nur durch lageangepasstes Verhalten, sowohl innerhalb als auch au- ßerhalb des Gefechts. Der moderne Kommunikationsexperte, dessen Operationsraum im Informationsumfeld liegt, kann sich ausdrücklich nicht zum Medienvertreter im Global Information Environment reduzieren, und er entwickelt sich auch nicht zum Social Media-Spezialisten, so verlockend und bequem dies auch in einer vernetzten Welt sein mag. Und schließlich ist der Kommunikationsspezialist tatsächlich ein Wirkungsspezialist, der die gewünschten Effekte im Einsatz als das abgestimmte Zusammenwirken aller Instrumente denkt und plant. „Presence, Posture, Profile“: Die Begriffe sind schon lange bekannt. Der Wirkungsspezialist widmet sich zunehmend der vertieften Analyse der Akteure im Informationsumfeld, untersucht die soziokulturellen Faktoren und politischen Rahmenbedingungen, denen die Akteure ausgesetzt sind, weiß um die Themen, die diese Akteure bewegen und selbst nutzen, und er kennt vor allem die Tactics, Techniques & Procedures aller anderen. Erst dann fragt er nach den Ansatzpunkten, um diesen oder jenen Akteur ansprechen zu können. Für diese Einsicht bedarf es natürlich keines mühsamen Relearning. 2. „This is all a war of perceptions“ Niemand zweifelte daran, dass Kommunikation eine wichtige Grundlage für die ISAF-Mission bilden musste. Insofern war der Auf- und Ausbau des PSYOPS Support Element (PSE) in Kabul ab 2002 folgerichtig, und ebenso folgerichtig hat sich dieser Nukleus im Laufe der Jahre zu einem Theatre PSYOPS Support Element (TPSE) erweitert und wurde schließlich Ende 2005 zur Combined Joint PSYOPS Task Force (CJPOTF) umgewandelt. Der Auftrag für PSYOPS war klar umrissen und stellte auf der Grundlage der Erfahrungen in Bosnien und im Kosovo auch keine Besonderheit dar: PSE/TPSE/CJPOTF sollten einen Informations- und Kommunikationskanal zur Bevölkerung aufbauen und halten, massenmedial fokussiert. Das Ziel schien erreicht, wenn Zeitung und Radiospot die Menschen erreichten. Die Zielgruppenanalysten fragten wie gewohnt nach der Befindlichkeit der Bevölkerung, etablierten später auch Fokusgruppen, führten Umfragen durch oder beauftragten einschlägige Institute. Die Medienfachleute des PSE nutzten diese Erkenntnisse für ihre Print- und Rundfunkproduktionen, die dann wiede- Axel Gablik 310 rum durch die Zielgruppenanalysten einem „Post-Test“ unterzogen wurden. Die CJPOTF entwickelte sich schließlich zum ISAF-Medienunternehmen, betrieb eine dari-paschtu-englischsprachige Zeitschrift (mit regionalen Ablegern), entwarf Plakate (Billboards), unterhielt ein landesweites Radionetzwerk mit regionalen Fenstern und produzierte hochwertige Fernsehbeiträge, für deren Ausstrahlung bei afghanischen Rundfunkanstalten Sendezeit gekauft wurde. „This is all a war of perceptions“, erklärte General Stanley A. McChrystal gegenüber Journalisten im Februar 2010. „This is not a physical war in terms of how many people you kill or how much ground you capture, how many bridges you blow up.“19 Diese Feststellung des COMISAF (Commander ISAF) war nicht nur durch die Counterinsurgency Strategy inspiriert, der McChrystal seit seinem Eintreffen in Kabul, im Sommer 2009, hartnäckig folgte. Die Erkenntnis, es handele sich doch tatsächlich um einen „War of Perceptions“, war einerseits Zukunftsversprechen über eine grundlegende Revision der ISAF-Operationen; andererseits war McChrystals Beurteilung der Lage ein Resümee dessen, was nach seiner Ansicht bislang nicht oder nur bedingt funktioniert hatte. PSYOPS konnte den „Krieg der Wahrnehmung“ nicht führen, denn der war kein spezifisch massenmediales Phänomen, dem sich aber PSYOPS verpflichtet sah. Die InfoOps-Spezialisten, die ebenfalls seit den ISAF-Anfangsjahren ihre Strukturen im Hauptquartier aufbauten, konnten es ebenfalls nicht leisten, denn sie besaßen keine belastbare Nähe zu den konventionellen Operationen, während sie die Kommunikationsaktivitäten des Hauptquartiers zu koordinieren suchten, insbesondere das Key Leader Engagement. Erstaunlich genug: Weder PSYOPS noch InfoOps hatten den Gegner im Visier, den eigentlichen Konkurrenten um die Wahrnehmung bei der Bevölkerung. Erst ab 2009 näherte man sich der Counterpropaganda verhalten an. Im Gegensatz zu InfoOps brachte PSYOPS immerhin Boots on the Ground, mehrheitlich in den Regionalkommandos, z.B. im Regional PSYOPS Support Element (RPSE) in Mazar-e Sharif, im Schwerpunkt aber in den Provincial- Reconstruction Teams (PRT) Kunduz und Faizābād, nicht zuletzt im Observation Point (OP) NORTH. In den übrigen Regional Commands war es nicht anders. Diese Tactical PSYOPS Teams (TPT) waren in ihrem Ursprungsgedanken Sensoren, die PSYOPS-Produkte in die Fläche trugen, und mit ihren Lautsprecherfahrzeugen die Bevölkerung auf Distanz ansprechen konnten. Zum Ende des Einsatzes sind die deutschen TPT im Norden Afghanistans ak- ____________________ 19 Zitiert nach Shanker, Tom: „Top U.S. Commander Sees Progress in Afghanistan“, 04.02.2010, www.nytimes.com, (04.03.2015). ISAF und das Wirken im Informationsumfeld 311 zeptierte Begleiter der Kampftruppe: Die Waffenanlagen auf ihren Dingos unterscheiden sich in Nichts von dem, was der Grenadier bedient; die in Direktkommunikation geschulten Konfliktentschärfer entlasten interkulturell kompetent den Patrouillenführer, wenn er mit dem Dorfältesten sprechen will. Den Handzettel haben sie nur noch als Grundausstattung dabei, ebenso die Lautsprecher. Der TPT-Führer ist Wirkungsberater auf der untersten taktischen Ebene geworden, da, wo ISAF den Menschen in jeglichen Belangen am nächsten kam. Dass das TPT sich infanteristisch nicht von den Teilnehmern einer Patrouille unterscheidet, ja nicht unterscheiden darf, dazu zwingt der Gegner, immer auf der Suche nach dem weak link in der ISAF-Kette. Dachte und handelte man auf der taktischen Ebene vernetzt, dachte und handelte man auf Ebene der Stäbe in den Kategorien „Zuständigkeit“ und „Aufgabenzuordnung“. Die Beeinflussung der Wahrnehmung von Akteuren oder Zielgruppen steht zwar im Lastenheft von PSYOPS und in dem von InfoOps sowieso, denn man hat die Tätigkeit von PSYOPS auch mit anderen Maßnahmen zu koordinieren und muss dabei das alles durchdringende Informationsumfeld beobachten, das allein durch die Wahrnehmung bestellt wird: „This is all in the minds of the participants“,20 wussten McChrystal wie auch seine PSYOPS- und InfoOps-Spezialisten. Aber dennoch: Es fehlte etwas, was McChrystal mit der Installation eines Deputy Chief of Staff of Communication (DCOS COMM) ab 200921 zu heilen suchte: Die Kommunikation für ISAF aus einer Hand. Das war keine Neuauflage des schon 2005 ausgegebenen Slogans One Voice – One Mission, sondern vor allem die Einsicht, welche Rolle Wahrnehmung in den Operationen spielt; der COMISAF hatte aber niemanden, der für ihn die Aufgabe verantwortlich übernahm. PSYOPS konnte es nicht leisten – und kaum überraschend auch InfoOps nicht – denn 2008/2009 verstanden die Protagonisten Kommunikation nicht als mit der Wirkung im Informationsumfeld vernetzt, sondern als Phänomen von Massenmedien und Key Leader Engagement. Hinzu kam, dass die Befehls- und Kommandostruktur im Bereich Communication zwar vielen unterschiedlichen Auffassungen und der Vielfalt von Meinungen Raum gab, aber – und das hatte sich schon seit geraumer Zeit abgezeichnet – sie konnte keineswegs mühelos dem Operationstempo folgen, geschweige denn das Tempo bestimmen, das die Taliban seit 2005/2006 ent- ____________________ 20 Odierno/Amos/McRaven, „Strategic Landpower“, S. 3. 21 Zunächst als Director Strategic Communication (StratCom) und auf der Ebene eines Brigadegenerals. Später war es eine Verwendung auf Zweisterne-Ebene, ehe sie – wie andere Stabsabteilungen auch – im Zuge der Beendigung der Mission und dem damit verbundenen Reduzieren der Kräfte und Umstrukturierungen wieder herabgestuft wurde. Axel Gablik 312 wickelten. Dem durchweg durch die USA gestellten DCOS COMM kam unter McChrystal also eine Schlüsselposition im neu strukturierten Hauptquartier zu. Die neue Abteilung zentralisierte InfoOps und Public Affairs. Der Sprecher des COMISAF saß im selben Gebäude. PSYOPS, organisiert in der CJPOTF und bislang unmittelbar dem COMISAF unterstellt, wurde strukturell eingegliedert. 3. „Facts speak louder than words“ Der „Krieg der Wahrnehmungen“ ist ausdrücklich kein Medienkrieg allein, und wäre auch falsch verstanden, wenn man ihn nur als solchen führen wollte. Das Prinzip „Facts speak louder than words“22 bildet die Basis, ist allerdings nicht mit dem bekannten Satz „Tue Gutes und rede darüber“ zu übersetzen. Wer beeinflussen will, muss Bilder stellen, muss sein Image aufbauen und pflegen. Das gelingt nur dann überzeugend, wenn man konzertiert denkt, so handelt und bei alledem die Wirkung immer im Auge behält. Wer seine Aufgabe über ein bestimmtes Methoden- oder Instrumentenportfolio definiert, der verliert die Wirkung aus dem Fokus. Wenn man aber verstanden hat, dass das Gefechtsfeld Teil des Informationsumfeldes ist, dann wandelt sich das Informationsumfeld zum operativen Handlungsraum. Das Gefecht ist kein nur taktisches Ereignis in der Auseinandersetzung mit dem Gegner, das im Ablauf ausschließlich tatsächlichen oder vermeintlichen militärischen Notwendigkeiten folgt, sondern es ist unter dem Brennglas der Bevölkerung, des Gegners, der Öffentlichkeiten in der Heimat und weltweit auch Ausweis dessen, wofür man steht und was man erreichen will. Das Gefecht setzt seine Wirkung auf die Wahrnehmung der Akteure vor allem außerhalb des Gefechtsfeldes. Es vermittelt Professionalität oder Rücksichtslosigkeit der Soldaten oder taktisches Geschick des militärischen Führers. „Gewinn und Verlust“ sind keine statistischen Werte, sondern sie generieren Bilder der ____________________ 22 Als einer der ersten Counterinsurgency-Theoretiker hat David Galula (1919–1967), ehemaliger französischer Offizier mit Einsatzerfahrungen im griechischen Bürgerkrieg und in Algerien, diesen Satz formuliert, der inzwischen in vielen Variationen in der COIN-Literatur zu finden ist. Galula ergänzte: „[The counterinsurgent] is judged on what he does, not on what he says.“ Im Gegensatz zum Gegner, der sich – so Galula in seinem erstmals 1964 erschienenen Buch – rücksichtslos der Propaganda bedienen könne, wäre dies für den Aufstandsbekämpfer vollkommen ausgeschlossen, wolle er nicht seine Mission gefährden. Galula, David: Counterinsurgency Warfare. Theory and Practice, Foreword by John A. Nagl, Westport (Connecticut)/London 2006, Zitat S. 9. ISAF und das Wirken im Informationsumfeld 313 Akteure, wie denn der Zustand der Truppe im Gefecht war und sein wird. Dass dies den Gegner interessiert, versteht sich, und er beurteilt seinen Kontrahenten nach dessen Image und seinen Abhängigkeiten. Auf der anderen Seite darf der Communication-Experte nicht vernachlässigen, dass alles, was er sagt, schreibt, versendet mit dem Verhalten seiner Kameraden im Gefecht verglichen wird. Ist die Presseerklärung über einen Vorfall, eine Absicht oder ein Feuergefecht nicht kongruent mit der Wahrnehmung der Beobachter oder geht nicht auf sie ein, droht das über Bord zu gehen, was man keinesfalls verlieren möchte: seine Glaubwürdigkeit. Der Gegner kreiert aus den Diskrepanzen seine Propagandabotschaften. Wer dies weiß, der vermeidet Bilder, die die Taliban gegen ihn verwenden können. IED-zerstörte Militärfahrzeuge sind also kein Pionierproblem, sondern ein Imageproblem, das man weder dem Gegner noch der Bevölkerung oder der Weltöffentlichkeit am Straßenrand zur Schau stellen will. Die neue Struktur im Hauptquartier spiegelte sich im ebenfalls neuen ISAF Joint Command (IJC), das die Operationsführung verantwortete. Das deutsche Regional Command North (RC N) etablierte im Sommer 2011 nach Vorbild des Hauptquartiers einen DCOS COMM, der ebenfalls PSYOPS und InfoOps vereinte, organisatorisch Public Affairs aufnahm, konsequent darauf bedacht, nichts miteinander zu vermengen.23 Allein mit dem Einpflegen der Communication-Abteilung in eine Standard Operating Procedure (SOP) und das Organigramm des Stabes wird aber der Gegner nicht beeindruckt. Wie also soll denn der War of Perceptions geführt werden? Man muss seinen Gegner kennen – erstaunlich genug, dass man ihn von Beginn an nicht ins Visier genommen hatte. Der Gegner ist es, der mit ISAF um das Urteil der Bevölkerung kämpft. Der Gegner im Informationsumfeld ist Konkurrent um die weltweite Wahrnehmung, schließlich weiß er sich in Szene zu setzen, wenn es darum geht, internationale Aufmerksamkeit und Schlagzeilen zu generieren, die Öffentlichkeit eines für ISAF truppenstellenden Staates zu adressieren (vornehmlich denjenigen, dessen medial sichtbare Debatte Unsicherheit zu offenbaren scheint), und nicht zuletzt das ISAF-Image zu attackieren. Angriffe auf Hochwertziele, wie dem Serena-Hotel in Kabul, die amerikanische Botschaft oder das Hauptquartier selbst, befördern regelmäßig kritische Diskussionen über die Fähigkeiten afghanischer Sicherheitskräfte und Debat- ____________________ 23 Siehe dazu auch Richter, Wolfgang: Wirken im Informationsumfeld. Anmerkungen zu ‚Communication‘ im ISAF-Einsatz, in: Europäische Sicherheit & Technik, 1/2013, S. 34–37. Axel Gablik 314 ten über die „richtige“ Strategie der NATO in Afghanistan.24 Allerdings ist der Propaganda nicht durch Gegendarstellungen beizukommen, und erst recht nicht mit dem Hinweis erledigt, dass die Angreifer doch allesamt tot am Tatort zu finden seien. Der Propagandist der Gegenseite benötigt tote Helden für seinen Befreiungsmythos, je mehr desto besser.25 Nur eigene Fehler zu vermeiden, ist nicht zielführend in der Konfrontation mit einem Gegner, dem jedes propagandistische Mittel recht zu sein scheint. „To get them running and to keep them running“ war die Antwort eines Counterpropaganda-Spezialisten auf die Frage, was denn Propagandaabwehr bei den Insurgenten bezwecken solle: Dem Gegner das Operationstempo im Informationsumfeld diktieren, ihm keine Zeit lassen, seine nächsten Schritte belastbar vorzubereiten, und ihn vor allem dort attackieren, wo er es nicht erwartet, wo es ihm weh tut. Dem, der nur darauf wartet, ob und wie Propaganda auftritt, gelingt weder die Prävention noch erlangt er die Initiative im Einsatzgeschehen.26 Prävention ist der Schlüssel zur Offensive. Und wie muss man sich dazu aufstellen? Tatsächlich benötigt man keine neuen Strukturen und nicht noch mehr Besprechungs- und Koordinierungsboards – ändert sich das Verständnis für die Wirkung nicht, die eben im Informationsumfeld entscheidend ist und nirgendwo sonst, gleicht diesen Operationsnachteil auch keine neue Struktur aus. Was man grundlegend und präventiv benötigt, um den Druck auf den Gegner überhaupt im gewünschten Sinne aufbauen zu können, ist die fortwährende Imagepflege, die ausschließlich mit der Wahrnehmung anderer zu tun hat: Nimmt die Bevölkerung ISAF als eine gut trainierte Truppe wahr, die sich immer angemessen und rücksichtsvoll verhält, zu der man Vertrauen fassen kann, dann ist dies natürlich positiv. Der Gegner sollte die ISAF-Soldaten als professionell und flexibel operierende Experten einschätzen, die nicht nur bereit, sondern auch immer und überall fähig sind, jede Gefechtsart zu bestehen und jede Gefechtsintensität mühelos zu verkraften. Und schließlich sollten die Öffentlichkeiten im Einsatzgebiet, in der Heimat und nicht zuletzt weltweit die Mission als politisch verantwortungsbewusst denkend und handelnd be- ____________________ 24 Ein Beispiel unter vielen anderen hinsichtlich der medialen Wirkung von kinetischen Propagandaaktivitäten der Taliban ist der Artikel von Klingert, Simon: „Losing the War of Perception“, 13.09.2011, www.foreignpolicy.com, (04.03.2015). 25 Zum Prinzip der armed propaganda siehe unter anderem Kilcullen, David: The Accidental Guerrilla. Fighting Small Wars in the Midst of a Big One, New York 2009, hier insbesondere das Unterkapitel „Taliban Propaganda“, S. 58–63. 26 Vgl. dazu unter anderem Foxley, Tim: Countering Taliban Information Operations in Afghanistan, in: PRISM, 1:4, 2010, S. 79–94, hier der Abschnitt „Taliban under Pressure“, S. 88–90. ISAF und das Wirken im Informationsumfeld 315 werten. Man kann diese drei Hauptpunkte des Wirkens in einem Szenario wie dem von ISAF weder nacheinander abarbeiten noch voneinander trennen, sie sind eine Daueraufgabe, die sich auch nicht abkürzen lässt. Die erreichte, niemals genau zu beziffernde Qualität des Images ist auch kein Ruheposten. Der propagandistisch geschulte Insurgent ist schließlich kein paralysierter Bewunderer der ISAF-Imagepflege. Er arbeitet immer dagegen, beispielsweise mit Gerüchten oder wartet auf Steilvorlagen im Informationsumfeld. Wenn, wie im Spätsommer 2009 geschehen, der neue COMISAF McChrystal medienwirksam erklärt, er wolle die Zahl der zivilen Opfer reduzieren, dann wirkt ein nur wenige Tage später durchgeführter Luftangriff, der geschätzt weit über 100 Tote in einem Flussbett bei Kunduz zählt und vermuten lässt, nicht nur wegen der Opfer desaströs im Informationsumfeld, sondern dieser Angriff belastet das Image des verantwortungsbewussten Akteurs, mithin das von ISAF.27 Als der COMISAF seinen Director of Communication (und späteren ersten DCOS COMM) mit der Untersuchung beauftragt, folgt er nicht unreflektiert der einschlägigen Stabsdienstordnung, sondern zeigt unmissverständlich, wo das Krisenmanagement stattfinden muss. Die Glaubwürdigkeit des COMISAF stand auf dem Spiel, der sich der Population Centric Counterinsurgency verschrieben hatte; dazu passte kein Air Strike mit Ziviltoten.28 Das Krisenmanagement im Informationsumfeld hatte oberste Priorität;29 ein in Tatortbegutachtung geschulter Militärpolizist kann da keine Erleichterung bringen. Die Komplexität der Kommunikationsaufwendungen bezüglich der Imagepflege erhöht sich zum Ende der Mission, weil es für die positive Deutungshoheit des internationalen Engagements keineswegs ausreicht, wenn ISAF al- ____________________ 27 Siehe unter anderem dazu Geis, Matthias/Lau, Jörg: „Das wahre Gesicht des Krieges. Der Angriff von Kundus und die Nachrichtenpolitik der Regierung stellen den Afghanistan-Einsatz in Frage. Eine Fehlersuche“, in: DIE ZEIT, 52/2009, 18.12.2009. Bemerkenswert in diesem Zusammenhang ist, dass die Taliban-Informationsaktivitäten das Ereignis nur wenig aufgriffen – man kann allerdings nur vage vermuten, dass sie für sich keinen Anlass zum propagandistischen Handeln sahen, da die mitunter hitzige Debatte in Deutschland doch in ihrem Sinne verlief: Zweifel am deutschen Einsatz insgesamt, Forderungen zum Abzug aus Afghanistan, Kritik am deutschen Offizierskorps etc. 28 In seinen Erinnerungen bringt McChrystal diesen Ansatz sehr deutlich zum Ausdruck. McChrystal, Stanley A.: My Share of the Task. A Memoir, New York 2013, S. 339– 342. 29 Vgl. dazu o.V.: „NATO Begins Investigation of Deadly Airstrike on Fuel Tanks in Afghanistan“, 05.11.2009, www.nytimes.com, (04.03.2015). Das Bild, das die 2014 in Afghanistan getötete Fotojournalistin Anja Niedringhaus für den Artikel lieferte, zeigt McChrystal zusammen mit Rearadmiral Gregory J. Smith – und könnte kaum besser ausgewählt sein, um den Ansatz des ISAF-Krisenmanagements zu illustrieren. Axel Gablik 316 lein ein gutes Standing besitzt. Also ist das Afghan Face der Operationen seit 2010 mehr als nur die Übergabe der Verantwortung, sondern gleichzeitig die Vorbereitung einer positiven Wahrnehmung des Einsatzes selbst. Ob die afghanische Bevölkerung und auch die internationale Öffentlichkeit den nationalen Sicherheitskräften zutrauen, die Sicherheit im Land nach dem Abzug der internationalen Truppen aufrecht zu erhalten, ist nicht mit Statistiken und Wahrscheinlichkeitsberechnungen zu erreichen. Das Vertrauen darin wird nur im Informationsumfeld erwirtschaftet, d.h. die Leistungsfähigkeit der ANSF muss glaubwürdig sichtbar werden. Der Übergang ist zeitaufwendig, deshalb muss vermittelt werden: „Transition is a process not an event. It must be irreversible so it will involve a phased shift to a leading role for the Afghans and a supporting role for the international effort.”30 Letztendlich bedeutet es, dass man diesen Prozess erfahrbar machen muss. Am besten gelingt dies durch gemeinsame Operationen, als Combined Team. 4. „Maintain the momentum“ Das Zusammenwirken, das verzahnte Wechselspiel von Kampftruppe und Wirkungsspezialisten für das Informationsumfeld ist entscheidend. Und dort, wo dies so gedacht wird, verliert das scheinbar nur theoretisch-konstruierte Informationsumfeld für den ISAF-Planer seinen „Nirwana“-Charakter, erweitert das eigene Handlungsspektrum erheblich. Der Operateur fragt im Contest of Wills zuerst nach der Wirkung und erst dann, wie er sie transportieren will. Feuerkraft allein beeindruckt den Gegner nicht immer und unbedingt, umso weniger, wie er in der Bevölkerung untertauchen und gegebenenfalls sogar Civilian-Casualties – verursacht durch ISAF – provozieren kann. Dass der Insurgent in der Menge abzutauchen versucht, wird ISAF ihm schwerlich verwehren können. Aber was ist, wenn man sein Image angreift, sein Image als Befreiungskämpfer, dem es allerdings nicht gut ansteht, wenn er mit seinen IED-Fallen nicht nur ISAF-Kolonnen, sondern auch die heimische Bevölkerung an der Bewegung hindert, weil die Straßen in die Unpassierbarkeit gesprengt werden? Oder wenn er Mobilfunkmasten beschädigt, um die technische Aufklärung gegen ihn zu erschweren und seine Bewegungen im Raum zu ____________________ 30 Zitiert nach dem Transkript der Rede von Botschafter Mark Sedwill, o.V.: „Afghan Sovereignty and International Partnerships. Speech by Ambassador Mark Sedwill, NATO Senior Civilian Representative in Afghanistan”, 12.05.2010, www.nato.int, (27.03.2015). ISAF und das Wirken im Informationsumfeld 317 verschleiern – aber damit auch die Kommunikation des afghanischen Handyund Smartphonebesitzers kappt?31 Ohne das Verständnis für die Wirkung im Informationsumfeld ergeben sich solche Überlegungen aber nicht. Wenn man also die Stimmungslage der Bevölkerung nutzt, die die fremden Kämpfer in ihrer Umgebung satt hat – so weiß man aus den eigenen Analysen, aus den gesammelten Atmospherics – und die Insurgenten psychologisch attackiert, in einem konzertierten Ansatz von konventioneller Umsetzung von Feuer und Bewegung und PSYOPS- Expertise auf die Kampfmoral der Insurgenten einwirkt, dann kann man sie entweder aus dem Raum drängen oder ihnen die Option der Reintegration er- öffnen. Unabdingbar ist allerdings: „Maintain the momentum!“32 Man muss den Druck aufbauen, also initiativ und offensiv bleiben, das Tempo und die Eskalationsebene bestimmen. In der Anlage einer solchen Operation geht es nicht darum, ob sie „kinetisch“ oder „nicht-kinetisch“ ausgeführt werden soll. Es ist ein vielfach zu beobachtendes Missverständnis, dass Population-Centric immer auch die Abwesenheit von letalen Mitteln bedeuten soll.33 „Winning hearts and minds in COIN is a coldblooded thing“, wird McChrystal zwar zitiert: Man könne sich den Weg aus Afghanistan nicht einfach frei schießen.34 Aber der General redete damit nicht der Dominanz nicht-letaler Ansätze das Wort, sondern forderte die Konzentration auf die Wirkung im Informationsumfeld ein. Wer dies tut, verlernt das Schießen keineswegs, wird sogar erstaunt sein, wie oft er dies tun muss, um die gewünschten Bilder zu stellen. Dennoch läuft er nicht Gefahr, Informationskampagnen als bloßen supporting effort für letale Operati- ____________________ 31 Die Ausführungen beziehen sich auf die bei Richter, „Wirken im Informationsumfeld“, S. 36, angeführte Operation in der Provinz Balkh. 32 General John R. Allen in einem Interview am 01.09.2011. Seine oberste Priorität sei es, „to maintain the momentum of the campaign and in fact to increase the pressure on the enemy as much as we possibly can“. Zitat aus o.V.: „Interview with General John R. Allen, Commander ISAF“, 01.09.2011, www.nato.int, (04.03.2015). 33 COIN wurde häufig als eine bedrohliche Restriktion eigenen Gefechtshandelns interpretiert, denn – so die Kritiker auf allen Ebenen – von COIN würden nicht nur die afghanische Zivilbevölkerung, sondern vor allem die Taliban profitieren. Gerade zum Ende seiner Zeit als COMISAF wurde McChrystal wiederholt mit solchen Kritiken konfrontiert. Vgl. Chivers, C.J.: „General faces unease among his own troops, too“, 22.06.2010, www.nytimes.com, (04.03.2015). 34 Hastings, Michael: „The Runaway General. The Rolling Stone profile of Stanley McChrystal that changed history“, in: Rolling Stone, 22.06.2010, www.rollingstone. com, (04.03.2015). Auch wenn sich später herausstellte, dass sich Hastings in seinem Artikel einige fiktionale Freiheiten erlaubte: Das hier zitierte Statement McChrystals ist authentisch. Axel Gablik 318 onsansätze zu verstehen.35 Der Maßstab und damit die Vorgabe zum operativen Design der Wirkung, die man erzielen möchte, wird durch die schon oben beschriebene Imagepflege vorgegeben: Wie wirkt man auf den Gegner? Wie erwirbt und behält man die Unterstützung der Bevölkerung? Und wie sieht die heimatliche Öffentlichkeit die Operation? Oder in einer einzigen Frage zusammengefasst: Kann diese oder jene Operation der Gesamtmission nutzen oder schaden? Und wie muss sie aussehen, damit sie nicht schadet? Wer versucht, diese Fragen auf den Einsatz oder Nichteinsatz von konventionellen Waffen zu fokussieren, wird jedenfalls scheitern. Und es geht auch nicht um eine Ökonomisierung des militärischen Kräfteansatzes. Die Beeinflussung des Gegners funktioniert nach denselben Prinzipien wie jede belastbare und vor allem glaubwürdige Aktivität im Informationsumfeld: Wer beim Lügen oder Täuschen ertappt wird, hat das Nachsehen. Wer behauptet, er wisse, wo der Gegner sei, muss auch gelegentlich dem Gegner gegenüber und anderen Akteuren unter Beweis stellen, dass dies keine Falschmeldung ist. Wenn also das Wirken im Informationsumfeld im Mittelpunkt der Planungen steht, dann kann eine Operation so aussehen: Man zeigt konventionelle Präsenz im Raum, kommuniziert gegenüber der Bevölkerung, was man beabsichtigt, adressiert aber ausdrücklich den Gegner. Es erfolgen Zugriffe, deren Ergebnisse wieder über alle zur Verfügung stehenden Kanäle kommuniziert werden. Der Gegner hat den Eindruck, dass man ihm auf den Fersen ist, er muss sich bewegen, denn offenbar weiß das Combined Team afghanischer und internationaler Kräfte tatsächlich, wo man ist: Das kann er Handzetteln oder Flugblättern (auf dem sein Bild abgedruckt ist und andere schon mit einem X versehen sind) entnehmen, im Radio hören oder der Dorfälteste sagt es ihm. Schon in diesem frühen Stadium der Operation eröffnet das Combined Team dem Kämpfern mögliche Auswege: Er kann das Reintegrationsprogramm nutzen oder er verlässt umgehend das Operationsgebiet. Die nächste Eskalationsstufe wird genommen: Direkte Ankündigung an die Adresse des Gegners, Zugriff – die Bevölkerung glaubt Fortschritt zu sehen, Informationen fließen, schließlich produzieren die Soldaten augenscheinlich keine IED- Trichter in die Straßen, sprengen keine Mobilfunkmasten und konfiszieren auch keine Häuser als Unterschlupf. Der Wirkungsansatz ist eine Kombination aus Show of Force und der gezielten Demonstration der eigenen letalen Fähigkeiten, um den psychologischen Druck aufzubauen. Die Wahrnehmung ____________________ 35 Vgl. dazu Kilcullen, David: The Accidental Guerrilla. Fighting Small Wars in the Midst of a Big One, New York 2009, S. 300. Kilcullen bezieht seine Aussage zwar auf al-Qaida, aber dass al-Qaida seinen main effort in der Propagandawirkung sieht, ist ebenso auf die Taliban und ihre Operationen gegen ISAF anwendbar. ISAF und das Wirken im Informationsumfeld 319 des Gegners wird durch die physische Bedrohung beeindruckt – man muss ihm lediglich mitteilen, was um ihn herum und gegen ihn gezielt geschieht, ihm das „Entweder-oder“ übermitteln. Das Bild der eigenen Bedrohung malt sich der Insurgent dann schon selbst aus. Irgendwann ist der Punkt erreicht, an dem die Ankündigung eines weiteren Zugriffs ausreicht: Die Masse der Kämpfer begibt sich in die Reintegration, bevor das Combined Team seine Zielliste weiter abhakt; das meist nicht einheimische Führungspersonal überwintert hingegen wie gewohnt in Pakistan. 5. Ausblicke Dass der Wirkungsexperte im weltweiten Informationsumfeld seine Karriere in Afghanistan startete, stand mit Beginn des Einsatzes nicht auf der Missionsagenda. Niemand ging in den ISAF-Einsatz, allein um seine konzeptionellen Ansätze zu überprüfen. „As we relearned“ – der ISAF-Einsatz war für PSYOPS und InfoOps Entwicklungsbeschleuniger und Revisor zugleich. Das Informationsumfeld war seit den ersten Überlegungen zu den grundsätzlichen Möglichkeiten von Informationsoperationen ein Schlüsselbegriff. Allerdings die entscheidende Wirkung auf dem Gegner liegt immer jenseits der Waffenwirkung. Und dieses Verständnis hat angesichts der dominierenden Rolle des World Wide Web naturgemäß keine andere als eine globale Dimension. Heute kann ein findiger Blogger angeblich ein Ausbildungscamp des sogenannten Islamischen Staates identifizieren, ohne seine häusliche Umgebung verlassen zu müssen.36 Die Wirkungen und Rückwirkungen solcher Akteure im Informationsumfeld sind enorm: Keine militärische Maßnahme bleibt potenziell unbeobachtet, und jede Meldung wird kommentiert, kaum dass die Aktion, die Operation etc. abgeschlossen sind. Es ist der unmittelbar erlebbare, nicht zu negierende Konnex zwischen Aktion im Einsatz und der Wirkung im Informationsumfeld, die die Erkenntnis wesentlich beeinflusst:„Jede Operation, jede Entscheidung und jede Waffenwirkung hat [...] Konsequenzen im Informationsumfeld – erwünschte oder unerwünschte“, wurde im Sommer 2013 in der Konzeption der Bundeswehr festgeschrieben. „Wirkungen können dabei weit über den eigentlichen Verantwortungsbereich hinausreichen, mit günstigen oder nachteiligen Folgen für die Gesamtsituation. Die im Infor- ____________________ 36 O.V.: „Blogger findet IS-Terrorcamp im Irak mit Google Earth“, 24.08.2014, www. spiegel.de, (04.03.2015). Axel Gablik 320 mationsumfeld wahrgenommenen, weiter verbreiteten und interpretierten Informationen beeinflussen das Denken und Handeln der Akteure.“37 Der „Informationsraum“– worin definitorisch das Informationsumfeld eingebettet ist – wird jetzt „neben den klassischen Operationsräumen Land, See und Luft“38 zum militärischen Handlungsraum. Zusammengefasst: „Streitkräfte wirken durch ihr Handeln immer auch im Informationsumfeld.“39 Wer so denkt, muss notwendig jeder Streitkraft dieses Potenzial zugestehen und tut dies auch für Aufständische, Rebellen, Milizionäre, Warlords, Terroristen. Befasst man sich erst mit ihnen, wenn der nächste Einsatz beschlossen wird, kommt man zweifellos zu spät.40 Die Prävention in den modernen Konfliktszenarien umfasst die Analyse des Informationsumfeldes, um Krisen und krisenhafte Entwicklungen frühzeitig zu erkennen, die Akteure zu identifizieren, ihre Themen, ihre Wirkung. Viele Nationen haben aus dem ISAF-Einsatz ähnliche Erfahrungen mitgenommen. Die Bundeswehr hat für ihre einschlägigen Lehren aus dem Einsatz den Begriff „Operative Kommunikation“ gefunden und das Zentrum Operative Kommunikation der Bundeswehr aufgestellt. Auch bei anderen ehemaligen ISAF-Alliierten führt der Weg offensichtlich in einen signifikanten Neuansatz. Wohin er den einen oder anderen NATO- Partner führt, ist nicht absehbar. Aber hinter das Verständnis, dass in Operationen das Einwirken auf die Wahrnehmung den Schlüssel zum politischen wie militärischen Erfolg bedeutet: Dahinter kann am Ende der ISAF-Mission niemand mehr zurückfallen. Literatur Bell, Vaughan: „How to win wars by influencing people’s bevaviour“, 16.03.2014, http://www.theguardian.com/science/2014/mar/16/how-to-win-wars-by-influencingpeoples-behaviour, (27.03.2015). Bernardi, Daniel Leonard/Cheong, Pauline Hope/Lundry, Chris/Ruston, Scott W.: Narrative Landmines. Rumors, Islamist Extremism, and the Struggle für Strategic Influence. New Brunswick/New Jersey/London 2010. Bundesminister der Verteidigung: Konzeption der Bundeswehr, Berlin 01.07.2013. ____________________ 37 Bundesminister der Verteidigung: Konzeption der Bundeswehr, Berlin 01.07.2013, S. 35. 38 Ebd., S. 31. 39 Bundesminister der Verteidigung: Konzeption der Bundeswehr, Berlin 01.07.2013, S. 35. 40 Vgl. dazu Ingram, Haroro J.: „Three Lessons from the Modern Era of Small Wars“, 26.05.2014, www.isn.ethz.ch, (04.03.2015). ISAF und das Wirken im Informationsumfeld 321 Chivers, ChristopherJ.: „General faces unease among his own troops, too“, 22.06.2010, http://www.nytimes.com/2010/06/23/world/asia/23troops.html?_r=0&pagewanted=print, (27.03.2015). Von Clausewitz, Carl: Vom Kriege, 19. Auflage, Bonn 1890. Council on Foreign Relations (Hrsg.): „Admiral Mullen's Speech on Military Strategy, Kansas State University, March 2010“, 03.03.2010, http://www.cfr.org/defense-strategy/ admiral-mullens-speech-military-strategy-kansas-state-university-march-2010/p21590, (04.03.2015). Foxley, Tim: Countering Taliban Information Operations in Afghanistan, in: PRISM, Vol. 1, No. 4, S. 79–94. Galula, David: Counterinsurgency Warfare. Theory and Practice, Foreword by John A. Nagl, Westport (Connecticut)/London 2006. Geis, Matthias/Lau, Jörg: „Das wahre Gesicht des Krieges. Der Angriff von Kundus und die Nachrichtenpolitik der Regierung stellen den Afghanistan-Einsatz in Frage. Eine Fehlersuche“, in: DIE ZEIT, 52/2009, 18.12.2009. Hastings, Michael: „The Runaway General. The Rolling Stone profile of Stanley McChrystal that changed history”, in: Rolling Stone, 22.06.2010, http://www.rollingstone.com/ politics/news/the-runaway-general-20100622, (27.03.2015). Hoffman, Frank G.: Hybrid Warfare and Challenges, in: Joint Force Quarterly, 52:1, 2009, S. 34–48. Ingram, Haroro J.: „Three Lessons from the Modern Era of Small Wars“, 26.05.2014, http://www.isn.ethz.ch/layout/set/print/content/view/full/24620?lng=en&id=180191, (27.03.2015). Janssen, Elmar: „Kommunikationsmanagement und Kriegsführung im 21. Jahrhundert: die neue Art des Feindkontakts zwischen psychologischer Kampfführung und PR- Schlachten nach 9/11“, in: Thomas, Jäger (Hrsg.): Die Welt nach 9/11. Auswirkungen des Terrorismus auf Staatenwelt und Gesellschaft, (Zeitschrift für Außen- und Sicherheitspolitik, Sonderheft 2), 2011, S. 717–738. Kilcullen, David: The Accidental Guerrilla. Fighting Small Wars in the Midst of a Big One, New York 2009. King, Sara B.: Military Social Influence in the Global Information Environment: A Civilian Primer, in: Analyses of Social Issues and Public Policy, 11:1, 2011, S. 1–26. Klingert, Simon: „Losing the War of Perception“, 13.09.2011, http://www.foreignpolicy. com/articles/2011/09/13/losing_the_war_of_perception, (27.03.2015). Lezzi, Bruno: „Die Zukunft der Landstreitkräfte – Keine militärischen Mauerblümchen“, 19.11.2013, http://www.nzz.ch/aktuell/startseite/keine-militaerischen-mauerbluemchen- 1.18187748, (27.03.2015). van Loon, Ton: ‘Vernetzte Sicherheit‘ im Alltag eines Korps: Ein Versuch des I. Deutsch- Niederländischen Korps, neue Wege zu gehen, in: Borchert, Heiko/Thiele, Ralph (Hrsg.): Vernetzte Sicherheit. Eine konstruktive Zwischenbilanz, (Zeitschrift für Außenund Sicherheitspolitik, Sonderheft 4/2012). McChrystal, Stanley A.: My Share of the Task. A Memoir, New York 2013. Odierno, Raymond T./Amos, James F./McRaven, William H.: „Strategic Landpower, Winning the Clash of Wills, Strategic Landpower and the Inherently Human Nature of Conflict“, 2013, http://www.tradoc.army.mil/FrontPageContent/Docs/Strategic%20Landpow er%20White%20Paper.pdf, (27.03.2015). Axel Gablik 322 O.V.: „NATO Begins Investigation of Deadly Airstrike on Fuel Tanks in Afghanistan“, 05.11.2009, http://www.nytimes.com/2009/09/06/world/asia/06afghan.html?_r=0, (27. 03.2015). O.V.: „Afghan Sovereignty and International Partnerships. Speech by Ambassador Mark Sedwill, NATO Senior Civilian Representative in Afghanistan“, 12.05.2010, http:// www.nato.int/cps/en/natohq/opinions_63616.htm?selectedLocale=en, (27.03.2015). O.V.: „Interview with General John R. Allen, Commander ISAF“, 01.09.2011, http:// www.nato.int/cps/fr/natohq/opinions_77543.htm?selectedLocale=en, (27.03.2015). O.V: „Blogger findet IS-Terrorcamp im Irak mit Google Earth“, 24.08.2014, http:// www.spiegel.de/netzwelt/web/blogger-findet-is-terrorcamp-im-irak-mit-google-earth-a- 987797.html, (27.03.2015). Richter, Wolfgang: „Wirken im Informationsumfeld. Anmerkungen zu ‚Communication‘ im ISAF-Einsatz“, in: Europäische Sicherheit & Technik, 1/2013. Scahill, Jeremy: Dirty Wars. The World is a Battlefield, New York 2013. Shanker, Tom: „Top U.S. Commander Sees Progress in Afghanistan“, 04.02.2010, http://www.nytimes.com/2010/02/05/world/asia/05gates.html?_r=0, (27.03.2015). Supreme Headquarters Allied Powers Europe (SHAPE): „ACO Directive (AD) 95-2ACO Strategic Communications”, 21.05.2012, http://www.aco.nato.int/systems/file_download .ashx?pg=3029&ver=2, (27.03.2015).

Chapter Preview

References

Zusammenfassung

Der Stabilisierungseinsatz in Afghanistan hat die Außen- und Sicherheitspolitik der Bundesrepublik so nachhaltig geprägt wie kein internationales Engagement zuvor. Der deutsche Beitrag zum Wiederaufbau des Landes war dabei von einem gesamtstaatlichen Ansatz geprägt, bei dem Sicherheit und Entwicklung ineinandergreifen sollten. Die Realität im Einsatzland stellte die deutschen Soldaten, Diplomaten, Entwicklungshelfer und Polizeiausbilder jedoch vor enorme Herausforderungen.

Das Ende des Mandats der internationalen Schutztruppe ISAF zum Jahreswechsel 2015 gibt Anlass, die hier gewonnenen Erfahrungen und Lehren der unterschiedlichen zivilen und militärischen Akteure festzuhalten. Vor dem Hintergrund einer bestenfalls gemischten Erfolgsbilanz, aber auch angesichts der aktuellen Krisen und Konflikte an den Rändern Europas, ist eine solche Aufarbeitung des Einsatzes von außerordentlicher Relevanz.

Der Sammelband bringt eine einzigartige Vielfalt an Perspektiven von einsatzerfahrenen militärischen und zivilen Führungskräften zusammen. Abgerundet wird das Bild durch Analysen der strategischen Konzepte, die den Einsatz prägten, der Perspektive aus den einzelnen Bundesministerien sowie der persönlichen Bilanz von bedeutenden politischen Entscheidungsträgern.

Mit Beiträgen von: Phillip Ackermann, Hans-Peter Bartels, Jörg Bentmann, Christian von Blumröder, Marcel Bohnert, Axel Dohmen, Udo Ewertz, Dirk Freudenberg, Hans-Werner Fritz, Axel Gablik, Dorothea Gieselmann, Volker Halbauer, Stefan Hansen, Jannis Jost, Bruno Kasdorf, Joachim Krause, Wolfgang Lauenroth, Winfried Nachtwei, John A. Nagl, Stefan Oswald, Wolf Plesmann, Hans-Joachim Ruff-Stahl, Helge Rücker, Marcus Schaper, Ulrich Schlie, Björn Schreiber, Robin Schroeder, Hendrik Staigis, Gerald Stöter, Christine Toetzke, Christopher Urbas, Florian Wätzel und Matthias Weber.