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Wolfgang Lauenroth, Spezialkräfte der Bundeswehr im Einsatz: Vom Kampf gegen den Terrorismus zur Unterstützung von einheimischen Sicherheitskräften in einer Aufstandsumgebung am Beispiel von Afghanistan in:

Robin Schroeder, Stefan Hansen (ed.)

Stabilisierungseinsätze als gesamtstaatliche Aufgabe, page 347 - 368

Erfahrungen und Lehren aus dem deutschen Afghanistaneinsatz zwischen Staatsaufbau und Aufstandsbewältigung (COIN)

1. Edition 2015, ISBN print: 978-3-8487-0690-7, ISBN online: 978-3-8452-4901-8, https://doi.org/10.5771/9783845249018-347

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347 Kapitel 23 Spezialkräfte der Bundeswehr im Einsatz: Vom Kampf gegen den Terrorismus zur Unterstützung von einheimischen Sicherheitskräften in einer Aufstandsumgebung am Beispiel von Afghanistan Wolfgang Lauenroth Veröffentlichungen zum Thema Spezialkräfte der Bundeswehr behandeln vorwiegend die Modalitäten der parlamentarischen Kontrolle1 oder gehen auf Strukturen, Fähigkeiten sowie Ausbildung und Ausrüstung ein. Indes liegen kaum Beiträge zum Einsatz von Spezialkräften der Bundeswehr im Kontext internationaler, zivil-militärischer Interventionen vor, in denen die Wirksamkeit dieser Einsätze beleuchtet wird. In diesem Beitrag soll dies am Wandel des Einsatzes der Spezialkräfte der Bundeswehr in Afghanistan seit 2001 nachgezeichnet werden. Dabei wird hauptsächlich auf die Rolle der Spezialkräfte eingegangen, die zunächst in der militärischen Bekämpfung des internationalen Terrorismus bestand und später im Aufbau von Einheiten der afghanischen Spezialpolizei in einer Aufstandsumgebung mündete. Unberücksichtigt bleiben andere Aufgaben der Spezialkräfte, wie z.B. im Rahmen der nationalen Risikovorsorge. 1. Einsatz der Spezialkräfte der Bundeswehr in Afghanistan Ende 2001 bereiteten sich Spezialkräfte der Bundeswehr auf ihren Einsatz im Rahmen der Operation Enduring Freedom (OEF) vor: Einer Operation, die von den USA und einer Coalition of the Willing als Reaktion auf die Anschläge des 11. Septembers 2001 begonnen wurde. Bis Anfang Dezember 2001 ha- ____________________ 1 Zur parlamentarischen Kontrolle siehe beispielsweise Fröhling, Hans-Günter: Das Kommando-Spezialkräfte (KSK) aus dem Blickwinkel der Inneren Führung, in: Bald, Detlef/Fröhling, Hans-Günter/Groß, Jürgen/Freiherr von Rosen, Claus (Hrsg): Zurückgestutzt, sinnentleert, unverstanden: Die Innere Führung der Bundeswehr, Baden- Baden 2008; zu Strukturen, Fähigkeiten usw. siehe Baach, Werner: Rambos unerwünscht. Das Kommando Spezialkräfte – eine Elitetruppe des Heeres wächst auf, in: Truppenpraxis/Wehrausbildung, Nr. 11, November 1996, S. 741ff. Wolfgang Lauenroth 348 ben Einheiten der CIA sowie US- und britische Spezialkräfte2 die Nordallianz unterstützt, um die Taliban aus den von ihnen besetzten Städten – zuletzt aus Kandahar im Süden Afghanistans – zu verdrängen. Ab 2002 beteiligten sich schließlich Spezialkräfte aus weiteren NATO- und nicht-NATO-Staaten im Rahmen von OEF am „Kampf“ gegen die Taliban und al-Qaida, der mit der Operation Anaconda3 im Osten Afghanistans seinen vorläufigen Höhepunkt erreichte. Zwar folgten die USA der Idee des Chefs der United Nations Assistance Mission in Afghanistan (UNAMA), Lakhdar Brahimi, sich auf einen leichten militärischen Fußabdruck4 in Afghanistan abzustützen, doch nahm der Anteil an konventionellen Truppen5 im Vergleich zu den Spezialkräften stetig zu. In Kabul wurde zum Jahreswechsel 2001/2002 die International Security Assistance Force (ISAF) eingerichtet, zunächst unter Führung einer jeweiligen Lead Nation bis die NATO die Führung übernahm und ISAF schließlich auf ganz Afghanistan ausweitete. Obwohl die deutschen Spezialkräfte formal6 erst 2008 aus dem OEF-Mandat herausgelöst wurden, endete der letzte Einsatz im Rahmen von OEF bereits 2005. Seit diesem Jahr werden sie auch unter ISAF-Mandat7 eingesetzt, sind jedoch auf den Einsatzraum des Regionalkommandos Nord beschränkt. Der Krieg im Irak entzog ab 2003 dem militärischen Engagement in Afghanistan Aufmerksamkeit und Ressourcen,8 führte jedoch dazu, dass die sich zunehmend verschlechternde Lage im Irak das US- ____________________ 2 Siehe hierzu insbesondere Smith, Michael: Killer Elite. The Inside Story of America’s most Secret Special Operations Team, New York 2006, S. 205ff. 3 Die Operation wird ausführlich beschrieben in Naylor, Sean: Not a Good Day to Die. The Untold Story of Operation Anaconda, New York 2005. Zur Führungsstruktur der Operation Anaconda siehe Fleri, Edgar/Howard, Ernest/Hukill, Jeffrey/Searle, Thomas R.: „Operation Anaconda Case Study“, 13.11.2003, www.au.af.mil, (13.06. 2013). 4 Vgl. Van Heyst, Norbert: Stabilisierung und Befriedung nach 30 Jahren Krieg. Lageanalyse und Perspektiven nach drei Jahren ISAF-Einsatz in Afghanistan, in: Gomm-Ernsting, Claudia/Günther, Annett (Hrsg.): Unterwegs in die Zukunft. Afghanistan – drei Jahre nach dem Aufbruch vom Petersberg, Berlin 2005, S. 327. 5 Zum Aufwuchs konventioneller Truppen und was dies für die Operationsführung in Afghanistan bedeutete, siehe Rothstein, Hy S.: Afghanistan & the Troubled Future of Unconventional Warfare, Annapolis 2006, S. 109ff. 6 Vgl. Deutscher Bundestag: Drucksache 16/10720, 29.10.2008. 7 Vgl. hierzu die unterschiedliche Akzeptanz des OEF- bzw. ISAF-Mandats in der parlamentarischen Diskussion, in: Deutscher Bundestag: Drucksache 16/6325, 11.09. 2007. 8 Vgl. Harsch, Michael F.: A Reluctant Warrior. The German Engagement in Afghanistan, Peaceresearch Institute Oslo (PRIO), Oslo 2011, S. 12. Spezialkräfte der Bundeswehr im Einsatz 349 Militär 2006 zur Neuauflage eines Field Manual9 zum Thema Counterinsurgency (COIN) bewegte.10 Allerdings dauerte es noch bis Mitte 2008, bis das Hauptquartier (HQ) ISAF „COIN“ ausdrücklich als Denk- und Sprachrahmen in seine militärischen Planungen11 einführte. In den Operationsplänen von ISAF ist COIN seit 2009 durchgehend bestimmendes Merkmal. Neben COIN wurde 200812 im HQ ISAF auch die Zusammenarbeit mit den afghanischen Sicherheitskräften (ANSF) mit einem als Partnering bezeichneten Ansatz intensiviert, der 2011 in die Security Force Assistance (SFA)13-Rolle überführt wurde. Während die Spezialkräfte der Bundeswehr bis 2009 im Regionalkommando Nord vornehmlich Aufklärung betrieben und vereinzelt Festsetzungsoperationen durchführten, begann 2010 das Spezialkräftehauptquartier von ISAF (HQ ISAF SOF) den landesweiten Aufbau von afghanischen Spezialpolizeieinheiten.14 Damit bedeutete der Aufbau und Einsatz afghanischer Sicherheitskräfte für die Spezialkräfte der Bundeswehr den Einstieg in die Einsatzart Military Assistance (MA). MA ist neben Direct Action (DA) und Special Reconnaissance (SR) eine der drei wesentlichen Einsatzarten15 von NATO-Spezialkräften. ____________________ 9 Vgl. United States Headquarters Department of the Army (Hrsg.): The U.S. Army/Marine Corps Counterinsurgency Field Manual. U.S. Army Field Manual No. 3- 24, Marine Corps Warfighting Publication No. 3–33.5, Washington D.C. 2006. 10 Dies wird ausführlich beschrieben in Robinson, Linda: Tell me how this ends – General David Petreaus and the search for a way out of Iraq, New York 2008. 11 Vgl. Barbin, Jeronimo/Tettweiler, Falk: „Strategiewechsel in Afghanistan? Counterterrorism und Anstöße für eine deutsche Diskussion“, Juli 2012, www.swp-berlin.org, (07.11.2013), S. 7; vgl. Bowman, Steve/Dale, Cathrine: War in Afghanistan: Strategy, Military Operations, and Issues for Congress, Congressional Research Service, 03.12.2009, S. 10. 12 Vgl. Hrychuk, Heather: Decision Making at the Theatre Strategic Level: ISAF HQ, Journal of Military and Strategic Studies 14(3/4), 2012, S. 5. 13 Vgl. United States Headquarters Department of the Army (Hrsg.): Field Manual (FM) 3-07.1, Security Force Assistance, Washington D.C. 2009. 14 ISAF SOF/TF 10 Public Affairs: „ISAF SOF Commander’s Conference developspartnerships“, www.isaf.nato.int, (09.06.2013); vgl. o.V.: „Eine Sondereinheit der afghanischen Polizei weist den Weg für die Sicherheitskräfte im Land“, www.welt.de, 12.07.2012. 15 Das Aufgabenspektrum der Spezialkräfte soll an dieser Stelle nicht ausführlich dargestellt werden. Auch ist es nicht Absicht, auf die Unterschiede zwischen den Aufgabenbeschreibungen der US- oder NATO-Spezialkräfte einzugehen. Zur Aufgabenbeschreibung im Kontext COIN siehe NATO (Hrsg.): Allied Joint Doctrine for Counterinsurgency (AJP-3.4.4), Februar 2011, www.info.publicintelligence.net, (22.06. 2013), S. 5–32. Zur genaueren Beschreibung des Einsatzspektrums der Spezialkräfte der Bundeswehr siehe Noetzel, Timo/Schreer, Benjamin: „Spezialkräfte der Bundeswehr – Strukturerfordernisse für den Auslandseinsatz“, September 2007, www.swpberlin.org, (07.11.2013). Wolfgang Lauenroth 350 2. Vom Kampf gegen den Terrorismus zur Aufstandsbewältigung Unabhängig davon, ob der Einsatz der Spezialkräfte der Bundeswehr 2001 primär als politisches Symbol zu verstehen ist und somit als „sichtbarer“ Teilbeitrag Deutschlands für die US-geführte Coalition of the Willing die „uneingeschränkte Solidarität“ einlösen sollte, sah der Auftrag16 für die Bundeswehr vor, „Führungs- und Ausbildungseinrichtungen von Terroristen auszuschalten, Terroristen zu bekämpfen, gefangenzunehmen und vor Gericht zu stellen sowie Dritte dauerhaft von der Unterstützung terroristischer Aktivitäten abzuhalten.“ Als 2002 die deutschen Spezialkräfte der Task Force (TF) K-Bar17 als Teil der Combined Joint Special Operations Task Force South (CJSOTF-S) in Kandahar zugeordnet wurden, sah der Einsatz der in dieser Task Force zusammengefassten internationalen Spezialkräfte die Verfolgung von „Terroristen“ vor, zu denen die Taliban, al-Qaida-Angehörige und „ausländische“18 Kämpfer unterschiedslos gerechnet wurden. Dennoch äußerte sich der Einsatz vornehmlich in Sensitive Site Exploitation19 genannten Operationen, bei denen Gebäude durchsucht oder Geländeabschnitte abgeriegelt und durchkämmt wurden.20 Dabei blieb es hauptsächlich den in OEF eingesetzten US-Einheiten vorbehalten, die für diese Operationen erforderlichen Informationen bereitzustellen. Die vereinfachende Beschreibung des militärischen Auftrags als „Bekämpfung von Terroristen“ suggerierte, dass hierfür geeignete Verfahren existierten, die von der Identifikation legitimer Ziele bis zur nachhaltigen Eindämmung terroristischer Aktivitäten reichte. Eine militärtechnische Überlegenheit galt als hinreichende Bedingung zur Durchführung von Operationen und begünstigte die Annahme, dass Aufklärungs- oder Durchsuchungsoperationen nahezu ohne Kenntnis des afghanischen Kontextes21 durchgeführt wer- ____________________ 16 Vgl. Deutscher Bundestag, Drucksache 14/7296, 07.11.2001, S. 3. 17 Vgl. United States Special Operations Command (Hrsg.): „History 1987–2007“, 2007, www.fas.org, (22.06.2013), S. 104. 18 Die Rolle der „Foreign Fighters“ in Afghanistan wird anschaulich für den Zeitraum 1980–2010 nachgezeichnet in Williams, Brian G.: „On the trail of the ‚Lions of Islam‘: Foreign Fighters in Afghanistan and Pakistan 1980–2010“, Frühjahr 2011, www.fpri.org, (19.02.2015), S. 216. 19 Vgl. Doty, Denis P. (USAF): „Command and Control of Special Operations Forces for 21st Century Contingency Operations“, 03.02.2003, www.dtic.mil, (22.06.2013). 20 Zur Aufgabenbeschreibung TF K-Bar siehe Price, Johann: „Operation Enduring Freedom: Commands and HQs“, 01.06.2002, www.orbat.com, (13.06.2013). 21 Bis heute sehen einige Autoren die Kenntnisse über die politischen und soziokulturellen Verhältnisse in Afghanistan in den US-Kräften und auch in den Einsatzkontingenten der Bundeswehr nicht als ausreichend an. Siehe hierzu beispielsweise o.V.: „Truppenabzug bis 2014 – Kritik von McChrystal“, 07.10.2011, www.abendblatt.de, (22.06.2013); vgl. Brand, Matthew C.: „General McChrystal’s Strategic Assessment. Spezialkräfte der Bundeswehr im Einsatz 351 den konnten. Neben Informationen zum Aufenthalt von vermutlichen Taliban in bestimmten Gehöften oder kellerartigen Infrastrukturen („caves“) waren demzufolge keine weiteren Voraussetzungen erforderlich, die eine Operation begründeten. Auch wenn Anfang 2002 bereits damit begonnen wurde, die afghanischen Sicherheitskräfte aufzustellen22, und örtliche Milizen unmittelbar nach dem Sturz der Taliban anfingen, die Machtverhältnisse neu zu ordnen, waren Verbindungsaufnahmen mit afghanischen Sicherheitskräften oder Vertretern der örtlichen Eliten für die Vorbereitung oder Durchführung von Operationen nicht vorgesehen. Vielmehr bestand die Vorstellung, dass der Einsatz technischer Aufklärungsmittel23 ein ausreichend valides Lagebild bereitstellte und die technischen Fähigkeiten im Bereich Lufttransport und Luftnahunterstützung das Risiko der Einsätze der Spezialkräfte auf ein tragbares Maß absenkten. Es war in der Anfangsphase des Einsatzes deutscher Spezialkräfte in Afghanistan also nicht notwendig, im Rahmen von Einsätzen die Verbindung zu afghanischen24 Sicherheitskräften zu suchen oder gar eine Zusammenarbeit zu beginnen. OEF fand vor dem Hintergrund einer erweiterten US-geprägten Konfliktbeschreibung, dem Global War on Terror (GWOT), statt und war ausschließlich als ein „Kampf“ gegen den Terrorismus ausgelegt. Der zeitgleiche Einsatz von US-Spezialkräften auf den Philippinen25 unterstrich diesen internati- ____________________ Evaluating the Operating Environment in Afghanistan in the Summer of 2009“, Research Paper 2011–1, Juli 2011, aupress.au.af.mil, S. 2ff.; vgl. Wörmer, Nils: The Networks of Kunduz – A History of Conflict and Their Actors, from 1992 to 2001, Afghanistan Analyst Network Thematic Report 02/2012. 22 Interessanterweise waren es US-Spezialkräfte, die 2002 mit dem Aufbau der ANA begannen. Siehe hierzu Younossi, Obaid/Thruelsen, Peter D./Vaccaro, Jonathan/Sollinger, Jerry M./Grady, Brian: The Long March. Building an Afghan National Army, 2009, www.rand.org, (22.06.2013), S. 29; vgl. Brooks, Michael G. (Hrsg.): „Eyewitness to War Oral History Series: US Army Advisors in Afghanistan“, 2010, www.cgsc.edu, (22.06.2013). 23 Siehe hierzu die Praxis der US-Kräfte in der Anfangsphase von Operation Enduring Freedom, sich weitestgehend auf die Aufklärung durch Drohnen abzustützen. Vgl. Rothstein, Afghanistan & the Troubled Future of Unconventional Warfare, S. 134– 135. 24 Vgl. hierzu die „Aufgabenteilung“ zwischen TF Dagger und TF K-Bar, nach der es TF Dagger vorbehalten blieb, mit afghanischen Milizen zusammen zu arbeiten. Vgl. Naylor, Not a Good Day to Die, S. 47. 25 Zur Einordnung der US Maßnahmen im Rahmen der Operation Enduring Freedom auf den Philippinen, siehe Lambert, Geoffrey/Lewis, Larry/Sewall, Sarah: Operation Enduring Freedom – Philippines: Civilian Harm and the Indirect Approach, in: PRISM, 3:4, 2012, S. 117ff. Zur Beschreibung des Verhältnisses zwischen dem Global War on Terror und den lokalen Insurgencies, siehe den Abschnitt „Countering Global Insurgency“,in Kilcullen, David: Counterinsurgency, Oxford 2010, S. 165ff. Wolfgang Lauenroth 352 onalen Charakter. Dieser „Kampf“ wurde dabei im Wesentlichen auf die „Ausschaltung“ von Einrichtungen der Terroristen oder die „Bekämpfung“ eben dieser Terroristen reduziert. Die Präzisierung von „Bekämpfung“ durch die Formulierung „kill or capture“ in der US-Befehlssprache entsprach schon zum damaligen Zeitpunkt nicht den Vorstellungen der deutschen politischen Leitung und militärischen Führung. Somit war dies keine wirkliche Handlungsmöglichkeit26 für die deutschen Spezialkräfte. Die Frage, inwieweit die Taliban einer lokalen, religiös und politisch motivierten Sache verpflichtet waren, während al-Qaida seine Ziele transnational ausrichtete, blieb in dieser Art Sammelbeschreibung von Taliban, al-Qaida-Angehörigen und Foreign Fighters als „Terroristen“ zunächst irrelevant. Die militärische Konfliktbeschreibung für den Einsatzraum Afghanistan kam mit einer weitestgehenden Beschränkung auf die Konfliktsymptome aus und bedurfte nur am Rande eines genaueren Verständnisses der zugrundeliegenden Konfliktdynamik.27 Insofern bestand also kein Anlass, in einem möglichen Erstarken der Taliban den Katalysator für einen innerafghanischen und maßgeblich aus Pakistan geführten Aufstand zu sehen. Diese Konfliktwahrnehmung sollte sich knapp zehn Jahre später im Zuge der Diskussionen über die Konzepte zur Aufstandsbewältigung radikal ändern, allerdings für die Bundeswehr28 und damit auch ihre Spezialkräfte, mit erheblichem Zeitverzug. 3. Grenzen im Kampf gegen den Terrorismus Obwohl der Bundestagsbeschluss zum Einsatz der Spezialkräfte der Bundeswehr in Afghanistan eine Gefangennahme von Terroristen nicht ausschloss, vermied eine fehlende rechtliche Klarstellung29 der erforderlichen Modalitäten30 durch das Bundesministerium der Verteidigung (BMVg) die Durchfüh- ____________________ 26 Allerdings handelt es sich hierbei um eine selbstauferlegte Beschränkung, siehe Rudolf, Peter/Schaller, Christian: „Targeted Killing“, Juli 2012, www.swp-berlin.org, (07.11.2013), S. 21; vgl. auch Deutscher Bundestag: Drucksache 16/7794, 18.01. 2008, S. 22. 27 Eine organisations-theoretische Beschreibung der Konfliktdynamik liefert Sinno, Abdulkader H.: Organizations at War in Afghanistan and Beyond, Ithaca 2008. 28 Vgl. Wörmer, The Networks of Kunduz. 29 Vgl. Deutscher Bundestag: Plenarprotokoll 16/193, 04.12.2008, S. 20835. 30 Ausführlich wird die fehlende Regelung zum Sachverhalt „Gefangennahmen durch KSK-Angehörige“ in der Operation Enduring Freedom im Abschnitt „Einsatzregeln des KSK für Gefangennahmen“ beschrieben in: Deutscher Bundestag: Beschlussempfehlung und Bericht des Verteidigungsausschusses, Drucksache 16/10650, 15.10. 2008, S. 97ff. Spezialkräfte der Bundeswehr im Einsatz 353 rung von Gefangennahmen durch Spezialkräfte der Bundeswehr. Dies waren aber die Operationen, die den in Afghanistan eingesetzten Spezialkräften insgesamt, und somit auch der TF K-Bar, zugedacht waren. Dieser offiziell nicht angezeigte Vorbehalt reduzierte das Spektrum der durchführbaren Operationen auf Aufklärung und Durchsuchungsoperationen ohne Festsetzungen. Insofern ist es wenig erstaunlich, dass den in Afghanistan eingesetzten Spezialkräften der Bundeswehr gleich zu Beginn der Teilnahme an OEF kaum plausibel zu vermitteln war, welchen Sinn diese Art von Einsatz habe, wenn entscheidende Rahmenbedingungen für eine zweckmäßige Verwendung von Fähigkeiten der Spezialkräfte nicht gegeben waren.31 Da im Selbstverständnis der Spezialkräfte ein durchgehender Einsatz sich ablösender Kontingente zunächst nicht vorgesehen war, unterstrich die eher geringe Anzahl an Operationen nur deren symbolischen Charakter. Die Spezialkräfte der Bundeswehr befanden sich in OEF in dem Dilemma, Operationen mit Festsetzungen, für die sie ausgebildet waren, nicht durchführen zu dürfen. Und das, obwohl die konzeptionellen Grundlagendokumente der Bundeswehr sowie das Bundestagsmandat für die Teilnahme an OEF diese nicht ausschlossen. Die fehlende Klarstellung, wie die im Mandat ausdrücklich erwähnten Festsetzungen durchzuführen seien, führte dazu, dass Spezialkräfte ohne ein entsprechendes Regelwerk entsandt wurden. Es konnte der Standpunkt eingenommen werden, dass bereits die bloße Entsendung von Spezialkräften ein entscheidendes politisches Symbol32 darstellte. Jedoch führte diese Annahme dazu, die Spezialkräfte der Bundeswehr in OEF für Aufgaben mit geringerer Priorisierung einzusetzen, denen folglich auch weniger Ressourcen in Form von Lufttransportraum, Luftnahunterstützung oder Aufklärungsträgern zugewiesen wurden. Dies wiederum vergrößerte die zeitlichen Abstände zwischen den einzelnen Operationen, obwohl das gesamte Aufkommen an möglichen Zielen nicht nachließ, sondern nur durch andere Spezialkräfte wahrgenommen wurde.33 ____________________ 31 Beim Einsatz der Spezialkräfte konnte der Widerspruch zwischen den Aufträgen, die durch CJSOTF-S vorgegeben wurden und Gefangennahmen vorsahen, und den Aufträgen, die die deutschen Spezialkräfte schließlich durchführten, vor dem Hintergrund des eigenen Selbstverständnisses nicht gelöst werden. Deutlich wird dies im zweiten Teil, Abschnitt D, im Bericht des Verteidigungsausschusses, in: Deutscher Bundestag, Drucksache 16/10650, S. 90ff. 32 Vgl. hierzu die Aussage des damaligen Generalinspekteurs der Bundeswehr zum Auftrag und den Einsätzen der Spezialkräfte, in: Deutscher Bundestag, Drucksache 16/10650, S. 171. 33 Dies zeigt folgender Vergleich: Task Force K-Bar führte im Zeitraum ihres Bestehens 65 Operationen durch (nicht einbezogen Unterstützungsleistungen im Rahmen der Operation Anaconda), die deutschen Spezialkräfte im gleichen Zeitraum ungefähr Wolfgang Lauenroth 354 Im Kampf gegen den Terrorismus stieß der deutsche Beitrag mit der Entsendung von Spezialkräften für OEF daher im Ergebnis schnell an seine Grenzen. Alternativen konnten zunächst nicht entwickelt werden, denn die Abhängigkeit von US-Ressourcen, die einen unabhängigen Einsatz der deutschen Spezialkräfte ausschloss, war bestimmend. Außerdem war das Wissen um die Notwendigkeit des Aufbaus afghanischer Sicherheitskräfte und die Schwierigkeiten, die ein derartiges Unternehmen in sich barg, noch nicht im militärischen Denken verankert. Allerdings eröffnete OEF die Gelegenheit für eine Selbstverortung der Spezialkräfte der Bundeswehr, da in der unmittelbaren Zusammenarbeit mit anderen, insbesondere den US-Spezialkräften, ein direkter Vergleich im Bereich der Ausbildung, Ausrüstung und der Verfahren vorgenommen werden konnte, der Anlass zu Anpassungen und Entwicklungen gab und die Interoperabilität in multinational zusammengestellten Verbänden erhöhte. 4. Paradigmenwechsel in der militärischen Operationsführung Innerhalb weniger Jahre verschlechterte sich die Sicherheitslage in Afghanistan. Dieser Prozess begann bereits nach der vorläufigen Entmachtung der Taliban gleich zu Beginn von OEF. Obwohl mit der Sicherheitssektorreform die Weichenstellung auch für den Polizeiaufbau gestellt war, konzentrierte sich das militärische Vorgehen in Afghanistan hauptsächlich auf die Suche nach dem „Feind“. Da seit 2002 neben den Spezialkräften nunmehr auch Verbände konventioneller Truppen eingesetzt wurden, nahm die Zahl der Durchsuchungsoperationen insgesamt zu und beschleunigte somit einen Entfremdungsprozess34 in der Bevölkerung. Dieser Prozess verstärkte sich zunehmend aufgrund stetig ansteigender ziviler Opferzahlen infolge des massiven Rückgriffs auf Luftnahunterstützung oder durch unangemessene Gewaltanwendung bei Gebäudedurchsuchungen. Auch ISAF gelang es nicht, diesem Trend entgegen zu wirken, da die militärische Vorgehensweise einem ähnlichen Muster wie die der unter OEF-Mandat geführten Truppen folgte. Der Irakkrieg lenkte zwar die Aufmerksamkeit von Afghanistan ab, ermöglichte den wiedererstarkenden Taliban jedoch einen Zugang zum technischen Wissen für leistungs- ____________________ fünf. Vgl. United States Special Operations Command (Hrsg.): History 1987–2007, S. 103; vgl. Deutscher Bundestag, Drucksache 16/10650, S. 170. 34 Vgl. Marsden, Peter: Afghanistan, Aid, Armies & Empires, New York 2009, S. 109; vgl. Johnson, Chris/Leslie, Jolyon: Afghanistan. The Mirage of Peace, London/New York 2004, S. 13f; vgl. Rothstein, Afghanistan & the Troubled Future of Unconventional Warfare, S. 98; S. 111. Spezialkräfte der Bundeswehr im Einsatz 355 stärkere behelfsmäßige Sprengsätze. Noch entscheidender war jedoch der psychologische Effekt, den der auf Auszehrung angelegte Widerstand gegen die US-Truppen im Irak erzeugte, da er eindrucksvoll aufzeigte, wie eine militärische Großmacht, wenn schon nicht besiegt, so doch zum Abzug gezwungen werden kann. Die militärisch schwierige Lage der US-Streitkräfte im Irak scheint den Druck zur Suche nach Alternativen35 entsprechend gefördert zu haben. Die Anfang 2007 im Field Manual 3-24 Counterinsurgency beschriebenen „COIN Paradoxa“36 stellen viele der bis dahin gültigen militärischen Vorgehensweisen in Frage. Statt einer feindzentrierten37 militärischen Lagebeurteilung wird durch das COIN-Handbuch eine bevölkerungszentrierte und damit nicht ausschließlich militärische Sicht auf den Konflikt geworfen. An dieser Stelle soll nicht dargelegt werden, inwiefern der COIN-Ansatz überhaupt geeignet ist,38 in Konflikten wie jenen im Irak oder in Afghanistan zweckmäßige und praktikable Handlungsanleitungen zu geben. Es genügt vielmehr die Feststellung, dass mit dem COIN-Handbuch eine andere Gewichtung militärischer Prämissen vorgenommen wurde, die sich von den bisherigen deutlich unterschieden. Am eindrucksvollsten lässt sich dies am Charakter der Weisungen ablesen,39 die ab 2008 durch die jeweiligen ISAF-Kommandeure erlassen wurden, nachdem der COIN-Ansatz handlungsbestimmend in die ISAF-Planungen einge- ____________________ 35 Siehe hierzu insbesondere Ricks, Thomas E.: The Gamble. General Petraeus and the American Military Adventure in Iraq, New York 2010. 36 Vgl. United States Headquarters Department of the Army (Hrsg.): The U.S. Army/Marine Corps Counterinsurgency Field Manual. U.S. Army Field Manual No. 3- 24, Marine Corps Warfighting Publication No. 3-33.5, Washington D.C. 2006, S. 1– 26ff.; für die Praxis wurden diese Paradoxa durch Kilcullen in anschauliche Leitsätze übertragen, siehe: Kilcullen, David: „Twenty-Eight Articles“: Fundamentals of Company-level Counterinsurgency, Joint Operations Information Center, Summer 2006, S. 103ff. 37 Vgl. Flynn, Michael T./Pottinger, Matt/Batchelor, Paul D.: Fixing Intel: A Blueprint for Making Intelligence Relevant in Afghanistan, Center for a New American Security, Januar 2010. 38 Zur Kritik an der „Counterinsurgency-Doktrin“ siehe Rudolf, Peter: „Zivilmilitärische Aufstandsbekämpfung – Analyse und Kritik der Counterinsurgency- Doktrin“, Januar 2011, www.swp-berlin.org, (08.11.2013). Auf Afghanistan bezogen werden die Grenzen von COIN beschrieben in Garrigues, Juan/Matthews, Robert: Afghanistan. The limits of counter-insurgency and the prospects for negotiations, Fundación para las Relaciones Internacionales y el Diálogo Exterior (FRIDE), Conference Report, 26.03.2008. 39 Vgl. Fußnote 7 in: Chaughuri, Rudra/Farrell, Theo: Campaign disconnect: Operational progress and strategic obstacles in Afghanistan, 2009–2011, in: International Affairs, 87:2, 2011, S. 271–296, hier S. 273; vgl. Headquarters ISAF (Hrsg.): „Commander’s Counterinsurgency Guidance“, o.D., www.nato.int, (23.06.2013). Wolfgang Lauenroth 356 führt wurde. Die Einführung dieses COIN-zentrierten Denkens in ISAF führte im Hinblick auf die Operationsführung zu einem Paradigmenwechsel, der bis in das post-ISAF Engagement der NATO in Form der Ausbildungs- und Beratungsmission40 Resolute Support richtungsweisend ist. Der Aufbau afghanischer Sicherheitskräfte, der bis 2008 von ISAF eher beiläufig unterstützt wurde, rückte nun mit einem Partnering-Konzept in den Mittelpunkt von ISAF. Das bedeutete aber auch, dass die unter ISAF-Mandat operierenden Spezialkräfte nicht mehr unilateral operieren, sondern Partnerbeziehungen mit Einheiten der ANSF eingehen sollten. Für die Spezialkräfte der Bundeswehr nahm dieser Schritt etwa zwei Jahre in Anspruch, bis Regelungen durch das BMVg eine langfristige Partnerbeziehung mit einer ANSF- Einheit ermöglichte. Die Zusammenarbeit mit afghanischen Einheiten wurde vor 2009 nicht ernsthaft in Erwägung gezogen. 5. Der lange Weg von COIN in der Bundeswehr Obwohl das Field Manual 3-24 Counterinsurgency Ende 2006 verfasst wurde und 2007 öffentlich zu beziehen war, regte das BMVg erst 2008 in einer Art Denkschrift41 eine Positionierung zum Thema COIN an. Die Konzeptionellen Grundvorstellungen (KGv) zu COIN hatten zunächst Entwurfscharakter,42 bevor daraus ein Leitfaden wurde. Das Heeresamt verfasste 2010 „Vorläufige Grundlagen für den Beitrag von Landstreitkräften zur Herstellung von Sicherheit und staatlicher Ordnung in Krisengebieten“,43 vermied44 jedoch einen direkten Bezug zum Field Manual 3-24. Die Arbeitsgruppe Joint and Combined Operations (AG JACOP) der Führungsakademie der Bundeswehr beabsich- ____________________ 40 Vgl. Bundeswehr (Hrsg.): „NATO vertagt Entscheidung“, 25.02.2013, www.bundes wehr.de, (22.06.2013). 41 Bundesministerium der Verteidigung (Hrsg.): Einsatz in einem komplexen und dynamischen Umfeld/Counter Irregular Threat Operation mit Schwerpunkt Counter Insurgency (COIN) – Food for Thought Paper zur Position der Bundeswehr, Version 3.0, 10.10.2008. 42 Bundesministerium der Verteidigung (Hrsg.): Konzeptionelle Grundvorstellungen zum miltärischen Beitrag zur Herstellung von Sicherheit und staatlicher Ordnung in Krisengebieten (KGv COIN), Überarbeiteter Mitzeichnungsentwurf, 07.06.2010. 43 Bundeswehr, Heeresamt (Hrsg.): Vorläufige Grundlagen für den Beitrag von Landstreitkräften zur Herstellung von Sicherheit und staatlicher Ordnung in Krisengebieten, Juni 2010. 44 Vgl. Ehrhart, Hans-Georg/Kästner, Roland: Aufstandsbekämpfung: Konzept für deutsche Sicherheitspolitik? Lehren aus Afghanistan, Hamburger Informationen zur Friedensforschung und Sicherheitspolitik, Ausgabe 48/2010, September 2010, S. 12. Spezialkräfte der Bundeswehr im Einsatz 357 tigte 2011 mit dem Positionspapier45 Counterinsurgency den Austausch zu diesem Thema inner- und außerhalb der Bundeswehr zu fördern. Schließlich erließ der Inspekteur des Heeres 2013 den Leitfaden46 „Aufstandsbewältigung“ und hat darin die oft anzutreffende aber unglückliche Übersetzung des Begriffs Counterinsurgency mit „Aufstandsbekämpfung“ durch das Wort „Aufstandsbewältigung“ ersetzt. Ein Grund, weshalb es in der Bundeswehr kaum Anlass gab, sich mit dem Thema Counterinsurgency intensiver auseinanderzusetzen bzw. es anfänglich sogar abzulehnen, bestand in der Annahme, dass mit dem Begriff „Stabilisierungsoperation“ bereits alles gesagt sei. Außerdem galt durch die Übernahme des in Afghanistan eingeführten US- Konzepts47 der Provincial Reconstruction Teams (PRT), dass der Ansatz der vernetzten Sicherheit und damit ein wichtiger Aspekt von COIN, bereits erfüllt war. Erst als die Sicherheitslage48 im Norden Afghanistans zusehends schlechter und dies mit Hilfe der semantischen Konstruktion „kriegsähnliche Zustände“ umschrieben49 wurde, stieg in der Bundeswehr die Akzeptanz des Begriffs COIN. Ausschlaggebend für diesen „Durchbruch“ war aber womöglich erst die Allied Joint Doctrine50 AJP-3.4.4 der NATO zum Thema Counterinsurgency, die 2011 veröffentlicht wurde und sich nunmehr in der Dokumentenlandschaft der Bundeswehr als Quelle wiederfindet. Entscheidend dafür, die Spezialkräfte der Bundeswehr erst 2009 mit der Unterstützung afghanischer Sicherheitskräfte zu betrauen, mag an der tradierten Verengung des Einsatzes von Spezialkräften auf Direct Action und Geiselbefreiungen liegen, ____________________ 45 Bundeswehr (Hrsg.): Arbeitsgruppe Joint and Combined Operations (AG JACOP), Positionspapier Counterinsurgency (COIN), Februar 2011. 46 Inspekteur des Heeres (Hrsg.): Leitfaden Aufstandsbewältigung. Handlungsempfehlungen für Truppenführer, Strausberg 2013. Siehe dazu insb. den Beitrag von General Kasdorf in diesem Band. 47 Zur Entstehung der Provincial Reconstruction Teams (PRT) siehe Schmunk, Michael: Neu im Werkzeugkasten der Nation-Builder: Berlins zivil-militärische Wiederaufbauteams am Hindukusch, in: Gomm-Ernsting, Claudia/Günther, Annett (Hrsg.): Unterwegs in die Zukunft. Afghanistan – drei Jahre nach dem Aufbruch vom Petersberg, Berlin 2005, S. 333ff. 48 Vgl. Giustozzi, Antonio/Reuter, Christoph: The Insurgents of the Afghan North. The Rise of the Taleban, the self-abandonment of the Afghan government and the effects of ISAF’s ‘capture-and-kill campaign‘, Afghanistan Analysts Network Thematic Report 04/2011. 49 Zur fehlenden rechtlichen Bedeutung des Ausdrucks siehe Schaller, Christian: „Rechtssicherheit im Auslandseinsatz. Zum völkerrechtlichen Charakter des Einsatzes der Bundeswehr in Afghanistan“, Dezember 2009, www.swp-berlin.org, (08.11. 2013), S. 2. 50 Vgl. NATO, AJP-3.4.4. Wolfgang Lauenroth 358 die wesentliches Gründungsmotiv51 für die Aufstellung des Kommando Spezialkräfte (KSK) waren. Während das Field Manual 3-24 die Unterstützung indigener Sicherheitskräfte als traditionell primäre Aufgabe52 der Spezialkräfte bewertet, wird dieser Aspekt im Leitfaden „Aufstandsbewältigung“ eher beiläufig erwähnt, obwohl derzeit diese Tätigkeit der Spezialkräfte der Bundeswehr in Afghanistan sowohl am intensivsten als auch mit einer nunmehr größeren Erfolgsaussicht wahrgenommen wird. Der Einsatz der Spezialkräfte der Bundeswehr erfolgt nicht entlang eines selbstständigen Pfades, sondern ist eng mit dem Einsatz aller Kräfte der Bundeswehr verknüpft.53 Da die Bundeswehr insgesamt erst allmählich dem durch den COIN-Ansatz bewirkten Paradigmenwechsel folgte, hinkten auch die für die Spezialkräfte der Bundeswehr geltenden Vorgaben der Entwicklung in Afghanistan hinterher. So beziehen sich die wesentlichen konzeptionellen Dokumente für Spezialkräfte noch immer auf die bei der Entstehung des KSK Mitte der neunziger Jahre festgelegten Aufgaben. Dies ist insofern erstaunlich, als die Festsetzung von sogenannten Zielpersonen für die Spezialkräfte der Bundeswehr in Afghanistan erst im Rahmen der militärischen Unterstützung einheimischer Sicherheitskräfte, die dann die jeweilige Festsetzung durchführen, effektiv wahrgenommen werden kann. Es ist rückblickend festzustellen, dass die anfängliche Ablehnung des COIN-Ansatzes durch die Bundeswehr dazu führte, Entwicklungen in ISAF zögerlich zu folgen. Dies ist bemerkenswert, da sich auch im Regionalkommando Nord die Sicherheitslage im Laufe der Zeit ungünstig entwickelte und keine Alternative54 zu COIN erkennbar war. Im Ergebnis gehörte die Über- ____________________ 51 Siehe hierzu die Beschreibung des Auftrags des KSK im Internetauftritt der Bundeswehr, in dem „Retten und Befreien“ und „Festsetzen von Zielpersonen“ an erster Stelle aufgeführt werden; in: Deutsches Heer (Hrsg.): „Division Spezielle Operationen“, o.D., www.deutschesheer.de, (23.06.2013). In einem Interview am 07.08.2008 hob der damalige Kommandeur KSK ebenfalls die offensiven Maßnahmen als Aufgaben des KSK hervor, siehe: o.V.: „Spezialkräfte anderer Nationenen sind weitaus autarker aufgestellt“, 07.08.2008, www.faz.net, (23.06.2013). 52 Vgl. United States Headquarters Department of the Army (Hrsg.): The U.S. Army/Marine Corps Counterinsurgency Field Manual. U.S. Army Field Manual No. 3- 24, Washington D.C. 2006, S. 6–3. 53 Allerdings geht die Unterstützung nur in eine Richtung und bleibt damit weit unterhalb der Möglichkeiten. Siehe hierzu: Lamb, Christopher J./Munsing, Evan: Secret Weapon: High-value Target Teams as an Organizational Innovation, Washington D.C. 2011. 54 Vgl. Noetzel, Timo/Zapfe, Martin: „Aufstandsbekämpfung als Auftrag – Instrumente und Planungsstrukturen für den ISAF-Einsatz“, Mai 2008, www.swp-berlin.org, (08. 11.2013). Spezialkräfte der Bundeswehr im Einsatz 359 nahme des Partnering durch die Bundeswehr55 in Verbindung mit einer vertieften Zusammenarbeit mit afghanischen Sicherheitskräften zu den unmittelbaren Konsequenzen der Übernahme des COIN-Ansatzes in ISAF. 6. Die Rolle von Spezialkräften in COIN Der Anspruch von Spezialkräften besteht allgemein in ihrer Fähigkeit, Operationen von militärischer Bedeutung durchführen zu können, die entweder ein hohes politisches Risiko bergen oder in ihrer Durchführung als risikoreich bewertet werden.56 Diese Operationen sind vom Charakter eher offensiv. Für die Spezialkräfte der Bundeswehr besteht die ambivalente Situation, dass die Streitkräfte aufgrund von Führung und Ausbildung hauptsächlich defensiv ausgerichtet sind und ihr Einsatz primär an der Fähigkeit zum Selbstschutz57 bemessen wird. Häufige Reformvorhaben der Streitkräfte bedingen auch Wechsel in der Führungsstruktur der Spezialkräfte,58 was den Umgang mit Spezialkräften nicht vereinfacht. Hinzu treten außerdem zwei Faktoren, die dieses Dilemma verstärken. Zum einen lassen sich die unzähligen Asymmetrien einer Aufstandsumgebung, insbesondere Selbstmordattentäter und die Unsichtbarkeit des Gegners, nur schwer mit dem Selbstbild der Streitkräfte einer postheroischen59 Gesellschaft vereinbaren. Zum anderen verschiebt die organisationsspezifische Selbstlähmung als Ausdruck eines erwünscht systemkonformen Verhaltens in den Streitkräften die Fähigkeit zur Innovation in Richtung bloßer Reaktion. Dies berührt den Einsatz der Spezialkräfte unmit- ____________________ 55 Vgl. Deutscher Bundestag (Hrsg.): Fortsetzung der Beteiligung bewaffneter deutscher Streitkräfte an ISAF, Drucksache 17/39, 18.11.2009. 56 Für eine differenziertere Beschreibung von Spezialkräften siehe auch Rothstein, Afghanistan & the Troubled Future of Unconventional Warfare, S. 17f. 57 Zur Dominanz des Selbstschutzes über die Wirkung im Einsatz siehe Münch, Phillip: Freund oder Feind? Zur Einschätzung von Sicherheitsbedrohungen in Friedensmissionen am Beispiel der Bundeswehr in Afghanistan, Institut für Politikwissenschaft der Universität Hamburg, Arbeitspapier Nr. 4/2009. 58 Vgl. hierzu den häufigen Wechsel der Führungsstruktur bzgl. der Führung von Spezialkräften und die damit verbundenen Diskussionen, z.B. in Bittner, Jochen: „Die Bundeswehr – eine Generalsabrechnung“, 16.01.2008, www.zeit.de, (21.06.2013). Dass diese Diskussion auch mit der Neuausrichtung der Bundeswehr nicht abgeschlossen ist, belegt das Mitglied des Verteidigungsausschusses Schnurr, Christoph: Spezialkräfte der Bundeswehr – Ein strategisches Mittel für strategische Zwecke, Europäische Sicherheit & Technik, April 2012, S. 28. 59 Zum Wesen der postheroischen Gesellschaft in Bezug auf Krieg siehe Münkler, Herfried: „Der asymmetrische Krieg – das Dilemma der postheroischen Gesellschaft“, 27.10.2008, www.spiegel.de, (23.06.2013). Wolfgang Lauenroth 360 telbar, da sie auf diese Weise nach den Grundsätzen der herkömmlichen Kräfte eingesetzt werden. Spezialkräfte verfügen über die Ausbildung und Verfahren,60 Festsetzungsoperationen effektiv durchführen zu können. Abhängig sind sie jedoch von präzisen Aufklärungsergebnissen über Netzwerke oder Zielpersonen. Diese Aufklärung ist ressourcenintensiv, da sie mit den Systemen der technischen Aufklärung sowie den Feldnachrichtenkräften Datenmengen erzeugt, deren Auswertung schnell an die institutionell vorgesehenen Kapazitätsgrenzen stößt.61 Ohne auf die durch Übersetzung fremder Sprachen zusätzlich entstehenden Engpässe einzugehen, wird bei näherer Betrachtung schnell deutlich, dass ohne eine Zusammenarbeit mit afghanischen Sicherheitskräften ein erschöpfendes Lagebild kaum hergestellt werden kann. Aber genau dieser Zusammenarbeit mit den afghanischen Sicherheitskräften sind für den Bereich Informationsaustausch enge Grenzen gesetzt. Insofern ist die Effektivität von Festsetzungsoperationen durch die Spezialkräfte der Bundeswehr, bei denen afghanische Sicherheitskräfte lediglich teilnehmen, kaum nachweisbar, weil die Anzahl der Festsetzungen eher gering bleibt. Außerdem ist es fraglich, ob dadurch die Aufständischen überhaupt merklich zu schwächen sind. Hinzu kommt, dass die Festsetzungen bei reinen ISAF-initiierten Operationen einer ISAF-Ziellisten-Logik folgen,62 die sich nicht zwingend mit einer afghanischen Strafverfolgungsabsicht decken muss. Wird dieses afghanische Interesse nicht entsprechend berücksichtigt, unterbleiben weitere juristische Maßnahmen, einschließlich Gerichtsverfahren. Dadurch ist eine „Nachhaltigkeit“ nicht zu erreichen und es entsteht die Gefahr, die Übernahme einer echten Sicherheitsverantwortung durch die afghanischen Sicherheitskräfte zu konterkarieren. Der Einsatz von Spezialkräften der Bundeswehr in einer Aufstandsumgebung ohne Abstützung auf einheimische Sicherheitskräfte ist daher wenig hilfreich, wenn Festsetzungen ausgeschlossen sind oder afghanische Sicherheitskräfte lediglich zur Legitimierung von Festsetzungen mitgeführt werden. Es ließe sich zwar allein durch die Anwesenheit von Spezialkräften unter Um- ____________________ 60 Die Eigenschaften von Spezialkräften werden, wenn auch auf die Einsatzart „Direct Action“ fokussiert beschrieben in: McRaven, William H.: The Theory of Special Operations, Naval Postgraduate School, Monterey, 17.06.1993. 61 Dass die Kapazitätsgrenzen aber auch im Leistungsvermögen des Militärischen Nachrichtenwesens der Bundeswehr selbst liegen, wird deutlich in: Münch, Phillip: Wahrnehmung und Analyse der Taliban durch die Bundeswehr; in: Schetter, Conrad/Klußmann, Jörgen (Hrsg): Der Taliban-Komplex – zwischen Aufstandsbewegung und Militäreinsatz, Frankfurt/New York 2011. 62 Zur Erläuterung der unterschiedlichen Ziellisten, siehe Deutscher Bundestag (Hrsg.): Drucksache 17/2884, 08.09.2010, S. 9. Spezialkräfte der Bundeswehr im Einsatz 361 ständen eine psychologisch beruhigende Wirkung63 auf die herkömmlichen Kräfte der Bundeswehr ableiten oder konstruieren. Doch es wäre schwierig nachzuweisen, dass letztere ihrem Auftrag dadurch besser nachkommen. Für das Regionalkommando Nord gilt es, bei der Bewertung des Einsatzes von Spezialkräften zu berücksichtigen, dass für das Vorgehen der US- Spezialkräfte gegen Netzwerke der Aufständischen durchaus eine Schwächung dieser Netzwerke nachzuweisen ist.64 Hierzu ist aber auf die große Anzahl65 an kill or capture-Operationen66 hinzuweisen, die notwendig ist, um zeitweise eine Reduktion von Aufständischen durch Gefangennahme oder Tötung zu bewirken, die durch Personalergänzung oder organisatorische Anpassung der Aufständischen nicht kompensiert werden kann. Inwieweit die Operationen der US-Spezialkräfte tatsächlich ausschließlich die „Führungsstrukturen“ der Aufständischen treffen oder nicht auch Mitläufer dazugezählt werden, wird an dieser Stelle nicht weiter beleuchtet, da diese Fragestellung auf alle Operationen dieser Art in Afghanistan zutrifft. Insgesamt bleibt die Anzahl der Operationen der Spezialkräfte der Bundeswehr zahlenmäßig deutlich hinter jenen der US-Spezialkräfte zurück, die erforderlich ist, um die Aufständischen zeitweise zu schwächen. Daher ist es erstaunlich, dass dieser Aspekt in der Bewertung der Wirksamkeit67 von Spezialkräfteoperationen der Bundeswehr bisher wenig berücksichtigt wird. Vielmehr reicht es der militärischen Führung aus, wenn sporadisch „Hochwertziele“ festgenommen werden, um diese Ergebnisse als Erfolg des Einsatzes von Spezialkräften anzuspre- ____________________ 63 Das Schutzargument ist als Begründung für den Einsatz deutscher Spezialkräfte in der Bundeswehr oft anzutreffen, obwohl dieser Schutz im Rahmen der militärischen Unterstützung afghanischer Sicherheitskräfte kaum – wenn überhaupt – sichergestellt werden kann. Zur Verwendung des Schutzarguments siehe beispielsweise o.V.: „KSK-Kommandeur Ammon im Gespräch: Töten gehört zum Auftrag“, 26.05.2010, www.rp-online.de, (11.11.2013). 64 Siehe hierzu die Auswertung von „kill or capture“-Operationen aus zwei unterschiedlichen Perspektiven: einerseits aus der Sicht der Gefangenen und andererseits aus den ISAF-Pressemeldungen; in: ISAF (Hrsg.): „State of the Taliban, Detainee Perspectives, TF3-10, Bagram, Afghanistan“, 06.01.2012, s3.documentcloud.org, (23.06.2013); vgl. Strick van Linschoten, Alex/Kuehn, Felix.: Knock on the Door – 22 Months of ISAF Press Releases, Afghanistan Analysts Network Thematic Report 10/2011. 65 Vgl. Rose, Gideon: Generation Kill – A Conversation with Stanley McChrystal, in: Foreign Affairs, 92:2, 2013, S. 2–8, hier S. 4. 66 Zur Diskussion über die Wirkung von „kill or capture“-Operationen in Afghanistan siehe o.V.: „The Cost of Kill/Capture: Impact of the Night Raid Surgeon Afghan Civilians“, Open Society Foundations and The Liaison Office, Kabul, 19.09.2011, www. opensocietyfoundations.org, (23.06.2013). 67 Erstaunlich ist auch, dass bzgl. der Festgesetzten nicht gefragt wird, inwieweit diese rechtskräftig verurteilt werden. Denn dazu dienen ja die Festnahmeoperationen, vgl. Deutscher Bundestag, Drucksache 17/7748, S. 2. Wolfgang Lauenroth 362 chen. Diese Gleichsetzung birgt die Gefahr, den Blick auf den „indirekten“68 Ansatz weitestgehend zu versperren. Statt unilateral militärisch gegen Aufständische vorzugehen, sollten einheimische Sicherheitskräfte hierzu in die Lage versetzt werden. Allerdings birgt dieser Ansatz Risiken. Dazu gehören der geringe politische Wille für eine ausreichende strategische Geduld für zivil-militärische Interventionen genauso wie die vertrauensauflösende Wirkung der sogenannten Innentäter.69 Dennoch scheint sich der Aufbau einheimischer Sicherheitskräfte als einzig zweckmäßiger militärischer Beitrag in einer Aufstandsumgebung herauszukristallisieren, wenn die sogenannte „Stabilisierung“ eines Staates sich mit einer auf Abnutzung zielenden Aufstandsbewegung konfrontiert sieht, die militärisch nicht bezwungen werden kann. Für die Spezialkräfte der Bundeswehr hat der Wechsel von vornehmlich unilateral durchgeführten Operationen unter bloßer Beteiligung afghanischer Sicherheitskräfte hin zur Befähigung dieser Kräfte, d.h. Aufbau, Ausbildung und Einsatzbegleitung, einen Anpassungsprozess eingeleitet, der, obwohl mehr von außen als von innen initiiert, die Effektivität des Einsatzes von Spezialkräften deutlich steigerte. Zwar gab es bereits vorher Überlegungen, das Partnering zu den afghanischen Sicherheitskräften aufzunehmen, doch nimmt die Zahl der Festsetzungen von Aufständischen erst mit der Befähigung der afghanischen Spezialpolizei signifikant zu.70 Allerdings beschreibt die Zunahme der Festsetzungen lediglich ein Ergebnis des Partnering, ohne damit die Effektivität des Einsatzes von Spezialkräften hinreichend zu begründen. Während ISAF den Aspekt Partnering spätestens ab 2008 nachdrücklich in seinen militärischen Planungen vorsah,71 begann die Befähigung der Provincial Response Companies genannten Einheiten der afghanischen Spezialpolizei durch deutsche Spezialkräfte erst ab 2010. Dafür nahm aber die Entwicklungsgeschwindigkeit der Befähigung rasch72 zu und versetzte die afghani- ____________________ 68 Zur Diskussion des „indirekten“ Ansatzes siehe Robinson, Linda: „The Future of U.S. Special Operations Forces“, April 2013, www.cfr.org, (11.11.2013). 69 Zur Relevanz des Aspekts Innentäter, siehe: o.V.: „IPRI Review: Document no: 8. Afghanistan: Insider Attacks on NATO/ISAF”, o.D., www.ipripak.org, (25.06.2013). 70 Während im Zeitraum 2007 bis 2010 die Spezialkräfte der Bundeswehr zusammen mit afghanischen Sicherheitskräften 59 Personen in Gewahrsam nahmen, waren es im Zeitraum 2010 bis 2011 bereits 118. Vgl. Deutscher Bundestag (Hrsg.): Drucksache 17/2748, 13.08.2010, S. 52; vgl. Deutscher Bundestag (Hrsg.): Drucksache 17/7748, 15.11.2011, S. 2. 71 Vgl. Weiland, Gesche: „Eckdaten der politischen Entwicklung in Afghanistan seit 2001 und des deutschen Bundeswehreinsatzes (ISAF). Afghanistan Chronologie“, Juni 2011, www.swp-berlin.org, (11.11.2013), S. 12. 72 Die Befähigung der Polizeieinheiten des General Directorate of Police Special Units (GDPSU) zu denen auch die Provincial Response Companies zählen, entwickelte sich Spezialkräfte der Bundeswehr im Einsatz 363 schen Strafverfolgungsbehörden in die Lage, trotz unzähliger Schwierigkeiten zunehmend effektiver gegen Aufständische vorzugehen. Im Ergebnis leistet daher die Unterstützung und Beratung afghanischer Sicherheitskräfte durch Spezialkräfte der Bundeswehr einen nachhaltigeren Beitrag73 zur möglichen Bewältigung einer Aufstandsumgebung als es unilaterale Operationen unter den eingangs skizzierten Rahmenbedingungen vermögen. 7. Zusammenfassung In Afghanistan hat sich der Charakter des Einsatzes der Spezialkräfte der Bundeswehr in einer Zeitspanne von mehr als zehn Jahren entscheidend gewandelt. Im Rahmen von OEF zeigte das vorherrschende Muster unilateraler Operationen unverzüglich die Grenzen der Wirksamkeit des Einsatzes der deutschen Spezialkräfte auf, da keine praktikablen Rahmenbedingungen für den Umgang mit Festsetzungen vorgegeben wurden. Auch als sich in Afghanistan allmählich ein ausgereifter Aufstand abzeichnete, wurde keine Alternative entwickelt, die den Einsatz der Spezialkräfte der Bundeswehr erlaubte, der ihren Fähigkeiten entsprach. Dies kann auf die innovationshemmende Ausrichtung der deutschen Streitkräfte zurückgeführt werden, die das Partnering als eine Konsequenz des COIN-Ansatzes verkannte. Hiermit lässt sich auch der große Zeitverzug erklären, der zwischen der Herausgabe des Field Manual 3-24 und der Akzeptanz von COIN in der Bundeswehr entstand. Für die Spezialkräfte der Bundeswehr bedeutete dies, dass die militärische Unterstützung indigener Sicherheitskräfte sich zwar erst sehr spät als Auftrag herauskristallisierte, dafür aber die Wirksamkeit der Spezialkräfte im Einsatz deutlich steigerte. Da die Befähigung einheimischer Sicherheitskräfte jedoch ein zäher und langwieriger Prozess ist, bei dem rein militärische Fähigkeiten oft weniger gefordert sind als andere, wie beispielsweise interkulturelle Kompetenz, ist noch offen, inwieweit die bisher aus dem Partnering gewonnenen Erkenntnisse konsolidiert und weiterentwickelt werden können. ____________________ innerhalb von zwei Jahren vom Capability Milestone (CM) 4 (The department exists but cannot accomplish its mission) zu CM 2A (Ministries capable of executing functions with minimal coalition assistance.), vgl. US Department of Defense (Hrsg.): Report on Progress Toward Security and Stability in Afghanistan, November 2010, Report to Congress, S. 35; vgl. US Department of Defense (Hrsg.): Report on Progress Toward Security and Stability in Afghanistan, April 2012, S. 17. 73 Siehe hierzu die Bewertung des Parlamentarischen Staatssekretärs beim Bundesminister der Verteidigung, in: Deutscher Bundestag (Hrsg.): Stenografischer Bericht 151. Sitzung, Plenarprotokoll 17/151, 18.01.2012, S. 18095. Wolfgang Lauenroth 364 Literatur Baach, Werner: Rambos unerwünscht. Das Kommando Spezialkräfte – eine Elitetruppe des Heeres wächst auf, in: Truppenpraxis/Wehrausbildung, Nr. 11, November 1996. Barbin, Jeronimo/Tettweiler, Falk: „Strategiewechsel in Afghanistan? Counterterrorism und Anstöße für eine deutsche Diskussion“, Juli 2012, http://www.swp-berlin.org/fileadmin /contents/products/arbeitspapiere/Tettweiler_Barbin_StratWechsl_AFG_2012.pdf, (07. 11.2013). Bittner, Jochen: „Die Bundeswehr – eine Generalsabrechnung“, 16.01.2008, http://blog.zeit. de/bittner-blog/2008/01/16/die-bundeswehr-eine-generalsabrechnung_11, (21.06.2013). 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Zusammenfassung

Der Stabilisierungseinsatz in Afghanistan hat die Außen- und Sicherheitspolitik der Bundesrepublik so nachhaltig geprägt wie kein internationales Engagement zuvor. Der deutsche Beitrag zum Wiederaufbau des Landes war dabei von einem gesamtstaatlichen Ansatz geprägt, bei dem Sicherheit und Entwicklung ineinandergreifen sollten. Die Realität im Einsatzland stellte die deutschen Soldaten, Diplomaten, Entwicklungshelfer und Polizeiausbilder jedoch vor enorme Herausforderungen.

Das Ende des Mandats der internationalen Schutztruppe ISAF zum Jahreswechsel 2015 gibt Anlass, die hier gewonnenen Erfahrungen und Lehren der unterschiedlichen zivilen und militärischen Akteure festzuhalten. Vor dem Hintergrund einer bestenfalls gemischten Erfolgsbilanz, aber auch angesichts der aktuellen Krisen und Konflikte an den Rändern Europas, ist eine solche Aufarbeitung des Einsatzes von außerordentlicher Relevanz.

Der Sammelband bringt eine einzigartige Vielfalt an Perspektiven von einsatzerfahrenen militärischen und zivilen Führungskräften zusammen. Abgerundet wird das Bild durch Analysen der strategischen Konzepte, die den Einsatz prägten, der Perspektive aus den einzelnen Bundesministerien sowie der persönlichen Bilanz von bedeutenden politischen Entscheidungsträgern.

Mit Beiträgen von: Phillip Ackermann, Hans-Peter Bartels, Jörg Bentmann, Christian von Blumröder, Marcel Bohnert, Axel Dohmen, Udo Ewertz, Dirk Freudenberg, Hans-Werner Fritz, Axel Gablik, Dorothea Gieselmann, Volker Halbauer, Stefan Hansen, Jannis Jost, Bruno Kasdorf, Joachim Krause, Wolfgang Lauenroth, Winfried Nachtwei, John A. Nagl, Stefan Oswald, Wolf Plesmann, Hans-Joachim Ruff-Stahl, Helge Rücker, Marcus Schaper, Ulrich Schlie, Björn Schreiber, Robin Schroeder, Hendrik Staigis, Gerald Stöter, Christine Toetzke, Christopher Urbas, Florian Wätzel und Matthias Weber.