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Florian Wätzel, Befähigung und Reform lokaler Sicherheitskräfte als strategische Notwendigkeit in:

Robin Schroeder, Stefan Hansen (ed.)

Stabilisierungseinsätze als gesamtstaatliche Aufgabe, page 149 - 168

Erfahrungen und Lehren aus dem deutschen Afghanistaneinsatz zwischen Staatsaufbau und Aufstandsbewältigung (COIN)

1. Edition 2015, ISBN print: 978-3-8487-0690-7, ISBN online: 978-3-8452-4901-8, https://doi.org/10.5771/9783845249018-149

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149 Kapitel 9 Befähigung und Reform lokaler Sicherheitskräfte als strategische Notwendigkeit Florian Wätzel „Missiles may kill terrorists. But good governance kills terrorism.“1 (Ban Ki-moon, 2014) 1. Einleitung Bei der Überwindung eines Gewaltkonflikts und der erfolgreichen Friedenskonsolidierung nehmen hoheitliche Sicherheitskräfte eine erfolgsentscheidende Schlüsselrolle ein.2 Doch in vielen Krisenstaaten sind die Sicherheitskräfte nicht in der Lage, ihren Sicherheitsauftrag wirkungsvoll wahrzunehmen. Die Gründe hierfür sind vielfältig. In vielen Fällen wird die Effektivität von Polizei und Streitkräften durch fehlende politische Kontrolle, Korruption, Ineffizienz, Initiativlosigkeit sowie mangelnde Motivation, Ausbildung und Ausrüstung untergraben.3 Die Stärkung der hoheitlichen Sicherheitskräfte (Capacity Building) oder bei einer umfassenden Reform des Sicherheitssektors4 (Security Sector Reform – SSR) soll Staaten befähigen, Krisen eigenverantwortlich, nachhaltig und nach rechtsstaatlichen Grundsätzen zu bewältigen. Abhängig vom Kontext und den politischen Zielvorgaben kann der Umfang einer Unterstützungsmission enger ____________________ 1 Ki-moon, Ban: Secretary-General's remarks to Security Council High-Level Summit on Foreign Terrorist Fighters, United Nations, 24.09.2014. 2 Vgl. Jones, Seth G.: Counterinsurgency in Afghanistan. RAND Counterinsurgency Study, Volume 4, Santa Monica 2008, S. 15. 3 Vgl. Byman, Daniel: Going to War with the Allies You Have. Allies, Counterinsurgency, and the War on Terrorism, Strategic Studies Monograph, Carlisle 2005, S. 8–26. 4 Je nach Verständnis kann der Begriff „Sicherheitssektor“ sehr umfangreich ausgelegt werden und eine Vielzahl von Akteuren umfassen. Generell beinhaltend der Sicherheitssektor die bewaffneten Exekutivorgane, wie die militärischen Land-, See- und Luftstreitkräfte, Polizeikräfte, Grenzschutzverbände, die Nachrichtendienste sowie den Justizsektor und die übergeordneten ministeriellen und behördlichen Kontrollorgane. Vgl. Hänggi, Heiner: Sicherheitssektorreform (SSR) – Konzept und Kontexte, in: Frieden und Sicherheit, 23:3, 2005, S. 119–125, S. 120. Florian Wätzel 150 oder weiter gefasst sein. Capacity Building umfasst bereits die Entsendung einiger Ausbilder oder das Bereitstellen von Ressourcen, um spezielle Fähigkeiten der Sicherheitskräfte zu stärken. Bei einem alleinigen Fähigkeitsausbau wird die Leistungsfähigkeit der Streitkräfte ausgebaut, ohne jedoch deren oft unzureichende politische Kontrolle zu verbessern. SSR hingegen umfasst nicht ausschließlich die Stärkung der Sicherheitskräfte, sondern zielt auch darauf ab, Good Governance durch den Ausbau rechtsstaatlicher Strukturen im Sicherheitssektor zu verbessern. Die Neuordnung einer bestehenden Sicherheitsarchitektur nach demokratischen und rechtsstaatlichen Grundsätzen sowie die gleichzeitige Stärkung ihrer Kapazitäten und Fähigkeiten stehen jedoch nicht immer im Einklang zueinander. Insbesondere im Kontext eines Gewaltkonflikts besteht die Gefahr, dass demokratische Reformen zusätzlich destabilisierend und gewaltverstärkend wirken.5 Daher sollten SSR-Maßnahmen im Idealfall in einem politisch stabilen Umfeld stattfinden.6 In Afghanistan waren die Voraussetzungen für einen erfolgreichen Aufbau eines demokratischen und effektiven Sicherheitsapparats denkbar schlecht. Die Staatlichkeit wurde in über zwei Jahrzehnten Krieg vollständig erodiert. An Stelle des Staates traten lokal, ethnisch und tribal organisierte Gewaltakteure, die regionale Ordnungsfunktionen übernahmen und blutige Machtkämpfe ausfochten. Nach 2001 bedurfte es folglich vielmehr eines kompletten Neuaufbaus des staatlichen Sicherheitsapparates als einer Reform desselben. Hinzu kam die zunehmende Verschlechterung der Sicherheitslage, die es erforderte, die Reform des afghanischen Sicherheitssektors und die Bekämpfung des militanten Talibanaufstands miteinander zu verknüpfen. Afghanistan ist damit sicherlich ein Sonder-, aber kein Einzelfall. Ähnliche Gegebenheiten finden sich in Somalia, Mali und dem Irak – Staaten in denen sich Deutschland derzeit beim Aufbau hoheitlicher Sicherheitskräfte engagiert. Die Afghan National Security Forces (ANSF) bestehen weitgehend aus der Afghan National Army (ANA) und der Afghan National Police (ANP). Der Aufbau der ANSF zeigte, dass in einem instabilen und hochkomplexen Umfeld diametrale Wirkungen entfaltet werden können. Einerseits hat der Aufbau der ANSF wesentlich zur Konfliktbeilegung beigetragen und in vielen Regionen ____________________ 5 Ein demokratischer Transformationsprozess verstärkt den Wettbewerb zwischen althergebrachten Eliten und ihren Herausforderern und kann, sofern keine funktionsfähigen Institutionen bestehen, die politische Machtkämpfe regulieren, das Risiko von Gewaltkonflikten erhöhen. Siehe hierzu ausführlicher Mansfield, Edward D./Snyder, Jack: Elected to Fight. Why Democracies Go to War, Cambridge 2005. 6 Vgl. Bryden, Alan/Hänggi, Heiner: Reforming and Reconstructing the Security Sector, in: Bryden, Alan/Hänggi, Heiner (Hrsg.): Security Governance in Post-Conflict Peacebuilding, Berlin 2005, S. 23–44, S. 28ff. Befähigung und Reform lokaler Sicherheitskräfte als strategische Notwendigkeit 151 wird die Sicherheitsverantwortung heute erfolgreich von den Afghanen wahrgenommen. Andererseits führte eine höhere Anzahl von afghanischen Polizisten und Soldaten anderswo nicht zu einer verbesserten Sicherheitslage, sondern verstärkte paradoxerweise Konfliktursachen und intensivierte die Gewalt. 2. Der Aufstand Das Beispiel Afghanistan zeigt deutlich, wie mühsam es selbst für moderne Streitkräfte ist, einen Gegner zu bekämpfen, der zwar militärisch unterlegen ist, sich jedoch dem offenen Kampf entzieht und stattdessen auf terroristische Anschläge und Guerillataktiken zurückgreift. Aufständische operieren in der Regel in kleinen, hoch mobilen Einheiten, die unter Ausnutzung des Überraschungsmoments Hinterhalte und Überfälle verüben, um ihren Gegner mit einer Vielzahl von Nadelstichen in die Knie zu zwingen. Durch die gezielte Streuung von Attacken über einen großen geographischen Raum kann selbst eine geringe Anzahl von Aufständischen große Truppenteile binden. Konträr zu konventionellen Militärdoktrinen, die einen schnellen Sieg durch eine Zerschlagung der gegnerischen Streitkräfte propagieren, versuchen Aufständische bewusst, einen Konflikt in die Länge zu ziehen. Ihr Ziel ist es, nicht die militärischen Kapazitäten ihres Gegners zu zerstören, sondern vielmehr seinen politischen Willen schrittweise zu zermürben. Weil sie der Schlagkraft ihres Gegners gemeinhin nicht viel entgegensetzen können, vermeiden Aufständische Defensivgefechte. Geraten sie zu sehr unter Druck, verteidigen sie ihre Positionen nicht, sondern weichen zurück. Sobald die gegnerische Offensive abflaut, sickern sie wieder in ihre alten Stellungen ein, um den Kampf erneut aufzunehmen. Bei gemeinsamen Operationen mit den afghanischen Sicherheitskräften machte auch die Bundeswehr die Erfahrung, dass die Taliban – wenn auch unter erbitterter Gegenwehr – stets auswichen. Sobald die Offensiven beendet waren und sich die deutsch-afghanischen Kräfte zurückzogen, kehrten die Taliban zurück und stellten die ursprüngliche Ausgangslage wieder her.7 Asymmetrische Konflikte erstrecken sich dadurch über einen deutlich längeren Zeitraum als konventionelle Kriege. Für ausländische Sicherheitsak- ____________________ 7 Vgl. Wätzel, Florian/Krause, Joachim: Das deutsche Engagement in Nordafghanistan – eine Bilanz, in: Krause, Joachim/Witt, Diana (Hrsg.): Jahrbuch Terrorismus 2009, Opladen 2010, S. 311–339. Florian Wätzel 152 teure besteht daher ein hohes Risiko, in einen langwierigen Konflikt hineingezogen zu werden.8 Ein weiteres Unterscheidungsmerkmal zu konventionellen Konflikten ist die Rolle der Bevölkerung. In einem Aufstandsszenario bildet der Clausewitz’sche Schwerpunkt – der entscheidende Punkt des Gegners, an dem es anzusetzen gilt – die lokale Bevölkerung. Für die Insurgenten erfüllt die Bevölkerung mehrere vitale Funktionen: sie stellt materielle Güter bereit, liefert Informationen und verleiht Legitimität. Zudem können sich die Aufständischen in den Volksmassen frei bewegen. Aus Sicht der Insurgenten wird die Bevölkerung ihren Kampf bestenfalls freiwillig unterstützen. Gegebenenfalls muss ihr revolutionärer Eifer durch Propaganda geweckt werden. Lehnt die Bevölkerung die Ziele der Insurgenten dennoch ab, wird ihre Unterstützung notfalls mit Gewalt erzwungen. Um die alleinige Kontrolle über die Bevölkerung zu erlangen, versuchen die Aufständischen, jedwede Verbindung zwischen Regierung und Bevölkerung zu durchbrechen. Dazu schaffen die Aufständischen ein Klima der Angst, indem sie die öffentliche Verwaltung paralysieren. In Afghanistan schüchtern die Taliban zu diesem Zweck öffentliche Angestellte und Regierungsunterstützer mit Drohbriefen, ungebetenen Hausbesuchen und Anschlägen ein.9 Ein weiteres Kalkül der Aufständischen ist es, der Bevölkerung die Schwäche und Unfähigkeit der Regierung gezielt vor Augen zu führen und sich gleichzeitig als politische Alternative in Stellung zu bringen. 3. Aufstandsbekämpfung Die Bekämpfung von Aufständen (engl. Counterinsurgency – COIN) erfordert eine hohe Truppenstärke, umfangreiche Kenntnisse des Einsatzlandes und ein behutsames militärisches Vorgehen. Um die Bewegungsfreiheit der Aufständischen einzuschränken und ihnen den Zugang zur Bevölkerung zu verwehren, bedarf es einer effektiven und dauerhaften Kontrolle des Konfliktgebiets. Moderne COIN-Konzepte propagieren daher das Mantra Clear, Hold, Build. Demnach werden die Aufständischen zunächst aus einem Gebiet vertrieben (Clear). Danach wird durch eine dauerhafte Truppenpräsenz das staatliche Gewaltmonopol wieder hergestellt (Hold). Ist ein ____________________ 8 Eine Auswertung vergangener Konflikte kommt zu dem Ergebnis, dass Regierungen rund elf Jahre benötigen, um Aufstände zu bewältigen. Konflikte, in denen hingegen die Aufständischen erfolgreich sind, ziehen sich durchschnittlich über 14 Jahre hin, siehe Jones, Counterinsurgency in Afghanistan, S. 10. 9 Vgl. Schweers, Philipp: „Dschalalabad – die Taliban greifen nach einer sicher geglaubten Stadt“, 16.09.2010, zeit.de (25.05.2015). Befähigung und Reform lokaler Sicherheitskräfte als strategische Notwendigkeit 153 gewisses Maß an Sicherheit gewährleistet, wird abschließend die Gesamtsituation durch Entwicklungszusammenarbeit verbessert (Build), damit die Antriebsfaktoren des Aufstands beseitigt werden und die Legitimität der zentralen Staatsgewalt gefestigt wird. Daraus ergibt sich eine besondere Anforderung an das Kräftedispositiv der Sicherheitskräfte. Anders als in der konventionellen Kriegsführung, in der auch kleine Truppenkontingente durch den Einsatz moderner Waffensysteme eine enorme Schlagkraft entfalten können, erfordert die Aufstandsbewältigung zur Sicherung freigekämpfter Räume eine hohe Anzahl von Stabilisierungskräften über einen langen Zeitraum.10 Für eine modern ausgestattete und gut ausgebildete Armee sollten leicht bewaffnete Aufständische wie die Taliban aus militärischer Sicht eigentlich keine große Herausforderung darstellen. Wie oben bereits beschrieben, liegt die Problematik jedoch eher darin, dass der Gegner den offenen Kampf meidet, im Untergrund operiert und dadurch schwer zu lokalisieren ist. Umfassende militärische und nachrichtendienstliche Aufklärungsergebnisse bilden daher die Voraussetzung für erfolgreiche Operationen gegen Aufständische.11 COIN ist ein „battle for the population“12, bei dem die Regierung Überzeugungsarbeit leisten und die Bevölkerung beschützen muss, um die Insurgenten zu isolieren und die Volksmassen schlussendlich für sich gewinnen zu können. Der Schutz der Bevölkerung besitzt dabei eine höhere strategische Bedeutung als die kinetische Bekämpfung der Aufständischen. Das US Counterinsurgency Field Manual propagiert deswegen bei der Anwendung militärischer Gewalt äußerste Zurückhaltung. Oberstes Gebot sei es, die Bevölkerung nicht in Mitleidenschaft zu ziehen. Allzu robustes Vorgehen kann ungeahnte Gegenreaktionen provozieren und die Bevölkerung gegen die Regierung und die ausländischen Truppen aufbringen. Militärische Operationen sollten daher nur wenn nötig und äußerst gezielt gegen den Gegner eingesetzt werden.13 Ausschlaggebend für eine erfolgreiche COIN-Kampagne sind daher professionelle und besonnene Sicherheitskräfte, die das Vertrauen der Bevölkerung gewinnen können. ____________________ 10 Stabilisierungsoperationen ähnlich der britischen Einsätze in Malaysia und Nordirland setzen ein Kräfteverhältnis von etwa 20 Soldaten und Polizisten pro 1.000 Einwohner voraus, siehe Quinlivan, James T.: Force Requirements in Stability Operations, in: Parameters, 25:4, 1995, S. 59–69. 11 Vgl. Metz, Steven/Millen, Raymond: Insurgency and Counterinsurgency in the 21st Century. Reconceptualizing Threat Response, Strategic Studies Monograph, Carlisle 2004, S. 29f. 12 Galula, David: Counterinsurgency Warfare. Theory and Practice, New York 1964, S. 6. 13 Vgl. United States Headquarters Department of the Army (Hrsg.): The U.S. Army/Marine Corps Counterinsurgency Field Manual: U.S. Army Field Manual No. 3-24: Marine Corps Warfighting Publication No. 3-33.5, Washington D.C. 2006, S. 27. Florian Wätzel 154 4. Einheimische Sicherheitskräfte Ausländische Truppensteller können die besonderen Stärkeanforderungen einer COIN-Mission oftmals nicht erfüllen, weil einer Entsendung mannstarker Kontingente die sinkenden Truppenzahlen in Deutschland und seiner Partnernationen gegenüber stehen. Zudem fehlt innerhalb der Entsendeländer oftmals die gesellschaftliche Bereitschaft, weitreichende Ressourcen für einen Auslandseinsatz zur Verfügung zu stellen und hohe Risiken für die eigenen Soldaten in Kauf zu nehmen.14 Eine frühe Einbindung lokaler Kräfte kann jedoch Lücken im Kräfteverhältnis schließen und ausländische Interventionskräfte entlasten. Das langfristige Sichern von Räumen entspricht nicht dem typischen Aufgabenspektrum moderner Streitkräfte, die primär dafür ausgebildet und ausgerüstet sind, den offenen Kampf auf dem Gefechtsfeld zu führen. Im Sinne einer bestmöglichen Kräfteverteilung werden sie eingesetzt, um vom Feind gehaltene Gebiete freizukämpfen. Hierbei kommen ihre hohe Mobilität und ihre modernen Waffensysteme zum Tragen. Für die dauerhafte Wahrung der Sicherheit eignen sich hingegen die mannstarken aber schlechter ausgerüsteten lokalen Sicherheitskräfte. Zudem entspricht diese Aufgabe vielmehr dem Aufgabenbereich der lokalen Polizei. Als exekutiver Arm des staatlichen Gewaltmonopols ist sie maßgeblich für den Schutz der Bevölkerung und die Durchsetzung des Rechts auf staatlichem Hoheitsgebiet verantwortlich. Überdies verfügt die Polizei im Gegensatz zu kasernierten Militäreinheiten aufgrund ihrer dauerhaften Präsenz in der Fläche über elementare Fähigkeiten für den Kampf gegen Aufständische: ein gutes Lagebild und einen intensiven Kontakt zur Bevölkerung.15 Über einen im Untergrund agierenden Feind lassen sich nur schwer Kenntnisse gewinnen. Insbesondere für Streitkräfte im Auslandseinsatz kommt die Lagebilderstellung einer Sisyphusarbeit gleich. Fehlende Kenntnisse über Sprache, Kultur, Politik und Bevölkerung erschweren die Beschaffung und Analyse von Informationen. Einheimische Sicherheitskräfte verfügen indessen über intime Kenntnisse des Einsatzlands. Sie können lagerelevante Entwicklungen schneller erkennen, Situationen präziser einschätzen und Informationen aus der Bevölkerung besser abschöpfen. Eine Studie des US CENTCOM über den Ein- ____________________ 14 Wenn die nationale Sicherheit in der politischen Wahrnehmung nicht unmittelbar vom Erfolg eines Einsatzes abhängt, fehlt oftmals die gesellschaftliche Bereitschaft, hohe Risiken und Kosten einzugehen. Für eine weitere Ausführung dieses Arguments siehe Mack, Andrew: Why Big Nations Lose Small Wars. The Politics of Asymmetric Conflict, in: World Politics, 7:2, 1975, S. 175–200. 15 Vgl. Skinner, Markus: Counterinsurgency and State Buidling. An Assessment of the Role of the Afghan National Police, in: Democracy and Security, 4:3, 2008, S. 290– 311, S. 292. Befähigung und Reform lokaler Sicherheitskräfte als strategische Notwendigkeit 155 satz in Afghanistan beschreibt, dass afghanische Soldaten wesentlich sicherer im Umgang mit der Zivilbevölkerung waren und deutlich besser Freund von Feind unterscheiden konnten als ihre amerikanischen Kameraden. „Afghan forces were said to have an increased awareness of cultural cues that help them discriminate between who belonged in local areas and outsiders who may be more likely to be a threat. Additionally, partnered forces were able to better communicate directly with locals without using an interpreter. [...] ANSF were seen as better able to understand the behavior of locals when they act in ways that Coalition forces find inexplicable.”16 Gemischt afghanisch-amerikanische Operationen waren daher erfolgreicher und beinhalteten ein geringeres Risiko von Kollateralschäden als Operationen, die ausschließlich von amerikanischen Soldaten durchgeführt wurden.17 Schlussendlich ist die Übergabe der Sicherheitsverantwortung an fähige lokale Sicherheitskräfte die alleinige Garantie dafür, dass der Abzug ausländischer Stabilisierungstruppen kein Sicherheitsvakuum hinterlässt. Andernfalls bedarf es für die Aufständischen nicht viel mehr, als lediglich in Wartestellung zu verharren, um nach dem Abzug der ausländischen Truppen die verteidigungsunfähige Regierung zu überrennen. 5. Herausforderungen Wie oben beschrieben, nehmen die hoheitlichen Sicherheitskräfte eine Schlüsselrolle bei der Konfliktlösung ein. Gleichzeitig müssen sie in vielen Fällen auch als Teil des Problems betrachtet werden, denn nicht selten trägt paradoxerweise der Sicherheitsapparat zur Konflikteskalation bei. In vielen Entwicklungsländern gehören Repressalien zum Repertoire der Sicherheitskräfte, um die Bevölkerung zu kontrollieren und Widerstand gegen die Machthabenden im Keim zu ersticken. Die gewaltsame Unterdrückung der Zivilbevölkerung ist nicht nur höchst unmnoralisch, sie kann auch zu einer weiteren Eskalation einer angespannten Situation beitragen, anstatt diese zu entschärfen. Gehen die Sicherheitskräfte gewaltsam gegen die Bevölkerung vor, wird diese unvermeidlich in die Arme der Insurgenten getrieben. In Afghanistan werden die einheimischen Sicherheitskräfte mit Kriminalität, Gewalt und Menschenrechtsverletzungen in Verbindung gebracht. Vor allem die Reputation der ANP ist schlecht und afghanische Polizisten sollen in Entführungen, ____________________ 16 Die Studie „Reducing and Mitigating Civilian Casualties: Afghanistan and Beyond“ ist nicht frei verfügbar und wurde zitiert in Dreyfuss, Rob: US Cuts ‚Partnering’ in Afghanistan, 18.09.2012, thenation.com, (09.07.2015). 17 Vgl. ebd. Florian Wätzel 156 Landraub, Plünderungen, willkürliche Verhaftungen, Folter und sexuelle Gewalt involviert sein.18 Ein weiteres Problem ist die grassierende Korruption im Sicherheitssektor. Die ANP gehört zusammen mit dem afghanischen Justizapparat zu den korruptesten Bereichen des öffentlichen Sektors.19 Afghanische Polizisten sind dafür bekannt, Schutzgelder einzutreiben und Bestechungsgelder zu kassieren. Dabei bleibt den Polizisten zum Überleben teilweise keine Alternative zur Korruption, weil Vorgesetzte ihre Löhne unterschlagen oder für einen Posten bei der Polizei hohe Schmiergelder verlangen.20 In der afghanischen Zivilbevölkerung genießt die ANP daher keinerlei Vertrauen und wird mehr gefürchtet als geschätzt.21 Die Afghanen sind der Willkür der Sicherheitskräfte nahezu schutzlos ausgeliefert. Wer gegen die illegalen Praktiken der Amtsträger aufbegehrt, geht das Risiko ein, auf die Seite der Taliban gestellt zu werden. Die falsche Denunziation dient dabei als opportunes Mittel, um Querulanten und unliebsame Konkurrenten unter Vortäuschung der Aufstandsbewältigung auszuschalten.22 Nicht selten spielen die mit Kabul verbündeten Kriegsfürsten ein falsches Spiel und missbrauchen die ANSF, um gegen ihre Machtkonkurrenten vorzugehen. Den Denunzierungsopfern blieb letztendlich nichts anderes übrig, als Schutz bei den Aufständischen zu suchen. Infolgedessen liefen in zuvor Taliban-freien Regionen ganze Stämme zu den Aufständischen über.23 Auch wenn diese „Accidental Guerillas“24 nicht unbedingt die Ziele des Aufstands unterstützten, füllten sie nach 2001 die ausgedünnten Reihen der Taliban. Der Aufstand profitierte gleichermaßen von den bestehenden ethnischen Spannungen in Afghanistan. Im Angesicht einer äußeren Bedrohung können ethnische Gruppen einen starken Zusammenhalt entwickeln. Mit der Stärkung eines „Wir-Gefühls“ geht nahezu automatisch die Ausgrenzung und feindliche ____________________ 18 Vgl. Human Rights Watch (Hrsg.): „Killing You Is A Very Easy Thing For Us“. Human Rights Abuses in Southeast Afghanistan, 15 (5), 2003. 19 Vgl. United Nations Office on Drugs and Crime (Hrsg.): Corruption in Afghanistan. Recent patterns and trends, Wien 2009, S. 10ff. 20 Einflussreiche Posten in der ANP, die hohe Nebenverdienstmöglichkeiten versprechen, kosten bis zu 200.000 US Dollar. Vgl. Baker, Aryn und Beluk, Bala: Policing Afghanistan, time.com, 21.10.2008 (31.01.2015). 21 Vgl. Dahl Thruelsen, Peter: Striking the Right Balance. How to Rebuild the Afghan National Police, in: International Peacekeeping, 17:1, 2010, S. 80–92, S. 90. 22 Vgl. hierzu allgemein Kalyvas, Stathis: The Logic of Violence in Civil War, Cambridge 2006, S. 351f. 23 Vgl. Simpson, Emile: War from the Ground Up. Twenty-First-Century Combat as Politics, London 2012, S. 44–54. 24 Kilcullen, David: Accidental Guerilla. Fighting Small Wars in the Midst of a Big One, Oxford 2009. Befähigung und Reform lokaler Sicherheitskräfte als strategische Notwendigkeit 157 Ablehnung anderer Gruppen einher. Ethnische Konflikte gelten daher als explosiver und weit aus schwieriger zu befrieden als rein politische Konflikte.25 In Afghanistan ringen eine Vielzahl konkurrierender Volksgruppen um Macht und Einfluss. In der jüngsten Geschichte ergab sich daraus insbesondere ein Spannungsfeld zwischen den Paschtunen, der größten Volksgruppe, und den überwiegend Dari-sprechenden Gemeinschaften im Norden des Landes. Unter der Regentschaft der paschtunischen Taliban wurden anders-ethnische und -religiöse Gruppierungen unterdrückt und verfolgt. Nach dem Sieg der Nordallianz war das politische Klima wiederrum von Misstrauen und Rachegefühlen gegen die Paschtunen geprägt. Auch wenn längst nicht alle Paschtunen zu den Unterstützern der Taliban zählten, gerieten sie unter Generalverdacht und wurden aus dem politischen Prozess weitgehend ausgeschlossen. Regierungsämter und Verwaltungspositionen wurden mehrheitlich mit Mitgliedern der Nordallianz besetzt. Ein besonders starkes ethnisches Ungleichgewicht entstand im Sicherheitssektor.26 Dies hatte zur Folge, dass bei Militäreinsätzen im paschtunischen Süden des Landes, dem Herzland des Talibanaufstands, die mehrheitlich aus dem Norden stammenden Soldaten der ANA in fremdem Terrain operierten. Die Soldaten waren hier Fremde im eigenen Land und das Misstrauen zwischen ihnen und der Bevölkerung war groß. Die Soldaten sahen in der paschtunischen Bevölkerung oftmals nur die Unterstützer der Taliban, während in der Wahrnehmung vieler Paschtunen die Armee ein Instrument der Unterdrückung war, das von den Volksgruppen aus dem Norden gesteuert wurde.27 Demzufolge verschärfte die einseitige Rekrutierung für die ANSF die bestehenden ethnischen Spannungen weiter. Dies begünstigte wiederum die Taliban, die geschickt die ethnischen Spannungen ausnutzten und befeuerten, um in Afghanistan wieder Fuß zu fassen. Die Aufständischen könnten sich vielerorts als Schutzpatron der marginalisierten Paschtunen präsentieren, um deren Unterstützung zu gewinnen.28 ____________________ 25 Vgl. Posen, Barry R.: The Security Dilemma and Ethnic Conflict, in: Survival, 35:1, 1993, S. 27–47; Kaufmann, Chaim: Possible and Impossible Solutions to Ethnic Civil Wars, in: International Security, 20:4, 1996, S. 136–175. 26 Vgl. International Crisis Group (Hrsg.): Afghanistan. The Problem of Pashtun Alienation, Asia Report, Nr. 62, Kabul, Brüssel 05.08.2003. 27 Vgl. Porter, Gareth: Tajik grip on Afghan army signals strife, 01.12.2011, atimes.com, (04.02.2015); Rivera, Ray: Afghan Army Attracts Few Where Fear Reigns, 06.11.2011, nytimes.com, (04.02.2015). 28 So beispielsweise im Raum Kunduz, siehe Devlin, Laurence et. al.: Conflict Analysis. Kunduz city, Kunduz province, Cooperation for Peace and Unity, 2009, S. 20; Giustozzi, Antonio/Reuter, Christoph: The Insurgents of the Afghan North. Afghan Analyst Network, AAN Thematic Report, Nr. 4, 2011, S. 11f. Florian Wätzel 158 Bei innerstaatlichen Konflikten wie in Afghanistan greift das Clausewitz’sche Verständnis vom Krieg zwischen zwei Parteien zu kurz. Anstatt einer bipolaren Konfrontation findet man in Bürgerkriegen meist ein diffuses und dynamisches Konfliktbild vor, in dem eine Vielzahl von Akteuren unterschiedliche Interessen verfolgen.29 Selbst einzelne Konfliktparteien sind oftmals in eine Vielzahl von teilweise rivalisierenden Untergruppen zersplittert. Auch die Regierung in Kabul bildete zu keinem Zeitpunkt eine in sich geschlossene Front. Vielmehr ist das Verhältnis zwischen den einzelnen Regierungsakteuren und Sicherheitsorganen von gegenseitigem Misstrauen, unterschwelligen Machtkämpfen und offenen Grabenkämpfen geprägt. In Afghanistan ergibt sich die Zersplitterung der Regierung insbesondere aus dem Spannungsfeld zwischen Zentrum und Peripherie. Nach 2001 wurden eine Vielzahl von Stammesoberhäuptern, Religionsführern, Mudschaheddinkommandeuren und Warlords von der Regierung kooptiert und in staatliche Institutionen eingebunden. Damit wurde einigen von ihnen auch die Sicherheitsverantwortung auf der Distrikt- und Provinzebene übertragen. Die formale Berufung in ein Regierungsamt allein verlieh den lokalen Regenten jedoch keine Macht. Stattdessen basierte ihre Macht weiterhin maßgeblich auf klientelistischen Netzwerken, die sich zuweilen auch in die Kreise der organisierten Kriminalität und des bewaffneten Widerstands erstreckten. Während die lokalen Potentaten nach größtmöglicher Macht in Kabul strebten, drangen sie gleichzeitig den Regierungseinfluss in der Peripherie zurück, um ihre Autonomie zu bewahren. Dies führte zu einer Verselbständigung und Entstaatlichung des Sicherheitsapparats, in dem die Grenzen zwischen der persönlichen Herrschaftsabsicherung und der Gewährleistung der allgemeinen Sicherheit verschwammen.30 Diese Entwicklung wirkte sich insbesondere auf die ANP aus, die lokal rekrutiert und eingesetzt wird. Vielerorts wurden die Einheiten der ANP direkt aus den privaten Milizeinheiten oder Patronagenetzwerken lokaler Despoten rekrutiert.31 Die Polizisten sahen sich daher in erster Linie gegenüber ihrem lokalen Patron rechenschaftspflichtig und nicht ihrem Kabuler ____________________ 29 Vgl. Simpson, Emile: War from the Ground Up. Twenty-First Century Combat as Politics, London 2012, S. 3ff. 30 Ein gutes Beispiel hierfür ist der Warlord Atta Mohammed Noor der als Gouverneur der im RC North liegenden Provinz Balkh maßgeblich für die Verbesserung der Sicherheitslage verantwortlich war, gleichermaßen aber seine Machtposition sowohl innerhalb der Provinz als auch gegenüber der Zentralregierung ausbaute. Siehe: Mukhopadhyay, Dipali: Warlords as Bureaucrats. The Afghan Experience, Carnegie Endowment for International Peace, Carnegie Papers, Nr. 101, Washington D.C. 2009, S. 11–14. 31 Vgl. Evans, Anne, (et. al.): A Guide to Government in Afghanistan, World Bank, The Afghan Research Evaluation Unit, Washington D.C. 2004, S. 17, 98f. Befähigung und Reform lokaler Sicherheitskräfte als strategische Notwendigkeit 159 Vorgesetzten.32 Ein institutionelles Bewusstsein, dem Staat zu dienen und geltendes Recht durchzusetzen, konnte unter diesen Bedingungen nicht etabliert werden. 6. Anspruch und Wirklichkeit: Der internationale Aufbau der ANSF Der Aufbau und die Einbindung des hoheitlichen Sicherheitsapparats ist eine zwingende Voraussetzung für die erfolgreiche Bewältigung von Aufständen. Wie oben beschrieben besteht jedoch die Gefahr, dass eigenmächtig agierende Sicherheitskräfte die Konfliktursachen verstärken. Ausländische Sicherheitsakteure müssen daher sicherstellen, dass ihre Bemühungen zur Stärkung und Reform hoheitlicher Sicherheitskräfte nicht zu einer unkontrollierten Verselbständigung führen. Dies setzt eine einheitliche Gesamtstrategie, eine Abstimmung zwischen allen Beteiligten, ausreichende Mittel und umfangreiche Kenntnisse über das Einsatzgebiet voraus. Bemisst man das internationale Engagement in Afghanistan anhand dieser Parameter, werden die Probleme beim Aufbau der ANSF deutlich. Mangelhafte Koordination: Ein Schlüsselfaktor für den Erfolg sowohl bei der Aufstandsbekämpfung als auch bei der SSR ist die Koordination aller Tätigkeiten. In Afghanistan war jedoch zu keinem Zeitpunkt unter den unterschiedlichen Akteuren, die an dem Aufbau des Sicherheitssektors beteiligt waren, ein Unity of Effort zu erkennen. Im Rahmen des Petersburger Prozesses übernahmen einzelne Staaten eine Führungsrolle für verschiedene Säulen der afghanischen Sicherheitsreform. Für den Polizeiaufbau war Deutschland zuständig, den Aufbau der Justiz übernahm Italien, Großbritannien war für die Drogenbekämpfung verantwortlich, die USA übernahmen den Aufbau der Streitkräfte und Japan führte zusammen mit der Afghanistanmission der UN (UNAMA) die Demobilisierung, Entwaffnung und Reintegration (DDR) von Milizen durch. Die mangelhafte Abstimmung zwischen den Führungsnationen und eine ungleiche Ressourcenverteilung führten indessen zu einer inkongruenten Umsetzung der Reformen, woraufhin der Gesamtprozess verzögert wurde. Dadurch trugen beispielsweise Fortschritte beim Polizeiaufbau wenig zum Gesamterfolg bei, solange gravierende Mängel im Justizsektor fortbestanden.33 ____________________ 32 Vgl. Sedra, Mark: Police Reform in Afghanistan. An Overview, in: Ders. (Hrsg.): Confronting Afghanistan’s Security Dilemma. Reforming the Security Sector, Bonn International Center für Conversion, Brief Nr. 28, Bonn 2003, S. 32–39, S. 33. 33 Vgl. Hoda, Cyrus/Sedra, Mark: The Search for Security in Post-Taliban Afghanistan, International Institute for Security Studies, Adelphi Paper, Nr. 391, London 2007, S. 52. Florian Wätzel 160 Hinzu kamen Abstimmungsprobleme innerhalb der Säulen. So war eine Vielzahl von Organisationen und Initiativen am Polizeiaufbau beteiligt. Die unterschiedlichen Interessen dieser Akteure sowie die mangelhafte Koordination unter ihnen führten zu erheblichen Verzögerungen und Reibungsverlusten.34 Strategielosigkeit: Kennzeichnend für den Afghanistaneinsatz waren die divergierenden Zielvorstellungen der internationalen Akteure. Bis heute besteht keine klare Vorstellung, ob die Mission im Kontext der weltweiten Terrorismusbekämpfung (USA) stand oder es sich um Statebuilding (Deutschland) handelte.35 Angesichts der unterschiedlichen politischen Standpunkte hatte die internationale Afghanistankoalition versagt, eine allgemeingültige Strategie zu formulieren. Das Vorgehen der ausländischen Akteure war dadurch nicht nur inkohärent, sondern stand teilweise im Widerspruch zueinander. Dies wurde auch beim Aufbau des Sicherheitssektors offensichtlich. So wurden die Anstrengungen zur Stärkung des staatlichen Gewaltmonopols durch die Einbindung krimineller Warlords und Milizen in die amerikanische Terrorismusbekämpfung konterkariert.36 Des Weiteren zeigte sich, dass beim Polizeiaufbau ungleiche Rollenverständnisse der ANP – Bürgerpolizei (Deutschland) oder paramilitärische Gendarmerie zur Aufstandsbekämpfung (USA) – zu unterschiedlichen Ansätzen bei der Ausbildung und dem Aufbau von Strukturen führten.37 Wenig Ressourcen: Der Aufbau der ANSF wurde in den Anfangsjahren zunächst vernachlässigt und erst ab 2004 langsam forciert. Wertvolle Zeit ging dadurch verloren. Die ausländischen Finanzhilfen blieben zunächst unter den versprochenen Zielen. Folglich fielen die Gehälter für afghanische Soldaten und Polizisten nur spärlich aus. Teilweise mussten die Soldzahlungen monatelang ausgesetzt werden, weil die versprochenen Hilfszahlungen nicht erfolgten. Die Korruption im Sicherheitssektor nahm infolgedessen zu.38 Ferner erhielten die Afghanen insgesamt zu wenig Material. In den Anfangsjahren setzte sich ____________________ 34 Vgl. Caldwell, William B./Finney, Nathan K.: Building Police Capacity in Afghanistan. The Challenges of a Multilateral Approach, in: PRISM, 2:1, 2010, S. 121–130; Dahl, Thruelsen: Striking the Right Balance. How to Rebuild the Afghan National Police, in: International Peacekeeping, 17:1, 2010, S. 85. 35 Vgl. Williams, M.J.: The Good War. NATO and the Liberal Conscience in Afghanistan, New York 2011, S. 61. 36 Vgl. Filkins, Dexter/Mazzetti, Mark/Risen, James: Brother of Afghan Leader Said to Be Paid by C.I.A., 27.09.2009, nytimes.com, (04.02.2015). 37 Vgl. Friesendorf, Cornelius: Aufstandsbekämpfung und Bürgernähe. Der schwierige Aufbau der afghanischen Polizei, in: Schetter, Conrad/ Klußmann, Jörgen: Der Taliban- Komplex. Zwischen Aufstandsbewegung und Militäreinsatz, Frankfurt a. M. 2011, S. 179–199. 38 Vgl. Sedra, Mark: Afghanistan. In Search for Security, Foreign Policy in Focus, 03.10.2003, http://fpif.org, (07.02.2015). Befähigung und Reform lokaler Sicherheitskräfte als strategische Notwendigkeit 161 die Ausrüstung der ANSF aus Materialspenden von Koalitionsmitgliedern zusammen. Dabei handelte es sich jedoch oftmals um gebrauchtes und veraltetes Wehrmaterial. Die dadurch entstandene Vielfalt ausländischer Systeme erschwerte die Ausbildung und den Materialerhalt. Erst ab 2007 wurde der materielle Aufbau der ANSF zügiger vorangetrieben. Die benötigte Anzahl ausländischer Ausbilder, insbesondere Polizeiausbilder, blieb jedoch weiterhin unter der erforderlichen Zielvorgabe.39 Ferner waren die Lasten für den Aufbau der ANSF ungleich verteilt und die USA trugen 90% der Kosten.40 Mit der Intensivierung des Aufstandes konzentrierte sich der Aufbau verstärkt auf die taktischen und operativen Fähigkeiten der ANSF während die Reform der Sicherheitsarchitektur zunehmend in den Hintergrund rückte.41 Die strukturellen Schwächen, darunter die chronische Korruption, blieben somit weitgehend bestehen. Mangelnde Kenntnisse: Auf Seiten der ausländischen zivilen und militärischen Kräfte waren nur unzureichende Kenntnisse über den komplexen Konflikt in Afghanistan vorhanden.42 Der ehemalige ISAF Kommandeur General Stanley McChrystal führt hierzu an: „We didn't know enough and we still don't know enough. Most of us, me included, had a very superficial understanding of the situation and history, and we had a frighteningly simplistic view of recent history, the last 50 years.”43 Die Wechselwirkungen, die durch den Aufbau der ANSF und das Zusammenwirken zwischen afghanischen und internationalen Truppen entstanden, wurden demgemäß nur selten erkannt. Politische und kulturelle Differenzen: Unterschiede in Sprache, Kultur, Religion sowie grundverschiedene Werte- und Normenverständnisse führten zu Kommunikationsproblemen und mangelndem Verständnis für die jeweilige ____________________ 39 Für eine detaillierte Beschreibung der Mängel bei der Bereitstellung von Ressourcen für den Aufbau der ANSF siehe Kelly, Terrence K./Bensahel, Nora/Oliker, Olga: Security Force Assistance in Afghanistan. Identifying Lessons for the Future, RAND Corporation, Santa Monica 2011, S. 40–54. 40 Vgl. United States Government Accountability Office (Hrsg.): Afghanistan’s Donor Dependence, GAO-11-948R, 11.09.2011, www.gao.gov, (07.02.2015). 41 Vgl. Hoda, Cyrus/Sedra Mark: The Search for Security in Post-Taliban Afghanistan, S. 54. 42 Zu Problemen bei Lagebearbeitung der Bundeswehr in Afghanistan siehe Münch, Philipp: Wahrnehmung und Analyse der Taliban durch die Bundeswehr, in: Schetter, Conrad/ Klußmann, Jörgen (Hrsg.): Der Taliban-Komplex. Zwischen Aufstandsbewegung und Militäreinsatz, Frankfurt a.M. 2011, S. 229–246; Wörmer, Nils: The Networks of Kunduz. A History of Conflict and Their Actors, from 1992 to 2001, Afghan Analyst Network, August 2012, S. 6. 43 Zitiert in: Walsh, Declan: „US had frighteningly simplistic‘ view of Afghanistan, says McChrystal“, 07.10.2011, theguardian.com, (16.01.2015). Florian Wätzel 162 Partnerseite. In zahlreichen Berichten schildern ISAF-Soldaten die problematische Zusammenarbeit mit ihren afghanischen Partnern. Fälle von Korruption, Drogenmissbrauch, Unzuverlässigkeit, Gleichgültigkeit und der weit verbreitete Analphabetismus unter den afghanischen Soldaten und Polizisten führten zu erheblichem Frust unter den westlichen Ausbildern.44 Im Gegenzug dazu wurde von den Afghanen kritisiert, dass die NATO-Partner ihnen ihre westlichen Militärdoktrinen aufoktroyieren und sie mit Waffen und Material ausstatten würden, die für den Konflikt in Afghanistan ungenügend seien. Zudem mangele es den westlichen Soldaten an Respekt gegenüber ihren afghanischen Partnern.45 Einer Studie der US-Armee zufolge wurde die Zusammenarbeit zwischen Amerikanern und Afghanen durch beiderseitig bestehende Ressentiments stark belastet.46 Die Folgen der kulturellen Spannungen waren teilweise verheerend. So werden Enttäuschung und empfundene Demütigung auf afghanischer Seite als mutmaßliche Auslöser für Mordanschläge gegen ISAF-Soldaten durch afghanische Polizisten und Soldaten betrachtet.47 Dependenzen: Ferner hat der Aufbau des Sicherheitssektors in Afghanistan massive Abhängigkeiten geschaffen. Fähigkeiten in den Bereichen Lufttransport, Luftunterstützung, Aufklärung sowie die Evakuierung und Versorgung von Verwundeten sind kritische Fähigkeiten in der modernen Kriegsführung. Weil sie ein hohes Maß an Knowhow erfordern, wurden diese Fähigkeiten von den internationalen Truppen abgebildet. Infolgedessen wurde der Aufbau dieser Kompetenzen bei den Afghanen vernachlässigt. Die Schließung dieser Fähigkeitslücken wird noch viel Zeit in Anspruch nehmen und die ANSF sind bis dahin auf die Unterstützung internationaler Kräfte angewiesen. Hinzu kommt, dass Afghanistan hochgradig von ausländischer Finanzhilfe abhängig ist und nur einen Bruchteil seiner Sicherheitskosten eigenständig tragen kann. Gleich- ____________________ 44 Für Erfahrungen der US-Armee mit der afghanischen Armee siehe Thompson, Carl: Winning in Afghanistan, 09.04.2009; für Probleme zwischen der Bundeswehr und ihren afghanischen Partnern siehe Gebauer, Matthias/Kazim, Hasnain/Najafizada, Shoib: Bundeswehr-Mission in Afghanistan. Deutsche Soldaten zweifeln an Partnering- System, 21.02.2011, spiegel.de, (16.01.2015). 45 Vgl. Gannon, Kathy: Afghanistan Army: Troops Complain of Poor Equipment and Disrespect, 20.05.2012, huffingtonpost.com, (22.06.2014). 46 Vgl. Bordin, Jeffrey: A Crisis of Trust and Cultural Incompatibility. A Red Team Study of Mutual Perceptions of Afghan National Security Force Personnel and U.S. Soldiers in Understanding and Mitigating the Phenomena of ANSF-Commited Fratricite- Murders, 12.05.2011 (22.06.2014). 47 Nur zehn bis fünfzehn Prozent dieser sogenannten Green on Blue Vorfälle sollen in Verbindung mit den Taliban gestanden haben. Vgl. Long, Austin: ‚Green on Blue’. Insider Attacks in Afghanistan, in: Survival, 55:3, 2013, 167–182; Shanker, Thom: General Notes Taliban Coercion in Some Attacks on Troops, 23.08.2012, nytimes.com, (15.05.2014). Befähigung und Reform lokaler Sicherheitskräfte als strategische Notwendigkeit 163 zeitig hemmt die Abhängigkeit von ausländischen Gebern Anreize, Mittel effizient zu verteilen sowie Transparenz und Rechenschaftspflicht zu stärken.48 Dabei wird die internationale Gebergemeinschaft noch über Jahre für die Hauptkosten der ANSF aufkommen müssen. Ob die afghanische Regierung im Jahr 2024 für die Gesamtkosten wie geplant eigenständig aufkommen wird, bleibt jedoch fraglich.49 7. Fazit Capacity Building und SSR sind sinnvolle Bestandteile eines Werkzeugkoffers für die Krisenintervention und -prävention, um dem Zerfall staatlicher Ordnung, Terrorismus, organisierter Kriminalität und humanitären Katastrophen zu begegnen. Die konkreten Unterstützungsleistungen für einen Krisenstaat sind dabei kontextabhängig. Zum Einen kann die Stärkung und Reform einheimischer Sicherheitskräfte im Rahmen eines umfangreicheren Stabilisierungseinsatzes, wie in Afghanistan, erfolgen. Letztendlich ist hier die Übergabe der Verantwortung an die Sicherheitskräfte des Einsatzlandes ein elementarer Bestandteil einer sinnvollen Abzugsstrategie. Zum Anderen kann die Unterstützung zur Stärkung des hoheitlichen Sicherheitsapparats von Krisenstaaten auch eine Alternative zu einem bewaffneten Einsatz darstellen. Die Entsendung von zivilen Experten sowie Militär- und Polizeiausbildern, die den Sicherheitsakteuren eines Krisenstaats beratend zur Seite stehen, hinterlässt keinen großen Fußabdruck und ist mit weitaus geringeren politischen Risiken behaftet. Letzteres wird mit hoher Wahrscheinlichkeit die Außen- und Sicherheitspolitik westlicher Staaten in den kommenden Jahren bestimmen, dafür sprechen gute Gründe. Der derzeitige Zerfall der politischen Ordnung in Nordafrika und dem Nahen Osten sowie eine damit zusammenhängende Expansion terroristischer Gruppierungen und eine Flüchtlingskatastrophe von historischem Ausmaß erfordern Handlungsbedarf. Gleichzeitig findet sich in den westlichen Staaten nach den leidvollen Erfahrungen in Afghanistan und im Irak keine politische Unterstützung für militärische Interventionen. Vielmehr setzt man auf ____________________ 48 Bei der Besoldung afghanischer Polizisten, die durch einen von der UN verwaltenden Fund von ausländischen Hilfsgeldern erfolgt, soll es zu systematischen Verschwendung gekommen sein. So existieren viele Polizisten nur auf dem Papier und es wurden unnötig viele Dienstposten mit hohen Bezügen geschaffen. Vgl. Hodge, Nathan: U.N. Fund Scrutinized for Afghan Corruption, 10.05.2012, wsj.com, (07.02.2015). 49 Vgl. Byrd, William A.: Revisiting Chicago. The Critical Need to Maintain Support for Afghanistan’s National Security Forces Post-2014, United States Institute for Peace, Peacebrief, Nr. 173, 05.06.2014 (07.02.2015). Florian Wätzel 164 lokale Partner, die mit Ausbildung, Reformunterstützung, Ausrüstungshilfe und gegebenenfalls Luftunterstützung befähigt werden sollen, die Konflikte in der Region zu lösen. Die alleinige Ertüchtigung hoheitlicher Sicherheitskräfte führt jedoch nicht immer zum gewünschten Ziel. Ein mahnendes Beispiel ist der Afghanistaneinsatz. Hier wurde deutlich, dass lokale Sicherheitsakteure nicht immer im Sinne einer nachhaltigen Konfliktlösung handeln. Vielmehr verfolgen sie unter dem Deckmantel der Terrorismus- und Aufstandsbekämpfung persönliche oder klientelistische Interessen. Trotz aller Risiken bleibt die Befähigung lokaler Kräfte zur nachhaltigen Krisenbewältigung alternativlos. Es stellt sich daher nicht die Frage nach dem Ob, sondern Wie eine Reform und Stärkung von Sicherheitsakteuren erfolgen kann. Eine allgemeingültige Blaupause hierfür gibt es nicht. In Zukunft gilt es jedoch intensiver zu betrachten, wie sich die lokalen Sicherheitsakteure in den Kontext des Konflikts einfügen und welche Wechselwirkungen zwischen ihrem Handeln und den Konfliktdynamiken bestehen. Wird erkannt, dass der Aufbau der lokalen Sicherheitskräfte nicht in die gewünschte Richtung verläuft, müssen Kurskorrekturen durchgeführt und auf die Partnerseite eingewirkt werden. Zu bestimmen, welche Mittel dabei angewendet werden können, wird eine wichtige Aufgabe sein. Weitere Herausforderungen bleiben die Verbesserung der Koordination aller beteiligten Akteure sowie die Bereitstellung von Kapazitäten. Ein besonderes Augenmerk richtet sich dabei auf die Verfügbarkeit von qualifiziertem Expertenpersonal. Für ein stärkeres Engagement zur Befähigung lokaler Partner werden neben speziell ausgebildeten Militär- und Polizeitrainern, mehr zivile Experten mit fachlicher Expertise, Sprach- und Regionalkenntnissen benötigt. Literatur Baker, Aryn/Beluk, Bala: „Policing Afghanistan”, Time, 21.10.2008, http://content.time.com /time/world/article/0,8599,1852296,00.html, (31.01.2015). Bordin, Jeffrey: „A Crisis of Trust and Cultural Incompatibility”, 12.05.2011, http://www2. gwu.edu/~nsarchiv/NSAEBB/NSAEBB370/docs/Document%2011.pdf, (22.06.2014). 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References

Zusammenfassung

Der Stabilisierungseinsatz in Afghanistan hat die Außen- und Sicherheitspolitik der Bundesrepublik so nachhaltig geprägt wie kein internationales Engagement zuvor. Der deutsche Beitrag zum Wiederaufbau des Landes war dabei von einem gesamtstaatlichen Ansatz geprägt, bei dem Sicherheit und Entwicklung ineinandergreifen sollten. Die Realität im Einsatzland stellte die deutschen Soldaten, Diplomaten, Entwicklungshelfer und Polizeiausbilder jedoch vor enorme Herausforderungen.

Das Ende des Mandats der internationalen Schutztruppe ISAF zum Jahreswechsel 2015 gibt Anlass, die hier gewonnenen Erfahrungen und Lehren der unterschiedlichen zivilen und militärischen Akteure festzuhalten. Vor dem Hintergrund einer bestenfalls gemischten Erfolgsbilanz, aber auch angesichts der aktuellen Krisen und Konflikte an den Rändern Europas, ist eine solche Aufarbeitung des Einsatzes von außerordentlicher Relevanz.

Der Sammelband bringt eine einzigartige Vielfalt an Perspektiven von einsatzerfahrenen militärischen und zivilen Führungskräften zusammen. Abgerundet wird das Bild durch Analysen der strategischen Konzepte, die den Einsatz prägten, der Perspektive aus den einzelnen Bundesministerien sowie der persönlichen Bilanz von bedeutenden politischen Entscheidungsträgern.

Mit Beiträgen von: Phillip Ackermann, Hans-Peter Bartels, Jörg Bentmann, Christian von Blumröder, Marcel Bohnert, Axel Dohmen, Udo Ewertz, Dirk Freudenberg, Hans-Werner Fritz, Axel Gablik, Dorothea Gieselmann, Volker Halbauer, Stefan Hansen, Jannis Jost, Bruno Kasdorf, Joachim Krause, Wolfgang Lauenroth, Winfried Nachtwei, John A. Nagl, Stefan Oswald, Wolf Plesmann, Hans-Joachim Ruff-Stahl, Helge Rücker, Marcus Schaper, Ulrich Schlie, Björn Schreiber, Robin Schroeder, Hendrik Staigis, Gerald Stöter, Christine Toetzke, Christopher Urbas, Florian Wätzel und Matthias Weber.