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Nicole Bettinger, Die englische Anwaltschaft in:

Nicole Bettinger

Englische LLP und Anwaltshaftung in Deutschland, page 49 - 50

1. Edition 2009, ISBN print: 978-3-8329-4011-9, ISBN online: 978-3-8452-1679-9 https://doi.org/10.5771/9783845216799

Series: Internationales und europäisches Privat- und Verfahrensrecht, vol. 8

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49 teren bleibt ihre innere Struktur der flexiblen, privatrechtlichen Gestaltung durch die Partner überlassen.132 Demgegenüber ist die company eine juristische Person, die durch Eintragung ins Gesellschaftsregister entsteht.133 Bei der Ltd ist die Haftung auf die Einlage beschränkt.134 Die Ltd verfügt über eine körperschaftliche Organisation. Grundsätzlich übernimmt das board of directors die Geschäftsführung135, wohingegen die Anteilseigner auf Kontrollrechte verwiesen werden136. Ferner ist die Haftungsbeschränkung bei der Ltd mit Offenlegungspflichten verbunden.137 Insgesamt zeigt sich, dass ein wesentlicher Vorteil der partnership die Flexibilität ihrer inneren Verfassung ist, wohingegen die company eigene Rechtspersönlichkeit besitzt und ihren Anteilseignern den Schutz beschränkter Haftung bietet.138 Es entstand die Idee, die Vorteile beider Gesellschaftsformen miteinander zu verknüpfen.139 In der Tat wird die LLP oftmals als Hybrid zwischen Ltd und partnership bezeichnet.140 Zumindest teilweise vereinigt die LLP attraktive Elemente der partnership, insbesondere die Flexibilität ihrer inneren Struktur141, mit solchen der Ltd, wie z. B. deren separate Rechtspersönlichkeit142. C. Gesellschaften als Kooperationsformen für die englische Anwaltschaft I. Die englische Anwaltschaft Die englische Anwaltschaft ist zweigeteilt in barristers und solicitors. Dies beruht auf der historischen Aufspaltung in die Rolle des advocate (prolocutor), der vor Gericht auftrat und des attorney (procurator), der die Mandanten betreute.143 Tradi- 132 Morse, Rdnr. 1.01. 133 S. 13 (3), (4) CA 1985; s. 16 (2), (3) CA 2006. 134 Ss. 1 (2) (a), 2 (3) CA 1985; ss. 3 (2), 9 (2) CA 2006. 135 Diese Regelung findet sich nicht unmittelbar im CA 1985, sondern in der gesetzlichen Standardversion der articles of association, siehe ss. 7, 8 CA 1985, Table A, art. 70 Companies (Tables A to F) Regulations 1985, SI 1985/805. Auch im CA 2006 erfolgt keine gesetzliche Festschreibung, doch sind entsprechende model articles vorgesehen, siehe Schedule 1, reg. 3 The Companies (Model Articles) Regulations 2008, SI 2008/3229, wobei diese Regulations ab 01.10.2009 gelten (vgl. reg. 1 The Companies (Model Articles) Regulations 2008; Ziff. 4 Explanatory Notes to Companies (Model Articles) Regulations 2008). 136 S. 303 CA 1985; s. 168 CA 2006. 137 Siehe oben Teil 1 B II 2 a), b), c). 138 Morse, Rdnr. 1.01. 139 Ziff. 3 Explanatory Notes to LLPA 2000; vgl. ausführlich zur Entstehungsgeschichte Cross, JBL 2002, 268; Finch/Freedman, JBL 2002, 475, 476ff; Villiers, SLPQ 2001, 6(2), 112; siehe unten Teil 1 D I zur Entstehungsgeschichte der LLP. 140 Finch/Freedman, JBL 2002, 475, 477, 480; Blackett-Ord, NLJ 2002, 1590; Payne, Comp. Law. 2000, 21(4), 133, 134. 141 Whittaker/Machell, S. 2. 142 S. 1 LLPA 2000. 143 Halsbury s Laws of England, Bd. 3 (1), Barristers, Ziff. 352. 50 tionell ist der barrister als Prozessanwalt tätig und tritt vor den höheren Gerichten auf. Demgegenüber übernimmt der solicitor die außergerichtliche Beratung.144 Infolge jüngerer Entwicklungen und Reformen haben sich diese Berufe weitgehend angenähert.145 Die Aufhebung der immunity (Haftungsfreiheit) von barristers und auch solicitors bei beruflichen Fehlern im Zusammenhang mit Gerichtsverfahren146 hat zur Einebnung der Unterschiede beigetragen. Der barrister darf vor allen englischen Gerichten auftreten.147 Barristers werden grundsätzlich nicht von Mandanten beauftragt, so dass keine vertraglichen Beziehungen bestehen. Stattdessen treten sie vor Gericht auf und erstellen Rechtsgutachten für solicitors.148 Den barristers ist der Zusammenschluss zur gemeinsamen Berufsausübung in Form von partnership, company oder LLP verboten.149 Der solicitor tritt mit dem Mandanten in Kontakt, dessen Fall später vor Gericht zu verhandeln ist und wird für ihn tätig. Ferner vertritt und berät der solicitor seine Mandanten in sonstigen Rechtsfragen.150 Aufgrund des retainer (Anwaltsbestellung) besteht eine vertragliche Beziehung zum Mandanten.151 In der Vergangenheit durfte der solicitor nur vor unteren Gerichten auftreten.152 Mittlerweile ist es dem solicitor gestattet, vor allen Gerichten aufzutreten.153 Als berufsständische Organisation stellt die Law Society bzw. die Solicitors  Regulation Authority154 (SRA) Berufsregeln, sog. rules (Regeln), auf.155 II. Kooperationsmöglichkeiten für englische solicitors Die Diskussion möglicher Kooperationsformen erfolgt unter Fokussierung auf solicitors. Die Problematik der Rechte europäischer und sonstiger ausländischer Rechtsanwälte sowie der gemeinsamen Berufsausübung von Rechtsanwälten mit anderen Berufen, die durch den Legal Services Act 2007 in Zukunft erweitert wird, geht über die Zielsetzung dieser Arbeit hinaus. Solicitors können eine partnership gründen, müssen dabei aber berufsrechtliche Regeln befolgen. Bis zum 1. Juli 2007 galten insbesondere die Solicitors  Practice 144 Lyall, S. 42. 145 Wareham, in: Tyrrell/Yaqub, S. 334, S. 336. 146 Hall v. Simons [2000] 3 All ER 673 (HL). 147 S. 36 Access to Justice Act 1999. 148 Lyall, S. 42. 149 S. 205 Code of Conduct of the Bar, für employed barristers greift s. 502 Code of Conduct of the Bar. 150 Wareham, in: Tyrrell/Yaqub, S. 334, S. 345; Lyall, S. 42. 151 Jackson/Powell, Rdnr. 10-004. 152 Elliott/Quinn, S. 112. 153 S. 36 Access to Justice Act 1999. 154 Die Solicitors  Regulation Authority (SRA) tritt an die Stelle des Law Society Regulation Board, s. Hudson, NLJ 2007, 132. 155 Halsbury s Laws of England, Bd. 44 (1), Solicitors, Ziff. 26; ss. 31, 87 Solicitors  Act 1974.

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Zusammenfassung

Die englische Limited Liability Partnership (LLP) kann für in Deutschland niedergelassene Rechtsanwälte eine attraktive Alternative sein. Die Arbeit untersucht die in der Praxis für solche Anwalts-LLPs relevanten berufs-, haftungs-, gesellschafts- und registerrechtlichen Fragen aus internationalprivatrechtlicher und europarechtlicher Perspektive und vergleicht funktional die LLP mit Partnerschaft und GmbH. Insbesondere erörtert die Autorin die Haftung der LLP-Gesellschafter für Berufsfehler sowie die Frage, welche Normen der BRAO Anwendung finden. Die kollisionsrechtlichen Methoden der Substitution und der Anpassung werden diskutiert. De lege ferenda wird eine Neuregelung für das Kollisionsrecht vorgeschlagen.