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Nicole Bettinger, Brisanz der Haftungsfrage im Spiegel der Literatur in:

Nicole Bettinger

Englische LLP und Anwaltshaftung in Deutschland, page 359 - 360

1. Edition 2009, ISBN print: 978-3-8329-4011-9, ISBN online: 978-3-8452-1679-9 https://doi.org/10.5771/9783845216799

Series: Internationales und europäisches Privat- und Verfahrensrecht, vol. 8

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359 tendierende Umprägung des Sachrechts ist abzulehnen. Vielmehr ist anhand der Leitprinzipien des internationalen Privatrechts zu prüfen, ob und gegebenenfalls durch welche Methoden, z. B. durch Anpassung, das Ergebnis der herkömmlichen Kollisionsregeln zu korrigieren ist.2864 IX. Brisanz der Haftungsfrage im Spiegel der Literatur Die Brisanz der Haftungsfrage wird durch die unterschiedlichen Reaktionen in der Literatur unterstrichen. Teilweise wird der Ausschluss der persönlichen Haftung für berufliche Fehler nach den Prinzipien der professional negligence bei grenzüberschreitender Nutzung der LLP positiv aufgenommen.2865 Weller und Kienle meinen, dies erhöht zusätzlich die Attraktivität, eine LLP als Rechtsform für die inländische Beratungstätigkeit zu wählen. 2866 Auch Triebel, Otte und Kimpel vertreten die Ansicht, der LLP-Gesellschafter müsse diese Haftung jedenfalls nicht fürchten .2867 Vorsichtigere Formulierungen wählt Bank im Rahmen seiner auf rechtsvergleichende und europarechtliche Aspekte fokussierenden Analyse der Freiberufler-LLP, indem er darlegt: Zudem erscheint es  auf den ersten Blick  merkwürdig, wenn Gesellschaften eines Mitgliedsstaates anderenorts besser gestellt werden als in ihrem Heimatstaat, ( &). 2868 Unter Abstellen auf das Europarecht wird eine Korrektur der Haftungsvorteile abgelehnt.2869 Auch Schnittker moniert in seiner Untersuchung der gesellschafts- und steuerrechtliche Behandlung der LLP als Alternative für in Deutschland tätige Unternehmen im Allgemeinen, dass dieses Ergebnis für die Gesellschafter einen Haftungsschutz beinhaltet, welcher weiter geht als dies vom Heimatrecht vorgesehen ist.2870 Doch werden Korrekturen dieses Resultats wegen des Vorliegens eines Normenmangels abgelehnt.2871 Schließlich lehnen Schnittker und Bank in einem Gemein- 2864 Siehe unten Teil 3 D. 2865 Weller/Kienle, DStR 2005, 1102, 1107; Triebel/Otte/Kimpel, BB 2005, 1233, 1236; Dahns, NJW-Spezial 2005, 333f.; in ähnlicher Weise von einer Besserstellung ausgehend Siems, ZVglRWiss 107 (2008), 60, 73; auch Sassenbach, AnwBl 2007, 293, 296 stellt unkritisch fest, dass nach deutschem Kollisionsrecht bei deutschem Handlungs- und Erfolgsort die deliktische Haftung ausscheide; Bank, S. 404ff.; Schnittker, S. 117ff., lehnt die Korrektur des Haftungsausfalls wegen Vorliegen eines Normenmangels ab; a. A. Henssler/Mansel, NJW 2007, 1393, 1395ff.; Henssler/Mansel, Festschr. f. Horn, S. 403, S. 413ff.; Henssler, Festschr. f. Busse, S. 127, S. 150f. 2866 Weller/Kienle, DStR 2005, 1102, 1107. 2867 Triebel/Otte/Kimpel, BB 2005, 1233, 1235. 2868 Bank, S. 405. 2869 Bank, S. 404ff. 2870 Schnittker, S. 117. 2871 Schnittker, S. 117ff. 360 schaftswerk die Anpassung unter Berücksichtigung der Besonderheiten freiberuflicher Tätigkeit ab.2872 Nach anderer Auffassung ist diese Privilegierung wenig überzeugend.2873 Die Besserstellung der Gesellschafter einer LLP bei Tätigwerden in Deutschland wird von Henssler und Mansel als unbefriedigende Konsequenz empfunden2874 und als widersprüchliches Ergebnis kritisiert2875. Daher wird unter Rückgriff auf die internationalprivatrechtliche Methode der Anpassung eine Korrektur dieses vorläufigen Ergebnisses vorgeschlagen.2876 Insgesamt verdeutlichen diese Literaturmeinungen, dass die Möglichkeit einer Korrektur des bisherigen Ergebnisses eine äußerst kontroverse Rechtsfrage betrifft. D. Angleichung I. Einführung 1. Begriff und Zielsetzung Zur Korrektur des vorläufigen Ergebnisses könnte die Angleichung bzw. Anpassung herangezogen werden. Im Folgenden werden die Begriffe Angleichung2877 und Anpassung gleichbedeutend verwendet.2878 Die Angleichung dient dazu, im Einzelfall das Ergebnis der herkömmlichen Normanwendung zu korrigieren.2879 Sie ist eine anerkannte Methode.2880 Vereinfacht gesprochen, erfolgt die modifizierte Anwen- 2872 Schnittker/Bank, Rdnr. 193ff. 2873 Henssler, Festschr. f. Busse, S. 127, S. 150. 2874 Henssler, Festschr. f. Busse, S. 127, S. 150; Henssler/Mansel, Festschr. f. Horn, S. 403, S. 413. 2875 Henssler/Mansel, NJW 2007, 1393, 1395. 2876 Henssler/Mansel, NJW 2007, 1393, 1396f. 2877 Kegel/Schurig, § 8 II. 2878 Kegel/Schurig, § 8 I; Kropholler, Festschr. f. Ferid, S. 279. 2879 Kropholler, Festschr. f. Ferid, S. 279. 2880 BGH, Urt. v. 12.5.1971  IV ZB 52/70, BGHZ 56, 193, 199; BGH, Urt. v. 5.2.1975  IV ZR 90/73, BGHZ 64, 19, 24; BGH, Beschl. v. 13.11.1985  IV b ZB 131/82, FamRZ 1986, 344, 347; BGH, Urt. v. 20.3.1963  VIII ZR 130/61, WM 1963, 506, 507; OLG Celle, Urt. v. 8.5.2003  6 U 208/02, FamRZ 2003, 1876, 1879; OLG Karlsruhe, Urt. v. 16.11.2005  2 UF 109/03, NJW-RR 2006, 369, 370 (Anpassungslage abgelehnt); LG München I, Beschl. v. 27.4.2005  16 T 21919/04, StAZ 2006, 168, 169; OLG Köln, Urt. v. 8.3.1994  3 U 75/89, FamRZ 1995, 1200, 1201; OLG Köln, Urt. v. 17.12.1997  27 U 62/97, FamRZ 1999, 298, 299; BayObLG, Beschl. v. 26.10.1995  1Z BR 163/94, FamRZ 1996, 694, 698; OLG Frankfurt, Urt. v. 2.10.1990  4 UF 4/90, NJW-RR 1991, 583; OLG Stuttgart, Urt. v. 4.10.1988  17 UF 131/88, IPRax 1990, 113, 114; OLG Celle, Urt. v. 30.11.1978  5 U 138/76, IPRspr. 1979, Nr. 20, S. 82, S. 86; OLG Hamm, Urt. v. 30.11.1970  3 U 312/68, VersR 1972, 308; Kegel/Schurig, § 8; Kropholler, § 34; MünchKomm/Sonnenberger, Einl. IPR Rdnr. 593; Palandt/Heldrich, Einl. v. Art. 3 EGBGB Rdnr. 32; Mansel, Festschr. f. Lorenz, S. 689, S. 702;

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Zusammenfassung

Die englische Limited Liability Partnership (LLP) kann für in Deutschland niedergelassene Rechtsanwälte eine attraktive Alternative sein. Die Arbeit untersucht die in der Praxis für solche Anwalts-LLPs relevanten berufs-, haftungs-, gesellschafts- und registerrechtlichen Fragen aus internationalprivatrechtlicher und europarechtlicher Perspektive und vergleicht funktional die LLP mit Partnerschaft und GmbH. Insbesondere erörtert die Autorin die Haftung der LLP-Gesellschafter für Berufsfehler sowie die Frage, welche Normen der BRAO Anwendung finden. Die kollisionsrechtlichen Methoden der Substitution und der Anpassung werden diskutiert. De lege ferenda wird eine Neuregelung für das Kollisionsrecht vorgeschlagen.