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Ute Ingrid Haas, Lena Hügel, Lisa Sabine Buhr, 6. Opferorientierung und ganzheitlicher Ansatz in:

Bernd Maelicke, Christopher Wein (Ed.)

Resozialisierung und Systemischer Wandel, page 135 - 150

1. Edition 2020, ISBN print: 978-3-8487-6719-9, ISBN online: 978-3-7489-0841-8, https://doi.org/10.5771/9783748908418-135

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Opferorientierung und ganzheitlicher Ansatz Ute Ingrid Haas, Lena Hügel, Lisa Sabine Buhr Einleitung Die Resozialisierung erweist sich als gesamtgesellschaftliche Aufgabe und kann nicht als exklusive Aufgabe des Strafvollzuges verstanden werden (Jesse et al. 2018, S. 527). Dennoch kommt dieser Institution eine maßgebliche Verantwortung zu, die inhaftierten Personen auf ein Leben in Freiheit vorzubereiten und sie in diesem Sinne dazu zu befähigen, ihr Handeln an den Normen und Gesetzen der Gesellschaft zu orientieren. Nicht verwunderlich erscheint es somit, dass die Institutionen des Strafvollzuges die Arbeit mit dem*der Täter*in auf seine*ihre Interessen und Probleme fokussiert. Eine solch` enge Betrachtung der Person des*der Täters*Täterin lässt jedoch außer Acht, dass oftmals hinter jedem*r Täter*in auch ein Opfer steht, also eigene Viktimisierungserfahrungen auf Täterseite vorhanden sind. Sollte diese „Rollenvielfalt“ im Kontext Strafvollzug nicht ebenfalls thematisiert und in die Resozialisierungsbemühungen einbezogen werden? Bereits seit einigen Jahrzehnten erfahren die Belange und Interessen der Opfer im Allgemeinen eine zunehmende Aufmerksamkeit von Wissenschaft und Kriminalpolitik (Jacob et al. 2016, S. 11). Zwar ist der Strafvollzug primär an dem*der Täter*in und seiner Tat orientiert (Jesse et al. 2012, S. 172), dennoch zeichnet sich zunehmend ab, dass auch Opferbelange in den täglichen Vollzugalltag integriert werden. Ein solcher Wandel ist explizit auch auf das 2004 erstmalig verabschiedete Opferrechtsreformgesetz (OpferRRG) zurückzuführen (BGBl I, Nr. 31, S. 1354, Jacob et al. 2016, S. 11). Obwohl das OpferRRG vorrangig die Stellung des Opfers im Strafverfahren thematisiert, brachte die damit einhergehende Würdigung von Opferinteressen Konsequenzen für den Strafvollzug mit sich. So beinhalten die Vollzugsgestaltung wie auch die Behandlungsgrundsätze zunehmend die Perspektive der Opfer; Entschädigungsansprüche werden realisiert, Anfragen der Opfer werden im Rahmen des Datenschutzes beantwortet und die Etablierung einer Begegnung zwischen Täter*innen und Opfer wird ermöglicht und befördert (Jacob et al. 2016, S. 11f.). Die Verankerung der Opferperspektive in das Aufgabenfeld des Justizvollzuges er- 6. 1. 135 weist sich zunehmend als konsensfähig und elementar für die Resozialisierung. Während eine solche Entwicklung durchaus begrüßt und als überfällig betrachtet werden kann, erscheint eine derartige vollzugliche Opferorientierung, welche lediglich an den Interessen des direkten, also unmittelbaren Opfers anknüpft, als zu einseitig (Jacob et al. 2016, S. 22). Dies wird bereits durch eine nähere Auseinandersetzung mit dem Begriff des Opfers deutlich. Der Opferbegriff In der Viktimologie und rechtlich in den Rahmenbeschlüssen der Europäischen Union (EU) bzw. zusammengefasst in der Richtlinie der EU vom 25. Oktober 2012 (Richtlinie 2012/29/EU) wird der Opferbegriff für die Mitgliedsstaaten einheitlich definiert (Haas 2014, S. 246). Neben natürlichen Personen, die infolge einer Straftat eine körperliche, geistige oder seelische Schädigung oder einen wirtschaftlichen Verlust, der direkte Folge einer Straftat war, erlitten haben, werden auch Familienangehörige von Tötungsopfern benannt (Art. 2.1.a)i)ii) Richtlinie 2012/29/EU). Dieser rechtliche und auf unmittelbare Opfer zielende Opferbegriff wird in der Viktimologie durch sogenannte mittelbare Opfer erweitert. Damit sind die den unmittelbaren Opfern nahestehenden Personen bezeichnet, welche die Auswirkungen der Tat miterleben, mittragen und aufgrund ihrer Nähe zum Opfer betroffen sind (Schneider 2001, S. 102f.). Im Sinne einer vollzuglichen Orientierung gilt es diese Vielfalt zu wahren und den Adressat*innenkreis für opferorientierte Maßnahmen entsprechend zu erweitern. Eine Überdehnung des Opferbegriffes findet jedoch statt, wenn er nicht klar von anderen Betroffenheiten im strafrechtlichen Kontext getrennt wird. So ist von strafrechtlich relevantem Verhalten in der Regel auch die Gesamtgesellschaft tangiert, welche durch das Begehen von Straftaten insgesamt eine Beeinträchtigung im Sinne einer Minderung des Sicherheitsgefühls erfährt und auch die Resozialisierung mitzutragen hat (Hagenmaier 2016, S. 39). Eine erhebliche Beeinträchtigung durch die Inhaftierung erfahren in der Regel aber auch Familienangehörige des*der Täters*Täterin, und hier ist zu finden, dass deren unbezweifelte Betroffenheit partiell in der Praxis des Strafvollzuges mit einer „Opferstellung“ gleich gesetzt wird (Hagenmeier 2016, S. 39). Die Bezeichnung von Angehörigen Inhaftierter oder pauschal der Gesellschaft als „Opfer“ weitet den Opferbegriff jedoch unzulässig aus und löst Begrifflichkeiten auf, deren einheitliche 2. Ute Ingrid Haas, Lena Hügel, Lisa Sabine Buhr 136 Verwendung die Viktimologie stets anmahnt (Baurmann/Schädler 1991, S. 19f.). Unabhängig davon und jenseits der Verwässerung des Opferbegriffes sollte eine vollzugliche Familienorientierung zur Aufrechterhaltung des sozialen Empfangsraumes vermehrt berücksichtigt und im Sinne eines Beitrags zur Legalbewährung zunehmend in den Vollzugsalltag verankert werden (Jacob et al. 2016, S. 45ff.), da ein familienorientierter Strafvollzug letztendlich auch die Interessen der durch die Straftat unmittelbar bedingten Opfer aufgreift und somit tief in die Gesellschaft hineinwirkt. Dem Begriff der Opferorientierung im Strafvollzug sollte die Definition der EU- Richtlinie zugrunde gelegt werden und daher über das unmittelbare Opfer hinausgehen und sich auch den Belangen von mittelbaren Betroffenen öffnen. Während eine solche Forderung kaum auf Kritik, sondern vielmehr auf Verständnis und Unterstützung stößt, verhält sich dies für einen weiteren Adressaten der Opferorientierung konträr. Dieser soll daher den thematischen Schwerpunkt des vorliegenden Beitrages darstellen. Viktimisierte Täter*innen Soll eine Auseinandersetzung mit dem Thema der Opferorientierung im Strafvollzug stattfinden, darf der eigentliche Protagonist dieser Institution – der*die Täter*in – einer entsprechenden Betrachtung nicht fernbleiben. Insbesondere in der Gesellschaft ist ein solcher Blick, welcher der Person des*der Täters*Täterin mögliche Viktimisierungen zugesteht, jedoch gänzlich umstritten (Wischka 2012a, S. 74). Die Schilderung eigener Opfererfahrungen als besonderes biographisches Ereignis im Leben der Täter*innen wird oftmals als Versuch missverstanden, entsprechende Lebensabschnitte als Exkulpation für die eigene Tat und demgemäß als einen Strafmilderungsgrund anzuführen (Wischka 2012a, S. 74). Für die Gesellschaft steht eine Berücksichtigung entsprechender Erlebnisse zu ihrem Bedürfnis nach Schutz und Gerechtigkeit in Widerspruch. Durch die gerichtliche Verurteilung und den darauffolgenden Freiheitsentzug wird die Kategorie der Täter*innen einseitig charakterisiert und überschattet mögliche andere personenspezifische Merkmale und Eigenschaften meist vollständig (Wischka 2012a, S. 75). Die Vielfalt und der Facettenreichtum von Menschen und explizit der Person des*der Täters*Täterin wird ausgeblendet – insbesondere potenzielle eigene Opfererfahrungen von Täter*innen sind nicht mit dem über sie vorherrschenden Bild in Einklang zu bringen (Wischka 2012a, S. 75). Es scheint fast so, als handle es sich hierbei um 3. 6. Opferorientierung und ganzheitlicher Ansatz 137 zweierlei nicht kompatible Kategorien – Opfer oder Täter*in. Auch die Kriminologie kann sich von einer entsprechenden Sichtweise nicht gänzlich freisprechen, werden doch die Delinquenz sowie die Viktimologie überwiegend als getrennte Themengebiete wahrgenommen und behandelt (Schindler 2001, S. 153). Eine entsprechend dichotome gesellschaftliche Sichtweise jedoch darf die professionelle vollzugliche Arbeit mit dieser Personengruppe keineswegs auszeichnen und leiten. Zum*zur Täter*in geworden zu sein, macht weder eine in der Vergangenheit erfolgte Opferwerdung zunichte, noch schützt sie vor einer zukünftigen Viktimisierung. Insbesondere im Hinblick auf Gewalt- und Sexualstraftäter ist auf nationale wie internationale empirische Erhebungen zu verweisen, welche zu der vorherrschenden Annahme beitragen, dass persönliche Opfererfahrungen in einem deutlichen Zusammenhang mit einer späteren Täterschaft stehen können (Schindler 2001, S. 190). Demnach äußern 40–90 % der Missbrauchstäter1 eigene Missbrauchserfahrungen, wobei Heyden und Janosch (2010, S. 103) auf starke Unterschiede in den Studien verweisen. Auch für Gewaltstraftäter ist eine solche Opfer-Täter-Überschneidung festzustellen. Der Kreislauf der Gewalt verbildlicht eindrücklich, dass die insbesondere in der Kindheit und Jugend erfahrene Gewalt durchaus auf das enge wie auch weitere soziale Umfeld übertragen und als ausgesprochen Delinquenz begünstigend bezeichnet wird (Lichtstein 2017, S. 11, Raithel/Mansel 2003, S. 26f.). Innerfamiliäre Gewalt und erfahrener Missbrauch erweisen sich in diesem Sinne als Risikofaktoren für eine spätere Delinquenz2. Auch die Bundesregierung, die Weltgesundheitsorganisation sowie die Bundespolizei erkennen die Existenz eines solchen Gewaltkreislaufes an und plädieren auf dieser Grundlage für eine entsprechend frühzeitige Prävention (Lichtstein 2017, S. 14f.). In derartige Forderungen fließen die Erkenntnisse ein, dass das soziale Umfeld sowohl das Normverständnis als auch sich verfestigende Handlungsschemata maßgeblich prägt. Es handelt sich in diesem Sinne auch bei Opfererfahrungen um folgenreiche Lernprozesse, welche die im Erwachsenenalter zur Verfügung stehenden Handlungsoptionen erheblich beeinflussen können (Schindler 2001, S. 190) – erlernte gewaltbezogene 1 Erfolgt im Weiteren die ausschließliche Verwendung der maskulinen Form, ist dies auf die Stichprobe der zugrundeliegenden Studien zurückzuführen, welche lediglich männliche Täter umfasst. 2 Keinesfalls darf hier jedoch von einem Automatismus gesprochen werden – eine Missbrauchs- oder Gewalterfahrung erweist sich nicht als Garant für eine spätere Delinquenz (Sautner 2014, S. 75). Ute Ingrid Haas, Lena Hügel, Lisa Sabine Buhr 138 Handlungsmuster gilt es in diesem Sinne ausdrücklich zu unterbinden, um einer späteren Delinquenz vorzubeugen. Es besteht basierend auf diesen Erkenntnissen die Annahme, dass von persönlichem Missbrauch betroffenen Tätern eine solch frühzeitige Prävention, unterstützende Maßnahmen und Hilfe nicht zuteil wurde, konnte die Delinquenz dieser doch nicht abgewendet werden. Das bereits erfolgte Unrecht mag somit zu der Ansicht verleiten, dass der eigentliche Auftrag der Opferorientierung, die Vermeidung eigener delinquenter Verhaltensweisen Betroffener, sich für diese Personen als nicht länger realisierbar erweist und das Erfordernis einer Opferorientierung im Strafvollzug in diesem Sinne nicht greift – die verübte Tat kann nicht revidiert werden, weshalb die Opferorientierung hinter ihrem Auftrag zurückzubleiben scheint. Allerdings verkennt eine derart enge Betrachtung die Einbettung der Opferorientierung als Teil der Komplexleistung Resozialisierung. Die Resozialisierung der Täter*innen stellt laut § 2 StVollzG das handlungsleitende Ziel des Strafvollzuges dar – Betroffene sollen „fähig werden, künftig in sozialer Verantwortung ein Leben ohne Straftaten zu führen“. Es besteht hier die Aufgabe, die Täter*innen in die Lage zu versetzen, das Ausmaß der Tatfolgen für alle Beteiligten nachvollziehen zu können, Verantwortung zu übernehmen und zukünftig ein straffreies Leben zu führen (Walther 2002, S. 45f.). Ein solch zukunftsgeleitetes Bestreben setzt jedoch zunächst die Aufarbeitung der Vergangenheit voraus. Da es sich insbesondere bei Missbrauchs- und Gewaltstraftaten häufig um Reinszenierungen eigener Erfahrungen handelt, sollten die diesen zugrundeliegenden Traumata zunächst aufgearbeitet werden, um eine von den negativen Erfahrungen losgelöste, straffreie Zukunft zu ermöglichen (Christ 2015, S. 170). Insbesondere hinsichtlich der gesellschaftlich sehr sensiblen Thematik des sexuellen Missbrauchs ist festzustellen, dass nicht bewältigte Kindheitstraumata das Risiko eines selbst verübten sexuellen Missbrauchs erhöhen (Urban/Lindhost 2003, S. 144). Diese „Opfer-Täter-Abfolge“ (Schneider 2010, S. 320) kehrt die Verhältnisse um und bewirkt einen oftmals erst später stattfindenden Statuswechsel vom Opfer zum Täter (Haas 2014, S. 255). Es sollte daher von gesamtgesellschaftlichem Interesse sein, die Täter im Rahmen vollzuglicher Angebote zu befähigen, die persönliche Gefühlswelt aufzuarbeiten und sich dadurch neue bzw. alternative Handlungsoptionen zu erschließen, um in Zukunft nicht mehr länger von den negativen Erfahrungen der Vergangenheit geleitet zu werden. Die Herausforderung für den Vollzug – und diese macht die Resozialisierung zu einer wahrhaften Komplexleistung – besteht unterdes darin, über mögliche Viktimisierungen in Kindheit und Jugend hinauszuschauen und die Augen vor dem Alltag innerhalb der Institution Gefängnis nicht 6. Opferorientierung und ganzheitlicher Ansatz 139 zu verschließen. Auch die Gefängnissubkultur ist maßgeblich von Gewaltausübungen und -erfahrungen geprägt (Häufle et al. 2013, S. 33). In einer Studie Häufles et.al. (2013, S. 33) bestätigen 49 % der befragten inhaftierten Jugendlichen, innerhalb der vorangegangenen vier Wochen physische Viktimisierungen erfahren zu haben. Da unter diesen auch eine Vielzahl bereits in ihrer Vergangenheit entsprechende Opfererfahrungen erlitten haben, bedeuten derartige Erlebnisse in Haft eine erneute Konfrontation mit den gegebenenfalls noch immer vorliegenden, unbearbeiteten Traumata der Kindheit und Jugend (Häufle et al. 2013, S. 21), wodurch die angestrebte Resozialisierung maßgeblich gehemmt werden kann. Jegliche Opfererfahrungen – seien diese aus der Zeit vor der Haft oder jedoch ein Widerfahrnis des Gefängnisalltags – gilt es daher im Rahmen des Strafvollzuges zu thematisieren und aufzuarbeiten. Die Relevanz der Aufarbeitung von Opfererfahrungen der Täter*innen für das Resozialisierungsziel Da eigene Opfererfahrungen die Sozialisation von Menschen bedeutend prägen können (Schindler 2001, S. 190), kann die Kenntnis um entsprechende Ereignisse das Fundament delinquenter Handlungsmuster offenlegen. Das Wissen um mögliche, eigene und vorangegangene Opfererfahrungen von Inhaftierten kann die Effektivität der vollzuglichen Arbeit mit ihnen maßgeblich steigern; so können die Hintergründe, die zum abweichenden Verhalten geführt haben, bereits in die Behandlung mit einflie- ßen (Wischka 2018, S. 137). Ein solches Wissen um entsprechende Zusammenhänge eröffnet neue Möglichkeiten, die Vollzugs- und Therapieplanung adäquat auf den*die Täter*in abzustimmen, alternative Sozialisationsschemata zu etablieren und den Weg für ein Leben ohne Straftaten zu ebnen (Wischka 2018, S. 138). Eine ernst gemeinte Opferorientierung des Vollzuges unter Einbeziehung einer eigenen Betroffenheit der Täter*innen birgt hohe Chancen, durch die Aufarbeitung der Traumata sowie die Etablierung neuer Handlungsalternativen zur Auflösung vorliegender Risikofaktoren und somit zum Schutz der Bevölkerung beizutragen. Die Wirkung einer Opferorientierung im Vollzug ist darüber hinaus intendiert, dem Tatopfer zugute zu kommen und den gesellschaftlichen Wunsch nach Gerechtigkeit aufzugreifen, denn eine Bewusstseinsmachung über die Unrechtmäßigkeit eigener Viktimisierungen in der Biographie der Inhaftierten ermöglicht auch eine entsprechende Wahrnehmung des selbst begangenen Unrechts und befähigt den*die Täter*in auf diese Weise, das Ausmaß ihres abweichenden Handelns auch für das Opfer nachvollziehen zu können (Gelber 2012, S. 443). Eine so ermöglichte Verantwortungsübernahme stellt neben der Ute Ingrid Haas, Lena Hügel, Lisa Sabine Buhr 140 bereits thematisierten zukünftigen Lebensführung ohne Straftaten das eigentliche Ziel des Strafvollzuges dar. Es zeigt sich hiermit, dass die Opferorientierung im Hinblick auf den*die Täter*in die Vollzugsziele nach § 2 StVollzG aufgreift, sowohl die zukünftige Straflosigkeit als auch die Empathiefähigkeit für andere bzw. das „eigene“ Opfer fördern kann und aus diesem Grund ganz ausdrücklich Eingang in den Vollzugsalltag finden sollte. Empathie als zentraler Bestandteil der Opferorientierung? Während es nachvollziehbar ist und als unausweichlich erscheint, dass ein opferorientierter Strafvollzug auch die Viktimisierungen der inhaftierten Personen aufgreifen und thematisieren sollte, bleibt die Frage offen, welche Rahmung dafür notwendig ist. Dabei richtet sich die Aufmerksamkeit auf die bereits etablierten Programme zur Straftäterbehandlung (Hagenmaier 2016, S. 149). Insbesondere die in allen Bundesländern vorzufindende Sozialtherapie beinhaltet neben Maßnahmen der Deliktbearbeitung auch die Verbesserung der Opferempathie als vollzugliche Behandlungsmaßnahme (Jesse et al. 2018, S. 167). Die Förderung von Empathie wird demgemäß als ein nötiges und wichtiges Behandlungsziel erachtet (Kröber 2006, S. 137). Eine primäre Anbindung entsprechender Maßnahmen an die Sozialtherapie lässt die Annahme zu, dass insbesondere die hier angegliederten Inhaftierten hinsichtlich ihrer Empathiefähigkeit Förderbedarfe aufweisen. Als Anlassdelikte, welche zu einer Teilnahme an der Sozialtherapie legitimieren, zählen in Niedersachsen gemäß § 104 NJVollzG neben Raubdelikten insbesondere auch Sexualdelikte sowie Verbrechen gegen das Leben, die persönliche Freiheit oder die körperliche Unversehrtheit. Eine Reflexion über die enorme Anzahl viktimisierter Sexual- und Gewaltstraftäter führt zu der Annahme, dass insbesondere Inhaftierte, welche persönliche Viktimisierungen aufweisen, an die Sozialtherapie angegliedert sind, hinsichtlich der Empathiefähigkeit hinter anderen Gesellschaftsmitgliedern zurückbleiben (Morawietz 2012, S. 12f) und dementsprechend gefördert werden sollten. Es sei angemerkt, dass im Rahmen entsprechender Maßnahmen vornehmlich die Förderung von Opferempathie in den Mittelpunkt zu stellen ist. Dies resultiert aus der Erkenntnis Eckardts und Hossers (2005, S. 229), dass es Sexualstraftätern keineswegs an einem generellen Empathieverständnis fehlt, sondern vielmehr ein empathisches Auftreten insbesondere gegenüber ihren eigenen Opfern oder Opfern dieses Deliktbereiches vermehrt ausbleibt bzw. fehlt. Die jeweiligen Täter sind zumeist nicht fähig, sich in die Situation des Opfers hineinzuversetzen und dieses zu verstehen 4. 6. Opferorientierung und ganzheitlicher Ansatz 141 (Wahl 2017, S. 297); ein Verständnis für das Unrecht der Tat liegt demgemäß meist nicht vor. Eine Förderung dieser Empathiebereiche erweist sich auf dieser Grundlage als Kernstück der vollzuglichen Opferorientierung. Chancen und Potenziale – Empathie als Hemmfaktor? Die Relevanz von Empathie für die Straftäterbehandlung basiert auf dem Wissen, dass das menschliche Verhalten maßgeblich von empathischem Mitgefühl geleitet wird und entsprechende Fähigkeiten zwischenmenschliche Beziehungen auszeichnen und formen können (Song 2001, S. 99). Empathie wird demgemäß als prosoziales Motiv verstanden und fungiert in diesem Sinne als Hemmfaktor gegen schädigendes Verhalten (Song 2001, S. 119). Zwar stellt Empathie keinen Automatismus dar, der in direkter Kausalität zu moralischem Denken und zulässigem Handeln steht – zumindest aber beinhaltet die Empathie dasjenige Potenzial, um dieses zu bereichern und zu stärken (Wahl 2017, S. 304). Empathie kann die Grundlage und den Ausgangspunkt für einvernehmliche Lösungen darstellen und eine Verhinderung von Eskalationen bedingen (Weßel- Therhorn/Bilsky 2013, S. 521), weshalb ihr eine besondere Bedeutung bei der Lösung von Konflikten zukommt. Dies wird auch durch die Studie Mehrabians und Epsteins (1972; zitiert nach Song 2001, S. 114f) deutlich, welche auf Basis einer Untersuchung zum Einsatz von Elektroschockern feststellen konnten, dass Probanden mit einer hohen Empathie über eine bessere Kontrolle ihrer aggressiven Handlungen verfügen. Empathie wirkt sich explizit auch als Hemmfaktor gegenüber Gewalt aus und verfügt somit im gesellschaftlichen Kontext über einen außerordentlichen Wert (Song 2001, S. 115). Für Gewalttäter ist jedoch festzustellen, dass diese gegenüber ihren Opfern zu einer solchen Empathie nicht fähig sind (Bintig 2004 S. 68). „[…] echtes Mitgefühl [oder] ein Mit-Leiden mit dem Opfer“ (Bintig 2004, S. 68) erweisen sich als Emotionen, welche eine Ausübung der Tat durchaus hätten verhindern können, diesen Personen jedoch nicht zugänglich sind (Bintig 2004, S. 68). Resozialisierungsbemühungen, die zentral auf die Erhöhung von Empathie zielen, können somit präventiv wirken und auch eine Verringerung der Rückfallrate begünstigen (Morawietz 2012, S. 68). Ein solch resozialisierungsförderliches Konstrukt erweist sich daher in der Straftäterbehandlung als zielführend und bedingt den Opferschutz maßgeblich – eine Implementierung bzw. Ausbau entsprechender Maßnahmen im Sinne der Opferorientierung ist zu unterstützen. Ute Ingrid Haas, Lena Hügel, Lisa Sabine Buhr 142 Die Relevanz für viktimisierte Täter*innen Mit dem Wissen um die hohe Bedeutung von Empathie richtet sich der Interessensschwerpunkt im Hinblick auf die Straftäterbehandlung insbesondere auf jene Prozesse, welche zu einer Entwicklung von Empathiefähigkeit beitragen. In diesem Zusammenhang ist darauf zu verweisen, dass Empathie nicht didaktisch-methodisch erlernt werden kann (Wahl 2017, S. 307), sondern eine Interaktion mit einem Gegenüber voraussetzt (Bauer 2006, S. 56). Das Erlernen empathischer Handlungsweisen basiert auf stetigen Übertragungs- und Gegenübertragungsprozessen, indem die Emotionen und Anliegen des Gegenübers gespiegelt werden (Wahl 2017, S. 300) – es erfolgt ein Lernen am Modell. Im Rahmen angemessener Beziehungsgefüge und in diesem Sinne einer von Fürsorge und Engagement geprägten Begegnung und Erziehung, wird bereits Säuglingen ein solches Erleben zuteil (Bauer 2006, S. 59). Empathie wird also in der Regel im Verlauf der kindlichen Sozialisation erlernt; insbesondere sichere Bindungserfahrungen, die Identifikation mit Bezugspersonen und von Mitgefühl, Rücksichtnahme und Verständnis geprägte soziale Erfahrungen verstärken entsprechende Prozesse (Foppe 2012, S. 99). Psychische und sexuelle Missbrauchserfahrungen stehen einem solch förderlichen Klima entgegen, sind entsprechende Beziehungen doch geprägt von Ängsten, Minderwertigkeitsgefühlen sowie Hilf- und Machtlosigkeit (Urban/Lindhorst 2003, S. 140). Die Folgen derartiger Erfahrungen können zu Persönlichkeitsveränderungen führen – zu einem reduzierten Anpassungsvermögen, einer verminderten Beziehungsfähigkeit sowie zu einer herabgesetzten Impulskontrolle – all diese Faktoren schränken die Empathie maßgeblich ein (Wischka 2012a, S. 81). Die Sozialisation vieler viktimisierter Täter*innen scheint folglich keine geeignete Grundlage für ein adäquates Empathieerlernen zu bieten. Doch eine solch unangemessene und von Missbrauch geprägte soziale Interaktion hemmt nicht bloß notwendige Modelllernprozesse. Viktimisierungen in Form von Gewalt und Missbrauch können darüber hinaus auch hirnorganische Veränderungen bedingen, wodurch ebenfalls die Fähigkeit zur Empathie eingeschränkt wird (Foppe 2012, S. 99). Die dargestellten Erkenntnisse lassen deutlich werden, weshalb insbesondere Sexual- und Gewaltstraftätern sozialtherapeutische Behandlungsmaßnahmen und in diesem Sinne insbesondere Opferempathieförderungen zuteilwerden sollten. Die für diese Tätergruppen in großer Anzahl vorliegenden persönlichen Viktimisierungen, die damit einhergehenden, wenig angemessenen Beziehungserfahrungen sowie darauf gegebenenfalls zurückzuführende hirnorganische Veränderungen können als Hemmfaktor 6. Opferorientierung und ganzheitlicher Ansatz 143 für das Erlernen empathischer Verhaltensweisen wirken. Die Förderung entsprechender Fähigkeiten sollte für diese Personengruppe somit einen wichtigen Bestandteil der Resozialisierungsbemühungen darstellen. Im Rahmen entsprechender vollzuglicher Behandlungen ist es zwar kaum möglich, die so wichtige primäre Sozialisation viktimisierter Täter*innen zu annullieren, dennoch erweist es sich als unabdingbar, sie um entsprechende Ansätze einer Aufarbeitung auf Basis neuer Modelllern-Prozesse zu erweitern. Für das Ziel der Empathieförderung Inhaftierter bedeutet dies, dass auch die Vollzugsmitarbeitenden sich durch ein empathisches Auftreten auszeichnen sollten (Wahl 2017, S. 307), um als adäquate und förderliche Modelle zu fungieren. Nur auf diese Weise können lehrreiche Übertragungs- und Gegenübertragungsprozesse angestoßen und die (Opfer-)Empathie dadurch maßgeblich gefördert werden. Aufarbeitung eigener Viktimisierungen für die Entwicklung von Opferempathie Eine positive Konfrontation mit Empathie erfolgt jedoch nicht lediglich auf der Basis eines vorherrschenden empathischen Klimas, sondern setzt ebenfalls die Auffassungsgabe voraus, auch die eigene Gefühlswelt wahrnehmen zu können (Wahl 2017, S. 307). Eine solche Fähigkeit jedoch gründet auf der Aufarbeitung und Reflexion bestehender Traumata, wodurch erneut die Relevanz der Opferorientierung auch für viktimisierte Täter*innen deutlich wird (Christ 2015, S. 170). Die Erkenntnis über das Unrecht der eigenen Viktimisierung kann die Fähigkeit der Perspektivübernahme und des Hineinversetzens stärken (Weßel-Therhorn/Bilsky 2013, S. 521) und auf diese Weise auch das gegenüber den Opfern verübte Unrecht aufzeigen. Ein daraus resultierendes Empathieempfinden kann wiederum differenziertere Handlungsweisen initiieren und in diesem Zusammenhang auch ein vermindert abweichendes Verhalten begünstigen (Song 2001, S. 99; Hagenmaier 2016, S. 158) – eine erhöhte gesellschaftliche Sicherheit wäre die Folge. Eine Täter*innentherapie, welche die Inhaftierten dazu befähigt, die Verantwortung für ihr eigenes Handeln zu übernehmen und emotionale und kognitive Kompetenzen bezüglich der Opferempathie und der Straflosigkeit zu entwickeln (Wischka 2012a, S. 73; Gelber 2012, S. 443), sollte demgemäß auch aufarbeitende Elemente eigener Opfererfahrungen beinhalten und diesen Raum geben (Wischka 2012b, S. 524). Eine solche Aufarbeitung persönlicher Viktimisierungen und die daran angegliederte Förderung der Empathie begünstigen die Realisierung des Vollzugsziels und leisten in diesem Sinne einen erheblichen Beitrag zum Opferschutz. Ute Ingrid Haas, Lena Hügel, Lisa Sabine Buhr 144 Fazit Eine Überschneidung von Opfer- und Täterrollen stellt keine Besonderheit dar, sondern ist in spezifischen Deliktsbereichen eher die Regel denn eine Ausnahme. Eine Viktimisierung erweist sich als ein Risikofaktor für das Begehen delinquenter Akte und auch eine Täterschaft schließt das Risiko einer späteren Opferwerdung nicht aus (Schindler 2001, S. 191) – zwar ist die Chronologie strittig, der Zusammenhang jedoch steht außer Frage. Eine gesellschaftlich wie auch fachlich nicht selten gelebte Trennung entsprechender Kategorien steht den wissenschaftlichen Erkenntnissen zur Opfer-Täter-Abfolge entgegen. Eine Vollzugsplanung, welche derartig kategoriale Überschneidungen außer Acht lässt und die Opfererfahrungen der Täter*innen nicht aufzuarbeiten versucht, liefert einen nur reduzierten Beitrag zur Resozialisierung (Häufle et al. 2013, S. 36). Der Justizvollzug sollte dazu beitragen, den Opfer-Täter-Kreislauf aufzubrechen, um auf diese Weise einen weiteren, elementaren Grundstein für eine gelingende Resozialisierung zu legen, die an die Viktimisierungen der Täter*innen anknüpft. Es ist dabei zentral, die Täter*innen nicht nur auf eine Rolle zu beschränken, sondern stattdessen eben diesen persönlichen Lebensgeschichten Verständnis und Empathie entgegenzubringen, ohne dabei die notwendige Konfrontation mit den Taten und den Folgen für die Opfer aus dem Blick zu verlieren (Kettritz 2017, S. 380). In Hinblick auf derartige vollzugliche Präventions- und Interventionsmaßnahmen, welche der Opferorientierung gerecht werden sollen, bietet es sich an, die soziale Fähigkeit zur Empathie zu fördern, auch wenn nicht klar ist, ob Empathie alleine den hemmenden Effekt von kriminellem Verhalten erklärt. Zumindest die Kovariation berechtigt dazu, den Gedanken zum Einsatz von Empathieförderungsprogrammen stärker zu fokussieren (Song 2001, S. 188) und entsprechende Maßnahmen auch evaluativ zu begleiten, um auf diese Weise die Potenziale einer Empathieförderung zunehmend zu ermitteln. Insbesondere für viktimisierte Täter*innen, welche aufgrund eigener Opfererfahrungen zumindest in Teilen eine wenig Empathie fördernde Sozialisation erfahren haben, erweist sich eine solche Ausrichtung vollzuglicher Maßnahmen als persönlichkeitsfördernd. Chancen für die Resozialisierungsbemühungen und somit der Schutz potenzieller Opfer können die Folge sein (Morawietz 2012, S. 9; Pereira/Gloxin 2015, S. 157). Eine erfolgreiche Behandlung fängt demgemäß in erster Linie bei einer auf die gesamte Persönlichkeit abzielenden Entwicklung an, um delinquentes Verhalten (langfristig) zu verhindern – auch die Opferorientierung viktimisierter Täter*innen sollte in einer modernen Vollzugsgestal- 5. 6. Opferorientierung und ganzheitlicher Ansatz 145 tung einen zentralen Bezugspunkt darstellen (Gelber 2012, S. 447). In diesem Sinne sollte der deutsche Strafvollzug weitere Bemühungen anstreben, um sich von einer isolierten und rein deliktorientierten Behandlung zu distanzieren und einen systemischen und ganzheitlichen Ansatz zu entwickeln. Empathie könnte hier der Schlüssel sein, eine effektive, subjektive Vergangenheitsbewältigung mit einer gezielten Opferorientierung zu verbinden und somit die Vergangenheit zu bearbeiten, ohne die Zukunft zu überschatten (Montada/Kals 2013). Auch ein gesellschaftlicher Einstellungswandel, welcher Opfererfahrungen bei Täter*innen anerkennt, ohne dies als allgemeingültige Exkulpation für Straftaten misszuverstehen, erweist sich hinsichtlich eines solchen Erfolges als maßgeblich entscheidend. Die Vorzüge einer Opferorientierung sollten in diesem Sinne jedem Opfer zugänglich sein – auch viktimisierten Täter*innen. Literaturhinweise Ahmad, Aisha-Nusrat/Bardehle, Doris/Andresen, Sabine/Beier, Klaus M. (Hrsg.): Sexualität von Männern. Gießen: Psychosozial-Verlag. AK HochschullehrerInnen Kriminologie/Straffälligenhilfe in der Sozialen Arbeit (Hrsg.) (2014): Kriminologie und Soziale Arbeit. Ein Lehrbuch. Weinheim und Basel: Beltz Juventa. Bauer, Joachim (2006): Warum ich fühle, was du fühlst. Intuitive Kommunikation und das Geheimnis der Spiegelneurone. München: Heyne (Heyne, 61501). Baurmann, Michael C./Schädler, Wolfram. (1999): Das Opfer nach der Straftat – seine Erwartungen und Perspektiven. 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Zusammenfassung

In Folge der weltweiten Corona-Krise gewinnen die Vorschläge zu einem „Systemischen Wandel“ auch in der Kriminal-, Justiz- und Sozialpolitik neue Bedeutung.

Dieser Band informiert über Masterpläne und Agenden der strategischen Steuerung von Innovationen in allen Arbeitsfeldern der Resozialisierung in einem Verbund von öffentlichen und privaten Trägern. In Österreich, der Schweiz und in Deutschland gibt es dazu konkrete Vorschläge von Fach- und Führungskräften und Experten der lokalen und nationalen Ebene, dies gilt auch für die internationale und europäische Dimension. Innovative Projekte weisen gesteigerte Wirksamkeit und Nachhaltigkeit von Gesamtkonzepten der ambulanten und stationären Resozialisierung nach.

Maelicke und Wein fordern im Übergang in eine Zeitenwende eine „Große Transformation“ und plädieren für einen nachhaltigen und wirkungsorientierten Umgang mit Tätern und Opfern.