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Svenja Senkans, 5. Desistance erkennen und unterstützen in:

Bernd Maelicke, Christopher Wein (Ed.)

Resozialisierung und Systemischer Wandel, page 119 - 134

1. Edition 2020, ISBN print: 978-3-8487-6719-9, ISBN online: 978-3-7489-0841-8, https://doi.org/10.5771/9783748908418-119

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Desistance erkennen und unterstützen Svenja Senkans Einleitung Das vorliegende Kapitel soll einen kurzen Überblick über die Desistance- Forschung geben, um LeserInnen Basiswissen zu vermitteln. Aus der Desistance-Forschung lassen sich bisher eher Implikationen für die Haltung, aber weniger für konkrete Interventionstechniken, ableiten. Dennoch sind hier einige Ansätze aufgeführt, die es PraktikerInnen möglich machen können, natürlich auftretende Desistance-Bestrebungen bei ihren KlientInnen zu erkennen und zu unterstützen. Wichtig hierbei ist, dass Desistance nicht etwas ist was herbeigeführt werden kann, sondern lediglich unterstützt werden kann. Da es sich um eine sehr vielfältige Literaturbasis handelt, die in einem kurzen Buchkapitel nicht adäquat zusammengefasst werden kann, sei bei tiefergehendem Interesse auf die Literaturliste verwiesen. Die Desistance-Forschung muss relativ zu den Ansätzen zur Resozialisierung von straffällig gewordenen Menschen verortet werden. Der Risk- Need-Responsivity (RNR) Ansatz (Andrews und Bonta 2010, 2016; deutsch Senkans und Zimmermann, 2013) und das Good Lives Model (GLM) werden an anderer Stelle ausführlich vorgestellt und als bekannt vorausgesetzt. Es wird auf u. a. auf Ward und Gannon (2006), Ward et al. (2014) und Yates et al. (2010) verwiesen (siehe auch Senkans et al., 2012, Senkans, Ward und Gannon, 2013). Kurz zusammengefasst, das GLM erachtet sowohl das Risikomanagement und die Verbesserung der Lebensqualität von straffällig gewordenen Menschen als gleichwertig wichtig. Laut dem GLM entsteht Straffälligkeit, wenn Menschen an sich legitime Ziele und Bedürfnisse mit dissozialen Mitteln verfolgen und erreichen (Laws und Ward, 2011). Die zentrale Idee des GLMs ist, dass sich erneute Straftaten durch die Erarbeitung eines prosozialen und zufriedenstellenden Lebensplans – und therapeutischer, sozialpädagogischer und praktischer Unterstützung bei der Umsetzung – verhindern lassen (Senkans et al., 2013, von Franqué und Briken, 2013). To desist bedeutet mit etwas aufhören (Senkans, 2018, 2019). Im Kontext der kriminologischen und psychologischen Erforschung von Straffälligkeit bezeichnet Desistance den Abbruch einer „kriminellen Karriere“. Häufiger 5. 1. 119 befasst sich die Literatur und Forschung mit Rückfälligkeit oder ununterbrochenen kriminellen Karrieren (Persistenz). Somit handelt es sich bei der Desistance-Forschung um das positive bzw. ressourcen-fokussierte Pendant hierzu (Ward und Maruna, 2007, Senkans et al., 2012). Hier wird zunächst eine Integrative Desistance-Theorie vorgestellt, die auch das GLM und das RNR miteinbezieht. Dann soll ein „Werkzeugkasten“ beschrieben werden, der (latent) vorhandene Desistance-Bestrebungen bei KlientInnen unterstützen kann. Zunächst werden Implikationen der Desistance-Forschung und des GLMs für die Haltung von PraktikerInnen beschrieben. Anschließend werden verschiedene Behandlung und Interventionstechniken angerissen. Dies soll in Anlehnung an das GLM und etablierte Beratungs- und Therapieformen, die Motivierende Gesprächsführung (MG) und den Recovery-Ansatz geschehen. Es ist nicht notwendig „das Rad neu zu erfinden“, da bereits viele Techniken existieren, die theoretisch und praktisch mit der Desistance-Forschung besonders kompatibel sind. Der Werkzeugkasten soll einen selektiven Überblick über sinnvolle Ansätze geben. Interventionen, denen das RNR zugrunde liegt, werden hier nicht ausführlich diskutiert. Dies bedeutet nicht, dass primär risikoorientierte Arbeit inkompatibel mit dem Desistance-Ansatz ist (Ziv, 2018; Senkans, 2019). Für weitere Anregungen sei auf die jeweilige Originalliteratur verwiesen. In diesem Beitrag werden straffällige gewordene Menschen, die einen Änderungsprozess begonnen haben, als Desister bezeichnet. Der Begriff PraktikerInnen bezieht sich auf sämtliche Berufsgruppen, die therapeutisch, pädagogisch, oder in einer anderen Funktion mit straffällig gewordenen Menschen arbeiten. Desistance erkennen Übersicht über Desistance-Theorien und empirische Erkenntnisse Die Integrated Theory of Desistance from Sex Offending (ITDSO, Senkans et al., 2012) stellt die Hypothese auf, dass der Desistance-Prozess in vier Phasen unterteilbar ist: Entscheidendes Momentum (decisive momentum; erste Ideen, eine Straffälligkeit hinter sich zu lassen), Rehabilitation (rehabilitation; Desistance unterstützen), Wiedereintritt (re-entry; Desistance aufrecht erhalten) und Normalität (normalcy; erfolgreiche Aufrechterhaltung von Desistance über einen längeren Zeitraum). Diese Phasen werden hier nur kurz erläutert. Ausführlichere Darstellungen finden sich in Senkans (2018) 2. Svenja Senkans 120 und Senkans et al. (2012). Diese Zusammenfassung findet sich auch in Senkans (2019). Phase 1: Entscheidendes Momentum (decisive momentum) Die erste Phase der ITDSO, Entscheidendes Momentum, beginnt mit einem kritischen Lebensereignis, das eine kognitive Veränderung anbahnt (Baumeister, 1994, Burrowes und Needs, 2009, Laub und Sampson, 2003, Sampson und Laub, 2005). Nur wenn das Lebensereignis eine kritische Wertung der bisherigen Identität als “Straftäter” auslöst, kann es Desistance begünstigen. Die Person überlegt, ob sein oder ihr Selbstkonzept die Erfüllung der eigenen Lebensziele unterstützt oder diese gar unterwandert oder unmöglich macht (Korsgaard, 1996, Korsgaard, 2009, Oyserman et al., 2004, Oyserman und Markus, 1990). Bei erfolgreicher Desistance ergibt sich hieraus einer Unzufriedenheit mit der Identität „Straftäter“ (Baumeister, 1994, Paternoster und Bushway, 2009). Alle Probleme werden auf eine einzige Ursache attribuiert: dem Straffälligsein. Diese inner-psychologischen Prozesse können durch externe Gegebenheiten unterstützt (z.B. soziale Unterstützung) oder verhindert (z.B. Mangel an Chancen) werden (Kazemian, 2007, Laub und Sampson, 2003, Maruna, 2001, Laws und Ward, 2011). Hat ein straffällig gewordener Mensch die erst Phase durchlaufen, verfügt er oder sie über mehr oder weniger Veränderungsbereitschaft (readiness/openness to change; (Giordano et al., 2002, Tierney and McCabe, 2002, Ward et al., 2004). Phase 2: Rehabilitation (rehabilitation) Nach der ersten Phase stellt sich eine Veränderungsbereitschaft ein, um die als kontraproduktiv wahrgenommene Identität zu verändern. In der zweiten Phase (Rehabilitation) werden das Good Lives Model (GLM; Ward und Maruna, 2007) und das Risk Need Responsivity Model (Andrews und Bonta, 2010; 2016) angewendet. Die Hauptaufgabe in dieser Phase ist die Entwicklung eines prosozialen Lebensplanes – eines Good Life Plans. Aus der Sicht des RNRs bedeutet das, dass dynamische, also veränderbare, Risikofaktoren bearbeitet und verringert werden. Aus der Sicht des GLMs soll die Erreichung Lebenszielen (Primäre Güter) durch prosoziale Mittel gefördert werden. Dies soll das Risiko v. a. in indirekter Weise reduzieren (Ziv, 2018, Laws und Ward, 2011, Ward und Gannon, 2006, Ward und Maruna, 2007, Yates et al., 2010). Die Primären Güter (Leben, Wissen, Freizeit, Arbeit, Autonomie, innere Ruhe, Verbundenheit, Gemeinschaft, Spiritualität, Freude und Kreativität) sind in Senkans et al. (2013) und von Franqué und Briken (2013) genauer beschrieben (jeweils deutschsprachig; englischsprachig: Ward und Gannon, 2006). Das GLM geht davon aus, 5. Desistance erkennen und unterstützen 121 dass jeder Mensch eigenen Strategien entwickelt, um primäre Güter zu erreichen. Diese konkreten Strategien werden als „sekundäre Güter“ bezeichnet. In dieser Phase sollen somit neue Fähigkeiten entwickelt werden, die der prosozialen Zielerreichung und dem Risikomanagement dienen. Das Ergebnis ist ein Good Life Plan (GLP) und eine Identität, die mit weiteren Straftaten inkompatibel ist. Phase 3: Wiedereintritt (re-entry) Die dritte Phase des Desistance-Prozesses ist der Wiedereintritt in die Gesellschaft. Der Wiedereintritt in die Gesellschaft ist sowohl ein tatsächliches Ereignis (z.B. Entlass-Datum) als auch ein Prozess (z.B., Einrichtungssuche, Übergangsmanagement, Lebel und Maruna, 2004). Der Wiedereintritt ist somit eine langfristige Aufgabe. Er beginnt vor der eigentlichen Entlassung (im Sinne einer Eingliederung) und setzt sich weit über das Verlassen der Institution hinaus fort. Der erfolgreiche Wiedereintritt beinhaltet sowohl eine Risikominimierung und -management (Andrews und Bonta, 2010; 2016) und die Aussicht auf ein erfüllendes und prosoziales Leben (Ward und Gannon, 2006, Ward und Maruna, 2007). Der erfolgreiche Desister hat sich der Veränderung verpflichtet und ist jetzt bereit, das Gelernte und Erarbeitete in Freiheit beizubehalten und zu erweitern. Dieser Veränderungswille (Commitment to change) manifestiert sich konkret in einem realistischen GLP-Entwurf und subjektiv und objektiv wahrgenommener Identitätsentwicklung (siehe Phase 1). Die Erfüllung des Ziels in der Gesellschaft nicht wieder straffällig zu werden kann durch äußere Bedingungen unterstützt oder gehindert werden. Grundlegende Bedürfnisse (z.B. Wohnung) müssen gesichert sein, um eine Veränderung langfristig umsetzten zu können. Aber auch die Akzeptanz von ehemals Straffälligen als rehabilitierte Mitbürger von Seiten der Gesellschaft ist unerlässlich. Sie verstärkt die prosozialere Identität, die sich noch beweisen muss (Hattery und Smith, 2010, Swann und Bosson, 2010). Die erfolgreiche Wiedereingliederung begünstigt das Erreichen von langfristiger Desistance. Phase 4: Normalität/Reintegration (normalcy/reintegration) Die vierte und letzte Phase kann als Erweiterung der dritten Phase bzw. als Endergebnis des Desistance-Prozesses gewertet werden. Empirische Untersuchungen lassen vermuten, dass erfolgreiche Desistance andauernde Anstrengungen über Jahre oder gar Jahrzehnte verlangt (Kurlychek et al., 2012, Hanson et al., 2018). Ehemalige Straftäter profitieren von Vertrauen, dass ihnen Sozialkontakten entgegen gebracht wird. Dies schafft Hoffnung und hilft dabei, sich wieder wie ein „normaler“ Mensch zu erleben (Burnett, 2010, Farrall und Calverley, 2006, Hattery und Smith, 2010). Dieser Svenja Senkans 122 „Normalzustand“ ist das Ergebnis eines Prozesses, der mit einem Lebensereignis beginnt und mit dem erfolgreichen Umsetzten einer neuen Lebensweise endet. Viele straffällig gewordene Menschen äußern zu Beginn des Desistance-Prozesses: „Eigentlich will ich ein ganz normales Leben!“. Desistance unterstützen Obwohl Desistance ein relativ neues Konzept im deutschen Sprachraum ist, muss „das Rad nicht neu erfunden werden“, da es bereits Interventionstechniken gibt, die mutmaßlich Desistance unterstützen können. Neben dem bewährten RNR, das sich auch zum Ziel setzt, Straffälligkeit zu reduzieren, gibt es Modelle, die bezüglich ihren „Spirits“ noch eher den Erkenntnissen der Desistance-Forschung entsprechen. Haltung Die Praxisimplikationen der Desistance-Forschung und des GLMs für die Haltung von PraktikerInnen sind in Senkans (2019) ausführlicher beschrieben. Hier werden die Inhalte nur knapp zusammengefasst. Das GLM und die Desistance-Forschung lassen sich sowohl auf die therapeutische Behandlung (z.B. Yates et al., 2010), als auch auf die sozialpädagogische Arbeit allgemein und die Arbeit der Bewährungshilfe anwenden (Purvis et al., 2011). Menschen wenden sich nachhaltig einem nicht-kriminellen Lebensstil zu, wenn sie bei ihrer selbstbestimmten Entscheidung nicht mehr straffällig zu werden, durch professionellen und informellen Beistand optimal unterstützt werden (Senkans et al., 2012). Daher kann aus dem GLM und der Desistance-Forschung abgeleitet werden, dass die persönliche Autonomie und das soziale Kapital der straffällig gewordenen Menschen in jeder Handlung soweit wie möglich unterstützt werden sollte. Autonomie ist “das Bedürfnis, eigene Ziele zu formulieren und diese in selbstbestimmter Art und Weise zu verfolgen, ohne durch andere hierin beeinträchtigt zu werden“ (von Franqué and Briken, 2013, S. 23). Das Gut Autonomie kann auch wie folgt definiert werden: „Kompetenz in freier Entscheidung, „agency“, Handlungsfähigkeit, Selbstbestimmtheit“ (Senkans et al., 2013, S. 127). Agency ist ein wegweisendes Konzept der Desistance-Theorie. Die Sozialpsychologie postuliert, dass Menschen nicht gänzlich frei und autonom handeln. Dennoch sind Menschen und ihr Verhalten nicht ausschließlich durch Umweltreize determi- 3. 3.1 5. Desistance erkennen und unterstützen 123 niert. Vielmehr beeinflussen Menschen ihre eigene Motivation und ihr eigenes Handeln in kausaler Weise. Sie sind nicht vollständig selbstbestimmt, da das eigene Verhalten und kognitive, affektive und anderen personenbezogene Faktoren mit Umweltfaktoren interagieren. Menschen üben ihre agency unter anderem durch den Glauben an die eigene Selbstwirksamkeit und Zielstrebigkeit aus (Bandura, 1989). In seiner Desistance- Studie stellte Maruna (2001) fest, dass die erfolgreichen Desister eine fast übertriebene Selbstwirksamkeit verspürten. Diese Menschen waren dazu in der Lage, schambehaftetes Scheitern in der Vergangenheit und eine positive Zukunft ohne Dissonanz in ein logisches Lebensnarrativ zu vereinen. Die erfolgreichen Desister waren dazu in der Lage, selbst in den schwierigsten Lebenslagen, die bewusste Entscheidung zur Selbst- oder Identitätsveränderung zu treffen. Die Primären Güter Verbundenheit und Gemeinschaft befassen sich explizit mit der Wichtigkeit von sozialen Beziehungen (von Franqué and Briken, 2013, S. 23; Senkans et al., 2013). Laub und Sampson (2003), aus der Sicht der Desistance-Forschung betonen die Wichtigkeit von günstigen externen Bedingungen für erfolgreiche Abbrüche von kriminellen Karrieren, da positive familiäre und andere soziale Bindungen allesamt formelle und/ oder informelle Sozialkontrolle bedeuten. Farrall (2004) definiert Soziales Kapital als die Ressourcen, die sich aus solchen sozialen Verbindungen zwischen Menschen ergeben. Soziales Kapital entsteht aus einem Netzwerk aus sozialen Beziehungen, das soziales Handeln durch Wissensaustausch, gegenseitige Verpflichtung und wechselseitiges Vertrauen ermöglicht. Vergleichbar mit anderen Formen des Kapitals ist Soziales Kapital produktiv und macht eine Zielerreichung möglich, die ohne es nicht durchführbar wäre. Behandlungs- und Interventionstechniken Good Lives Modell Laut Yates et al. (2010) sollten auch aus der Sicht des GLM, kognitiv-verhaltenstherapeutische Ansätze Anwendung bei der Behandlung von straffällig gewordenen Menschen finden. Die RNR-Prinzipien sollten ebenfalls Beachtung finden. Je nach Anlasstat und Risikofaktoren sollten evidenzbasierte Module ausgewählt werden (z.B., Selbstregulation, Kognition). Inhaltlich sollten solche Programme aber ergänzt werden. Aus Sicht der AutorInnen sind die Bemühungen von PraktikerInnen vergebens, wenn die motivational Komponente nicht ausreichend gegeben ist. Das GLM ist 3.2 Svenja Senkans 124 kompatibel mit der Motivierenden Gesprächsführung (siehe unten). Die Autoren schlagen vor, dass PraktikerInnen gemeinsam mit KlientInnen analysieren, welche primären Güter durch Straftaten (über problematische sekundäre Güter) erreicht wurden. Dann soll erarbeitet werden, welche der primären Güter den KlientInnen besonders wichtig sind und wie diese in prosozialer Weise erreicht werden könnten. Hier sollen die Prioritäten, die möglichen Alternativen, die Selbstwirksamkeit, persönliche Ressourcen und Stärken und die Motivationslage der KlientInnen erarbeitet werden. Der ehemalige Lebensplan, der zu Straftaten geführt hat, soll auf Fehler und Einschränkungen untersucht werden. Mögliche Fehler liegen in problematischen sekundären Mitteln zur Zielerreichung, ein Mangel an Breite im Lebensplan, Konflikten zwischen primären Gütern und/oder Mangel an internen (z.B. Impulsivität) oder externen (z.B. soziales Kapital) Kapazitäten. Die Rolle der PraktikerInnen ist, KlientInnen dabei zu unterstützen, diese Mängel in ihrem Lebensplan zu überwinden, positivere Wege zu finden und somit das Rückfallrisiko zu verringern und zu managen. Somit sollen nicht nur Risikofaktoren verringert werden, sondern neue Fähigkeiten, Werte, Einstellungen und Ressourcen erworben werden, die den straffällig gewordenen Menschen zu der Umsetzung eines neuen Lebensplans befähigen. Hierbei sollen also nicht ausschließlich Vermeidungs- sondern auch Annäherungsziele verfolgt werden. Für die konkretere Anwendung sei auf Yates et al. (2010) verwiesen. Purvis et al. (2011) entwickelten einen GLM-Ansatz für die Bewährungshilfe. Es wird im Prinzip sehr ähnlich vorgegangen. Erhobene Informationsquellen werden übersichtlich dargestellt (z.B. „GLM Mapping Table“, Purvis et. al., 2011, S. 27). Hieraus ergeben sich dann konkrete Interventionsziele, die die prosoziale Identität und den prosozialen Lebensstil des Probanden unterstützen und die Risikofaktoren und –prozesse benennen und managen. Das zweite Tool ist die „GLM Analysis Table“ (Purvis et al., 2011, S. 28). Dieses Tool weist den Bewährungshelfer auf die wichtigsten Bereiche hin, u. A. die Hauptrisikofaktoren, die prosoziale Zielerreichung frustrieren und Warnsignale, dass der Klient oder die Klientin vom neuen Lebensplan abweicht und in einen deliktnahen Lebensplan zurückfällt. Das Endergebnis der vom GLM inspirierten Bewährungshilfe ist eine differenzierte, sorgfältig strukturierte und individuell zugeschnittene Strategie. In Senkans (2019) ist dieser Ansatz (Purvis et al., 2011) genauer beschrieben. Bei der Umsetzung des GLMs ist immer darauf zu achten, dass man als PraktikerIn keinen „middle class“- Blick auf die Lebensrealitäten der KlientInnen hat. Die Gefahr besteht, dass PraktikerInnen, die in der Regel aus der Mittel- bis Oberschicht stammen, bewusst oder unbe- 5. Desistance erkennen und unterstützen 125 wusst versuchen, ihre eigenen Einstellungen, Werte und Überzeugungen KlientInnen aufzuzwingen (Glaser, 2011). Das GLM darf nicht als Alternative zur empirisch fundierten Risikoorientierung verstanden werden. Es kann allerdings sinnvoll mit dem RNR- Modell integriert werden, obwohl die beiden Ansätze auf den ersten Blick inkompatibel zu sein scheinen. Das RNR beschäftigt sich mit den Prinzipien, die Interventionen erfüllen müssen, während das GLM auf der individuellen Ebene arbeitet. Das Hauptziel des RNR ist die Reduzierung oder Eliminierung von Rückfälligkeit. Das GLM setzt sich zum Ziel, straffällig gewordenen Menschen in prosozialer Weise in die Gesellschaft zu integrieren. Komplementär zu dieser Zielsetzung unterscheidet sich der therapeutische Prozess. Das RNR verringert durch hochstrukturierte Maßnahmen die Ausprägung von Risikofaktoren, ist also risikoorientiert. Beim GLM sind die primären Güter als Leitkonzept zu sehen. Das GLM verortet die Quelle von Motivation und Veränderung in eben diesen Lebenszielen. Behandlungsbedürfnisse und Risikofaktoren werden durch diese Linse betrachtet. Risikofaktoren werden als Hürden gesehen, die die prosoziale Zielerreichung hindern. Diese Sichtweise beeinflusst den „Spirit“ der therapeutischen Interventionen. Ebenso, wie oben geschildert, berücksichtigt das GLM kontextuelle Faktoren, die mit der Erreichung von primären Gütern interagieren. Somit ist das GLM ressourcenorientiert und im therapeutischen Prozess flexibler (Ziv, 2018). Bisher gibt es jedoch keine empirischen Studien, die nahelegen, dass primäre Güter kriminelles Verhalten bedingen (Ziv, 2018; siehe auch Schmidt, 2019). Das RNR dagegen weist eine sehr solide theoretische Basis und empirische Fundierung auf. Das RNR hat eine strenge empirische Fundierung als leitendes Konzept. Die theoretischen Modelle, die dem RNR zugrunde liegen (general personality and cognitive social learning theoretical perspectives, Andrews und Bonta, 2010, S. 53), besitzen prädiktive Validität (d.h. können Rückfälle vorhersagen), sind interdisziplinär und gleichzeitig flexibel. Neue Therapie- oder Interventionsansätze lassen sich, sobald diese wissenschaftlich fundiert sind, in das RNR-Modell einfügen (siehe auch Schmidt, 2019). Die Stärke des GLMs ist sein Menschenbild und die Beachtung von Motivation als zentrale Voraussetzung von therapeutischer Veränderung. Aufgrund der empirischen Fundierung des RNR sollte nach Ansicht von Ziv (2018) das GLM in das RNR integriert werden, nicht umgekehrt. Straffällig gewordene Menschen sollen bei der Zielsetzung, bei der Erhöhung von Selbstwirksamkeit und dem Training von Selbstregulationsfähigkeiten unterstützt werden, um ihre Lebensziele (primäre Güter) zu erreichen und somit eine intrinsische Motivation zu fördern. Über die primären Güter wird eine Reihe von eigenen Zielen, die konkret und na- Svenja Senkans 126 heliegend sind, gleichzeitig herausfordernd und erreichbar. Menschen beurteilen, ob sie die Fähigkeiten haben, Handlungen zu organisieren und auszuführen und Ziele zu erreichen. Bei geringer wahrgenommener Selbstwirksamkeit scheinen selbst realistische Ziele unerreichbar. Auch Selbstregulation kann bei der Umsetzung eines GLPs trainiert werden. Straffällig gewordene Menschen lernen, Kognitionen, Affekte und Verhalten zu aktivieren und aufrechtzuerhalten, die zur Zielerreichung beitragen (Ziv, 2018). Zusätzlich zu dem Ziel der Reduktion von Rückfälligkeit, sollte auch das Wohlergehen von straffällig gewordenen Menschen beachtet werden. Neben den bestehenden Prinzipien (Andrews und Bonta, 2010; Senkans und ZImmermann, 2013) soll ein stärkerer Fokus auf die persönliche Autonomie von straffällig gewordenen Menschen gerichtet werden. Jede Intervention und Behandlung sollte die Werte, Ziele und Interessen einer Person beachten. Die grundlegende Theorie sollte neue Erkenntnisse, bspw. der positiven Psychologie, Resilienz-Forschung etc., miteinbeziehen. Ziv (2018) führt weiterhin aus, dass das GLM zu einer Überarbeitung des Bedürfnisprinzips führen sollte, während das Risikoprinzip unberührt bleibt. Neben dynamischen Risikofaktoren (RNR) sollten auch primäre Güter den Inhalt von Interventionen bestimmen. Dies würde das Ziel des erhöhten Wohlbefindens in direkter Weise und eine Risikoreduzierung in indirekter Weise erreichen. Mutmaßlich würde dies zu erhöhter Motivation während des Veränderungsprozesses führen. Dies wirkt sich auch auf das Ansprechbarkeitsprinzip aus (Ziv, 2018; siehe auch Schmidt, 2019). Motivation ist im RNR eine Frage der spezifischen Ansprechbarkeit (d.h. auf individueller Ebene). Ein RNR, das das GLM integriert, geht jedoch davon aus, dass Motivation Teil des generellen Ansprechbarkeitsprinzips ist. Das bedeutet, dass Motivationstechniken als allgemeine Behandlungsstrategie eingesetzt werden sollten. Auch nicht-forensische Behandlungsansätze könnten verwendet werden. Beispielsweise beschäftigt sich die Akzeptanz und Commitment Therapie (ACT) und auch die Integrative Kognitive Verhaltenstherapie (IKVT; Stavemann, 2015) mit der Wichtigkeit von Lebenszielen und persönlichen Werten. Somit kann der Werkzeugkasten mit diesen Ressourcen erweitert werden. ACT unterstützt eine Orientierung des Verhaltens der KlientInnen auf ihre selbst ausgewählten Werte, während die IKVT PatientInnen bei der Beantwortung von existenziellen Sinnfragen und der Suche nach ihren persönlichen Lebenszielen unterstützt. Genauer gesagt werden Betroffene dazu angehalten eigene Lebensziele selbständig zu definieren und erfolgreich umzusetzen. Es sollen auch schädliche Ziele erkannt und gegebenenfalls ausgemustert werden (Stavemann 2015; Hayes et al., 2012). 5. Desistance erkennen und unterstützen 127 Motivierende Gesprächsführung Die motivierende Gesprächsführung (MG) ist ein Ansatz, der Menschen langfristig bei nachhaltiger Veränderung unterstützen soll. Oft wird ein konfrontativer Ansatz mit straffällig gewordenen Menschen gewählt, der eher zu Widerstand, Opposition, Verhärtung in der eigenen Position und Erhalt des dysfunktionalen Verhaltens führt. Für eine reale Verhaltensänderung ist intrinsische Motivation eine Grundvoraussetzung. Diese kann niemandem, mit auch noch so gewitzten therapeutischen oder pädagogischen Techniken, aufgezwungen werden. Dennoch gibt es Techniken, die eine oberflächliche Überanpassung des Klienten an externe Erwartungen einerseits und zu starke Opposition andererseits, verhindern können. Die Arbeit nach dem MG-Ansatz folgt fünf Prinzipien: Vereinbarungen treffen, Empathie ausdrücken, den Wunsch nach Veränderung fördern (Diskrepanzen entwickeln), Auseinandersetzungen vermeiden (Widerstand umlenken) und Selbstvertrauen und Eigenverantwortung fördern (Selbstwirksamkeit fördern, S. 12; Fuller und Taylor, 2015). Die wichtigen Prinzipien der Förderung von Sozialkapital und Selbstbestimmung sind in diesen Grundsätzen immanent. Zusammengefasst geht es darum, einen guten Rapport herzustellen, Vereinbarungen zu treffen, immer wieder die aktuelle Motivationslage einzuschätzen, Zweifel am dysfunktionalen Verhalten zu wecken, Veränderungsmotivation aufzubauen und zu erhalten, Handlungen zu planen und Veränderung zu unterstützen. All dies ist ohne gegenseitiges Vertrauen nicht möglich (Fuller und Taylor, 2015). Konkrete Interventionen finden sich in der weiterführenden Literatur (Fuller und Taylor, 2015, Miller und Rollnick, 2012). Recovery Für straffällig gewordene Menschen mit psychischen Erkrankungen spielt auch Recovery eine Rolle (Senkans et al., 2016, Drennan und Alred, 2012). Es geht um das Verschwinden oder die Verringerung von Symptomen und die Wiederherstellung von Gesundheit (klinische Ebene), um „Lebenstüchtigkeit“ (funktionale Ebene, z.B. Meistern des Alltags), um soziale Inklusion (soziale Ebene) und um die Entwicklung eines Lebenssinns trotz einer psychiatrischen Erkrankung (persönliche Ebene). Insbesondere bei letzterem spielen Hoffnung, Autonomie und gleichberechtigte Interpendenz zwischen KlientInnen und PraktikerInnen eine Rolle (Drennan & Alred, 2012). Genau wie Desistance ist Recovery etwas, was sich nicht künstlich herbeiführen lässt. Die klinische Ebene ist am ehesten beeinflussbar, z.B. durch die Bereitstellung von Medikation und/oder anderen effektiven therapeutischen Interventionen. Auch bei der Meisterung der funk- Svenja Senkans 128 tionalen Ebene können PraktikerInnen, z.B. Pflegepersonal, Hilfestellung leisten. Schwieriger wird es schon bei der Frage der sozialen Inklusion. Zwar kann dies durch eine gute zwischenmenschliche Atmosphäre auf der Station oder der Einrichtung ansatzweise gewährleistet werden. Jedoch ist dies um einiges schwerer, wenn der straffällig gewordene psychisch kranke Mensch irgendwann wieder in der Gesellschaft lebt. Die empirische Forschung zeigt, dass prosoziale Netzwerke ehemalige Patienten bei der Organisation ihres Lebens in Freiheit unterstützen (Klinger et. al., 2020). Der vierte Teil des Genesungsprozesses findet auf der persönlichen Ebene statt. Es handelt sich um eine hoch individuelle persönliche „Reise“ auf der ein Mensch neue Ziele, Einstellungen, Werte, Gefühle, Rollen und neue Lebenswege und -sinne entwickelt, die an die Realität der Erkrankung angepasst ist. Oft beinhaltet dies den Erwerb von neuen Fähigkeiten durch adäquate Unterstützung. Eine einheitliche Definition existiert aufgrund der hohen Individualität nicht (Bejerholm und Roe, 2019). Der „persönliche Recovery“ ist bei straffällig gewordenen Menschen wahrscheinlich mit dem Desistance-Prozess mit psychischen Erkrankungen verwoben. Ein konzeptueller Ansatz für Recovery-orientierte Interventionen heißt CHIME (connectedness, hope and optimism, identity, meaning in life und empowerment) und wurde von Leamy et al. (2018) basierend auf einer ausführlichen Literaturstudie entwickelt. Es geht um persönliche Beziehungen, Hoffnung und Optimismus, die Wiedererlangung einer Identität, „Sinn“ der Erkrankung und einen neuen Lebenssinn, Eigenverantwortung und Ressourcenorientierung. Dies ist im Gegensatz zu der „traditionellen Psychiatrie“, die Abhängigkeit, Hospitalisierung und Stigmatisierung nach sich ziehen kann (Bejerholm and Roe, 2018). Die meisten der Recoveryorientierten Interventionen sind empirisch fundiert, in der Regel aber nur für die Allgemeinpsychiatrie vorgesehen. Auch in diesem Bereich ist weitere Forschung notwendig (Bejerholm and Roe, 2018). Dennoch sollen drei relevante Ansätze hier kurz vorgestellt werden. Der sogenannte „Peer Support“-Ansatz geht davon aus, dass Menschen, die selbst Erfahrung mit psychiatrischen Störungen (z.B. psychotische Erkrankungen) haben, am besten dazu in der Lage sind, andere Betroffene zu unterstützen. Die Menschen, die eine Mentoren-Rolle einnehmen, erfüllen eine Vorbildfunktion hinsichtlich sozialer Inklusion, Eigenverantwortung und positiver Selbstwert trotz Erkrankung. Die Mentoren sollen dabei mit professionellen HelferInnen zusammenarbeiten (Bejerholm and Roe, 2018). Der zweite Ansatz, das Selbstmanagement der psychischen Erkrankung, beinhaltet Psychoedukation, Integration der Medikation in die Tagesstruktur, einen Rückfallprophylaxeplan und den Umgang mit persistierenden Sympto- 5. Desistance erkennen und unterstützen 129 men. Diesen Ansatz gibt es in manualisierter Form (Illness Management and Recovery Programm; Mueser et al., 2002). Schlussendlich gehört auch die strategische Reduktion von Selbststigma (dritter Ansatz) zu den Recoveryorientierten Ansätzen, die in der forensischen Psychiatrie oder der ambulanten Therapie von psychisch erkrankten straffällig gewordenen Menschen Anwendung finden könnte (Yanos et al., 2011). Das Programm beinhaltet eine Auseinandersetzung mit der narrativen Identität der TeilnehmerInnen, Psychoedukation über Selbst- und Fremdstigmatisierung, kognitive Umstrukturierung von nicht hilfreichen Überzeugungen und der Konstruktion von hilfreicheren Selbstnarrativen, Narrative über die Krankheit und Narrative über das Selbst in Beziehung zur Krankheit (Yanos et al., 2011). Trotz der Ressourcenorientierung, die der Desistance-Forschung und dem Recovery-Modell immanent ist, muss gesagt werden, dass psychisch kranke Menschen im Vergleich zu psychisch Gesunden zusätzliche Herausforderungen meistern müssen. Eine Besonderheit bei Menschen mit psychotischen Erkrankungen könnte sein, dass sie aufgrund von juristischer Schuldunfähigkeit verminderter Schuldfähigkeit nicht dem „normalen“ Desistance-Prozess folgen können. Während nicht psychisch kranke Straffällige ein nicht kriminogenes Selbstkonzept entwickeln müssen, müssen Menschen mit psychotischen Erkrankungen eine andere Entwicklungsaufgabe meistern. Sie müssen die begangene Tat in ihr Selbstbild integrieren, ohne sich dabei als „Kriminelle“ selbst zu stigmatisieren (Senkans et al., 2016). Bei straffällig gewordenen Menschen, die von Persönlichkeitsstörungen betroffen sind, könnte die autonome, kognitive Entscheidung, keine Straftaten mehr zu begehen, wesentlich verzögert werden. Dies ist aufgrund der häufig ego-syntonen Persönlichkeitssymptomatik der Fall, die mit Kriminalität einhergeht bzw. diese bedingt (Senkans et al., 2016). Bei KlientInnen mit Suchterkrankungen muss zusätzlich beachtet werden, dass der Recovery von der Suchterkrankung der kognitiven Veränderung, die für Desistance typisch ist, vorausgeschaltet ist. Diese Menschen sehen sich primär als Drogenabhängige, die bei Abstinenz kein kriminelles Verhalten mehr zeigen (Colman and Vander Laenen, 2017). Fazit Dieses Kapitel gibt einen Überblick über die Desistance-Forschung und verweist auf weiterführende theoretische Literatur. Der Desistance-Prozess kann grob in vier Phasen aufgeteilt werden. Desistance findet nicht in einem Vakuum, sondern in einer sozialen Ökologie statt. Obwohl Desis- 4. Svenja Senkans 130 tance etwas „natürliches“ ist, das sich wahrscheinlich nicht durch strategische Intervention herbeiführen lässt, können eine positive Haltung und spezifische Interventionstechniken, den Prozess zumindest unterstützend begleiten. Die Ansätze des Good Lives Modells, der motivierenden Gesprächsführung und des Recovery-Modells enthalten zahlreiche inhaltliche Anregungen. Wichtig ist jedoch, dass bei der Ressourcen-Orientierung das Risikomanagement nicht vernachlässigt wird. Literatur Andrews, D. A. & Bonta, J. 2010. 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Zusammenfassung

In Folge der weltweiten Corona-Krise gewinnen die Vorschläge zu einem „Systemischen Wandel“ auch in der Kriminal-, Justiz- und Sozialpolitik neue Bedeutung.

Dieser Band informiert über Masterpläne und Agenden der strategischen Steuerung von Innovationen in allen Arbeitsfeldern der Resozialisierung in einem Verbund von öffentlichen und privaten Trägern. In Österreich, der Schweiz und in Deutschland gibt es dazu konkrete Vorschläge von Fach- und Führungskräften und Experten der lokalen und nationalen Ebene, dies gilt auch für die internationale und europäische Dimension. Innovative Projekte weisen gesteigerte Wirksamkeit und Nachhaltigkeit von Gesamtkonzepten der ambulanten und stationären Resozialisierung nach.

Maelicke und Wein fordern im Übergang in eine Zeitenwende eine „Große Transformation“ und plädieren für einen nachhaltigen und wirkungsorientierten Umgang mit Tätern und Opfern.