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Ralf Kammerer, 4. RNR (Risk-Need-Responsivity) und GLM (Good Lives Modell) und ihre Rezeption in die Praxis in:

Bernd Maelicke, Christopher Wein (Ed.)

Resozialisierung und Systemischer Wandel, page 101 - 118

1. Edition 2020, ISBN print: 978-3-8487-6719-9, ISBN online: 978-3-7489-0841-8, https://doi.org/10.5771/9783748908418-101

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RNR (Risk-Need-Responsivity) und GLM (Good Lives Modell) und ihre Rezeption in die Praxis1 Ralf Kammerer RNR Nachdem der amerikanische Soziologe Robert Martinson 1974 die Ergebnisse einer umfassenden Evaluation der Straftäterbehandlung in nordamerikanischen Gefängnissen veröffentlicht hatte, die keine Effekte erkennen konnte und bald der apodiktische Slogan „nothing works“ zur Mainstream-Meinung der Kriminologie in den USA wurde, begann in den 1980er Jahren eine kanadische Forschergruppe die Ursachen von Kriminalität zu untersuchen. Es war die Gruppe um James Andrews und Paul Gendreau, die sich am Rideau Correctional Center, Ottawa kennenlernten. Später, als Andrews inzwischen Professor für Psychologie an der Carleton Universität geworden war, stieß James Bonta zu der Gruppe. Aus dem Textbuch einer gemeinsamen Vorlesung in „Psychologie kriminellen Verhaltens“ wurde schließlich das 1994 erstmals erschienene Buch „Psychology of Criminal Conduct“ (PCC) (Bonta, 2011) Darin werden systematisch Ursachen und Moderatorvariablen von Kriminalität und deren wirksame Behandlung untersucht. Es stellt eine Verbindung zwischen Theorie und Praxis dar. Andrews und Bonta nutzen hierzu auch die damals in den Wissenschaften aufkommende Methode der Metaanalysen, eine Methode mit der die Ergebnisse verschiedener Studien verglichen werden können und Effektgrößen von großen Stichprobenumfängen berechnet werden können. Die PPC erklärt die Variationen kriminellen Verhaltens und stellt Wissen für dessen Vorhersage sowie für Interventionen zu dessen Reduzierung zur Verfügung. Zentrale Erkenntnis ist das RNR-Model (risk, needs, responsivity), ein Denkansatz für Anamnese und Behandlung in der Straffälligenarbeit. Es ist eine Theorie der Rückfallkriminalität bzw. der Prinzipien, die bei der Behandlung von Kriminalität berücksichtigt werden müssen. 4. 1. 1 Siehe Kammerer, Ralf (2019): RNR und GLM – welche Fragen stellen sich der Bewährungshilfe in Deutschland?. In: Zeitschrift Bewährungshilfe, Heft 3/2019, S. 197–210. 101 • Die Höhe des Rückfallrisikos (risk) steuert die Intensität der Intervention • Ziel der Intervention sind die kriminogenen Bedarfe (needs) (Aspekte die maßgeblich zur Deliktentstehung beigetragen haben) • Die Art der Vermittlung der Intervention orientiert sich an der individuellen Ansprechbarkeit (responsivity) des Klienten. Dem zugrunde liegt die „Gerneral Personality and Cognitive Social Lerarning Perspective“ (GPCSL), etwa die Allgemeine Persönlichkeits- und kognitiv-soziale Lerntheorie. Die davon ausgeht, dass kriminelles Verhalten erlernt wird und daher durch zielgerichtete Belohung und Bestrafung veränderbar ist. Gemäß dem operanten Konditionieren nach Skinner zeigt oder wiederholt eine Person ein Verhalten aufgrund seiner Konsequenzen nämlich entweder gesellschaftlicher Belohnung oder um unangenehme Stimuli zu vermeiden. Bandura entwickelte diese Theorie weiter zur sozialen Lerntheorie: Verhalten wurde durch gegenseitige Beeinflussung von Persönlichkeits- und Umgebungsdeterminanten erklärt, und später zur sozial-kognitiven Theorie, der zufolge kognitive, affektive und biologische Vorgänge sowie Verhalten und Situationsbedingungen miteinander interagieren. Menschen lernen also Verhalten bewusst oder unbewusst und steuern und regulieren dieses durch Beobachtung des Verhaltens Anderer und dessen Konsequenzen. Ebenso berücksichtigen Andrews & Bonta die Persönlichkeitsentwicklung der Person, die durch biologische Prozesse und Vererbung beeinflusst werden. Verhalten wird damit erklärt durch Verarbeitungsprozesse oder Denkmuster durch die Menschen Situationen wahrnehmen und darauf reagieren. Um nun aus der allgemeinen Erklärung menschlichen Verhaltens eine spezielle Theorie kriminellen Verhaltens zu entwickeln, wurden zusätzlich folgende Theorien berücksichtigt: • Die Theorie der differenziellen Assoziation von Edwin Sutherland: Kriminelles Verhalten wird durch die Vermittlung krimineller Definitionen und Einstellungen durch Andere vermittelt. • Die psychodynamische Theorie von Sigmund Freud: Menschen suchen Zufriedenheit und wollen Schmerz vermeiden. Diese Aspekte werden beeinflusst durch die Spezifika der Situation und durch interne Kontrollprozesse, die durch die Sozialisation erworben werden. In Anlehnung an die Forschung von Sheldon und Eleanor Glueck, entsteht schwache interne Kontrolle durch schlechte Erziehung und elterliche Modelle sowie Anlagen für Aggression und Egoismus. Aggression und Ralf Kammerer 102 Kriminalität werden damit als komplexe Funktion aus begünstigenden und hemmenden Aspekten, erlernten Mustern und der konkreten Situation verstanden. • Die Bindungstheorie von Hirschi: Menschen neigen von Natur aus aufgrund ihres Egoismus’ zu Kriminalität. Konformität wird jedoch durch soziale Kontrolle erzeugt. Diese existiert in den Formen • Bindung: Stärke der Bindung an das soziale Umfeld, vor allem Familie aber auch andere Institutionen und Freunde. • Verpflichtung: Stärke der Hingabe an konventionelle Normen und damit Werte die durch kriminelles Verhalten bedroht werden können. • Einbindung: Einbindung in konventionelle Aktivitäten verhindert Gelegenheiten für kriminelles Verhalten und stärkt die Selbstdisziplin. • Überzeugung: Glaube an die Gültigkeit von Werten und Normen. • Die General Strain Theory von Robert Agnew: Drei verschiedene Belastungsfaktoren können zu Kriminalität führen: • Kein positives Ziel • Tatsächlicher oder erwarteter Verlust positiver Stimuli • Tatsächliches oder erwartetes Aufkommen negativer Stimuli Aus der GPCSL entwickelten Andrews & Bonta damit die PIC-R (Personal, Interpersonal und Community-Reinforcment), etwa Persönlichkeits-, Interaktions- und Gesellschaftsverstärkung, zur Erklärung kriminellen Verhaltens. (siehe Abb.1) Gemäß PIC-R hängen Inter- und intraindividuelle Unterschiede in der Wahrscheinlichkeit kriminellen Verhaltens von den erwarteten Kosten und Nutzen des Verhaltens ab. Die Wahrscheinlichkeit nimmt mit der Höhe der erwarteten Kosten ab und steigt mit der Höhe des erwarteten Nutzens. Deren Quellen können sein: 1. der Handelnde (Selbstmanagementfähigkeiten, anti-soziale Kognitionen) 2. andere Personen (Stärke der Bindung, Richtung des Einflusses) 3. die Handlung selbst (Gewohnheiten, Erwartungen) (Andrews & Bonta, 2006, siehe auch Ziv, 2018) Kriminelles Verhalten wird demzufolge aufrechterhalten, wenn das Verhältnis der erwarteten Kosten und Nutzen kriminellen Verhaltens stabil günstiger ist als das prosozialen Verhaltens. Interventionen sollten also dieses Verhältnis ändern. Der Fokus sollte darauf liegen, prosoziales Verhalten zu belohnen, um die Motivation für kriminelles Verhalten zu senken und die Kosten zu steigern im Sinne von „mehr zu verlieren“. 4. RNR (Risk-Need-Responsivity) und GLM (Good Lives Modell) 103 Persönlichkeits- und Sozialpsychologische Perspektive kriminellen Verhaltens, vgl. Andrews & Bonta, 2006, S. 139. Abbildung 4‑1: Ralf Kammerer 104 Als Faktoren, die Verhalten am präzisesten vorhersagen können wurden die Big Four, Faktoren mit sehr hoher Vorhersagekraft, und später die Moderate Four, Faktoren mit moderater Vorhersagekraft abgeleitet – zusammen die Central Eight. 1. Kognitionen die ein spezifisches Verhalten begünstigen 2. Bereits in der Vergangenheit gezeigtes spezifisches Verhalten 3. Gesellschaft mit Anderen die ein spezifisches Verhalten befürworten 4. Persönlichkeitsdisposition für ein spezifisches Verhalten 5. Beziehungsqualität und Verhaltenserwartungen in Herkunftsfamilie und Partnerschaft 6. Beziehungen in Schule bzw. Arbeit 7. Alkohol- und Drogenprobleme 8. Engagement und Befriedigung durch Freizeitaktivitäten So ergaben sich die sogenannten risk-need-factors, jene Faktoren also, die kriminelles Verhalten begünstigen und daher verändert werden sollten: Big Four: 1. antisoziale Kognitionen 2. in der Vergangenheit gezeigtes antisoziales Verhalten 3. Gesellschaft mit antisozialen Anderen 4. Antisoziales Persönlichkeitsmuster Aus den Moderate Four (5., 6. und 8.) ergaben sich soziale Situationen in denen kriminelles oder prosoziales Verhalten belohnt oder bestraft wird sowie der Substanzkonsum (7.) der an sich illegal sein kann oder zum Verlust von Selbstkontrolle führen kann. (Ziv, 2018) Für Rehabilitationskonzepte empfehlen Andrews und Bonta hochstrukturierte Methoden und Gruppenarbeit. Sie nennen acht Dimensionen effektiver Betreuungsarbeit mit Straftätern: 1. Hochwertige Beziehungsarbeit Als Basis für die folgenden Interventionen – z. B. Offenheit, Flexibilität, Enthusiasmus, Respekt und Wärme 2. Effektives Modellernen Erwünschtes Verhalten anschaulich erklären. Schwierigkeiten aufzeigen, Verständnis äußern, Verhalten belohnen 3. Effektives Verstärken von Äußerungen oder Verhalten Starke, empathische und sofortige Verstärkung des Verhaltens 4. RNR (Risk-Need-Responsivity) und GLM (Good Lives Modell) 105 4. Effektive Ablehnung von Äußerungen oder Verhalten Starke, empathische und sofortige Ablehnung des Verhaltens (4 : 1-Regel, möglichst eine Ablehnung auf vier Verstärkungen) 5. Effektiver Gebrauch von Autorität „Hart aber fair“ – Überwachung und respektvolle Hilfe bei der Einhaltung von Weisungen etc. 6. Fähigkeitstrainings/Strukturiertes Lernen z.B. Problemlösen, Selbstmanagement 7. Motivierende Gesprächsführung (nach Miller/Rollnick) Empathie ausdrücken, Diskrepanz entwickeln, Umgang mit Widerstand, Selbstwirksamkeit stärken, Hoffnung vermitteln. 8. Kognitive Restrukturierung Achte auf deine Gedanken und Gefühle, erkenne Risikosituationen, erprobe neue weniger riskante Gedanken, übe bis Du richtig gut bist. (Andrews & Bonta, 2006) Das RNR-Modell basiert (nach wiederholten Modifikationen) heute auf 15 Prinzipien: 1. Respekt vor der Person und dem normativen Kontext Die Arbeit mit dem Klienten* erfolgt in Respekt vor der Person, dazu gehören Respekt für persönliche Autonomie; menschlich, ethisch, gerecht, gesetzlich, anständig aber auch standardisiert zu arbeiten. Einige Standards können je nach Einrichtung und Setting variieren. 2. Psychologische Theorie Gründen Sie Programme auf empirisch soliden psychologischen Theorien (z.B. Gerneral Personality and Cognitive Social Learning). 3. Allgemeine Unterstützung von Kriminalitätsvermeidungs-Programmen Die Reduzierung von Opferzahlen sollte als das legitime Ziel von Einrichtungen gesehen werden, sowohl innerhalb als auch außerhalb von Justiz und Bewährungshilfe. 4. Einsatz von persönlicher Betreuung Führen Sie persönliche Betreuung im justiziellen Kontext ein. Verlassen Sie sich nicht darauf, dass Sanktionen Straftaten verringern. Verlassen Sie sich nicht auf Abschreckung, Wiedergutmachung und andere Prinzipien der Justiz. 5. Risiko Passen Sie die Intensität der Betreuung der Höhe des Risikos des Falls an. Arbeiten Sie mit Mittel- und Hochrisikofällen. Vermeiden Sie generell Kontakte von Niedrigrisiko- und Hockrisikofällen. Ralf Kammerer 106 6. Bedarf Bearbeiten Sie hauptsächlich kriminogene Bedarfe. Verändern Sie kriminogene Bedarfe in Richtung von Stärken. 7. Allgemeine Ansprechbarkeit Arbeiten Sie mit Verhaltens-, Sozialen-Lern- und kognitiven-Verhaltensstrategien sowie Fertigkeitstrainings. 8. Spezifische Ansprechbarkeit Passen Sie Stil und Modus der Behandlung dem Setting Ihrer Einrichtung und den relevanten Eigenschaften der Täter an, wie Ihren Stärken, Motivation, Vorlieben, Persönlichkeit, Alter, Geschlecht, Ethnie, Kultur und anderen Faktoren. 9. Breite (Multimodalität) Bearbeiten Sie mehr kriminogene als nicht-kriminogene Bedarfe. 10. Ressourcen/Stärken Ermitteln Sie Stärken, um die Vorhersage und Effekte der spezifischen Ansprechbarkeit zu verbessern. 11. Strukturierte Erhebung a) Erhebung von Stärken und risiko/bedarfs-spezifischen Ansprechbarkeitsfaktoren: Benutzen Sie strukturierte und validierte Instrumente. b) Integrierte Erhebung und Intervention: Jede Intervention und jeder Kontakt sollte auf Basis der Erhebung stattfinden. 12. Professionelles Ermessen Weichen Sie von den Erhebungsergebnissen nur aufgrund von besonderen Gründen ab. Z.B. könnte eine Fallanalyse ergeben, dass emotionale Probleme für diese Person ein Risiko/Bedarfs-Faktor ist. (Anm.: gehört nicht zu den central eight) 13. Bewährungssetting/Behandlung in Freiheit Behandlungen in Freiheit sind zu bevorzugen, die RNR-Prinzipien können jedoch auch im geschlossenen Setting angewendet werden. 14. GPCSL-basierte Methoden Die Effektivität von Interventionen wird verbessert, wenn diese von Therapeuten und Teams mit hohen Beziehungsfähigkeiten in Kombination mit hohen strukturierenden Fähigkeiten ausgeführt werden. Gute Arbeitsbeziehungen sind respektvoll, fürsorglich, enthusiastisch, gemeinschaftlich. Sie achten persönliche Selbstbestimmung und benutzen motivierende Gesprächsführung, um die Klienten für die Be- 4. RNR (Risk-Need-Responsivity) und GLM (Good Lives Modell) 107 handlung zu gewinnen. Zu strukturierenden Methoden gehören prosoziales Modellieren, effektive Verstärkung und Ablehnung, Fertigkeitstrainings, kognitive Restrukturierung, Problem-Lösen, effektiver Gebrach von Autorität und Fürsprache. 15. Management Unterstützen Sie die Auswahl, Fortbildung und Supervision der Belegschaft gemäß dem RNR und führen Sie Kontroll-, Feedback- und Anpassungssysteme ein. Entwickeln Sie ein System und eine Kultur die effektive Methoden und durchgehende Hilfe unterstützen. Zusätzliche Indikatoren für (Programm-)Integrität sind: Verfügbarkeit von Programmanualen, Kontrolle des Betreuungsprozesses und fortlaufende Anpassung, angemessene Intensität und der Einbezug von Wissenschaftlern in Entwurf und Ausführung der Betreuung. (vgl. Bonta & Andrews, 2017) GLM Es fanden sich jedoch bald auch Kritiker des RNR-Modells. Der neuseeländische Psychologieprofessor Dr. Tony Ward, der in Melbourne, Australien lehrt und u.a. über den sexuellen Missbrauch von Kindern forschte, veröffentlichte 2003 zusammen mit Claire Stewart den Artikel „Criminogenic needs and human needs: A theoretical model.“ Darin kritisierten sie das RNR von Andrews und Bonta. Die wesentlichen Kritikpunkte waren: • Es werden Vermeidungs- statt Annäherungsziele formuliert • Die Motivation des Klienten wird nicht berücksichtigt • Ausschließliche Konzentration auf das (Rückfall-)Risiko • Orientierung nur an empirischen Untersuchungen Sie entwarfen ein Gegenmodell – eigentlich ein Rehabilitationsmodell für Täter sexuellen Missbrauchs von Kindern, das als Hauptziel ein „gutes Leben“ des Klienten anstrebt: Sie gehen davon aus, dass bedingt durch die menschliche Natur gewisse Grundbedürfnisse allen Menschen gemein sind, wobei diese individuell je unterschiedlich gewichtet werden. Zur Erfüllung dieser Bedürfnisse, nach der der Mensch selbstbestimmt strebe, bedarf es interner und externer Ressourcen. Kann ein Mensch diese Bedürfnisse durch mangelnde Ressourcen nicht befriedigen, kommt es zu soziale Anpassungsschwierigkeiten und 2. Ralf Kammerer 108 problematischem Verhalten. Dieses äußert sich entweder in psychiatrischen und psychologischen Problemen oder kriminellem Verhalten. Wenn der Mensch mit den nötigen Ressourcen ausgestattet wird, wird er in die Lage versetzt, seine Bedürfnisse auf prosoziale Weise zu befriedigen. Er kann dann ein „gutes Leben“ führen und begeht quasi als Nebeneffekt keine Straftaten mehr. (Ward & Stewart, 2003) Das Modell wurde später auch zur Anwendung bei Straftätern allgemein empfohlen. Leitende Ideen waren die Humanistische Psychologie von Rogers und Maslow, die Positive Psychologie und der stärkenorientierte Ansatz. Konkret legten sie die Selbstbestimmungstheorie von Deci und Ryan (2000) zugrunde, der zufolge alle Menschen folgende Grundbedürfnisse haben: • Verbundenheit • Kompetenz • Autonomie Deren Nicht-Befriedigung führe zu psychologischen Problemen und sozialen Anpassungsschwierigkeiten. Sie bezogen sich zudem auf die „Theory of human well being“ von Rasmussen (1999) mit den drei Grundannahmen: 1. Es gibt für alle Menschen die gleichen menschlichen Güter (human goods), die nötig sind um ein erfülltes Leben zu führen. 2. Die Gewichtung der Güter ist individuell und selbst bestimmt. 3. Ein erfülltes Leben kann nur in sozialen Kontexten erreicht werden. Daraus leiteten Sie die Grundannahmen des später so genannten „Good Lives Modell“ (GLM) ab. Diese lassen sich auf folgende Formel bringen: • Straftäter haben die gleichen Bedürfnisse wie andere Menschen • Rehabilitation ist ein werteorientierter Prozess • Es müssen sowohl Bedürfnisbefriedigung als auch Risikoreduzierung angesprochen werden. • Rehabilitation erfordert eine neue Identität (Narrativ) • Menschen werden durch biologische, soziale, kulturelle und psychologische Systeme beeinflusst • Risikofaktoren sind abhängig von psychologischen, kulturellen und situativen Kontexten • Behandlungspläne sollen Stärken, Ziele und Umgebung berücksichtigen und konkret benötigte Ressourcen benennen • Rehabilitation wurzelt in Menschenwürde und Menschenrechten 4. RNR (Risk-Need-Responsivity) und GLM (Good Lives Modell) 109 Das GLM betont die allgemeinen Menschenrechte und mithin die Fähigkeit und das Recht des Menschen über seine Ziele und Pläne selbst zu entscheiden (vgl. engl. agency). Straftäter haben aus dieser Sichtweise die gleichen Wünsche und Bedürfnisse wie andere Menschen auch, die den Bedürfnissen des Körpers, des Selbst und des sozialen Lebens zuzuordnen sind. Diese werden als „Primary Goods“ (PG) bezeichnet. Ursprünglich wurden zehn PG postuliert und nach einer Überarbeitung 2010 auf elf erweitert. 1. Leben (gesund leben und funktionieren), 2. Wissen (wie gut informiert man über die Dinge ist, die einem wichtig sind), 3. Erleben von Kompetenz in Freiheit (Hobbys und Entspannung), 4. Kompetenz in Arbeit (z.B. Erfolgserlebnisse), 5. Kompetenz in freier Entscheidung (Autonomie, Handlungsfähigkeit, Selbstbestimmung), 6. Innere Ruhe (Gelassenheit, Abwesenheit von Stress und emotionalem Aufruhr), 7. Verbundenheit (intime, romantische und familiäre Beziehungen), 8. Gemeinschaft (Verbindung mit einer größeren Gruppe), 9. Spiritualität (im weiteren Sinne; Sinn und Erfüllung im Leben), 10. Freude (glücklich sein), 11. Kreativität (sich selbst ausdrücken) Es wird davon ausgegangen, dass alle Menschen diese PG anstreben, jedoch mit unterschiedlichen Prioritäten. Diese können auch in verschiedenen Rollen unterschiedlich gewichtet sein. Die individuelle Gewichtung wird als „practical identity“ bezeichnet. Meist sei ein besonderes stark gewichtetes PG, ein „overarching good“, auszumachen. (Franqué & Briken, 2013) Um PG zu erhalten nutzen Menschen konkrete Aktivitäten und Strategien, so genannte „secondary goods“. Das primary good Verbundenheit könnte z.B. durch das secondary good Familie erreicht werden. Kriminogene Bedarfe, also Ursachen von Kriminalität, werden als innere oder äußere Hindernisse bzw. fehlende Fähigkeiten oder Ressourcen verstanden. Dies veranschaulichten Ward und Stewart in einer Graphik: Die angeborenen elementaren Bedürfnisse werden mit Hilfe von inneren und äußeren Bedingungen bzw. Ressourcen (secondary goods) befriedigt. So erreiche der Mensch seine „menschlichen Güter“ (damals eine geringere Anzahl). Sind die nötigen Ressourcen nicht vorhanden, versucht er über andere Wege (kriminelles Verhalten) sein „Wohlergehen“ zu erreichen. (siehe Abb.2) Ralf Kammerer 110 Rahmenkonzept für bedürfnisorientierte Intervention, vgl. Ward & Stewart, 2003. Im GLM werden direkte Wege zur Kriminalität beschrieben und der indirekte Weg. Kriminalität entsteht auf direktem Wege, wenn • Inadäquate bzw. unangemessene Mittel zur Zielerreichung eingesetzt werden • Der Rahmen auf wenige angestrebte PG beschränkt ist • Konflikte entstehen wenn das Streben nach verschiedenen PG unvereinbar scheint. • Fähigkeiten realistisch zu planen fehlen. Ein Beispiel für unangemessene Mittel wäre es, wenn jemand das PG Verbundenheit nicht erreichen kann, weil ihm die Fähigkeit fehlt intime Beziehungen mit einem Erwachsenen einzugehen und er es stattdessen durch einen Kindesmissbrauch zu erreichen sucht. Der indirekte Weg zur Kriminalität entsteht, wenn das Streben nach einem oder mehreren PG nicht gelingt und sich dies auf die persönlichen Umstände der Person auswirkt. Z.B. wenn eine Person gleichermaßen Verbundenheit und Kompetenz in Arbeit anstrebt, aber lange Arbeitszeiten zum Scheitern der Intimbeziehung führen (=> keine „horizontale Kohärenz“). Wenn dies dann zu vermehrtem Alkoholkonsum führt, um mit dem Verlust klar zu kommen und dies wiederum zu Kontrollverlusten die zu Straftaten führen können liegt ein indirekter Weg vor. (Ward & Stewart, 2003) Abbildung 4‑2: 4. RNR (Risk-Need-Responsivity) und GLM (Good Lives Modell) 111 Wie schon das RNR sieht auch das GLM eine strukturierte Anamnese vor. Für jedes der elf PG soll konkret festgehalten werden • Welche Gewichtung der Klient ihm beimisst • Welche inneren und äußeren Ressourcen er dafür hat • Welche inneren und äußeren Hindernisse es gibt • Ob er bisher angemessene oder unangemessene Mittel zum Erreichen eingesetzt hat • Welche Strafrelevanz es hat (direkt, indirekt, protektiv, keine) Es soll dann analysiert werden, • ob es einen expliziten oder impliziten Lebensplan zum Tatzeitpunkt gab und wie dieser aktuell ist • ob direkte oder indirekte Wege zur Tat führten • Welche PG • durch angemessene Mittel erreicht wurden • durch unangemessene Mittel erreicht wurden • nicht erreicht wurden • welche wichtigsten Stärken vorhanden sind • welche wichtigsten Hindernisse (eventuelle Verbesserungen seit der Tat) bestehen • welche neuen Stärken die entwickelt werden sollen • ob vertikale und horizontale Köhärenz (Vereinbarkeit) der Güter vorlag. Es sei nun Aufgabe des Therapeuten/Betreuers aus den erhobenen Daten einen Interventionsplan zu entwerfen, der dem Klienten hilft, seine individuell gewichteten Ziele durch prosoziale Strategien zu erreichen. Sozusagen eine Übersetzung der Anamnesedaten in Interventionsziele, gemeinsam mit dem Klienten. Ein typischer Interventionsplan enthalte das Erlernen von: • kognitiven Fähigkeiten und Werten, die prosoziales Verhalten unterstützen. • Sozialkompetenz, Fähigkeit intime/vertraute Beziehungen zu führen • Empathiefähigkeit • Bildung/Ausbildung • und die Motivation ein neues Leben zu leben. (Ziv, 2018) „Das GLM selbst gibt keine strikten, formalisierten Richtlinien für den Inhalt von Interventionen; entsprechend stehen keine streng Ralf Kammerer 112 strukturierten Behandlungsmanuale zur Verfügung.“ (Göbbels et al., 2013, S. 128) Abstrakter Vergleich der Modelle Beide Modelle gehen davon aus, dass Menschen bestimmte Dinge sowohl mit prosozialen als auch mit antisozialen Strategien erreichen können. Die Theorien zu den Moderatoren des Verhaltens unterscheiden sich: RNR Zugrunde liegende Theorien Persönlichkeitspsychologie, kognitiv-soziale Lerntheorie (Gerneral Personality and Cognitive Social Lerarning Perspective, GPCSL bzw. Personal, Interpersonal und Community-Reinforcment, PIC-R) Entstehung antisozialer Handlungen/Kriminalität Erworbene Persönlichkeitszüge (Haltungen, Werte, Glaubessätze, Gefühle) und auf die Person wirksame soziale Einflüsse lassen kriminelle Handlungen • angemessen • gerechtfertigt • Erfolg versprechend erscheinen. (Mayer, 2009) Anamnese • Tatsituation, Lebensumstände, soziale Einflüsse, Persönlichkeit des Klienten – besonders „central eight“ (s.o.) • Ermitteln tatrelevanter Einflussfaktoren (Delikthypothese) Intervention • Intensität folgt der Höhe des Rückfallrisikos (risk-principle) • Es werden hauptsächlich die Faktoren bearbeitet, die zur Deliktentstehung beigetragen haben (needs-principle) • Veränderung des sozialen Umfeldes in prosoziale Richtung (z.B. Freundeskreis, Freizeitaktivitäten, Arbeit) • Förderung prosozialer Einstellungen/Handlungen (kognitive Umstrukturierung, Fertigkeitstrainings …) 3. 4. RNR (Risk-Need-Responsivity) und GLM (Good Lives Modell) 113 • Belohnung prosozialen Verhaltens, Ablehnung antisozialen Verhaltens. • Die Interventionen werden an den individuellen Fähigkeiten und der Persönlichkeit des Klienten ausgerichtet (responsivity-principle) GLM Zugrunde liegende Theorien Positive Psychologie, Ressourcenorientierter Ansatz (Self-Determination-Theory, SDT, Theory of Human Wellbeing) Entstehung antisozialer Handlungen/Kriminalität Innere und/oder äußere Ressourcen zum prosozialen Erlangen von „Primary Goods“ (s.o.) bzw. die ein gutes Leben ermöglichen sind nicht verfügbar. Anamnese • Erreichungsgrad und individuelle Gewichtung aller Primary Goods • Strategien zum Erreichen (Secondary Goods) • Weg zur Tat (direkt/indirekt) Intervention • Aufbau einer neuen „Practical Identity“ (individuell gewichtetes Erreichen aller PG) • Aufbau nötiger Ressourcen, um alle PG mit prosozialen Mitteln erreichen zu können. Diskussion Die Modelle von Andrews und Bonta und Ward und Kollegen sind die einzigen umfassenden Rehabilitationsmodelle für Straftäter, die Entstehung, Vorhersage und Behandlung von Kriminalität in ein Gesamtkonzept mit theoretischer Fundierung einbetten. (Ziv, 2018) Das RNR-Modell wurde in unzähligen empirischen Studien validiert und wird in vielen Ländern in der Straftäterbehandlung im geschlossenen und offenen Bereich angewendet. Werden die Prinzipien des RNR in Rehabilitationsprogrammen angewendet, werden signifikant geringere Rückfallquoten erreicht als bei Nicht-Berücksichtigung. (Andrews & Bonta, 2006) 4. Ralf Kammerer 114 Dies dürfte der große Vorteil des RNR-Modells sein. RNR ist im Bereich der Straftäterrehabilitation best practice! Dort wo Bewährungshilfe sich rechtfertigen muss, ist sie gut beraten, sich auf ein erprobtes Modell zu berufen, das empirisch nachgewiesen ihre Kernaufgabe, das Abhalten der verurteilten Person von Straftaten (§ 56 Abs. 1 StGB), am besten erfüllt. Dies gilt sowohl für die Allokation von Ressourcen als auch für Rechtfertigung ihres Tuns im Falle von schweren Rückfällen. Dennoch scheint diese Vorgehensweise Widerstände in der Bewährungshilfe hervorzurufen. Bisher ist es noch eher unüblich Aussagen zum Rückfallrisiko des Klienten zu machen. Ebenso wurde bisher erst zögerlich begonnen, mit Einschätzungsinstrumenten zu arbeiten, besonders mit aktuarischen wie sie Andrews & Bonta empfehlen, also auf Stichprobenuntersuchungen basierende und konkrete Werte ergebende Instrumente (soweit hier bekannt arbeiten Hessen und Berlin im Bereich Sexualstraftäter mit diesen Instrumenten, Bayern evaluiert ein Instrument für gefährliche Straftäter und Baden-Württemberg benutzt seit kurzem für alle Klienten ein Instrument das ebenfalls noch evaluiert wird). Zuviel Verwaltungsarbeit und zu wenige für die Betreuungsarbeit verwertbare Erkenntnisse, die man nicht ohnehin durch Erfahrungswissen habe werden kritisiert. Nicht zuletzt ist das Erstellen einer Delikthypothese, also einer Theorie über die für das Zustandekommen des Delikts relevanten Faktoren für viele Kollegen noch ungewohnt. Das GLM ist die deutlich jüngere Theorie. Hauptkritikpunkte sind die bisher schwachen Wirksamkeitsnachweise (wenige Studien mit geringen Stichprobenumfängen) und die nicht untersuchte Grundannahme, dass Straftäter die gleichen Bedürfnisse haben wie andere Menschen auch. (Franqué & Briken, 2013) Gleichwohl scheint das GLM dem Selbstverständnis der Sozialen Arbeit ungleich näher zu kommen als das RNR. Besonders der von vielen Bewährungshelfern primär wahrgenommenen Aufgabe der „verurteilten Person helfend und betreuende zur Seite“ zu stehen (§ 56 Abs. 3 Satz 1 StGB). Dies dürfte zumindest einer der Gründe dafür sein, dass das Modell sehr viel schneller in Deutschland bekannt wurde als es beim RNR der Fall war, wenngleich auch über das GLM nur wenig deutschsprachige Literatur existiert. Wobei auch der Eindruck entsteht, dass die Kenntnisse des Modells bei der breiten Masse der Kollegen noch fragmentarisch sind und häufig der Aspekt betont wird, mit den Bedürfnissen des Klienten zu arbeiten. Dabei wird übersehen, dass das GLM zunächst auch eine umfangreiche und strukturierte Erhebung und Einschätzung der Deliktentstehung vorsieht und dann die Klienten dazu anleiten will, in ihrer neuen practical identity alle primary goods anzustreben, mithin also sich um „vernachlässig- 4. RNR (Risk-Need-Responsivity) und GLM (Good Lives Modell) 115 te Güter zu kümmern, nach denen sie selbst kein Bedürfnis verspüren.“ (Franqué & Briken, 2013, S. 27) Bei genauerer Betrachtung arbeiten aber beide Modelle an und mit der Motivation des Klienten einerseits und an der Reduzierung seiner Rückfallwahrscheinlichkeit andererseits, wobei sie nur unterschiedliche Schwerpunkte setzen. Auch der Unterschied zwischen den central eight und den primary goods wurde schon als rein semantische Variante beschrieben (z.B. Looman & Abracen, 2013) Aus Sicht des Autors ist es jedenfalls abgesehen von der weiteren Forschungsarbeit der Entwickler die besonders beim GLM noch zu leisten ist, dringend erforderlich die vorgestellten Konzepte mit ihren theoretischen Fundierungen und vor allem konkreten Praxisanleitungen hierzulande weiter bekannt zu machen. Schon Kurt Lewin wusste: Es gibt nichts Praktischeres als eine gute Theorie. Wie aber können mir die dargestellten Theorien nun helfen, wenn ich morgen früh einem Klienten gegenübersitze? Um diese Frage beantworten zu können muss ich zunächst eine andere Frage stellen: Gilt für mich in meiner Arbeit mit meinen Klienten das Ziel, dass mein Handeln primär deren Rückfallrisiko senken soll? Nur wenn ich diese Frage mit ja beantworten kann, können diese Theorien hilfreich sein. Dann kann ich dort auf der Suche nach der „richtigen“ Vorgehensweise weitere Antworten auf folgende Fragen finden: • Welche dieser Theorien erscheint mir plausibler (Oder kenne ich eine weitere Theorie der Entstehung, Vorhersage und Behandlung von Kriminalität die ich erklären und meiner Arbeit zugrundelegen kann)? • Welche Fragen sind bei der Anamnese bzw. beim Kennen- und Verstehenlernen von Tat und Klient relevant und welche Schlüsse kann ich aus den Antworten ziehen? • Wie kann ich zielorientiert entscheiden wie intensiv ich mit einem Klienten arbeite ohne nach den Prinzipien „wer am lautesten schreit“ oder „mit wem ich am besten kann“ zu entscheiden? • Wie weiß ich, was tatsächlich hilft das Rückfallrisiko zu senken? • Was ist hilfreich bei der Wahl von Interventionszielen wenn der Klient keine Anliegen hat? • Welche Theorie hilft mir besser bei meiner Arbeit mit unfreiwilligen, oftmals reaktanten Klienten mein Ziel nicht aus den Augen zu verlieren? • Wie begründe ich mein Vorgehen gegenüber meinem Klienten? Ralf Kammerer 116 • Wie kann ich mich selbst der Richtigkeit meines Tuns versichern, wenn oft gerade die Klienten mit denen ich am intensivsten arbeite wieder rückfällig werden? Und schließlich: • Was kann ich davon jetzt schon tun und welche Voraussetzungen müssen noch geschaffen werden, damit ich entsprechend arbeiten kann? Ich selbst orientiere mich am RNR, wenngleich ich bisher noch nicht mit einem aktuarischen Risikoinstrument arbeite (die Validierung unseres Instruments läuft noch). Die bisher nur kriteriengeleitete Erhebung schützt aber schon vor bilden Flecken und hilft den Blick für das Wesentliche zu schärfen – das geht auch erfahrenen Kollegen so. Das Risikoprinzip erscheint bei besonders gefährlichen Klienten evident, es hilft mir aber auch bei der Entscheidung, Klienten die ich für ungefährlich halte mit geringer Intensität zu betreuen oder gar die Aufhebung der Unterstellung anzuregen. Das Bedarfsprinzip hilft sowohl bei Klienten mit sehr hohem Hilfebedarf Prioritäten zu setzen, als auch bei Klienten die selbst keinen Bedarf sehen dort Diskrepanzen zu erzeugen, wo ich Risikofaktoren sehe. Für besonders wichtig erachte ich Prinzip 11b – idealerweise jede Intervention sollte mit Ergebnissen der Erhebung begründet werden können. Dass das im Alltag nicht immer geht dürfte klar sein, es hilft aber den Fokus zu halten. Nicht zuletzt schafft das Handeln nach robusten Theorien (Selbst-)Sicherheit in der Diskussion mit anderen Berufsgruppen wie Richtern oder Therapeuten. Egal welche der Theorien Sie bevorzugen. Wichtig erscheint mir in der Arbeit mit oft selbst unstrukturierten Klienten eine klare Struktur zu haben, die einem auch in Zeiten hoher Arbeitsbelastung hilft zu wissen warum man was tut, auch wenn der Erfolg nicht immer sichtbar wird. Literatur Andrews, D, Bonta, J. (2006): The Psychology of Criminal Conduct (4th ed.) Southington: Anderson publishing Bonta, J. (2011): Donald Arthur Andrews 13 June, 1941–22 October, 2010. in: Psychology, Crime & Law, 17:1, S. 93–95, abgerufen am 28.08.18 unter https://ww w.tandfonline.com/doi/pdf/10.1080/1068316X.2011.539366 Bonta, J. & Andrews, D. (2017): The psychology of criminal conduct (6th ed.) New York: Routledge Franqué, F., Briken, P. (2013): Das “Good Lives Model” (GLM), ein kurzer Überblick. in. Forensiche Psychiatrie, Psychologie, Kriminologie (7): S. 22 – 27 5. 4. RNR (Risk-Need-Responsivity) und GLM (Good Lives Modell) 117 Göbbel, S., Ward, T., Willis, G. (2013): Die Rehabilitation von Straftätern, Das „Good-lives“-Modell. in: Forensiche Psychiatrie, Psychologie, Kriminologie (7): S. 122 -132 Looman, J. & Abracen J. (2013): The Risk Need responsivity Model of Offender Rehabilitation: Is there Really a Need For a Paradigm Shift? International Journal of behavioral consultation and therapy, Vol.8, No. 3–4, abgerufen am 20.10.18 unter https://www.researchgate.net/publication/277630411_The_Risk_ Need_Responsivity_Model_of_Offender_Rehabilitation_Is_There_Really_a_Ne ed_For_a_Paradigm_Shift Mayer, K. (2009): Psychologie des kriminellen Verhaltens, in: Mayer, K., Schildknecht, H.: Dissozialität, Delinquenz, Kriminalität, Zürich: Schulthess Juristische Medien AG Ward, T., Stewart, C. (2003): Criminogenic needs and human needs: A theoretical model in Psychology Crime and Law, 9:2, S. 125 – 143, abgerufen am 20.08.18 unter https://www.researchgate.net/publication/247500442_Criminogenic_need s_and_human_needs_A_theoretical_model Ziv, Ronen (2018): The future of correctional rehabilitation – Moving beyond the RNR Model und Good Lives Model Debate, New York: Routledge Ralf Kammerer 118

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References

Zusammenfassung

In Folge der weltweiten Corona-Krise gewinnen die Vorschläge zu einem „Systemischen Wandel“ auch in der Kriminal-, Justiz- und Sozialpolitik neue Bedeutung.

Dieser Band informiert über Masterpläne und Agenden der strategischen Steuerung von Innovationen in allen Arbeitsfeldern der Resozialisierung in einem Verbund von öffentlichen und privaten Trägern. In Österreich, der Schweiz und in Deutschland gibt es dazu konkrete Vorschläge von Fach- und Führungskräften und Experten der lokalen und nationalen Ebene, dies gilt auch für die internationale und europäische Dimension. Innovative Projekte weisen gesteigerte Wirksamkeit und Nachhaltigkeit von Gesamtkonzepten der ambulanten und stationären Resozialisierung nach.

Maelicke und Wein fordern im Übergang in eine Zeitenwende eine „Große Transformation“ und plädieren für einen nachhaltigen und wirkungsorientierten Umgang mit Tätern und Opfern.