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Michael Haas, 16. Resozialisierung – Medien- und Öffentlichkeitsarbeit in:

Bernd Maelicke, Christopher Wein (Ed.)

Resozialisierung und Systemischer Wandel, page 267 - 296

1. Edition 2020, ISBN print: 978-3-8487-6719-9, ISBN online: 978-3-7489-0841-8, https://doi.org/10.5771/9783748908418-267

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C. Resozialisierung und Öffentlichkeit Resozialisierung – Medien- und Öffentlichkeitsarbeit1 Michael Haas Einleitung „Jeder glaubt nur das, worauf ihn der Zufall gebracht hat.“ (Empedokles von Akragas) Die kontinuierliche Professionalisierung Sozialer Arbeit wird von zahlreichen Sozialwissenschaftlern postuliert und als entscheidend begriffen – auch im Kontext der Bewährungshilfe und weiterer, komplementärer Maßnahmen, die den Resozialisierungsprozess Straffälliger unterstützen; die Notwendigkeit einer professionellen Außendarstellung ihrer Tätigkeit wird hingegen – ungeachtet einer explosiv expandierenden Digitalisierung der Medienwelt – von vielen Bewährungshilfeorganisationen nach wie vor eher als sekundär oder verzichtbar begriffen, was sich ua darin dokumentiert, dass zur Medien- und Öffentlichkeitsarbeit in der Bewährungs- und Straffälligenhilfe kaum Literatur existiert, noch fundierte Erfahrungsberichte vorliegen. Es scheint, als dominiere in diesem Bereich der Sozialarbeit bisweilen noch ein Klima latenter Vorbehalte gegen professionelle, ausreichend finanzierte Medien- und Öffentlichkeitsarbeit,2 die im schlimmsten Falle, selbst von Juristen, als Zulieferer für Medien und Journalisten begriffen wird, die, so der Tenor, ihre Berichterstattung über Kriminalität und Straftäter primär an marktwirtschaftlichen Kriterien orientierten: 16. 1. 1 S. gleichnamiger Aufsatz, Haas, Michael (2018): Resozialisierung, Medien- und Öffentlichkeitsarbeit. In: Cornel, Heinz; Kawamura-Reindl, Gabriele; Sonnen, Bernd- Rüdeger (Hrsg.): Resozialisierung Handbuch. 4., vollständig überarbeitete und aktualisierte Auflage. Baden-Baden: Nomos, S. 591–612. 2 So ergab zB eine Mitarbeiterbefragung der bis Ende 2016 mit der Bewährungs- und Gerichtshilfe Baden-Württembergs betrauten Neustart gGmbH aus dem Jahr 2013 – an der 318 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auf anonymer Basis teilgenommen haben –, dass nur 52 % der Mitarbeiter ohne Führungsfunktion der Überzeugung waren, der öffentliche Auftritt des Unternehmens mache den Sinn ihrer Arbeit erkennbar; bei Mitarbeitern mit Führungsfunktion waren es immerhin 80 Prozent, die dem öffentlichen Auftritt des Unternehmens diese Qualität zusprachen. 269 Die mediale Kriminalität, dh die Darstellung von Medien, hat nur entfernt mit der Wirklichkeit zu tun. Sie ist ein eigenes Konstrukt, geleitet von eigenen Interessen und gestaltet durch besondere Methoden. Kriminalitätsberichterstattung ist orientiert an Marktwirtschaft und Konkurrenz; Auflagenstärke und Einschaltquote bestimmen darüber, was gedruckt und gesendet wird und insbesondere auch, wie das geschieht.3 Kategorische Skepsis gegenüber Medien und Journalisten wird zunehmend salonfähig, selbst in vermeintlich seriösen Kreisen, die teilweise mit heftigen Polemiken und Kampfparolen die Integrität eines ganzen Berufstands infrage stellen. Bereits 2014 wurde das Wort Lügenpresse – eine Diffamierungsparole protestantischer und katholischer Publizistik des 17. Jh., die unter den Nationalsozialisten eine unrühmliche Renaissance erlebte – zum Unwort des Jahres gewählt.4 „Die deutsche Presse wird gezielt diskreditiert“,5 formuliert Ulrich Wickert, langjähriger Moderator der Tagesthemen, in einem Interview mit der Wirtschaftswoche Anfang 2016, einen Verdacht, der sich nach einer langen Phase ständig wiederholter Denunziationen und Hetzkampagnen rechtspopulistischer Aktivisten und Politiker gegen Medienschaffende aufdrängt. Die Pauschalverdächtigungen gegen Journalisten provozieren auch Skepsis gegenüber jenen, die mit Journalisten kooperieren und Zeit und Geld darauf verwenden, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit professionell zu gestalten. In logischer Konsequenz sollte das zentrale Augenmerk bei Geschäftsführern resp. Pressesprechern von NPOs (= Non-Profit-Organisationen), die sich Straffälligen widmen, auch darauf liegen, die Vorteile seriöser Medienarbeit für die betreute Klientel und den eigenen Berufsstand unternehmensintern zu vermitteln. Erst, wenn organisationsintern mehrheitlich Konsens darüber herrscht, dass Medienproduk-tionen oder auch Marketing- und Akquiseinitiativen maßgeblich dazu beitragen, die gesellschaftlichen Vorteile kriminalitätspräventiver Maßnahmen vielen Menschen nahezubringen und der Stigma- 3 Löhr 2009, S. 585; vgl. auch ebd, S. 592 und S. 594: „Medien und Resozialisierung – die (…) Widersprüche in den bewirkten bzw. erwünschten Ergebnissen im Umgang mit straffällig gewordenen Menschen, die Gegensätze in dem dabei zugrundeliegenden Menschenbild und der verfolgten Interessenlage sind groß und scheinen unüberbrückbar.“ 4 Vgl. Pressemitteilung der institutionell unabhängigen Sprachkritischen Aktion „Unwort des Jahres“ (2015). 5 Nowroth 2016, o. S. Michael Haas 270 tisierung von Straffälligen entgegenzuwirken, wird auch Bereitschaft entstehen, unbegründete Vorbehalte oder unspezifische Ressentiments gegen- über Journalisten aufzugeben: Generell steht neben den wichtigen Zielen der Motivation von Mitarbeitenden und deren Einbeziehung in die Entscheidungsfindung, um die Identifikation mit den Zielen, Strategien und Umsetzungsaktivitäten der Organisation zu intensivieren, der wechselseitige Wissenstransfer (…) im Blickfeld eines internen Kommunikationskonzeptes.6 Mitarbeiter, die in Medienproduktionen involviert werden und dabei erkennen, welche Bedeutung ihrer Fachkompetenz zukommt, werden weit eher bereit sein, die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit ihres Unternehmens als sinnvoll zu begreifen: „Pressearbeit wird dann seltener als Luxus in guten Zeiten intern diskreditiert oder als Feuerwehr für schlechte Zeiten, die ansonsten jeder machen kann, der sprechen und schreiben kann.“7 Eigen- und Fremdrezeption einer diskreten Profession Soziale Arbeit, so auch jene, die sich auf die Resozialisierung Straffälliger konzentriert, ist eine, zumindest in Deutschland, traditionell eher diskrete Profession. Ihre gesellschaftliche Relevanz wird selten erkannt und angemessen gewürdigt, ua deswegen, weil sie in der öffentlichen Rezeption – exklusive begrenzter Fachzirkel und Expertengremien – kaum in Erscheinung tritt; im gesellschaftlichen Diskurs wird die Aufgabe und Funktion des Sozialarbeiters meist nur dann thematisiert, wenn akute Notstände, Mangel- und Krisensituationen auftreten, wie sie zB bei der Betreuung von Flüchtlingen aus dem Nahen Osten entstehen. Die Bereitschaft in weiten Teilen unserer Gesellschaft, der sprechenden Sozialarbeit (zB Bewährungshilfe, Mediation) großen Einfluss und nachhaltige und damit messbare Wirkung zu konzedieren, ist eher verhalten ausgeprägt; wie die sprechende Medizin (zB Psychotherapie / -analyse) konzentriert sich die sprechende Sozialarbeit primär darauf, auf Grundlage diskursiver Motivation positive Veränderungen freizusetzen, die jedoch nur selten zu schnell sichtbaren Ergebnissen führen. Weit leichter lässt sich Verständnis, Begeisterung und Empathie für jene Form Sozialer Arbeit erreichen, 2. 6 Eschenbach et al. 2015, S. 258. 7 Falkenberg 2008, S. 42. 16. Resozialisierung – Medien- und Öffentlichkeitsarbeit 271 die unmittelbar auf Konkretes, mit evidentem Ergebnis, verweisen kann, so zB Sozialarbeit im Entwicklungs- oder Katastrophendienst. Umso entscheidender ist es, den Zielen, Intentionen und Wirkungen Sozialer Arbeit mit Straffälligen Publizität zu verleihen – mit professioneller Öffentlichkeitsarbeit und idealerweise unter Mitwirkung jener Personen, die sich der Resozialisierung Straffälliger widmen und die Implikationen dieser Arbeit aus eigener Praxis kennen. Opferschutzorganisationen mit geringem Budget, doch hohem gesellschaftlichen Prestige, haben längst erfasst, wie entscheidend Presse- und Öffentlichkeitsarbeit ihrem Anliegen dient, a) für die Situation ihrer Klientel zu werben und b) ihre Lobbyarbeit in allen Bereichen der Gesellschaft zu intensivieren; im Rekurs auf namhafte Personen und Galionsfiguren des öffentlichen Lebens, wie zB Dieter Kürten, Ulrike Folkerts, Til Schweiger oder Götz George,8 und durch öffentlichkeitswirksame Positionierungen im kriminalpolitischen Diskurs9 findet zB der Weisse Ring immer wieder ein gro- ßes und positives Medienecho auf seine Opferschutzinitiativen, die deutschlandweit Anerkennung und Unterstützung erhalten. Der potenzielle Einwand, Opferbelange fänden in der Öffentlichkeit grundsätzlich mehr Resonanz als Täter-Schicksale und -Biographien ist jedoch unbegründet, wie ua die Erfahrungen in Baden-Württemberg belegen, wo von 2007 bis 2016 ein freier Träger – die Neustart gGmbH – mit der Organisation von Bewährungs- und Gerichtshilfe betraut gewesen ist; in dieser Zeit wurde auch ein Ressort für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit geschaffen. Schon 2008, im ersten Jahr nach der Übertragung in freie Trägerschaft, konnten circa 100 Medien-Beiträge zu Resozialisierungsthemen publiziert werden; 2014 waren es bereits über 560 Beiträge, die in allen Mediengenres – TV, Hörfunk, Print, Online – über Themen, Fragen und gesellschaftliche Implikationen der Resozialisierung berichtet haben.10 8 Eine komplette Übersicht prominenter Unterstützer des Weissen Rings findet sich unter: www.weisser-ring.de/internet/kampagnen/prominente-unterstuetzer/i ndex.html (Abruf: 30.3.2016). 9 So setzte der Weisse Ring mit seiner Plakatkampagne „Stummer Zeuge. Gegen Gewalt an Kindern: Brechen Sie Ihr Schweigen“ vom 23.12.2014 bis zum 18.1.2015 in vielen deutschen Großstädten mit City-Light-Postern ein Zeichen gegen Gewalt an Kindern (vgl. www.weisser-ring.de/stummerzeuge/index.html, Abruf: 9.4.2016). 10 Die Zahlen gehen auf die Auswertungen des von Neustart beauftragten Medienbeobachtungsdienstes zurück. Michael Haas 272 Selbst große ARD- und ZDF-Reportagen, die teilweise Millionen Zuschauer erreichten, konnten auf diesem Wege verwirklicht werden, und das nahezu ausnahmslos mit haupt- und ehrenamtlichen Bewährungshelferinnen, die darüber berichtet haben, wie sich der Resozialisierungsprozess ihrer Klienten positiv gestalten lässt; dabei konnten sie oft bemühte Klischees zu Straffälligen – wie zB dauerhaft subversives Verhalten, Latenz zu Aggression und Gewalt, Veränderungsresistenz und grundsätzliche Negation bürgerlicher Werte, Normen und Konventionen – durch exemplarische Fallgeschichten konterkarieren oder zumindest teilweise korrigieren. Exemplarische Fallgeschichten Je besser und eindrucksvoller an exemplarischen Fallgeschichten dargestellt werden kann, dass Straffälligkeit kein lebenslanges Phänomen und unumkehrbares ‚Narrativ‘ darstellen muss, desto mehr wächst die Bereitschaft der Öffentlichkeit, von Stigmatisierungen Abstand zu nehmen und Resozialisierung als ernst zu nehmende Maßnahme öffentlichen Interesses zu bewerten; insbesondere zunehmend populärer werdende, wenn auch gehaltlose Forderungen, die bestehende Sanktionspraxis zu verschärfen („Warum bei Jugendlichen oft nur Knast wirkt“)11 und beispielsweise junge Straftäter als „Jung, brutal und unbelehrbar“12 zu brandmarken, fordern eine dezidierte öffentliche Positionierung und faktenbasierte Gegendarstellung. Die Überzeugung, es sei entbehrlich oder gar überflüssig, den Nachweis anzutreten, dass Resozialisierungsmaßnahmen tatsächlich – und orientiert an validen, objektivierbaren Erfolgsfaktoren, so zB einer größer werdenden Erfolgsquote13 in der Bewährungshilfe – dem gesellschaftlichen Frieden dienen, droht die Zielsetzung und Wirkung der Sozialarbeit vieler NPOs zu marginalisieren, die Straffälligen Zukunftsperspektiven erschlie- ßen wollen. Darauf zu verzichten, die Wesentlichkeit und messbare Wirksamkeit sozialkonstruktiver Maßnahmen öffentlichkeitswirksam publik und damit in allen Gesellschaftsschichten erfahrbar zu machen, bedeutet implizit, jenen 2.1 11 Werner 2013, o. S. 12 Braunheim 2012, o. S. 13 So wurde zB die am 3.5.2013 lancierte, knapp bemessene Pressemitteilung „Bewährungshilfe Baden-Württemberg – bundesweit höchste Erfolgsquote“ (vgl. Neustart gGmbH 2013b) in zahlreichen Medien, so auch in den Landesnachrichten des SWR Fernsehens, aufgegriffen. 16. Resozialisierung – Medien- und Öffentlichkeitsarbeit 273 das Feld zu überlassen, die sich heute insbesondere sozialer Medien bedienen, um ihre reaktionären Standpunkte populär zu machen. Erfolg, Renommee, Reputation Große NPOs wie zB die Kindernothilfe, aber auch kleine Vereine oder Stiftungen, finanzieren ihre Leistungen oft zu großen Teilen über Drittmittel oder – indirekt – durch das Engagement ehrenamtlicher Mitarbeiter: Beides, Gelder und Ehrenamtliche, müssen akquiriert werden, und der Erfolg von Akquiseinitiativen korrespondiert maßgeblich mit dem Bekanntheitsgrad, Renommee und der Reputation einer Organisation. [E]mpirische Studien [zeigen; MH] einen Zusammenhang zwischen der Reputation eines Hilfswerks und dem Spendenverhalten seiner Unterstützer. Die Wirkung von Reputation lässt sich theoretisch begründen und anhand einzelner empirischer Ergebnisse untermauern.14 Ungeachtet der Tatsache, dass weite Teile der bürgerlichen Gesellschaft für einen sozialkonstruktiven Umgang mit Straffälligen plädieren und die Bewährungshilfe als sinnvoll erachten,15 werden Resozialisierungsmaßnahmen dennoch nicht immer als angemessen erlebt; auch die Legitimität und Sinnhaftigkeit der bestehenden Sanktionspraxis wird kaum hinterfragt. Allein der Umstand, dass nur selten bekannt ist, welche enormen Kosten der Strafvollzug provoziert, derweil die Bewährungshilfe ungleich geringere Kosten verursacht, lässt erkennen, dass oft Emotionen, nicht Fakten, den öffentlichen Diskurs über Straffälligkeit dominieren. Von etwa 44 000 Gefangenen bundesweit sitzen allein 4000 Ersatzfreiheitsstrafen ab, weil sie Geldstrafen nicht bezahlen können. Da geht es 2.2 14 Schultz 2015, S. 110f. 15 In einer von Neustart 2013 bei der in Heidelberger GIM (Gesellschaft für innovative Marktforschung) in Auftrag gegebenen Studie wurde, auf Basis von Online- Befragungen, ermittelt, dass über die Hälfte der Befragten Bewährungshilfe für allgemein sinnvoll hält (57 %). Ziel der Studie war es ua, in Erfahrung zu bringen, ob und in welchem Umfang die Resozialisierung Straffälliger in der Öffentlichkeit als sinnvoll bewertet wird (Stichprobengröße: N=1050 Befragte; Zielgruppe: Personen im Alter von 20–65 Jahren, die in Baden-Württemberg leben; bevölkerungsrepräsentativ nach Alter und Geschlecht). Eine reduzierte Darstellung der Befragungsergebnisse, die bislang nicht öffentlich abzurufen sind, wurde mit einer Pressemitteilung via ots am 8.8.2013 publik gemacht (vgl. Neustart gGmbH 2013a). Michael Haas 274 um Schwarzfahren, Fahren ohne Führerschein, kleinere Körperverletzungen oder Diebstähle. Das trifft nur Arme. Wer bis dahin noch nicht im völligen sozialen Abseits lebt, kommt im Gefängnis in entsprechende Kreise. Wer vorher keinen Kontakt mit Drogen hatte, wird ihn dort haben. Der Schaden, den wir damit anrichten, kostet den Steuerzahler pro Inhaftierten 40 000 Euro jährlich.16 Thomas Galli, Leiter der sächsischen Justizvollzugsanstalt Zeithain, resümiert hier in einem Spiegel-Gespräch wesentliche Faktoren, die es, bei nüchterner Betrachtung, nahelegten, im Interesse des Straftäters und der Gesellschaft, weit seltener mit Freiheitsentzug zu sanktionieren, „aber“, so Galli, „wir sind so fixiert aufs Strafen, dass uns das egal ist“.17 Der latente Verdacht, Straftäter würden kaum sanktioniert oder für ihre kriminellen Handlungen gar belohnt, da sie auf staatliche Unterstützung vertrauen dürften, ist, objektiv besehen, unbegründet, wird aber immer wieder in den Medien, aufgegriffen und debattiert; bei der Berichterstattung von NPOs, die über Möglichkeiten – Sinn, Zweck und Erfolg – ambulanter Resozialisierungsmaßnahmen informieren möchten, sollte dieser kritische Aspekt eigeninitiativ aufgegriffen und als Gelegenheit zur Korrektur unbegründeter Vorbehalte genutzt werden: sachlich, faktenbasiert und ohne drastische Kritik an Personen und Gruppierungen zu üben, die eine andere Meinung vertreten – insbesondere dann, wenn sehr sensible Themen, so zB der adäquate Umgang mit schweren Gewalt- und Sexualstraftätern, Gegenstand der öffentlichen oder politischen Diskussion sind. Krisenszenarien und Krisen PR Das mediale Interesse für Straffällige ist groß, wenn auch zumeist auf bestimmte Themenkomplexe reduziert;18 insbesondere Krisenszenarien, so zB gravierende Rückfälle wie Tötungs- oder Sexualdelikte, ziehen zahlreiche, teilweise polarisierende Medienbeiträge nach sich. Oft wird bei akuten Vorfällen in der öffentlichen Diskussion der induktive Rückschluss ge- 2.3 16 Lakotta 2016, S. 46f. 17 Ebd, S. 48. 18 Die nachfolgenden Themenkomplexe fanden – im Kontext der Bewährungshilfe Baden-Württembergs – bei den Medien in den Jahren 2007 bis 2016 besonderes Interesse: a) Ehrenamtliche Bewährungshilfe; b) Bewährungshelfer mit besonderen Aufgaben; c) Jugendkriminalität; d) Sexualstraftäter; e) Migranten und Straffälligkeit; f.) Privatisierung der Bewährungshilfe; g) Täter-Opfer-Ausgleich; h) Frauen in der Bewährungshilfe. 16. Resozialisierung – Medien- und Öffentlichkeitsarbeit 275 zogen, Resozialisierungsmaßnahmen zeigten, unabhängig von der Person des Straftäters und der spezifischen Situation und Konditionen seiner Straftat, wenig oder keine Wirkung. Die positiven Ergebnisse von Resozialisierungsmaßnahmen bei einer Großzahl verurteilter Straftäter drohen dabei vergessen zu werden.19 Die Bedeutung professioneller Unternehmenskommunikation in Krisensituationen, nicht zuletzt für den Auftrag- und Geldgeber von Resozialisierungsaufgaben, wird umso offensichtlicher, je größer die Gefahr zu werden droht, einen irreversiblen Schaden seines Ansehens zu erleiden. So wurde zB eine eskalierende Schlägerei unter Jugendlichen in der JVA Adelsberg am 9.3.2014, wenig später gefolgt von dem Hungertod eines Häftlings in der JVA Bruchsal am 9.8.2014, zur großen Belastung für Rainer Stickelberger (SPD), den vormaligen Justizminister Baden-Württembergs. Eine Befragung vor dem Ständigen Ausschuss des Baden-Württembergischen Landtags zu den Vorfällen und wiederholte Rücktrittsforderungen der Opposition provozierten ein erhebliches Medienecho,20 das den Minister in Bedrängnis brachte und seine Reputation erheblich gefährdete:21 Insbesondere im Kontext solcher Ereignisse dokumentiert sich die Bedeutung einer professionellen Pressestelle, die exponierte Repräsentanten der Justiz resp. der Justizsozialdienste dabei unterstützt, den richtigen – den angemessenen Gestus und Duktus zu finden, um sowohl auf der Sachals auch Gefühlsebene vertrauensbildend zu wirken; auch Bewährungshelfer wurden teilweise durch die öffentliche Berichterstattung über ihre Klienten in Bedrängnis gebracht, so zB bei der Betreuung von Sexualstraftätern, deren rückwirkende Sicherungsverwahrung durch den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte für rechtswidrig erklärt wurde. Ein Bewährungshelfer, der damit betraut war, 2010 in Freiburg einen der Männer zu betreuen, die – flankiert von zahlreichen Reportern und Fotografen der Boulevard-Medien – aus der Sicherungsverwahrung entlassen wurden, sah sich nahezu außerstande, eine sozialkonstruktive Betreuung seines Klienten sicherzustellen. Die 24-Stunden-Observation durch die Polizei – potenziert durch ständige Medienpräsenz – beließen ihm kaum Spielraum, mehr zu tun, als die 19 So hat sich zB in Baden-Württemberg, nach Angabe der Neustart gGmbH, die Anzahl widerrufener Bewährungshilfeunterstellungen binnen weniger Jahre erheblich reduziert; vgl. Neustart gGmbH 2014. 20 Vgl. dpa 2014a, o. S.; dpa 2014b, o. S; SWR Fernsehen, Landesschau aktuell, 30.4.2015. 21 Vgl. Soldt 2014, o. S. Michael Haas 276 Auflagen und Weisungen des Gerichts zu überwachen.22 Obgleich die Anzahl jener Bewährungshilfeklienten, die als extrem rückfallgefährdete Sexualstraftäter betrachtet werden, ausgesprochen gering ist, entstand in der Öffentlichkeit das Bild, die Gefährdung für die Bevölkerung Freiburgs habe durch die Präsenz weniger, zudem dauerüberwachter Haftentlassener erheblich zugenommen. Die Bewährungshilfe drohte dabei den Anschein zu erwecken, sie habe eine der Polizei nachgeordnete Funktion, die wenig zur Rückfallprävention beitrage. Nicht zuletzt in solchen Situationen zählt es zu den originären Aufgaben einer Bewährungshilfeorganisation, die Öffentlichkeit über Ursachen von Straffälligkeit und damit verbundene Lösungsmöglichkeiten – abseits populistischer Forderungen – zu informieren. Veranstaltungen, Publikationen, Medienbeiträge Professionelle Krisen-PR ist jedoch nur ein – wenn auch entscheidendes – Element der Medien- und Öffentlichkeitsarbeit von Organisationen, die Straffällige betreuen. Grundsätzlich sollten weniger reaktive Verfahren, als vielmehr eigenständig initiierte Veranstaltungen, Publikationen und Medienbeiträge Priorität besitzen, die der Profession von Bewährungshelfern, Gerichtshelfern und Mediatoren Renommee in Gesellschaft und Politik verleihen. Entgegen der Überzeugung, die Öffentlichkeit habe eine ausreichende Kenntnis darüber, worauf sich Bewährungshilfe konzentriert, ist kaum davon auszugehen, dass die Mehrzahl der Bürger weiß, was Bewährungshilfe tatsächlich leistet und welche Mechanismen wirksam werden, wenn Straffällige Unterstützung von Bewährungshelfern erhalten.23 Nicht minder wesentlich ist der Beitrag gezielter Public Relations für die Akquise Ehrenamtlicher oder dringend benötigter Drittmittel. Ohne professionelle Medien- und Öffentlichkeitsarbeit wären zB die Akquiseerfolge der Neustart gGmbH in den Jahren 2007–2014 illusorisch geblieben, da ein Großteil der Ende 2016 fast 650 ehrenamtlichen Bewährungshelfer Baden-Württembergs über lancierte Medienbeiträge, aber auch Plakatresp. Akquiseaktionen gewonnen wurden; so konnten zB 2013 mit einer 2.4 22 Vgl. Kornmeier 2013, o. S. 23 Anders lässt es sich kaum erklären, dass den meisten Befragten der bereits in Kapitel 16.2.2 zitierten GIM-Studie (s. FN 15) spontan überhaupt keine Organisationen einfallen, die sich um den Themenkomplex „Hilfe zur Selbsthilfe“ oder „Resozialisierungsmaßnahmen“ kümmern. 16. Resozialisierung – Medien- und Öffentlichkeitsarbeit 277 landesweiten Werbekampagne24 über 80 neue Interessenten für die ehrenamtliche Bewährungshilfe Baden-Württembergs gewonnen werden. Unternehmensimage Eine Organisation bei ihren wichtigen Bezugs- resp. Anspruchsgruppen bekannt zu machen und, parallel hierzu, ein starkes Vorstellungsbild (Image) ihrer Persönlichkeit – ihrer unverwechselbaren Charakteristik – aufzubauen, ist eine anspruchsvolle, oft Jahre währende Arbeit, die nicht allein Kontinuität und Ausdauer, sondern auch Realitätssinn verlangt: Eine positive Wahrnehmung bei den Stakeholdern muss hart erarbeitet werden und fliegt einer Organisation nicht von selbst zu. Es gilt, einen einzigartigen Außenauftritt zu schaffen, sich permanent mit den wichtigsten Konkurrenten zu messen (Benchmark) und an den Werten festzuhalten, die neben einer effizienten Wertschöpfung auch für ein gewünschtes Bild in der Öffentlichkeit sorgen. (…). Die Unternehmen, die in unserer Gesellschaft über die beste Reputation verfügen, übertrumpfen die Konkurrenz in Sachen Prestige, Status (…), weil es ihnen gelingt, eine gewisse Einzigartigkeit zu entwickeln und erfolgreich zu etablieren.25 Viele gemeinnützige Organisationen reklamieren einen Ausnahmestatus – ein ethisches Alleinstellungsmerkmal –, bleiben jedoch den Nachweis schuldig, wodurch sich dieser begründet. Die Latenz von Management und Belegschaft im Non-Profit-Bereich, von Fakten zu ab-strahieren und keine Differenzierung zwischen a) theoretischen Zielsetzungen/ postulierter Unternehmenscharakteristik (Corporate Identity) und b) objektivierbaren Erfolgen/ öffentlicher Unternehmensrezeption (Image) 3. 24 Unter dem Motto „Dem Leben Farbe geben. Besser als Schwarzmalerei“ wurden in Baden-Württemberg von Mai bis November 2013 mit Plakaten im öffentlichen Nahverkehr, in Rathäusern und anderen öffentlichen Gebäuden geworben; parallel dazu wurden mit Pick-up-Karten in Lokalen aber auch Magazinanzeigen Ehrenamtliche akquiriert. Schlusspunkt der Initiative bildete eine Großveranstaltung zur ehrenamtlichen Bewährungshilfe am 9.11.2013, an der über 250 geladene Gäste, darunter auch renommierte Repräsentanten aus Politik und Wissenschaft, teilgenommen haben. 25 Hüttl 2005, S. 88. Michael Haas 278 vorzunehmen, ist oft vorhanden: Eine gefährliche Latenz, die dazu verleiten kann, fiktive Ergebnisse mit der sozialen Realität zu identifizieren und darüber zu vergessen, wie eine Organisation bei internen und externen Anspruchsgruppen (= Stakeholdern) tatsächlich wahrgenommen und bewertet wird. Die Differenz von Fremd- und Selbstbild a) zu erkennen und b) im zweiten Schritt idealerweise zu nivellieren oder zumindest bestmöglich zu reduzieren, zählt zu den schwersten Aufgaben eines Unternehmens, das Interesse daran besitzt, seine Unternehmenskultur, seine Leistungen und die öffentliche Erwartungshaltung in Einklang zu bringen. „Die Assoziationen der Stakeholder stellen bei der Ermittlung eines Unternehmensimages die zentrale Bezugsquelle dar“,26 dh ohne turnusweise Befragungen aller unternehmensrelevanter Anspruchsgruppen lässt sich wenig darüber sagen oder gar feststellen, in welchem Grad eine Organisation ihrer Satzung und ihrem Leitbild mehr als nur dem Namen nach gerecht wird. Unternehmenskommunikation Unternehmenskommunikation umschließt neben professioneller Medienund Öffentlichkeitsarbeit auch die Konzeption und Umsetzung von Maßnahmen, die sich dem unternehmensinternen Dialog widmen (zB Mitarbeiternewsletter und -veranstaltungen), um sicherzustellen, dass alle Mitarbeiter, ungeachtet ihrer Funktion und hierarchischen Position, • in die Entwicklung des Unternehmens involviert werden und • die Möglichkeit erhalten, Innovationen anzuregen, Entscheidungen, Neuerungen oder Änderungen, die ihren Arbeitsbereich betreffen, a) zu kommentieren und b) zu bewerten, wozu insbesondere Online-Foren geeignet sind. Mitarbeiterpartizipation zählt zu den grundlegenden Elementen bei der Entwicklung einer tragfähigen Corporate Identity, die sich auch in einem homogenen Unternehmensauftritt (Corporate Design) reflektiert (Website, Publikationen, Vorlagen ua). Verbindliche Standards, Regelungen, Richtlinien und Prozesse in der Unternehmenskommunikation können ggf. hilfreich sein, um dem Anliegen einer NPO, sich als Einheit zu präsentieren, gerecht zu werden. Wann 4. 26 Ebd, S. 71. 16. Resozialisierung – Medien- und Öffentlichkeitsarbeit 279 immer widersprüchliche Meinungen eines Unternehmens zu wesentlichen Fragestellungen kursieren, leidet darunter auch das Niveau seiner Dienstleistungen und damit der Kunde; transponiert auf die Bewährungshilfe wäre der Leidtragende einer,disparaten‘ Informationspolitik eben jene Klientel, dem die Organisation ihre Existenz und Legitimität verdankt. Zielebenen der Unternehmenskommunikation Kommunikationsziele sind schnell definiert – und noch schneller wieder revidiert und verworfen. Umso entscheidender ist es, bei der Planung von Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, eine klare Trennung von übergeordneten Unternehmenszielen – wie Unternehmenszweck, Unternehmensidentität und -leitbild – und subordinierten, kurzfristigeren Zielen vorzunehmen, die Geschäftsfeldern und Funktionsbereichen und damit eher praxisnahen resp. ökonomischen Interessen verpflichtet sind. Ein Unternehmen, dessen ausschließlicher Unternehmenszweck zB die Hilfe für junge Straffällige bei der Wohnungs- und Arbeitssuche ist, wird schwerlich allein mit dem Hinweis auf sein humanistisches Weltbild und altruistisches Ethos ausreichend Gelder akquirieren, um seine Arbeitsplätze und damit den Fortbestand seiner Dienstleistungen langfristig zu finanzieren. Selbst unter der Prämisse staatlicher Teil- oder gar Komplettfinanzierung wird es immer versuchen, durch die Qualität und Effizienz seiner Dienstleistungen und Mitarbeiter zu überzeugen; maßgeblich dafür, ob der ideelle Unternehmenszweck ein ökonomisches Fundament erhält, das überdauert, sind neben einem fähigen, glaubwürdigen Management nahezu ausnahmslos das Engagement und die Kompetenzen aller Mitarbeiter. Die Korrelation von a) Ethos – ideeller Grundausrichtung, b) Qualität/Effizienz – angebotener/erbrachter Dienstleistungen und c) Ökonomie – konkurrenzfähiges Angebot/Gewinnmargen zu erkennen und, im Interesse des Unternehmens, zu nützen, bedingt die Berücksichtigung und Harmonisierung zahlreicher Faktoren von Relevanz; in diesem Spannungsverhältnis kommt der Unternehmenskommunikation die Aufgabe zu, die Vorteile einer Organisation – ihres Portfolios und ihrer Mitarbeiter – kenntlich zu machen und das glaubhaft, wirkungsmächtig und im Einklang mit ihren ideellen wie ökonomischen Zielsetzungen. Für den Sozialarbeiter, der die angebotene Dienstleistung in der Praxis verrichtet und als Bewährungshelfer oder Mediator dazu beiträgt, den Re- 4.1 Michael Haas 280 sozialisierungsprozess seines Klienten konstruktiv zu gestalten, mag es unerheblich erscheinen, ob seine Arbeit beworben wird. Er wird sogar ggf. der Überzeugung sein, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit sei für den sozialen Arbeitsbereich verzichtbar. Er wird jedoch dabei uU vergessen, dass die derzeitige Attraktivität seines Berufsstands auf dem Arbeitsmarkt nichts darüber aussagt, wie attraktiv sich die Konditionen seiner Arbeitsstelle in Zeiten knapper öffentlicher Mittel gestalten werden. Es scheint demnach auch im Interesse des Bewährungshelfers selbst zu liegen, öffentlichkeitswirksam daran zu erinnern, was Soziale Arbeit im Bereich der Justiz für das Gemeinwesen leistet. Kommunikationsziele definieren und priorisieren Die Unternehmenskommunikation im Bereich der Resozialisierung konzentriert sich auf einige Zielsetzungen, die – abhängig von Aufgabenspektrum und Portfolio der jeweiligen Organisation – besondere Berücksichtigung verdienen. Einen repräsentativen Überblick potenzieller Zielsetzungen für Bewährungshilfeorganisationen bietet die nachfolgende Liste: • Überzeugung der Öffentlichkeit vom Nutzen der jeweiligen Resozialisierungsmaßnahme für die Rechtssicherheit (Opfer, Täter und Gesellschaft) • Popularisierung des gesellschaftlichen Auftrags der Organisation, ihres Dienstleistungsmodells und den damit verbundenen Zielsetzungen und Wertvorstellungen • Öffentlichkeitswirksame Positionierung der Organisation als Expertenorganisation für innovative und wirksame Resozialisierungskonzepte • Reputationsgewinn im Kontext bestehender und potenzieller Kooperationen mit Organisationen, die für die Bewährungs- und Straffälligenhilfe von Relevanz sind • Konzeption und Umsetzung von Maßnahmen, die sich dem unternehmensinternen Dialog widmen (Involvierung der Mitarbeiter in die Entwicklung des Unternehmens) • Akquise geeigneter Ehrenamtskandidaten, potenzieller Sponsoren, Galionsfiguren und politisch relevanter/versierter Lobbyisten • Professionelle Krisen-PR im Kontext problematischer Ereignisse von großem öffentlichen Interesse (zB gravierende Rückfälle, Tötungs- oder Sexualdelikte) • Meinungsbildung im kriminalpolitischen Diskurs 4.2 16. Resozialisierung – Medien- und Öffentlichkeitsarbeit 281 • Die Entwicklung einer die Anspruchsgruppen unterstützenden Kommunikationspolitik (Lobbyarbeit) • Die turnusweise Ermittlung der Bedürfnisse, Interessen und Anliegen sämtlicher für die Organisation relevanten Anspruchsgruppen (zB auf Basis der Befragung von Öffentlichkeit, Mitarbeitern, Richtern und Staatsanwälten). Grundlage aller strategischen Kommunikationsentscheidungen sollte ua eine turnusweise vorgenommene Stärken/Schwächen-Chancen/Risiken Analyse (SWOT-Analyse)27 sein, die zB immer im ersten Quartal jedes Jahres durchgeführt werden kann, um eine seriöse Festlegung sachgerechter Ziele und Arbeitsschwerpunkte des Unternehmens zu ermöglichen. Die Ergebnisse der Befragung von Anspruchsgruppenvertretern ermöglichen zudem eine faktenbasierte Reflexion der Unternehmenssituation; damit erschließt sich die Handlungsoption, Korrekturen der strategischen Ausrichtung vorzunehmen oder notwendige Änderungen einzuleiten, um das jeweilige Dienstleistungsangebot weiter zu optimieren. Kommunikationspolitik und Anspruchsgruppenmanagement Prinzipiell empfiehlt sich für jede Institution der Bewährungs- und Straffälligenhilfe eine Profilierung als homogen organisiertes Non-Profit-Unternehmen, dessen Kommunikationspolitik – analog zu seinen sozialarbeiterischen Dienstleistungen – dem Anspruch verpflichtet ist, einen sinnstiftenden Beitrag im Interesse aller Anspruchsgruppen zu leisten.28 Unabhängig davon, welche Ressourcen sie der jeweiligen Organisation zur Verfügung stellen, haben alle Anspruchsgruppen einer Bewährungshilfeorganisation den legitimen Anspruch auf die Berücksichtigung ihrer spezifischen Erwartungen, auch wenn diese teilweise differieren mögen. So zählt es auch zu den Erfordernissen einer Resozialisierungsorganisation, für konkurrierende Anspruchsgruppeninteressen Lösungen zu entwickeln, die dazu beitragen, sie bei der Erfüllung ihrer Aufgaben zu unterstützen. Um diesem Anspruch in vollem Umfang gerecht zu werden, ist strategisches Anspruchsgruppenmanagement eine unverzichtbare Größe. Dabei 4.3 27 Grundlegende Hinweise zur Konzeption und Umsetzung einer SWOT-Analyse im Non-Profit-Sektor finden sich ua bei Bruhn 2005, S. 125ff. 28 Vgl. Haas/Hermann 2009, S. 209 und S. 214. Michael Haas 282 empfiehlt sich die Entwicklung und Etablierung der nachfolgend beschriebenen Instrumentarien: • Differenzierung der Anspruchsgruppen hinsichtlich der gegenseitigen Abhängigkeiten und Einflussmöglichkeiten • Gewichtung der Interessen und Bedürfnisse der jeweiligen Anspruchsgruppe • Entwicklung von Messmethoden und Skalierung der Ergebnisse zur Ermittlung der Interessen- und Bedürfnisbefriedigung durch die Bewährungs- resp. Straffälligenhilfe • Darstellung von Ursache-Wirkungs-Zusammenhängen von Maßnahmen in Hinblick auf die Zielerreichung und der Beziehung zwischen verschiedenen Zielen (komplementär, konfliktär, hierarchisch) • Darstellung der Entwicklung der Zielerreichung im Zeitverlauf (Balanced Scorecard) Kommunikation mit Journalisten Die Kommunikation mit Journalisten resp. professionelle Pressearbeit genießt bei zahlreichen Unternehmen nahezu jeder Provenienz nicht jenen Stellenwert, der ihr eigentlich zukommen sollte29, und das, obgleich die Berichterstattung über Massenmedien weit mehr Menschen erreicht als beispielsweise Unternehmensbroschüren, statische Websites oder nur unregelmäßig aktualisierte Facebook-Präsenzen, in welchen kaum Neuigkeiten publik gemacht werden.30 Journalisten, zumindest jene der großen, arrivierten Tageszeitungen, gelten in weiten Teilen der Gesellschaft zumeist als glaubwürdig, da insbe- 5. 29 Vgl. Falkenberg 2008, S. 41: „Viele Pressemitteilungen werden in letzter Minute geschrieben, weil jemandem einfällt, „ach darüber könnten wir eigentlich auch die Medien informieren“, weil „mal wieder etwas an die Presse gehen muss“ (…).“ 30 Die Interdependenz von Unternehmenskommunikation und Social Media (zB Facebook, Twitter, Instagram) potenziert sich mit jedem Tag. Die bedeutende, ja, exzeptionelle Rolle, Funktion und Wirkungsmacht von Social Media für die Rezeption und Diskussion von Themen öffentlichen Interesses, so auch Kriminalität resp. Resozialisierung, kann hier nur angedeutet werden und fordert eine gesonderte Betrachtung. Eine gelungene, leicht verständliche Einführung in diesen Themenkomplex bietet: Puttentat 2012, S. 99–114. Welche Bedeutung Twitter in der (Unternehmens-)Kommunikation mit Journalisten zukommt, analysiert ua ein 2016 erschienener Beitrag von Siegert 2016, S. 8–12. 16. Resozialisierung – Medien- und Öffentlichkeitsarbeit 283 sondere der,konventionelle‘ Mediennutzer und -konsument davon ausgeht, dass Nachrichten in der Tagespresse gut recherchiert sind und auf seriöse Quellen zurückgehen.31 Aktuell grassierende Unterstellungen, die dem Tenor folgen, der Journalismus verlöre immer mehr an Niveau, arbeite nur mehr lobbyorientiert und mutiere unaufhaltsam zur Lügenpresse, sind fast immer substanzlos und inhaltsleer. Journalisten als Kommunikationspartner Viele Journalisten, nicht nur jene in öffentlich rechtlichen Sendeanstalten, fühlen sich einem hohen Berufsethos verpflichtet;32 trotz einer immer verschärfteren Marktsituation, steter Einsparungen, großen Zeitdrucks, fehlender Lektorate und schlechter werdender Berufsperspektiven und -konditionen, leisten sie gute Arbeit und das teilweise unter erheblichen Restriktionen.33 Journalisten per se als unmotivierte Nachrichtenverteiler zu begreifen, wird ihnen und ihrer anspruchsvollen Profession nicht gerecht. Ihr zentrales Verdienst bleibt es, über Themen öffentlichen Interesses faktenorientiert und unvoreingenommen zu berichten, ohne sich, Hanns Joachim Friedrichs Diktum folgend, mit einer Sache gemein zu machen, „auch nicht mit einer guten“.34 Es liegt demnach nahe, Journalisten als interessierte, doch manipulationsresistente Kommunikationspartner zu begreifen und nicht als parteiische Kolporteure von Pressemitteilungen. 5.1 31 Die Analyse von Langzeitdaten verweist nicht auf eine virulente Glaubwürdigkeitskrise; im Gegenteil genießen die deutschen Medien im internationalen Vergleich eher großes Vertrauen bei den Rezipienten; vgl. Reinmann/Fawzi 2016. 32 Exemplarisch sei hier nur an das Grundsatzprogramm des Deutschen Journalisten-Verbands erinnert; vgl. DJV 2015, insbes. S. 10. 33 Die ökonomisch wie journalistisch besehen brisante Situation des seit Jahrzehnten namhaften Nachrichtenmagazins Der Spiegel illustriert, mit welcher Schnelligkeit und Drastik sich die Rahmenkonditionen im Journalismus, zumal im Kontext der Printmedien, verändert haben und weiter verändern: vgl. Leif/Meyer 2016, o. S. 34 Von Leinemann/Schnibben 1995, S. 112. Michael Haas 284 Medienwettbewerb und Exklusivthemen Ungeachtet ihrer unparteiischen Funktion sind auch Journalisten den Gesetzen des Marktes – dem Wettbewerb unter vielen Medien – unterworfen, dh ein Exklusivthema ist für Journalisten immer von Interesse, sofern es ein Thema berührt, das zahlreiche Rezipienten bewegt und aktuelle Debatten berücksichtigt; für Pressestellen bietet sich mit dem Angebot öffentlichkeitswirksamer Exklusivgeschichten oft ein Entree für gute Beziehungen. Erwächst aus solchen Initiativen sukzessive ein belastbares Vertrauensverhältnis zu Journalisten, lassen sich meist auch für weniger,reizvolle‘ Themen Publikationschancen erschließen, „[a]m ehesten (…) in der,nachrichtenarmen Zeit‘ während der Sommerferien und zwischen Weihnachten und Neujahr“.35 In summa sind Journalisten weder Richter noch Bittsteller, sondern „Kehrichtsammler der Tatsachenwelt“,36 auf der Suche nach interessanten, publikationswürdigen Neuigkeiten, die sich aus dem riesigen Konvolut unablässig zirkulierender Nachrichtenströme abheben. „Allein von der Nachrichtenagentur dpa erhalten Tageszeitungen täglich über 600 Meldungen – die an manchen Tagen auf 500 DIN-A-4-Seiten anschwellen. Hinzu kommt der Dienst des jeweiligen Bundeslandes, den die dpa-Landesbüros liefern. Dabei gehen allein in einem Landesbüro binnen zwei Wochen rund 200 Pressemitteilungen ein; (…). In rund 15 Jahren stieg allein die Zahl der Meldungen, die die vier großen Nachrichtenagenturen übermitteln, um 50 Prozent – von 7.000 Meldungen pro Woche auf 10.500.“37 Vor diesem Hintergrund erklärt sich, dass Journalisten verlässliche Ansprechpartner benötigen und einen professionellen Umgang mit ihrer Situation – ihren Möglichkeiten und Zeitressourcen – von Pressestellen erwarten, deren Materialien jedoch oft hinter den Qualitätserwartungen von Redakteuren zurückbleiben, die zunehmend angehalten sind, bi- und trimedial zu arbeiten und Beiträge für mehrere Medien aufzubereiten.38 5.2 35 Falkenberg 2008, S. 23. 36 Kraus 1910, S. 83. 37 Falkenberg 2008, S. 23. 38 Vgl. ebd, S. 24. 16. Resozialisierung – Medien- und Öffentlichkeitsarbeit 285 Erwartungshaltung von Journalisten – Resozialisierung aus journalistischer Sicht „Journalistinnen und Journalisten brauchen Beispiele. Menschen, die betroffen sind und darüber sprechen. Nur über Menschen entsteht bei Leser oder Zuschauer Empathie. Menschen bringen das Thema nah, sind das Transportmittel. Je authentischer und sympathischer diese Menschen sind, umso größer das Verständnis für ihre Situation. Angst und Abwehr vor Randgruppen, so zB Flüchtlingen, Migranten, aber auch vormaligen Straftätern, haben eher die, die keine kennen. Nähe nimmt Vorurteile und Ängste.“39 Petra Otto, langjährige Redakteurin des ZDF-Landesstudios in Stuttgart, benennt hier wesentliche Prämissen, um eine differenzierte Berichterstattung über Straftäter – ihre Motive, Intentionen, aber auch ihre Herkunft, Sozialisation und individuelle Charakteristik – zu ermöglichen. Straftäter nicht auf ihr delinquentes Verhalten zu reduzieren, sondern als singuläre Wesen – in ihrer Komplexität, Verstrickung und Verwiesenheit – zu betrachten, verleiht ihnen eine menschliche erfahrbare Dimension und ein Gesicht. Kriminologen und andere Resozialisierungsexperten hingegen vergessen über ihre detaillierte Fachkenntnis gelegentlich, dass sich negative Klischees und Stigmatisierungen nicht über Sachargumente,entzaubern‘ lassen: „Fachleute – egal, wieviel sie wissen – brechen keine Tabus. Sie ergänzen, sie ordnen ein, sie klären auf über Hintergründe. Aber sie haben es schwer, zu fesseln“, bestätigt Petra Otto eine grundsätzliche Problematik für Wissenschaftler, die teilweise, wie im Kontext junger Straftäter, über Jahrzehnte hinweg, den empirischen Nachweis antreten, dass Jugendliche und Heranwachsende nur selten einschlägig rückfällig werden, doch ohne damit Gehör zu finden; in Straftaten involvierte Personen hingegen, die ihre Erfahrungen bei der Entstehung, Verarbeitung oder Vermeidung von Straftaten, sei es aus Täter-, sei es aus Opfersicht, öffentlich machen, dürfen mit großem Interesse rechnen, und das ohne deswegen persönliche Nachteile zu erleiden, sofern mit Umsicht verfahren wird und seriöse Absichten verfolgt werden: Mir ist in meiner langen journalistischen Laufbahn noch nie passiert, dass Sich-Outen und dass Offenheit eine negative Auswirkung hatten. Selbstverständlich muss man im Voraus genau prüfen, ob Betroffene 5.3 39 Otto, P., Redakteurin, ZDF-Landesstudio Baden-Württemberg (2016). Persönliches Interview, geführt vom Verfasser. Stuttgart, 4. März 2016. Michael Haas 286 sich selbst einen Gefallen tun und dafür geeignet sind, an die Öffentlichkeit zu gehen,40 betont Petra Otto die Notwendigkeit, die Auswahl geeigneter TV-Protagonisten sensibel und achtsam für ihre spezifische Situation vorzunehmen. Harald Kirchner, vormals SWR-Korrespondent für Landespolitik, und gut vertraut mit den gesellschaftspolitischen Implikationen, die dem öffentlichen Diskurs um potenzielle Vor- und Nachteile von Resozialisierungsprogrammen innewohnen, erinnert an die Notwendigkeit zur exemplarischen Falldarstellung, um Wirkung zu erzielen: In der derzeitigen journalistischen Praxis werden Themen gerne anhand von einzelnen Personen dargestellt – und zwar von Betroffenen. Der Abteilungsleiter einer Einrichtung ist allenfalls der Side-kick, nicht die Hauptperson. Es ist die Geschichte eines Falles gefragt, nicht so sehr der theoretische Überbau; dieser kann am Einzelfall dargestellt werden.41 Der Betroffene ist es, der mit dem primären Zuschauerinteresse rechnen darf; der Akteur und seine persönliche Fallgeschichte, die sich leicht erzählen, erfassen und nachvollziehen lässt, steht im Zentrum: Gerade in elektronischen Medien, insbesondere im Fernsehen, ist es notwendig, einen Protagonisten zu haben, dessen Fall nachvollziehbar ist – will sagen, komplexe Fälle sind schwer darstellbar, die Botschaft kommt in der Regel nur dann an, wenn die Geschichte klar zu erzählen ist.42 Dabei empfiehlt Kirchner explizit, auch das Format des Beitrags in Betracht zu ziehen und nicht davon auszugehen, dass jedem Medienbeitrag dieselben Produktionsparameter zugrunde liegen: Man muss dabei im Auge behalten, welches Format die Presseveröffentlichung hat. Handelt es sich um kurzes Anreißen des Themas als Illustration bei der Vorstellung von Statistiken, oder geht es um einen längeren Beitrag – ein Feature –, der sich ganz auf einen Fall einlassen kann?43 40 Ebd. 41 Kirchner, H., Korrespondent für Landespolitik, SWR (2016). Persönliches Interview, geführt vom Verfasser. Stuttgart, 10. März 2016. 42 Ebd. 43 Ebd. 16. Resozialisierung – Medien- und Öffentlichkeitsarbeit 287 Nicht minder relevant ist für Kirchner und viele seiner Kollegen die zentrale Fragestellung und Intention des Beitrags. Was steht im Vordergrund? Was hat für ihn, den Medienvertreter, und die Öffentlichkeit besondere Relevanz? Die Frage ist auch, welche Thematik soll ein Beitrag genau haben: Geht es um die allgemeine Darstellung von Resozialisierungsmaßnahmen – wie erfolgreich sind sie? Gibt es Gruppen von Klienten, die leichter resozialisierbar sind als andere? Oder soll eine ganz bestimmte Problematik dargestellt werden, so zB der Umgang mit ehemaligen Sicherungsverwahrten?44 Insbesondere bei der Themenfindung und -festlegung ist eine konstruktive, vertrauensvolle Zusammenarbeit von Pressestelle und Journalist bedeutsam: Entscheidend ist, welches Informationsziel soll eine Veröffentlichung haben. Hierbei ist die enge Zusammenarbeit zwischen Pressestelle und Medium unerlässlich, vor allem um Missverständnisse zu vermeiden, da Fallbeispiel und Thema gut zusammenpassen müssen.45 Zahlreiche Beiträge, die in der Neustart-Ägide zur Bewährungshilfe, zur Gerichtshilfe und zum Täter-Opfer-Ausgleich in Baden-Württemberg ver- öffentlicht wurden, bestätigen Kirchners These. Nahezu ausnahmslos sind sie das Resultat einer mehrjährigen, vertrauensvollen Kooperation von Medienvertretern und dem Verfasser; in enger Abstimmung mit praxisversierten Sozialarbeitern konnten zumeist Klienten gefunden werden, die a) für einen Themenkomplex – eine Produktion – prädestiniert schienen und, b) auf Grundlage einer schriftlich fixierten Medienvereinbarung, präzise festlegen konnten, was sie von sich – ihrer Situation und Problematik – publik zu machen gewillt waren und was nicht. Unverzichtbar für eine gelungene Planung potenzieller Beiträge zu Straffälligkeit, Delinquenz, Resozialisierung und Kriminalitätsprävention ist das begründete Vertrauen in die Kompetenz des jeweiligen Journalisten, sensible Fragen zu diesen Themen auch als solche zu erkennen und mit der gebotenen Achtsamkeit zu behandeln. 44 Ebd. 45 Ebd. Michael Haas 288 Nicht immer besitzen Journalisten Zeit für ausführliche Recherchen, diverse Vorgespräche und vergleichsweise langwierige Abstimmungsprozesse. Politisch wesentliche Neuerungen, Ereignisse, Entscheidungen, Bulletins und Veranstaltungen, aber auch ad hoc eintretende Katastrophen, Notfälle, Krisenszenarien oä bedingen auch eine tagesaktuelle Berichterstattung, derweil eher nachrichtenärmere Phasen des Jahres, so zB längere Schulferien, oft Raum erschließen, Resozialisierungsthemen in den Medien ausführlicher zu platzieren. Roland Müller, heute Ressortleiter Politik/ Landesnachrichten bei der SüdwestPresse, erläutert zwei für ihn entscheidende Ansätze, sich als Journalist der Resozialisierungsthematik anzunehmen: Aus Sicht der Redaktionen gibt es stets grundsätzlich zwei Ansätze, Themen wie Resozialisierung aufzugreifen: Der erste ist, wenn akut etwas passiert ist und schnell ein Schlaglicht auf das Thema geworfen werden muss. Das hat dann oft den Charakter eines Schnellschusses, bei dem die Redaktionen oft erstmal recherchieren müssen,,wen man denn da anrufen kann‘. Die Qualität der Artikel variiert entsprechend. Der zweite Ansatz greift, wenn Redaktionen oder Journalisten ein Thema interessant finden und sagen,,ich mach da mal was drüber‘, oft eher aus dem Antrieb heraus, das sei,mal was anderes‘. Häufig ist dann mehr Zeit, sich wirklich in etwas einzuarbeiten und die richtigen Ansprechpartner zu finden. Journalismus ist ein sehr saisonales Geschäft, das auch ruhige Phasen kennt, in denen Raum für Themen entsteht, die sonst nicht ganz oben auf der Erregungsskala stehen. Das Thema Resozialisierung würde ich auch dort einordnen.46 Das Erregungsmoment – das Moment der Attraktion – entscheidet damit darüber, was am nächsten Tage publiziert, nicht jedoch, was langfristig aufgegriffen wird. Das Interesse des Journalisten für grundsätzliche Zusammenhänge der Resozialisierung wird oft in Akutphasen stimuliert, doch erst im Nachgang an ein Ereignis, in nachrichtenärmeren Zeiten, zu ausführlicher Recherche und großformatigen Beiträgen führen: Die Kontakte und Erkenntnisse, die durch die Arbeit in diesen Phasen entstehen, haben aber natürlich auch nachhaltige Wirkung – wenn dann mal wieder,akut‘ berichtet werden muss, weiß man schon, wen man dazu anrufen kann und kann die Themen vielleicht besser ein- 46 Müller, R., Ressortleiter Politik/Landesnachrichten bei der SüdwestPresse. Persönliches Interview, geführt vom Verfasser. Stuttgart, 17.3.2016. 16. Resozialisierung – Medien- und Öffentlichkeitsarbeit 289 schätzen. Dann schließt sich der Kreis. Daher würde ich Akteuren in der Resozialisierung dazu raten, sich Kontakte in den Redaktionen aufzubauen.47 Robin Szuttor, langjähriger Redakteur der Stuttgarter Zeitung mit ausgeprägtem Sensorium für soziale Themen und Fragestellungen – so wurde er ua Anfang 2016 mit dem zweiten Preis beim Journalistenpreis der Caritas in Baden-Württemberg für das einfühlsame Porträt eines Außenseiters ausgezeichnet –, bestätigt die Einschätzung seines Kollegen von der Südwestpresse: Aus meiner Perspektive als Reporter ist es immer von Vorteil, ein gesellschaftlich tabubehaftetes, teilweise emotional extrem belastetes und polarisierendes Thema, wie zB schwere Kriminalität, in einer Geschichte – in einem Schicksal – zu reflektieren. Das persönliche Schicksal eines Straftäters ist mehr als die Summe seiner Handlungen und Verfehlungen, das persönliche Schicksal eines Straffälligen kann den Zustand unserer Gesellschaft erfahrbar machen, und das unmittelbar und jenseits aller Abstraktionen. Wenn die Protagonisten dieser Geschichten selbst, wie zB der junge Straftäter, dem ich eine Reportage gewidmet habe, etwas zu erzählen haben und gern erzählen, ist das für alle Seiten ein Gewinn: für ihn, mich und den Leser. Dabei potenzielle Fallhöhen darzustellen und auszuloten, ist immer sehr wichtig. Wenn zB ein junger Mörder, salopp gesprochen, beginnt, sich um die Belange alter oder behinderter Menschen zu kümmern, hat das Gewicht. Gleiches gilt, wenn sein Resozialisierungsprozess ungewöhnlich verläuft oder besondere Methoden eingesetzt werden, um ihm zu helfen.48 „Das Interesse an dem Besonderen und Unorthodoxen“ ist es auch, das Martin Haar, Redakteur der Stuttgarter Nachrichten im Lokalressort, reizt, „Themen aufzugreifen, die nicht alltäglich sind, doch jeden betreffen könnten. Der Täter-Opfer-Ausgleich ist zB eine Sache, die viele fasziniert. Ein Opfer setzt sich freiwillig mit dem Straftäter zusammen und profitiert davon? Das klingt gut, das klingt vielversprechend.“49 47 Ebd. 48 Szuttor, R., Redakteur, Stuttgarter Zeitung. Persönliches Interview, geführt vom Verfasser. Stuttgart, 2.3.2016. 49 Haar, M., Redakteur, Stuttgarter Nachrichten. Persönliches Interview, geführt vom Verfasser. Stuttgart, 4.3.2016. Michael Haas 290 Martin Haar verweist jedoch noch auf zwei weitere Faktoren von Relevanz bei der Berichterstattung zu Kriminalität, Delinquenz und Resozialisierung. So betont Haar 1) die differierenden Sichtweisen von Sozialarbeitern und Öffentlichkeit und 2) die Beweispflicht der Sozialarbeiter über den Erfolg von Resozialisierungsmaßnahmen, der nicht als selbstverständlich vorausgesetzt werden dürfe: Sozialarbeiter müssen begreifen, dass ihre Sichtweise nicht die der anderen sein muss. Es genügt nicht, nur zu sagen: Was wir machen, ist sinnvoll und gut. Warum soll der Leser das glauben? Ob Bewährungshilfe wirklich zu konkreten – zu messbaren Erfolgen führt, muss von ihnen belegt werden: plausibel und klar sein. Fakten sind für eine gute Story unerlässlich, aber auch ein guter Fall und die Sicht der Betroffenen. Grundsätzlich müssen Sozialarbeiter den Beweis anführen, dass Resozialisierung erfolgreich ist. Nicht wir von den Medien.50 Schlussbetrachtungen Das sensible, brisante Aufgaben- und Tätigkeitsfeld der Bewährungs- und Straffälligenhilfe berührt zahlreiche Probleme und Fragen von gesellschaftlicher Relevanz, die von den Medien aufgegriffen, kommentiert und vertieft werden sollten, da nur eine öffentliche Diskussion über gesellschaftsimmanente Ursachen, Wechselwirkungen und Folgen von Kriminalität bestehende Klischees konterkarieren kann, und sei es auch um den Preis erheblicher Kontroversen und polarisierender Debatten. Das Forum der Öffentlichkeit zu meiden und sich auf eine diskrete Haltung zurückzuziehen, bedeutet weniger, souverän und moralisch integer zu handeln, als vielmehr jenen die Deutungshoheit über Kriminalität und Straftäter zu überlassen, die a) harte Sanktionen als alternativlos begreifen und b) Resozialisierungsmaßnahmen als unzulängliches Substitut einer zu libertären Rechtsordnung diffamieren. Um das öffentliche Meinungsbild zu Kriminalitätsthemen konstruktiv zu beeinflussen, ist es unverzichtbar, sich 6. 50 Ebd. 16. Resozialisierung – Medien- und Öffentlichkeitsarbeit 291 a) glaubhaft als Expertenorganisation in den Medien zu präsentieren und b) als interdisziplinär versierter Dialogpartner anzubieten, um den öffentlichen Diskurs zu Kriminalität und Resozialisierung konstruktiv mitzugestalten. Wesentliches Ziel und primäre Intention bei der Medien- und Öffentlichkeitsarbeit zu Resozialisierungsmaßnahmen und -projekten ist die klare, objektiv nachvollziehbare und überzeugende Darstellung der Vorteile eines sozialkonstruktiven Umgangs mit Straftätern, und das idealerweise auf Basis exemplarischer Fallgeschichten. Kriminalität öffentlich zu analysieren, plausibel oder erklärbar zu machen und zudem sachkundig darzulegen, welche gesellschaftlichen Vorteile eine nachhaltige Konfliktbewältigung – wie sie zB der Täter-Opfer-Ausgleich eröffnet – mit sich bringt, zählt zu den wesentlichen Aufgaben jeder Organisation, die Kriminalitätsprävention zu ihrer Leitmaxime erhebt und die sich für die Belange Straffälliger einsetzt. Öffentlichkeits- und Medienarbeit in der Bewährungs- und Staffälligenhilfe erfolgreich zu institutionalisieren, bedingt – noch mehr als in anderen Bereichen der Sozialen Arbeit – breite Unterstützung für PR-Maßnahmen in der Belegschaft zu finden, zumal an der Basis. Nur wenn bei Bewährungshelfern – aber auch Richtern, Staatsanwälten, Kooperationspartnern, Politikern, Wissenschaftlern und Beamten, die in der Justiz tätig sind – das Bewusstsein geschaffen wird, dass Medien- und Öffentlichkeitsarbeit keinem Selbstzweck, sondern in erster Linie der erfolgreichen Erfüllung justizieller Aufgaben dient, kann ein konsistentes, glaubwürdiges Image entstehen, das keine fiktiven, sondern tatsächliche Werthaltungen einer Organisation und ihrer Mitarbeiter vermittelt. Wer für die prekäre Situation Straffälliger – ihre schwerwiegenden Probleme, Nöte und Leiden – sensibilisieren möchte und an Werte wie Toleranz und Unvoreingenommenheit appelliert, muss über jeden Zweifel erhaben sein und wehrhafte Integrität verkörpern: als Person, Organisation, aber auch als Informant, Diskussions- und Diskurspartner für Medien und Öffentlichkeit. Eine erfolgreiche Resozialisierung Straffälliger kann es unter Ausschluss der Öffentlichkeit nicht geben, da sie dort beginnt, wo auch Kriminalität ihren Ursprung nimmt: inmitten, nicht abseits unserer Gesellschaft und unserer Wertsysteme. Solange Resozialisierung jedoch primär im Referenzrahmen von Justizbehörden und staatlichen Institutionen stattfindet, wird es schwer, in der Gesellschaft für Akzeptanz und Unterstützung zu werben. Wer, metaphorisch gesprochen, das öffentliche Forum scheut, um im Separee – unter Michael Haas 292 Ausschluss von Medien und Publikum – seiner Arbeit nachzugehen, darf auf externe Unterstützung kaum vertrauen. Neustart in Baden-Württemberg war, nicht zuletzt, der Versuch, Resozialisierung von ihrer Patina als Sekundärdisziplin der Justiz zu befreien und als Primärdisziplin der Kriminalitätsprävention erfahrbar zu machen: auf Basis professioneller PR- und Medienarbeit, die einem humanistischen Leitbild verpflichtet ist. Hinweis des Autors: Im Interesse einer besseren Lesbarkeit wurde bei allen Nomenklaturen auf eine geschlechterdifferenzierende Schreibweise verzichtet. Sämtliche Berufs- und/oder Funktionsbezeichnungen wie zB Wissenschaftler, Journalist, Sozialarbeiter oder Bewährungshelfer sind geschlechtsneutral aufzufassen und berücksichtigen grundsätzlich in gleichem Maße die für Frauen und Männer relevanten Aspekte im Kontext des behandelten Themas. Literatur Braunheim, M. 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References

Zusammenfassung

In Folge der weltweiten Corona-Krise gewinnen die Vorschläge zu einem „Systemischen Wandel“ auch in der Kriminal-, Justiz- und Sozialpolitik neue Bedeutung.

Dieser Band informiert über Masterpläne und Agenden der strategischen Steuerung von Innovationen in allen Arbeitsfeldern der Resozialisierung in einem Verbund von öffentlichen und privaten Trägern. In Österreich, der Schweiz und in Deutschland gibt es dazu konkrete Vorschläge von Fach- und Führungskräften und Experten der lokalen und nationalen Ebene, dies gilt auch für die internationale und europäische Dimension. Innovative Projekte weisen gesteigerte Wirksamkeit und Nachhaltigkeit von Gesamtkonzepten der ambulanten und stationären Resozialisierung nach.

Maelicke und Wein fordern im Übergang in eine Zeitenwende eine „Große Transformation“ und plädieren für einen nachhaltigen und wirkungsorientierten Umgang mit Tätern und Opfern.