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Martin Erismann, 9. Brücken ins Gemeinwesen, team 72, Zürich in:

Bernd Maelicke, Christopher Wein (Ed.)

Resozialisierung und Systemischer Wandel, page 189 - 200

1. Edition 2020, ISBN print: 978-3-8487-6719-9, ISBN online: 978-3-7489-0841-8, https://doi.org/10.5771/9783748908418-189

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Brücken ins Gemeinwesen, team 72, Zürich Martin Erismann Das team72 Das team72 (siehe www.team72.ch) ist eine Einrichtung der sog. Freien Straffälligenhilfe. Es wurde 1972 im Geiste der 68er-Bewegung als «offene Selbsthilfegruppe» von Insassen der heutigen Justizvollzugsanstalt Pöschwies (grösste JVA in der Schweiz, nahe Zürich gelegen) sowie Sympathisanten aus akademischen Kreisen gegründet und entwickelte sich mit den Jahren zu einer professionell geführten sozialen Institution. Trägerschaft des team72 ist ein politisch und konfessionell neutraler, gemeinnütziger Verein. Die Dienstleistungen werden langjährig auf Vertragsbasis mit dem Justizvollzug Kanton Zürich, den Sozialen Diensten Stadt Zürich sowie dem Sozialamt Kanton Zürich erbracht. Als Besonderheit sind die stationären Angebote für Strafentlassene in Kostenteilung zwischen dem kantonalen Justizvollzug und der gemeindlichen Sozialhilfe finanziert. Die Interventionen des team72 verorten sich vorwiegend im Übergang vom Vollzug in die Freiheit und verfolgen das Ziel, diesen möglichst nahtlos und fliessend auszugestalten. Das Angebot versteht sich komplementär zu Leistungen öffentlich-rechtlicher Institutionen des Justizvollzugs sowie der staatlichen Bewährungs- und Sozialhilfe. Es umfasst konkret: Vollzug in der Endphase (Arbeitsexternat resp. Freigang) und Bewährungshilfe in einem teilstationären Rahmen, niederschwellige Beratung für Haft- und Strafentlassene («infostelle72»), Koordination und fachliche Begleitung der Freiwilligen im Zürcher Justizvollzug (Angebot der Insassenbesuche und Fahrdienste); Potenzialabklärung und Stellenvermittlung mit Fokus erster Arbeitsmarkt für ehemals Straffällige («time2work»). Unter dem Label «resoz.ch» werden überdies Initiativen zur Verbesserung der Resozialisierung verfolgt, u. a. die sog. resoz-Tagungen. Ausgangslage Aus dem geschlossenen Sanktionenvollzug heraus lassen sich zentrale Einbindungen gemäss Desistance-Forschung (vgl. Übersicht von Hofinger 9. 1. 2. 189 2012) wie Arbeit und Beziehungen settingbedingt oft nur unzureichend erschliessen. Ebenso sind soziale Fertigkeiten zur besseren Alltagsgestaltung in Freiheit mangels Praxistransfers eher schlecht vermittelbar und die höchst deliktrelevanten Bereiche Beziehungen und Freizeit generell unzureichend mit Interventionen abgedeckt. Weiter bedürfen therapeutische und risikoorientierte Massnahmen im stationären Sanktionenvollzug einer eng begleiteten Realitätskonfrontation in Freiheit, damit eine Nachhaltigkeit sichergestellt ist. Dass Vollzugsöffnungen wegen einer höheren Risikosensibilität oftmals sehr spät oder gar nicht mehr erfolgen und damit ein schrittweiser Übergang in die Freiheit nicht gewährleistet ist, erscheint vor diesem Hintergrund als problematisch. Im Zuge der Strafentlassung kommt es typischerweise zum berüchtigten „Bruch“ im Versorgungssystem aufgrund eines partiellen oder vollständigen Zuständigkeitswechsels vom Justizvollzug zur Sozialhilfe und ggf. dem Erwachsenenschutz. So ist das Hilfesystem in Freiheit zum Entlassungszeitpunkt immer wieder ungenügend erschlossen. Auch steht die Intensität der sog. Nachsorge im Vergleich zum früheren stationären Rahmen in der Regel in keinem Verhältnis, was sachlich wegen des per se potenziell krisenhaften Übergangs und der hohen Rückfallraten in den ersten Monaten nach Entlassung in keiner Weise begründet scheint. Erschwerend kommt hinzu, dass die Unterstützungsangebote im Gemeinwesen mehrheitlich stark segmentiert sind und Hilfe eher selten „aus einer Hand“ geleistet wird. Für Professionelle bedeutet dies viel Koordinationsaufwand, für Bedürftige eine hohe Hürde zum Leistungsbezug. Bei der Begleitung von Straffälligen während der letzten Vollzugsstufe resp. nach ihrer bedingten oder endgültigen Entlassung handelt es sich um ein Feld des Justizvollzugs, das vom schweizerischen Gesetzgeber verhältnismässig offen geregelt ist. In der Theorie und Empirie wurde dem Übergang vom Vollzug in die Freiheit in den letzten Jahren eine grössere Aufmerksamkeit geschenkt. Verschiedene Untersuchungen, u. a. eine Schweizer Nationalfonds-Studie zum Zusammenspiel von individuellen Aktivitäten und sozialen Systemen nach der Entlassung aus stationären Einrichtungen (vgl. Sommerfeld/Calzaferri/Hollenstein 2007), wiesen auf die überragende Bedeutung dieser Schnittstelle hin – und zwar aus der Perspektive von Resozialisierung und Rückfallprävention. Vor diesem Hintergrund vermag zu erstaunen, dass immer noch der überwiegende Hauptteil der Ressourcen im Freiheitsentzug aufgewendet wird. Im Bestreben, den Übertritt ins Gemeinwesen möglichst fliessend auszugestalten, liegt somit viel Potenzial. Hierfür müssen frühzeitig offene Vollzugssettings inklusive sog. Arbeitsexternat (Schweizer Begriff für Institutionen des Freigangs) zum Zuge kommen. In einem solchen, nach rund Martin Erismann 190 der Hälfte der Strafverbüssung zunehmend offenen Sanktionssystem kann das Hilfesystem in Freiheit auch besser miteinbezogen werden, als wenn in geschlossenen Institutionen eher künstlich versucht wird, „Aussenpartner“ zu aktivieren. Die vom team72 angebotene, ggf. im Anschluss zum Tragen kommende „Teilstationäre Bewährungshilfe“ (vgl. folgender Abschnitt) ermöglicht, in der Vollzugszeit verpasste Öffnungen nachzuholen, also quasi nach der (bedingten) Entlassung in die Verlängerung zu gehen, indem die erste Zeit in Freiheit relativ engmaschig begleitet wird. Teilstationäre Bewährungshilfe Zielgruppe des Angebots des team72 sind Personen mit längeren und/oder wiederholten Freiheitsstrafen resp. Personen mit Gefährdungspotenzial und/oder chronifizierter Delinquenz. Es geht hierbei zur Hauptsache um aus einer längeren Freiheitsstrafe oder stationären Massnahme (Art. 59–61 des Schweizer Strafgesetzbuches) entlassene Personen oder solche im aktuellen Vollzug einer ambulanten Massnahme (Art. 63 Schweizer Strafgesetzbuch). Personen mit schwerer Gewalt- und Sexualdelinquenz – darunter auch öfters pädosexuelle Täter – sind klar übervertreten, was mit der risikoorientierten Ausrichtung des Justizvollzugs in der Deutschschweiz zu erklären ist. Meldeten sich früher Strafentlassene noch grossmehrheitlich selbst für einen Aufenthalt im Wohnhaus des team72 an, weisen heute in der Regel die verantwortlichen Bewährungs- und Vollzugsdienste Personen auf Basis von primär Risikokriterien bewusst zu. Dies wie erwähnt auch vor dem Hintergrund, dass eine Öffnung im Rahmen des stationären Sanktionenvollzugs oft unzureichend zu realisieren ist. Da die Bewährung ein Hauptziel ist, wird im team72 delikt- und risikoorientiert gearbeitet. Nebst dem aktiven Erschliessen von Sachhilfen resp. Ressourcen liegt das Augenmerk auf dem Verhaltenstraining. Eine geregelte Tagesstruktur ist eine Bedingung für den Aufenthalt – wird diese nicht durch eine Erwerbsarbeit oder ein externes Arbeitsprogramm gewährleistet, ist der Einsatz im internen Beschäftigungsprogramm Pflicht. Hierbei handelt es sich in erster Linie um eine Holzwerkstatt. Das Hauptziel der Programmteilnahme ist die Aufrechterhaltung und auch Verbesserung der sog. sozialen Integration von Klienten. Dank des sehr niederschwelligen Zugangs ist im Falle von Arbeitslosigkeit und fehlender Beschäftigung kurzfristig eine Tagesstruktur gewährleistet. Bei Personen mit mutmasslicher Arbeitsmarktfähigkeit erfolgt möglichst zeitnah eine Zuweisung zur institutionseigenen Potenzialabklärung und Stellenvermittlung „time2work“ (Details siehe folgendes Kapitel). 3. 9. Brücken ins Gemeinwesen, team 72, Zürich 191 Von Personen mit einer aktuellen Suchtgefährdung wird die Einhaltung einer Abstinenz verlangt. Diese wird ggf. mittels Atemluftkontrollen und Urinproben durch das team72 regelmässig überprüft. Im Sinne des Normalitätsprinzips ist der massvolle Konsum von Alkohol und auch Cannabis nicht grundsätzlich verboten. Selbstverständlich wird darauf geachtet, dass bei geforderter Abstinenzeinhaltung eine Platzierung mit ebenfalls Nichtkonsumenten erfolgt. Bei harten Drogen wie Kokain, Heroin, Ecstasy, LSD besteht eine Nulltoleranz, die auch konsequent umgesetzt wird. Schliesslich gibt das Betreuungspersonal nach ärztlicher Indikation Medikamente ab, wobei es typischerweise um Benzodiazepine, Antidepressiva oder Neuroleptika geht. Bei Personen mit einer Erkrankung des schizophrenen Formenkreises wird meistens eine Depotmedikation verlangt. Auf Grund des Primats der Aussenorientierung finden institutionell organisierte Anlässe („Animation“) bewusst eng begrenzt statt. Interne Dienstleistungen verstehen sich dahingehend subsidiär, dass vergleichbare externe Angebote prinzipiell Vorrang haben. Der Aufenthalt im team72 Wohnhaus ist auch auf maximal zwei Jahre begrenzt. Damit wird der Gefahr einer (weiteren) Institutionalisierung entgegengewirkt. Die umfassenden Betreuungsleistungen des team72 zielen auf eine Verbesserung der sozialen Einbindung primär betreffend Arbeit, Beziehungen und Wohnen. Die Betreuung wird je nach individuellem Bedarf mit einem Schlüssel von sieben (niedrige Betreuungsstufe), fünf (mittlere Betreuungsstufe) oder drei (hohe Betreuungsstufe) Klienten pro Vollzeitäquivalent von einer – bei hoher Betreuungsstufe auch zwei – fest zugeteilten Bezugsperson(en) wahrgenommen und umfasst: Aktives Erschliessen von Ressourcen resp. Einbindungen, psychosoziale Unterstützung sowie Motivationsarbeit, delikt- und risikoorientiertes Arbeiten, Interventionen zur Verbesserung von Fertigkeiten. Gespräche zwischen Klient und Bezugsperson finden bei Personen mit niedriger und mittlerer Betreuungsstufe mindestens einmal wöchentlich und bei Personen mit hoher Betreuungsstufe in der Regel zweimal wöchentlich statt. Im Rahmen einer verbindlichen Vereinbarung mit den Adressaten werden in der Eintrittsphase individuelle Ziele festgelegt, die sich bei entsprechender Falldefinition der einweisenden Behörde auch an Zielsetzungen des sog. Risikoorientierten Sanktionenvollzugs (kurz „ROS“, vgl. www.rosnet.ch) anlehnen. Insbesondere Klienten mit Gewalt- und Sexualstraftaten, aber auch mit anderweitigen qualifizierten Delikten, reflektieren zusammen mit der Bezugsperson ihre persönliche Deliktdynamik. Fragen hierbei: Welches Verhalten ist hinsichtlich eines möglichen Rückfalls als problematisch anzusehen? Wie lässt sich dieses frühzeitig erkennen und bewältigen oder besser noch gänzlich vermeiden? In einem weiteren Schritt werden alternative Martin Erismann 192 Verhaltensweisen erarbeitet und nach Möglichkeit mittels Rollenspiele etc. praktisch eingeübt. Bei Klienten, die eine forensisch ausgerichtete Therapie absolvier(t)en, wird dabei auf dem vorhandenen Wissen aufgebaut. Durch den offenen, teilstationären Rahmen ergeben sich diverse reale Lernfelder, sodass auf das Risikomanagement im Alltag fokussiert wird. Frühwarnzeichen sollen erkannt und gedeutet sowie ggf. in der Therapie bereits erlernte Bewältigungsstrategien aktiviert und vertieft werden. Es findet eine kontinuierliche Reflexion in Bezug auf Risikothemen statt. Hierbei ist das team72 Wohnhaus mit den behandelnden Therapeuten im regelmässigen Austausch, sodass übereinstimmend an der angestrebten Verhaltensänderung gearbeitet werden kann. Methodisch gründet die delikt- resp. risikoorientierte Arbeit auf kognitiv-verhaltensorientierten, psychologischen Ansätzen. Die gleichermassen resozialisierenden (sozialintegrierenden) wie risikominimierenden Interventionen sind von den Adressaten verbindlich in Anspruch zu nehmen. Es handelt sich beim Angebot der Teilstationären Bewährungshilfe zwar nicht mehr um einen freiheitsentziehenden, aber durchaus freiheitseinschränkenden Rahmen, der nebst der obligatorischen Betreuungsleistung je nach Einzelfall Weisungen zum Substanzkonsum, der Beschäftigung, des Besuchsempfangs (bei Milieukriminalität, Häuslicher Gewalt etc.) oder auch der Nutzung digitaler Medien (z. B. bei pädosexueller Delinquenz) umfasst. Letztere haben bei einer erst bedingten Entlassung frühestens nach Verbüssung von zwei Dritteln der Strafe in der Regel den Status behördlicher Anordnungen und werden oft mit (ambulanter) Bewährungshilfe kombiniert. Die damit hergestellte Verbindlichkeit macht gerade in der vergleichsweise niedrigstrukturierten Probezeit nach dem stationären Sanktionenvollzug Sinn und trägt dem Umstand Rechnung, dass die eigentlichen Bewährungsfelder erst in Freiheit zu meistern sind. Worin liegt nun eigentlich der Unterschied des Angebots der Teilstationären Bewährungshilfe zu demjenigen von Institutionen des offenen Vollzugs, insbesondere des Arbeitsexternats resp. Freigangs? Es geht letztlich um mehr als die Frage, ob man das Pferd von vorne oder hinten (vom Vollzug oder der Freiheit betrachtet) aufzäumt – und auch das Resultat ist nicht dasselbe. Der grösste Vorteil des Settings der Teilstationären Bewährungshilfe, die sich per definitionem eher in der Freiheit und weniger im Vollzug verortet, ist, dass im Übergang der Strafentlassung der systembedingte Unterbruch im Versorgungs- resp. Hilfesystem überbrückt werden kann. Hält sich jemand schon in der Endphase des Vollzugs (Rahmen Arbeitsexternat) im team72 auf, kann die Person auch nach der (bedingten) Entlassung in der Institution verbleiben. Dies stellt Konstanz in einer kri- 9. Brücken ins Gemeinwesen, team 72, Zürich 193 senhaften Phase sicher, ermöglicht eine intensiv begleitete schrittweise Öffnung und sichert durch die unmittelbare Realitätskonfrontation den steten Praxistransfer erwünschter Verhaltensänderungen. Die Lebenswelt- Nähe des Settings der Teilstationären Bewährungshilfe – es handelt sich um eine vergleichsweise personalintensive Vor-Ort-Betreuung – macht eine nachhaltige Unterstützung, Anleitung und auch Kontrolle quasi „am Puls der Adressaten“ erst möglich. Personalvermittlung „time2work“ Strafentlassene haben oft Schwierigkeiten, beruflich wieder Fuss zu fassen. Das liegt an der typischerweise unterdurchschnittlichen Qualifizierung, mehr oder weniger grossen Lücken im Lebenlauf auf Grund der Inhaftierung sowie am Stigma in Zusammenhang mit der Straffälligkeit, extrem ausgeprägt z. B. bei Personen mit pädosexuellem Delikthintergrund. Wegen der fehlenden Erwerbstätigkeit mangelt es nebst den finanziellen Mitteln vor allem an einer Tagesstruktur und Beziehungen im Arbeitsumfeld, allgemeiner an der gesellschaftlichen Teilhabe überhaupt. Besonders das Fehlen einer Beschäftigung hat für Straffällige häufig fatale Folgen und führt über kurz oder lang öfters zu Rückfällen in alte, destruktive Verhaltensmuster. MABiS.NeT, ein Projekt in Nordrhein-Westfalen zur marktorientierten Arbeitsintegration, hat in diesem Zusammenhang eindrückliche Zahlen erhoben: Personen, die im Vollzug keine berufliche Qualifikation erwarben und nach der Entlassung arbeitslos blieben, wurden zu 90 Prozent rückfällig. Bei erfolgter Förderung der Berufsbildung aber dennoch Arbeitslosigkeit reduzierte sich die Quote auf lediglich 80 Prozent. Demgegenüber sank die Rückfallquote bei Personen mit erfolgreicher beruflicher Qualifizierung und entsprechender Beschäftigung nach der Strafentlassung auf einen Wert von noch rund 33 Prozent. (vgl. Kawamura- Reindl 2014, S. 156) Es ist somit davon auszugehen, dass der Erfolg der Legal- wie auch Sozialbewährung mit einem arbeitsintegrativ ausgerichteten Massnahmenbündel, das bevorzugt den sog. ersten Arbeitsmarkt adressiert, positiv beeinflusst werden kann. Nebst der absolut zentralen beruflichen Qualifizierung steht dabei die aktive Vermittlung, sprich die Erschliessung („Akquise“) von Anstellungen, im Fokus. Entsprechende Angebote für Straffällige sind abgesehen von Einzelinitiativen Arbeitsintegration-affiner Sozialarbeitender und dem hier vorgestellten „time2work“ in der Deutschschweiz inexistent. Bestehende Dienstleistungen beschränken sich weitgehendst auf Beratung und Coaching resp. die Aktivierung persönlicher Ressourcen. 4. Martin Erismann 194 Letzteres ist natürlich sinnvoll, weil ausschliesslich am Individuum ansetzend öfters jedoch unzureichend. Es muss zusätzlich eine tatkräftige Unterstützung im Sinne der Vermittlung zwischen Individuum und Gemeinwesen (hier den Arbeitgebenden) erfolgen. Diese ist nötig, weil einerseits im Bereich niedrig qualifizierter Erwerbsarbeit ein zunehmender Nachfrageüberhang (mehr Stellensuchende als Arbeitsangebote) besteht, andererseits Straffällige wie erwähnt je nach Deliktart mit einer besonderen Stigmatisierung zu kämpfen haben. Das team72 hat vor diesem Hintergrund im Jahre 2016 das Angebot von time2work ins Leben gerufen. Dieses umfasst eine Potenzialabklärung bezüglich ersten Arbeitsmarkts, die möglichst noch während des stationären Sanktionenvollzugs stattfindet, sowie ggf. anschliessend eine aktive Vermittlung in Anstellungsverhältnisse. Hierbei geht es zur Hauptsache um „normale“ Erwerbsarbeit zu marktüblichen Konditionen, je nach dem aber auch um qualifizierende Praktika oder aber eine Berufsausbildung. Zielgruppen sind Strafentlassene und Personen in der Endphase des Vollzugs, die Aussicht auf ein Arbeitsexternat resp. Freigang haben. Für letztere ist das Vorhandensein einer Erwerbsarbeit nach aktueller Rechtsauslegung eine zwingende Voraussetzung, um in den Genuss einer entsprechenden Vollzugsöffnung zu kommen. Der Vermittlungserfolg ist natürlich wesentlich davon abhängig, inwieweit durch gezielte Akquisition ein Zugang zu in Frage kommenden Arbeitgebenden gefunden werden kann. Deshalb arbeiten bei time2work auch Personen mit einem Berufshintergrund der privatwirtschaftlichen Stellenvermittlung und präsentiert sich das Angebot nach aussen bewusst als „gemeinnützige Personalvermittlung“. Im Unterschied zu gewinnorientierten Dienstleistern entfällt für die Arbeitgebenden die meist hohe Vermittlungsgebühr. Dafür sind sie für die Lohnadministration und Versicherung nach gängigen Standards auch selbst verantwortlich. Mit der Arbeitslosen- und Sozialhilfe findet durch time2work eine Koordination statt, sodass keine Doppelspurigkeit entsteht. Das Angebot von time2work spricht Personen ohne im Vordergrund stehende Suchtproblematik oder psychische Beeinträchtigung an, die einer Erwerbsarbeit über mindestens 50 Prozent nachgehen können, auf dem Stellenmarkt aber wegen Lücken im Lebenslauf, mangelnder Berufsqualifizierung resp. -erfahrung sowie dem Etikett „straffällig“ nur bedingt Chancen haben. Sprachlich muss eine mündliche Verständigung auf Deutsch möglich (Niveaustufe A2, besser B1 des europäischen Sprachenportfolios) und es sollte zumindest ein obligatorischer Schulabschluss gegeben sein. Altersmässig wird grundsätzlich eine Bandbreite von 18 bis 55 Jahren abgedeckt – im Falle einer guten Qualifikation lassen sich in der Schweiz erfahrungsgemäss auch Personen bis 60 Jahre vermitteln. Für die 9. Brücken ins Gemeinwesen, team 72, Zürich 195 Aufnahme in die Stellenvermittlung von time2work ist letztlich eine intakte Motivation sowie Leistungsfähigkeit entscheidend. Ist diese fraglich, erfolgt zunächst die Zuweisung in ein vierwöchiges, arbeitsmarktnahes Abklärungsprogramm eines Drittanbieters. Anschliessend kommt entweder im zweiten Anlauf das Vermittlungsangebot von time2work oder aber der Einsatz in einem Beschäftigungsprogramm mit dem primären Ziel der sozialen Integration zum Tragen. Der Erstkontakt zu time2work erfolgt in der Regel über professionell Tätige von Vollzugseinrichtungen oder der Bewährungs- und Vollzugsdienste, die als einweisende Behörde sowieso involviert werden. Auch auf Grund eines Leistungsvertrags mit dem kantonalen Justizvollzug ist das Angebot derzeit weitgehend auf den Grossraum Zürich begrenzt, wobei aus stationären Institutionen des gesamten Ostschweizer Strafvollzugskonkordats (dem der Kanton Zürich angegliedert ist) zugewiesen wird. Im Rahmen des Abklärungsangebots von time2work, das auf Grund einer Pauschalfinanzierung durch den Justizvollzug Kanton Zürich im Zugang sehr niederschwellig ist, werden zunächst die individuellen Möglichkeiten auf dem ersten Arbeitsmarkt geklärt. Dies umfasst zum einen die Wünsche und Potenziale der straffälligen Person selbst, zum anderen aber auch Einschränkungen in Zusammenhang mit der früheren Straffälligkeit. An dieser Stelle ist einmal mehr auf die Delikt- resp. Risikoorientierung verwiesen. Demgemäss ist bei time2work die frühere Deliktdynamik insofern ein Thema, dass hieraus mutmassliche Risiken im Arbeitsbereich stets bedacht und möglichst vermieden werden sollen. Das kann bei Personen mit z. B. Vermögensdelikten oder auch pädosexueller Delinquenz das Suchfeld sehr einschränken. Erstere können so in an sich dankbare Branchen wie Detailhandel, Gastronomie, Unterhalt/Reinigung oder Pflege oft nicht vermittelt werden; bei letzteren ist der Kontakt zu Kindern natürlich zu unterbinden, was sehr viele Tätigkeitsbereiche ausschliesst. In der deliktorientierten Perspektive liegt sicher eine Kernkompetenz von time2work und ein wichtiger Grund dafür, dass die Dienstleistungen nicht von allgemeinen Anbietern der Arbeitsintegration erbracht werden. Die Leistungen der Stellenvermittlung von time2work umfassen in einer ersten Phase ein Jobcoaching, das ggf. mit einem Gruppencoaching zur Förderung der Bewerbungskompetenzen ergänzt wird. Auf Basis eines individuellen Stellenprofils werden auf dem Markt gezielt Stellen akquiriert, wobei die Straffälligkeit der Klientel den potenziellen Arbeitgebenden in allgemeiner Form kommuniziert wird. In etwa der Hälfte der Fälle kann innert sehr schneller zwei bis drei Monate eine Anstellung vermittelt werden, die zu Beginn allerdings oft zeitlich befristet ist. Eine Verlängerung oder gar Festanstellung kommt aber regelmässig vor. Erfreulicherwei- Martin Erismann 196 se machen unsere Personalvermittelnden auch die Erfahrung, dass bei einer proaktiven und arbeitgeberkonformen Akquise eine Straffälligkeit an sich nicht per se ein Hindernis darstellen muss. Hiervon ausgenommen sind tendenziell schwere Gewalt- und Sexualstraftaten, die auf Grund der hohen Risikoorientierung des Zürcher Justizvollzugs überdurchschnittlich bei time2work vertreten sind. Nach erschlossener Erwerbsarbeit kann in manchen Fällen mittelfristig eine Ablösung von der Sozialhilfe erfolgen. Dank des angebotenen sog. Supported Employment werden nötigenfalls bei der Arbeit entstehende Konflikte und Probleme frühzeitig erkannt und bewältigt, wobei die Nachfrage nach dieser Dienstleistung vor allem arbeitgeberseitig nach dem Motto „entweder es klappt, oder nicht“ in der Praxis überschaubar bleibt. Initiative „resoz.ch“ „resoz.ch“ wurde von der Geschäftsleitung des team72 anlässlich der 2015 erstmals veranstalteten sog. resoz-Tagung ins Leben gerufen. Der Hintergrund für die Initiative war, dass sich in der Deutschschweiz im Zuge einer zunehmend verbreiteten (verkürzt verstandenen) Risikoorientierung Tendenzen einer Abkehr von früher selbstverständlichen Resozialisierungszielen und -massnahmen der sozialen Integration abzeichneten. Speziell tangiert wurde diesbezüglich die Soziale Arbeit, einerseits grundsätzlich als Disziplin im Wettbewerb zu anderen, beispielsweise der stark an Bedeutung gewinnenden Jurisprudenz, andererseits in ihrer wichtigen Funktion als intermediäre Instanz zwischen Klient, Justizvollzug und Gemeinwesen. Was letztere angeht, fand nach Meinung des Autors eine ausgeprägte Fokussierung der Interventionen auf das Individuum und sein Verhalten (in Form von Therapie, Coaching, Beratung etc.) statt – dies auf Kosten von Massnahmen, die in der „Umwelt“ die Lebensumstände der Adressaten konkret verbessern. Dabei ist etwa an das Erschliessen von Sachleistungen z. B. im Bereich der Bildung oder Arbeit zu denken. Natürlich stehen individuelle und strukturelle Faktoren von Resozialisierung generell in einem reziproken Verhältnis, geht es also nicht um ein Entweder- Oder, sondern Sowohl-Als-Auch. Ein allgemeines Ziel der Initiative ist die Wahrung oder auch Wiederherstellung der Balance von lebensweltlichen gegenüber risikoorientierten Massnahmen. Damit ein effektives und nachhaltiges Übergangsmanagement gewährleistet ist, sollen im Weiteren die Schnittstellen zwischen Justizvollzug und Gemeinwesen systematisch entwickelt werden. Schliesslich bieten die resoz-Tagungen besonders der Sozialen Arbeit als Profession 5. 9. Brücken ins Gemeinwesen, team 72, Zürich 197 eine Plattform, um sich hörbar in den Diskurs zur Wiedereingliederung einzubringen. Dies vor dem Hintergrund gewisser Marginalisierungstendenzen im Tätigkeitsfeld des Justizvollzugs, die zumindest teilweise auch selbstverschuldet erscheinen, weil es der Sozialen Arbeit im Gegensatz beispielsweise zur Psychologie (vgl. RNR-Model, Andrews/Bonta 2010, oder Good-Lives-Model, Ward/Brown 2004) bis heute nicht gelingt, mit „griffigen“ Konzepten wesentlich zur Theorien- und Methodenentwicklung beizutragen. Letztlich soll resoz.ch auch einfach die allgemeine Wahrnehmung der Zielgruppe „Straffällige“ erhöhen. Fachpersonen wird bei der täglichen Arbeit immer wieder bewusst, dass Strafentlassene eine verhältnismässig kleine Adressatengruppe darstellen, der von Arbeitspartnern anderer Bereiche nicht selbstverständlich eine besondere Aufmerksamkeit geschenkt wird. Die nun mehrfach erwähnten resoz-Tagungen (siehe www.resoz.ch) werden vom team72 in Kooperation mit dem Justizvollzug Kanton Zürich, der Zürcher Hochschule für angewandte Wissenschaften, dem Schweizerischen Kompetenzzentrum für den Justizvollzug, der Interessengemeinschaft aussenorientierter Vollzug, dem Schweizerischen Verein für Gefängnisseelsorge sowie der Zürcher Stiftung für Gefangenen- und Entlassenenfürsorge regelmässig in Zürich veranstaltet. Sie richten sich an Fachpersonen vornehmlich des Straf- und Massnahmenvollzugs sowie der Bewährungshilfe und wirken als Überbau aktueller und zukünftiger Resozialisierungsaktivitäten gleichermassen initiatorisch, zusammenführend und multiplikatorisch. Wegen der Best-Practice-Idee wird grosser Wert auf die Vertretung möglichst vieler Regionen der Schweiz (mangels Simultan- übersetzung ist primär die Deutschschweiz angesprochen) sowie Disziplinen gelegt. Zukünftig soll aus demselben Grund auch das deutschsprachige Ausland vermehrt einbezogen sein. Ein wichtiges Ziel der Tagungen besteht darin, die verschiedenen Akteure im Felde des Justizvollzugs (stationärer Sanktionenvollzug, Bewährungshilfe, Freie Straffälligenhilfe) und des Gemeinwesens (Sozialhilfe, Erwachsenenschutz, Arbeitsintegration etc.) zu vernetzen, um das Übergangsmanagement und damit letztlich auch die Reintegration Strafentlassener zu verbessern. Die resoz-Tagungen haben, wie der Name schon nahelegt, monothematisch die Resozialisierung Straffälliger im Fokus – mit Schwerpunktsetzung nach zum Tagungszeitpunkt relevanten Themen. Seit der ersten Durchführung im Jahre 2015 kristallisiert sich hieraus eine Art Reformagenda, die unter anderem in einem Resozialisierungs-Masterplan für Zürich mündete (Details siehe weiterer Beitrag in diesem Buch), dessen Umsetzung Thema weiterer Tagungen sein wird. Bezeichnend für die Veranstaltungen mit 150 bis 200 Teilnehmenden ist generell ein enger Praxisbe- Martin Erismann 198 zug betreffend Tagungsinhalte und Referierende. Zum einen stehen Inputreferate aus den Bereichen Politik, Wissenschaft und Praxis auf dem Programm. Bezüglich ersteren wird auf den Einbezug exekutiver Entscheidungsträger Wert gelegt. Beim Input aus der Theorie und Empirie ist der angewandte Aspekt im Vordergrund. Der Praxisbeitrag schliesslich fokussiert auf beispielhafte Innovationen im Feld. Zum anderen werden im Rahmen von Workshops etc. Fokusthemen vertieft. Dauerbrenner sind diesbezüglich z. B. die Schnittstelle vom Justizvollzug zur Sozialhilfe oder Arbeitsintegration und der Einbezug von Angehörigen. Aber auch die interdisziplinäre Zusammenarbeit, das professionelle Verständnis von Resozialisierung und theoretisch-methodische Fragen zum Verhältnis von Lebenswelt- und Risikoorientierung sind immer wieder traktandiert. Aus den Tagungen konkret hervor gingen in Zürich vertiefende Arbeitsgruppen zur Schnittstellenentwicklung zwischen Justizvollzug und Sozialhilfe sowie Erwachsenenschutz, die in der Anfangsphase eng von der Geschäftsleitung des team72 begleitet wurden und eine erfolgreiche Vernetzung mit relevanten Arbeitspartnern im Gemeinwesen zum Ergebnis hatten. Im Bereich der Arbeitsintegration konnte mit time2work eine allgemeine Diskussion zur Optimierung betreffender Prozesse und Angebote im Justizvollzug lanciert werden, die über den Kanton Zürich hinausreicht. Schliesslich wurden die wichtigen Themen der Vollzugsöffnung und des Einbezugs von Angehörigen wiederholt portiert. Ersteres wird nun mit der neueren Kooperationspartnerin Interessengemeinschaft aussenorientierter Vollzug aktiv koordiniert, letzteres im Rahmen von konkreten Initiativen im Kanton Zürich mitgestaltet. Im Nachgang der letzten resoz-Tagung ergab sich auf Grund eines Inputs von Bernd Maelicke die Erkenntnis, dass in Deutschland, Österreich und der Schweiz grundsätzlich ähnliche Reformagenden (D: Reso-Agenda 2025, A: Zehn Gebote guter Kriminalpolitik, CH: Resoz-Masterplan Zürich) bestehen, die unter Umständen zusammengeführt werden können. Das Projekt ist pendent und wird ggf. auch ein Thema zukünftiger resoz-Tagungen. Die Initiative „resoz.ch“ zielt in erster Linie auf Verbesserungen im Versorgungs- resp. Hilfesystem, also die Optimierung von Strukturen, Prozessen und letztlich Angeboten. Analysiert man diesbezüglich den Status Quo, erscheinen die aktuellen Interventionen im schweizerischen Justizvollzug wie eingangs erwähnt zu nahe und einseitig beim Individuum verortet und fehlt das verbindende Element, quasi die „Brücke“ zum Gemeinwesen. Deshalb wird auf der Makroebene dazu angeregt, die Anforderungen in Zusammenhang mit der Resozialisierung über die individuelle Verhaltensebene hinaus umfassend zu verstehen. Hier ergibt sich der Link zu einer nebst Risiko- auch Lebensweltorientierung, die zwar das gleichnami- 9. Brücken ins Gemeinwesen, team 72, Zürich 199 ge Konzept von Hans Thiersch (2014) referenziert, sich aber nicht in diesem erschöpft. An dieser Stelle kann ebenso der eher soziologisch geprägte Begriff der Lebenslage angeführt werden, die es in Hinblick auf das Leben in Freiheit gebührend zu berücksichtigen und gezielt zu verbessern gilt. Damit sind Ansätze der Sozialwissenschaften und insbesondere der Sozialpädagogik angesprochen, nebst der erwähnten Lebensweltorientierung nach Thiersch vor allem das Lebenslagenkonzept nach Otto Neurath und Gerhard Weisser (vgl. Husi/Meier Kressig 1998) oder der sog. Capability Approach nach Amartya Sen und Martha Nussbaum (vgl Otto/Ziegler 2009). Grössere Bezugspunkte ergeben sich nicht zuletzt zur Desistance- Forschung der Kriminologie. Bei all diesen Konzeptionen kann abweichendes Verhalten als (misslungener) Versuch von Menschen verstanden werden, mit konkret-individuellen Verhältnissen im Sinne einer Alltagsbewältigung zurechtzukommen. Literatur Andrews, D. A./Bonta, James (2010): The Psychology of Criminal Conduct, 5. Aufl., New Providence: Matthew Bender & Company. Hofinger, Veronika (2012): Desistance from Crime – eine Literaturstudie. https:// www.irks.at/assets/irks/Publikationen/Forschungsbericht/Desistance_Literaturb ericht.pdf, 23.01.2020 Husi, Gregor/Meier Kressig, Marcel (1998): Exkurs: Das Lebenslagenkonzept. http://www.socialia.ch/Teaching/Geschichte%20des%20Lebenslagenkonzepts.p df, 23.01.2020 Kawamura-Reindl, Gabriele (2014): Lebenslagen Straffälliger als Ausgangspunkt für professionelle Interventionen in der Sozialen Arbeit. In AK HochschullehrerInnen Kriminologie I, Straffälligenhilfe in der Sozialen Arbeit (Hrsg.), Kriminologie und Soziale Arbeit – Ein Lehrbuch (144–159). Weinheim: Beltz Juventa. Otto, Hans-Uwe/Ziegler, Holger (2009): Capabilities – Handlungsbefähigung und Verwirklichungschancen in der Erziehungswissenschaft. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften. Sommerfeld, Peter/Calzaferri, Raphael/Hollenstein, Lea (2007): Die Dynamiken von Integration und Ausschluss. Olten: Fachhochschule Nordwestschweiz. Thiersch, Hans (2014): Lebensweltorientierte Soziale Arbeit: Aufgaben der Praxis im sozialen Wandel (Edition Soziale Arbeit). Weinheim: Beltz Juventa. Ward, Tony/Brown, Mark (2004): The good lives model and conceptual issues in offender rehabilitation. Psychology, Crime & Law, 10(3), 243–257. 6. Martin Erismann 200

Chapter Preview

References

Zusammenfassung

In Folge der weltweiten Corona-Krise gewinnen die Vorschläge zu einem „Systemischen Wandel“ auch in der Kriminal-, Justiz- und Sozialpolitik neue Bedeutung.

Dieser Band informiert über Masterpläne und Agenden der strategischen Steuerung von Innovationen in allen Arbeitsfeldern der Resozialisierung in einem Verbund von öffentlichen und privaten Trägern. In Österreich, der Schweiz und in Deutschland gibt es dazu konkrete Vorschläge von Fach- und Führungskräften und Experten der lokalen und nationalen Ebene, dies gilt auch für die internationale und europäische Dimension. Innovative Projekte weisen gesteigerte Wirksamkeit und Nachhaltigkeit von Gesamtkonzepten der ambulanten und stationären Resozialisierung nach.

Maelicke und Wein fordern im Übergang in eine Zeitenwende eine „Große Transformation“ und plädieren für einen nachhaltigen und wirkungsorientierten Umgang mit Tätern und Opfern.