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Otmar Hagemann, 7. Restorative Justice und Resozialisierung – Abgrenzung und Gemeinsamkeiten in:

Bernd Maelicke, Christopher Wein (Ed.)

Resozialisierung und Systemischer Wandel, page 151 - 180

1. Edition 2020, ISBN print: 978-3-8487-6719-9, ISBN online: 978-3-7489-0841-8, https://doi.org/10.5771/9783748908418-151

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Restorative Justice und Resozialisierung – Abgrenzung und Gemeinsamkeiten Otmar Hagemann Einleitung Restorative Justice (RJ) ist für unsere modernen westlichen Gesellschaften neu – wird im Grunde erst seit den 1970er Jahren praktiziert – und andererseits alt, denn es gab sie bereits vor dem Mittelalter – allerdings ohne Absicherung durch Menschenrechte! Es scheint, als ob einige indigene Kulturen über eine ungebrochene jahrhundertelange Praxis verfügen, die allerdings von den herrschenden Gesellschaften ignoriert wurde. Da dieser Text RJ „nur“ in Beziehung zur Resozialisierung im Bereich des Strafrechts und der Sozialen Arbeit mit Straffälligen und ihren „Opfern“ setzt, möchte ich einerseits auf diesen Bezug fokussiert bleiben, andererseits aber immer wieder aufzeigen, dass Theorie und Methodik der RJ konzeptionell weit darüber hinausgehen. Ich möchte zunächst auf die Ebene der Theorie eingehen und zentrale Elemente/Begriffe erläutern sowie diesen Ansatz historisch und räumlich verorten, der These folgend, dass wir aus der Vergangenheit und von indigenen Kulturen für unsere aktuellen Problemstellungen lernen können. Dabei soll auf dringend umzusetzende Empfehlungen hingewiesen werden, die wiederum von transnationalen Organisationen wie UNO, Europarat, EU, aber auch Nichtregierungsorganisationen ausgesprochen worden sind. Der nächste Abschnitt behandelt dann Anwendungen, gefolgt vom dritten Punkt über Prinzipien, zentrale Annahmen und dem Menschenbild, bevor sich der vierte Abschnitt mit der methodischen Umsetzung befasst. Manchmal wird die Verbindung von Theorie und Praxis nicht hergestellt – z.B. taucht der Begriff RJ bei NeuStart in Österreich kaum auf, ebenso im TOA-Kontext und auch in Neuseeland bei Family Group Conferences. Ich kann es trotzdem hierunter subsumieren, weil Praxis häufig sehr pragmatisch vorgeht, aber induktiv daraus Theorie entsteht. Gleichzeitig wird aus Theorie neue Praxis vorgeschlagen, z.B. aktuell im Baskenland oder Nordirland, wo RJ-VertreterInnen eine wichtige Rolle in gesellschaftlichen Friedensprozessen spielen. 7. 1. 151 Was ist Restorative Justice? Im weitesten Sinne kann Restorative Justice (RJ) als Strategie oder Bündel von Strategien mit Anwendungen in zivilen, unternehmerischen, strafrechtlichen und politischen Bereichen verstanden werden, die sich auf die Lösung von Konflikten und Streitigkeiten zwischen Parteien orientieren (vgl. Shapland et al. 2011, S. 4). Fattah & Peters (1998, S. 10) haben RJ als „umbrella term“ bezeichnet, was in der Abb. 3 über Verfahrensweisen deutlich wird und wollten zum Ausdruck bringen, dass damit diverse Anwendungen in vielfältigen Bereichen auf allen Ebenen der Gesellschaft gemeint sind, die allesamt einer bestimmten Philosophie folgen. Ihnen liegt eine gemeinsame Haltung zugrunde, und sie können mittels einer Theorie verbunden werden. Im engen Verständnis bezieht sich RJ nur auf die vom Strafrecht vorgegebene Konfliktbearbeitung bzw. strafrechtlich gerahmte Konflikte auf der Mikroebene, wie es in der Definition des Europarats von 2018 zum Ausdruck kommt: „“Restorative justice” refers to any process which enables those harmed by crime, and those responsible for that harm, if they freely consent, to participate actively in the resolution of matters arising from the offence, through the help of a trained and impartial third party (hereinafter the “facilitator”).”1 (Europarat CM Rec (2018) 8, Art. 3)2 Hanak et al. (1989) haben gezeigt, dass die strafrechtliche Bearbeitung von Problemen faktisch sehr selten vorkommt, da die meisten „Opfer“ von einer Anzeigeerstattung absehen. Das gilt sogar für schwere Straftaten wie sexuelle Gewalt – und Vergewaltigung im Besonderen -, die im Vergleich mit eher weniger invasiven Eigentumsdelikten deutlich seltener angezeigt werden (vgl. Landeskriminalamt Nordrhein-Westfalen 2006). RJ in einem weiten Verständnis (vgl. Shapland et al. 2011) setzt an alltäglichen Problem-3 und Konfliktsituationen an, bspw. bei Streitigkeiten unter Nachbarn (vgl. Langner 2017), am Arbeitsplatz oder in der Schule (Hopkins 2011; van Wormer & Walker 2013) und kümmert sich neben 2. 1 Stand 16.9.2019 liegt neben dem englischen Original nur eine Übersetzung in Französisch und Italienisch vor. 2 In ähnlicher Weise fordern die UNO, vgl. ECOSOC Resolution 2002/12 und die EU, vgl. EU-Directive 2012/29 die (stärkere) Nutzung von Restorative Justice. Die UNO (2006) hat sogar ein Handbuch zur praktischen Umsetzung publiziert. 3 Hulsman (1986) verwendet „problematische Situation“ als neutralen Begriff alternativ zum Begriff „Konflikt“, der von vielen Menschen nur für zweiseitige Angelegenheiten akzeptiert wird, also nicht für Kindesmisshandlung oder Wohnungseinbruch. Damit erfolgt eine bewusste Abgrenzung zu “Fehlverhalten”, „Kriminalität“ oder gar “Straftat”, die eine unangemessene Wertung vor jeder Aufarbeitung bedeuten. Otmar Hagemann 152 der Konfliktbearbeitung auch um die Bildung oder Stärkung von Gemeinschaften (sog. Community Building, vgl. Vanfraechem 2007), indem über entsprechende Dialogverfahren soziale Fremdheit reduziert und Bindungen sowie Zusammengehörigkeitsgefühle gestärkt werden (vgl. Hagemann 2002; Winter 2003). Den prägnantesten Ausdruck findet diese Konzeption in restorative cities (s.u.). Während es im engeren Verständnis also um eine Alternative im oder zum Strafrecht geht, strebt das weite Verständnis eine Transformation des sozialen Umgangs an. RJ als Haltung sieht Ungerechtigkeit4 als Skandal und Aufforderung zum Handeln, diese (wieder) aus der Welt zu schaffen. TheoretikerInnen betonen deshalb den transformativen Aspekt: ein eingetretener, bestehender Zustand ist ungerecht und muss in einen gerechten transformiert werden. „Transformative processes enable the wider community to participate in denouncing crime, supporting victims, and building true solutions. They also enable the wider community to take responsibility for the underlying causes of crime: poverty, abused children, unemployment, discrimination, and other deep social problems.” (Morris 2000, S. 254). Das ist keineswegs auf strafrechtlich relevante Sachverhalte beschränkt. Ungerechtigkeit kann in vielen Kontexten auftreten und viele Ursachen haben; es können viele Akteure oder gar „Systeme“ dafür verantwortlich sein. Ausgangspunkt könnte die Frage sein, ob es gerecht ist, dass manche Menschen über sehr viel Geld und Macht verfügen und andere über sehr wenig. Ist es gerecht, wenn Krieg herrscht oder Hunger oder wenn die Umwelt zerstört wird? RJ fragt, wer unter einer identifizierten Ungerechtigkeit (z.B. Straftat) leidet, was getan und wer daran etwas ändern kann (Zehr 2010). Es gibt deshalb die Diskussion, ob man eher von Restorative oder Transformative Justice sprechen sollte. Hier wird – wie auch von Zehr (2011) und Walgrave (2008) – der Standpunkt vertreten, dass wirkliche RJ immer transformativ sein muss: entweder Verhältnisse oder Menschen müssen sich ändern bzw. bei Änderungsbestrebungen unterstützt werden.5 Der 4 „Justice“ kann sowohl Gerechtigkeit als auch Recht bedeuten; Letzteres wäre hier zu eng gefasst. 5 Joas (2015) betont den langen Zeitraum der gesellschaftlichen Initiative gegen die Sklaverei, bis alle Staaten diese offiziell abschafften. Gegen ausbeuterische Arbeitsverhältnisse hat sich die Arbeiterbewegung im 19. Jahrhundert gebildet; gegen das Patriarchat und seine Privilegien die Frauenbewegung; gegen Krieg die Friedensbewegung und gegen Umweltzerstörung die Umweltbewegung. Immer geht es um gerechtere Verhältnisse für Unfreie, abhängig Beschäftigte, Frauen, SoldatInnen und Zivilbevölkerung sowie alle Menschen, die am Klimawandel, vergiftetem Trinkwasser und ähnlichem leiden. 7. Restorative Justice und Resozialisierung – Abgrenzung und Gemeinsamkeiten 153 Naturwissenschaftler Jonathan Boston (2007) und der Kriminologe Martin Wright (2010) sprechen auf der Makroebene von der „restorative society“. Auf dem Weg dorthin haben sich einige Städte in England, Belgien, Italien und Neuseeland zu „restorative cities“ erklärt (vgl. Patrizi & Biffi 2019). Das englische Hull als Vorreiter hat bis 2012 über 5000 BürgerInnen in Restorative Justice geschult (vgl. J. Wachtel 2012). Damit wäre soziologisch die Mesoebene angesprochen. „Das Strafrechtssystem und das ‚Bestrafen‘ bilden einen Auffangmechanismus, mit dessen Anwendung wir gleichsam gewisse Ausfallerscheinungen bei unseren anderen Strategien zur Prävention und Abschreckung einräumen. Nur wenn wir uns selbst davon überzeugen, dass bestimmte Menschen oder Gruppen dafür prädestiniert sind, böse zu sein und Böses zu tun, können wir uns damit wohlfühlen, dass wir uns bei einem sozialen Problem hilfesuchend an das Strafrecht wenden. ... werden wir nämlich sehen, dass auch Menschen, die anscheinend so böse sind, wie man nur sein kann – die südafrikanischen Buren beispielsweise, die das böse Apartheidsystem umgesetzt haben -, über die Fähigkeit verfügen, gut zu sein, und dass hilfsbereite und nützliche Bürger aus ihnen werden können, wenn man sich ihnen in diesem Verständnis nähert und sie nicht hart zur Verantwortung zieht. Wir sollten uns von unserem Unbehagen leiten lassen, wenn wir über das Strafrecht nachdenken.“ (Nussbaum 2017, S. 273). Theorie, Ansatz oder Philosophie Nach Hügli & Lübcke (2000, S. 621) erfüllt „eine zusammenhängende Reihe von singulären und universellen Aussagen, die es – über ein reines Beschreiben hinaus – ermöglichen, den Gegenstand der Theorie zu begründen, zu erklären oder zu verstehen“ das Kriterium für eine Theorie. Das trifft – wie es auch McCold & Wachtel (2002) konstatieren – auf RJ zu, kann an dieser Stelle aber nicht detailliert ausgeführt werden. Nach meiner Auffassung stellt Restorative Justice eine Theorie über den konstruktiven Umgang mit Konflikten und ein friedliches soziales Zusammenleben dar. Diese Theorie kann in unterschiedlichen Bereichen des Sozialen – manche sprechen von (Funktions-) Systemen – angewendet werden, nämlich immer dort, wo es um Konflikte bzw. problematische Situationen geht (vgl. FN 3) und der soziale Frieden6 gefährdet oder verletzt ist. Bei der 6 Sozialer Frieden geht über den Rechtsfrieden, den Gerichte in einem Rechtsstaat durch ihre Urteile zwischen Streitparteien bzw. der Rechtsordnung wiederherstellen, hinaus, insofern als dass nicht nur Rechtsstreitigkeiten geklärt sind, sondern die Beteiligten auch mit dem Geschehen abschließen können und Frieden untereinander (wieder) hergestellt wurde (Hagemann 2011). Otmar Hagemann 154 konkreten Anwendung bedient sie sich unterschiedlicher Methoden und Verfahrensweisen. Heuristik analytischer Ebenen der Restorative Justice nach Hagemann & Lummer (2012, S. 31). RJ kann vielleicht zu einer Gesellschaftstheorie ausgebaut werden, aktuell wird ihr Status als Theorie noch in Frage gestellt. Theorie soll laut Glaser & Strauss (1979) „grounded“, also in der Lebenswelt verankert sein – damit gibt es keinen Gegensatz zwischen einer derartigen Theorie und Praxis.7 Heute ist die Rede von „restorative social work“ (van Wormer 2006, Früchtel 2011) und von „restorative practice“, vor allem wird RJ aber als Alternative zum existierenden Strafrechtssystem auf der institutionellen und pragmatischen Ebene diskutiert. Doak & O’Mahony (2012) sowie Strang (2012) arbeiten an theoretischer Integration mit Bezugnahmen auf Verfahrensgerechtigkeit, Verantwortung, Interaktions- und Kommunikationstheorien; Rossner (2013) fokussiert Rituale und Emotionen. Braithwaite hat bereits 1989 ein entsprechendes Werk vorgelegt, das neben diversen kriminologischen Theorien den psychischen Affekt der Scham in den Mittelpunkt stellt (kritisch Morris 2003). Abbildung 7‑1: 7 Analog zum „Labeling Approach“, der in den 1960er Jahren als „Ansatz“ in der Kriminologie bzw. Soziologie des abweichenden Verhaltens auftauchte und heute in den meisten Lehrbüchern als Labelingtheorie bezeichnet wird, werden wir vielleicht in 50 Jahren ganz selbstverständlich von RJ-Theorie sprechen. 7. Restorative Justice und Resozialisierung – Abgrenzung und Gemeinsamkeiten 155 Zuweilen ist von einer Philosophie oder einem (neuen) Paradigma die Rede (vgl. Zehr 1990; von Hirsch et al. 2003; Toews 2006; van Garsse 2015), was dann eher auf die Haltung ihrer VertreterInnen schließen lässt. Restorative Justice ist inhaltlich eng mit theoretischen Konzepten wie Empowerment oder Lebensweltorientierung verbunden, die in der Sozialen Arbeit bedeutsam sind. Manche sehen es auch als „Methode“ an, was hier aber nicht geteilt wird (s.u.). Dieses nicht seltene Missverständnis rührt wahrscheinlich daher, dass Restorative Justice sich aus zwei teilweise unverbundenen Quellen speist: zum einen aus pragmatischen Lösungen, bestimmte Probleme zu bearbeiten, konkret die Linderung des Leids von Kriminalitätsopfern mit der Verantwortungsübernahme und in deren Folge Einstellungs- und Verhaltensänderungen auf Seiten der Täter zu bewirken.8 Zum anderen steckt dahinter die Entwicklung einer alternativen Theorie, die das vorherrschende Dogma der Notwendigkeit des Strafens als Übelszufügung nicht akzeptiert (vgl. Lagasnerie 2017) und in der Tradition aufgeklärter, abolitionistischer Bewegungen steht. RJ ist gewissermaßen in Deutschland erfunden worden. 1955 haben Theologen von „heilender Gerechtigkeit“ gesprochen. Das wurde vom amerikanischen Kollegen Whitehouse mit dem Begriff RJ ins Englische übersetzt (vgl. Schrey et al. 1955) und von Albert Eglash (1977), einem Psychologen und Bewährungshelfer bereits in den 1950er Jahren aufgegriffen. Er sprach von „Creative Restitution“, d.h. ein Schaden/eine Verletzung sollte von der verursachenden/verantwortlichen Person wiedergutgemacht werden.9 Nutzen und Anwendung auf Mikro-, Meso- und Makroebene RJ wird meistens in Verbindung mit dem Strafrecht thematisiert, aber es gibt diverse Anwendungen im Zivilrecht, bei Trennung und Scheidung (vgl. Haynes et al. 2002), im Alltag generell (Wachtel 2003), in Schulen (vgl. Hopkins 2011) und Hochschulen (Karp 2013; Hagemann & Nahrwold 2018), in der Gemeinde, am Arbeitsplatz usw. Es dominiert die Anwendung auf der Mikroebene personaler Konflikte und Probleme zwischen Einzelpersonen, zwischen diesen und Organisatio- 3. 8 Der sogenannte „Elmira-Fall“ von 1974 gilt als Geburtsstunde des Täter-Opfer-Ausgleichs (vgl. Yantzi 1985). 9 Normalerweise lernen bereits Kinder, für etwas selbst Beschädigtes oder Zerstörtes einzustehen, aber das geschieht heute z.T. nicht mehr (vgl. Pranis 2000; Eißele 2009). Otmar Hagemann 156 nen/Unternehmen (z.B. Versicherungen, vgl. Braithwaite & Mugford 1994; HAlt Vernieuwd 201310) oder Individuen und dem Staat und seinen Körperschaften (z.B. Beschwerden von (Straf)Gefangenen gegen ihre Haftbedingungen, vgl. Vogt & Vogt 2015). Bei Protesten von BürgerInnen gegen Bescheide, Planungen und Bauvorhaben (z.B. „Stuttgart 21“) kann bereits die Mesoebene angesprochen sein. Das gilt auch für Konflikte unter Unternehmen oder zwischen Unternehmen und Organisationen, die gelegentlich mit mediativen Methoden ohne Beteiligung der Justiz bewältigt werden. RJ wird auch bei gesamtgesellschaftlichen oder zwischenstaatlichen Konflikten angewandt. Die Wahrheits- und Versöhnungskommissionen sind das wohl prägnanteste Beispiel von RJ auf Makroebene. Es handelt sich dabei um ein Instrument zur (Wieder-)Herstellung des sozialen Friedens nach gesamtgesellschaftlichen Konflikten, z.B. in Südafrika nach Ende der Apartheit (vgl. Tutu 1999; Parmentier 2001). Vielleicht wurde in der deutschen Gesellschaft im Hinblick auf den tausendfachen Missbrauch von „Heimkindern“ in staatlichen Einrichtungen oder solchen der christlichen Kirchen eine Chance der Friedensstiftung und persönlichen Heilung verpasst? Zugrundeliegendes Menschenbild und weitere zentrale Annahmen Zwar gibt es Stimmen, die die RJ im Christentum verankert sehen (vgl. van Dijk 2009); die meisten AutorInnen weisen jedoch auf indigene Traditionen nordamerikanischer „Indianer“ (first nation people) oder pazifischer Völker (z.B. neuseeländische Maori) hin, die insbesondere die „Kreisverfahren“ des Conferencing und der Circles als konkrete Praktiken zur Problembearbeitung nutzen. Deshalb bildet ein humanistisches Menschenbild die beste Grundlage. Jedes Individuum genießt Menschenwürde, aus der sich Rechte ableiten. Die Werte der RJ (Heilung, sozialer Frieden, aber auch Ownership der Lebensweltakteure11, vgl. Pranis 2007) und 4. 10 HAlt (Het Alternatief) ist ein niederländisches landesweites Diversions-Programm, in dem Arbeitsleistungen als Ausgleich für zuvor erfolgte Beschädigungen oder Zerstörungen erfolgen, z.B. in öffentlichen Verkehrsmitteln oder bei Unternehmen. 11 Lebensweltakteure bilden den Gegenpol zu den Professionellen/ExpertInnen. Sie verfügen über Alltagskompetenzen, nicht über spezifische berufliche oder wissenschaftliche Qualifikationen bzgl. der jeweiligen Problemlage. 7. Restorative Justice und Resozialisierung – Abgrenzung und Gemeinsamkeiten 157 auch ihre Prinzipien (Freiwilligkeit12, Demokratie, Zukunftsorientierung, Dialog und Verantwortlichkeit, vgl. Walgrave 2008; Doak & O’Mahony 2012) sind im Humanismus begründet. Braithwaite (1994) weist mit dem Ausdruck „Demokratisierung sozialer Kontrolle“ darauf hin, dass Entscheidungen „unten“ von Lebensweltakteuren getroffen werden. Ownership (auf Mikroebene Selbstbestimmung – dazu gehört die Entscheidung für oder gegen RJ, vgl. van Camp & Wemmers 2013) bezieht sich auf die Frage, wem ein Konflikt/Problem eigentlich gehört. Christie (1977) vertritt den Standpunkt, dass es sich um ein wertvolles Eigentum von Lebensweltakteuren handelt, weil diese bei der Aufarbeitung gewinnen und sich persönlich weiterentwickeln können. Er warnt deshalb davor, sich seine Konflikte von ExpertInnen/Professionellen (z.B. AnwältInnen, dem Strafrechtssystem) stehlen zu lassen (vgl. auch Illich 1979). Ob Ownership in einer Verfahrensweise gegeben ist, erkennt man an bestimmten Freiheiten, dass z.B. die Lebensweltakteure selbst bestimmen, wer eingeladen wird, ein „Heimspiel“ haben, in dem sie ca. zwei Drittel der Teilnehmenden ausmachen (vgl. Früchtel et al. 2013; Früchtel & Halibrand 2016, S. 57 und 84) und das Ergebnis ohne Anwesenheit von Professionellen erarbeiten (vgl. „family-only time“; private Zeit). RJ-Verfahren gehen also über Partizipation hinaus. RJ geht von individuellen Bedürfnissen aus; dabei sollten Bedürfnisse weder mit Wünschen und Anspruchshaltungen noch mit Rechten verwechselt werden. Bedürfnisse sind allgemein und universell, die Nichterfüllung verweist auf strukturelle Opferwerdungen und Machtmissbrauch. Deshalb darf das Adjektiv „restorativ“ bzw. das Verb „to restore“ auch nicht strikt als Wiederherstellung eines früheren – ggf. ungerechten – Zustands interpretiert werden. RJ muss immer transformativ sein und Ungerechtigkeit überwinden (vgl. Zehr 2011; Walgrave 2008). Es greift zu kurz, wenn ein individualisiertes Modell zugrunde gelegt wird. Die einzelne Person wird erst durch ihre Bezüge auf ihre Gemeinschaft zum Individuum (vgl. FN 13). Umgekehrt endet ihre Freiheit auch dort, wo sie in die Selbstbestimmung einer anderen einzudringen droht. Diese republikanische Freiheitskonzeption (vgl. Pettit 2015) grenzt sich von liberalen, uneingeschränkten Freiheitsauffassungen ab. Aus diesen Überlegungen folgt im 12 Freiwilligkeit ist ein Grundprinzip der RJ (und im Falle von Gewalt gegen Frauen zusätzlich in der sog. Istanbul Convention des Europarats von 2011 festgeschrieben), d.h. niemand darf zur Teilnahme an einem RJ-Verfahren gezwungen werden. Faktisch ist Freiwilligkeit gar nicht so einfach festzustellen, weil bspw. Eltern auf Jugendliche einwirken oder „Täter“ die Chance erkennen, mittels eines RJ- Verfahrens möglicherweise um eine Strafe herumzukommen. Otmar Hagemann 158 Weiteren, dass Verfahrensweise ohne Einbeziehung der Gemeinschaft13 nicht vollständig restorativ genannt werden (vgl. McCold & Wachtel 2002). Gefordert ist in diesem Modell die freiwillige Verantwortungsübernahme der beteiligten Akteure und ihrer Gemeinschaften. Da nicht alle Gesellschaftsmitglieder dazu bereit oder in der Lage sind – und Geschädigte mithin kein Vertrauen in zukünftige Verhaltensänderungen entwickeln können, schlägt bereits Braithwaite (1989) eine Eskalation der Reaktion auf schädigendes Verhalten vor, die Karp (2013) in der folgenden Pyramide veranschaulicht. Abkehr von RJ bei nicht vertrauenswürdigen und nicht moralisch handelnden Akteuren nach Karp (2013, S. 20). Abschreckung wirkt nicht bei emotional-impulsiven Handlungen, wenn Handelnden die Schädlichkeit ihres Tuns nicht bewusst ist oder die Entdeckungswahrscheinlichkeit gering oder unerheblich erscheint (vgl. „Dieselskandal“). Hier wird RJ also in ein übergreifendes Reaktionssystem inte- Abbildung 7‑2: 13 Gemeinschaft ist eine Gesellungsform, die als besonders eng, vertraut gilt und sich im Gegensatz zur Gesellschaft auf alle Lebensbereiche bezieht, z.B. Familie, Nachbarschaft, kleine Gemeinde und Freundesgruppe. Sie wird als ursprünglich und dem Menschen wesensgemäß angesehen und bedarf keiner vertraglichen Regelung (vgl. Früchtel (2011); Früchtel & Halibrand (2016). Bischof Tutu (1999), der Vorsitzende der südafrikanischen Wahrheits- und Versöhnungskommission betont, dass kein Mensch in Isolation leben kann, sondern erst durch seine Mitmenschen zum Menschen wird („Ubuntu“), mithin die gemeinschaftliche Verbundenheit mit anderen essentiell ist. 7. Restorative Justice und Resozialisierung – Abgrenzung und Gemeinsamkeiten 159 griert, das auch Strafen („deterrence“, mittlere Ebene) und Sicherungsmaßnahmen („incapacitation“, obere Ebene) kennt. Bereits angesprochen wurde die Verantwortlichkeit. Einerseits geht es darum, kein einzelnes Individuum isoliert von seiner Gemeinschaft zu betrachten und somit immer einen Teil der Verantwortung in der Gemeinschaft zu lokalisieren, die es ggf. an Unterstützung für die Bedürfnisbefriedigung oder Feedback (Pranis 2000) hat mangeln lassen. Andererseits gehen RJ-Verfahren davon aus, dass alle Beteiligten in der Lage sind, Selbstverantwortung zu übernehmen und auf eigene Bedürfnisse zu achten. AnwältInnen sind in RJ-Verfahren willkommen, um die Fairness und Rechtmäßigkeit der Verfahren zu überwachen, aber jede Person redet für sich und ist für die eigenen Beiträge verantwortlich. McCold & Wachtel (2002) Restorative Justice Theorievalidierung nach Übersetzung von Hagemann (2011, S. 161). Methoden und Verfahrensweisen zur Umsetzung von RJ Trotz der kritischen Distanz gegenüber ExpertInnen (vgl. Christie 2009, der seine Skepsis sogar auf MediatorInnen ausweitete) wären Lebensweltakteure in vielen Fällen überfordert, vollkommen ohne professionelle Hilfe heilende Verfahren durchzuführen und transformierende Lösungen zu erreichen Abbildung 7‑3: 5. Otmar Hagemann 160 (Gegenbeispiel Elva & Stranger 2017). Methodenkompetenz und das Wissen über angemessene Verfahrensweisen und einzusetzende Techniken einschließlich der Befolgung von Standards (z.B. 7. Auflage der TOA-Standards; Sonderheft des British Journal of Criminology 2002; Umbreit & Greenwood 2000; spezifische Standards für Sexualdelikte und partnerschaftliche Gewalt; Restorative Justice Council 2015) zeichnet Fachkräfte aus. Der Europarat nennt in Art. 5 seiner Empfehlung CM (2018) 8 unter anderem14 Täter-Opfer-Ausgleich (victim-offender mediation), strafvollzugliche Mediation (penal mediation), restorative conferencing, family group conferencing, sentencing circles und peacemaking circles, als konkrete Verfahrensweisen. Im Art. 8 werden Praktiken, die keinen Dialog zwischen Opfern und Tätern beinhalten und im Art. 11 Opferhilfedienste ergänzt (vgl. soziale Gruppenarbeit und Beratung, Ebene 3 in Abb. 1). Artikel 59 listet unter anderem “community reparation schemes, reparation boards, direct victim restitution, victim and witness support schemes, victim support circles, therapeutic communities, victim awareness courses, prisoner or offender education, problem-solving courts, Circles of Support and Accountability, offender reintegration ceremonies, and projects involving offenders and their families or other victims of crime” als innovative Ansätze zur Wiedergutmachung, Opferheilung und Täterintegration auf. McCold & Wachtel (2002) führen insgesamt 17 restorative Praktiken an, von denen die meisten auch vom Europarat genannt werden. Zu berücksichtigen ist das Phänomen, dass im Grunde sehr ähnliche Verfahren unter verschiedenen Bezeichnungen geführt werden. In diesem Beitrag werden deshalb im Folgenden ausgewählte Verfahrensweisen näher vorgestellt: Bei den konkreten RJ-Verfahren denken wir nicht nur an diverse direkte und indirekte Mediationsverfahren15, sondern auch an soziale Gruppenarbeit und Beratung. 14 „Unter anderem“ soll die konkrete Benennung von RJ-Maßnahmen ermöglichen, aber Neuerungen und Neuentwicklungen nicht ausschließen. 15 Bei Mediationsverfahren liegt die Verantwortung für die Durchführung eines fairen und konstruktiven Prozesses in erster Linie beim Mediator, während für das Ergebnis allein die Konfliktparteien (und ihre Unterstützer) verantwortlich sind. Ein restorativer Prozess liegt vor, wenn „Opfer“ und „Täter“ sowie andere direkt Beteiligte (auch Mitglieder der Gemeinschaft sofern durch die Kriminalität betroffen) aktiv teilhaben an einer Lösung der Angelegenheit, zumeist mit Unterstützung eines Facilitators. Generell führt ein inklusiver, für alle Bedürfnisse und Anregungen offener Prozess nahezu selbstlaufend zu einem von allen getragenen Ergebnis. Die Idee des fairen Prozesses mit Verweis auf „procedural justice“ (Verfahrensgerechtigkeit) ist den „Opfern“ (und auch vielen Tätern) wichtiger als ein bestimmtes Ergebnis (vgl. Wemmers 1996; Strang 2002; Mika et al. 2004; van Camp 2014). 7. Restorative Justice und Resozialisierung – Abgrenzung und Gemeinsamkeiten 161 Die folgende Übersicht (Abb. 4) stellt RJ-Praktiken als sechs Treppenstufen nach ihrem restorativen Potential sortiert (vgl. McCold & Wachtel 2002) dar, die anschließend kurz vorgestellt werden. Bei den ersten beiden Verfahren handelt es sich um eine Alltagsmethode sowie EDV-gestützte Selbstreflexion. In den unter 3 bis 6 genannten Verfahren geht es um Mediation im Sinne von Vermittlung, wobei Variante 5 eine konfliktbeteiligte Person durch eine strukturell ähnliche substituiert. Für Details im Strafvollzugskontext vgl. Liebmann (2007). Auf einseitige, parteiliche Täterunterstützung und Opferhilfeangebote wird hier nicht weiter eingegangen, da sich Heilung in diesen Fällen nur auf eine Person bezieht. Gleichwohl kann im Sinne eines maximalistischen Verständnisses16, das vom Ergebnis her gedacht ist (vgl. Walgrave 2008), auch die Unterstützung einer Beratungsstelle oder die Bewährungshilfe restorativ/heilend im Sinne der RJ gestaltet werden (vgl. als Vorbild hierzu die tschechische Bewährungshilfe). Dieser Gedanke leitet zum Abschnitt V über. Idealtypische Klassifizierung von RJ-Praktiken nach restorativem Potential. Abbildung 7‑4: 16 Das maximalistische Verständnis nähert sich vom Ergebnis einer Intervention her der RJ-Zielsetzung an und kann bedeuten, sich pragmatisch bspw. mit Bestrafung zu arrangieren, solange eine transformierende und möglichst heilende, Schäden ausgleichende Wirkung erzielt wird (vgl. Walgrave 2008). Danach soll RJ zwar weiterhin das bestehende Strafrechtssystem soweit möglich ersetzen, kann aber übergangsweise integriert werden. Der maximalistischen Position steht eine puristische gegenüber, die alle Maßnahmen ablehnt, die nicht im Einklang mit zentralen Prinzipien der RJ sind wie Heilung statt Strafe, Freiwilligkeit statt Zwang, Ownership statt bloßer Beteiligung. Otmar Hagemann 162 1. Das International Institute for Restorative Practices (IIRP) hat Kärtchen im Visitenkartenformat entwickelt, die auf einer Seite sogenannte restorative Fragen als Unterstützung für jene, die durch das Verhalten anderer verletzt worden sind („Opfer“) und auf der anderen Seite Fragen als Reaktion auf herausforderndes Verhalten („Täter“) beinhalten. Die Fragen, die für eine geschädigte Person als hilfreich aufgeführt werden, lauten übersetzt: • Was ging Ihnen durch den Kopf als Sie realisierten, was geschehen war? • Welche Auswirkung hatte dieses Ereignis auf Sie und andere? • Was war daran das Schwierigste für Sie? • Was müsste nach Ihrer Auffassung geschehen, um die Dinge wieder in Ordnung zu bringen? Diese Fragen vermitteln der betroffenen Person, dass Sie ernst genommen wird und erlauben ihr, die aktuellen Gefühle auszudrücken und über das Erlebte zu erzählen. Damit wird häufig ein erster Schritt zur Einordnung gemacht; Betroffene empfinden Anerkennung und Trost und das Ausdrücken der Gefühle erleichtert und schafft die Grundlage für die nächsten Schritte im Copingprozess (vgl. Lazarus & Folkman 1984; Hagemann 1993). Damit verbunden ist ein Appell, insgesamt restorative Sprache (vgl. Rosenberg 2013 und Weckert 2012 für Gewaltfreie Kommunikation) als Grundlage für Begegnungen mit verletzten Menschen zu verwenden, z.B. seitens der Polizei. 2. Recovery Helper bezieht sich auf eine von drei Varianten des Computerprogramms ApologyHelper17. Die Variante „Entschuldigung“ (apology letter) betrifft eine/n TäterIn; sie kann als Vorbereitung für weiterreichende Verfahren dienen. Das Programm beinhaltet eine Variante zur Heilung bzw. „Erholung“ (recovery) und eine zum „Verzeihen“ (forgiveness), was gegebenenfalls eher längerfristig in Frage kommt, um sich von dem Erlebten zu befreien. Diese befreiende Wirkung betonen betroffene Opfer, auch wenn es für Dritte manchmal schwer nachzuvollziehen ist (vgl. Fälle aus Afghanistan und Australien in de Cock 2015). Die Beantwortung der Fragen des Computerprogramms hilft, den jeweiligen Prozess für sich selbst zu strukturieren. Antworten sind veränderbar und das gesamte Protokoll kann nur ausgedruckt, aber nicht gespeichert werden. Mit dem Ausdruck lässt sich individuell wie mit einem Tagebucheintrag weiterarbeiten, aber man kann ihn auch als Brief an die gemeinte Person versenden. Zuweilen 17 Vgl. Furman & Walker o.D. – Erläuterungen der AutorInnen finden sich unter https://www.youtube.com/watch?v=KK5xSzJKbdU. 7. Restorative Justice und Resozialisierung – Abgrenzung und Gemeinsamkeiten 163 berichten Opfer und Täter, dass ihr Kontakt nach einer Tat auf dem Briefwege zustande kam (vgl. de Cock 2015). 3a. Die Zielsetzungen von RJ können mittels mediativer Methoden im Regelfall am besten umgesetzt werden – insofern kann das in Österreich Tatausgleich, in Deutschland Täter-Opfer-Ausgleich und international victimoffender-mediation genannte Verfahren gut geeignet sein. In der Regel geht es um einen qualifiziert moderierten Dialog einer MediatorIn sowie einer geschädigten und einer für die Schädigung verantwortlichen Person, der intensiv in getrennten Einzelgesprächen zwischen beiden Parteien und der/dem MediatorIn vorbereitet wird. Selten nehmen weitere Personen daran teil, ausgeschlossen sind Unterstützerpersonen aber nicht. Die beste Wirksamkeit erreicht ein Täter-Opfer-Ausgleich mit einem direkten Treffen der Beteiligten, in dem auch parasprachlich und körpersprachlich, also nicht nur verbal, kommuniziert wird (vgl. Shapland et al. 2011). Im Kontext mit teilweise uneinsichtigen, unempathischen Tätern und angstvollen Opfern bei großen Machtdifferenzen oder Manipulationsgefahr kann für den TOA mit einem gewalttätigen Partner auch eine indirekte shuttle-Variante in Betracht kommen, bei der der/die MediatorIn zwischen beiden Parteien pendelt und Botschaften übermittelt. In Deutschland hat vor allem Oberlies (2000) kritisch gegen das individualisierte Verfahren des TOA zwischen misshandelten Frauen und ihren Partnern als Täter und gegen strafrechtlich als TOA gewertete Winkelzüge von Anwälten argumentiert. Die Beispiele zielen weder auf echte Dialoge noch auf Heilung, sozialen Frieden und Transformation, betreffen also eher die Kolonialisierung der Lebenswelt durch das Rechtssystem (vgl. Habermas 1981). Hier greift Zehrs Warnung (2010), nach der sich u.a. die juristische Auslegung von der RJ-Praxis erheblich unterscheiden kann (vgl. auch Christie 2009 und van Garsse 2015). 3b. Das gemischte Doppel (vgl. Watzke 1997) ist eine in Österreich für Partnerschaftskonflikte entwickelte Sonderform des Tatausgleichs, bei der genau vier Personen, nämlich die beiden Konfliktpartner unterschiedlichen Geschlechts und zwei ebenfalls männlich-weiblich kombinierte MediatorInnen mitwirken (vgl. Pelikan 2009). Bezogen auf partnerschaftliche und familiäre Gewalt erzielt es aus Sicht der betroffenen Frauen beeindruckend vorteilhafte, nachhaltig positive Ergebnisse, deren Wahrscheinlichkeit weder von der Schwere der Opferwerdung noch von deren Dauer abhängig ist (vgl. Bachinger & Pelikan 2015, S. 98). 4. Da RJ auf Freiwilligkeit beruht, gibt es Fälle, bei denen eine hauptbeteiligte Person nicht zur Verfügung steht, entweder weil sie die Teilnahme verweigert oder der Dialog aus anderen Gründen (z.B. Tod, Ausweisung des Täters) nicht stattfinden kann. Hier haben sich moderierte Gruppen von Otmar Hagemann 164 Opfern, die ihre Erfahrungen austauschen und bestimmte Schlüsselthemen bearbeiten, als hilfreich erwiesen (vgl. Muylkens & Smeets 2008)18. Die über mehrere Termine andauernde Gruppenarbeit mit Opfern dient der Befreiung von den Tätern, die vielleicht nicht physisch, aber doch im Denken, Träumen oder durch bestimmte „Trigger“ ausgelöst, nahezu permanent präsent sein können. In dieser Hinsicht sind hier die Übergänge zur therapeutischen Aufarbeitung fließend. 5. In Fällen von Opfern, die sich selbst eine indirekte dialogische Aufarbeitung nicht vorstellen können, z.B. weil sie sich nach wie vor bedroht fühlen, kann eine Begegnung mit einer Person, die eine ähnliche Tat begangen hat, hilfreich sein (vgl. Yantzi 1998 für Kindesmissbrauch). Damit ähnelt sich dieses Verfahren einer Aufarbeitung an, wie sie mit Hilfe von TherapeutInnen oder professionellen Opferhilfe-MitarbeiterInnen durchgeführt werden könnte. Hierbei geht es jedoch um eine selbst gesteuerte Aufarbeitung, bei der TherapeutInnen oder andere Unterstützungspersonen direkt oder im Hintergrund einbezogen werden können (sollten), aber nicht „behandeln“. Yantzi (1998) und Stutzman Amstutz (2009) beschreiben derartige “Opfer-Täter-Dialoge”. 6a. Conferencing-Verfahren. Schließlich gibt es nach McCold & Wachtel (2002) den Idealfall, dass ein „Kreisverfahren“19 (vgl. Gemeinschaftskonferenz, Familienrat, Sozialnetzkonferenz20, Friedenszirkel) mit den Hauptbeteiligten stattfinden kann (vgl. Organisation Netzwerkkonferenzen e.V. https://www.netzwerkkonferenzen.org/; Zinsstag & Vanfraechem 2012). Diese benennen dann in Vorgesprächen mit den MediatorInnen jeweils ihre Vertrauenspersonen und/oder andere UnterstützerInnen. Pennell & Burford (2000) fanden, dass dieses Verfahren aus dem Teufelskreis der Partnergewalt herausführen kann und größere Sicherheit, weniger Kindesmissbrauch und weniger Gewalt gegen Frauen bringe als herkömmliche soziale Einzelfallhilfe. Das ursprünglich aus dem pazifischen Raum 18 In vergleichbarer Weise arbeiten auch „Täter“ in Gruppen ohne ihre Opfer ihre Tathandlungen auf: sog. Opferempathie-Training, vgl. Hagemann 2004; 2017; Lummer 2015. „Impact Panels“ (z.B. von Müttern, deren Kinder durch betrunkene Fahrer im Straßenverkehr ums Leben gekommen sind) bieten Opfern ein Forum zum Austausch und zur gegenseitigen Stützung. 19 Diesen Begriff benutzen z.B. Domenig 2009 und Fiedeler 2014, da die Beteiligten im Kreis sitzen, d.h. keine Hierarchie ausgedrückt wird und sich alle gegenseitig sehen können. 20 Sozialnetzkonferenz (SoNeKo) ist die von NeuStart in Österreich gewählte Bezeichnung, die Conferencing in verschiedenen Varianten anbietet, u.a. als Untersuchungshaftvermeidung und für psychisch kranke junge Menschen (vgl. Schlechter 2015; Koss & Wieländer 2015). 7. Restorative Justice und Resozialisierung – Abgrenzung und Gemeinsamkeiten 165 stammende Conferencing-Verfahren (vgl. MacRae & Zehr 2004; Morris & Maxwell 2001; Zinsstag & Vanfraechem 2012; Clarijs & Malmberg 2012 vergleichbar den Friedenszirkeln der nordamerikanischen indigenen Bevölkerung, vgl. Pranis et al. 2003; Thoß & Weitekamp 2012) wurde aus einer indigenen Konfliktbearbeitungstradition der Maori in Neuseeland abgeleitet und ist dort seit 1989 gesetzlich vorgeschrieben, wenn Minderjährige tatverantwortlich sind. Neben „Tätern“ und „Opfern“ sind jegliche nahestehende Vertrauenspersonen der Hauptbeteiligten wie Freunde und Verwandte einzubeziehen. Darüber hinaus können bei Bedarf Professionelle oder sonstige Mitglieder der Gemeinschaft zeitweilig oder während des gesamten Dialoges (ausgenommen einer privaten Zeit21 der Planausarbeitung) einbezogen werden. Das Conferencing-Verfahren umfasst also zusätzliche Personen, ähnelt ansonsten dem Mediationsverfahren des Täter- Opfer-Ausgleichs (vgl. Umbreit 2000). Ergebnis ist eine Lösung, die von allen Beteiligten getragen wird, oder keine Lösung, also ein Scheitern. 6b. Der Unterschied zwischen Conferencing-Verfahren und sogenannten Circles liegt für mich primär im regionalen Ursprung (pazifischer vs. nordamerikanischer Raum). Wegen der inhaltlichen Nähe soll noch kurz auf „huikahi restorative circles“ aus Hawaii – an der Grenze beider Kulturkreise – eingegangen werden (vgl. Walker 2010). Hier bildet eine zeitnah aus dem Strafvollzug zu entlassende Person das zentrale Glied des Kreises. Der „circle-keeper“ (MediatorIn, Koordinator) entscheidet mit ihr gemeinsam, wer aus dem Gefängnis (z.B. Mitgefangene oder Mitarbeiterinnen) und von außerhalb (in der Regel Personen des sozialen Empfangsraums wie Verwandte, Freunde, aber auch Professionelle) eingeladen wird, mit der Person zusammen einen verbindlichen Plan für die Reintegration nach der Entlassung auszuarbeiten. 21 Die “family only-Zeit” oder private Auszeit ist konstitutiv und verweist auf die Ownership eines RJ-Conferencing-Verfahrens durch die Lebensweltakteure. Diese treffen sich ohne Professionelle – meist in einem separaten Raum, in dem Erfrischungen bereitstehen – um einen Plan zu entwickeln, wie mit dem Problem umgegangen werden sollte oder ein Konflikt gelöst werden kann. Anschließend wird der Plan in der Gesamtgruppe vorgestellt und ggf. leicht modifiziert. Einige Behördenvertreter wie Jugendamt oder Polizei/Justiz haben ein Vetorecht; Geschädigte treten ggf. in eine Nachbesserungsverhandlung ein. Am Ende steht ein von allen getragener Konsens oder eine Nichteinigung. Otmar Hagemann 166 Restorative Justice und Resozialisierung Walgrave findet „keine Anzeichen dafür, dass härtere, oder intensivere Bestrafungen zu größerer öffentlicher Sicherheit und Frieden führen. Im Gegenteil, je mehr die öffentliche Politik sich ausschließlich auf Repression und Bestrafung verlässt, umso stärker wird dieses zu mehr Freiheitsstrafen führen, größeren menschlichen und finanziellen Kosten, weniger Ethik, geringerer öffentlicher Sicherheit und einer geringeren Qualität des sozialen Lebens“ (2008, S. 54). Nach Coyle (2008) kann RJ beitragen, im Strafvollzug diverse Verbesserungen sowohl im Binnenverhältnis zwischen Gefangenen und Bediensteten und unter Gefangenen als auch im Außenverhältnis gegenüber der Kommune zu bewirken.22 Aktuell wird in Belgien und in den Niederlanden über „Houses of Restoration” diskutiert, kleinen, kommunal eingebundenen Zwangseinrichtungen als Ersatz für Gefängnisse mit mehr als ca. 50 Insassen. Neben besseren Voraussetzungen zum Aufbau und Erhalt von Außenbindungen würde der Bildung von Subkulturen entgegengewirkt, allerdings ohne den Freiheitsentzug abzuschaffen. Ein ähnlicher Ansatz wurde in Belgien und England mit “Restorative Prisons” verfolgt (vgl. Edgar & Newell 2006). In jedem belgischen Gefängnis arbeitete ein/e restorative/r Beraterin. Vor allem geht es dabei um „Desistance“, die Förderung von Entscheidungen Gefangener, einen neuen Lebensweg einzuschlagen (vgl. Maruna 2006; Shapland et al. 2016). Bei der Resozialisierung handelt es sich vielleicht eher um eine Vorgabe der Behörden als um eine Entscheidung vom Gefangenen. Beides kann nur als gemeinsames Projekt aller zu Beteiligenden erfolgreich sein. Zuweilen entsteht im Strafrechtspflegesystem (Strafvollzug, Untersuchungshaft, Forensik, ambulante Maßnahmen) das Missverständnis, RJ sei als Resozialisierungsprogramm einsetzbar, weil bspw. die Rückfälligkeit von Straftätern nach der Teilnahme an RJ-Maßnahmen reduziert ist (vgl. Morris & Maxwell 2001; Shapland et al. 2011). Van Garsse (2015), der selbst als Mediator im Gefängnis tätig war, warnt vor der Gefahr der Kooptation, d.h. dass das herkömmliche System RJ in wesentlichen Aspekten (z.B. Freiwilligkeit, Ownership, Opfer- und Gemeinschaftseinbeziehung) beschneiden und unter diesem Namen lediglich die praktischen Vorgehensweisen als bloße Techniken in das bestehende System integrieren könne. 6. 22 Für RJ im deutschen Strafvollzug vgl. Hartmann et al. 2013, Hagemann 2017 und Kilchling 2017. 7. Restorative Justice und Resozialisierung – Abgrenzung und Gemeinsamkeiten 167 Verschiedene AutorInnen sehen RJ im Strafrecht als dritten Weg, der sich sowohl von der vergeltenden, sühnenden Funktion als auch von der bessernden, resozialisierenden Funktion unterscheidet (vgl. Vanfraechem 2003, S. 313 f.). Bazemore & Bell (2004) grenzen RJ gegen Behandlung ab; Zehr (1990) eher gegen Bestrafung. Resozialisierung bedeutet im weitesten Sinne Behandlung und Vorbereitung auf das Leben außerhalb der ambulanten und stationären Strafrechtspflege (einschließlich der Maßregeln). Behandlung fußt auf der traditionellen ExpertInnen-Logik, die um die zu behebenden Defizite wissen und dann bestimmte Behandlungsprogramme implementieren, die die Betroffenen zu angepassten, gesetzestreuen BürgerInnen umformen. Resozialisierung unterliegt derselben Logik, nach der Defizite nicht optimal verlaufener Sozialisationsprozesse nun abgebaut werden, z.B. durch die Teilnahme an psychologischen Maßnahmen, durch Arbeit und Qualifizierung und durch Einübung von als hilfreich angesehenen Fertigkeiten oder auch Vermittlung von Einsicht. Das Opfer-Empathie-Training23 kann bspw. als Lernprogramm angesehen werden, in dem den Teilnehmenden ein Bewusstsein für das Leid und die Schäden vermittelt wird, die ihr Handeln für die Betroffenen erzeugte. Auf diesen Aspekt reduziert unterscheidet es sich kaum von anderen pädagogischen oder psychologischen Maßnahmen, die für Straffällige angeboten werden. Im günstigen Fall werden „TäterInnen“ tatsächlich „geheilt“ und sehen von weiteren Tatbegehungen ab oder bemühen sich zumindest, die negativen Folgen für die Opfer so gering wie möglich zu halten. Ein solches Programm kann im Verständnis von McCold und Wachtel (2002) dann „teilweise restorativ“ genannt werden. Die Resozialisierung von Tätern ist durchaus begrüßenswert. Aber nur wenn die jeweiligen betroffenen Opfer und Gemeinschaften einbezogen sind, trägt diese Arbeit zum sozialen Frieden und zu gerechteren Verhältnissen bei. Aktuell erfahren Opfer meistens gar nichts davon (vgl. bereits Shapland et al. 1985) – diese beiden zentralen Dimensionen von RJ sind also bei der herkömmlichen Resozialisierung nicht tangiert. Die andere traditionelle Funktion des Strafrechtssystems ist die staatliche Übelszufügung. Indem einem Täter negative Güter in der Folge einer Straftatbegehung zugefügt werden, wird er zukünftig von solchem Verhalten ablassen, und auch Dritte, denen dieser Zusammenhang bewusst wird, 23 Am verbreitetsten weltweit ist das christliche Sycamore-Tree-Programm; es gibt darüber hinaus ähnliche Alternativen dieser Form sozialer Gruppenarbeit, vgl. Hagemann 2004. Generell zu Empathie vgl. Wallis 2014. Otmar Hagemann 168 werden sich abschrecken lassen. Darüber hinaus könne das Opfer eine Genugtuung darüber empfinden, dass der Verantwortliche für seine Schäden nun seinerseits zu leiden habe. Soweit die Theorie; selbst in der Pädagogik wurde dieser Konditionierungsvorgang über lange Zeit propagiert. Aber wir wissen inzwischen, dass sich positive Verstärkung viel besser zum Lernen eignet. Wright (2003) führt überzeugend aus, dass das Strafen Menschen davon abhält, sich um Aufarbeitung, Wiedergutmachung und sozialen Frieden zu kümmern. Viele VertreterInnen der RJ wenden sich – wie AbolitionistInnen – generell gegen das Strafen als staatliche Übelszufügung, nicht nur wegen seiner Ineffektivität, sondern auch, weil die Menschenwürde verletzt wird. Lagasnerie (2017) meint, das Strafen sei geradezu ein Dogma aus einem früheren Zeitalter der Menschheitsgeschichte. Bei der retributiven Begründung des Strafens handelt es sich nur um abstrakte Theorie, die empirisch auf das Gros der TäterInnen nicht anwendbar ist, auch weil ihren Taten meist gar keine rationalen Abwägungen zugrunde liegen, die im Modell unterstellte freie Entscheidung nicht zutrifft (z.B. bei Süchtigen oder psychisch Kranken, bei Hassverbrechen, im Falle einer emotionalen Konflikteskalation oder bei Eifersucht, vgl. auch Sutterlütys 2003 epiphanisches Erleben!). Deutlich wird, dass es beim Strafen um einen Vorgang zwischen Staat und Tätern geht und die Opfer und Gemeinschaften (zu denen die Vertrauten und Angehörigen des Täters gehören) ebenfalls ausgeschlossen sind. In manchen Rechtssystemen dürfen Opfer sog. Victim Impact Statements abgeben und können bei Entscheidungen über eine vorzeitige Haftentlassung beteiligt werden – allerdings nicht in Form restorativer Dialoge, sondern mittels einseitiger Stellungnahmen. Grenzen und Erfolge der RJ Restorative Justice stößt an Grenzen, wenn Teilnehmende auch mittels ÜbersetzerInnen und UnterstützerInnen nicht verstanden werden oder nicht eigenverantwortlich agieren können, dürfen24 oder wollen (vgl. Freiwilligkeit) oder ein Machtgefälle nicht ausbalanciert werden kann (vgl. Drost et al. 2015). Das kann im Falle von Kindern (vgl. Schmitz-Wätjen 7. 24 In Fällen, in denen Polizeiangehörige als Opfer von ihren Vorgesetzten keine Genehmigung erhalten, eigene Tatbeiträge einzuräumen, oder angehalten sind, nur vorab bestimmten Vereinbarungen zuzustimmen, kann keine Mediation stattfinden. 7. Restorative Justice und Resozialisierung – Abgrenzung und Gemeinsamkeiten 169 2010) und Traumatisierten zutreffen, aber auch bei kranken Menschen wie Psychopathen, Dementen und Autisten (vgl. Baron-Cohen 2011). Im günstigen Fall kann diese Person durch jemanden unterstützt oder gar repräsentiert werden. Grenzen ergeben sich aber auch durch Gesetze – z.B. sind einvernehmliche außergerichtliche Lösungen in manchen Konfliktfällen in manchen Ländern nicht gestattet25 – oder durch individualrechtliche Regelungen, wie z.B. einem Kontaktverbot nicht realisierbar (vgl. Emerson et al. 2015). Haynes et al. (2002, S. 19) gehen von zwei Annahmen aus: „Die erste Annahme ist, dass Menschen auch in Konfliktsituationen prinzipiell über die Fähigkeit verfügen, ihre eigenen Anliegen und Bedürfnisse zu erkennen und zu äußern, selbstverantwortlich zu handeln und ihre Probleme rational zu lösen. … Die zweite Annahme ist, dass Menschen, die eine Mediation aufsuchen, wenigstens im Grundsatz bereit sind, ihre Probleme und Konflikte mit der anderen Person, mit der sie im Streit liegen, zu lösen (wobei die Motivation dafür durchaus auch gering, widersprüchlich und schwankend sein mag).“ Manchmal haben Dritte bzw. Gemeinschaften Bedürfnisse, die die unmittelbar Betroffenen nur bedingt teilen (vgl. Varona 2014 bzgl. Terrorismus). Auf Opferseite hängt die Offenheit für RJ-Verfahren mit der eigenen Charakterstruktur, den Lebenserfahrungen und dem Täterbild zusammen; nicht alle Betroffenen von Opferwerdungen sind bereit für einen Dialog, aber durchaus Opfer schwerster Angriffe (vgl. Miller 2011). Nahestehende raten häufig davon ab (vgl. Emerson et al. 2015). Die Bereitschaft kann sich im Laufe des Copingprozesses ändern. Das „listening project“ (Mika et al. 2004) hat systematisch die Opferinteressen und die Bedenken der Opferhilfeeinrichtungen erfasst, um die Kooperation in dieser Hinsicht zu verbessern. RJ-Verfahren können nicht nur „TäterInnen“ beeinflussen und zu weniger Rückfälligkeit beitragen, sondern vor allem heilende gesundheitliche Auswirkungen26 auf „Opfer“ haben (vgl. Angel 2005; Strang 2012; Ochmann et al. 2016). Um den Erfolg angemessen zu bewerten, müssen nicht nur die Folgen der Teilnahme an RJ-Verfahren für „TäterInnen“ (z.B. mehr Empathie, seltenere oder weniger schwerwiegende Rückfälligkeit, Reifung zur verantwortlichen Persönlichkeit) und „Opfer“ (Wiedergutmachung, teilweise oder vollständige Heilung, Abschluss einer offenen, belas- 25 Manche Strafrechtssysteme (z.B. das spanische) schließen manche Fälle aus, z.B. bzgl. „häuslicher Gewalt“ oder Sexualdelikte oder Taten durch Wiederholungsoder Intensivtäter – aber warum soll eigentlich das Opfer darunter leiden? 26 Zuweilen sprechen AutorInnen gar von „Therapeutical Justice“, vgl. Wemmers & Cyr 2005. Otmar Hagemann 170 tenden Lebensepisode/„closure“), sondern auch für deren Gemeinschaft(en) (Vereinbarung bzw. Erstellung und Umsetzung eines Plans als verbindende Gemeinsamkeit, Zufriedenheit der Beteiligten und Friedensstiftung) in Betracht gezogen werden. Evaluationen von RJ-Verfahren stellten diesbezüglich eine deutlich bessere Wirkung als für herkömmliche Strafrechtsmaßnahmen fest (vgl. Morris & Maxwell 2001; Sherman & Strang 2007; Shapland et al. 2011). Opfer erfahren Anerkennung und erhalten aktive Teilhabe (vgl. Wemmers & Cyr 2004) und damit die Chance, Positives aus der grundsätzlich negativen Erfahrung zu ziehen („post-traumatic growth“, vgl. Janoff-Bulman 1992; Calhoun & Tedeschi 2006). Sie können sich sowohl aus der Bindung an den Täter als auch von ihrem „Opfer“-Stigma befreien und überwinden den Opferstatus („survivor“). Fazit dieses Abschnitts ist die Forderung nach „Restorative Mainstreaming“, d.h. einer Art Vorrangoption analog des Subsidiaritätsprinzips, aber keine Ersetzung wie es Dignan (2003) im Replacement Discourse thematisierte. Organisationen wie das European Forum for Restorative Justice und auch CEP arbeiten daran. Fazit Restorative Justice ist vielfältig anwendbar, nicht nur im strafrechtlichen Bereich. Es existieren diverse Verfahrensweisen zu ihrer Umsetzung, aber stets müssen bestimmte Prinzipien und Werte umgesetzt und eingehalten werden. Zwar müssen gewisse Voraussetzungen erfüllt sein, aber man sollte schon wegen möglicher Dynamiken und zeitlich variabler Einstellungen auf keinen Fall zu stark und vorab einschränken. Außenstehende können häufig weniger gut beurteilen, was für Betroffene wichtig ist und ob RJ- Verfahren für sie hilfreich sind. Deshalb sollte möglichst umfassend aufgeklärt und vorbereitet werden, die Entscheidung aber bei den Betroffenen liegen. Literatur Angel, Caroline M. (2005): Crime Victims meet their offenders: testing the impact of restorative justice conferences on victims’ post-traumatic stress symptoms. (PhD dissertation, University of Pennsylvania). 8. 9. 7. 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Restorative Justice und Resozialisierung – Abgrenzung und Gemeinsamkeiten 179

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Zusammenfassung

In Folge der weltweiten Corona-Krise gewinnen die Vorschläge zu einem „Systemischen Wandel“ auch in der Kriminal-, Justiz- und Sozialpolitik neue Bedeutung.

Dieser Band informiert über Masterpläne und Agenden der strategischen Steuerung von Innovationen in allen Arbeitsfeldern der Resozialisierung in einem Verbund von öffentlichen und privaten Trägern. In Österreich, der Schweiz und in Deutschland gibt es dazu konkrete Vorschläge von Fach- und Führungskräften und Experten der lokalen und nationalen Ebene, dies gilt auch für die internationale und europäische Dimension. Innovative Projekte weisen gesteigerte Wirksamkeit und Nachhaltigkeit von Gesamtkonzepten der ambulanten und stationären Resozialisierung nach.

Maelicke und Wein fordern im Übergang in eine Zeitenwende eine „Große Transformation“ und plädieren für einen nachhaltigen und wirkungsorientierten Umgang mit Tätern und Opfern.