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Bernd Maelicke, Christopher Wein, F. Fazit und Ausblick in:

Bernd Maelicke, Christopher Wein (Ed.)

Resozialisierung und Systemischer Wandel, page 363 - 366

1. Edition 2020, ISBN print: 978-3-8487-6719-9, ISBN online: 978-3-7489-0841-8, https://doi.org/10.5771/9783748908418-363

Bibliographic information
F. Fazit und Ausblick Fazit und Ausblick Bernd Maelicke, Christopher Wein Dieses Buch dokumentiert Vielzahl und Vielfalt der Erfahrungen in der Realisierung von einzelnen Bausteinen einer Komplexleistung Resozialisierung und des Wandels des Reso-Systems – auf verschiedenen Ebenen und in unterschiedlichen regionalen und gesellschaftlichen Zusammenhängen. Dieses „Dynamische Mosaik“ ist ohne zentrale Steuerung entstanden in verschiedenen „Kriminalpolitischen Kraftfeldern“, in denen die Akteure für die offenkundigen (und zum großen Teil übereinstimmend wahrgenommenen) Schwierigkeiten erfolgreicher Resozialisierung eigene Wege gegangen sind mit jeweils spezifischen Lösungen. Diese Wege sind solche des Versuchs und des Irrtums, sie sind erst beim Gehen entstanden. Ihr Vorteil liegt im so entwickelten Eigensinn und der Erfahrung von Selbstwirksamkeit der entstandenen Innovativen Projekte. Ein „Systemischer Wandel“ erfordert jedoch mehr als dieses bunte und vielfältige Bild, immerhin geht es um Wirkungsweise und Wirksamkeit von Grundrechtseingriffen durch Sanktionen und Maßnahmen mit Freiheitsentzug, um Rückfallverhütung, um Opferschutz, um Reduzierung sozialer Folgeschäden, um sozialen Frieden in der Gesellschaft- alles Aufgaben des modernen Rechts- und Sozialstaats. Gemessen an diesen Zielen muss immer wieder festgestellt werden, dass das etablierte Reso-System von einer optimalen Wirkung weit entfernt ist. Es genügt nicht, gleichsam naturwüchsig die weitere Entwicklung abzuwarten oder nur mit einzelnen Projekten und Initiativen kurzfristige Effekte zu erreichen. Eine nachhaltige und evidenzbasierte Kriminalpolitik muss mittel- und langfristig angelegt sein, bedarf der Fundierung und Überprüfung durch die Wissenschaft und durch ein die Aktivitäten permanent begleitendes Controlling. Auf dieser Grundlage können im Kriminalpoltischen Kraftfeld Masterpläne entwickelt und gesteuert werden. Vielfalt trotz Einheit bzw. Einheit trotz Vielfalt muss die Devise sein, richtig verstandener Föderalismus (Eigenständigkeit und Gesamtheit) auf allen Ebenen. „Demokratische Ambivalenz“ als föderales Grundprinzip entspricht den Ideen der „Komplexleistung Resozialisierung“ und dem „Systemischen Ansatz“. F. 365 Die Aufgabe der Politik ist die Steuerung demokratischer Prozesse, auch über Wahlprogramme und Legislaturperioden hinaus. Eine Analyse der Programme aller Parteien zeigt insoweit deutliche Defizite. Und Aufgabe der Politik in Regierungsverantwortung ist es, Innovationen in ihren Organisationen einzufordern, Masterpläne zu entwickeln und auch gegen Widerstände und bürokratische Strukturen durchzusetzen. Gestaltende Politik ist trotz Ambivalenz in den Grundwidersprüchen möglich und verpflichtend – das Beispiel Schleswig-Holstein zeigt diesen Weg einer rationalen Justizpolitik zwischen Freiheitsentzug und ambulanten Alternativen auf – ebenso alle in diesem Buch präsentierten Vorschläge zur strategischen Steuerung des Systemischen Wandels von der regionalen bis zur Europäischen Ebene – sie müssen an dieser Stelle nicht wiederholt werden. Die aktuellen Schlussfolgerungen des Rates der EU zu alternativen Maßnahmen zum Freiheitsentzug und die Empfehlungen des Rates für Sozialund Wirtschaftsdaten zeigen in den Empfehlungen und ihren Begründungen eine nahezu völlige Übereinstimmung. Dies könnte ein hoffnungsvolles Zeichen für den Beginn einer nationalen und internationalen „Großen Transformation“ sein. Die wichtigste Forderung ist die nach einer Enquete-Kommission zur „Optimierung der ambulanten und stationären Resozialisierung“, besetzt mit ExpertInnen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz. Bernd Maelicke, Christopher Wein 366

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Zusammenfassung

In Folge der weltweiten Corona-Krise gewinnen die Vorschläge zu einem „Systemischen Wandel“ auch in der Kriminal-, Justiz- und Sozialpolitik neue Bedeutung.

Dieser Band informiert über Masterpläne und Agenden der strategischen Steuerung von Innovationen in allen Arbeitsfeldern der Resozialisierung in einem Verbund von öffentlichen und privaten Trägern. In Österreich, der Schweiz und in Deutschland gibt es dazu konkrete Vorschläge von Fach- und Führungskräften und Experten der lokalen und nationalen Ebene, dies gilt auch für die internationale und europäische Dimension. Innovative Projekte weisen gesteigerte Wirksamkeit und Nachhaltigkeit von Gesamtkonzepten der ambulanten und stationären Resozialisierung nach.

Maelicke und Wein fordern im Übergang in eine Zeitenwende eine „Große Transformation“ und plädieren für einen nachhaltigen und wirkungsorientierten Umgang mit Tätern und Opfern.