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Schiller Daniel, Spitzenforscher als Impulsgeber für die regionale Wirtschafts- und Clusterentwicklung? in:

Rasmus C. Beck, Rolf G. Heinze, Josef Schmid (Ed.)

Zukunft der Wirtschaftsförderung, page 415 - 440

1. Edition 2014, ISBN print: 978-3-8487-1039-3, ISBN online: 978-3-8452-5163-9, https://doi.org/10.5771/9783845251639_415

Series: Wirtschafts- und Sozialpolitik, vol. 14

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415 18 Spitzenforscher als Impulsgeber für die regionale Wirtschafts- und Clusterentwicklung? Daniel Schiller 18.1 Einleitung Klassische Adressaten der Wirtschaftsförderung sind Unternehmen. Dabei steht die Schaffung attraktiver Standortbedingungen für die Ansiedlung neuer Unternehmen oder die Entwicklung des Bestands im Mittelpunkt der Maßnahmen. In jüngerer Zeit wurde der Fokus allerdings stärker auf Personen bzw. Personengruppen gerichtet, da gerade in der Wissensökonomie sogenannte Wissensarbeiter Schlüsselfunktionen in Unternehmen und regionalen Wissensnetzwerken einnehmen. So kommt der Persönlichkeit des Unternehmensgründers eine besondere Bedeutung bei der Gründungsförderung zu und die jüngsten Initiativen der Kreativwirtschaftspolitik haben explizit die Anziehung von Personen der ‚Kreativen Klasse’ durch attraktive städtische Umfelder zum Ziel. Dieser Beitrag lenkt das Augenmerk auf Spitzenforscher, herausgehobene Persönlichkeiten an Universitäten, außeruniversitären Forschungseinrichtungen und in Forschungsabteilungen von Unternehmen, die aufgrund ihres hohen Bestands an aktuellem wissenschaftlichen Wissen potenziell einen bedeutenden Beitrag zu einer wissensbasierten regionalen Wirtschafts- und Clusterentwicklung leisten können. Im weltweiten Kampf um die besten Köpfe in Wissenschaft und Wirtschaft – als Beispiele können hier die explizite Exzellenzförderung der deutschen Wissenschaftspolitik oder die Debatte über den Fachkräftemangel dienen – wird herausragenden Persönlichkeiten ein besonderer Stellenwert eingeräumt. Angesichts der Ressourcen, die alleine im Rahmen der Exzellenzinitiative für Spitzenforschung mobilisiert und umverteilt werden, besteht eine Motivation dieses Beitrags darin, den Nutzen, den Spitzenforscher in der Region ihres Wirkens durch ihre Vielfalt an Aktivitäten stiften, qualitativ abzuschätzen. Spitzenforschern kommt in der Wissensökonomie eine besondere Bedeutung zu, da neues Wissen und neue Technologien nicht das Ergebnis eines anonymen Produktionsprozesses sind, sondern in kritischer Weise von einzelnen herausgehobenen Wissenschaftler- und Erfinderpersönlichkeiten und ihren Interaktionen abhängen. Diese Personen verfügen über einen erheblichen impliziten Wissensbestand in ihren jeweiligen Spezialgebieten, den sie über einen langen Zeitraum entwickelt haben und der nicht auf andere übertragen werden kann (POLANYI 1966). Diese Schlüsselpersonen können als Wissensspillover-Agenten fungieren, da sie 416 durch ihre räumliche Mobilität und Präsenz an bestimmten Standorten zur Diffusion impliziten Wissens und der Überführung wissenschaftlichen Wissens in neue Technologien beitragen (SCHILLER/REVILLA DIEZ 2010). Empirische Studien haben unter anderem gezeigt, dass das Engagement von Spitzenforschern einen positiven Effekt auf Wachstum und Wissenstransfer neu gegründeter Biotechnologieunternehmen hat (ZUCKER/DARBY 2006). Frühere Arbeiten haben in allgemeinerer Weise den regionalwirtschaftlichen Nutzen von einem umfangreichen Pool wissenschaftlicher Talente nachgewiesen (HOROWITZ 1966). Der Prozess des wissenschaftlichen Erkenntnisgewinns ist jedoch in deutlich stärkerem Maße globalisiert als andere Bereiche von Wirtschaft und Gesellschaft und erfolgt in exzellenzgetriebenen Netzwerken, die nicht unbedingt eine enge Verzahnung mit der Region haben müssen, in der die einzelnen Forscherpersönlichkeiten aktiv sind (MAHROUM 2000a; POWER/MALMBERG 2008). Diese Charakterisierung trifft in stärkstem Maße auf die grundlagenorientierte Spitzenforschung zu. Darüber hinaus sind Hochqualifizierte im Allgemeinen (DOCQUIER/ MARFOUK 2004) und Wissenschaftler im Speziellen (MAHROUM 2000b) weltweit das mobilste Bevölkerungssegment. Es erscheint durchaus plausibel, dass die räumliche Ungebundenheit von Interaktionen und Kooperationsbeziehungen durch ein hohes Maß an individueller Mobilität noch verstärkt wird. Andererseits existiert auch eine Vielzahl von konzeptionellen Ansätzen und empirischen Belegen dafür, dass von wissenschaftlichen Einrichtungen und den dort Tätigen lokalisierte Effekte ausgehen (SCHILLER/KIESE 2010). Da ein Großteil des Wissens und der Fähigkeiten von Forschern den Charakter impliziten, personengebundenen Erfahrungswissens besitzt, ist eine Weitergabe ohne lokale Präsenz und enge persönliche Zusammenarbeit nicht möglich (POLANYI 1966). Mithilfe empirischer Studien konnte gezeigt werden, dass die Ausbreitung von Wissen tatsächlich durch räumliche Nähe begünstigt wird (JAFFE/TRAJTENBERG/HENDERSON 1993; AUDRETSCH/FELDMAN 1996; BRESCHI/LISSONI 2001). Im Idealfall kann es gelingen, dass Spitzenforscher eine sogenannte ‚Antennenfunktion’ übernehmen (FRITSCH/SCHWIRTEN 1998), bei der sie sowohl als Sender und Empfänger in globalen Netzwerken der Wissensproduktion agieren als auch durch lokale Kooperationen dieses Wissen in die regionale Wirtschafts- und Clusterentwicklung einspeisen. Dass dies gelingt, ist allerdings keineswegs selbstverständlich. Gerade das Wissenschaftssystem ist durch ein hohes Maß an individueller Autonomie gekennzeichnet und es kommt sehr stark auf die Prioritätensetzung der Forscher an, ob diese ihre Aktivitäten in den Dienst der Regionalentwicklung stellen (D’ESTE/ FONTANA 2007). Das wissenschaftliche Anreizsystem honoriert insbesondere auf frühen Karrierestufen fast ausschließlich akademische Höchstleistungen, wie z. B. Publikationen. Dadurch ergibt sich ein Fokus jüngerer Forscher auf Fragen der Grundlagenforschung und erst mit zunehmendem Lebensalter ist tendenziell eine stärkere Hinwendung zu anwendungsorientierten Arbeiten und Unternehmens- 417 kooperationen erkennbar (THURSBY/THURSBY/GUPTA-MUKHERJEE 2007; STEPHAN/LEVIN 1996). Es herrscht außerdem eine gewisse Skepsis darüber vor, ob Wissenschaftler an Universitäten tatsächlich in der Lage sind, endogen regionale Clusterbildung voranzutreiben. Zwar werden in der Literatur prominente Beispiele aus den USA wie das Silicon Valley oder die Route 128 viel zitiert. Diese scheinen aber eher Ausnahmen zu sein, während sich viele Hochtechnologie-Cluster zunächst in Abwesenheit wissenschaftlicher Partner entwickelt haben und Universitäten und Forschungseinrichtungen erst später zu wichtigen Bestandteilen der Clusterentwicklung wurden (MAYER 2006). Diese Skepsis wird von TAPPEINER/HAUSER/WALDE (2008) insofern geteilt, als sie das Vorhandensein von Kooperationspartnern und -netzwerken vor Ort für die regionale Reichweite der Kooperationen von Forschern verantwortlich machen. Es ist also davon auszugehen, dass zunächst die vorhandenen regionalwirtschaftlichen Potenziale darüber entscheiden, ob Akteure aus der Wissenschaft mit Partnern vor Ort in Interaktion treten. Die Hoffnung, dass in Abwesenheit einer solchen Basis alleine durch Unternehmensgründungen aus Universitäten und Forschungseinrichtungen heraus Cluster entstehen, dürfte in den meisten Fällen enttäuscht werden. Es ist eher zu erwarten, dass Wissenschaftler dazu beitragen können, dass regionale Cluster dauerhaft wettbewerbsfähig bleiben, da die Unternehmen durch sie Zugang zu aktuellem Wissen erlangen und so eine Erneuerung der Wissensbasis des Clusters möglich bleibt. Vor diesem Hintergrund ist es das Ziel dieses Beitrags zu untersuchen, welche Bedeutung Spitzenforscher für die regionale Cluster- und Wirtschaftsentwicklung haben. Dabei wird in den folgenden beiden Kapiteln zunächst das regionale Potenzial an Spitzenforschern beschrieben. In Kapitel zwei wird dazu auf das internationale Mobilitätsverhalten dieser Personengruppe eingegangen und gezeigt wird, welche Länder eine Nettozuwanderung von Spitzenforschern realisieren können. Die regionale Verteilung von Spitzenforschern in Deutschland wird im dritten Kapitel dargestellt. Im vierten Kapitel werden die räumlichen Reichweiten von Wissensflüssen charakterisiert, die durch Spitzenforscher induziert werden, um abzuleiten, bei welchen Aktivitäten ein regionaler Beitrag zu erwarten ist. Die betrachteten Wissensflüsse sind wissenschaftliche Kooperationen, Industriekooperationen, Unternehmensgründungen und Inspiration von Nachwuchswissenschaftlern. Dabei wird auch ein Zusammenhang zwischen der Mobilität der Spitzenforscher und der räumlichen Reichweite ihrer Wissensflüsse hergestellt und untersucht, ob sich sehr mobile Forscher weniger in der aktuellen Region ihres Wirkens engagieren. Das abschließende Kapitel fasst die wesentlichen Ergebnisse zusammen und leitet Schlussfolgerungen für die Zukunft der Wirtschaftsförderung ab. Die Ergebnisse der Untersuchung basieren auf 39 leitfadengestützten Interviews mit Spitzenforschern. Die Grundgesamtheit der Spitzenforscher, aus der zufällig Interviewpartner ausgewählt wurden, setzt sich aus drei Gruppen zusammen: 418 1. 169 in der HighlyCited©-Datenbank von Thomson Reuters genannte Forscher mit aktuellem Arbeitsort in Deutschland (diese Datenbank enthält für jede Disziplin die ca. 250 am häufigsten zitierten Personen), von denen 19 zufällig ausgewählte Personen interviewt wurden (Durchschnittsalter: 60 Jahre). 2. 20 Sprecher von Exzellenzclustern der Exzellenzinitiative, von denen neun zufällig ausgewählte Personen interviewt wurden (Durchschnittsalter: 52 Jahre). 3. 128 Leiter von Emmy Noether-Nachwuchsgruppen der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG), von denen 14 zufällig ausgewählte Personen interviewt wurden (Durchschnittsalter: 36 Jahre). Für alle drei Gruppen beschränkt sich die Auswahl der Personen nur auf die naturwissenschaftlich-technischen Disziplinen (Ingenieurwissenschaften, Lebenswissenschaften, Chemie, Pharmakologie, Mathematik und Physik). Dieser Fokus wurde gewählt, da von diesen Disziplinen ein besonders großer Beitrag zu unternehmerischen Innovationsprozessen erwartet wird und damit sowohl wissenschaftliche als auch wirtschaftliche Beiträge abgebildet werden können. Für die Interviews wurden 93 Spitzenforscher kontaktiert, von denen 39 Personen (42 %) für ein Interview von 60 bis 90 Minuten Dauer zur Verfügung standen. Für alle drei Gruppen wurde die Exzellenz an wissenschaftlichen Kriterien (vor allem der Zitationshäufigkeit, d. h. der Anzahl der Zitationen, die wissenschaftliche Beiträge der betreffenden Person erhalten haben) festgemacht. Diese Auswahl erfolgte, um überprüfen zu können, ob Individuen, die ihre Exzellenz in diesem sehr stark von globaler Wissensproduktion bestimmten Bereich nachgewiesen haben und damit Ziel vieler Förderprogramme des Wissenschaftssystems sind (z. B. Exzellenzinitiative), auch Effekte für die Region ihres aktuellen Wirkens hervorbringen. In den Auswertungen beziehen sich viele Aussagen nur auf die beiden älteren Gruppen von Spitzenforschern (HighlyCited und Sprecher von Exzellenzclustern), da ihr Portfolio an Aktivitäten durch das höhere Lebensalter umfassender ist. 18.2 Grenzüberschreitende Mobilität von Spitzenforschern Aus der hohen Mobilität von Wissenschaftlern ergibt sich zunächst die Notwendigkeit abzuschätzen, welche Länder eine Nettozuwanderung an Spitzenforschern erzielen können und welche Länder durch Abwanderung von Spitzenforschern geprägt sind. IOANNIDIS (2004) hat gezeigt, dass ein Drittel der Spitzenforscher in den USA im Ausland geboren wurden und auch in europäischen Ländern sehr hohe Zuwandereranteile erreicht werden (Deutschland: 19 %, Großbritannien: 24 %). In der Bilanz können bei den meistzitierten Wissenschaftlern jedoch fast ausschließlich die USA einen Nettozugewinn erzielen, während alle anderen Länder mit Ausnahme Frankreichs und der Schweiz Verluste in unterschiedlicher Höhe 419 hinnehmen müssen. Deutschland verliert auf der Basis des Vergleichs von Geburts- und Arbeitsort 30 % seiner Spitzenforscher und liegt damit nahezu gleichauf mit Großbritannien (vgl. Tab. 9). Der Anteil Deutschlands an allen Spitzenforschern beträgt nach Arbeitsort lediglich 4,2 %. Besonders hoch sind die Verluste in Entwicklungs- und Schwellenländern, deren Anteil an den Spitzenforschern nach Arbeitsort sich fast auf null reduziert. Südeuropäische Länder (Italien, Griechenland, Portugal) verlieren auch in deutlich höherem Maße Spitzenforscher als Deutschland. Die Ergebnisse auf der internationalen Ebene zeigen bereits, dass Wissenschaftler räumlich nicht nur in hohem Maße mobil sind, sondern sich auch an wenigen Standorten konzentrieren. Zwei Drittel der Spitzenforscher arbeiten in den USA, weitere 22,5 % in Westeuropa und unter Einbeziehung Kanadas, Japans und Ozeaniens vereinen die am höchsten entwickelten Volkswirtschaften sogar 97,8 % auf sich. Die Interviews mit den Spitzenforschern haben gezeigt, dass Mobilität von Forschern kein neues Phänomen ist. Auch die Fünfzig- bis Sechzigjährigen haben längere Zeiträume ihrer Karriere im Ausland verbracht. Es wurde angemerkt, dass diese Aufenthalte damals schon eine wesentliche Voraussetzung für den Karriereerfolg waren. In den meisten Fällen war bei diesen Aufenthalten allerdings nicht geplant, dauerhaft im Ausland zu arbeiten, sondern fast alle interviewten Personen hatten im Ausland die latente Bereitschaft, zu einem bestimmten Zeitpunkt zurückzukehren. Bei dieser Entscheidung spielten häufig persönliche Motive eine Rolle, wie Präferenzen der Ehepartner oder die Einschulung der Kinder im Heimatland. Diese Faktoren waren ebenfalls für die Auswahl konkreter Standorte in Deutschland von Bedeutung. Eine große Rolle spielten allerdings auch die Qualität des Forschungsumfelds und die höhere persönliche Sicherheit, die Professoren an deutschen Universitäten im Vergleich zu den USA besitzen. Die Höhe des eigenen Gehalts spielte eher eine untergeordnete Rolle. In Kapitel 18.4 wird explizit untersucht, ob sich mobile Spitzenforscher, die länger als drei Jahre ununterbrochen im Ausland waren, von denen unterscheiden, die nicht oder nur kürzer im Ausland waren. Dadurch wird eine Bewertung der internationalen Mobilität für deutsche Regionen möglich. Für die Wirtschaftsförderung bedeutet das hohe Maß an internationaler Mobilität, dass Strategien zur Einbindung von Spitzenforschern in die Wirtschaftsund Clusterentwicklung international ausgerichtet sein müssen und mit Risiken bezüglich der Dauerhaftigkeit des Verbleibs der Personen in der Region verbunden sind. Die hohe Zahl deutscher Spitzenforscher im Ausland zeigt allerdings auch, dass es noch ungenutzte Potenziale gibt. Die aktuell geförderten Rückkehrerprogramme für Spitzenforscher aus dem Ausland (z. B. in Nordrhein-Westfalen oder Bayern) bieten einen Ansatzpunkt für die Verknüpfung mit Belangen der Wirtschaftsförderung. So könnte im Rahmen der Förderung z. B. die Anschlussfähigkeit der Forschungsschwerpunkte von Wissenschaftlern, deren Rückkehr 420 unterstützt wird, an regionale Branchenschwerpunkte geprüft werden oder eine Förderung könnte speziell für Forscher zur Verfügung gestellt werden, die im Ausland bereits ihre Fähigkeiten zur Kooperation mit der Industrie oder zu unternehmerischem Handeln als Gründer von Unternehmen unter Beweis gestellt haben. Vor einer Ausweitung der expliziten Rückkehrförderung ist jedoch deren Notwendigkeit zu prüfen, da die Befunde gezeigt haben, dass der deutsche Wissenschaftsstandort in der Vergangenheit auch ohne diese Programme für die interviewten Spitzenforscher eine hohe Attraktivität besessen hat. Tabelle 9: Wanderungsbilanz von Spitzenforschern in ausgewählten Ländern und Regionen Anzahl an Spitzenforschern Anteil an Spitzenforschern Land nach Arbeitsort nach Geburtsort* nach Arbeitsort nach Geburtsort* Wanderungsbilanz** USA 3.620 973 66,2 % 42,7 % 23,4 % Westeuropa 1.232 755 22,5 % 33,1 % -10,6 % Großbritannien 418 255 7,6 % 11,2 % -3,6 % Deutschland 228 135 4,2 % 5,9 % -1,8 % Frankreich 146 49 2,7 % 2,2 % 0,5 % Schweiz 99 40 1,8 % 1,8 % 0,1 % Niederlande 90 56 1,6 % 2,5 % -0,8 % Italien 70 66 1,3 % 2,9 % -1,6 % Schweden 55 34 1,0 % 1,5 % -0,5 % Belgien 33 27 0,6 % 1,2 % -0,6 % Dänemark 28 14 0,5 % 0,6 % -0,1 % Spanien 18 13 0,3 % 0,6 % -0,2 % Finnland 13 13 0,2 % 0,6 % -0,3 % Österreich 12 20 0,2 % 0,9 % -0,7 % Norwegen 10 9 0,2 % 0,4 % -0,2 % Irland 7 9 0,1 % 0,4 % -0,3 % Griechenland 4 8 0,1 % 0,4 % -0,3 % Portugal 1 4 0,0 % 0,2 % -0,2 % Luxemburg 0 2 0,0 % 0,1 % -0,1 % Zypern 0 1 0,0 % 0,0 % 0,0 % Japan 218 104 4,0 % 4,6 % -0,6 % Kanada 162 68 3,0 % 3,0 % 0,0 % Ozeanien 117 87 2,1 % 3,8 % -1,7 % Israel 47 29 0,9 % 1,3 % -0,4 % China 19 42 0,3 % 1,8 % -1,5 % Asien (ohne China u. Indien) 17 25 0,3 % 1,1 % -0,8 % Indien 11 40 0,2 % 1,8 % -1,6 % Mittel- und Osteuropa 8 71 0,1 % 3,1 % -3,0 % 421 Lateinamerika 8 38 0,1 % 1,7 % -1,5 % Südafrika 6 11 0,1 % 0,5 % -0,4 % Russland 4 11 0,1 % 0,5 % -0,4 % Mittlerer Osten 2 13 0,0 % 0,6 % -0,5 % Afrika 1 11 0,0 % 0,5 % -0,5 % Insgesamt 5.472 2.278 100,0 % 100,0 % 0,0 % Fehlende Angaben 98 3.292 * Die Ursache für die vielen fehlenden Werte liegt in der Tatsache, dass Informationen über den Geburtsort eine freiwillige Angabe durch die Spitzenforscher selbst sind. ** Die Wanderungsbilanz ist aufgrund der fehlenden Werte beim Geburtsort definiert als die Differenz zwischen dem Anteil des Landes an den Geburtsorten und den Arbeitsorten. Quelle: Eigene Berechnungen auf Basis von Daten der Thomson Reuters HighlyCited- Datenbank 18.3 Regionale Verteilung von Spitzenforschern in Deutschland Mithilfe einer kartografischen Darstellung der regionalen Verteilung von Spitzenforschern in Deutschland (Abb. 45) kann gezeigt werden, wie sich die auf der internationalen Ebene sichtbare Konzentration dieser Personengruppe innerhalb eines Landes auf der regionalen Ebene fortsetzt. Die regionale Verteilung der Spitzenforscher in Deutschland folgt in keiner Weise der Verteilung der Bevölkerung oder der Universitäten, sondern legt vielfältige Qualitätsunterschiede offen. Zu den wichtigsten Abweichungen vom aufgrund der Verteilung von Hochschulen erwarteten Ergebnis zählen folgende Befunde: • München kann mit Abstand die meisten Spitzenforscher auf sich vereinen. Auf dem zweiten Platz folgt Heidelberg, und Berlin landet trotz einer Vielzahl an Universitäten und Forschungseinrichtungen nur auf dem dritten Platz. • Die höchste Konzentration an Spitzenforschern weisen Standorte in Süddeutschland (Bayern, Baden-Württemberg und Hessen) auf. Innerhalb Bayerns ist die Konzentration in München besonders ausgeprägt, während in Baden- Württemberg eine Vielzahl starker Standorte existiert. Insgesamt vereint Baden- Württemberg die meisten Spitzenforscher auf seine Wissenschaftseinrichtungen (44 von 169 der meistzitierten Wissenschaftler). Bayern liegt mit 33 Personen dieser Gruppe auf dem zweiten Platz. • Die Anzahl der Spitzenforscher in Westdeutschland ist trotz der hohen Bevölkerungszahl Nordrhein-Westfalens relativ gering. Im Ruhrgebiet sind nur elf Spitzenforscher tätig – ein Wert, der von Mainz oder Frankfurt jeweils alleine übertroffen wird. 422 • Auch Norddeutschlands Wissenschaftslandschaft ist von einem Mangel an Spitzenforschern geprägt. Lediglich in Göttingen findet sich ein Schwerpunkt, während Hamburg trotz seiner Größe hinter viele kleinere Wissenschaftsstandorte zurückfällt. Hannover und Braunschweig verfügen zusammen über weniger Spitzenforscher als Göttingen. • In den fünf ostdeutschen Bundesländern gibt es nur an fünf Standorten Spitzenforscher. Von den 169 meistzitierten Forschern sind gerade einmal sechs in diesen fünf Bundesländern lokalisiert. Abbildung 45: Regionale Verteilung von Spitzenforschern in Deutschland Quelle: Eigene Darstellung auf Basis von Daten der Thomson Reuters HighlyCited-Datenbank Die Ergebnisse zur wissenschaftlichen Exzellenz – gemessen am Indikator Spitzenforscher – korrelieren in augenfälliger Weise mit der Wirtschaftskraft der einzel- Sprecher der im Rahmen der Exzellenzinitiative geförderten Exzellenzcluster Nachwuchswissenschaftler, die von der DFG im Rahmen des Emmy Noether-Programms gefördert werden Meistzitierte Forscher des Fachgebietes gemäß HighlyCited-Datenbank 423 nen Regionen. Obgleich diese Ergebnisse keine Rückschlüsse auf den kausalen Zusammenhang zulassen, ist eine nicht unplausible Vermutung, dass es wirtschaftsschwachen Standorten sowohl an den Mitteln als auch an der notwendigen Reputation ihrer Forschungseinrichtungen fehlt, um Spitzenforscher anzulocken. Sollten Wissenschaftspolitik oder Wirtschaftsförderungen das Ziel verfolgen, Universitäten und Forschungseinrichtungen bei ihrem Streben nach Exzellenz zu unterstützen, ist eine Konzentration der Mittel auf die aussichtsreichsten Standorte notwendig. Die Befunde zur Verteilung der Spitzenforscher sprechen gegen eine Förderung einer Vielzahl von Universitäten in allen Teilen eines Bundeslandes. In Niedersachsen ist z. B. keiner der meistzitierten Forscher an einer der Hochschulen außerhalb der Metropolregion Hannover-Braunschweig-Göttingen- Wolfsburg zu finden, obwohl gerade Wissenschaftsstandorte außerhalb dieser Metropolregion in den letzten Jahren stark gefördert wurden. In Zeiten knapper öffentlicher Mittel birgt diese Strategie das Risiko, dass den Wissenschaftseinrichtungen eines Landes jegliche Attraktivität für Spitzenforschung verloren geht. Das Beispiel des Ruhrgebiets zeigt, dass eine Vielzahl guter, aber nicht herausragender und gleichzeitig junger Universitäten nicht in der Lage ist, Spitzenforscher in großem Umfang anzulocken. 18.4 Lokale Einbettung von Spitzenforschern in Deutschland Die lokale Einbettung von Spitzenforschern wird in vier Dimensionen untersucht (vgl. Abb. 46): • Kooperation mit anderen Wissenschaftlern • Kooperation mit Unternehmen • Gründung eigener Unternehmen bzw. Unterstützung von Gründungen durch Mitarbeiter der Arbeitsgruppe • Rekrutierung und Ausbildung von Nachwuchswissenschaftlern Bei der räumlichen Reichweite wird zwischen drei Ebenen unterschieden. Alle Kooperationen in der gleichen Institution und in einem Umkreis von 100 Kilometern werden als lokale Kooperationen gewertet, alle übrigen Kooperationen in Deutschland als nationale Kooperationen und alle grenzüberschreitenden Kontakte als internationale Kooperationen. 424 Abbildung 46: Durch Spitzenforscher induzierte Wissensflüsse Quelle: Eigene Darstellung Die Tabellen 10 und 11 geben einen Überblick über die relative Häufigkeit bestimmter Kooperationsarten und deren räumliche Reichweite. Die zusammenfassende Übersicht basiert auf der Interpretation der Einschätzungen aus den qualitativen Interviews und hat nur überblicksartigen Charakter. Die einzelnen Kooperationsarten werden in den folgenden Kapiteln im Detail erläutert. Tabelle 10: Räumliche Muster der Wissensflüsse von etablierten Spitzenforschern (meistzitierte Forscher und Leiter von Exzellenzclustern) Wissenschaftliche Kooperationen Industriekooperationen Unternehmensgründungen Nachwuchswissenschaftler nicht vorhanden 1 3 12 0 vorhanden 24 22 13 25 lokal 63 % 36 % 85 % 76 % national 29 % 59 % 0 % 16 % international 63 % 36 % 15 % 36 % Quelle: Eigene Erhebungen Tabelle 11: Räumliche Muster der Wissensflüsse von jungen Spitzenforschern (Leiter von Emmy Noether-Nachwuchsgruppen) Wissenschaftliche Kooperationen Industriekooperationen Unternehmensgründungen Nachwuchswissenschaftler nicht vorhanden 0 10 14 0 vorhanden 14 4 0 14 lokal 57 % 50 % … 14 % national 43 % 50 % … 50 % international 100 % 0 % … 36 % Quelle: Eigene Erhebungen 425 18.4.1 Wissenschaftliche Kooperationen Aufgrund der Kriterien, die zur Identifizierung von Spitzenforschern zugrunde gelegt wurden, war zu erwarten, dass ein Schwerpunkt der wissenschaftlichen Arbeit im Bereich theoretischer oder grundlagenorientierter Forschung liegt, da diese tendenziell häufiger zitierte Artikel hervorbringt als empirisch orientierte oder angewandte Forschung. Die Mehrheit der identifizierten Spitzenforscher ist daher auch an Universitäten und Max-Planck-Instituten verortet, während nur eine Minderheit an Fraunhofer-Instituten oder in privaten Unternehmen tätig ist. Die gewählte Methodik hat keine Forscher an Fachhochschulen identifiziert. Allerdings haben die Ergebnisse zur Forschungsorientierung gezeigt, dass die meisten interviewten Spitzenforscher der Grundlagenforschung nur eine leicht höhere Gewichtung einräumen und zu fast gleichen Teilen in der angewandten Forschung aktiv sind. Nur drei Forscher waren ausschließlich in der Grundlagenforschung aktiv, fünf nur in der angewandten Forschung. Die Anwendungsorientierung generiert nach Aussagen vieler Interviewter Ideen für die Grundlagenforschung und sichert so den Erfolg zukünftiger Forschung. Die Ergebnisse bestätigen die Erwartung von STOKES (1997), dass Spitzenforschung vor allem in der anwendungsinspirierten Grundlagenforschung stattfindet. Mit Ausnahme einer Person kooperieren alle Spitzenforscher mit anderen Wissenschaftlern. Die Ergebnisse der Interviews bestätigen die Vermutung, dass wissenschaftliche Kooperationen vor allem auf der globalen Ebene gepflegt werden. Allerdings sind ebenso viele Spitzenforscher mit lokalen wissenschaftlichen Partnern vernetzt. Die lokalen Kontakte basieren hauptsächlich auf gemeinsamen Forschungsprojekten innerhalb der gleichen Einrichtung oder im Verbund mit anderen Einrichtungen am gleichen Standort. In den meisten Fällen sind es au- ßerdem die gleichen Personen, die sowohl globale als auch lokale Kooperationen besitzen und diesen ein gleich großes Gewicht für ihre Arbeit einräumen. Diese Forscher erfüllen die erhoffte Antennenfunktion bezüglich der Diffusion globalen Wissens im lokalen Forschungsverbund. Ältere Forscher sind eher in langfristigen engen Kooperationen engagiert, z. B. in Verbundforschungsprojekten, als junge Forscher, die häufiger einen Austausch über gemeinsame Publikationen pflegen oder sich auf Konferenzen treffen. Das starke lokale Engagement der Spitzenforscher erklärt sich daraus, dass zwei Drittel der älteren Spitzenforscher Sprecher von Sonderforschungsbereichen (SFB) der DFG sind und viele auch in der Vergangenheit an einer Vielzahl dieser Initiativen beteiligt waren. Gerade das Instrument der SFB, die für einen Zeitraum von 12 bis 15 Jahren interdisziplinäre Verbundvorhaben fördern und durch die Förderkriterien einen institutionellen Schwerpunkt auf eine Einrichtung verlangen, setzt starke Anreize für eine lokale Vernetzung von Spitzenforschern. Einerseits gibt es Fälle, in denen Universitäten Spitzenforscher mit dem 426 ausdrücklichen Ziel berufen haben, durch deren internationale Sichtbarkeit erfolgreich große Verbundvorhaben zu beantragen. Andererseits war die Möglichkeit, durch diese Vorhaben herausragende Forschungsbedingungen zu erhalten, vor allem für Spitzenforscher, die zuvor im Ausland waren, eine Motivation, nach Deutschland zurückzukehren. Ähnlich wie die SFB-Förderung sind auch die Exzellenzcluster im Rahmen der Exzellenzinitiative auf einen lokalen Verbund von Einrichtungen ausgelegt (SCHILLER 2011). Beide Maßnahmen zeigen, dass Spitzenforschung bei geeigneten Anreizen durch Förderprogramme durchaus mit lokalen Kooperationen vereinbar ist, sofern es gelingt, eine hinreichende kritische Masse an Wissenschaftlern, die zu einem gemeinsamen Thema arbeiten, an einem Standort zu konzentrieren. Internationale Kooperationen, die über gemeinsame Publikationen, Austausch auf Konferenzen und gelegentliche Gastaufenthalte hinausgehen, sind häufig auf von der EU geförderte Verbundprojekte beschränkt, da kontinentübergreifende Zusammenarbeit am Fehlen entsprechender Fördermöglichkeiten scheitert. Kooperationen mit Wissenschaftlern an anderen Standorten in Deutschland spielen eine deutlich untergeordnete Rolle. Die relative Auslassung der nationalen Ebene bei wissenschaftlichen Kooperationen erklärt sich dadurch, dass die Finanzierung von Verbundvorhaben entweder eine lokale oder eine internationale Einbettung voraussetzt. Da die Verantwortung für die Hochschulen im föderalen System auf der Länderebene verortet ist, besteht auch bei Hochschulpolitikern tendenziell weniger Interesse an bundesländerübergreifenden Initiativen. In Tabelle 4 ist dargestellt, auf welche räumlichen Ebenen mobile und nicht mobile Wissenschaftler ihre Kooperationsschwerpunkte für die vier untersuchten Aktivitäten gelegt haben. Die Auszählung der Angaben aus den Interviews unterstreicht den Eindruck, der bei der Auswertung der qualitativen Daten entstand: Die Zeit, die ein Forscher im Ausland verbracht hat, besitzt keinen starken Einfluss auf die räumlichen Muster der wissenschaftlichen Kooperation (SCHILLER/REVILLA DIEZ 2012). Die Strategie der Einbettung durch die Leitung eines SFB wird gerade von sehr mobilen Wissenschaftlern explizit verfolgt. Die starke lokale Einbettung von Wissenschaftlern, die nicht nur international kooperieren, sondern selbst auf langjährige Auslandsaufenthalte zurückblicken, erhöht den global-lokalen Charakter der Wissensflüsse im Bereich wissenschaftlicher Kooperationen. 427 Tabelle 12: Dauer des Aufenthalts im Ausland und räumliche Reichweite der Wissensflüsse, n = 25 (ohne Leiter von Emmy Noether-Nachwuchsgruppen, Mehrfachnennungen möglich) mehr als 3 Jahre im Ausland bis zu 3 Jahren im Ausland keine Auslandsaufenthalte Wissensfluss L N I L N I L N I Anzahl der Personen 13 9 3 Wissenschaft 11 3 8 2 4 6 2 0 2 Industrie 4 5 6 2 6 3 2 3 0 Unternehmensgründung 7 0 2 1 0 0 3 0 0 Nachwuchswissenschaftler 8 2 7 8 2 2 3 0 0 L – lokal, N – national, I – international Anmerkung: Zur Abgrenzung der sehr mobilen von den mobilen Forschern wurde ein Zeitraum von drei Jahren gewählt, da kürzere Mobilität häufig im Rahmen von Gastwissenschaftleraufenthalten erfolgt, bei denen keine Option auf einen dauerhaften Aufenthalt und eine reguläre Beschäftigung im Ausland besteht. Die Darstellung hat nur illustrativen Charakter und beruht auf der Auszählung der Angaben aus den qualitativen Interviews, auf die im Text detaillierter eingegangen wird. Quelle: Eigene Erhebungen 18.4.2 Industriekooperationen Der Befund, dass fast alle älteren Spitzenforscher Industriekooperationen besitzen, überrascht, da aufgrund des wissenschaftlichen Exzellenzkriteriums zu erwarten war, dass die Prioritäten auf Aktivitäten innerhalb der Wissenschaft liegen. Lediglich die Leiter von Emmy Noether-Nachwuchsgruppen unterhalten selten Kontakte in die Industrie. Der Bedeutungsgewinn von Industriekooperationen mit zunehmendem Alter der Forscher entspricht den Befunden aus der Literatur (z. B. VAN RIJNSOEVER/HESSELS/VANDEBERG 2008). Er erklärt sich aus der Tatsache, dass der Aufstieg im Wissenschaftssystem anfangs ganz wesentlich vom Forschungsoutput in Form von Publikationen abhängt. Weitere Gründe für den stärkeren Fokus auf Industriekooperationen unter den älteren Forschern sind die Notwendigkeit, zunächst durch eigene Forschung hinreichend relevantes Wissen für die Industrie aufzubauen, und die umfangreicheren persönlichen Netzwerke in die Industrie durch höhere Reputation und eigene Absolventen. Die Erwartungen an eine aktive Rolle von Wissenschaftlern für die Wirtschaftsund Clusterentwicklung sollten sich daher vor allem auf etablierte Wissenschaftler 428 richten bzw. auf Versuche, das Anreizsystem für junge Wissenschaftler zu ver- ändern. Industriekooperationen werden von den älteren Spitzenforschern nicht als Hemmnis oder Widerspruch zur Grundlagenforschung gesehen, auch wenn diejenigen Personen noch aktiver mit der Industrie kooperieren, die einen Arbeitsschwerpunkt in der angewandten Forschung angegeben haben. Die Reputation und Sichtbarkeit der Forscher durch ihre herausragende Grundlagenforschung führt vielmehr dazu, dass in vielen Fällen Unternehmen aktiv auf die Wissenschaftler zukommen, um gemeinsam Lösungen für technische Probleme zu erarbeiten. Ansatzpunkte für Industriekooperationen können in fast allen untersuchten naturwissenschaftlich-technischen Disziplinen identifiziert werden, obwohl in einzelnen, besonders stark grundlagenorientierten Disziplinen wie der Astrophysik deutlich weniger Kooperationen bestehen. Doch selbst in diesem Feld ist es gelungen, die Technologie einer Neutronenquelle, die ursprünglich für einen Teilchenbeschleuniger entwickelt worden war, in der Krebstherapie anzuwenden. Die räumlichen Muster bei Industriekooperationen sind weniger stark lokalisiert als bei wissenschaftlichen Kooperationen. Die Mehrzahl der Spitzenforscher sieht die lokale Ebene nicht als primäres Handlungsfeld in diesem Bereich, sondern sucht Industriepartner deutschlandweit. Lediglich ein gutes Drittel der Interviewten hat Kontakte zu Unternehmen vor Ort. Am häufigsten sind lokale Industriekooperationen im Bereich der Ingenieurwissenschaften, da hier öfter Kontakte zu kleinen und mittelgroßen Unternehmen (KMU) bestehen. Der meistgenannte Grund für die große Bedeutung deutschlandweiter Industriekooperationen ist die räumliche Konzentration relevanter Wirtschaftszweige an wenigen Standorten, die häufig in keiner Weise mit der Verteilung der wissenschaftlichen Expertise übereinstimmt, d. h., Wissensangebot und -nachfrage fallen räumlich nicht zusammen. Am Beispiel klassischer Universitätsstädte (z. B. Marburg, Tübingen, Göttingen) wird besonders deutlich, dass lokale Industriekooperationen an vielen Standorten bereits am Fehlen einer industriellen Basis scheitern. Umgekehrt lassen sich auch Fälle identifizieren, in denen Unternehmen entsprechend spezialisierte Fachbereiche vor Ort fehlen. So sind die Universitäten in Halle und Leipzig trotz der industriellen Tradition der Region vor allem im geistes- und sozialwissenschaftlichen Bereich profiliert und selbst in der Industrieregion Ruhrgebiet wurden Universitäten erst in den 1960er und 1970er Jahren gegründet. Aus Sicht der Wirtschaftsförderung wäre hier sicher eine engere Koordination von Hochschulentwicklung und wirtschaftlichen Schwerpunkten wünschenswert, um überhaupt lokale Kooperationspotenziale zu generieren. Ein positives Beispiel für die Deckungsgleichheit von Industrie- und Wissenschaftsspezialisierung ist die Region München, deren Stärken in der Informations- und Kommunikationstechnologie und der Biotechnologie durch die TU München und eine Vielzahl von Forschungseinrichtungen wissenschaftlich 429 flankiert werden; ein weiteres Beispiel ist die Forschungsstärke von Universitäten in der Region Rhein-Main in der pharmazeutischen Forschung (z. B. in Frankfurt), die mit dem Schwerpunkt der entsprechenden Industriezweige räumlich zusammenfällt. Diese Industriecluster sind allerdings auch ohne räumliche Nähe Schwerpunkte der Kooperationsbeziehungen von Spitzenforschern aus anderen Teilen Deutschlands. Folgende weitere Gründe erklären die vorwiegende Zusammenarbeit mit Industriepartnern außerhalb der Hochschulregion: • Die Wahl von Partnern erfolgt aufgrund von Qualitätskriterien und nicht aufgrund räumlicher Nähe. Spitzenforscher suchen explizit nach Partnern, die in ihren Branchen die Technologieführerschaft besitzen und sowohl Absorptionskapazität als auch finanzielle Ressourcen für eine langfristige Forschungszusammenarbeit besitzen. Dies ist bei KMU vor Ort weniger gegeben als bei Großunternehmen auf der nationalen oder internationalen Ebene. • Durch Unterschiede in den Unternehmensstrategien bezüglich der Kooperation mit Universitäten verringert sich das Kooperationspotenzial weiter, da viele deutsche Firmen als wenig offen für Kooperationen mit Forschungseinrichtungen beschrieben wurden und einige Unternehmen in ausländischem Besitz nur die Zusammenarbeit mit Universitäten im Heimatland erlauben. Hier kann die Wirtschaftsförderung aktiv werden und im Rahmen der Bestandspflege versuchen, die Offenheit für die Zusammenarbeit auch aufseiten der Unternehmen zu erhöhen. • Für viele Industriekooperationen ist räumliche Nähe keine Voraussetzung, da der Wissensaustausch z. B. über die Betreuung von Doktoranden organisiert ist, die parallel in den betreffenden Unternehmen beschäftigt sind, oder weil die Projekte so klar definiert sind, dass regelmäßige persönliche Treffen nicht nötig ist. • Persönliche Kontakte sind eine wichtige Voraussetzung für die Entstehung von Industriekooperationen. Selbst bei den Spitzenforschern, die aufgrund ihrer Reputation für Unternehmen sichtbar sind, spielen Absolventen, die leitende Positionen in Forschungsabteilungen der Unternehmen innehaben, oder frühere Tätigkeiten der Spitzenforscher in der Industrie eine zentrale Rolle beim Aufbau von Kooperationen. Diese Art von Kontakten wurde auch als wichtiger Erfolgsfaktor im weiteren Verlauf der Zusammenarbeit (z. B. bei der Implementierung der Ergebnisse oder dem Umgang mit geistigem Eigentum, das durch die Kooperation entsteht) genannt, da durch den gleichen wissenschaftlichen Hintergrund die Kommunikation deutlich erleichtert wird. Durch die bundesweite Verteilung der Absolventen von Spitzenforschern (s. Kap. 18.4.4) bedingen diese persönlichen Kontakte allerdings keine lokale Orientierung der Kooperationen. 430 Beispiele erfolgreicher lokaler Industriekooperation sind auf wenige Kooperationsarten und eine eingeschränkte Gruppe von Partnern beschränkt. Ein typischer Fall ist die Zusammenarbeit mit KMU vor Ort im Rahmen eines universitären An-Instituts, das technische Anlagen zur Nutzung durch Unternehmen bereithält. Ein besonderer Schwerpunkt liegt in diesen Fällen auf der Unterstützung von Ausgründungen (siehe nächstes Kapitel). Auch einige Großunternehmen engagieren sich durch die Etablierung strategischer Partnerschaften mit ausgewählten Universitäten in räumlicher Nähe zu eigenen Standorten. Insgesamt machen die direkten Auswirkungen auf die Wirtschaft am unmittelbaren Standort aber nur einen Bruchteil der durch Spitzenforscher induzierten Wissensflüsse aus. Die grundsätzliche Offenheit der Spitzenforscher für Kooperation mit Unternehmen bildet hier allerdings ein Potenzial, das durch entsprechende Unterstützung durch die Wirtschaftsförderung bei der Clusterentwicklung aktiviert werden kann. Spitzenforschern gelingt es gleichwohl nicht, in zwei Bereichen universitärer Industriekooperationen, die im internationalen Vergleich in Deutschland insgesamt von untergeordneter Bedeutung sind, bessere Ergebnisse zu erzielen: langfristige Forschungskooperationen, die einen höheren Grad der Institutionalisierung erreichen (z. B. in öffentlich-privater Partnerschaft finanzierte gemeinsame Forschungszentren), und Spenden von Unternehmen an Universitäten. Die Zusammenarbeit bleibt fast in allen Fällen auf projektbezogene punktuelle Zusammenarbeit beschränkt. Die rechtlichen Barrieren des öffentlichen Dienstes und die geringe Bereitschaft der Unternehmen, dauerhaft Mittel für Themen, die über konkrete Problemlösungen hinausgehen, zur Verfügung zu stellen, wurden als Haupthemmnisse für die erste Form der Zusammenarbeit genannt. Spenden an Einrichtungen, an denen Spitzenforscher tätig sind, sind ebenfalls extrem selten. Selbst wenn Unternehmen bereits eine Vielzahl von Absolventen eines Forschers beschäftigten, konnte in den wenigsten Fällen das Unternehmen überzeugt werden, die zukünftige Forschungsarbeit durch Spenden weiter zu verbessern. Nur zwei Fälle konnten identifiziert werden, bei denen es zu einer bedingungslosen Spende von Geld bzw. Ausstattung kam. Dabei handelte es sich in einem Fall jedoch um ein ausländisches Unternehmen, zu dem der Kontakt noch aus der früheren Tätigkeit eines Spitzenforschers bei ebendiesem Unternehmen resultierte. Beide Fälle waren nicht Ergebnis einer expliziten Unternehmensstrategie, sondern der langfristigen persönlichen Beziehung zwischen Spitzenforscher und Management des Unternehmens. Allerdings wurde in den Interviews deutlich, dass die Exzellenzinitiative den erfolgreichen Universitäten in zunehmendem Maße ermöglicht, eine größere Aufmerksamkeit der Unternehmen auf sich zu ziehen, und dass auf diesem Wege auch die Spendenbereitschaft steigt (z. B. Engagement der Hector Stiftung am Karlsruher Institut für Technologie). In diesem Bereich besteht für die Wirtschaftsförderung die Möglichkeit, Unternehmen davon 431 zu überzeugen, alleine oder im regionalen Verbund stärkere finanzielle Verantwortung für die Wissenschaftseinrichtungen am Standort zu übernehmen. Genauso wie im Bereich der wissenschaftlichen Kooperationen hat Mobilität der Spitzenforscher keinen systematischen Einfluss auf die räumliche Reichweite von Industriekooperationen und schwächt die (geringe) lokale Einbettung dieser Kooperationsform nicht weiter ab. Darüber hinaus war die Verfügbarkeit von Kooperationspartnern vor Ort für keinen der Interviewten ein Motiv, an die aktuelle Einrichtung zu wechseln. Für die sehr mobilen Spitzenforscher gibt es sogar einen Schwerpunkt der Industriekooperationen im Ausland, während die nicht mobilen keine internationalen Kontakte in diesem Bereich pflegen (Tab. 12). Die internationalen Kontakte der sehr mobilen Spitzenforscher sind dabei fast immer während des Aufenthalts im Ausland entstanden. Häufig arbeiteten die entsprechenden Personen auch ganz oder phasenweise während dieser Zeit in Unternehmen. In den Gesprächen war es auffällig, dass keiner der Spitzenforscher in Deutschland in einem Unternehmen gearbeitet hatte (mit Ausnahme der beiden Spitzenforscher, die aktuell in einem Unternehmen arbeiten), sondern dass zwischenzeitliche Tätigkeiten in FuE-Abteilungen nur bei Unternehmen im Ausland aufgenommen wurden. Dies könnte ein Hinweis darauf sein, dass die Durchlässigkeit für personelle Mobilität zwischen Unternehmen und Universitäten im Ausland höher ist als in Deutschland. Gerade Forscher, die in den USA waren, betonten, dass sie dort viel häufiger und aktiver von Unternehmen angesprochen wurden und Angebote für eine vorübergehende Tätigkeit in der Industrie erhielten. 18.4.3 Unternehmensgründungen Über die Kooperation mit bestehenden Unternehmen hinaus nehmen Spitzenforscher durch Unternehmensgründungen direkt Einfluss auf den Unternehmensbestand. Der positive Effekt dieser Personengruppe für das regionale Gründungsgeschehen wurde von ZUCKER/DARBY/BREWER (1998) am Beispiel von Biotech- Unternehmen in den USA gezeigt. Die Interviews mit deutschen Spitzenforschern zeigen ebenfalls ein für die Personengruppe überraschend großes Engagement in diesem Bereich; mehr als die Hälfte der interviewten älteren Spitzenforscher hat bereits ein Unternehmen gegründet. Von den Nachwuchsgruppenleitern gingen, wie für diese Karrierephase zu erwarten, noch keine Gründungsaktivitäten aus. Die Gründungsaktivitäten erfolgten, wie auf Basis der Arbeit von STAM (2007) erwartet, ganz überwiegend (in 11 von 13 Fällen) in der Region, in der der Spitzenforscher arbeitet. Allerdings muss einschränkend erwähnt werden, dass die meisten Gründungen nach wie vor sehr kleine Unternehmen mit 10 bis 20 Mitarbeitern sind, z. B. Beratungsunternehmen oder technische Dienstleister. In einigen Fällen haben Unternehmen, die von Spitzenforschern gegründet wurden, 432 allerdings sehr hohe Wachstumsraten erzielt. In diesen Fällen sind die Gründer nicht mehr im operativen Geschäft tätig, sondern bekleiden nur noch Posten im Aufsichtsrat oder als Berater. Ein Spitzenforscher hat nach der Gründung eines Biotech-Unternehmens in München die Wissenschaft dauerhaft verlassen und agiert nur noch als Geschäftsführer. Das größte Unternehmen, das von einem der Interviewten gegründet wurde, ein Automobilzulieferer, hat 1.400 Mitarbeiter und ist mittlerweile auch im Ausland aktiv. Zusätzlich zur Gründung von eigenen Unternehmen durch die Spitzenforscher selbst haben sie durch ihr Handeln Mitarbeiter ihrer Arbeitsgruppe (z. B. Postdoktoranden, Doktoranden) animiert, zu Gründern zu werden. In 70 Prozent der Fälle verhielten sich die Mitarbeiter genauso wie der Spitzenforscher, indem entweder sowohl der Spitzenforscher als auch mindestens ein Mitarbeiter ein Unternehmen gründete oder niemand. Durch die Spitzenforscher wurde so eine deutlich höhere Zahl von Gründungen inspiriert – das Verhältnis in Arbeitsgruppen, in denen der Spitzenforscher selbst gegründet hat, liegt bei einer Spitzenforscher-Gründung zu drei weiteren Arbeitsgruppen-Gründungen. In diesen Fällen ist der Spitzenforscher in der Regel nicht direkt am Gründungsprozess seiner Mitarbeiter beteiligt, sondern unterstützt diese vor allem als Mentor durch seine Expertise bei technischen Problemen und der Verbesserung der Unternehmensidee sowie durch seine Reputation bei der Kundenakquise und Finanzierung, z. B. beim Zugang zu Risikokapital. In der Regel gibt es im zweiten Fall in der Folgezeit enge Kooperationen zwischen dem neu gegründeten Unternehmen und der Arbeitsgruppe des Spitzenforschers. Die Unterstützung von Gründungen durch den Spitzenforscher ist einer der wesentlichen Gründe dafür, dass auch die Arbeitsgruppenmitglieder ihre Gründungen in der Nähe der Universität ansiedeln. In einigen anderen Fällen, in denen der Spitzenforscher selbst mehrere Unternehmen gründete, nahm die Gründungsaktivität der Arbeitsgruppe jedoch ab. Dieses Ergebnis deutet auf eine andere Gründungsstrategie hin: Der Spitzenforscher leitet selbst die Gründung ein und bindet Mitarbeiter und andere Ressourcen der Arbeitsgruppe in das Unternehmen ein. In diesen Fällen war der Spitzenforscher weniger an der selbstständigen Entwicklung der Mitarbeiter interessiert als an der Kommerzialisierung einer Vielzahl vielversprechender eigener Ideen. Die Mobilität der Spitzenforscher hat keinen Einfluss auf den hohen Grad der Lokalisierung der Gründungen. Allerdings ist die Gründungsaktivität der sehr mobilen Spitzenforscher insgesamt deutlich höher als die der weniger mobilen (Tab. 12). In einigen Fällen wurde in den Interviews explizit darauf hingewiesen, dass die Erfahrungen in einer internationalen Forschungsumgebung einen positiven Einfluss auf die Einstellung gegenüber Gründungsaktivitäten hatten. Besonders trifft dies auf Forscher zu, die mehrere Jahre in den USA verbrachten. Andere Studien (z. B. WRIGHT et al. 2007) haben gezeigt, dass die Bedeutung von 433 Gründungen aus Hochschulen in den USA einen Stellenwert besitzt, der an keinem Standort in Europa annähernd erreicht wird. Gleichzeitig beeinflusst jedoch die generelle Risikobereitschaft als verborgenes Charakteristikum mit hoher Wahrscheinlichkeit sowohl die Mobilitäts- als auch die Gründungsbereitschaft positiv. Von Seiten der Wirtschaftsförderung gibt es bereits eine Vielzahl von Initiativen, mit denen Gründungen aus Hochschulen gefördert werden. Die Ergebnisse der Interviews mit Spitzenforschern deuten auf zusätzliche Maßnahmen hin, mit denen die Effekte dieser Förderung noch vergrößert werden können. Professoren, die bereits selbst an Gründungen beteiligt waren, können noch enger in die Gründungsförderung eingebunden werden, da sie eine große Wirkung auf das Verhalten ihrer Arbeitsgruppenmitglieder haben. Bei Berufungen kann darauf geachtet werden, gründungsaffine Personen zu berufen. Dies kann gerade bei Berufungen aus dem Ausland zum Erfolg führen. Außerdem können internationale Experten in die Gründungsförderung eingebunden und damit risikobereite Wissenschaftler, z. B. aus den USA, als Vorbilder präsentiert werden. 18.4.4 Nachwuchswissenschaftler Die Spitzenforscher generieren durch die Anleitung von Mitarbeitern in ihrer Arbeitsgruppe potenziell zusätzliche Effekte für den lokalen Wissensbestand und Arbeitsmarkt, die über Unternehmensgründungen durch Mitarbeiter hinausgehen. Einige der Interviewpartner leiten Arbeitsgruppen mit 50 bis 100 Personen. Innerhalb dieser Teams breitet sich auch implizites Wissen des Spitzenforschers durch die enge Zusammenarbeit mit Personen auf unterschiedlichen Karrierestufen (Juniorprofessoren, Postdocs, Doktoranden, Master- und Bachelorstudenten) leicht aus. Der Zuzug von Nachwuchswissenschaftlern an den Standort des Spitzenforschers ist ein weiterer wichtiger Kanal für Wissensflüsse. Überraschenderweise liegt der räumliche Schwerpunkt der Herkunft von neuen Mitarbeitern in den Arbeitsgruppen allerdings auf der lokalen Ebene und wird lediglich durch internationale Rekrutierung komplementiert. Mehr als 75 Prozent der Spitzenforscher gaben an, dass die Mehrzahl der Doktoranden aus den eigenen Master- und Diplomstudiengängen stammt. Sie erklärten dies damit, dass die eigenen Absolventen bereits passgenau die notwendigen Kenntnisse für die Forschungsarbeit kennengelernt haben und ihre Fähigkeiten dem Spitzenforscher bekannt sind. Mitarbeiter aus dem Ausland werden teilweise zusätzlich eingestellt und frühere Stationen oder laufende wissenschaftliche Kooperationen spielen eine große Rolle bei der internationalen Personalsuche. Auch in diesem Fall sind die persönlichen Kontakte zum früheren Standort und das Wissen über die Art und Qualität der Ausbildung die entscheidenden Kriterien. Viele Spitzenforscher unterhalten enge wissenschaftliche Kontakte mit Universitäten in Mittel- und Osteuropa und 434 in Asien (in geringerem Maße auch in Lateinamerika und Nordafrika) mit dem Ziel, Kandidaten für eine Promotion kennenzulernen. Laut einer Studie des DAAD (2007) macht diese Personengruppe insgesamt den größten Anteil der ausländischen wissenschaftlichen Mitarbeiter an deutschen Universitäten aus. Jedoch war die international ausgerichtete Strategie nur in vier Fällen die wichtigste Form der Personalrekrutierung. Ausschreibungen oder Initiativbewerbungen führen in den wenigsten Fällen zu Einstellungen, auch wenn von Initiativbewerbungen aufgrund der hohen Sichtbarkeit der interviewten Personen häufig berichtet wurde. Die Befunde deuten nicht darauf hin, dass Absolventen aus den Arbeitsgruppen der Spitzenforscher in größerem Umfang dem lokalen Arbeitsmarkt erhalten bleiben. Dennoch tragen sie bundesweit gesehen natürlich zu einer Steigerung des Humankapitalbestands bei. Die meisten der Doktoranden streben keine wissenschaftliche Karriere an, sondern wechseln nach Abschluss der Promotion in die Industrie. Die Mehrzahl nimmt eine Tätigkeit in Deutschland auf. Die räumlichen Muster ähneln der Verteilung der Industriekooperationen. Nachwuchswissenschaftler, die nach der Promotion eine weitere wissenschaftliche Karriere anstreben, werden von ihren Mentoren in der Regel ermuntert, zunächst eine Postdoc-Phase im Ausland zu verbringen. Aber auch dieser Personenkreis kehrt nach Aussage der Spitzenforscher in den meisten Fällen für eine zweite Postdoc-Phase nach Deutschland zurück, um sich im hiesigen Hochschulsystem einen Namen zu machen und die Berufung auf eine Professur anzustreben. Die Befunde bestätigen die Annahme, dass die Migration Hochqualifizierter nicht mit der einfachen Dichotomie aus ‚brain drain’ und ‚brain gain’ zu erfassen ist, sondern dass tatsächlich eine ‚brain circulation’ stattfindet: Herausragende wissenschaftliche Talente nehmen für eine bestimmte Phase ihrer Karriere eine Tätigkeit bei einem Spitzenforscher an. Während dieser Zeit vergrößern sie ihren Wissensbestand und tragen zum Ausbau der Forschungsleistung der Arbeitsgruppe bei. Einige dieser Personen haben durch Unternehmensgründungen direkte Auswirkungen auf die Regionalentwicklung, andere bleiben dem lokalen Arbeitsmarkt erhalten, und eine große Gruppe nimmt an anderen Standorten eine Beschäftigung auf. Durch die Pflege der Kontakte zu den Absolventen ergeben sich in der Folge möglicherweise Industriekooperationen, die wiederum eine positive Rückwirkung auf die Einrichtung des Spitzenforschers haben. Die Erwartung, dass alle diese Effekte lokal auftreten, ist auf Basis der Ergebnisse jedoch nicht haltbar. Vielmehr ist die Vernetzung mit anderen Standorten das zentrale Moment, durch das sich die Wirkungen der Spitzenforscher entfalten. Der Fokus auf die Einstellung eigener Absolventen als Doktoranden besteht unabhängig von der Mobilitätserfahrung des Spitzenforschers in der Vergangenheit. Es fällt dennoch auf, dass die internationale Rekrutierung bei den sehr mobilen Spitzenforschern fast annähernd so wichtig ist wie die lokale. Daher ist zu 435 erwarten, dass die Mobilität von Spitzenforschern in der Vergangenheit ganz im Sinne der ‚brain circulation’ einen größeren Effekt auf den Zugewinn an Nachwuchswissenschaftlern für die Region hat. Einige der zugewanderten Talente werden sich ebenfalls in der Region vernetzen und möglicherweise dauerhaft dort verbleiben. Die produktivitätssteigernde und inspirierende Wirkung einer Mischung verschiedener Erfahrungen und Ausbildungstraditionen in den Arbeitsgruppen wurde als entscheidendes Motiv für diese Strategie der sehr mobilen Spitzenforscher genannt. Die eigenen Mobilitätserfahrungen und Kenntnisse internationaler Forschungsumfelder wurden dabei als hilfreich bezeichnet, um mit institutionellen und kulturellen Barrieren umzugehen, auf die man bei der Einstellung von ausländischen Fachkräften, insbesondere aus Nicht-EU-Staaten, an deutschen Hochschulen stößt. Die Befunde bedeuten für die Clusterförderung, dass die direkten Arbeitsmarkteffekte durch Spitzenforscher aufgrund der hohen Mobilität nach dem Abschluss und der geringen internationalen Zuwanderung in die Arbeitsgruppen nicht überschätzt werden dürfen. Allerdings bieten die positiven Beispiele Ansatzpunkte für unterstützende Maßnahmen der Politik. Bei der Einstellung von ausländischen Wissenschaftlern wurden häufig die trotz jüngster Reformbemühungen hohen bürokratischen Hürden und vor allem das Fehlen einer Willkommenskultur an den Universitäten und bei den Ausländerbehörden bemängelt. Der Verbleib der Wissenschaftler in der Region lässt sich möglicherweise dadurch steigern, dass ortsansässige Unternehmen stärker mit den Hochschulen und ihrem Personal unterhalb der Professorenebene in Kontakt gebracht werden. Hier kann durch Maßnahmen der Wirtschaftsförderung ein engerer Austausch initiiert werden. 18.5 Zusammenfassung und Schlussfolgerungen Die wesentlichen Ergebnisse bezüglich der lokalen Einbettung von Spitzenforschern lassen sich wie folgt zusammenfassen: • Im globalen Maßstab gelingt es nur den USA, einen deutlich positiven Wanderungssaldo bei Spitzenforschern zu erzielen. In den naturwissenschaftlichtechnischen Disziplinen liegt Deutschland nach den USA und Großbritannien bei den meistzitierten Forschern auf Rang 3. • Innerhalb Deutschlands sind Spitzenforscher räumlich stark konzentriert. Schwerpunkte sind München, verschiedene Standorte in Baden-Württemberg und der Rhein-Main-Raum. • Obwohl die Spitzenforscher anhand wissenschaftlicher Exzellenzkriterien identifiziert wurden, manifestiert sich ihre Exzellenz auch in einer großen Vielfalt an Aktivitäten der angewandten Forschung und der Zusammenarbeit mit Unternehmen. Allerdings gibt es hier deutliche Unterschiede zwischen den Disziplinen. 436 • Junge Spitzenforscher sind noch deutlich stärker auf die Grundlagenforschung konzentriert und haben vor allem wissenschaftliche Kooperationen. Das Portfolio an Aktivitäten erweitert sich erst im Laufe der Karriere und nach der Etablierung im Wissenschaftssystem. • Die Aktivitäten der Spitzenforscher sind auf vielen räumlichen Maßstabsebenen angesiedelt. Dadurch sind sie in der Lage, Wissensbestände aus verschiedenen Regionen zu verknüpfen und in einigen Fällen für den aktuellen Arbeitsort in Wert zu setzen (Antennenfunktion). • Unternehmensgründungen sind am stärksten an den Arbeitsort der Spitzenforscher gebunden. Unternehmerisch orientierte Spitzenforscher unterstützen außerdem Mitglieder ihrer Arbeitsgruppe bei eigenen Gründungsvorhaben. • Die Rekrutierung von Mitarbeitern für die eigene Arbeitsgruppe ist ebenfalls sehr stark lokalisiert, da die meisten Nachwuchswissenschaftler aus den eigenen Studienprogrammen stammen. Internationale Rekrutierung wird – wenn überhaupt – komplementär eingesetzt. • Wissenschaftliche Kooperationen sind sowohl auf der internationalen als auch auf der lokalen Ebene angesiedelt. Innerhalb der eigenen Einrichtungen oder in Zusammenarbeit mit anderen Einrichtungen am Standort werden vor allem größere Verbundforschungsprojekte gemeinsam durchgeführt, während sich internationale Kontakte auf weniger formalisierte Zusammenarbeit beschränken. • Industriekooperationen sind die Aktivität, durch die Spitzenforscher unmittelbar zur lokalen Wirtschafts- und Clusterentwicklung beitragen können. Allerdings ist in diesem Bereich die geringste lokale Einbettung gegeben, da in den meisten Fällen mit Industriepartnern in führenden Clustern der jeweils relevanten Branche kooperiert wird. Universitäten in der Nähe größerer Industriecluster wie München, Karlsruhe oder Aachen bilden hier eine Ausnahme. Nur eine Minderheit der Interviewpartner verfolgt eine explizite Strategie der Kooperation mit kleineren Unternehmen am eigenen Standort. • Mobilität von Spitzenforschern in der Vergangenheit hat keine negativen Auswirkungen auf ihre heutige lokale Einbettung. Im Gegenteil sind gerade die sehr mobilen Wissenschaftler deutlich aktiver, wenn es um Unternehmensgründungen und Industriekooperationen geht. Sie rekrutieren außerdem mehr ausländische Mitarbeiter und erhöhen so das zusätzlich zur Verfügung stehende Wissenspotenzial in der Region. Für die Wirtschaftsförderung und ihre Möglichkeiten, das wissenschaftliche Potenzial in Universitäten, Fachhochschulen und außeruniversitären Forschungseinrichtungen zukünftig noch stärker in die lokale Clusterentwicklung einzubinden, lassen sich folgende Konsequenzen ableiten: 437 • Die hohe Mobilität von Wissenschaftlern auch auf der internationalen Ebene sollte lokale Akteure nicht davon abschrecken zu versuchen, ausgewählte Akteure dieser Gruppe für die eigene Region zu gewinnen. Mobilität hat nicht nur negative Wirkungen, sondern öffnet im Sinne der ‚brain circulation’ langfristig Kanäle für die interregionale und internationale Vernetzung von Wissensräumen. Da Mobilität ein normaler Bestandteil wissenschaftlicher Karrieren ist, sollten Politiker nicht aus Angst, Wissensträger an andere Regionen zu verlieren, zurückschrecken, sondern die Chancen zum Zugriff auf internationale Wissensnetzwerke nutzen, die sich aus der Mobilität ergeben. • Grundlegende Voraussetzung für den Erfolg bei der Gewinnung von Spitzenforschern sind die Arbeitsbedingungen am Standort. Bei der Stärkung einzelner naturwissenschaftlich-technischer Disziplinen an den Universitäten sollte dabei durch die Wirtschaftsförderung versucht werden, Forschungsschwerpunkte zu fördern, die eine Anschlussfähigkeit mit der lokalen Wirtschaftsstruktur besitzen. • Im Rahmen von Clusterinitiativen sollten Möglichkeiten geprüft werden, sich direkt und damit auch finanziell an Berufungen zu beteiligen. Stiftungslehrstühle und ein Augenmerk auf die unternehmerischen Fähigkeiten der Kandidaten könnten frühzeitig die Chance auf lokale Einbettung erhöhen. • Weiche Faktoren wie die Willkommenskultur oder die Wertschätzung, die der Arbeit der Forscher entgegengebracht wird, sind – neben den Arbeitsbedingungen – wichtigere Voraussetzungen als die reine Höhe des Gehalts. Die Wertschätzung, die die Lokalpolitik den Universitäten entgegenbringt, spielt gleichfalls eine große Rolle. Häufig werden diese als vom Land finanzierte Einrichtungen mit einer gewissen Distanz betrachtet. • Auch ohne den dauerhaften Zuzug von Forschern in die jeweilige Region kann temporäre Nähe durch vorübergehende Präsenz von Experten aus anderen Regionen bzw. aus dem Ausland im Rahmen von gemeinsamer vorwettbewerblicher Forschung durch Clusterinitiativen gefördert werden. • Wissenschaftliche Kooperationen der Spitzenforscher am aktuellen Standort finden häufig im Rahmen der Verbundforschung statt. Hier kann die Wirtschaftsförderung versuchen, für die Clusterentwicklung relevante Themen zu platzieren, Foren für das Zusammentreffen der Akteure zu schaffen, Unternehmen in diese Foren einzubinden und so die Bereitschaft zu finanziellem Engagement durch Unternehmen bei gemeinsamen Forschungsinteressen im vorwettbewerblichen Bereich zu erhöhen. Das Ziel solcher Maßnahmen könnten Forschungszentren sein, die von Unternehmen und Forschungsfördereinrichtungen gemeinsam finanziert werden. • Die Förderung von Gründungen aus Hochschulen kann auf jeden Fall einen Beitrag zur Clusterentwicklung leisten, da daraus zusätzliche technologieorientierte Unternehmen entstehen. Zusätzlich zu bestehenden Maßnahmen ist 438 die engere Einbindung von Professoren einer Universität, die bereits erfolgreich gegründet haben, in die Unterstützungsangebote erfolgversprechend, da dieser Personenkreis auch innerhalb der eigenen Arbeitsgruppe die Gründungsbereitschaft steigert. • Wenn es gelingt, die Identifikation von Nachwuchswissenschaftlern mit der Universität und dem Wirtschaftsstandort zu verstärken, wirkt sich dies unter Umständen positiv auf den Verbleib in der Region aus. Hier können z. B. Doktorandenprogramme in Bereichen unterstützt werden, die für die lokale Wirtschaft relevant sind. • Die Clusterförderung sollte darauf hinwirken, dass sich die Kommunalpolitik den Universitäten stärker, als es bisher in vielen Städten geschehen ist, zuwendet. Auch wenn die Finanzierungsverantwortung für die Universitäten beim Land liegt und das Wissenschaftssystem anderen Logiken folgt als die kommunale Wirtschaftsförderung, sollte es in diesem Bereich keine Denkverbote geben. Clusterinitiativen können durch die Bündelung von privatwirtschaftlichen Ressourcen offensiv auf die Universitäten zugehen und kommunale Mittel können zur Kofinanzierung eingesetzt werden. Bereiche, in denen zusätzliche Finanzierung an den Universitäten positive Auswirkungen auf das Kooperationspotenzial mit der lokalen Wirtschaft haben kann, gibt es viele. Die oben genannten Beispiele sind nur eine Auswahl, die durch die Kreativität der Akteure vor Ort noch deutlich erweitert werden kann. 18.6 Literatur Audretsch, D./Feldman, M. P. (1996): R&D spillovers and the geography of innovation and production, in: American Economic Review, 86, S. 630-640. Breschi, S./Lissoni, F. 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Zusammenfassung

Der Band beschäftigt sich mit den Leistungen und Schwächen von Clusterpolitik und der Zukunft der Wirtschaftsförderung. Heute wissen wir, dass Clusterpolitik als Instrument moderner Wirtschaftsförderung sich immer nur dann bewährt, wenn die in der komplexen Theorie angelegten verschiedenen Koordinationsmodi auch in der Realität greifen können. Dazu muss das Umfeld in die Förderung integriert werden, weil nur so der Aufbau regionaler Innovationssysteme gelingt. Dabei gerät vor allem die Beschäftigung in wissensintensiven, zukunftsfähigen Wachstumssektoren in das Visier der Wirtschaftsförderung. Der Standortvergleich herausragender Wirtschaftsregionen hebt durchgängig die Existenz solcher Kooperationsstrukturen und Wissenskollaborationen hervor.

Daher wird in diesem Band neben wissenschaftlichen auch praxisrelevanten Fragen nachgegangen:

Welche Arten von Clusterpolitik haben sich herausgebildet, und was wissen wir über ihren Einfluss auf regionale Wirtschaftsentwicklung?

Welche Erkenntnisgewinne hat die Clusterforschung der letzten Jahre für die wirtschaftspolitische Praxis geliefert? Was sind Good Practice Beispiele?

Ist die „Clusterei“ immer noch ein wirtschaftspolitischer Königsweg oder mittlerweile eher ein Sorgenkind?

Was ergibt sich für ein zukunftsorientiertes Modell zur Zukunft der Wirtschaftsförderung angesichts neuer Herausforderungen wie beispielsweise Demografischem Wandel, Energiewende oder zukunftsfähiger Mobilitätskonzepte?