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Hombach Bodo, Wirtschaftsförderung im Strukturwandel einer Region in:

Rasmus C. Beck, Rolf G. Heinze, Josef Schmid (Ed.)

Zukunft der Wirtschaftsförderung, page 89 - 110

1. Edition 2014, ISBN print: 978-3-8487-1039-3, ISBN online: 978-3-8452-5163-9, https://doi.org/10.5771/9783845251639_89

Series: Wirtschafts- und Sozialpolitik, vol. 14

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89 5 Wirtschaftsförderung im Strukturwandel einer Region Bodo Hombach ‚Wirtschaftsförderung’ ist traditionell Appell und die Suche nach Rezepten. Lange beschränkte man sich auf die klassische Rolle: brachliegende Flächen erschließen, Kabel, Rohre und verkehrstechnische Bypässe legen, Hilfe bei Behördengängen. Daneben gab es auch Image-Kampagnen für Ansiedlungen und Gründerparadiese. Schaut man auf das Ruhrgebiet, dann war hier 150 Jahre lang Strukturwandel in Permanenz. Das trainierte Kräfte, es hinterließ aber auch Narben. Bis heute präsentiert die Vergangenheit ihre ungedeckten Wechsel. Wir nennen das Ewigkeitslasten. – Wer weiß das schon: Infolge des Absenkens der Landschaft durch den Bergbau wäre das ganze Revier ein einziger See. Nur ständige Drainage hält es bewohnbar. Man lebt in dieser Region nicht, um keine Probleme zu haben. Man lebt dort, um Lösungen zu finden. Unsere Probleme waren schon immer ihrer Zeit voraus. Mit anderen Worten: Wenn sie dort lösbar sind, sind sie es überall. 5.1 Strukturwandel an der Ruhr Das Ruhrgebiet ist mit einfachen Schlagworten nicht zu fassen. Es ist Ballungsraum, eine Art Megastadt und zugleich eine Ansammlung von 53 Kirchtürmen. Abgrenzung und regionales Kirchturmdenken sind gestrig, aber auch Einheitsbrei und regionalpatriotischer Schulterschluss. Ratsam erscheint eine pragmatische Neugier auf die Entwicklungsmöglichkeiten der Region. Den Strukturwandel stellt man sich im Ruhrgebiet gerne vor wie die berühmte Wiedergeburt des Phönix aus seiner Asche. Im antiken Griechenland war der Phönix ein mythenhafter Vogel, der verbrennt und aus seiner Asche neu entsteht (vgl. ENGEL/GROSSMANN/HOMBACH 2011). Aus der alten niedergegangenen Industrieregion soll eine neue Zukunftsregion entstehen. Der Phönix aus der Asche steht für eine eigentlich schon verloren geglaubte Sache, die aber plötzlich neues Leben entwickelt. Keine andere Region Europas stand und steht so im Feuer einer tiefgreifenden Umbruchphase wie das Revier. 150 Jahre lang waren Kohle und Stahl Leitbegriff der industriellen Revolution. Sie verwandelten das westfälische Agrarland in einen Hexenkessel greller Gegensätze. Im schmalen Korsett von Ruhr und Emscher türmten sich Zechen und Hochöfen, bohrten sich 90 die Schatzsucher tief in die Erde, explodierten die Vorstädte und drängten sich Menschen aus vielen Zonen des Kontinents. Im Zeitraffer einer ungeheuren Dynamik mussten sie ihre Wurzeln vergessen und miteinander klarkommen. Es war ein ständiges Einüben neuer Techniken und Verfahren, aber auch sozialer Fertigkeiten, wortkarg und grimmig und mit dem Blick nach vorn. Und der Umbruch an der Ruhr geht weiter. Aus der Industriegesellschaft wurde die Dienstleistungsgesellschaft, aus dieser soll die Wissensgesellschaft werden, die wiederum nicht abgekoppelt von Wirtschaft und Industrie funktionieren kann. Dienstleistungen können nur dort angeboten werden, wo produziert wird. Zukunftsregion hieß in den 1980er und 1990er Jahren zunächst vor allem eine Region für Dienstleistungen. Seit einigen Jahren heißt der Phönix des Ruhrgebiets mal Kreativwirtschaft, mal Metropole Ruhr. Der Strukturwandel des Ruhrgebiets war also immer mit anspruchsvollen, visionären Vorstellungen verbunden. Insofern ist das Bild vom Phönix aus der Asche durchaus angemessen. Will man sich den grundlegenden Strukturwandel an der Ruhr vergegenwärtigen, dann ist ein Blick auf das Verhältnis zwischen Studenten und Beschäftigten im Bergbau ein interessanter Indikator. Im Jahr 1960 betrug die Zahl der Bergbaubeschäftigten noch knapp 400.000. Inzwischen arbeiten im Ruhrgebiet nur noch gut 16.000 Beschäftigte im Steinkohlenbergbau, während die Zahl der Studierenden auf rund 220.500 im Wintersemester 2011/2012 angewachsen ist (vgl. STATISTIK DER KOHLENWIRTSCHAFT E. V. 2012; RVR 2012). Auch andere Zahlen verweisen auf die Umschichtung und den Trend zur ‚Wissensregion’: Während im Ruhrgebiet die Zahl der Bergbaubeschäftigten weiter zurückgeht, sind nach Recherchen der Kooperationsstelle RUB/IGM bereits mehr als 25.000 Beschäftigte aus Wissenschaft, Verwaltung und Technik in den Wissenschaftseinrichtungen des Ruhrgebietes tätig. Die STIFTUNG MERCATOR (2010) hat einen Wissenschaftsatlas vorgelegt, der in beeindruckender Weise die mittlerweile breit aufgestellte Forschungs- und Hochschullandschaft Ruhr im Wissenschaftssystem belegt. „Heute formen fünf Universitäten, eine Kunsthochschule und 13 weitere Hochschulen mit über 160.000 eingeschriebenen Studierenden und zahlreichen Forschungsinstituten und Technologiezentren das Ruhrgebiet zu Europas dichtester Bildungs- und Forschungslandschaft.“ (STIFTUNG MERCATOR (2010): 8; ohne die Studierendenzahlen der ab 2009 neu gegründeten Hochschulen) Die Wirtschafts- und Beschäftigtenstruktur im Ruhrgebiet hat sich in den vergangenen Jahrzehnten grundlegend verändert. Dieser Wandlungsprozess ist nicht allein oder ausschließlich im Ruhrgebiet zu beobachten. Die Veränderung der Industrie- zu einer Dienstleistungsgesellschaft ist in sämtlichen entwickelten Volkswirtschaften zu identifizieren. Mit dem nach-industriellen Zeitalter geht ein Trend der Bedeutungszunahme von Wissen einher, der sich in den letzten Jahren mit dem Aufkommen des Begriffes der sich bildenden ‚Wissensgesellschaft’ 91 manifestiert. Die Gründe für die so zu skizzierenden Wandlungsprozesse sind vielfältig, ihr Resultat ist jedoch eine Neuordnung der Struktur von Wirtschaftsregionen. Es sind dabei weltweit Regionen vom Wandel betroffen, die spezifischen regionalen Auswirkungen weisen jedoch andere Ausprägungen und Schwerpunkte auf. Die Ausschöpfung wirtschaftlicher Potenziale und damit auch der Erfolg von Regionen variiert mit deren Anpassungsfähigkeit an neue Rahmenbedingungen. In diesem internationalen Wettstreit scheinen insbesondere die anpassungsfähigen Standorte erfolgreich, weil sie zukunftsfähigen Wirtschaftsbereichen einen Nährboden bieten können. Bereits Mitte der 1980er Jahre arbeiteten auch im Ruhrgebiet mehr Menschen im Dienstleistungsbereich als in der Industrie. Mit 77,4 % der Erwerbstätigen im tertiären Sektor (im Gebiet des Regionalverbandes Ruhr) liegt diese Zahl inzwischen sogar deutlich über den bundesweiten Daten, denn insgesamt sind in Deutschland ca. 73 % im Dienstleistungsbereich tätig (Daten der Regionaldatenbank des Statistischen Bundesamts für das Jahr 2009; Erwerbstätige nach Inlandskonzept). In einer Stadt wie Bochum sind inzwischen nicht mehr die Opel-Werke der größte Arbeitgeber, sondern die Ruhr-Universität: Über 8.000 Beschäftigte sind in den Bereichen Wissenschaft, Verwaltung und Technik der verschiedenen Hochschulen zu verzeichnen. Tendenziell wächst dieser Anteil weiter, während Privatunternehmen hinsichtlich der Beschäftigung deutlich schrumpfen und mittlerweile auch das Ende der Automobilproduktion bei Opel für 2016 angekündigt wurde. Wenn nur noch jeder vierte Arbeitsplatz ein industrieller ist, ist das Ruhr- Revier nicht länger ein reines Industriegebiet – und dennoch besitzt es einen industriellen Kern, in dem und um den herum zahlreiche Industrieunternehmen ihren beachtlichen Beitrag zum Strukturwandel des Ruhrgebietes leisten. Manche klassischen Industriestandorte im Revier existieren jedoch schon seit Jahren nicht mehr, sondern haben sich vielfältig verändert. Mittlerweile haben sich auch andere Branchen angesiedelt. Einzelne Städte entwickelten sich zu Beginn des 21. Jahrhunderts von einem altindustriellen hin zu einem ‚modernen’ Wirtschaftsstandort, wenngleich oft noch das ‚alte’ Image von Kohle und Stahl in der Öffentlichkeit und auch in den Medien mitschwingt. Die oben dargestellten, sich mit dem Rückgang der Montanindustrie verändernden Beschäftigungsstrukturen werden oft als Belege dafür angeführt, die Ruhrgebietswirtschaft habe sich bereits von einer Industrie- zu einer Dienstleistungswirtschaft gewandelt. Dieses Bild ist jedoch in mancher Hinsicht irreführend. Das gilt ganz allgemein für die Behauptung, die Industriegesellschaften würden sich generell zu Dienstleistungsgesellschaften entwickeln. Derartige Darstellungen klingen danach, als würde die Industrie ihre Rolle als Kern der Wirtschaft an die Dienstleistungen verlieren. Ein großer Teil der Dienstleistungen ist jedoch eng an die Industrie gekoppelt und markiert einen grundlegenden Wandel in der Industrie und nicht 92 von der Industrie hin zu den Dienstleistungen. Auf diese Besonderheit im Wandel zur Dienstleistungswirtschaft wies bereits GERSHUNY (1981) hin. „Das Wachstum des tertiären Sektors ist nach seiner Ansicht vor allem den produktionsorientierten Dienstleistungen zu verdanken, die aufgrund der arbeitsteiligen Ausgliederung von Forschung, Entwicklung und Management aus den Industriebetrieben zunehmen.“ (HÄUSSERMANN/SIEBEL 2011: 72) Allerdings ist der Anstieg der Dienstleistungsarbeit nicht allein auf statistische Effekte durch Outsourcing-Strategien der Unternehmen zurückzuführen. Der Wandel besteht darin, dass der Wert von vielen Industrieprodukten nur noch zu einem mehr oder weniger kleinen Teil aus der Verarbeitung von Materie entsteht, während der überwiegende Teil durch Dienstleistungen in den Produkten und um die Produkte herum geschaffen wird. Dazu gehören insbesondere Forschung und Entwicklung, informationstechnologische Anwendungen und Design. Die in manchen Debatten noch anzutreffende Trennung in Dienstleistungs- und Industriesektoren ist in vielen Feldern hinfällig bzw. der Unterschied zwischen dem Produktions- und Dienstleistungsbereich wird zunehmend fließender. Der immer noch über den gesamtdeutschen Zahlen liegende Anteil von Industriebeschäftigten im Ruhrgebiet scheint eine derartige Interpretation zu stützen. Wenn der Blick auf die innere Struktur des Dienstleistungssektors gerichtet wird, dann ist auch hier ein gewisser ‚Strukturwandel’ zu erkennen. Problematisch wird die These vom Wandel der Industriegesellschaften zu Dienstleistungsgesellschaften, wenn sie nicht nur für die Beschreibung der Beschäftigung und die damit verbundenen sozialstrukturellen Veränderungen genutzt, sondern zum strukturpolitischen Leitbild wird. Dabei wird die Bedeutung der Industrie für die wirtschaftliche Entwicklung auch zukünftig Bestand haben (vgl. ENGEL/ VASSILIADIS 2010). Problematisch für das Ruhrgebiet ist aber die nach wie vor schlechte Arbeitsmarktlage in seinen nördlichen Teilen. Auch die neu entstandenen produktionsnahen Dienstleistungen haben den Wegfall der arbeitsintensiven großen Industrieunternehmen bislang nicht kompensieren können. Die Entwicklung des Arbeitsmarkts im Ruhrgebiet ist zum einen durch eine hohe Arbeitslosigkeit gekennzeichnet. Hier ist insbesondere eine anhaltende Langzeitarbeitslosigkeit als strukturelles Problem auszumachen: Im Jahr 2011 waren 46 % der Arbeitslosen im RVR-Gebiet langzeitarbeitslos, im Vergleich zu den Zahlen für Nordrhein- Westfalen (42 %) und Gesamtdeutschland (35 %) ein sehr hoher Wert. Der Arbeitsmarkt des Ruhrgebiets ist also durch massive Strukturprobleme gekennzeichnet. So liegt die Arbeitslosenquote im Ruhrgebiet bereits seit Mitte der 1970er Jahre deutlich über dem Durchschnittsniveau von Nordrhein-Westfalen, ein Trend, der nicht durchbrochen ist, wie die Zahlen der letzten Jahre zeigen. 93 In der vom Initiativkreis Ruhr veranlassten ‚Ruhr2030Index’ Fortschrittsmessung, welche die Fortschritte auf dem Weg zur einhundertprozentigen Zielerreichung im Jahr 2030 aufzeigen soll, verschlechterte sich das Ruhrgebiet bei einzelnen Indikatoren zwar leicht (vgl. IW CONSULT 2011), beispielsweise bei der Bildung und Forschung, mit schwachen Werten bei der Kinderversorgung und bei den Hochschulabsolventen. Aber auch positive Entwicklungen werden im Fortschrittsindex in folgenden Bereichen explizit ausgemacht: Metakompetenzfeld, gesamtwirtschaftliche Entwicklung, wissensintensive Beschäftigung. Im Bereich Bildung und Wissenschaft, dem zentralen Faktor für zukünftiges Wachstum und Beschäftigung, liegen aber noch große Herausforderungen, insbesondere in den nördlichen Teilen des Ruhrgebietes. Die Autoren des Buches „Viel erreicht – wenig gewonnen“ (BOGUMIL et al. 2012) sprechen von einem tendenziellen Schwinden des Humanvermögens. Das Ruhrgebiet kann sich nämlich nur dann wieder wirtschaftlich weiterentwickeln, wenn die Qualität der Bildung stimmt. Die industriellen Stärken des Ruhrgebiets beruhten in der Vergangenheit unter anderem darauf, dass es hier nicht nur akademisch qualifiziertes Personal, sondern auch ein breites Angebot an qualifizierter Facharbeit gab. Im Zusammenhang mit dem demografischen Wandel, der gerade auch das Ruhrgebiet trifft, wird qualifizierte Facharbeit noch wichtiger als je zuvor. Strategien, die auf eine rasche und breite Diffusion von neuem Wissen und neuer Technologie setzen, benötigen gut ausgebildete Arbeitskräfte, und die moderne Industrie sowie viele Dienstleistungen setzen eine breite Verfügbarkeit qualifizierten Personals auf allen Ebenen voraus – von der Spitzenkraft in der Entwicklung bis zu den Arbeiterinnen und Arbeitern in der Werkstatt. Neben den durch den Verlust der Montanindustrie freien Flächen sprachen beispielsweise für die Ansiedlung des Opel-Werkes in Bochum 1962 die an diesem Standort verfügbaren Arbeitskräfte. Mit der Ansiedlung des Automobilsektors schien der ‚erste’ Strukturwandel zu bewältigen zu sein: Der Verlust von Arbeitsplätzen im Bergbausegment sollte unter anderem durch die produzierende Industrie kompensiert werden. Im Übergang zu einer mehr dienstleistungsbasierten Wissenswirtschaft ist in den sich aktuell ankündigenden Umbrüchen jedoch kein Sektor auszumachen, welcher derzeit eine ähnliche ‚Ersatzfunktion’ für die abwandernde Industrie übernehmen könnte. Hier ein Großunternehmen mit den gleichen Anforderungen an Arbeitnehmer anzusiedeln, wie sie beispielsweise im Automobilbau gefordert waren, wird schwierig werden. Es wird daher eher darauf ankommen, neue Qualifikationen und damit auch neue Wirtschafts- und Erwerbsmöglichkeiten zu schaffen. Gerade in dem für die Zukunft entscheidenden Bereich der Qualifikation und Motivation von Arbeit hält sich das Ruhrgebiet nicht an seine Tradition und ist dabei, einen langen positiven Entwicklungspfad zu verlassen. Hier ist insbesondere die Bildungspolitik gefragt. Spricht man mit Kommunal- und Regionalpolitikern, wird aber zunehmend auf die kommunalen Finanznöte verwiesen. 94 Es ist allerdings schon auf den ersten Blick zu erkennen, dass die Kommunen im Ruhrgebiet in besonderem Ausmaß von hohen Verschuldungen betroffen sind (vgl. JUNKERNHEINRICH et al. 2011). Während die Kassenkredite von 1990 bis zum Jahr 2000 um durchschnittlich 253 Euro pro Einwohner anstiegen, ist seitdem für die Ruhrgebietskommunen ein nahezu ungebremstes Wachstum der Kassenkredite zu konstatieren: Von 2000 bis 2009 wuchsen die Kassenkredite der Ruhrgebietskommunen nochmals um 1.647 Euro pro Einwohner (vgl. HOLTKAMP 2011: 17). Im Ruhrgebiet sind die Kassenkredite der Kommunen damit deutlich überdurchschnittlich angestiegen. Dieses Schuldenwachstum hat sich von der Wirtschaftskonjunktur entkoppelt. Die Ursachen sind überwiegend exogen durch hohe Sozialausgaben und niedrige Steuereinnahmen entstanden, wie sie für altindustrielle Regionen typisch sind, und denen kaum aus eigener Kraft entgegengesteuert werden kann (vgl. BOGUMIL et al. 2012: 31ff.). Um ein positives Klima für Innovationen zu entwickeln, braucht man aber kommunale Finanzmittel. Und hier liegt ein großes Problem, das in letzter Zeit auch von den Oberbürgermeistern im Ruhrgebiet aufgegriffen wurde. Ende März 2012 forderten sie eine neue Diskussion über die Transferzahlungen für den Aufbau Ost. Vereinzelt wurde dabei sogar der vorzeitige Ausstieg aus dem bis 2019 laufenden Solidarpakt II gefordert. Derartige Gedanken sind indes nicht neu; bereits in der Studie „Wirtschaftlicher Stand und Perspektiven für Ostdeutschland“, die das Institut für Wirtschaftsforschung Halle federführend für das Bundesinnenministerium erarbeitete, wurde konstatiert, „[…] dass auf Bundesebene eine für Gesamtdeutschland formulierte Wirtschafts- und Regionalpolitik für die Weiterentwicklung in den Neuen Ländern gegenüber einer regional fokussierten maßgeblich sein muss. Wenn eine solche Politik auf alle strukturschwachen Regionen in Deutschland ausgerichtet ist, dann erfasst sie auch in angemessener Form die noch vorhandenen Problemlagen im Osten. Eine ökonomisch nicht effiziente und politisch kaum zu rechtfertigende Begünstigung kann damit vermieden werden.“ (IWH et al. 2011: 88) Ohne die an dieser Stelle immer wieder befürchtete ‚Neid-Debatte’ entfachen zu wollen, muss also aufgrund der wissenschaftlichen Erkenntnisse doch festgehalten werden, dass die Verteilung der Unterstützung nach Himmelsrichtung weniger sinnvoll erscheint als eine Verteilung anhand tatsächlich vorliegender Bedürfnisse. 5.2 Fläche und Raum Die Debatte um die Regionalisierung der Strukturpolitik und Rufe nach einer regionalen Wirtschaftsförderung klingen wie Anachronismus mitten im globalen Wettbewerb. Löst sich die gewachsene ökonomische Topografie nicht in Märkten und Wirtschaftsräumen auf? Bewegen sich die Waren- und Finanzströme nicht wie das Wetter ungehindert durch politische oder geografische Grenzen? 95 In Detroit und Helsinki wird festgelegt, ob das Nokia-Handy aus dem Ruhrgebiet oder aus Rumänien kommt, ob in Bochum ein modernes Opel-Werk geschlossen wird. In den Hauptquartieren internationaler Konzerne werden Fronten begradigt und Kapazitäten verteilt. Spielt also der ökonomische ‚Dialekt’ einer Region überhaupt noch eine Rolle? Wozu reden über regionale Besonderheiten? Die globale Ökonomie ändert sich rasant, aber die Euphorie lässt nach. Die Köpfe kühlen sich ab, wie folgende Beispiele andeuten: • In Schwellenländern steigen Energie-, Transport- und Arbeitskosten. • Technische, klimatische und finanzielle Umwälzungen verändern Parameter. • Politische Unruhen, technische Unfälle und Naturkatastrophen bergen beträchtliches, kaum berechenbares Risikopotenzial. • Geografische Entfernung und kulturelle Ungleichzeitigkeiten sind stärkere Hindernisse als gedacht. Die Idee globaler Just-in-time-Produktion ist ‚zweidimensional’ bestechend, aber ‚dreidimensional’ naiv. Mancher Hersteller von Industrie- oder Konsumgütern ist auf der Suche nach günstigeren Produktionsbedingungen schon um den Globus gewandert. Die Transportwege und damit die Lieferzeiten wurden zu lang, die Qualität war zu unbeständig und die Betriebsabläufe zu kompliziert. Lebensmittel verderben auf dem Weg zum Verbraucher. Zwei belastete Gurken können eine ganze Branche in die Krise stürzen. – ‚Endlich wieder zu Hause’, das Lied singen schon viele, denn die Verlagerung von Unternehmen oder Unternehmensteilen ins Ausland ist mit vielen Risiken und Hemmnissen verbunden. Teilweise wurden überhöhte Erwartungen von Unternehmern hier schmerzhaft enttäuscht (vgl. PIOTTI 2007). Doch man wird die Entwicklungen hier nicht vollständig zurücknehmen können, auch weil dies nicht sinnvoll ist. Der technologische Wandel und globale Maßstäbe spielen eine wichtige Rolle. Gerade die deutsche Wirtschaft profitierte in der Vergangenheit enorm vom Fall der Handelsschranken in immer größeren Wirtschaftsräumen. Grenzüberschreitende Probleme wie die Eurokrise sind nur grenz- übergreifend zu lösen. Aber ich bin überzeugt: Die Zukunft gehört der Region und es gibt Gründe für diese Annahme: • Eine kulturgeschichtliche Konstante besagt: Unser Lebensraum ist etwa so groß, wie wir ihn mit gebräuchlichen Verkehrsmitteln in quasi einer Stunde durchqueren können. Seine vernünftige Wachstumsgrenze ist die Region. Hier kennt man die Sprache, die Kochrezepte und Gebräuche. Hier funktioniert das persönliche Netzwerk. Hier gibt es die kurzen Wege, angepasste Lösungen und relativ verlustfreie Abläufe. Solange es einigermaßen wirtlich zugeht, urban und überschaubar, mit Freizeit, Wohnqualität und Zukunftschancen für Kinder, gibt es keinen Grund auszuwandern. 96 • Die Märkte haben einen hohen Sättigungsgrad erreicht. Die Produktivität übertrifft Fließbandträume des vorigen Jahrhunderts. Die technologische Zukunft liegt nicht in der Herstellung immenser Stückzahlen. Abgelegene Orte mit geringen Lohnstückkosten werden schnell selten. • Die Dressur der Individualgesellschaft zur Massengesellschaft lockert sich. Vertrauen verlangt zunehmend Individualität, Nähe und Verlässlichkeit. • Die Leute kaufen verstärkt im und aus dem Nahbereich. Sie wollen ihren Joghurt nicht von irgendwo. Krankmachende Substanzen oder Massentierhaltung sind Vertrauensbrecher. Viele wollen kurze Wege und den Erzeuger kennen, Vertrauen in Qualität. Das will zunehmend auch der globale Konsument. • Ungeahnte Möglichkeiten soll die junge Technologie des Laser-Sinterns bieten. Ein Scanner ermittelt Formdaten eines Bauteils und sendet sie über jede beliebige Strecke an eine Art 3D-Drucker. Der verwandelt den Datenstrom mittels Metall- oder Keramikpulver in eine identische Kopie. Das ‚Beamen’ aus der Fernsehserie „Raumschiff Enterprise“ rückt in offenbar greifbare Nähe. Die Standortfrage bekommt eine andere Bedeutung. Der Zwang, ein Muster möglichst massenhaft zu klonen, lässt nach. In absehbarer Zeit macht es wenig Unterschied, ob eine Million identische Kopien hergestellt werden oder Einzelstücke mit unterschiedlichen Eigenschaften. Die Bedeutung von ‚Nähe’ für Wirtschaftsregionen wird zunehmend auch wissenschaftlich erforscht. „Demnach ist ein dynamisches Innovationsgeschehen in regionalen Innovationssystemen nicht nur vom Zusammenspiel von Wissensbeziehungen auf der regionalen (‚local buzz’) und globalen (‚global pipelines’) Ebene abhängig“ (TRIPPL/TÖDTLING 2011: 164), zusätzlich sind eine vielfältige Forschungs- und Wissenschaftslandschaft und weitere (auch lockere) Netzwerke vonnöten, um ein regionales Innovationssystem langfristig zu etablieren. 5.3 Schlüsselindustrie ‚Wissen’ Wir lesen und hören: Deutschland muss sich auf den Weg in die Wissensgesellschaft machen. Doch die Ziele sind noch nicht erreicht worden. Der wachsende Fachkräftemangel und die eilige Anwerbung von hochqualifizierten Beschäftigten im Ausland wirft ein Licht auf eine lang vernachlässigte Ausbildungsplanung. Der in Zukunft wichtigste Rohstoff werden neue Gedanken oder kreatives Denken sein. Bahnbrechende Ideen und Qualität sind nicht an einen Ort gebunden. Regionale Wirtschaft muss dabei jedoch nicht in der zweiten Liga spielen. Gerade im Ruhrgebiet ist bekannt, dass die besten Ideen oft in kleinen Betrieben entwickelt werden. Eine erstaunliche Anzahl kleinerer und mittlerer Unternehmen Deutschlands hat sich durch innovative Geschäftsideen eine Vorreiterrolle auf dem 97 Weltmarkt erarbeitet (vgl. SIMON 2012). Oft können Unternehmen dies in Zusammenarbeit mit der nahen Hochschule realisieren. Sie sind Motivationstreiber für Großunternehmen. Diese sind Absatzmarkt vor der Haustür. Eine funktionierende Symbiose. Die Energiewende zeigt, dass verbrauchendes Wachstum kaum mehr konsensfähig ist. Sie zeigt, dass Größe und Massenhaftigkeit keine Voraussetzungen für intelligentes Wirtschaften sind. Wichtige Probleme der technischen Zivilisation werden nicht mehr im einheitlichen Großmaßstab gelöst. Eine Vielzahl kleiner, angepasster Lösungen, die intelligent zusammenwirken, ist der Zukunftspfad. Investitionen haben eine kurze Halbwertszeit, wenn sie nicht aus einer bestehenden regionalen Struktur hervorwachsen und von ihr getragen werden. Es lohnt sich auch nicht, eine alte Monokultur durch eine neue zu ersetzen. Die Metropole der Zukunft wächst nach innen. Sie entwickelt ihre Energie- und Wasserversorgung, humanisiert ihre Wohnquartiere und Verkehrsnetze, ihre Gesundheitsversorgung. In unternehmensnahen Laboren, Ingenieurbüros und Brutstätten von Kultur und Kreativwirtschaft entscheidet nicht die Masse der Produkte, sondern die Originalität der Ideen. Qualität entsteht nicht als ‚Schüttware’, sondern aus der Dichte und Intelligenz der Verknüpfungen. Hier kann moderne Wirtschaftsförderung ansetzen. Sie glaubt dem Antragsteller gern seine Umsatzerwartungen. Dann fragt sie ihn aber, ob er die Gegend kennt, in der sein Betrieb stehen soll, und ob er überhaupt die Leute mag, die hier leben. Den Zuschlag bekommt er, wenn er nicht nur ein Produkt herstellt, sondern Lösungen. Die Förderung regionaler Ökonomie will nicht de-industrialisieren, im Gegenteil: Sie will dem industriellen Kern zu einem höheren Bewusstsein von sich selbst verhelfen. Wie ein guter Pädagoge traut sie ihrem Zögling weit mehr zu als dieser sich selbst. 5.4 Strukturwandel im Konsens Was das Ruhrgebiet und seine Wirtschaft auszeichnet, ist die konfliktfreie Bewältigung des massiven Umbruchs der Region. Es gibt weltweit kaum eine vergleichbare Wirtschaftsregion, die einen tiefgreifenden ökonomischen Strukturwandel verbunden mit einem enormen Beschäftigungsabbau so sozialverträglich bewältigt hat. Der Strukturwandel war eine Mammutaufgabe und dennoch konnte der Wegfall des Bergbaus einigermaßen sozialverträglich gestaltet werden. Einen zentralen Anteil daran hat der ‚verhandelte’ Strukturwandel mit aktiver staatlicher Abfederung und kooperativer Regulierung (vgl. HEINZE 2010). In der Krise der Montanindustrie, in deren „Verlauf zwar mehr als 50.000 Bergleute aus ihrem Beruf ausschieden“, konnte durch diese Form des moderierten und gesellschaftlich breit getragenen Strukturwandels verhindert werden, 98 „dass auch nur einer von ihnen das Schicksal der Arbeitslosigkeit zu tragen hatte […]“ (ABELSHAUSER 2011: 210). ‚Modernisierung in sozialer Verantwortung’, so könnte man den Wandel der Wirtschaftsstruktur an der Ruhr grob umschreiben. Die politische Regulierung verlangte aber auch von den Unternehmen eine kooperative Strategie. Dies gilt zumal angesichts der Exzesse der Finanzkrisen genauso heute noch. Wenn sich Unternehmen aufmachen, ihren Bereich in sozialer Verantwortung zu modernisieren, dann müssen sie sich den neuen moralischen Anforderungen an die Wirtschaft stellen und gerade die im Ruhrgebiet historisch dominanten Werte wie Partnerschaft auch ‚leben’. Basis jeder partnerschaftlichen Unternehmenskultur ist Vertrauen. Dieses Vertrauen muss sich in einem offenen und respektvollen Umgangston in den Unternehmen niederschlagen. Dies heißt: Es muss eine interne Kommunikationskultur bestehen, in der alle Informationen transparent verfügbar sind, und die Mitarbeiter müssen, soweit es möglich ist, an Entscheidungsprozessen beteiligt sein. Insgesamt zeichnen sich ‚wertebasierte’ Führungsstrategien dadurch aus, dass einerseits die Führung Visionen vermittelt, andererseits aber auch Wert gelegt wird auf individuelle Mitarbeiterförderung, um den raschen Wandel der Produktions- und Arbeitsbedingungen human zu bewältigen. Wir können heute beobachten, dass auch die externe Kommunikationskultur von Unternehmen beispielsweise durch die Entwicklung immer direkterer digitaler Kommunikationskanäle und der damit veränderten Medienlandschaft einen Bedeutungsgewinn erfährt. Große Industrieprojekte sind nur erfolgreich durchzuführen, wenn die Bevölkerung (zumal in einem dicht besiedelten Raum wie dem Ruhrgebiet) bei der Umsetzung ‚mitgenommen’ wird. Insbesondere sogenannte ‚schwerindustrielle’ Unternehmen (z. B. im Energiesektor) stellt dies vor neue Herausforderungen. Angesichts der Bedeutung gerade dieser Unternehmen für die gesamtgesellschaftliche Entwicklung der Region stellt sich die Frage nach der Existenz und den Ursachen einer latenten ‚Industriefeindlichkeit’. Dass der Strukturwandel ohne größere soziale Konflikte bewältigt wurde, liegt neben den staatlichen Abfederungsprogrammen auch an der institutionalisierten Mitbestimmung, die besonders im Ruhrgebiet regulierend als ‚Ordnungsfaktor’ wirkt, was oft verkannt wird. Dabei spielte gerade die Mitbestimmung im Strukturwandel an der Ruhr eine bedeutende Rolle, denn sie „schien unverzichtbar zu sein, um Strukturwandlungsprozesse von nationaler Bedeutung unter Berücksichtigung gesamtwirtschaftlicher Interessen politisch, sozial und nicht zuletzt auch wirtschaftlich verträglich zu gestalten.“ (ABELSHAUSER 2011: 208). Das Ruhrgebiet gilt im Hinblick auf eine kooperativ ausgerichtete regionale Strukturpolitik als Vorbild und auch in wissenschaftlichen Publikationen werden vielfach die Wirkungen dieses ‚verhandelten’ Strukturwandels untersucht. Aufgrund der gravierenden Strukturprobleme (bedingt durch die ‚alten’ Industrien im Ruhrgebiet) hat sich das Land schon relativ früh mit regionalpolitischen Strategien zur Bewälti- 99 gung des Strukturwandels beschäftigen müssen. Nachdem in den 1960er und 1970er Jahren mit mehreren Entwicklungs- und Technologieprogrammen in den Strukturwandel eingegriffen wurde, orientierte sich die nordrhein-westfälische Landespolitik seit Mitte der 1980er Jahre in Richtung einer regionalisierten Strukturpolitik. Die ‚Zukunftsinitiative Montanregionen’ und die ‚Zukunftsinitiative für die Regionen Nordrhein-Westfalens’ zeigen eine vornehmlich prozedurale Innovation. Sie entsprach dem Stand der wissenschaftlichen Diskussion über die Steuerung hochkomplexer Gesellschaften, der zufolge die alleinige Steuerung über den Markt oder über Hierarchie nicht mehr funktioniert, sondern prozedurale Mechanismen und Kooperationsnetzwerke eher den neuen Ansprüchen und Herausforderungen an die Politik genügen. Das nordrhein-westfälische Lösungsmuster verzichtete deshalb auf eine zentrale Steuerung, setzte stattdessen nicht nur auf die ‚unsichtbare Hand’ des Marktes, sondern auf die Bildung von Netzwerken in den Regionen. Damit bot die Landespolitik einen Ausweg aus dem bekannten Dilemma von Staats- und Marktversagen und stellte eine neue, prozedural orientierte Steuerungsform auf regionaler Ebene stärker in den Vordergrund. Das Ziel der regionalisierten Strukturpolitik war und ist, unter Beteiligung aller relevanten Kräfte in den Regionen (von den Kammern, Gewerkschaften und Unternehmerverbänden bis hin zu den Hochschulen) eine problembezogene Erneuerung zu erreichen. Generell hat sich der Typus politischer Steuerung gerade auch in der Strukturpolitik seit den 1980er Jahren verändert; staatliche Politik greift stärker als zuvor die selbstregulierenden Potenziale gesellschaftlicher Akteure (Verbände, Gewerkschaften etc.) auf. Speziell im internationalen Vergleich ist dieser ohne große Friktionen laufende Strukturwandel einmalig. An vielen Beispielen ist eindrucksvoll zu belegen, wie aus der Kohle- und Stahlregion ein Dienstleistungsund Kulturstandort mit vielfältigen Bildungs- und Forschungseinrichtungen, aber eben auch kulturellen Institutionen geworden ist. Vor allem das Nebeneinander von klassischen Industriesymbolen und innovativen und vitalen Orten gibt der Region einen spezifischen Reiz und auch ein standortpolitisches Profil. Mit Blick auf den Typus des ‚verhandelten’ Strukturwandels hat sich eine Debatte um den Wandel von Staatlichkeit entwickelt (sowohl in der Wissenschaft wie auch in der Politik, und zwar nicht nur bezogen auf das Ruhrgebiet). Durch die Einbeziehung gesellschaftlicher Institutionen in Steuerungsgremien sollten neue Ressourcen, Informationen und damit Handlungsoptionen und Legitimationsmuster erschlossen werden. Schon seit rund 25 Jahren werden in Nordrhein-Westfalen verschiedene Beiräte, Bündnisse und Expertenkommissionen bewusster als zuvor als temporär funktionale Instrumente der Regierungspolitik eingesetzt. Diese korporatistischen Arrangements sind auch in anderen westlichen Demokratien zu beobachten und gehören zum Handlungsrepertoire einer regionalisierten und zunehmend an Clustern orientierten Strukturpolitik. Generell hat sich der Typus politischer Steuerung seit den 1980er Jahren verändert. Staatliche Akteure versuchen 100 immer stärker, die selbstregulativen Potenziale aller gesellschaftlichen Bereiche (und insbesondere der Wirtschaft) – also die (Selbst-)Steuerungskompetenzen der ‚nicht staatlichen’ Akteure – zu nutzen. Ziel ist ein eher korporativ-intermediärer und aktivierender Staat, was sich auch in der regionalen Spielart im Ruhrgebiet manifestiert. Diese gesellschaftliche Gestaltungsfunktion hat hier jedoch eine lange Tradition: So haben Wirtschaftsakteure schon lange ‚Wohlfahrtsfunktionen’ übernommen oder mitgestaltet (und dies sowohl auf Arbeitgeber- wie auch auf Arbeitnehmerseite – teils konfrontativ, teils kooperativ). Die Debatte um kooperativ ausgerichtete und auf regionale Cluster zielende Strukturpolitik hat die wissenschaftliche Bühne längst verlassen und ist in der Politik angekommen. Dies liegt sicherlich auch an den internationalen Vergleichen, die inzwischen einen nicht unbedeutenden (wenngleich zum Teil zweifelhaften) Einfluss auf das politische Agenda Setting haben. Auf dieser Deutungsschiene spielen regionale Cluster (erstens) eine wichtige Rolle für den wirtschaftlichen Erfolg eines Standortes und (zweitens) lassen sich erfolgreiche Cluster international primär in wissensbasierten Wirtschaftsbranchen nachweisen. Sie sind deshalb zunehmend gefragt, weil durch den Wandel des Produktions- und Innovationssystems in Richtung wissensintensiver Sektoren der Transfer eine immer bedeutsamere Rolle spielt und Wissen an bestimmte Personen und Organisationen (wie Hochschulen oder Forschungsinstitute) gebunden ist. 5.5 Der Teil und das Ganze Kluge Wirtschaftsförderung setzt nicht nur auf einen Teilbereich; punktueller Fortschritt ist keiner. Er kann sogar das Ganze stören. Moderne Wirtschaftsförderung will nicht die Ökonomisierung aller Lebensbereiche. Es geht auch um regionale Lebensqualität und Unternehmenskultur. Ein Wirtschaftssystem, das seinen Idolen Menschenopfer darbringt, verharrt auf einer primitiven Stufe. Wirtschaftsförderung erfindet nicht, aber sie ermutigt Erfinder. Sie baut keine Fabriken, aber sie schafft einen Rahmen und ein Klima, in dem Fabriken entstehen. Wirtschaftsförderung erzeugt auch keinen Markt, aber sie findet Mechanismen, die die Gesellschaft beleben und anziehend machen. Im Ruhrgebiet sagt man: „Der Teufel scheißt immer auf den größten Haufen.“ Gegen die Schwarzmaler sagt der ‚Ruhri’: „Keiner liebt dich – wieso ich?“ Das räumliche Denken behält den eigentlichen Sinn einer Volkswirtschaft im Auge: die Schaffung eines Gemeinwesens, wo sich Begabungen aller Art entfalten können. Die Gegenwart verbraucht und verbaut nicht die Zukunft. Es existiert genügend Spannkraft, um auch plötzliche Umfeldschwankungen abzufedern und soziale Stresstests zu bestehen. 101 Die intelligenteste Wirtschaftsförderung ist nicht Altruismus oder Sozialromantik, sondern Egoismus auf hoher Ebene. Sie will ihren Einsatz mit möglichst großem Gewinn zurück. Ihre Maßnahmen sollen sich amortisieren: durch attraktivere Standorte, mehr Beschäftigung und mehr Steuereinnahmen. Ihr größtes Ziel ist, sich entbehrlich zu machen. Wenn kleinste Vergehen das Vertrauen der Kunden ganzheitlich erschüttern, dann brauchen Firmen einen ganzheitlichen Blick auf ihre Aktivitäten. Jüngst las man im Handelsblatt: „Identität, Werte und Haltung sind die Säulen des Erfolgs“ (MAYER-JOHANSSEN 2012: 22). Das Revier war immer wortkarg, aber nicht schüchtern. Es geht nicht um Kosmetik: hier eine Brache rekultivieren, dort einen Stent in den Verkehrsengpass setzen oder auf begrünter Halde ein Windrad betreiben. Wir müssen uns nicht neu erfinden. Aber wir wollen die Perspektive wechseln. Zu lange hat man am ‚Glückauf’-Mythos festgehalten. Aber die wunden Stellen sind auch die Folgen fern- und fehlgesteuerter Politik. In der Nachkriegsgeschichte der Republik sicherte sich die Zentralgewalt ein immer größeres Stück vom Kuchen und ließ dem regionalen und kommunalen Sektor nur noch die Krümel. Gleichzeitig bürdete sie ihm immer größere Lasten auf. In den kommenden Dekaden wird die Sache nicht leichter werden. Das Revier wird demografisch schrumpfen. Es wird kleiner, älter und bunter. Wir haben aber nicht nur Sorgen, sondern auch vitale und richtungweisende Lösungen. Wir sind nicht mehr das große Abklingbecken des Industriezeitalters. Dafür möchte ich einige persönliche Beispiele geben: • Ich gehe beschwingt durch den Technologiepark der Dortmunder Universität; ich sehe in der großen Experimentierhalle des Fraunhofer’schen Instituts, wie sich die Logistik als Schlüsseltechnik der Zukunft entwickelt. • Ich bewundere die Entwicklung des Duisburger Hafens, der sich als größter Binnen-Umschlagplatz Europas und als pulsierender Dienstleister für Zukunft präsentiert. Auf dem Gelände eines früheren Stahlwerks arbeiten heute doppelt so viele Menschen. • Ich sehe auf den Reißbrettern der großen Unternehmen interessante Konzepte für den Umstieg aus dem fossilen in das nachhaltige Energiezeitalter. • Ich erlebe, wie das Projekt ‚InnovationCity’ die Stadt Bottrop in ein Modell für nachhaltige Energie verwandelt. • Ich entdecke überall die enorme Innovationskraft mittelständischer Betriebe. • Ich habe das Revier als Kulturhauptstadt 2010 erlebt, mit einer explosiven Fülle von Ideen, Gestaltungen und Gemeinsamkeiten. • Ich erlebe aus nächster Nähe die große unternehmerische Bürgerinitiative des Initiativkreises Ruhr, in der rund 70 Mitglieder Kräfte und Ideen bündeln, um ‚hotspots’ des neuen Reviers zu schaffen, Transplantate, die zusammenwachsen und stabile Kreisläufe bilden. 102 Für eine moderne Wirtschaftsförderung möchte ich drei Schwerpunkte benennen: 5.5.1 Innovation Wirtschaftsförderung darf keine Subventionsenklaven pflegen. Das Neue entsteht nicht aus transfer-finanzierter Vergangenheit. Es braucht Primärproduktion, die sich an den globalen und regionalen Leitmotiven der kommenden 50 Jahre orientiert. „Vom Ruhrgebiet aus“, schrieb Sloterdijk, „wäre der Beweis zu führen, dass eine alternative Energiepolitik eine ganze Region dynamisieren kann. Das ist plausibel, weil das Energiethema in dieser Region archetypisch verankert ist“ (SLOTERDIJK 2011: 30). ‚InnovationCity’, das der Initiativkreis Ruhr initiierte, entsteht nicht auf freiem Feld, sondern in einer existierenden Stadt. Ein solcher Impuls hat Kollateral-Nutzen. Er bewirkt Erfahrungszuwachs auf breiter Basis. Gute Beispiele verderben schlechte Gewohnheiten. Der Initiativkreis Ruhr sieht hier seine tiefere Philosophie. Er versteht sich als Thinktank ‚Ruhr’. Er formuliert Konzepte nicht ins Blaue hinein, sondern in Tuchfühlung mit Forschung und Wissenschaft. Wer heute eine permanente Zukunftskommission für das Ruhrgebiet erfinden will, kommt zu spät. – Es gibt sie schon. 5.5.2 Kooperation Lange war es auch bei uns üblich, sich voneinander abzugrenzen. Wer als Forscher etwas auf sich hielt, sah in Wirtschaft und Gewerbe Schmuddelkinder, die sich dem schnöden Mammon unterwarfen. Im Gegenzug war für Wirtschaftsführer der Forscher jemand, der sich in seinem Elfenbeinturm mit Formeln und Reagenzgläsern vergnügte. Der Künstler wiederum verachtete beide. Von allen geschieden war die Masse der Bürger und Arbeiter, die zu wenig Freizeit hatten, um über all das nachzudenken. Erst soziale Marktwirtschaft, Mitbestimmung und die – mehr oder weniger – verinnerlichte Demokratie senkten in der Nachkriegszeit die Schwellen. Das klassische Muster ist: Wettbewerb statt Kooperation. Man hockt hinter seiner Mauer, hütet Geheimnisse und versucht, Konkurrenten das Leben schwer zu machen. In einer Ausschreibung des Initiativkreises Ruhr wurde ein anderer Ansatz verfolgt: Wettbewerb durch Kooperation. Schon vor der Preisvergabe stand fest: Alle haben gewonnen. Das Nachdenken über die eigenen Denkblockaden und das Austüfteln intelligenter Lösungen führte zur Entdeckung ‚erneuerbarer Energien’ der Region. Dreidimensionales Denken lässt das Fingerhakeln 103 und beginnt, die Finger sinnvoller zu nutzen. Es müssen nicht gleich Zärtlichkeiten sein, man kann sich ja erst mal die Hand geben. Moderne Entwicklungen in Technik und Organisation haben die alten Muster völlig überholt. Wer Wirtschaft fördern will, muss Kommunikation entwickeln. Ich will wissen, was auf der anderen Straßenseite geschieht. Der noch so mächtige Kernbereich verdummt ohne Austausch mit dem Gürtel, der ihn weiträumig umgibt. Das Clustermodell ist in aller Munde – also schon etwas ausgekaut. Man sollte es nicht überschätzen. Kluge Clusterpolitik verstärkt die Stärken. Sie überwindet nicht alle Schwächen. Man darf nicht vergessen: Die Politik ist kaum noch bereit, sich große Wirtschaftsprojekte zu eigen zu machen und sie offensiv zu vertreten. Das zwingt die Unternehmen, für ihre innovativen Ziele selbst zu werben, mit möglichst guten Argumenten und frühzeitiger Einbeziehung aller relevanten Kräfte und Gruppen. Bei Erfolg werden sich die Parteien dann schon noch auf das Siegertreppchen schummeln. 5.5.3 Identifikation Wir leben in einer spannenden Zeit. Man kann sie nur in Gegensätzen beschreiben. Es geht um Klassengesellschaft oder Weltrisikogemeinschaft. Wir erleben Wachstumskrisen, aber auch Wachstumsrekorde, Energiehunger trifft auf Ressourcenknappheit, Profitorientierung auf Nachhaltigkeit, Bildungsferne auf neue Intelligenz. Große Chancen mischen sich mit Ungewissheit und Risiko. Alles wird von Menschen bewegt, aber nichts erscheint schwieriger, als Menschen zu bewegen. Die Menschen im Ruhrgebiet halten nicht viel von Schulterschluss und Gleichschritt. Man kann ihnen eine Corporate Identity verordnen, aber die stellen sie dann daheim in die Vitrine. Deshalb sind bisher alle Versuche gescheitert, das Revier mit einem künstlichen Wir-Gefühl auszustatten. Die Bürgermeister, die sich gestern Kusshände zuwarfen, treten sich heute unterm Tisch gegen das Schienbein. Auf der anderen Seite waren die Bewohner zu enormen Integrationsleistungen fähig und bereit. In der langen rauen Phase der industriellen Revolution waren alle mehr oder weniger entwurzelt und heimatlos. Man richtete sich wortkarg ein in den schroffen Gegensätzen zwischen Agrarland und Großstadt, zwischen Maschine und Mensch, zwischen dem Leben über und unter Tage. Wer die Bewohner gewinnen will, muss sie an der Neuerfindung ihres Lebensraumes beteiligen. Das integrative Erfolgsrezept der Bundesrepublik war nicht die (zweidimensionale) Marktwirtschaft, sondern die (dreidimensionale) soziale Marktwirtschaft. Sie schuf eine Grundversorgung an Gerechtigkeit und echte Aufstiegschancen. Das erzeugte Teilhabe und die Bereitschaft, sie beim Wort zu nehmen. Der Umbau einer Region ist darauf angewiesen. Er ist nicht von jetzt auf gleich zu haben. Es braucht fast eine Generation, für die Utopie war, was für die folgende selbstverständlich ist. 104 Man kommt auch dem Ziel nicht dadurch näher, dass man erst einmal alle Brücken hinter sich abreißt. Schon lange hatten wir nicht mehr einen so breiten Konsens für den Wandel. Er ist nicht von oben verordnet und auch nicht von unten ertrotzt. Er ist vielmehr eine Art Klima, eine günstige Großwetterlage, und regionale Wirtschaftsförderung kann sie nutzen. An Ort und Stelle entstehen die konkret erfahrbaren Beispiele. Sie ermutigen die Ängstlichen und nehmen die Zögernden mit. Sie zeigen Menschen, die vor einer Mauer stehen, dass es eine Kathedrale ist. 5.6 Neue Wirtschaftsbranchen als ‚Heilsbringer’? Es gibt aber auch ‚Modewellen’, die immer wieder angeblich neue Wirtschaftssektoren als Zukunftsbranchen kennzeichnen und dabei oft nur einen Aspekt wirtschaftlichen Strukturwandels absolut setzen. So wird beispielsweise die Kulturoder Kreativwirtschaft allerorten als die große Hoffnung auf neue Prosperität präsentiert (vgl. HEINZE/HOOSE 2012). Im Rahmen der Kulturhauptstadt ‚RUHR.2010’ wurde explizit auf die angebliche wirtschaftliche Zugkraft von Kultur hingewiesen. Statistiken, welche die Bedeutung des Kreativsektors scheinbar belegen, werden daher gerne und breit rezipiert: Gemessen an der Bruttowertschöpfung sei die Kultur- und Kreativwirtschaft bereits die drittgrößte Branche Deutschlands. Von den knapp einen Million Beschäftigter in der Kreativwirtschaft sind ca. 9 % im Ruhrgebiet tätig (85.654, vgl. WMR 2010). Damit ist die Kreativszene des Reviers zumindest in quantitativer Hinsicht vergleichbar mit Städten wie Hamburg, Köln oder München. In Zeiten wirtschaftlicher Krisen wird zwar die Förderung der Kreativbranche überall propagiert, andererseits gehören die öffentlichen Kultureinrichtungen zur potenziellen Streichmasse in den Haushaltsplanungen von Städten und Gemeinden. Generell beeinflusst schon die Qualität und Quantität des kulturellen Dienstleistungsangebots als wichtiger Standortfaktor Investitions- und Ansiedlungsentscheidungen. Unternehmen können häufig nur dann hochqualifizierte Fachkräfte anwerben, wenn ihr Umfeld über ein attraktives Kultur- und Freizeitangebot verfügt. Der Kulturbereich liefert aber darüber hinaus wichtige Innovationsimpulse für andere Branchen. Es zeigen sich im Ruhrgebiet auch interessante Unternehmungen an der Schnittstelle zwischen Kreativwirtschaft und traditionellen Produkten. „Als ein Beispiel für derartige Verknüpfungen kann der in Bochum ansässige Teppichdesigner Jan Kath gesehen werden. Hier wird in einer ‚altindustriell’ geprägten Region ein klassisches Produkt durch Kreativarbeit aufgewertet. Der 38-jährige Bochumer gehört zu den weltweit renommiertesten Teppichdesignern. Am Bochumer Standort des Unternehmens, einer umgebauten Maschinenhalle, entstehen die Designs, die in Showrooms unter anderem in New York und Berlin präsentiert werden und sogar in den Nahen Osten exportiert werden.“ (HEINZE/HOOSE 2012: 41) 105 Regionale Wachstumsstrategien setzen üblicherweise auf die Stärken einer Region. Das ist zwar sinnvoll, führt aber dazu, dass übersehen wird, dass oft auch Probleme und Schwächen einer Region wichtige Innovations- und Wachstumspotenziale darstellen können. Ein solches problemlösendes Wachstum hat das Ruhrgebiet in den 1970er und 1980er Jahren erlebt, als der damalige Bundeskanzler Brandt forderte, der Himmel über der Ruhr müsse wieder blau werden (vgl. BRÜGGEMEIER et al. 2012). Die Umsetzung dieser Forderung und die innovative Lösung der damit verbundenen Umweltprobleme haben dazu geführt, dass sich im Ruhrgebiet eine starke, auch international wettbewerbsfähige Umweltindustrie entwickelte. Zwar wurde seither im Ruhrgebiet und in Deutschland manche Chance vertan, diese Entwicklung zügig weiterzuführen. Auch heute ist Umwelt für das Ruhrgebiet nicht nur ein Thema im Hinblick auf Schwächen der Lebensqualität, sondern als Ansatzpunkt für eine ökologische Industriepolitik mit dem Schwerpunkt Ressourceneffizienz. Problemlösendes Wachstum ist gleichzeitig ein erfolgversprechender Weg, um der Abwanderung qualifizierter Fachkräfte entgegenzuwirken. Für viele junge, kreative Menschen ist ‚mitmachen zu können’ ein ganz wichtiger Punkt der Lebensqualität. Wenn also das Ruhrgebiet sich konsequent und sichtbar auf den Weg macht, Defizite seiner Lebensqualität zu beseitigen und dabei jungen (und auch älteren) kreativen Menschen Möglichkeiten gibt mitzumachen, dann wiegt das für viele Menschen die vorhandenen Defizite und Schwächen auf. Ein Umbau in Richtung einer wissensbasierten Ökonomie und zukunftsfähiger Kompetenzfelder oder Cluster dauert aber, und das Ruhrgebiet muss auf dem erfolgversprechenden Weg hin zu einem innovativen Standort noch einige Schritte bewältigen. Beispielsweise wurde der Grundstein zum Strukturwandel am Standort Dortmund bereits 1985 mit der Eröffnung des Technologiezentrums gelegt. Die Initiatoren hatten sich zum Ziel gesetzt, Existenzgründer und junge, technologieorientierte kleine und mittlere Unternehmen bei der Umsetzung von Wachstumsideen zu unterstützen. Mittlerweile arbeiten rund 10.000 Beschäftigte in vielen ‚jungen’ Unternehmen auf dem Gelände in unmittelbarer Nähe zur Universität und zu Forschungseinrichtungen, und auch aus anderen Städten des Ruhrgebiets können solche positiven Entwicklungstrends berichtet werden. Allerdings kann nicht eine ‚Top-down-Politik’ allein die regionale Entwicklung vorantreiben – dies zeigen auch meine Erfahrungen mit einigen Jahrzehnten Landesstrukturpolitik –, wichtig ist ebenso eine strategische Planung an der Basis, die kollektiv von allen Akteuren vorgenommen und umgesetzt wird. Verlangt wird ein professionelles Kompetenzfeld- und Standortmanagement. Es wurde im Ruhrgebiet in Sachen Strukturwandel in zwei wichtigen Bereichen nicht nur nichts gewonnen, sondern viel verloren – nämlich beim Humanvermögen und bei der regionalen Handlungsfähigkeit. Diese Sachverhalte zeigen, dass die Wiedergeburt des Phönix nur zum Teil gelungen ist und wir weiter darum kämpfen müssen. Dies geschieht auch durch 106 den Initiativkreis Ruhrgebiet. Im Jahr 1989 gegründet, engagiert er sich seither für die Region. Der Zusammenschluss von führenden Wirtschaftsunternehmen der Region hat zahlreiche Projekte und Initiativen in Kultur, Wirtschaft und Gesellschaft auf den Weg gebracht. Ziel ist, dem Ruhrgebiet im Rahmen eines nachhaltigen Strukturwandels neue Zukunftsperspektiven zu geben. Der Initiativkreis Ruhr ist damit weit mehr als eine Wirtschaftsvereinigung, die Innovationen fördern und Investitionen anlocken will. Er ist, könnte man sagen, in seinem innersten Kern eine gesellschaftspolitische Bewegung. Die Tradition fortzuführen heißt, Wirtschaft, Politik und Bürger miteinander ins Gespräch zu bringen. Wer im Initiativkreis Ruhr Mitglied wird, hat sich lange vor seiner Unterschrift entschieden, statt der gegnerischen Schwächen die gemeinsamen Stärken zu entdecken. Er lässt nichts vor die Wand laufen, was er retten kann. Er freut sich sogar, wenn es den anderen gut geht. Wir müssen intelligenter miteinander umgehen. Wir brauchen einen neuen und unruhig geduldigen Dialog – zwischen Bürgern und Wirtschaft, Wirtschaft und Politik, Politik und Bürgern. Wir brauchen regionale Netzwerke, in denen jeder zu seiner Hochform auflaufen darf, ohne den anderen den Stuhl wegzuziehen. Die Mitglieder im Initiativkreis Ruhr unterscheiden sich in ihrem Interesse an bürgerschaftlichem Engagement nicht von vielen Menschen in der Region, die an Veränderungen mitwirken wollen. Dies ist auch deshalb von Bedeutung, weil sich im Ruhrgebiet der Phönix nicht einfach aus der Asche befreien kann, sondern mit ihr einen langen Kampf führt. Die Asche, mit welcher der Phönix kämpfen muss, wird wissenschaftlich mit Begriffen wie Pfadabhängigkeit, Innovationssystem und Innovationsmilieu beschrieben. Wenn von Pfadabhängigkeiten gesprochen wird, heißt dies, dass wirtschaftliche Entwicklungen durch Bedingungen und Faktoren vorstrukturiert werden, die in der Vergangenheit verwurzelt sind. Bedingungen, die sich in der Vergangenheit herausgebildet haben, können schon in der Gegenwart und vor allem in der Zukunft bestimmte Entwicklungen aber auch hemmen. Wir brauchen deshalb einen dauerhaften Dialog über zukünftige Wachstumsfelder und regionale Innovationsstrategien, um den Anschluss an die großen Trends des 21. Jahrhunderts nicht zu verpassen. Wirtschaftliche Prosperität zu schaffen, wird in einer globalen und vernetzten Welt aber immer schwieriger. Davon, dass man sich auch der vorhandenen Probleme bewusst werden und dabei Lösungen und Verbesserungen entwickeln sollte, habe ich bereits gesprochen. Im Sinne der Pfadabhängigkeit der regionalen Entwicklung muss man sich aber darüber hinaus auf die in den Regionen bestehenden Kompetenzen und deren Weiterentwicklung konzentrieren. Dabei kann nicht jede Region oder jeder Standort alles machen. Benötigt wird funktionale Differenzierung. Hier teile ich ebenfalls die Ansicht von BOGUMIL et al. (2012). Funktionale Differenzierung bedeutet, dass jedes Zentrum in der Metropole Ruhr unterschiedliche wirtschaftliche Schwerpunkte und ein spezifisches wirtschaftliches Profil entwickelt, das sich von den Profilen der anderen Zentren deutlich unterscheidet. 107 Im Ruhrgebiet sind wirtschaftliche Aktivitäten mit hohen Innovations- und Wachstumspotenzialen quer verstreut. Klare räumliche Konzentrationen von bestimmten Aktivitäten und Branchen sind die Ausnahme. Zu diesen Ausnahmen gehört die Logistik, die in Duisburg und Dortmund herausragende Schwerpunkte hat, die miteinander nicht in Konkurrenz stehen. Von dem Logistik-Cluster in Duisburg und Dortmund profitieren aber nicht nur die beiden Städte, sondern die Region insgesamt. Das gilt nicht nur für die vielen Unternehmen, die über die beiden Standorte gut in die internationalen Logistiknetzwerke und den internationalen Handel eingebunden werden. Mit einer funktionalen Differenzierung würde dem Kirchturmdenken im Ruhrgebiet tendenziell ein Ende gesetzt werden. Das Ruhrgebiet kann seine Einheit dadurch wiedergewinnen, dass seine Zentren unterschiedlicher werden und die Region dadurch vielfältiger wird. Das hat zwei Gründe: Der erste Grund ist der, dass bei einer Differenzierung die Städte und ihre Wirtschaftsförderer nicht mehr um Unternehmen, Investoren und öffentliche Einrichtungen in den gleichen Wirtschaftszweigen konkurrieren, wie das bis heute immer wieder der Fall ist. Ein Beispiel dafür ist die Konkurrenz von Dortmund und Bochum in der Biotechnologie. Darüber hinaus haben Investitionen der einzelnen Städte bei funktionaler Differenzierung keine oder zumindest viel weniger negative Auswirkungen auf die Investitionen der anderen Städte. Dies gilt auch für die Universitäten im Ruhrgebiet, die aber durch die Universitätsallianz diesen Weg der funktionalen Kooperation bereits gehen. Die Logik hinter diesem Argument ist ganz einfach: Da in einer polyzentrischen Agglomeration keines der Zentren alle zukunftsträchtigen Wachstumspole sowie alle Dienstleistungsfunktionen für sich allein beanspruchen kann, schadet es nur, wenn alle alles machen oder machen wollen. Man muss Wachstumspole sowie Steuerungs- und Dienstleistungsfunktionen auf die einzelnen Zentren verteilen, so dass jedes Zentrum in bestimmten Bereichen das Zentrum des ganzen Ruhrgebiets (und seines Umlandes) ist. Auch im Ruhrgebiet werden gegenseitiger Nutzen und Vernetzung den Zusammenhalt stärken. Die InnovationCity Ruhr, die der Initiativkreis Ruhr in Bottrop auf den Weg bringt, ist ein grünes Konjunkturprogramm für das gesamte Ruhrgebiet. Das Ruhrgebiet wird in den nächsten Jahren weltweit Logistikstandards setzen und neue Akzente profilieren. Die Bankenkrise hat wachgerüttelt. Geld erzeugt nicht Geld, sondern zu oft Blasen. Wertschöpfung geschieht durch Produktion und Ideen. Hier leben Leute, die das von Kind auf kennen und können, die nicht grapschen, sondern zupacken. Sie schaffen Werte und haben ein Recht auf ihren Anteil. Sie wollen auch mitreden. Warum denn nicht! Wenn sie nicht in die Lokomotive dürfen, setzen sie sich ins Bremserhäuschen. Wir müssen neue Vokabeln lernen und alte mit neuem Inhalt füllen. Das Ruhrgebiet kann nur dann wieder eine wettbewerbsfähigere Wirtschaft entwickeln, wenn die Qualität der Bildung stimmt. Die industriellen Stärken der 108 Region beruhten unter anderem darauf, dass es nicht nur akademisch qualifiziertes Personal, sondern auch ein breites Angebot an qualifizierter Facharbeit gab. Diese wird wichtiger als je zuvor, wenn man strategisch auf eine rasche Diffusion von neuem Wissen und neuer Technologie setzen will (‚Wissensregion’). Es gilt hier, bedrohte Traditionen wieder aufzunehmen und so auf den Entwicklungspfad der qualifizierten Facharbeit zurückzukehren. Das ‚alte’ Ruhrgebiet hatte qualifizierte Fachkräfte und eine Arbeiterschicht, die selbst, aber vor allem für ihre Kinder, eine starke Bildungs- und Aufstiegsmotivation hatte. Das war einer der Gründe dafür, dass die ab den 1960er Jahren gegründeten Hochschulen im Revier rasch wuchsen. Eine Rückbesinnung auf die Stärke der Region kann Chancen bieten. Die Trennung zwischen Industrie und mittelständischer Wirtschaft spielt keine Rolle mehr. Die wechselseitige Verflechtung ist längst schon stärker und vitaler als die klassischen Grenzlinien, so auch bei Hochschulen und Wirtschaft. Wer heute noch zwischen edlem Elfenbeinturm und schmuddeliger Waschkaue unterscheidet, für den wäre Stehenbleiben schon Fortschritt. Erfolge werden erzielt, wo Gewerbeparks eng mit den Hochschulen verknüpft sind. Dies zeigen auch andere Wirtschaftsregionen und vor allem diejenigen, die nicht modisch nur auf Dienstleistungen (etwa die Finanzbranche) gesetzt, sondern ihre ureigenen Fähigkeiten in der Industrieproduktion weiter entwickelt haben (wie dies etwa süddeutsche Regionen mit dem Innovationspark Augsburg oder dem Medizintechnik-Cluster Erlangen tun), indem sie enge Verbundnetze zwischen Wirtschaft und Wissenschaft in spezifischen Kompetenzfeldern intensiviert und profiliert haben. Eine sich auf dem Arbeitsmarkt niederschlagende Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit kann in Deutschland immer noch von gut geführten Unternehmen aus dem produzierenden Gewerbe erreicht werden – dies ist die Message aus der letzten globalen Wirtschaftskrise. Diejenigen, die das Ruhrgebiet schon als altindustriell und damit dem Untergang geweiht beschrieben haben, müssen nun kleinlaut erkennen, dass hochwertige Qualitätsproduktion ein wesentlicher Stützpfeiler einer Region sein kann. Ohne eine breite Qualifizierung der Mitarbeiter und neue Netzwerkstrukturen zwischen Wirtschaft und Wissenschaft wird das aber nicht gelingen, und deshalb müssen wir im Ruhrgebiet mit aller Kraft die Wissensregion vorantreiben und endlich auf allen Ebenen die schon länger konstatierten Probleme im Bildungssektor massiv und konzertiert angehen, denn sonst droht ein weiterer Verlust des Humanvermögens. Der Wirtschaftsbericht 2011 der Wirtschaftsmetropole Ruhr stellt zu Recht fest, dass wir eine neue Kultur der offenen Kooperation brauchen, um kreative Lösungen erzielen zu können: „Dabei geht es nicht darum, dass die Zukunftsfelder fünfzehnfach kopiert werden und in allen Städten und Kreisen gleichgewichtig und in gleicher Form bearbeitet werden. Wichtig ist nicht, dass alle alles machen. Wichtig wird sein, dass die Breite der Chancen aus den Zukunftsfeldern in der täglichen Arbeit wahrgenommen und genutzt wird. Wir wollen mit der Arbeit an den Zukunftsfeldern einen sichtbaren Fortschritt für die Wirtschafts- 109 struktur unserer gesamten Metropole Ruhr erreichen. Dafür wird eine unterschiedliche Schwerpunktsetzung selbstverständlich sein.“ (WMR 2011: 72) Ratsam erscheint eine pragmatische Neugier auf die Entwicklungsmöglichkeiten der Region. Wir werden in eine zeitgemäße Form hineinwachsen. Unsere Stärke liegt in der Vielfalt der Städte, in der Arbeitsteilung und Unterscheidbarkeit. Wenn jeder haben will, was und nur weil es die anderen haben, bleibt das Ganze weit unter seinen Möglichkeiten. Vielleicht könnten wir uns New York als Vorbild nehmen: Dort spielt jeder Stadtteil seine charakteristische Rolle. Das ist kein Schmelztiegel, sondern ein Netzwerk von Nachbarschaften. Jeder Bereich ist unverzichtbar, und trotz Weltmetropole kann man sich in seinem Stadtteil heimisch fühlen. Schon bei der international viel beachteten Internationalen Bauausstellung Emscher Park wie auch beim Kulturhauptstadtjahr ‚Ruhr.2010’ ist im Ruhrgebiet ein Gefühl dafür gewachsen, dass Kooperation besser ist, als eine Stadt in der anderen aufzulösen. 5.7 Literatur Abelshauser, W. (2011): Deutsche Wirtschaftsgeschichte. Von 1945 bis zur Gegenwart, 2. überarbeitete und erweiterte Aufl., Bonn: Bundeszentrale für Politische Bildung. Bogumil, J./Heinze, R. G./Lehner, F./Strohmeier, K-P. (2012): Viel erreicht - wenig gewonnen. Ein realistischer Blick auf das Ruhrgebiet, Essen: Klartext Verlag. Brüggemeier, F.-J./Scheck, H./Schepelmann, P./Schneidewind, U. (2012): Vom „Blauen Himmel“ zur Blue Economy. Fünf Jahrzehnte ökologische Strukturpolitik, Expertisen und Dokumentationen zur Wirtschafts- und Sozialpolitik, Friedrich-Ebert-Stiftung, Arbeitskreis Nachhaltige Strukturpolitik, Wiso Diskurs, Bonn. Engel, K./Großmann, J./Hombach, B. (Hg.) (2011): Phönix flieg! 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Zusammenfassung

Der Band beschäftigt sich mit den Leistungen und Schwächen von Clusterpolitik und der Zukunft der Wirtschaftsförderung. Heute wissen wir, dass Clusterpolitik als Instrument moderner Wirtschaftsförderung sich immer nur dann bewährt, wenn die in der komplexen Theorie angelegten verschiedenen Koordinationsmodi auch in der Realität greifen können. Dazu muss das Umfeld in die Förderung integriert werden, weil nur so der Aufbau regionaler Innovationssysteme gelingt. Dabei gerät vor allem die Beschäftigung in wissensintensiven, zukunftsfähigen Wachstumssektoren in das Visier der Wirtschaftsförderung. Der Standortvergleich herausragender Wirtschaftsregionen hebt durchgängig die Existenz solcher Kooperationsstrukturen und Wissenskollaborationen hervor.

Daher wird in diesem Band neben wissenschaftlichen auch praxisrelevanten Fragen nachgegangen:

Welche Arten von Clusterpolitik haben sich herausgebildet, und was wissen wir über ihren Einfluss auf regionale Wirtschaftsentwicklung?

Welche Erkenntnisgewinne hat die Clusterforschung der letzten Jahre für die wirtschaftspolitische Praxis geliefert? Was sind Good Practice Beispiele?

Ist die „Clusterei“ immer noch ein wirtschaftspolitischer Königsweg oder mittlerweile eher ein Sorgenkind?

Was ergibt sich für ein zukunftsorientiertes Modell zur Zukunft der Wirtschaftsförderung angesichts neuer Herausforderungen wie beispielsweise Demografischem Wandel, Energiewende oder zukunftsfähiger Mobilitätskonzepte?