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Brandt Arno, Wirtschaftsförderung 3.0: Zur Strategie der Wirtschaftsförderung in der Innovationsökonomie in:

Rasmus C. Beck, Rolf G. Heinze, Josef Schmid (Ed.)

Zukunft der Wirtschaftsförderung, page 683 - 714

1. Edition 2014, ISBN print: 978-3-8487-1039-3, ISBN online: 978-3-8452-5163-9, https://doi.org/10.5771/9783845251639_683

Series: Wirtschafts- und Sozialpolitik, vol. 14

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683 29 Wirtschaftsförderung 3.0: Zur Strategie der Wirtschaftsförderung in der Innovationsökonomie Arno Brandt Ebenso wie die regionale Strukturpolitik hat auch die kommunale Wirtschaftsförderung seit ihrem Einzug in die Praxis der Stadt- und Regionalpolitik auf die besonderen Herausforderungen und Rahmenbedingungen ihrer Zeit reagiert und sich insofern im Laufe des Strukturwandels immer wieder neu aufgestellt. Die Wirtschaftsförderung ist im Hinblick auf ihre Strategiebildung einerseits fortlaufend im Begriff, sich in einem Prozess von Versuch und Irrtum ständig selbst zu korrigieren und ihren Kurs pragmatisch den wirtschaftlichen Veränderungen anzupassen (SCHMID 2009). Andererseits ist sie herausgefordert, mit dem epochalen Wandel der Wirtschaft, der in größeren zeitlichen Abständen zu immer neuen Wachstumskonstellationen führt, Schritt zu halten und mit jeder neuen Ära einen Perspektivwechsel vorzunehmen. Vor dem Hintergrund der Weltfinanzmarktkrise und ihrer Folgen, aber auch der Energiewende sowie des Klimawandels spricht einiges dafür, dass wir uns wieder in einer Phase des beschleunigten Strukturwandels befinden, der die Wirtschaftspolitik ebenso wie die regionale Wirtschaftsförderung vor neue Herausforderungen stellt. Dani RODRIK hat für ein Wirtschaftsmodell des 21. Jahrhunderts, das durch die Strukturen einer ‚mixed economy’ geprägt wird, die Bezeichnung „Kapitalismus 3.0“ eingeführt (RODRIK 2011: 301). Im Folgenden soll der Versuch unternommen werden, die Veränderungen in der strategischen Ausrichtung der Wirtschaftsförderung in (West-)Deutschland im Prozess der wirtschaftlichen Entwicklung nachzuzeichnen und für den weiteren Gang der wirtschaftlichen Entwicklung das Konzept einer zukunftsfähigen Wirtschaftsförderung zu entwerfen. Ein solches Konzept hat sich den aktuellen Herausforderungen des Strukturwandels zu stellen und muss sich auf die zentralen Eckpunkte der EU-2020-Strategie beziehen. Der Förderung von Innovation wird gerade in Hinblick auf die Entwicklung einer nachhaltigen Wirtschaftsweise (‚nachhaltiges Wachstum’) in der nächsten Förderperiode eine noch größere Bedeutung zukommen. In Zukunft bedarf es einer Ausrichtung der Wirtschaftsförderung, die den Gesichtskreis herkömmlicher Strategieansätze verlässt. Welche Rolle spielen in diesem Zusammenhang Clusterstrategien oder alternative Ansätze, die mehr auf Diversität setzen? Dabei geht es, wie noch gezeigt werden soll, um die Verknüpfung sowohl angebots- als auch nachfrageorientierter Strategien der Wirtschaftsförderung. 684 29.1 Wirtschaftsförderung im Strukturwandel Die Weltfinanzmarktkrise und ihre langfristigen Folgen, die angesichts der schwerwiegenden Verwerfungen im EURO-Raum immer noch nicht abzusehen sind (STIGLITZ 2013; FLASSBECK et al. 2013; FRICKE 2013; SCHULMEISTER 2012), rücken die strategische Neupositionierung der Wirtschaftsförderung auf die politische Agenda. Erste Vorboten eines Strategiewechsels deuten sich bereits in den regionalwirtschaftlichen Diskursen der jüngeren Vergangenheit an. Beispiel dafür ist als unmittelbarer Reflex auf die Krise die Diskussion über die Frage der Entwicklung krisenrobusterer Wirtschaftsstrukturen, wie sie unter dem Stichwort der Resilienz geführt werden (FROMHOLD-EISEBITH 2012; SIMMIE/ MARTIN 2010). Andere Ansätze knüpfen an die Theorie der ‚Großen Krise’ oder der ‚Großen Transformation’ an. Große Krisen unterscheiden sich von den ‚kleinen’ Krisen dadurch, dass sie die Impulse ihrer eigenen Überwindung nicht aus sich selbst hervorbringen können und daher einer gesellschaftlichen Neukonfiguration bedürfen (LUTZ 2011). Krisen dieses Typs sind geeignet, Pfadabhängigkeiten aufzulösen und damit einen Pfadwechsel herbeizuführen (WELZER 2012). Sie erweitern den Möglichkeitsraum, der von den handelnden Akteuren in Staat, Wirtschaft und Zivilgesellschaft für ökonomische, soziale, ökologische und institutionelle Innovationen genutzt werden kann. In Anlehnung Karl Polanyis Buch „The Great Transformation“ (POLANYI, K. 1978) werden mit dem Begriff der ‚Großen Transformation’ tiefgreifende politische, wirtschaftliche und soziale Veränderungen markiert (STIGLITZ 2001; WBGU 2011; MÜLLER/STRASSER 2011). In diesem Verständnis zeigen sich angesichts der Herausforderungen der Gegenwart Parallelen zu Umgestaltungsprozessen der europäischen Zivilisation vom vorindustriellen bis zum Industriezeitalter, wie sie Polanyi analysiert hat. Da sich nicht nur die ökonomische, sondern auch die stoffliche Seite des bisherigen Wachstumsmodells in einer tiefgreifenden Krise befindet (SCHELLNHUBER 2011; RAHMSTORF/SCHELLNHUBER 2012; WEIZSÄCKER/HARGROVES/SMITH 2010; STERN 2009; RIFKIN 2011; NUTZINGER 2012), sieht der Wissenschaftliche Beirat der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen (WBGU) das fossile System bereits in einem Umbruch begriffen, der den Beginn einer „Großen Transformation“ einläutet (WBGU 2011: 1). Der Wandel zu einem solaren Zeitalter (Niedrig-Karbon-Ökonomie) setzt ebenso wie der Umstieg zu einer krisenfesteren Ökonomie weitreichende institutionelle, soziale und technologische Veränderungen voraus. Der demografische Wandel und die Veränderungen in der Arbeitswelt tragen zusätzlich dazu bei, dass die Komplexität der zu bewältigenden Aufgaben zunimmt. Die gewachsene Komplexität und die damit verbundene Notwendigkeit, theoretisches und Erfahrungswissen in nie dagewesenem Umfang einzusetzen, geben der Rede vom 685 Übergang zur Wissensgesellschaft ihren eigentlichen Sinn. Wissen wird immer mehr zu einer Schlüsselressource, um die akuten gesellschaftlichen Herausforderungen zu bewältigen.68 Vor diesem Hintergrund hat die EU im Rahmen ihrer Europa-2020-Strategie einen Kurswechsel eingeleitet, der auch für die künftige Förderkulisse im Rahmen der EU-Strukturpolitik prägend sein wird (EUROPÄISCHE KOMMISSION 2013). Darin sind die Ziele eines intelligenten, nachhaltigen und integrativen Wachstums festgeschrieben, konkrete Meilensteine operationalisiert und sieben Flaggschiff-Initiativen – darunter unter anderem der Übergang zu einer Niedrig-Karbon-Ökonomie – formuliert. Für die künftige EU-Strukturpolitik ist deutlich die Zielsetzung erkennbar, den Strukturwandel durch eine spezifische Innovationsstrategie (smart specialization) zu begleiten. Diese Innovationsstrategie soll bis auf die Ebene der einzelnen Regionen heruntergebrochen werden. Auch wenn die kommunale Wirtschaftsförderung in ihrer Reichweite und in ihren Möglichkeiten nicht überschätzt werden sollte, wird von ihr dennoch eine aktive Rolle im Rahmen einer künftigen Innovationsstrategie zu erwarten sein. Ohne die Verankerung des Nachhaltigkeitsziels in den regionalen Innovationssystemen wird eine postfossile Wirtschafts- und Lebensweise nicht durchsetzbar sein. Die kommunale Wirtschaftsförderung wird sich dieser Anforderung schon deswegen kaum entziehen können, weil sich die Zuteilung von Fördermitteln in Zukunft an den neuen Vorgaben der Europa-2020-Strategie orientieren wird. In der kommenden Förderperiode werden sich sowohl in Hinblick auf die zu bewältigenden Herausforderungen als auch auf die Notwendigkeit, die verfügbaren Mittel effizienter einzusetzen, die regionale Strukturpolitik und die regionale Wirtschaftsförderung noch enger aufeinander beziehen müssen. Der springende Punkt in diesem Zusammenhang ist aber, dass unter den veränderten Rahmenbedingungen gerade auch für die regionale Wirtschaftsförderung große Chancen bestehen, das innovatorische Potenzial der Unternehmen vor Ort herauszufordern, um damit einen wirksamen Beitrag zur ökonomischen und ökologischen Modernisierung der regionalen Wirtschaft zu leisten. Werner ABELSHAUSER hat in seiner kongenialen Geschichte der deutschen Wirtschaft seit 1945 (ABELSHAUSER 2011) die tragenden Elemente des deutschen Produktionsregimes, das sich seit Ende des 19. Jahrhunderts als soziales System der diversifizierten Qualitätsproduktion entwickelte, skizziert. In diesem Zusammenhang werden als institutioneller Rahmen das Grundprinzip der Kooperation (statt Konkurrenz), die Zeitpräferenz der Langfristigkeit (statt Shareholder-Value), das Prinzip der Facharbeit (einschließlich der dualen Ausbildung), die korporative Unternehmensführung (Mitbestimmung), der Wohl- 68 Der Übergang zur Wissensgesellschaft markiert nicht zuletzt auch eine Schnittstelle, an der sich die Theorie Karl Polanyis (Great Transformation) und die Theorie seines Bruders Michael Polanyi (tacit knowledge) auf produktive Weise verknüpfen lassen. 686 fahrtsstaat und schließlich die Agglomerationen regionaler Verbundwirtschaft (Cluster) benannt. Die Existenz von Clustern69 (regionale Verbundwirtschaft) führt ABELSHAUSER als Beleg für „die hohe Verdichtung und Vernetzung des institutionellen Rahmens“ an und attestiert ihnen wirtschaftliche Synergien, die die deutsche Exportwirtschaft auf den Weltmärkten zu hoher Flexibilität und Kosteneffizienz befähigen (ABELSHAUSER 2011: 41). Cluster sind in Deutschland kein Phänomen der jüngeren Wirtschaftsgeschichte, wie sie überhaupt in Europa, z. B. in der Form der ‚industrial districts’, eine lange Tradition aufweisen (MARSHALL 1920; KRUGMAN 1991; PIORE/SABEL 1985; SCHEUPLEIN 2006). ABELSHAUSERs Zuordnung der Cluster zum System der diversifizierten Qualitätsproduktion verweist auf die Erkenntnis, dass erfolgreiches Wirtschaften von Regionen oder Nationen nicht allein auf die Summe ihrer einzelnen Unternehmen zurückzuführen ist, sondern systemischen Charakter hat (STAHLECKER/KROLL 2012: 3; HALL/SOSKICE 2009: 21ff.; HALL 2006). Aber nicht nur aus der Perspektive der regionalen bzw. nationalen Wettbewerbsfähigkeit ergeben sich Synergien. Durch die Einbettung in Netzwerke und andere Institutionen profitieren auch die Unternehmen selbst von vielfältigen externen Effekten, die ihnen zusätzliche wirtschaftliche Vorteile ermöglichen. Sie reduzieren Unsicherheit und ermöglichen ihnen den Zugang zu Wissen, Technologie, qualifizierten Arbeitskräften und Kapital und schaffen damit Voraussetzungen für erfolgreiches wirtschaftliches Handeln, die der Markt vielfach selbst nicht oder nicht in hinreichender Quantität und Qualität zur Verfügung stellt. Das Erfolgsmodell der diversifizierten Qualitätsproduktion mit seiner Ausrichtung auf kundenspezifische Produktvariationen und hohe technische Präzision, welches sich in Deutschland Ende des 19. Jahrhunderts herausbildete, blieb auch in Deutschland als Leitbild des industriellen Produktionsmodells erhalten, als Henry Ford in den USA sein Modell T einführte und damit das Zeitalter des Fordismus einläutete (ABELSHAUSER 1998). So war der verspätete Einzug fordistischer Produktionsmethoden in die deutsche Industrie vielfach mit erheblichen Modifikationen des amerikanischen Vorbildes verbunden. Der deutsche Fordismus folgte weitgehend nicht den starren Prinzipien einer standardisierten Massenproduktion, sondern ging eine Symbiose mit dem in Deutschland vorherrschenden Produktionsmuster der diversifizierten Qualitätsproduktion ein (ABELSHAUSER 2011: 415ff.). Insofern blieben im Kern auch die Clusterstrukturen rund um die industriellen Hersteller in der deutschen Wirtschaft in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts erhalten. Dass in Deutschland das Phänomen der Clusterung seit Anfang der 1990er Jahren im wissenschaftlichen Diskurs, aber zunehmend ebenfalls in der wirtschaftspoliti- 69 Zur näheren Bestimmung des Begriffs ‚Cluster’ siehe weiter unten. 687 schen Praxis eine breite Resonanz fand, hat gewiss auch mit modischen Trends zu tun, die nicht zuletzt durch den publizistischen Erfolg von Micheal PORTERs Clusterkonzept (PORTER 1990; KIESE 2012) verstärkt wurden. Aber die Clusterrezeption fiel auf fruchtbaren Boden, weil sich mit der Krise des Fordismus in den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts neue wirtschaftliche Strukturen durchzusetzen begannen, die mit dem Cluster- und Netzwerkkonzept in hohem Maße kompatibel waren. Auf der Basis neuer Produktionstechnologien gelang es flexiblere Produktionskonzepte durchzusetzen, da nunmehr auch große Produktvielfalt und hohe Produktqualität mit großen Stückzahlen vereinbar wurden (STREECK 1991: 25ff.). Die neuen technologischen Möglichkeiten waren insbesondere mit den Prinzipien des Modells der diversifizierten Qualitätsproduktion kompatibel, die wie ein roter Faden in der deutschen Industriegeschichte leitbildprägend war, nun aber ihre besonderen Vorteile ausspielen konnte. Zu den neuen Produktionskonzepten zählte auch die Reduzierung der Fertigungstiefe (Lean Production) und der Lagerbestände (Just-in-time), wodurch die enge Kooperation mit unternehmensorientierten Dienstleistern anwendungsorientierten Forschungseinrichtungen und Zulieferbetrieben erheblich an Bedeutung gewann (PIORE/SABEL 1985; KERN/SCHUMANN 1984; ABELSHAUSER 2011). Die Integration in Unternehmensnetzwerke, die in der regionalen Verbundwirtschaft immer schon eine gewisse Rolle gespielt hatte, erlangte auf diese Weise eine zunehmend größere Bedeutung. Die Kehrseite dieser Entwicklung war die Herausbildung einer wissensbasierten Ökonomie, in der sich die wissensintensiven Bereiche im Produktions- und Dienstleistungssektor als besonders dynamisch erwiesen (SCHÄTZL 2003: 226). Vor dem Hintergrund der Durchsetzung der neuen Informations- und Kommunikationstechnologien sowie weiterer innovativer Technologiepfade (z. B. Biotechnologie, Lasertechnologie, neue Werkstoffe, erneuerbare Energien) kam es zu einer neuen Welle technologieorientierter Gründungen und Spin-offs. Vor diesem Hintergrund war es nur folgerichtig, dass auch die Wirtschaftsförderung, deren herkömmliches strategisches Handlungsrepertoire sich infolge der fordistischen Krise erschöpft hatte, den Netzwerken und Clustern eine größere Aufmerksamkeit zuteilwerden ließ.70 Die gegenwärtige Wirtschaftskrise fungiert auch als Katalysator für den Strukturwandel und wird den Übergang in eine Wissens- bzw. Innovationsökonomie beschleunigen (KUJATH/ZILLMER 2010; IBERT/KUJATH 2011). Die Wissensökonomie hat sich seit langem im Unterholz unterschiedlicher Wirtschaftsbereiche entwickelt und knüpft in Deutschland an die spezifischen Stärken des im deutschen 70 Eine weitere Triebfeder des Clusterhypes war die Herausforderung der Rekonstruktion der (regionalen) Wirtschaft in den neuen Bundesländern nach 1990, in deren Kontext neue Konzepte, die sich der Wirtschaftsförderung andienten, besonders begierig aufgegriffen wurden. 688 Industriesystem verankerten Produktionsmodells der diversifizierten Qualitätsproduktion an. Im Unterschied zu den vorgängigen Wachstumskonstellationen wird Wissen in der Wissensökonomie jedoch zur entscheidenden Produktivkraft. Dies zeigt sich sowohl an dem wachsenden Anteil an Informationsgütern als auch an dem zunehmenden Einsatz von Wissen bei der Erstellung der in den Industrieländern produzierten Güter und Dienstleistungen. Auch im Zeitalter der Innovations- ökonomie verschwindet die Industrie nicht; das Fundament der wissensbasierten Wirtschaft bleibt weiterhin die materielle Produktion, die aber neue Formen entwickelt (PRIDDAT/WEST 2012). Eine Facette dieser Entwicklung wird aktuell unter dem Label ‚Industrie 4.0’ gehypt. Dabei geht es um eine flexible und wandlungsfähige Produktionstechnologie in Verbindung mit einer kommunikationstechnischen Vernetzung der Wertschöpfungskette, wodurch effiziente Einzelfertigung möglich wird (ARBEITSKREIS INDUSTRIE 4.0 2013; GIERSBERG/ KNOP/KÖHN 2013). Die wissensintensiven Wirtschaftsbereiche haben sich bereits in der Vergangenheit deutlich dynamischer entwickelt als die nicht wissensintensiven Wirtschaftsbereiche (BRANDT 2011: 159ff.). Investitionen in Forschung und Entwicklung, der Trend zur Höherqualifizierung und die Dynamik der Wissensvernetzung sind die wesentlichen Charakteristika einer wissensbasierten Ökonomie (BRANDT 2012). Die Wissensökonomie ist aber nicht die Fortsetzung vorgängiger Wachstumsmodelle mit den Mitteln zusätzlichen Wissens. Sie ist vielmehr eine neue Wachstumskonstellation, die in weiten Bereichen einer anderen Funktionslogik folgt und andere Koordinierungsmechanismen in das Zentrum des ökonomischen Systems rückt. Wissensaustauschprozesse werden im Unterschied zum Transfer materieller Güter, der ganz überwiegend über den Preismechanismus erfolgt, maßgeblich durch Vertrauen und Reputation sowie durch soziale Netzwerke koordiniert. Wenn es um Wissen geht, hat die soziale Dimension eine ungleich größere Bedeutung im wirtschaftlichen Handel, als es bei materiellen Gütern der Fall ist (STRAMBACH 2011: 26). Bei der Koordination von Innovationen versagen Märkte und Hierarchien vielfach, so dass netzwerkartige Koordinationsformen als Alternative zum Preismechanismus (Markt) und zum Anweisungsmechanismus (Hierarchie) im Kontext von Innovationsprozessen eine zentrale Rolle spielen (WILLIAMSON 1990). Vertrauen zwischen den Netzwerkpartnern gewinnt in diesem Zusammenhang als Koordinationsmedium eine besondere Bedeutung. Der Trend zur Wissens- bzw. Innovationsökonomie wird durch die Notwendigkeit, ein nachhaltiges Wachstumsmodell durchzusetzen, noch beschleunigt. Allein die Energiewende in Deutschland wird nicht nur langfristige Veränderungen der Unternehmensstrukturen hin zu dezentraleren Strukturen bewirken, sondern auch die qualifikatorischen Anforderungen an die Beschäftigten in der Energiewirtschaft und in den Unternehmen, die sich an der Energieeffizienzrevolution beteiligen, stark verändern (BLAZEJCAK/EDLER 2011: 62). Vergleichbare 689 qualitative Veränderungen sind vom Übergang zu einer postfossilen Mobilität und vermutlich noch mehr vom Übergang zu einer postfossilen Chemie (Bioeconomy) zu erwarten. Auch in diesem Kontext wird Wissen zur entscheidenden Schlüsselressource und die Wirtschaftsweise nachhaltig verändern. Diese Herausforderungen stellen enorme Anforderungen an die Innovationsfähigkeit der Unternehmen, die immer weniger das Ergebnis individuellen Erfindergeistes ist, sondern Resultat kollektiver Aktivitäten, die sich vielfach netzwerkförmig organisieren (KOSCHATZKY 2005: 53). „Dementsprechend versucht die neuere Innovationsforschung auch, möglichst ganze Innovationssysteme zu betrachten, die alle wesentlichen Akteure und deren Beziehungen zueinander erfassen. Dabei versteht man unter einem Innovationssystem sämtliche Institutionen [...], Organisationen und Akteure in einem Land, einer bestimmten Region bzw. einem Sektor, die zur Entwicklung und Verbreitung von neuen Erfindungen bzw. neuen Technologien beitragen.“ (FRITSCH 2012: 180) Regionale Innovationssysteme stellen in diesem Zusammenhang „die in der Region ansässigen Industriebetriebe, die Anbieter unternehmensnaher Dienstleistungen sowie die überwiegend von der öffentlichen Hand finanzierten Forschungs-und Ausbildungseinrichtungen [...] dar“ (FRITSCH 2012: 187).71 Entscheidend für das regionale Innovationssystem kommt es aber darauf an, dass zwischen den Unternehmen und zwischen der Wirtschaft und der Wissenschaft ein intensiver Wissensaustausch (Wissensspillover) erfolgt. Wissensspillover werden vor allem durch Spin-offs, Arbeitskräftemobilität und Netzwerke72 ermöglicht (BOSCHMA 2008: 25ff.). Dieses Verständnis regionaler Innovationssysteme weist starke Schnittmengen zum Clusteransatz auf. Cluster repräsentieren räumliche Konzentrationen von Unternehmen und komplementären Institutionen entlang einer branchenspezifischen Wertschöpfungskette (oder eines Wertschöpfungssystems), die untereinander interagieren. Sie umfassen damit regional ansässige Unternehmen, unternehmensorientierte Dienstleistungen, Forschungs- und Ausbildungseinrichtungen sowie weitere Institutionen, die zu ihrer Funktionsfähigkeit erforderlich sind. Der Clusteransatz stellt explizit auf die Generierung von Wachstumsimpulsen durch die Stimulierung positiver externer Effekte ab (KRUGMAN 1991; PORTER 1990; BRANDT 2008a; KIESE 2008; KIESE 2012). Diese ergeben sich durch die Existenz eines ge- 71 Zu den Unterschieden zwischen dem deutschen Innovationssystem und dem Innovationssystem der USA und ihren Auswirkungen auf die länderspezifischen Clusterpolitiken verweise ich auf einen sehr instruktiven Aufsatz von KIESE, STERNBERG und STOCKINGER (2012). 72 Formal-systemtheoretisch besteht ein Netzwerk aus Knoten (z. B. Unternehmen) und Kanten (z. B. Kooperationsbeziehungen). Regionale Netzwerke umfassen Knoten und Kanten, die sich in räumlicher Nähe zueinander befinden (GENOSKO 1999: 32). In Netzwerken findet die Koordination wirtschaftlicher Transaktionen durch Kooperation (statt Markt oder Hierarchie) statt (VOELZKOW 2007: 45f.). 690 meinsamen Arbeitskräftepools bzw. einer gemeinsamen Zulieferbasis und durch Netzwerkexternalitäten, die mit Wissensspillovern begründet werden. Sowohl der Clusteransatz als auch das Konzept des regionalen Innovationssystems rekurrieren auf Wissensspillover und damit auf die Bedeutung räumlicher Nähe. Soweit Cluster stark auf den Wissensaustausch abstellen, können sie auch als Teilmenge eines regionalen Innovationssystems aufgefasst werden. Das Clusterkonzept fokussiert aber auf sektorale Spezialisierungen (intrasektoraler Wissensaustausch), während das Konzept der regionalen Innovationssysteme darüber hinaus den Wissensaustausch in diversifizierten regionalen Wirtschaftsstrukturen (intersektoraler Austausch) einschließt. Das Konzept regionaler Innovationssysteme lässt mit anderen Worten zunächst offen, ob der innovatorische Output Resultat von Lokalisations- oder Urbanisationseffekten73 ist. Beides ist in diesem Konzept möglich, was darauf verweist, dass innovative Cluster als Spezialfall regionaler Innovationssysteme aufgefasst werden können. Weil Netzwerke in der Wirtschaft eine immer größere Rolle spielen (PICOT/ REICHWALD/WIEGAND 2003; BOLTANSKI/CHIAPELLO 2006; CASTELLS 2003; LIEFNER/SCHÄTZL 2012: 177ff.), ist es nur konsequent, wenn die Wirtschaftsförderung dieses Strukturmuster der Wissensökonomie zu einem zentralen Ausgangspunkt ihrer Strategiebildung nimmt (REHFELD 2013). In diesem Zusammenhang ist es zunächst weniger entscheidend, ob es sich um regionale, überregionale oder auch globale Netzwerke handelt. Jede territoriale Dimension hat ihre ökonomische Berechtigung. Der Gestaltungsraum der Wirtschaftsförderung bezieht sich aber im Wesentlichen auf den regionalen Raum, wodurch die regionale Netzwerkbildung erneut in den Fokus rückt. Die Landkarte der Innovation verweist auf eine sehr ausdifferenzierte Landschaft mit mehr oder weniger ausgeprägten Innovationsräumen. Die ‚Geografie der Innovation’ lässt Regionen erkennen, die mehr als andere in der Lage sind, Innovationen zu entwickeln und zu implementieren (BOSCHMA 2008: 1). Innovation ist dabei stärker noch als Produktion räumlich konzentriert (AUDRETSCH/ FELDMAN 2003: 1). Das den Innovationsprozessen zugrunde liegende Wissen weist aufgrund seiner spezifischen Eigenschaften74 die Tendenz auf, zu akkumulieren und sich räumlich ungleich zu verteilen. Auch hier ist das zentrale Argument, dass aufgrund der durch Wissensspillover induzierten Externalitäten spezifische 73 „Lokalisationseffekte sind Effekte, die zwischen verschiedenen Betrieben einer Branche auftreten. [...] Urbanisationseffekte treten zwischen Unternehmen verschiedener Branchen [...] auf.“ (GENOSKO 1999: 39f.) 74 Charakteristisch für den Produktionsfaktor Wissen ist, dass die Grenzkosten der Bereitstellung von Wissen im Gegensatz zu den traditionellen Produktionsfaktoren nicht positiv sind (STIGLITZ 2006: 405; LIPSEY 2008: 37). Wissen ist die einzige Ressource, die sich durch ihren Gebrauch vermehrt. Im Zuge seiner Anwendung erfolgen Lernprozesse, die eine Akkumulation von Wissen ermöglichen. 691 ökonomische Vorteile erzeugt werden, die eine räumliche Konzentration von Produktion und Innovation ermöglichen. Eine zentrale Rolle spielt in diesem Zusammenhang die räumliche Nähe, die in besonderer Weise begünstigt, dass Wissen ausgetauscht wird. „In sum, the empirical evidence suggests that location and proximity clearly matter in exploiting knowledge spillovers.“ (AUDRETSCH/FELDMAN 2003: 13) 29.2 Grenzen des Clusteransatzes – Cluster revisited Der Hype zugunsten von Clusterstrategien hat sich mittlerweile deutlich abgeflacht. In der Wirtschaftsförderung macht sich zunehmend die Erkenntnis breit, dass das Versprechen auf ‚quick wins’ mit Clusterstrategien nur selten realisierbar ist und der auch auf anderen Feldern der Wirtschaftsförderung bekannte ‚lange Atem’ auf dem Gebiet der Clusterpolitik Einzug hält. Vor allem aus der Zunft der Regionalökonomen und Wirtschaftsgeografen werden deutliche Vorbehalte laut; der Lebenszyklus eines einstmals gefeierten Konzeptes scheint an sein Ende gelangt zu sein. Es sind – abgesehen von eher allgemeinen Kritiken, die z. B. die vermeintliche ‚Vagheit’ des Clusteransatzes beklagen (MARTIN/ SUNLEY 2001) – insbesondere sechs Argumente, die gegen Clusterstrategien ins Feld geführt werden: • Die mit der Clusterung verbundenen Vorteile der räumlichen Nähe werden überschätzt. Räumliche Nähe ist weder eine notwendige noch hinreichende Bedingung für die Ermöglichung von Wissensspillovern (BOSCHMA 2005). • Die mit der Clusterung verbundene Strategie der Spezialisierung erweist sich als weniger effizient als eine dezidierte Diversifizierungsstrategie (AUDRETSCH/ FELDMAN 2003). • Der mit der Clusterung verbundene Ansatz der Netzwerkförderung führt zur Ausgrenzung relevanter wirtschaftlicher Akteure und birgt die Gefahr von Lock-in-Effekten (Einkapselungen) (BOSCHMA 2008). • Der mit der Clusterung verfolgte Kooperationsansatz ist einseitig angebotsorientiert und blendet die erforderliche nachfrageseitige Flankierung aus (BRUCH-KRUMBEIN/HOCHMUTH 2000: 70). • Mit der Förderung von Clustern werden regionale Disparitäten zusätzlich verschärft, das von der regionalen Strukturpolitik verfolgte Ausgleichsziel wird konterkariert (BLÖCKER/JÜRGENS/MEISSNER 2009; BRUCH-KRUMBEIN/ HOCHMUTH 2000). • Cluster entziehen sich weitgehend der politischen Gestaltung (STERNBERG 2012). 692 Diese Argumente haben zum Teil durchaus einen rationalen Kern, da insbesondere in der Praxis der Clusterpolitik vielfach verkürzte Ansätze der Clusterförderung zu beobachten sind. Da diese Einwände aber auch prinzipieller Natur sind, sind sie Anlass, das Clusterkonzept noch einmal kritisch zu reflektieren, um mögliche Modifikationen bzw. Erweiterungen gerade in Hinblick auf die Entwicklung einer Innovationsstrategie zu diskutieren, die für die Strategie EUROPA 2020 anschlussfähig ist. 29.2.1 Räumliche Nähe oder Distanz Die Bedeutung räumlicher Nähe hängt eng mit der Rolle von Wissensspillovern und der Art des ausgetauschten Wissens zusammen. In diesem Zusammenhang ist zwischen dem expliziten Wissen, das personenungebunden und zu geringen Kosten zu transferieren ist, und dem impliziten Wissen (tacit knowledge) zu unterschieden (POLANYI, M. 1985). Unter implizitem Wissen „wird das kontext- und situationsabhängige, schwer zu kommunizierende Hintergrundwissen verstanden. Es umfasst Erfahrungen, Routinen und latente Praktiken und ist in Personen und Organisationen gebunden.“ (MAIER/TÖDTLING/TRIPPL 2006: 112) Tacit knowledge ist daher definitionsgemäß nicht kodifizierbar und kann nicht schriftlich niedergelegt werden (AUDRETSCH/FELDMAN 2003: 6; HELLBRECHT 2004: 424; GENOSKO 1999: 38). Folglich ist das implizite Wissen schwer kommunizierbar, formalisierbar und teilbar, so dass es weitgehend nur ‚face to face’ weitergegeben werden kann. Dies erschwert die Diffusion des impliziten Wissens über größere Distanzen hinaus (STIGLITZ 1999: 4ff.). Räumliche Nähe ist damit eine wesentliche Voraussetzung für die Vermittlung von implizitem Wissen. Ron BOSCHMA hat in einem viel zitierten Aufsatz die herausragende Rolle der räumlichen Nähe im Rahmen des Wissenstausches infrage gestellt und alternative Konzepte von Nähe, wie kognitive, soziale, organisatorische und institutionelle Nähe, in die Diskussion eingeführt (BOSCHMA 2005). Räumliche Nähe sei nur eine Variante der den Wissensaustausch begünstigenden Formen von Nähe und könne von anderen Formen substituiert werden. In diesem Zusammenhang wird darauf verwiesen, dass ein Wissenstransfer selbst bei einem hohen Anteil von tacit knowledge über große Entfernungen dann möglich sei, wenn klare Aufgabendefinitionen vorliegen, kognitive Nähe gegeben ist und die Kooperationspartner gegebenenfalls fallweise Face-to-Face-Kommunikation herstellen (BOSCHMA 2005: 69). Diese Argumentation verkennt aber die eigentliche Bedeutung des impliziten Wissens, wie sie Polanyi aus der Perspektive der Gestaltpsychologie in die wissenschaftliche Diskussion eingeführt hat 693 (POLANYI, M. 1985).75 Implizites Wissen ist jener Teil des Erfahrungswissens, das nicht kodifizierbar und nur im Rahmen von Learning by Doing und damit von Face-to-Face-Kommunikation transferierbar ist. Tacit knowledge kann auch nicht in explizites Wissen transferiert oder konvertiert werden, wie unter anderem von NONAKA und TAKEUCHI (1997) behauptet wird. Sie stehen in keinem substitutiven, sondern in einem komplementären Verhältnis, sie sind, mit anderen Worten, zwei Seiten ein und derselben Medaille76 (TSOUKAS 2003; GUST- BARDON 2012). Räumliche Nähe ist vor diesem Hintergrund als notwendige Bedingung – wenn auch nicht als hinreichende Bedingung – für die Kommunikation von Wissen aufzufassen, soweit es sich dabei um tacit knowledge handelt. Der Austausch von implizitem Wissen ist primär auf analoge, nicht digitale Kommunikation angewiesen. Daher kann tacit knowledge auch nicht durch technische bzw. virtuelle Kommunikation ersetzt und damit über größere Distanzen transferiert werden, wie RALLET und TORRE behaupten (RALLET/TORRE 2009; TORRE 2008). Die Entwicklung der neuen Informations- und Kommunikationstechnologien ist nicht in der Lage, den Bedarf an räumlicher Nähe in Innovationsprozessen zu substituieren (GUST-BARDON 2012: 13). Raumüberbrückender Transfer von implizitem Wissen ist nur in Verbindung mit der Person möglich, die Träger dieses personengebundenen Wissens ist. Die Bedeutung der räumlichen Nähe für den Wissensaustausch ist auch das zentrale Argument, um die empirisch beobachtbare ‚Geografie der Innovation’ zu begründen, gleichgültig, ob es sich um intrasektoralen (Cluster) oder intersektoralen Wissensaustausch handelt. Eine entscheidende Frage ist in diesem Zusammenhang, wie hoch der Anteil von tacit knowledge in Innovationsprozessen einzuschätzen ist. Ist in einem Innovationskontext tacit knowledge von erheblicher Bedeutung, dann spielt räumliche Nähe für seine Übertragung eine zentrale Rolle. Dieser Anteil mag von Technologie zu Technologie unterschiedlich ausfallen (KOSCHATZKY 2001: 59ff.), sollte aber grundsätzlich nicht unterschätzt werden. Joseph STIGLITZ spricht in diesem Zusammenhang davon, dass das explizite Wissen bei Innovationen nur die ‚Spitze des Eisberges’77 repräsentiere (STIGLITZ 1999: 5). BOSCHMA hat überdies seine Kritik am Konzept der räumlichen Nähe mittlerweile deutlich 75 „Ich werde das menschliche Erkennen ausgehend von der Tatsache betrachten, dass wir mehr wissen, als wir zu sagen wissen.“ (POLANYI, M. 1985: 14) 76 Beide Seiten stehen in der Regel aber in einem asymmetrischen Verhältnis. 77 ‚Grundsätzlich ist davon auszugehen, dass in wissensbasierten Ökonomien der Anteil des impliziten Wissens zunimmt. Das explizite Wissen repräsentiert nur die Spitze des Eisberges. Kodifiziertes Wissen bedingt einen ganzen Hintergrund von kontextuellem Wissen, das zu einem erheblichen Teil nur als tacit knowledge verfügbar ist.’ (STIGLITZ 1999: 5, Übersetzung des Verfassers) 694 relativiert und bei aller Differenzierung ihren Erklärungswert für die Herausbildung einer ‚Geografie der Innovation’ betont (BOSCHMA 2008: 5).78 An diesen Zusammenhängen ändert sich auch wenig, wenn das Konzept der ‚relationalen Nähe’ ins Spiel kommt (BARTHELT/GLÜCKLER 2012; LÜTHI/ THIERSTEIN/BENTLAGE 2013). Unter ‚relationaler Nähe’ werden die Ähnlichkeiten unterschiedlicher Regionen in Hinblick auf ihre gemeinsam geteilten Verhaltensnormen, kulturellen Geflogenheiten, ihr gegenseitiges Vertrauen, ihr Zugehörigkeitsgefühl und ihre Kooperationsressourcen verstanden (BELDERBOS et al. 2012). Unbestreitbar spielt die relationale Nähe für den Transfer von Wissensspillovern eine bedeutende Rolle, aber sie vermag eben nicht die physische räumliche Nähe zu ersetzen, wenn es sich dabei um Wissen handelt, das zu einem relevanten Teil tacit knowledge enthält. Räumliche Distanz erschwert bzw. verhindert die direkte Interaktion (face to face) und damit den Austausch von implizitem Wissen. 29.2.2 Spezialisierung oder Diversität? Es gibt unter Regionalökonomen eine lange Debatte, ob Regionen, die sich in sektoraler Hinsicht spezialisiert haben, erfolgreicher sind als Regionen, die über eine diversifizierte Wirtschaftsstruktur verfügen. So kontrovers, wie diese Debatte auf den ersten Blick aussieht, ist sie allerding bei näherer Betrachtung nicht. Zum einen wenden sich fast alle regionalwirtschaftlichen Experten gegen das Gießkannenprinzip79 und zum anderen sind sich fast alle darin einig, dass Monostrukturen (auch monostrukturelle Cluster) verhindert bzw. überwunden werden sollten. Insoweit besteht offenkundig ein breiter regionalökonomischer Konsens. Im Grunde geht es bei der Debatte um das Spannungsverhältnis von Spezialisierung und Diversität nur darum, wie viel Vielfalt bei der Wahl der Grautöne präferiert wird. Auch spezialisieren sich die Regionen, die auf Clusterstrategien setzen, gemeinhin nicht auf die Wertschöpfungskette einer Branche, sondern versuchen, mehrere Branchenschwerpunkte zu setzen, so dass eine ganze Anzahl von Clustern innerhalb einer Region gefördert werden kann. Insofern dürfte es empirisch sehr schwierig sein, Vorteile der sektoralen Spezialisierung (Marshall-Arrow-Romer-Externalitäten) 78 „However, [...], effective knowledge transfer may still often be geographically localized because geographical proximity indirectly impacts on the establishment of the other forms of proximity. In fact, geographical proximity may encourage the creation of trustbased relationships or other institutions that facilitate effective knowledge transfer between local agents.“ (BOSCHMA 2008: 5) 79 Soweit es um die Verteilung von Fördermitteln an Unternehmen geht. 695 von Vorteilen der sektoralen Diversifizierung (Jacobs-Externalitäten) zu trennen.80 FROMHOLD-EISEBITH spricht in diesem Zusammenhang von einem „Kompromiss zwischen Branchenfokus und -variabilität“ und verweist darauf, dass das „Portfolio von Clusterbranchen und -akteuren [...] trotz enger funktionaler Verknüpfungen doch so breit sein (kann), dass über den Wandel und die Rekombination von Beziehungen auch neue Entwicklungspfade einschlagbar sind“ (FROMHOLD-EISEBITH 2012: 46). Darüber hinaus existiert auch innerhalb von Clustern die Möglichkeit, Diversität zu entfalten. Bei sektoraler Spezialisierung kann das Spektrum unterschiedlichen Wissens bzw. unterschiedlicher Technologien relativ eng oder weit ausfallen. Insofern entscheidet die Heterogenität eines Clusters mit, wie hoch einerseits das Risiko von Lock-ins ist und inwieweit andererseits die intendierten Synergieeffekte zum Tragen kommen (MENZEL/FORNAHL 2009: 216). 29.2.3 Verstärkung von Pfadabhängigkeiten In der Clusterdiskussion der vergangenen 20 Jahre ist immer wieder darauf verwiesen worden, dass mit der Clusterung Pfadabhängigkeiten und damit auch Lock-ins verbunden sein können. Derartige Lock-ins führen zu sklerotischen Wirtschaftsstrukturen in den betreffenden Regionen, die im weiteren Strukturwandel nur außerordentlich schwer zu überwinden sind, wie GRABHER am Beispiel des Ruhrgebiets gezeigt hat (GRABHER 1990). Netzwerke können zu eng und zu sehr binnenorientiert sein, so dass die beteiligten Akteure zu wenig die Impulse der Außenwelt aufnehmen. Wenn Unternehmen sich nicht fortlaufend auch zu neuen Unternehmen in Beziehung setzen und wenn ihre eigenen Netzwerke nicht für neue Kooperationspartner offen sind, kann es zu Lock-ins kommen (BOSCHMA 2008: 6f.). Dieser Abschottung nach außen wird durch die clusterpolitisch motivierte Netzwerkförderung in der Tat Vorschub geleistet, soweit ein bestimmtes Verständnis von Netzwerkmanagement vorherrscht. Gemeinhin werden in der clusterpolitischen Praxis unter dem Vorzeichen des ‚Netzwerkmanagements’ formelle Netzwerke initiiert und in quantitativer und qualitativer Hinsicht ausgebaut bzw. weiterentwickelt. Vielfach besteht die Arbeitsweise dieser formellen Netzwerke aus einer begrenzten Anzahl von Arbeitskreisen, Fachgruppen und Veranstaltungen. Insbesondere führt die mit der Netzwerkförderung oftmals angestrebte Zielsetzung, dass sich die Netzwerke (Cluster) durch die Deckungsbeiträge ihrer Mitglieder finanziell selbst tragen sollen, zu Abschließungsmechanismen gegenüber den potenziellen Kooperationspartnern in 80 BRACHERT und TITZE zeigen, dass eine sektorale Spezialisierung nur dann positive Effekte zeigt, wenn sie mit einer hohen Präsenz von Führungsfunktionen in der Region einhergeht (BRACHERT/TITZE 2012). 696 der netzwerkexternen Sphäre. Strukturpolitisch bedenkliche Einkapselungen (Lockins) sind vor diesem Hintergrund unweigerlich die Folge. Diese vom regionalen Clustermanagement initiierten Netzwerke repräsentieren darüber hinaus nur eine Teilmenge der tatsächlichen Kooperationsverflechtungen von Unternehmen und anderen Institutionen, wie sie z. B. von der Netzwerkanalyse sichtbar gemacht werden können (BRANDT et al. 2008; THIERSTEIN et al. 2011). Netzwerkanalysen sind geeignet, die tatsächlichen räumlichen Spezialisierungen und clusterübergreifenden Kooperationsverflechtungen aufzuzeigen. Auf ihrer Grundlage lassen sich Cluster identifizieren, Clusterqualitäten bestimmen, aber auch clusterübergreifende Kooperationsbeziehungen aufzeigen und die überregionale und internationale Anschlussfähigkeit von Clustern transparent machen (BRANDT/DICKOW/DRANGMEISTER 2010). Darüber hinaus lässt sich zeigen, inwieweit regionale Netzwerkqualitäten (z. B. Dichte, regionaler Verbundenheitsgrad) und regionale Innovationsaktivitäten miteinander zusammenhängen (BRANDT/DICKOW/DRANGMEISTER 2010: 250). 29.2.4 Angebots- versus Nachfrageorientierung Clusterstrategien reihen sich in den Strategiekanon angebotsorientierter Ansätze der Wirtschaftsförderung ein: Clustern werden bestimmte Effizienzvorteile (positive Externalitäten) zugeschrieben, die wirtschaftliches Wachstum und Beschäftigung stimulieren. Insbesondere aus der Perspektive kritischer Regionalökonomen wurden in der clusterpolitischen Diskussion starke Zweifel angemeldet, inwieweit eine regionale Clusterpolitik ohne makroökonomische Impulse überhaupt durchschlagende Wirkung entfalten kann (BRUCH-KRUMBEIN/HOCHMUTH 2000: 85f.).81 In diesem Zusammenhang stellt sich die Frage, ob nicht auch auf der regionalen Ebene eine nachfragepolitische Flankierung von Clustern insbesondere dann sinnvoll ist, wenn es sich um ein relativ junges Branchensegment handelt. Mit Bezug auf IWER (1997) plädieren BRUCH-KRUMBEIN und HOCHMUTH dafür, die auf Kooperationsförderung und partizipativen Ansätzen basierenden clusterpolitischen Strategien mit weiterreichenden Regulierungsansätzen zu verbinden und in diesem Zusammenhang die Clusterinitiativen durch eine öffentlich induzierte Nachfrage nach den jeweiligen Gütern ökonomisch abzusichern (BRUCH-KRUMBEIN/HOCHMUTH 2000: 72). Während PORTER selbst den Nachfragebedingungen einer Branche ursprünglich noch eine bedeutende Lenkungsfunktion für Investitionen und Innovationen zugesprochen hat (PORTER 1990: 86), ist dieser Aspekt in der clusterpolitischen Diskussion über 81 „Clusterpolitik kann nicht heißen, der Illusion zu verfallen, eine Region könne sich sozusagen am eigenen Schopfe aus dem Sumpf ziehen.“ (BRUCH-KRUMBEIN/ HOCHMUTH 2000: 85) 697 längere Zeit weitgehend in den Hintergrund gerückt. Die Vernachlässigung nachfrageseitiger Aspekte der Clusterstrategie steht zumindest in einem bemerkenswerten Kontrast zu den legendären Referenzprojekten der Clusterpolitik (z. B. Silicon Valley), deren Erfolgsgeschichte auch mit starken Nachfrageimpulsen aus dem öffentlichen Sektor (z. B. Rüstungsnachfrage) verknüpft ist. Grundsätzlich ist davon auszugehen, dass sich für junge Cluster besonders günstige Entwicklungsbedingungen ergeben, wenn sie am Markt zumindest zu Beginn des Branchenzyklus auf eine stabile Nachfrage treffen. Diese Stabilisierungsleistung kann auch durch eine strategisch angelegte öffentliche Nachfrage bzw. durch staatliche Aktivität induzierte Nachfrage (Anreize) ermöglicht werden, soweit tatsächlich vorhandene gesellschaftliche Bedarfe (Klimawandel, Energiewende, Bildung, Gesundheit, Mobilitätssysteme etc.) in entsprechende Nachfrageimpulse umgesetzt werden. Dieser Ansatz ist mit dem von der EU- Kommission für die Förderperiode 2014-2020 vorgegebenen Rahmen kompatibel, öffentliche Investitionen auf wenige zentrale nationale bzw. regionale Schlüsselprioritäten für eine wissensbasierte Regionalentwicklung zu fokussieren und dabei vorrangig Projekte zu fördern, die sich an sektorübergreifenden und integrierten Entwicklungsstrategien orientieren (EUROPÄISCHE KOMMISSION o. J.). 29.2.5 Ausgleich oder Wachstum? Clusterstrategien knüpfen an die räumliche Konzentration wirtschaftlicher Aktivität an. Innovationsorientierte Clusterstrategien folgen der inneren Logik, die ohnehin gegebene ‚Geografie der Innovation’ noch zu verstärken. Wo räumliche Konzentrationen wirtschaftlicher Aktivität existieren, muss es auch Räume schwächerer Aktivität geben. In der wissensbasierten Ökonomie ist davon auszugehen, dass die urbanen Regionen als Innovationsräume strukturell begünstigt werden. Wissensintensive Industrien und viel mehr noch wissensintensive Dienstleistungen konzentrieren sich aufgrund der dort anzutreffenden hohen Dichte an Forschungsinfrastruktur und aufgrund der besonderen Attraktivität für (hoch-)qualifizierte Arbeitskräfte sehr viel stärker in den Stadtregionen als in den ländlichen Räumen. Die Rede von der ‚Renaissance der Städte’ findet hier ihren tieferen Grund. Auf den ersten Blick entsprechen Clusterstrategien damit der Logik von Wachstumsstrategien, die nach Auffassung mancher Autoren mit dem strukturpolitisch und verfassungspolitisch gebotenen Ausgleichsziel nur schwer vereinbar sind. Nach BLÖCKER, JÜRGENS und MEISSNER führt die Konzentration von Clusterkonzepten auf Wettbewerbs- und Innovationsfähigkeit „zu einem Perspektivwechsel weg von einer auf sozialen Ausgleich ausgerichteten Regionalpolitik und hin zu einer angebotsorientierten Wachstumspolitik.“ (BLÖCKER/JÜRGENS/ MEISSNER 2009: 39) 698 Was für den einen Anstoß zur Kritik ist, ist für den anderen ein Wunschzustand. In der Debatte um Wachstums- oder Ausgleichsziel im Rahmen der regionalen Strukturpolitik gab es in den zurückliegenden Jahren durchaus prominente Befürworter einer Clusterstrategie, die auf eine Konzentration der Förderanstrengungen zugunsten von Wachstumspolen setzt: „Wachstumskerne (Cluster) müssen eindeutig Vorrang bekommen.“ (DOHNANYI/MOST 2004: o. S.) Auch wenn eine stärkere Drift zwischen den urbanen und den ländlichen (strukturschwächeren) Räumen unverkennbar ist, kann aber nicht davon ausgegangen werden, dass (innovative) Cluster ausschließlich in den urbanen Räumen anzutreffen sind bzw. nur dort über relevante Potenziale verfügen. Wissensintensive Industrien lassen sich durchaus auch in überwiegend ländlich geprägten Regionen verorten (BRANDT 2011: 163) und bedeutende räumliche Konzentrationen einzelner Branchen oder Wertschöpfungssysteme, wie die erneuerbaren Energien, die maritime Wirtschaft oder der Maschinenbau, finden sich weit au- ßerhalb der Großstadtregionen. Soweit derartige Potenziale vorliegen, gibt es gute Gründe, clusterpolitische Strategien (einschließlich bestimmter Erweiterungen, wie sie z. B. unter dem Stichwort der ‚verwandten Diversifizierung’ (siehe unten) diskutiert werden) in ländlichen Räumen zur Geltung zu bringen. Zur Überwindung regionaler Disparitäten wird auch in Zukunft Wirtschaftswachstum notwendig sein, wobei es hier ebenfalls auf den Dreiklang von intelligentem, nachhaltigem und integrativem Wachstum ankommt. In solchen Regionen, in denen sich keine Clusterpotenziale finden lassen, sollte die Wirtschaftsförderung dagegen auf entsprechende Strategien verzichten und alternative Ansätze verfolgen (z. B. Förderung von Innovation in nicht forschungsintensiven KMU). 29.2.6 Politische Gestaltbarkeit von Clustern Seit ENRIGHT im Rahmen seiner Clustertypologie unter anderem auch den Begriff des „wishful thinking cluster“ einführte (ENRIGHT 2003: 104), gehört es zum guten Ton fast jeder Veröffentlichung zum Thema Cluster, auf die Unzulänglichkeiten von Clusterpolitik hinzuweisen und – entgegen den sehr differenzierten Ergebnissen der Politikanalyse ENRIGHTs – die politische Gestaltbarkeit von Clustern infrage zu stellen. Nach STERNBERG ist es weithin akzeptiert, dass die Politik (Government) bestenfalls günstige Voraussetzungen für die Entstehung von Clustern herstellen kann, sie aber nicht in der Lage ist, erfolgreich in den Prozess der Clusterentwicklung direkt einzugreifen (STERNBERG 2012: 301). Zutreffend ist zweifelsohne, dass Cluster nicht voraussetzungslos im Rahmen von Top-down-Strategien in die Welt gesetzt werden können. Der Versuch, ‚Tempel in der Wüste’ zu errichten, hat sich nur in äußerst seltenen Ausnahmefällen als nachhaltig erwiesen. Aber soweit endogene Potenziale vorhanden sind, 699 verfügt die Wirtschaftsförderung über ein reichhaltiges Repertoire, um die Entstehung von Clustern zu beschleunigen, Clusterpotenziale auszuschöpfen oder Kooperationsstörungen in Clustern zu bewältigen (BRANDT 2008a: 121ff.; 2008b). So konstatiert auch Kiese, dass politische Maßnahmen dazu beitragen können, vorhandene Clusterpotenziale in Richtung auf funktionierende Cluster weiterzuentwickeln (KIESE 2008: 48). ENRIGHT (2003) selbst bestreitet keineswegs die Legitimität einer clusterpolitischen Förderung82 und verweist bei aller Skepsis gegenüber dem Versuch, Clusterstrukturen politisch zu generieren, auf eine Vielzahl von clusterpolitischen Gestaltungsoptionen. Die Hebung latenter Clusterpotenziale durch gezielte Politik hält er für durchaus sinnvoll (STAHLECKER/KROLL 2012: 8). Er lässt sich daher nur schwer als Kronzeuge für die These anführen, wonach die clusterpolitischen Spielräume minimal sind. Paul KRUGMAN,83 der in „Geography and Trade“ eine Reihe von Beispielen anführt, in denen öffentliche Institutionen bei der Entstehung von Clustern eine aktive Rolle gespielt haben, gibt in diesem Zusammenhang einen bemerkenswerten Hinweis: „In general the new high technology clusters were the product less of intrepid individuals than of visionary bureaucrats (if that is not an oxymoron).“ (KRUGMAN 1991: 64) 29.3 Neue Agenda einer zukunftsfähigen Strategie der Wirtschaftsförderung Für die kommenden Jahre ist ein beschleunigter Strukturwandel zu erwarten, der zudem aufgrund der veränderten politischen Rahmenbedingungen, die nicht zuletzt in der EU-2020-Strategie ihren adäquaten Ausdruck finden, eine Neujustierung der Wirtschaftsförderung erforderlich macht. Dabei dürfte eine stärkere Innovationsorientierung der Wirtschaftsförderung weit oben auf der Agenda stehen. Diese strategische Neuaufstellung sollte an den Säulen des deutschen Produktionsund Innovationssystems, die sich als erfolgreich erwiesen haben, sowie andererseits an den widersprüchlichen Erfahrungen mit Clusterstrategien und vergleichbaren Strategieansätzen anknüpfen und die regionalökonomische Diskussion der zurückliegenden Jahre konstruktiv aufgreifen. Dieser Diskurs spiegelt sich auch in den strukturpolitischen Eckpunkten der Strategie EUROPA 2020 wider. Die Wirtschaftsförderung sollte sich künftig am Zielkanon der Strategie EUROPA 2020 ausrichten. Mit dieser Strategie hat sich die EU auf das Zieldreieck eines intelligenten, nachhaltigen und integrativen Wachstums verpflichtet (EUROPÄISCHE KOMMISSION 2012; 2013): 82 „The legitimacy of cluster promotion policies [...] is rarely questioned.“ (ENRIGHT 2003: 120) 83 Dies ganz im Gegensatz zu der des Öfteren zu vernehmenden Behauptung, Krugman habe den Zufall als den entscheidenden Verursacher räumlicher Konzentration ins Spiel gebracht. 700 • Intelligentes Wachstum: Entwicklung einer auf Wissen und Innovation gestützten Wirtschaft. Dabei geht es um verstärkte Aktivitäten in den Bereichen Bildung, Forschung und Innovation. • Nachhaltiges Wachstum: Förderung einer ressourcenschonenden, energieeffizienten ökologischeren und wettbewerbsfähigeren Wirtschaft. In diesem Zusammenhang soll explizit eine ‚low carbon economy’ umgesetzt werden. • Integratives Wachstum: Förderung einer Wirtschaft mit hoher Beschäftigung und eines starken sozialen Zusammenhalts. Damit verbunden ist der Kampf gegen Arbeitslosigkeit, Prekarisierung und Armut. Zur Erreichung dieser Ziele ist eine Vielfalt an Ressorts, Handlungsfeldern, Maßnahmen und Ressourcen erforderlich. Auf allen Ebenen der Multilevel- Governance sind hierfür jeweils die geeigneten Top-down- und Bottom-up- Ansätze untereinander abzustimmen und umzusetzen. Nachfolgend geht es um strategische Ansatzpunkte regionaler Innovationspolitik, die sich insbesondere auf das Handlungsrepertoire der regionalen Wirtschaftsförderung beziehen. In diesem Zusammenhang spielen auch andere Handlungsstrategien, wie die Fachkräftesicherung, eine zentrale Rolle. Ohne die Sicherung einer hinreichenden Fachkräftebasis wird jede regionale Innovationsstrategie scheitern und überdies das bislang erfolgreiche deutsche Produktionsmodell der diversifizierten Qualitätsproduktion Schaden nehmen. Dennoch soll im Folgenden die Ausrichtung der regionalen Innovationsstrategie als Handlungsfeld der Wirtschaftsförderung im Fokus stehen. 29.3.1 Verwandte Diversifizierung Für das regionale Innovationssystem ist der Wissensaustausch innerhalb der Wirtschaft und zwischen der Wirtschaft und der Wissenschaft (Wissensspillover) von zentraler Bedeutung. Dabei kommt es sowohl auf einen intra- als auch einen intersektoralen Wissenstransfer an. Aus innovationsökonomischer Perspektive gilt es in Zukunft verstärkt eine Strategie der Förderung des Wissensaustausches an den Schnittstellen und Überlappungsbereichen verwandter Kompetenzfelder (‚related variety’) zu verfolgen (FRENKEN/VAN OORT/VERBURG 2007). Dieser Strategieansatz der ‚verwandten Diversifizierung’ wird seitens der EU- Kommission explizit auch im Rahmen ihrer Konzeption der ‚intelligenten Spezialisierung’ (BARCA 2009) empfohlen. Aus Sicht der EU-Kommission ist der Wissenstransfer dann am erfolgreichsten, wenn er zwischen verwandten bzw. komplementären Branchen stattfindet (EUROPÄISCHE KOMMISSION 2012). Eine Strategie der ‚verwandten Diversifizierung’ bezieht sich auf unterschiedliche Grade von Innovation, stellt aber vornehmlich auf die Entstehung von radikalen 701 Innovationen ab, die sich mehr oder minder von eingeschliffenen Pfadabhängigkeiten ablösen. Sie geht von der Erkenntnis aus, dass sich Wissen vor allem dort überträgt, wo Regionen mit unterschiedlichen Branchen ausgestattet sind, die aber aufgrund ihrer gemeinsamen Wissensbasis miteinander eng verbunden sind (BOSCHMA 2008: 13). Gerade an den Übergängen von Kompetenzfeldern werden weitaus bedeutendere Innovationen hervorgebracht als in ihren Kernen (BRANDT et al. 2008: 136f.; MENZEL 2012: 61f.). An den Rändern bzw. in den Überlappungsbereichen von unterschiedlichen Clustern bzw. Netzwerken können die betreffenden Akteure aufgrund ihrer besonderen innovativen Potenziale eine wichtige Rolle im Rahmen der Weiterentwicklung des regionalen Innovationssystems spielen. Ansatzpunkte ergeben sich in diesem Zusammenhang insbesondere durch Strategien des Cross-Clustering (z. B. Mobilität und Energiewirtschaft (Elektromobilität), IT und Logistik, Gesundheits- und Wohnungswirtschaft, Gesundheits- und Ernährungswirtschaft). Grundsätzlich ist es für entsprechende Strategien des Cross-Clustering erforderlich, mehr Informationen über die Schnittstellen, Überlappungen und Redundanzen zwischen den regionalen Fokusbranchen zu generieren, wie sie vor allem im Rahmen von Netzwerkanalysen bereitgestellt werden können. Vielfach ist davon auszugehen, dass die Übergänge zwischen Sektoren, Branchen, Clustern und Netzwerken fließender sind, als dies von der statistischen Datenlage signalisiert wird. Netzwerkanalytische Untersuchungen zeigen, dass bestimmte Akteure in unterschiedlichen Kompetenzfeldern vertreten sind und daher strategisch wichtige Vermittlungsfunktionen bei der Umsetzung von Cross-Clustering-Strategien wahrnehmen können (BRANDT et al. 2008: 136ff.). Eine Strategie der Förderung des regionalen Innovationssystems ist immer mit der Herausforderung verbunden, dass sich das Innovationsgeschehen als pfadabhängig erweist und damit das System Gefahr läuft, sich gegenüber konkurrierenden Problemlösungen und neuem Wissen abzuschotten (Lock-in-Effekte). Vor diesem Hintergrund besteht die Notwendigkeit, dass sich die regionale Wirtschaft gegenüber innovatorischen Impulsen im außerregionalen und internationalen Kontext öffnet, um die Gefahr einer Stagnation bzw. eines Niedergangs des bislang erfolgreichen regionalen Innovationssystems zu verhindern. Regionale Strategien der Innovationsförderung sollten daher immer auch darauf abstellen, den Anschluss regionaler Netzwerke an überregionale und internationale Netzwerke, die durch relationale, fachliche und gegenstandsbezogene Nähe bestimmt werden, zu fördern (BOSCHMA/IAMMARINO 2007). Ansatzpunkte der regionalen Wirtschaftsförderung ergeben sich in diesem Zusammenhang durch die Förderung des über regionale und nationale Grenzen hinausgehenden Austausches von Wissen (Förderung überregionaler Verbundforschung, Beteiligung an (inter-)nationalen Kompetenznetzen, internationalen Tagungen und Messen etc.), 702 Entwicklung internationaler Regional- und Städtepartnerschaften und die Ansiedlung von Direktinvestitionen. 29.3.2 Nicht forschungsintensive KMU Nicht forschungsintensive Unternehmen repräsentieren auch in Deutschland nach wie vor einen Großteil der Wirtschaft. Angesichts ihrer Bedeutung stellt sich die Frage, wie ihre Innovationsfähigkeit trotz ihrer FuE-Schwäche entwickelt werden kann. Aus der Innovationsforschung, die sich in jüngerer Zeit verstärkt mit der Rolle der Innovation im nicht forschungsintensiven Unternehmensbereich beschäftigt hat (SOM et al. 2010; KIRNER/SOM/JÄGER 2009; RAMMER et al. 2010; HIRSCH-KREINSEN 2012; HIRSCH-KREINSEN/ ABEL 2007), lässt sich erkennen, dass nicht forschungsintensive Industrien einerseits in enger Kooperation mit ihren Kunden Produktanpassungen (inkrementelle Produktinnovationen) vornehmen und anderseits zu einem nicht unwesentlichen Teil mit Forschungseinrichtungen und FuE-Abteilungen anderer Unternehmen kooperieren, um externe Wissensimpulse aufzunehmen. Diesem strategischen Handlungsfeld kommt in Zukunft auch insofern eine größere Bedeutung zu, als im Rahmen der neuen EU-Förderkulisse 2020 eine Priorisierung der Fördermittel zugunsten von Innovationsaktivitäten von KMU vorgesehen ist. Ansatzpunkte liegen dabei in der Überwindung betrieblicher Innovationshemmnisse, der Wissensvernetzung, dem qualifikatorischen Wandel sowie der Personalund Kompetenzentwicklung. Vor diesem Hintergrund sollten von der regionalen Wirtschaftsförderung verstärkt die Förderbedarfe ermittelt und gegebenenfalls spezifische Instrumente entwickelt werden, wie Innovationsaktivitäten nicht forschungsintensiver KMU gefördert bzw. überhaupt erst induziert werden können. 29.3.3 Nachfrageorientierte Innovationsstrategien Strategien der Cluster- bzw. Netzwerkförderung sind im Kern angebotsorientiert. Mit ihnen wird das Ziel verfolgt, dass sich die Unternehmen der (regionalen) Wirtschaft effizienter – im Sinne der Internalisierung positiver externer Effekte – und damit wettbewerbsfähiger aufstellen. Die Wirksamkeit dieser Strategieansätze könnte verbessert werden, wenn sie mit nachfrageorientierten Innovationsstrategien verknüpft werden (EDLER 2006). Um wirtschaftliches Wachstum zu ermöglichen, bedarf es auch einer effektiven Nachfrage, die sich im regionalen, viel mehr aber im überregionalen und internationalen Raum ergibt. Diese Betrachtung entspricht voll und ganz der Exportbasis-Theorie, die ja darauf abstellt, dass jede Region darauf angewiesen ist, jene Sektoren in besonderer Weise zu 703 entwickeln, die geeignet sind, Güter und Dienstleistungen für die Nachfrage von außerhalb der Region zu erstellen. Mit der zunehmenden Größe des Marktes ergeben sich für die exportierenden Unternehmen der regionalen Wirtschaft weitere Gelegenheiten der Spezialisierung (Produktivitätseffekte). Unter innovationspolitischen Vorzeichen kann es aber auch zielführend sein, auf der Basis der vorhandenen regionalen Ressourcen zusätzliche Nachfrage zu generieren, die geeignet ist, Innovationsprojekte in einem sehr frühen Stadium des Produktlebenszyklus zu ermöglichen bzw. abzusichern. Eine derartige nachfrageorientierte Innovationsstrategie sollte dabei die drängenden Herausforderungen zur Lösung gesellschaftlicher Probleme in den Fokus rücken. Auch die EU rückt mit ihrer neuen Förderkulisse 2014-2020 nachfrageorientierte Ansätze auf die Agenda der Regionalpolitik. Diese Ansätze greifen gesellschaftliche bzw. regionale Bedarfe, die sich durch den Klimawandel, den demografischen Wandel, die Urbanisierung oder andere Trends ergeben, auf und nehmen sie zum Ausgangspunkt regionaler Innovationsstrategien. Dabei geht es um die Definition gesellschaftlich relevanter Projekte, die im regionalen bzw. urbanen Umfeld umgesetzt werden sollen und für die öffentliche und private Ressourcen mobilisiert werden (REHFELD 2012: 5). Im Rahmen der Konzeption der ‚intelligenten Spezialisierung’ sollen sich die Regionen in Zukunft entlang ihrer spezifischen Bedarfsfelder innovationspolitisch profilieren (BARCA 2009). Die deutliche Priorisierung der EU zugunsten von Investitionen und Innovationen in den Bereichen erneuerbare Energien, Energieeffizienz, CO2- Reduktion erfordert auch im Rahmen der regionalen Wirtschaftsförderung entsprechende Schwerpunktsetzungen. Mit BULLINGER und RÖTHLEIN plädieren führende Vertreter der Fraunhofer-Gesellschaft dafür, die weltweiten Urbanisierungsprozesse für eine Innovationsstrategie zu nutzen: „Hier liegt für Deutschland eine Chance als Leitanbieter im Bereich nachhaltiger Entwicklung. Sowohl im politischen als auch im technischen und wissenschaftlichen Bereich gibt es viele erfolgversprechende Ansätze, Visionen für die Stadt von morgen zu entwickeln und die notwendigen Forschungsarbeiten dafür anzustoßen.“ (BULLINGER/RÖTHLEIN 2012: 18) Diese Projekte reichen über Zukunftsfelder wie Ressourcenverbrauch, Energiewende, Mobilität, Demografie, Klimawandel, Bürgerbeteiligung bis hin zu Information und Kommunikation (BULLINGER/RÖTHLEIN: 16f.) und bilden Ansatzpunkte auch auf regionaler bzw. kommunaler Ebene, Nachfrageimpulse zu setzen. Einen vergleichbaren Ansatz verfolgt die Metropole Ruhr mit ihrem Leitbild der „Neuen urbanen Ökonomie“: „Darunter verstehen wir die Entwicklung eines Wertschöpfungsnetzes von Industrieunternehmen, Dienstleistern und Infrastruktureinrichtungen, die Produkte und Lösungen für eine nachhaltige Entwicklung von Metropolen und Megacities entwickeln und anbieten.“ (WESTPHAL 2012: 178) 704 Das Institut Arbeit und Technik (IAT) hat im Auftrag der Metropole Ruhr Leitmärkte und Zukunftsfelder entwickelt, bei denen es über die genannten Zukunftsfelder hinaus um Leitmärkte wie Gesundheit, Wohnen und Bauen, Bildung und Wissen oder nachhaltigen Konsum geht (IAT 2011: 6ff.). Anknüpfend an diese Leitmärkte sollen „Labore für neue Märkte“ als Brutstätten für neue Geschäftsmodelle entwickelt werden: „Labore für neue Märkte entstehen dort, wo große Leitanwender wie Kliniken, Energieversorger, Verkehrsunternehmen, Wohnungsunternehmen und Güterproduzenten die Nachfrage nach solchen systemischen Innovationen aufbauen. Dort entstehen neue Wachstumskerne, in denen neue Infrastrukturen, Ansiedlungen, Start-ups, neue unternehmerische Netzwerke aufwachsen.“ (WESTPHAL 2012:179) 29.3.4 Neue Formen der Finanzierung Die geforderte Innovationsorientierung von Strukturpolitik und Wirtschaftsförderung wird in Zukunft auch mit neuen Formen der Projektfinanzierung zu verknüpfen sein. Dies gilt umso mehr, als in der Folge der Finanzmarktkrise die Bereitschaft des Bankensektors, in innovationsorientierte Projekte zu investieren, deutlich nachgelassen hat. Der angestrebte Pfadwechsel (Energiewende, Niedrig- Karbon-Ökonomie etc.) ist darüber hinaus auf die Überwindung einer auf Kurzfristigkeit ausgerichteten Zeitpräferenz angewiesen Die „gesellschaftlichen Akteure müssen einen strategischen Zeithorizont aufweisen, der kurzfristige Kosten von Umsteuerungspolitiken mit mittel- und langfristigen Nutzen zu bilanzieren vermag.“ (HÜBNER 2011b: 646) Dies gilt insbesondere für die ökonomischen Akteure, deren Fixierung auf kurzfristige Renditen im Zuge der sich in den letzten Jahrzehnten durchsetzenden Dominanz der Finanzmärkte stark zugenommen hat (HÜBNER 2011a, S. 173ff.). Vor diesem Hintergrund kommt es darauf an, dass auch im Rahmen der Strukturpolitik eine Renaissance von Finanzierungsinstitutionen und -instrumenten eingeleitet wird, um ‚geduldiges Kapital’ zur Verfügung zu stellen. Dazu zählt einerseits eine neue Strategiediskussion darüber, was kommunale Kreditinstitute oder Genossenschaftsbanken in diesem Zusammenhang leisten können. Andererseits geht es um neue Fondslösungen z. B. im Rahmen der EU-Strukturpolitik, die dazu geeignet sind, die öffentlichen Fördermittel effizienter einzusetzen und damit eine größere Wirkung zu entfalten (KOLLATZ-AHNEN 2012: 155ff.). 705 29.4 Fazit Die regionale Wirtschaftsförderung sieht sich heute vor die besondere Herausforderung gestellt, nicht nur mit einem beschleunigten Strukturwandel Schritt zu halten, sondern auch zunehmend komplexere Fragestellungen zu bearbeiten. Während die jüngste Weltwirtschaftskrise den Übergang in Richtung auf eine wissensbasierte Innovationsökonomie noch beschleunigen wird, flankiert die EU mit ihrer neuen Förderkulisse 2014-2020 diesen Trend mit einer expliziten Innovationsstrategie unter der Zielsetzung eines innovativen, nachhaltigen und integrativen Wachstums. Diesen Entwicklungen kann die Wirtschaftsförderung nur adäquat begegnen, wenn sie räumlich und thematisch die herkömmlichen Grenzen ihrer Tätigkeit überwindet (BRANDT 2010; GÄRTNER 2004). Letztlich muss die Innovationsstrategie der EU in den Regionen umgesetzt werden. Tatsächlich zeigen Innovationen eine unverkennbare Tendenz zur räumlichen Konzentration. Diese ‚Geografie der Innovation’ liefert erste Ansatzpunkte für die Entwicklung regionaler Innovationsstrategien. Die zum Teil sehr kontrovers geführte regionalökonomische Debatte zu den geografischen Bedingungen von Innovation sollte nicht darüber hinwegtäuschen, dass die ausgetragenen Gegensätze durchaus überbrückbar sind (FRITSCH 2012). Dies betrifft insbesondere die Debatte zu Spezialisierung versus Diversität. Auch hinsichtlich der Bedeutung von räumlicher Nähe für den Austausch impliziten Wissens (tacit knowledge) hält der regionalökonomische Diskurs zwar weiterhin an, aber hier zeichnet sich ebenfalls eine Annäherung der Standpunkte ab. Es spricht viel dafür, dass die Rolle des impliziten Wissens für den Innovationsprozess kaum überschätzt werden kann und dass bei einem hohen Anteil von tacit knowledge die räumliche Nähe eine notwendige, keineswegs aber eine hinreichende Bedingung für den Wissensaustausch ist. Konsens besteht in der Anerkennung der Gefahr von Lock-in-Effekten, wenn diese auch unterschiedlich gewichtet wird. Grundsätzlich dürfte unstrittig sein, dass Cluster bzw. Innovationsnetzwerke als offene Systeme zu konzipieren sind. Kontrovers bleibt die Frage zur Effektivität, Effizienz und zu den Gestaltungsspielräumen der Innovations- bzw. Clusterpolitik. In dieser Hinsicht finden sich an den Polen der Debatte einerseits Positionen, die weiterhin primär auf die Selbstorganisationskräfte und Effizienzeigenschaften von Märkten setzen und gegenüber einer politischen Gestaltungsfunktion von Clustern eine mehr oder minder skeptische Haltung einnehmen. Andererseits wird die Auffassung vertreten, dass Märkte in der Regel ineffizient sind84 und daher politische Interventionen unerlässlich sind. Clusterpolitik ist in diesem 84 So gibt es in privat-dezentralen Ökonomiesystemen Marktversagen in Form positiver und negativer externe Effekte weit mehr, als gemeinhin angenommen wird (STIGLITZ 2010: 352). 706 Verständnis ein Ansatz, positive externe Effekte räumlicher Konzentration wirtschaftlicher Aktivität zu verstärken. Die ursprüngliche Euphorie gegenüber Clusterkonzepten scheint heute einer realistischeren Einstellung gewichen zu sein. Der neue Realismus dürfte durchaus als Zeichen für ein fortgeschrittenes Stadium im Reifeprozess des Clusteransatzes zu werten sein. Zur aktuellen Ernüchterung dürften inkonsistente Strategieansätze und kurze Zeithorizonte (‚quick wins’), die in den letzten zwei Jahrzehnten vielfach die Praxis bestimmten, erheblich beigetragen haben. Das Ausbleiben kurzfristiger Erfolge sollte jedoch nicht zur Resignation verleiten. Das spezifische deutsche Modell der diversifizierten Qualitätsproduktion hat sich nicht nur in der jüngeren Vergangenheit als äußerst robust erwiesen, es harmoniert insbesondere auch mit Strategien des intra- und intersektoralen Wissensaustausches. Nicht zuletzt könnte sich die dank des dualen Systems gut und breit qualifizierte Facharbeiterschaft und die ausgeprägte Kooperationsorientierung des deutschen Produktionsmodells im weiteren Strukturwandel noch als wichtiger Wettbewerbsvorteil erweisen. Allerdings sollte im Hinblick auf den Clusteransatz der Blickwinkel durchaus weiter gefasst werden. Während zum einen die Einbindung der regionalen Cluster in überregionale und globale Netzwerke Lock-in-Effekten vorbeugen kann, überschreitet die Strategie der ‚verwandten Diversifizierung’ die Branchengrenzen und rückt das besondere Innovationspotenzial des Cross-Clustering in den Fokus. Vernetzungen im überregionalen bzw. internationalen Maßstab sowie intersektorale Vernetzungen sind in diesem Verständnis durchaus mit dem Clusteransatz vereinbar. Ein ‚Patentrezept’ für die regionale Wirtschaftsentwicklung erwächst daraus jedoch nicht. Für die Wirtschaftsförderungen bedeutet dies letztlich, regionale Wachstumskonzepte aufgrund vorhandener und möglicher Netzwerkbeziehungen zu entwickeln. Dabei wird es darum gehen, die zentralen Akteure bzw. Netzknoten zu identifizieren, die für eine regionale Innovationsstrategie und deren Projekte von Nutzen sind. Inhaltlich wird sich die Strategie am Ziel der Nachhaltigkeit orientieren müssen, um sie anschlussfähig an die europäischen Förderkonzepte zu halten. Räumlich bleibt zwar der regionale Fokus bestehen, aber die Notwendigkeit externe Kontakte zu knüpfen, um global wettbewerbsfähige Lösungen zu generieren, treibt nicht nur die wirtschaftlichen und wissenschaftlichen Akteure in überregionale Kooperationen, sondern auch die Wirtschaftsförderungen sehen sich gefordert, ihre Wissensbasis auf breitere Fundamente zu stellen und im nationalen wie internationalen Austausch weiterzuentwickeln. Die Wirtschaftsförderung braucht heute sowohl den Mut zur Entgrenzung als auch den Mut für den langen Atem. 707 29.5 Literatur Abelshauser, W. (1998): Buchrezension: Volker Wellhörner, „Wirtschaftswunder“ – Weltmarkt – Westdeutscher Fordismus. Der Fall Volkswagen, in: Historische Zeitschrift, 266 (3), S. 821-823. Abelshauser, W. (2011): Deutsche Wirtschaftsgeschichte. Von 1945 bis zur Gegenwart, 2., vollständig überarbeitete, aktualisierte und erweiterte Auflage, München: C.H. Beck. 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References

Zusammenfassung

Der Band beschäftigt sich mit den Leistungen und Schwächen von Clusterpolitik und der Zukunft der Wirtschaftsförderung. Heute wissen wir, dass Clusterpolitik als Instrument moderner Wirtschaftsförderung sich immer nur dann bewährt, wenn die in der komplexen Theorie angelegten verschiedenen Koordinationsmodi auch in der Realität greifen können. Dazu muss das Umfeld in die Förderung integriert werden, weil nur so der Aufbau regionaler Innovationssysteme gelingt. Dabei gerät vor allem die Beschäftigung in wissensintensiven, zukunftsfähigen Wachstumssektoren in das Visier der Wirtschaftsförderung. Der Standortvergleich herausragender Wirtschaftsregionen hebt durchgängig die Existenz solcher Kooperationsstrukturen und Wissenskollaborationen hervor.

Daher wird in diesem Band neben wissenschaftlichen auch praxisrelevanten Fragen nachgegangen:

Welche Arten von Clusterpolitik haben sich herausgebildet, und was wissen wir über ihren Einfluss auf regionale Wirtschaftsentwicklung?

Welche Erkenntnisgewinne hat die Clusterforschung der letzten Jahre für die wirtschaftspolitische Praxis geliefert? Was sind Good Practice Beispiele?

Ist die „Clusterei“ immer noch ein wirtschaftspolitischer Königsweg oder mittlerweile eher ein Sorgenkind?

Was ergibt sich für ein zukunftsorientiertes Modell zur Zukunft der Wirtschaftsförderung angesichts neuer Herausforderungen wie beispielsweise Demografischem Wandel, Energiewende oder zukunftsfähiger Mobilitätskonzepte?