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Röllinghoff Stefan, Zwischen Ohnmacht und Allzuständigkeit –Versuch einer Zustandsbestimmung kommunaler Wirtschaftsförderung im Spiegel von Theorie und Praxis in:

Rasmus C. Beck, Rolf G. Heinze, Josef Schmid (Ed.)

Zukunft der Wirtschaftsförderung, page 331 - 370

1. Edition 2014, ISBN print: 978-3-8487-1039-3, ISBN online: 978-3-8452-5163-9, https://doi.org/10.5771/9783845251639_331

Series: Wirtschafts- und Sozialpolitik, vol. 14

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331 15 Zwischen Ohnmacht und Allzuständigkeit –Versuch einer Zustandsbestimmung kommunaler Wirtschaftsförderung im Spiegel von Theorie und Praxis Stefan Röllinghoff Abgesehen vom sogenannten ‚Einheitlichen Ansprechpartner (EA)’, der nach den Vorgaben der Europäischen Kommission europaweit eingeführt wurde und in Nordrhein-Westfalenmit dem Gesetz zur Bildung einheitlicher Ansprechpartner (EA-Gesetz NRW9) den Städten und Kreisen als Pflichtaufgabe zur Erfüllung nach Weisung übertragen wurde, ist (und bleibt) kommunale Wirtschaftsförderung eine freiwillige Aufgabe der öffentlichen Hand. Die Legitimation bzw. Rechtfertigung von kommunaler Wirtschaftsförderung ist damit ein latentes Dauerthema der Praxis, aber gleichzeitig eher ein Stiefkind der Wirtschafts- und Kommunalwissenschaften. Die Frage der Rechtfertigung kommunaler Wirtschaftsförderung ist dabei nicht nur auf den Output und die volkswirtschaftlichen Wirkungen ihrer Instrumente abgestellt. Sondern sie stellt sich auch im Hinblick auf die durchaus latente Nachfrage, ob es einen Markt für rein privat organisierte Wirtschaftsförderungsdienstleistungen gäbe und ob die in der Regel öffentliche Finanzierung von Wirtschaftsförderungsgesellschaften (insbesondere solchen, die aus dem kommunalen Verbund in privater Rechtsform ‚outgesourct’ wurden) eine wettbewerbsverzerrende Subventionierung gegenüber potenziellen Marktteilnehmern oder Anbietern darstellt. D. h., ob die öffentliche Finanzierung kommunaler Wirtschaftsförderung eine zu notifizierende Beihilfe darstellt.10 9 EA-Gesetze sind Ländergesetze; der Bund stellt nur sicher, dass die Vorgaben der EU eingehalten werden. 10 Eine Ausnahme von der Notifizierung gibt es für Dienstleistungen von allgemeinem wirtschaftlichem Interesse (DAWI, entspricht etwa dem Begriff der Leistungen der Daseinsvorsorge). Die Definitionshoheit, was DAWI sind, liegt bei den Mitgliedstaaten. Die Wirtschaftsförderung wird als DAWI angesehen. Aus EU-Sicht ist die Wirtschaftsförderung eine wirtschaftliche Dienstleistung. Damit unterliegt auch die Wirtschaftsfördergesellschaft der Kommune den EU-Beihilfevorschriften. Die EU-Kommission hat Erleichterungen für DAWI dadurch geschaffen, dass diese Dienstleistungen unter bestimmten Voraussetzungen nicht zu notifizieren sind. Diese Voraussetzungen sind im sogenannten Monti-Kroes-Paket (hier in der sogenannten Freistellungsentscheidung) festgelegt. Auf weitere aktuelle Entwicklungen kann an dieser Stelle nicht eingegangen werden. Für hilfreiche Hinweise danke ich Barbara Leutner. 332 Ein weiterer und vorgelagerter Ausgangspunkt der bislang noch recht ungeordneten wissenschaftlichen Beschäftigung mit kommunaler Wirtschaftsförderung liegt darin, dass es noch keine wirklich befriedigende und empirisch gestützte Systematisierung und Differenzierung des Begriffs Wirtschaftsförderung in institutioneller, funktionaler und räumlicher Hinsicht im Rahmen des Gesamtsystems der nationalen Wirtschaftspolitik gibt, die explizit die kommunale Wirtschaftsförderung berücksichtigt. In der Tat ist die Frage „Was ist (eigentlich) kommunale Wirtschaftsförderung?“ nicht ganz leicht zu beantworten, denn schon auf der formal-institutionellen Ebene lässt sich eine große Vielfalt an organisatorischen und rechtlichen Verfassungen sowie Ressourcenausstattungen von Wirtschaftsförderungsgesellschaften in Deutschland ausmachen. Und auf die Frage, wer eigentlich (kommunale) Wirtschaftsförderung betreibe, lässt sich ebenfalls eine Reihe von Antworten finden, und bekanntlich sind es vor allem Kommunalpolitiker im Wahlkampf, die auf diese Frage gerne mit „Ich!“ antworten. Die Fachkommission Wirtschaftsförderung des Deutschen Städtetages hat angesichts der erheblichen Veränderungen der Rahmenbedingungen sowie der Aktivitäten der kommunalen Wirtschaftsförderung im Jahr 2012 ein bestehendes Grundsatzpapier aus dem Jahre 2002 überarbeitet, das – gekürzt und etwas modifiziert – eine Grundlage der folgenden Ausführungen ist (siehe Gliederungspunkt 3). Die ‚Duisburger Erklärung’ orientiert sich an einem Rollenkonzept, d. h. an der Frage, was Wirtschaftsförderer tatsächlich tun, und weniger daran, was Wirtschaftsförderer tun sollten, und zwar auch deshalb, weil es an normativen und mit der Praxis rückgekoppelten, d. h. gegenstands- und adressatenangemessenen Aussagen insbesondere aus der ökonomischen Wissenschaft eher mangelt (vgl. DÖRING/ AIGNER 2010)11. Dies korrespondiert grundsätzlich mit einer in der Literatur dominierenden funktionalen Sichtweise, d. h. der mehr oder weniger differenzierten Beschreibung von Aufgabenbereichen, Herausforderungen oder Moden und Trends in der kommunalen Wirtschaftsförderung, oft im Sinne von Best-Practice-Beispielen oder Fallstudien (vgl. z. B. ICKS/RICHTER 1999; PRÖHL 1998; FACHKOMMIS- SION WIRTSCHAFTSFÖRDERUNG/LEUTNER 2003; RESCHL/ROGG 2003; STEINRÜCKEN/JAENICHEN 2006; GÄRTNER/TERSTRIEP/WIDMAIER 2006 u. a.). Nicht selten fehlt jedoch eine leitende Erkenntnisabsicht oder publizistische Stringenz. Einige Praktikerbücher wirken inhaltlich disparat, ja mitunter buntanekdotenhaft. Eine Reihe von älteren praxisorientierten ‚Handbüchern’ zur kommunalen Wirtschaftsförderung wurden nichtneu aufgelegt bzw. aktualisiert und sind 11 Begründungsmuster regionaler Wirtschaftspolitik bzw. Strukturpolitik stellen KARL (2008) und EBERSTEIN (2008: Rz. 33ff.) dar. Konkrete Vorschläge für das Ruhrgebiet entwickeln BOGUMILL et al. (2012) und KAMBECK/SCHMIDT (2011). Grundlegende – allerdings unvollständige – Auflistungen der Instrumente der (kommunalen) Wirtschaftsförderung finden sich bei ELSNER (1988) und STEINRÜCKEN (2011). 333 heute vergriffen, blieben also ohne nachhaltige Wirkung. Bis heute ist mir kaum ein Beitrag in einer referierten wissenschaftlichen Zeitschrift (im Peer-Review-Verfahren) bekannt, der sich mit kommunaler Wirtschaftsförderung beschäftigt.12 Der Zugang über die Rollen der Wirtschaftsförderung hat spezifische und komplementäre Vorteile gegenüber streng deduktiv-normativen Ansätzen, wie sie auch im Bereich der verhaltensorientierten Betriebswirtschaftslehre bzw. Managementforschung in Deutschland, vor allem von Wolfgang Staehle, propagiert wurden (Management-Rollen), und fußt auf dem hauptsächlich im angelsächsischen Bereich populären Ansatz der sogenannten ‚workactivity-Forschung’ (vgl. SCHIRMER 1992). Die ‚Duisburger Erklärung’ greift in diesem Sinne die Aktionsfelder und Wirkungen der kommunalen Wirtschaftsförderung aus der Binnensicht der Praktiker auf und befasst sich mit den konkreten Herausforderungen, Arbeitszielen und Instrumenten, also mit der Frage, was (kommunale) Wirtschaftsförderer tatsächlich tun. Wissenschaft hingegen befasst sich im besten Fall eher mit der Frage, was Wirtschaftsförderer tun sollten (und wie), also ein normativer Zugang. Darum werden zunächst unter 15.1 und 15.2 einige Ausführungen zu aktuellen Grundsatzfragen kommunaler Wirtschaftsförderung aus wissenschaftlicher Sicht vorangestellt, um so einen wechselseitigen Dialog zwischen Wissenschaft und Praxis zu vermitteln. Dies ist auch als Versuch zu werten, einen Beitrag hin zu einer stärker ‚geerdeten’ Theorie von kommunaler Wirtschaftsförderung zu leisten.13 15.1 Zur Legitimation von Wirtschaftsförderung Insbesondere zu Wahlterminen wird aus dem politischen Raum immer wieder gerne die Frage nach Effizienz und Effektivität der kommunalen Wirtschaftsförderung gestellt. Trotz oder gerade wegen der breit diskutierten Krise der Kommunalfinanzen führt dies aber eigentlich nie zur Infragestellung von Wirtschaftsförderung, die kommunalpolitisch grundsätzlich gewollt und beauftragt ist, sondern vielmehr zu Diskussionen um die Person des ‚ersten Wirtschaftsförderers der Stadt’, um Ressourcenzuteilungen, Aufgabenzuschnitte sowie Organisations- und Rechtsformen. Hier herrschen in der politisch geprägten Praxis noch Trial-and- Error-Verfahren vor, mitunter werden allerdings gerade in großen Städten Unternehmensberatungen in den Reorganisationsprozess einbezogen. Wissenschaftlich fundierte Empfehlungen zu einer organisatorisch-funktionalen Optimierung lokaler Wirtschaftspolitik liegen – oftmals unter Hinweis auf die situative Bedingtheit lokaler Wirtschaftspolitik – praktisch bis heute nicht vor. 12 Eine Ausnahme, die eher die Regel bestätigt, ist NIENHAUS/KARL (1989). 13 Durchaus methodisch-prozedural im Sinne der Grounded Theory von Glaser und Strauss. 334 Die zentrale Frage zur Existenzberechtigung und Ausgestaltung kommunaler Wirtschaftsförderung ist und bleibt jedoch: Does (and how does) local policy matter? Die wissenschaftliche Beantwortung dieser Frage löst bekanntlich methodische Schwierigkeiten aus: zum einen die sogenannte ‚Kontrafaktische Situation’14, zum anderen – und mit Ersterem unmittelbar zusammenhängend – das Nichtvorliegen von gegenstandsangemessenen und überprüfbaren Hypothesen über Ursachen und Wirkungen in der lokalen Wirtschaftspolitik, auch bekannt als „post hoc, ergo propter hoc“-Fehlschluss (VAN DER BEEK/KORN 2010: 59)15. Aus diesem Grund und unter oftmals ohnmächtigem Hinweis auf die grundsätzliche Abhängigkeit der lokalen wirtschaftlichen Entwicklung von der nationalen oder gar globalen Konjunktur verzichten viele kommunale Wirtschaftsförderungen auf ein regional- ökonomisch basiertes und in sich konsistentes volkswirtschaftliches Zielsystem. Erfahrungsgemäß oft nur kurzlebige und kaum operationalisierte ‚Leitbilder’ ersetzen mitunter volkswirtschaftliche Zielgrößen. Viele kommunale Wirtschaftsförderer richten sich in ihrer Arbeit lieber an der politisch verfassten Auftragslage aus, die wiederum in operative Ziel- und Kennzahlensysteme zur internen Steuerung und externen Leistungsdokumentation übersetzt wird. Diese Zielproblematik holt Wirtschaftsförderer aber häufig spätestens dann wieder ein, wenn ein schlechtes Abschneiden beim letzten Städteranking gegenüber der Politik oder der Presse zu erklären ist. Zur Frage, welche ökonomischen Effekte kommunale Wirtschaftsförderung auslöst, liegen aus den oben genannten Gründen bislang nur sehr wenige empirische Untersuchungen vor16. Bei aller Vorsicht lassen sich die vereinzelt vorliegenden Ergebnisse jedoch so deuten, dass es durchaus erfolgskritische und auf kommunaler bzw. regionaler Ebene auch beeinflussbare Wirtschaftsförderungsfaktoren gibt (vgl. z. B. BLUME 2001; SCHMIDT 2010). Etwas breiteres empirisches und methodisches Interesse finden im Rahmen der Politikevaluation Fragen der Wirksamkeit allgemeiner Wirtschaftsförderung z. B. der staatlichen Subventionen im Rahmen regionaler Bundes- bzw. Landeswirtschaftsförderung, wie beispielsweise der GRWbzw. RWP-Förderung17 (vgl. LAMMERS/NIEBUHR 2002; BADE/EICKELPASCH 14 Oder auch als ‚fundamentales Evaluationsproblem’ bezeichnet: Was wäre gewesen, wenn nichts gemacht worden wäre? In der Ökonometrie gibt es hierzu methodische Ansätze, die auf Matching-Verfahren basieren, was allerdings voraussetzt, dass es halbwegs vergleichbare Paare von Förder- und Nichtförderfällen gibt. Zu einem Überblick über den Stand ökonometrischer Evaluationsverfahren vgl. WISSENSCHAFTLICHER BEIRAT BEIM BUNDESMINISTE- RIUM FÜR WIRTSCHAFT UND TECHNOLOGIE (BMWI) 2013. 15 D. h., aus dem zeitlichen Aufeinanderfolgen von lokalen wirtschaftlichen Entwicklungen und einem Instrumenteneinsatz wird – fälschlicherweise – auf kausale Zusammenhänge geschlossen. 16 Allgemein (wohlfahrts-)theoretisch zu den Wirkungen von ‚Wirtschaftsförderung’ vergleiche z. B. STEINRÜCKEN (2011) oder KARL (2012). 17 GRW = Gemeinschaftsaufgabe ‚Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur’; RWP = Regionales Wirtschaftsförderungsprogramm. Das Regionale Wirtschaftsförderungsprogramm 335 2011; ALECKE/MITZE/UNTIEDT 2010) oder der Beschäftigungswirkungen des regionalen Gründungsgeschehens bzw. der Gründungsförderung (vgl. z. B. ALMUS/PRANTL 2002; CALIENDO/STEINER/BAUMGARTNER 2006; FRITSCH 2008; BADE 2011; RÖLLINGHOFF 2010) oder der ökonomischen Wirkungen öffentlicher Infrastrukturinvestitionen (vgl. HANUSCH 2011; Beispiele: GUNDEL/ LUTTMANN 2008; RÖLLINGHOFF 2014). Insbesondere Subventionen, bzw. allgemeiner: fiskalische Wirtschaftsförderungsinstrumente, sind in der Regel aber nicht oder nur eine mittelbare Aufgabe kommunaler Wirtschaftsförderung. Üblicher – und methodisch einfacher – als volkswirtschaftliche outputorientierte Performance-Rechtfertigungen hingegen sind normative ordnungspolitische Ansätze zur Begründung kommunaler Wirtschaftsförderung bzw. einzelner ausgewählter Instrumente kommunaler Wirtschaftsförderung. Zur Prüfung der Legitimation werden unterschiedliche Argumentationsmuster herangezogen, vor allem solche, die sich in der Theorie der Verfügungsrechte und des Marktversagens finden, also Verhinderung ruinösen Wettbewerbs, Informationsasymmetrien, externe Effekte, Kollektivgüter und andere mehr.18 Entsprechende ordnungspolitische Prüfungen ausgewählter Instrumente kommunaler Wirtschaftsförderung als Teil regionaler Strukturpolitik, deren weitere Differenzierung und Vertiefung durchaus eine interessante Aufgabe sein könnte, können zu einer grundsätzlichen Legitimation kommunaler Wirtschaftsförderung führen; allerdings wird die begrenzte und isolierte Auswahl der Instrumente der funktionalen Komplexität und institutionellen Vielschichtigkeit von Wirtschaftsförderung gerade in großen Städten nicht gerecht. In der Öffentlichkeit (vgl. SCHLAG 2006) und auch in interessierten Fachwissenschaften herrscht offensichtlich noch ein mangelhaftes Verständnis der Praxis der kommunalen Wirtschaftsförderung vor19. Konkrete und wirtschaftswissenschaftlich begründete Vorschläge zur regionalen Strukturpolitik für bestimmte Räume adressieren häufig übergeordnete staatliche oder politische Institutionen (so z. B. KAMBECK/SCHMIDT 2011), in der Regel aber nicht gezielt die kommunale Wirtschaftsförderung in ihrem institutionellen und funktionalen Kontext. (RWP) fördert aus Mitteln der Bund-Länder-Gemeinschaftsaufgabe (GA) ‚Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur’ (GRW) sowie aus ergänzenden EU- und Landesmitteln Investitionsvorhaben und nicht-investive Maßnahmen. Es sollen Anreize geschaffen werden für die Schaffung und Sicherung von Dauerarbeits- und Ausbildungsplätzen in den besonders strukturschwachen Regionen des Landes (sogenannte C- und D- Fördergebiete). 18 Vergleiche hierzu allgemein FRITSCH/WEIN/EWERS (2003) sowie KAMBECK/ SCHMIDT (2011); VAN DER BEEK/KORN (2010); STEINRÜCKEN (2011); MILBRADT (1990); HAUG (2004) u. a. Zu einem kurzen geschichtlichen Abriss vergleiche SCHMID (2009) und STEINRÜCKEN (2011). 19 Zu unterscheiden wären in einer ersten Annäherung Wirtschaftsförderung als Funktion und Wirtschaftsförderung als Institution, ohne dies an dieser Stelle aber weiter vertiefen zu wollen. Siehe hierzu auch verschiedene Beiträge bei EBERSTEIN & KARL (1996). 336 Nach ihrer Trägerschaft bzw. Gesellschafterstruktur lassen sich heute grob die privaten und die kommunalen Wirtschaftsförderungen mit jeweils eigenen, zum Teil auch überlappenden Verbandsstrukturen, insbesondere unter dem Dach der drei kommunalen Spitzenverbände, unterscheiden. Unter kommunaler Wirtschaftsförderung wird im Weiteren – zunächst unabhängig von der Rechtsform – die Wirtschaftsförderung der kreisfreien sowie der kreisangehörigen Städte und Gemeinden verstanden, sofern Letztere eine solche betreiben, sowie die Wirtschaftsförderungen der Kreise, also letztlich die räumlichen Gebietseinheiten, die unter dem Dach der drei kommunalen Spitzenverbände organisiert sind.20 Oftmals sind einzelne Projekte oder ganze Organisationseinheiten der Wirtschaftsförderungen von der EU oder den Bundesländern (mit-)finanziert bzw. beauftragt (z. B. die Regionalagenturen in NRW oder die Förderstellen Frau und Beruf) oder meta-institutionell geregelt (z. B. die STARTERCENTER NRW). In vielen Regionen Deutschlands kommen noch regionale Wirtschaftsförderungsgesellschaften und/oder endogene regionale Clusterinitiativen21 hinzu, mit der Folge, dass gerade einige kreisangehörige Städte als räumliche Schnittmenge in den Zuständigkeitsbereich von bis zu vier oder fünf Wirtschaftsförderungen fallen, wobei die verschiedenen Wirtschaftsförderungen in der Regel zwar unterschiedliche, aber nicht immer komplementäre Ziele aufweisen. Schließlich betreiben bekanntlich auch die Bundesländer und der Bund eigene Wirtschaftsförderungsgesellschaften, die mit den kommunalen und regionalen Einrichtungen prinzipiell kooperieren. Hinzu kommen in vielen Regionen – neben den offiziellen Kammern und Verbänden – noch eigenständige unternehmensgetriebene Initiativen, vom lokalen Stadt- und Einzelhandelsmarketing über multithematische Regionalbündnisse bis hin zu komplexen Großvorhaben unter Beteiligung von Weltkonzernen und Spitzenforschungseinrichtungen im Rahmen der Spitzenclusterwettbewerbe des Bundesministeriums für Bildung und Forschung. In einigen Regionen Deutschlands ist Wirtschaftsförderung schon allein institutionell ein recht un- übersichtliches Terrain. Diese Stabilität und Ubiquität der Institution kommunale Wirtschaftsförderung in Zeit und Raum muss eigentlich überraschen, denn die Sichtweise, dass der Staat der Wirtschaft hilft und neue Technologien und Innovationsfelder ‚fördert’, ist in der praktischen Wirtschafts- und Industriepolitik zwar gang und gäbe, geht oftmals wie selbstverständlich von der Hand und ist grundsätzlich legitimierbar, in der traditionellen Volkswirtschaftslehre ist sie aber eher nicht anzutreffen. Hier dominiert der Glaube an die Marktkräfte und deren Selbstheilungswirkungen 20 Im Folgenden wird vor allem auf die Verhältnisse in Nordrhein-Westfalen Bezug genommen. 21 Einen Überblick über Clusterinitiativen auf Landes- bzw. Bundesebene (exogene Clusterinitiativen) vermittelt die Internetseite http://www.clusterplattform.de (abgerufen am 2.1.2013) sowie KIESE (2012). 337 – oder aktueller: der Glaube an die Gestaltbarkeit von Märkten22 sowie das Primat der wirtschaftspolitischen Globalsteuerung und Ordnungspolitik. Daran hat auch die Wirtschaftskrise und die damit verbundene moderne Kapitalismuskritik sowie die durchaus wachsende Einsicht in ‚versagende’ Märkte prinzipiell nichts geändert. Viele, gerade amerikanische Wirtschaftswissenschaftler sind nach wie vor der Meinung, dass erfolgreiche Wirtschaftsförderung vor allem darin besteht, dass sich der Staat möglichst weitgehend aus dem Geschäft der Wirtschaft heraushalten soll, „to get out of way“23. Auch suggeriert der eingeführte, wenngleich etwas unglückliche Begriff Wirtschaftsförderung, dass es sich beim Objekt von Wirtschaftsförderung tendenziell um etwas Förderwürdiges und Förderfähiges, wenn nicht gar Hilfsbedürftiges sui generis handelt. Darin schwingt eine an Defiziten und Problemlösungen orientierte Konnotation mit. Dies ist nicht nur begrifflich unglücklich, es entspricht außerdem eher selten der Praxis der Wirtschaftsförderung, denn insbesondere bei bereits eingetretenen Unternehmenskrisen sind die Instrumente der kommunalen Wirtschaftsförderung häufig weitgehend stumpf. In diesem Zusammenhang hat die globale Wirtschaftskrise nicht unbedingt zu einer funktionalen Stärkung lokaler Wirtschaftsförderung beigetragen: Die Krise hat regional sehr unterschiedliche Auswirkungen in Deutschland gezeigt und die Widerstandsfähigkeit bzw. ‚Regionale Resilienz’ (vgl. FROMHOLD-EISEBITH 2012 und INFORMATIONEN ZUR RAUMENTWICKLUNG 2011 & 2013) ist in diesem Zusammenhang zu einem neuen Zauberwort geworden, auch von Wirtschaftsförderern. Bei Licht betrachtet haben die kommunalen Wirtschaftsförderer jedoch recht wenig zur Bewältigung der in der Regel zeitlich begrenzten lokalen Auswirkungen der globalen Krise beigetragen, war doch das Hauptinstrument gegen die Krise in der Tat vor allem die Kurzarbeit sowie weitere personalund organisationspolitische Flexibilisierungsinstrumente (vgl. WIRTSCHAFTS- WOCHE 2012). Zudem war es hauptsächlich die lokale bzw. regionale Branchenstruktur, die über die regionalen Auswirkungen und Folgen der globalen Wirtschaftskrise entschied (vgl. INFORMATIONEN ZUR RAUMENTWICKLUNG 2011 und REGIO VISION 2012). Es geht bei kommunaler Wirtschaftsförderung vor allem um die Gestaltung wirtschaftsfreundlicher Rahmenbedingungen vor Ort. Wirtschaftsförderung ist gerade in großen Städten eine ausgesprochen vielfältige und komplexe Aufgabe 22 Sichtbarer Ausdruck davon ist die bereits mehrfache Verleihung des Wirtschaftsnobelpreises an Vertreter des Mechanismus- bzw. Market-Design-Ansatzes, zuletzt im Jahr 2012 an Alvin Roth. 23 „The best thing that governments can do to encourage innovation is get out of the way.” (Economist, Oct. 13, 2007, Special Report on Innovation, S. 20). Die Praxis hingegen – gerade in den USA – zeigt jedoch interessanterweise einen großen Einfluss massiver öffentlicher Förderpolitik, nicht selten mit industriepolitischem und militärischem Hintergrund. Auch tummeln sich in den Städten und Regionen der USA oft eine Vielzahl von Wirtschaftsförderungsgesellschaften, wie ich es z. B. selbst in der Region Pittsburgh erleben durfte. 338 (vgl. z. B. KÜPPER 2000; HOLLBACH-GRÖMIG/FLOETING 2008; MAGER/ RÖLLINGHOFF 2009a; ZWICKER-SCHWARM 2013). Sie reicht grundsätzlich von der Parkplatzproblematik des Bäckers nebenan bis hin zur maßgeblichen Beteiligung an industrie- oder clusterpolitischen Großvorhaben, oftmals mit weiteren Ver- ästelungen in arbeitsmarkt- und bildungspolitische Bereiche hinein. Sinnvoller und praxisgerechter wäre es daher, statt von Wirtschaftsförderung von ‚kommunaler Wirtschaftspolitik’ (DIPPEL/GRUNEWALD/STAUDER 2008; NIENHAUS/KARL 1989) zu sprechen und das Augenmerk auf die vielfältigen Rollen und Funktionen von Wirtschaftsförderern zu legen. Trotz aller Professionalisierungstendenzen ist Wirtschaftsförderung aber bis heute immer noch eher eine Berufung als ein Beruf oder gar eine fest institutionalisierte Profession (HARTMANN 1972). Erfolgreiche Wirtschaftsförderung, verstanden als Netzwerkmanagement zwischen unterschiedlichen Systemen innerhalb einer Kommune, lebt weniger von speziellen funktionalen Fachkenntnissen als vielmehr vom Beziehungskapital und taziten Wissen ihrer Akteure. Kommunale Wirtschaftsförderer sind Brückenbauer. Sie bringen Ideen, Menschen und Ressourcen im Interesse der ökonomischen und sozialen Wohlfahrt einer Kommune zusammen, ohne in der Regel eigene Assets24 oder formalrechtliche Kompetenz- und Entscheidungsbasen einzubringen. Kommunale Wirtschaftsförderer sind zuallererst Makler und Moderatoren und legitimieren sich in der Praxis primär über ihre funktionale Autorität im Prozess- und Netzwerkmanagement. 15.2 Zeitenwende: Wirtschaftsförderung und Wissensökonomie Wissensbasierte Ökonomie, Wissensökonomie, knowledge economy, knowledge based economy und viele andere, oft synonym verwendete Begriffe versuchen, den Kern eines generellen wirtschaftlichen Strukturwandels zu beschreiben, der grundsätzlich von Relevanz für die kommunale Wirtschaftsförderung ist. All diesen Begriffen gemein ist, dass sie die Bedeutung von Wissen erstens als wichtigsten Produktionsfaktor, zweitens als immaterielles, wirtschaftlich handelbares Gut bzw. als Dienstleistung und drittens als wichtige Komponente physischer Güter anerkennen (vgl. KUJATH et al. 2008: 3). Insofern wir uns also im Übergang von der Industriegesellschaft zur Wissensgesellschaft bzw. zu einer ‚wissensbasierten Ökonomie’ befinden, kommt dem Standort- und Wachstumsfaktor ‚Ausstattung mit Humankapital’ sowie der lokalen Präsenz und Vielfalt wissenschaftlicher Institutionen eine zum Teil veränderte, aber vor allem erweiterte gesellschaftliche Rolle zu: 24 Die traditionellen ‚Assets’ kommunaler Wirtschaftsförderung sind Gewerbeflächen, die sich aber oft nicht oder nur mit eingeschränkten Verfügungsrechten im Eigentum/Besitz der Wirtschaftsförderung befinden. 339 „Hochschulen und außeruniversitäre Forschungseinrichtungen sehen sich zunehmend mit anscheinend widersprüchlichen Anforderungen konfrontiert. Einerseits sollen sie exzellente Forschung und Lehre betreiben und eine aktive Rolle in internationalen Wissensnetzwerken spielen. Andererseits gelten sie als Hoffnungsträger für eine wissensbasierte Stadtund Regionalentwicklung: Sie sollen mobile Unternehmen, Wissenschaftler und talentierte Studierende anlocken und über Absolventen, Unternehmensgründungen (Spin-offs) und andere Formen des Wissens- und Technologietransfers die Wirtschaftsstruktur vor Ort und die Wettbewerbsfähigkeit regionaler Unternehmen verbessern sowie der Zivilgesellschaft einen Mehrwert bringen.“ (SURF/WISSENSCHAFTSFORUM RUHR E. V. 2012)25 Die wirtschaftliche Bedeutung des lokalen bzw. regionalen wissenschaftlichen Milieus zeigen zahllose neuere Städterankings und nicht zuletzt die von Richard Florida initiierte Debatte um die Rolle und Bedeutung der sogenannten ‚Kreativen Klasse’ für die regionale Wirtschaftsentwicklung. Unzählige Programme und Wettbewerbe der letzten Jahre, wie z. B. „Stadt der Wissenschaft“ des Stifterverbands für die Deutsche Wissenschaft, zeugen zudem von einem neuen Interesse am Verhältnis von Wissenschaft und Stadt bzw. Region (siehe auch FRITSCH 2009; KOSCHATZKY et al. 2011; HALL 2011; CANTNER/RUFFERT 2012), insbesondere im Ruhrgebiet (siehe auch MÜLLER-BÖLING et al. 2011; BOGUMILL et al. 2012). Ebenfalls von Einfluss auf diese Debatte ist die weitgehend akademische Diskussion um die im Kern letztlich recht ähnlichen Konzepte zu regionalen Innovationssystemen, ‚lernenden Regionen’, ‚Triple-Helix-Ansätzen’ und ‚Wissensregionen’ (vgl. FRITSCH 2012; FROMHOLD-EISEBITH 2009 u. v. a.). Unabhängig von diesem neuen Interesse scheint es aber in der Tat nicht zu überraschen, dass die wirtschaftliche Entwicklungsdynamik gerade an jenen Standorten besonders hoch ist, die zu den klassischen Technologiestandorten mit Hochschulen und au- ßeruniversitären Forschungsinstituten gerechnet werden (DÖRING/AIGNER 2010: 29)26. Dies bettet sich ein in die übergeordnete strukturpolitische Strategie der EU (‚Europa 2020’), die abzielt auf ein intelligentes, nachhaltiges und integratives Wachstum. Eine Strategie, die stärker als viele – Top-down und policy-driven – Clusterstrategien der Vergangenheit auf räumlich-funktionale Arbeitsteilung und evolutorische Spezialisierung27 setzt, durchaus im Sinne der klassischen Außenhandelstheorie und auch im Sinne der ursprünglich von Porter intendierten räumlich-analytischen Clustertheorie (PORTER 2003). Die Wissensgesellschaft umfasst drei wirtschaftliche Dimensionen bzw. Merkmale (KUJATH 2010): 25 Siehe hierzu auch HEINZE/BECK (2009) und RÖLLINGHOFF (2014). 26 Dieser aus der regionalen Wachstumstheorie bekannte Zusammenhang wurde in jüngerer Zeit durch eine Reihe sogenannter ‚Städterankings’ bestätigt. Vergleiche hierzu RÖLLINGHOFF (2008a; 2010a). 27 ‚Smarte’ oder ‚intelligente’ Spezialisierung, vgl. BRANDT (2012). 340 1. Ökonomische Ordnung, in der Wissen und nicht so sehr Arbeit und Kapital Schlüsselressource ist. Die Wissensökonomie ist der Kern der Wissensgesellschaft. Sie ist eine innovationsgetriebene Wirtschaft. 2. Soziale Dimension: Soziale Ordnung, in der die Infragestellung etablierter Normen und Regeln (Unsicherheit) sowie eine neue soziale Ungleichheit, basierend auf Wissen, die Hauptherausforderungen sind. Neue institutionelle/organisatorische Kontexte, die den Wissensaustausch regulieren (Wissens- und Lernnetzwerke). 3. Technische Dimension: IKT-Systeme, deren Zugänglichkeit und Nutzbarkeit für Haushalte und Wirtschaft gleichermaßen wichtigste Voraussetzungen für die Teilhabe an der Wissensgesellschaft sind. Neue IKT ermöglichen und treiben den Wandel zur Wissensgesellschaft, die Möglichkeiten des Wissensaustausches voran. Es sind in diesem Zusammenhang tatsächlich vor allem die Großstädte und Metropolen, in denen die großen Zukunftstrends sichtbar werden und mit neuen Lösungen experimentiert wird (vgl. auch HALL 2011). Abbildung 43 stellt im Sinne eines urbanen U-Bahn-Streckennetzes einige zentrale Zukunftstrends und insbesondere deren wechselseitige Verknüpfungen und Zusammenhänge dar: Abbildung 43: Megatrend-Map Quelle: ZUKUNFTSINSTITUT 2011 341 Auch vor dem Hintergrund dieser Zukunftsszenarien wird deutlich, dass es vor allem um urbane Lösungen sowie um eine „Renaissance der Industrie“ (PRIDDAT 2012) mit neuartigen Wertschöpfungsnetzen und Arbeitsteilungen zwischen Forschung, ‚klassischer’ Industrie und Endverbrauchern geht. Besonders in den Großstädten vermengen und überlagern sich die gesellschaftlichen, technologischen und wissensbasierten Entwicklungen und Trends, wobei es aktuell in erster Linie um die Verknüpfung und die oft ungeahnten Verknüpfungspotenziale unterschiedlicher Technologien und Wissensbestände im Hinblick auf neue Lösungsmuster für gesellschaftlich drängende Fragen geht (‚cross-clustering’), insbesondere auf den folgenden Feldern (vgl. BULLINGER/RÖTHLEIN 2012): • Ressourcenverbrauch • Energiewende • Mobilität • Demografie • Klimawandel • Bürgerbeteiligung • Information und Kommunikation Dazu kommen ergänzend die Bereiche Gesundheit und Bildung. Diese Meta- Themen bieten sich als komplementäre Ergänzung zum nach wie vor aktuellen, wenn auch etwas differenzierteren Clusterkonzept an, um eine weitergehende räumliche Spezialisierung und Arbeitsteilung als Ergebnis eines emergenten und evolutorischen Prozesses zu befördern, für den heute der Begriff ‚smart specialisation’ (FORAY/DAVID/HALL 2009) als neuer wirtschafts- und strukturpolitischer Strategieansatz auf EU-Ebene diskutiert wird: „It should be understood at the outset that the idea of smart specialisation does not call for imposing specialisation through some form of top-down industrial policy that is directed in accord with a pre-conceived‚grand plan’. Nor should the search for smart specialisation involve a foresight exercise, ordered from a consulting firm. We are suggesting an entrepreneurial process of discovery [sic] that can reveal what a country or region does best in terms of science and technology. That is, we are suggesting a learning process to discover the research and innovation domains in which a region can hope to excel.“ (FORAY/ DAVID/HALL 2009: 2) Der Kerngedanke der „smart specialisation“ basiert auf einem differenzierteren und erweiterten Innovationsbegriff: „The specific properties of General Purpose Technologies [sic] (GPTs) define a framework that helps to clarify the logic of Smart Specialisation (SS). While major innovations often result from the commercialization of a core GPT invention, and its successive technological elaborations – such as the double-condensing steam engine, the electric dynamo, the internal combustion engine, or the micro-processor, there [sic]myriads of economically important innovations that result from the ‚co-invention’ of applications (steam-ships and locomotives, arc-lamps and AC motors, etc.)[sic] In fact, the characteristics of a GPT are 342 horizontal propagation throughout the economy and complementarity between invention and application development.“ (FORAY/DAVID/HALL 2009: 3) Daraus ergeben sich auch und insbesondere für kommunale Wirtschaftsförderer neuartige Fragestellungen und anspruchsvolle Handlungsoptionen: „Public entities can play an important infrastructural role by providing and collating appropriate information about emerging technological and commercial opportunities and constraints, product and process safety standards for domestic and export markets, and external sources of finance and distribution agencies. Assisting local entrepreneurs to coordinate in forming mutually reinforcing connections and pool generic knowledge that will accelerate this discovery process may also be helpful activities.“ (FORAY/DAVID/HALL 2009: 2) Als Ergebnis können sich weiterentwickelte funktionale räumliche Arbeitsteilungen ergeben, die auch klassische und überkommene Stadt-Land-Dichotomien überwinden können: „This dynamic may be spatially distributed between regions specialised in the basic inventions and regions investing in specific application domains.” (FORAY/DAVID/HALL 2009: 3) Ein Gedanke, der grundsätzlich kompatibel ist zur Weiterentwicklung und Differenzierung des Clusterkonzepts als regionaler oder kommunaler Wirtschaftsförderungsstrategie, die auf integrierte Bottom-up- und Top-down-Prozesse setzt (vgl. KETELS 2011). In einer Zeit, in der der Standortwettbewerb zunehmend über die Attraktivität und Lebensqualität urbaner Räume durch Abstimmungen mit den Füßen mobiler junger Menschen entschieden wird (‚jobs follow people’), ist die Frage nach dem Verhältnis von Wissenschaft und Stadt besonders wichtig. Dies gilt insbesondere in vergleichsweise jungen Wissenschaftsstädten wie z. B. Dortmund, Bochum, Essen oder Duisburg, die über ein Jahrhundert durch montanindustrielle Großbetriebe und eine ‚historische Bildungslücke’ geprägt waren. Wie hart dieser Wettbewerb um die klügsten Köpfe mittlerweile ist, verdeutlicht die Tatsache, dass selbst weltweit führende und scheinbar besonders attraktive Wissenschafts- und Wirtschaftsregionen wie z. B. Boston bzw. Cambridge in den USA – mit der Harvard University, dem MIT und anderen Universitäten – mittlerweile Probleme haben, die Absolventen in der Region zu halten und die hochqualifizierten Jobs zu besetzen28. Vor dem hier skizzierten Hintergrund soll im Folgenden die Frage nach einer zeitgemäßen Rolle kommunaler Wirtschaftsförderung gestellt werden. 28 Persönliche Informationen über das Cambridge City Council. 343 15.3 Zur Praxis und Realität kommunaler Wirtschaftsförderung Kommunale Wirtschaftsförderung in der Praxis ist vor allem zunächst ‚Brot- und Buttergeschäft’:29 Unternehmen – Handwerksbetriebe, Gewerbeleistende, Dienstleister – richten ihre Standortentscheidungen zu einem entscheidenden Teil nach der Qualität der lokalen und regionalen Bedingungen für unternehmerisch erfolgreiches Handeln. Die Kommunen stellen – wenn möglich – Flächen und Infrastruktur zur Verfügung, bieten ein breites Angebot an Dienstleistungen, sichern den Zusammenhalt und die Lebensqualität. Dabei leisten die kommunalen Wirtschaftsfördereinrichtungen einen wichtigen Beitrag, die lokalen Angebote und Standortqualitäten zu vermitteln sowie den Unternehmen einen umfassenden Service zu bieten. Dies ist das traditionelle ‚Brot- und Buttergeschäft’ der kommunalen Wirtschaftsförderung, das nach wie vor den wichtigsten Teil der Arbeit ausmacht (vgl. ZWICKER-SCHWARM 2013). Es ist bekannt, dass die zum Teil dramatische Finanzsituation vieler Kommunen den Erhalt wirtschaftsfördernder Infrastrukturen und Leistungen gefährdet. Bund und Länder müssen daher mehr als bisher für eine aufgabengerechte Finanzausstattung der Kommunen sorgen. Dabei steht die weitere Entlastung der Kommunen von Sozialausgaben im Vordergrund; die Weiterentwicklung bzw. die Erhöhung der Gewerbesteuer bleibt allerdings eine wichtige Option der Kommunen, gegebenenfalls auch gegen den Widerstand der kommunalen Wirtschaftsförderung. Nur finanzstarke und handlungsfähige Kommunen können letztlich den Wirtschaftsstandort Kommune durch öffentlich geförderte Infrastrukturprojekte zukunfts- und wettbewerbsfähig machen. Die Kommunen brauchen mehr Spielräume für freiwillige Aufgaben, die elementar für die Lebensqualität der Städte und Gemeinden und eine lebendige kommunale Demokratie sind. Dies gilt im Besonderen für die kommunale Wirtschaftsförderung, die mit ihren Dienstleistungen Unternehmen an die jeweilige Kommune bindet (‚Bestandspflege’) und so letztendlich zur Einnahmenverbesserung der Städte und Gemeinden führen kann. Die kommunale Wirtschaftsförderung kann wesentliche Beiträge zur Schaffung und Sicherung von Arbeitsplätzen leisten, Innovationen fördern und engagierte Menschen auf dem Weg in die Selbstständigkeit unterstützen. Kommunale Wirtschaftsförderung legitimiert sich so über die Verhinderung von Abwanderungszwängen, die aufgrund von Arbeitslosigkeit und mangelnden Beschäftigungsmöglichkeiten entstehen (vgl. MILBRADT 1990)30. 29 Die folgenden Ausführungen basieren – modifiziert – auf der sogenannten‚Duisburger Erklärung’, siehe: AGKW NRW (2010). 30 Auch dieses Argument ließe sich räumlich-allokationstheoretisch hinterfragen, was hier allerdings nicht weiter vertieft werden soll. 344 15.3.1 Aktionsfelder und Wirkungen der kommunalen Wirtschaftsförderung Kommunale Wirtschaftsförderung ist Teil der Daseinsvorsorge (siehe Fußnote 10) und leistet einen Beitrag zur Verbesserung der Lebensqualität. Kommunale Wirtschaftsförderung hat die Aufgabe, die kommunalen und regionalen Rahmenbedingungen für wirtschaftliches Handeln mitzugestalten, so dass die Arbeits- und Lebensbedingungen für Menschen in einer Kommune oder in einer Region positiv beeinflusst und Abwanderungszwänge minimiert werden. Neben grundlegenden interregionalen Disparitäten geht es heute zunehmend um intraregionale oder intrakommunale Disparitäten, wie die aktuelle und durchaus kontroverse Debatte um Armut und wachsende Ungleichheiten in den Städten zeigt. Dass dies auch ein Thema der kommunalen Wirtschaftsförderung ist, zeigt die Bedeutungszunahme von Konzepten zur ‚lokalen’ und ‚ethnischen’ Ökonomie. Kommunale Wirtschaftsförderung, insbesondere in verwaltungsnahen Organisations- und Rechtsformen, nimmt heute oftmals eine zentrale verwaltungsübergreifende Querschnittsaufgabe wahr. Sie ist qua öffentlichem Auftrag gefordert, sowohl innerhalb als auch außerhalb der Verwaltung als Anwalt von Wirtschaftsinteressen auf optimale Rahmenbedingungen für Firmen hinzuarbeiten. Zudem ist sie zentrale Anlaufstelle und Dienstleister für die standortbezogenen Belange der Unternehmen (‚Front-Office-Funktion’). Dabei unterscheiden sich die Wirtschaftsfördereinrichtungen allerdings hinsichtlich ihrer Arbeitsschwerpunkte, ihrer Organisations- und Rechtsformen sowie ihrer Ressourcenausstattungen zum Teil erheblich. Allen Wirtschaftsfördereinrichtungen gemeinsam ist jedoch, prioritär die Bestandsunternehmen in der Kommune zu unterstützen. Dieser Anspruch beinhaltet im Wesentlichen folgende konkrete Ziele: • Sicherung bestehender Arbeitsplätze und Schaffung von Rahmenbedingungen für neue und nachhaltige Arbeitsplätze; • Schaffung eines – an den Stärken und der Wirtschaftsstruktur der Region/ Kommune ausgerichteten – guten Standortklimas; • Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit und des Akquisitionspotenzials des Standortes; • Sicherung und Stärkung der Finanzkraft der Kommune. Um diese Ziele zu erreichen, ist die Wirtschaftsförderung Moderator, Mediator, Krisenmanager und Initiator sowie Wissens- bzw. Know-how-Manager. Sie ist je nach Ressourcenausstattung schwerpunktmäßig in folgenden Aktionsfeldern aktiv: • Sicherung und Entwicklung der wirtschaftsnahen Infrastruktur (inklusive Flächen-, Forschungs- und Telekommunikationsinfrastruktur); • Sicherung und Pflege des Unternehmensbestandes; • Förderung von Neugründungen; • Akquisition von Ansiedlungen; 345 • Innovations- und Wissenstransfer, insbesondere Verbesserung der Innovationskraft bei KMU; • Clustermanagement, branchenorientierte Netzwerkpflege und Innovationstransfermanagement (siehe FLOETING 2008 u. a.)31; • Schaffung und Erhalt von Arbeitsplätzen/Fachkräftesicherung; • Mitwirkung an zukunftssichernden Projekten der Stadtentwicklung; • Standortmarketing; • Sicherung des Einzelhandelsstandortes. Die Wirtschaftsförderung ist damit unter anderem: • ‚Vernetzer’ und Moderator von Ideen, Themen, Menschen, Geld und Flächen; • Verkäufer bzw. (Ver-)Mittler von Flächen/Immobilien; • Informationsgeber und Ansprechpartner in allen wirtschafts- und verwaltungsrelevanten Fragen; • Troubleshooter, immer wenn es ‚brennt’ und kriselt; • Wirtschaftslobbyist in Politik und Verwaltung; • Ratgeber in Förder- und Finanzierungsfragen; • Standortentwickler; • Ideen- bzw. Impulsgeber; • Profilgestalter und Standortmanager (Standortmarketing). Entsprechend sind die fachlichen Aufgaben und Anforderungen an die Wirtschaftsförderung erheblich gewachsen, die Wirtschaftsförderung hat sich professionalisiert, ohne allerdings bislang zu einem Beruf im eigentlichen Sinne geworden zu sein. Auch ihre öffentliche Beachtung und die Erwartungen an sie haben deutlich zugenommen. Dies hat Gründe, die zum Teil in regionalwissenschaftlichen Vergleichsuntersuchungen oder wissenschaftlich fundierten Städterankings liegen, die das grundsätzliche Potenzial und die Chancen einer professionellen und strategischen Wirtschaftsförderung belegen (vgl. auch BLUME 2001). Hauptzielvariable kommunaler Wirtschaftsförderung ist die Beschäftigung am Wohnort bzw. die Beschäftigungsquote, d. h. das Arbeitsplatzangebot für die Wohnbevölkerung vor Ort.32 Ein Beschäftigungswachstum, das vor allem über 31 Es ist allerdings zu fragen, ob kommunale Wirtschaftsförderung tatsächlich der richtige Adressat bzw. Primärakteur von ‚Clusterpolitik’ ist, siehe auch KOSCHATZKY/STAHLECKER (2012); KIESE (2012); ALECKE/UNTIEDT (2007). 32 Hauptzielvariable der Kommunalpolitik insgesamt könnte die Lebenszufriedenheit bzw. Lebensqualität der Bürger in einer Kommune sein. Auf die mittlerweile recht populäre Debatte um ‚Glück’ als Surrogat für klassische volkswirtschaftliche Kennzahlen und Regionalindikatoren wie BIP(-Wachstum), Einkommen, Arbeitslosen- bzw. Beschäftigungsquote oder Ähnliches sei an dieser Stelle nur hingewiesen. Vergleiche hierzu SCHMIDT/AUS DEM MOORE (2012) und RAFFELHÜSCHEN/SCHÖPPNER (2012). 346 Einpendler gespeist wird, ist aus kommunaler Sicht suboptimal, da die Einpendler in ihren Unternehmen zwar einen Beitrag zur Wertschöpfung und zum BIP leisten – was wiederum über die Gewerbesteuer auch der Kommune zugutekommt –, aber letztlich unentgeltlich öffentliche Infrastruktur nutzen und keinen Beitrag zum kommunalen Gemeinwesen leisten. Neue Jobs, die durch Einpendler besetzt werden, leisten zudem keinen Beitrag zur Senkung der lokalen Arbeitslosenquote. Neue Jobs und Beschäftigungswachstum (womöglich bei punktuellem Fachkräftemangel) bei gleichzeitig hohen Einpendlerquoten und unveränderten Arbeitslosen- und Beschäftigungsquoten bzw. unter Umständen sogar einer Abnahme der Vollzeitbeschäftigungsäquivalente (Stichwort: Zunahme atypischer Beschäftigung) sind ein alarmierender Hinweis auf ein unterentwickeltes Humanpotenzial in der jeweiligen Kommune und oftmals auf weitere soziale Schieflagen, die die Attraktivität der Standorte zusätzlich schwächen. Dies gilt nach wie vor insbesondere in vielen Städten des Ruhrgebiets (vgl. BOGUMILL et al. 2012). Hier eröffnet sich zunehmend ein bislang eher untypisches Arbeitsfeld kommunaler Wirtschaftsförderung: Frühqualifizierungs- und Bildungsprojekte, berufliches Übergangsmanagement, Beschäftigungsförderung, Förderung ethnischer Ökonomie, berufliche Frauenförderung, Welcome-Packages für HighPotentials und Führungskräfte etc. auf der einen Seite und die integrierte Entwicklung attraktiver Wohnund Arbeitsquartiere gerade im innerstädtischen Bereich auf der anderen Seite. Trotz vieler Gemeinsamkeiten der kommunalen Wirtschaftsfördereinrichtungen unterscheiden sich auch 20 Jahre nach der Wiedervereinigung die Rahmenbedingungen der Wirtschaftsförderungen in Ost und West33. Bedeutsam ist in dieser Hinsicht, dass in den neuen Ländern eine ausgewogene, gewachsene wirtschaftliche Mischung – aus dem Zusammenwirken von Unternehmen, Banken, Verwaltung und anderen Institutionen – häufig noch nicht in gleichem Maße wie in den alten Ländern existiert. Auch sind die Zentralen (Headquarters) mittlerer und großer Unternehmen in den neuen Ländern seltener anzutreffen, so dass Entscheidungen über Investitionen, Beschäftigung oder Unternehmensentwicklung oft nicht vor Ort getroffen werden. Gleichzeitig zeigt sich aber gerade im Osten, dass und wie durch politisch unterstützte strategische Standortentscheidungen, massive Förderpolitik, Kostenvorteile und eine intelligente Wissenschafts- und Hochschulstandortpolitik Städte wie Dresden, Jena, Erfurt oder Potsdam in puncto Arbeits- und Lebensqualität viele traditionelle Städte des Westens hinter sich gelassen haben. 33 Hinsichtlich der institutionell-organisatorischen Merkmale der Wirtschaftsförderungen in West und Ost gibt es hingegen einen weitgehend abgeschlossenen Angleichungsprozess, vergleiche ZWICKER-SCHWARM (2013: 29). 347 15.3.2 Herausforderungen, Arbeitsziele und Instrumente kommunaler Wirtschaftsförderung Verstärkter Standort- und Regionenwettbewerb Globalisierung und Internationalisierung sind verbunden mit tiefgreifenden Ver- änderungen in der internationalen Arbeitsteilung. Wesentliche Folgen sind der zunehmende Wettbewerb um Arbeitskräfte sowie eine Neuorientierung der Kapitalmärkte und der Unternehmen hin zu kostensparenden Produktionsstandorten im Ausland. Die Verknappung von Ressourcen sowie die Zerstörung der Umwelt und – damit verbunden – negative Folgen des Klimawandels wirken sich immer stärker auf die Lebensbedingungen der Menschen aus. Während sich Niedriglohnländer mehr und mehr zu billigen Produktionsstandorten und Ressourcenlieferanten verwandeln, gewinnt in anderen Ländern die Wissens- und Bildungsgesellschaft an Bedeutung (siehe oben). Die Globalisierung und Internationalisierung der Wirtschaft hat dementsprechend veränderte Standortanforderungen der Unternehmen zur Folge. So führt die stärkere Zentralisierung, insbesondere bei größeren Unternehmen, zum Verlust der lokalen und persönlichen Beziehungen zu den Entscheidungsträgern der kommunalen Wirtschaftsförderung. Kommunale oder regionale Abstimmungen mit den Eigentümern werden oft erschwert. So sind Unternehmen und deren Immobilien häufig in nationale und internationale Unternehmensgruppen eingegliedert oder die Immobilien stehen im Eigentum von Immobiliengesellschaften oder fonds. Dies bedeutet für die Kommunen, dass Unternehmen häufig ‚anonyme’ Entscheidungen bei Standortwahl und Standortveränderungen treffen, d. h., die Bedeutung gewachsener traditioneller Standortbindungen nimmt tendenziell ab. Gleichzeitig sind bei den international tätigen Unternehmen ein hoher Kostendruck, Liquiditätsengpässe sowie Überkapazitäten festzustellen. Aufgrund des Wettbewerbsdrucks der Unternehmen sind parallel die Anforderungen an das lokale Umfeld bzw. an den Unternehmensstandort gestiegen. Grundsätzlich lässt sich eine Harmonisierung und Angleichung der Wirtschaftsbedingungen in der infrastrukturellen Standortausstattung der Oberzentren feststellen, und auch die von der Clusterforschung immer wieder herausgestellte räumliche Nähe (‚proximity’) als Standortfaktor wird oft in der Praxis relativiert. Persönliche und ortsungebundene Netzwerke spielen häufig eine wichtigere Rolle als die räumliche Nähe zu einzelnen Gliedern der Wertschöpfungskette. Die Standortwahl wird oftmals auf Standards bei den Standortfaktoren reduziert und ermöglicht damit eine hohe Vergleichbarkeit der Standorte (‚Markttransparenz’), die infolge der Recherchierbarkeit im Internet und vieler publizierter Spezial- Städterankings weiter steigt. Daraus ergibt sich, dass die Bedeutung der weichen Standortfaktoren – gerade bei der Akquisition international orientierter Unter- 348 nehmen – stetig zunimmt. De facto sind die weichen Standortfaktoren von einst die harten Faktoren von heute: Arbeits- und Lebensqualität. Auf diese neuen Parameter muss eine Wirtschaftsförderung reagieren. Entsprechend wichtig wird es für die Kommunen, ihren Städten und Wirtschaftsstandorten ein eigenständiges, unvergleichbares Profil (‚Unique Selling Proposition’, Alleinstellungsmerkmal) zu(rückzu)geben. Die ‚Eigenlogik’ und die Identität von (Innen-)Städten als Lebens- und Arbeitsraum (Stichwort Gentrifizierung) bekommen bei der Standortwahl – insbesondere von mobilen HighPotentials und ‚Kreativen’ im Sinne Richard Floridas – eine immer größere Bedeutung. Eine Entwicklung, auf die Stadtplaner, Soziologen und Kulturpolitiker zurzeit mit neuen interessanten Ideen reagieren (vgl. LÖW/TERIZAKIS 2011; KISSELER 2012), und damit letztlich eine Entwicklung, die für die kommunale Wirtschaftsförderung als kommunale Querschnittsfunktion und als Ansprechpartner der Immobilienwirtschaft ebenfalls von erheblicher Bedeutung ist (Stichwort unter anderem: Kreativquartiere). In diesem Zusammenhang bieten sich jenseits der oftmals überhitzten Metropolen durchaus neue und interessante Wettbewerbspositionen für Städte der zweiten und dritten Reihe an (sogenannte ‚Second Tier Cities’, vgl. ESPON/ EUROPEAN INSTITUTE OF URBAN AFFAIRS (2012)). Globalisierung und Internationalisierung haben zu einem spürbar verschärften globalen Wettbewerb der Standorte und Regionen um die wenigen ansiedlungswilligen Unternehmen geführt. Die Entwicklung des gemeinsamen Standortes zur ‚Marke’ über die verschiedenen Instrumente des Standortmarketings wird daher unerlässlich. Da gleichzeitig die Bindung der Bestandsunternehmen an Kommunen – bei zunehmenden Erwartungen der Firmen an den Standort – gesunken ist, zwingt dies die Kommunen zu neuen Strategien der Wirtschaftsförderung und zur regionalen und überregionalen Zusammenarbeit. Eine Regionalisierung der kommunalen Wirtschaftsförderung ist jedoch nicht gleichbedeutend mit einem weitgehenden Verzicht auf eigenständige Maßnahmen der Standortgemeinden. Vielmehr dient eine regionale Ausrichtung der Wirtschaftsförderung dazu, komplementäre Strukturen zu schaffen, die die Wettbewerbsfähigkeit der Region als Ganzes sichern und steigern können. Für Kommunen nahe der Ländergrenze ergeben sich besondere Herausforderungen einer grenzüberschreitenden Betrachtung bzw. entsprechender Handlungskonzepte, die diese räumlichen Gegebenheiten speziell berücksichtigen. Globaler Wandel erfordert neue, auf die jeweiligen Veränderungen abgestimmte Strategien, eine je nach Standort auch internationale Orientierung kommunaler Wirtschaftsförderung sowie eine stärkere fachliche Querschnittsorientierung. Hierzu bedarf es einer eindeutigen, einheitlichen und nachhaltigen Positionsbestimmung des Standortes. Nur so können sowohl die Rahmenbedingungen des Standortes wie auch die Serviceleistungen für die Wirtschaft verbessert werden. Ein vorrangiges Arbeitsziel ist die Erneuerung und Imagestärkung des 349 Standortes. Hierbei gilt es, Strategien zu entwickeln, die konzertierte Aktionen der Verwaltung, wirtschaftsnaher Institutionen und der Wirtschaft initiieren, vorbereiten und unterstützen. Gerade wenn es gelingen soll, Standorte international zu positionieren, wird dies in der Regel nur im regionalen Verbund sowie in Kooperation mit den wirtschaftsfördernden Einrichtungen von Land und Bund möglich sein. Insbesondere in den deutlich an Bedeutung gewinnenden Metropolregionen gilt es zudem, mit diplomatischem Geschick die nicht immer einfache Zusammenarbeit im Spannungsfeld von Kooperation und Konkurrenz auszuloten und zu erlernen. Ein weiteres Arbeitsziel ist es, die Bindung der bereits vorhandenen Unternehmen zur Standortkommune zu festigen. Diverse Studien zeigen, dass Beschäftigungswachstum vor allem im Bestand und in jungen, qualifizierten technologieund wissensorientierten Unternehmen zu erwarten ist, nicht jedoch durch Akquisitionen von außen und auch nicht durch eine Vielzahl unqualifizierter oder aus der Not erwachsener Gründungen. Dabei müssen die am Standort vorhandenen Unternehmenswachstumspotenziale ausgeschöpft werden und entsprechend müssen insbesondere qualifizierte Existenzgründungen und junge Unternehmen am Standort durch eine Reihe von Instrumenten gefördert werden: Es geht um Wachstumsund Innovationsförderung unter Nutzung der spezifischen endogenen Potenziale34. Neben der Pflege und Weiterentwicklung der wirtschaftsnahen Infrastruktur stellt die aktive Beteiligung an der konzeptionellen und strategischen Entwicklung der weichen Standortfaktoren eine zunehmend bedeutsamere Aufgabe der Wirtschaftsförderung dar (vgl. z. B. FRANK/GREIWE 2012). Hierzu zählen beispielsweise koordinierende Maßnahmen in den Bereichen Wohnen, Stadtentwicklung, Kultur und Freizeit, mehr und mehr auch in den Bereichen Bildung und Vereinbarkeit von Beruf und Familie (siehe oben). Das Standortmarketing ist ebenfalls eine verwaltungsübergreifende Querschnittsaufgabe mit einem erheblichen Wirtschaftsförderungsanteil. Entsprechend bedarf es folgender handlungsorientierter Ausrichtungen: • Standortanalyse über die Stärken/Schwächen und Chancen/Risiken; • Entwicklung eines wirtschaftspolitischen Leitbildes/Standortentwicklungsprogramms mit der gebotenen internationalen Ausrichtung (Standortstrategie); • Vernetzung der wirtschaftspolitischen Akteure; • Wissensvermittlung zwischen Unternehmen, Hochschulen, Forschungsinstituten etc.; • internationale Vermarktung der Standorte (gegebenenfalls im Rahmen gezielter regionaler und überregionaler Kooperationen); • Moderation und Koordination mit Immobiliengesellschaften/Unternehmen im Ausland. 34 Siehe hierzu schon grundlegend die verschiedenen Arbeiten von Hans-Jürgen Ewers, vergleiche dazu FRITSCH (2004). 350 Um den Unternehmensbestand zu sichern und zu pflegen, wird die kommunale Wirtschaftsförderung neben der anlassbezogenen Betreuung von Unternehmen stets auch einen Schwerpunkt in der präventiven Firmenbetreuung setzen. Hier ist vor allem ‚Beziehungsmarketing’ von großer Bedeutung. Es gilt, den Kontakt zu Standortunternehmen aktiv zu suchen: die Wirtschaftsförderung als unaufdringlicher Kümmerer und Partner. So kann es gelingen, gemeinsam mit den Unternehmen Entwicklungsperspektiven am Standort zu erörtern, Probleme zu erfahren und Defizite oder Krisen möglichst frühzeitig zu erkennen und Lösungen zu erarbeiten. Eine regelmäßige und persönliche Kontaktpflege zu den Unternehmen vor Ort bietet die Chance, unternehmensadäquate Rahmenbedingungen am Standort zu schaffen. Außerdem trägt ein offenes Zugehen der Kommune auf Unternehmen dazu bei, dass das Vertrauensverhältnis zwischen Kommune und örtlicher Wirtschaft gestärkt und die Transparenz relevanter Sachzusammenhänge erhöht wird, also letztlich das lokale Wirtschafts- bzw. Gewerbeklima (vgl. BLUME 2001) gepflegt wird. Dieses Beziehungsmarketing führt im Idealfall zu einer nachhaltigen und standortengagierten Bindung von Unternehmen an die Kommune. In diesem Zusammenhang gewinnt auch‚Corporate SocialResponsibility’ eine zunehmende Bedeutung auf unterschiedlichen Arbeitsfeldern der Wirtschaftsförderung und Kommunalpolitik, wobei hier das genuine Eigeninteresse und nicht Altruismus der Unternehmen (vgl. PORTER/KRAMER 2008) im Vordergrund steht, das es als zusätzliche Ressource strategisch zu nutzen gilt. Im Bereich Gründungsförderung sind neben den traditionellen Beratungsdienstleistungen und gegebenenfalls Gründungswettbewerben Themen wie Mikrofinanzierung und Venture-Capital mit Institutionen bzw. Kapitalgebern weiterzuentwickeln und mitzugestalten. Die verstärkte Zusammenarbeit der Netzwerkpartner, insbesondere mit den Hochschulen und Technologiezentren, die Bündelung der Angebote und die Entwicklung von internetbasierten Beratungsangeboten, z. B. durch Social-Media-Instrumente für spezielle Zielgruppen, werden ebenfalls erheblich an Bedeutung gewinnen. Technologischer und ökonomischer Strukturwandel Der kontinuierliche Strukturwandel und die Persistenz räumlicher Disparitäten bleiben bestimmende und stabile Kennzeichen der räumlichen wirtschaftlichen Entwicklung (vgl. BADE/NIEBUHR 1999; LIEFNER 2010 u. a.).Durch die zunehmende weltwirtschaftliche Verflechtung von Rohstoff- und Kapitalmärkten und den Klimawandel ergeben sich allerdings nicht nur Risiken, sondern es entsteht gleichzeitig eine Vielzahl von Chancen, wie z. B. der Export und die Entwicklung neuer Produkte (z. B. Umwelttechnologien). So kann die Entwicklung von Produkten im Bereich der erneuerbaren Energien neue ökonomische Chancen für 351 Wirtschaftsstandorte schaffen. Ein weiteres Beispiel ist der technische infrastrukturelle Wandel in der Automobilindustrie in Richtung emissionsarmer Automobile, der eine entscheidende Zukunftsaufgabe der deutschen Industrie darstellt. Sowohl für den intra- als auch für den interstrukturellen Wandel sind Vernetzung, Qualifikationen und Know-how-Transfer von großer Bedeutung. In der Regel ist der Wandel vom produzierenden Gewerbe hin zum Dienstleistungssektor weit vorangeschritten, in einigen Regionen sogar zu weit. Das produzierende Gewerbe bleibt jedoch trotz des stetig abnehmenden Anteils am Sozialprodukt wichtig; für die hochwertigen produktionsnahen Dienstleistungen ist das produzierende Gewerbe ein wichtiger Auftraggeber. Hinzu kommt, wie PRIDDAT (2012) betont, dass die traditionelle Identifikation von ‚Industrie’ und ‚Produzierendem Sektor’ heute durch die komplexen wissens- und dienstleistungsbasierten Verflechtungen in der Wertschöpfungskette weitgehend hinfällig geworden ist, mit der Folge, dass in traditioneller volkswirtschaftlicher Sichtweise der ‚Industriesektor’ tendenziell unterschätzt wird, oder anders ausgedrückt: Dass wir heute von einem allgemeinen Bedeutungsverlust der Industrie ausgehen, ist auch der Tatsache geschuldet, dass wir mit alten Brillen auf neuartige Wertschöpfungszusammenhänge blicken. Relevante Merkmale des so skizzierten Strukturwandels für die Wirtschaftsförderung sind: • neuartige Entwicklungs- und Wertschöpfungsprozesse, insbesondere im Hinblick auf die Verknüpfung neuer Schlüssel- und Querschnittstechnologien (‚Cross-Clustering’); • Wissen und Wissensmanagement als zentrale Güter bzw. Fähigkeiten moderner Volkswirtschaften; • die Entwicklung innovativer Dienstleistungsmärkte, insbesondere an den ökonomischen Schnittstellen neuer Schlüssel- und Querschnittstechnologien; • Umnutzungsdruck auf Flächen, insbesondere bei Abwanderung großer standortprägender Unternehmen, wie z. B. Opel und Nokia in Bochum oder ThyssenKrupp in Dortmund. Innovationsförderung Zwischen der Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen und der von Kommunen und Regionen besteht ein unmittelbarer Zusammenhang (PORTER 2003; KETELS 2011). Betriebe können nur dann wettbewerbsfähig sein, wenn sie die für sie wichtigen Produktionsfaktoren und institutionellen Rahmenbedingungen vor Ort finden. Umgekehrt ‚lebt’ eine Stadt oder Region von den Kompetenzen der ansässigen Unternehmen. D. h., die „regional value proposition“ (KETELS 2011) sowie die Entwicklungsmöglichkeiten der Kommunen und Regionen sind abhängig 352 vom qualitativen und quantitativen Niveau der ansässigen Produktions- und Dienstleistungsbetriebe. Nicht umsonst sind in Agglomerationsräumen Produktinnovationen vorrangig. Hingegen sind in ländlichen Gebieten eher die Prozessinnovationen von übergeordneter Bedeutung. Für alle Gebiete gilt jedoch gleichermaßen, dass die endogene Innovationskraft eine wesentliche Grundlage der Wettbewerbsfähigkeit darstellt. Diese wiederum ist Voraussetzung für wirtschaftliches Wachstum. Die kommunale Wirtschaftsförderung sollte in der Lage sein, die Interaktion zwischen Unternehmen und öffentlichen Einrichtungen, Hochschulen und Forschungseinrichtungen sowie der Politik zu fördern und sicherzustellen. Sie sollte auf der einzelbetrieblichen Ebene Unternehmen dabei unterstützen, innovationsfördernde Maßnahmen zu identifizieren, zu implementieren und gegebenenfalls fördertechnisch zu begleiten. Auf der kommunalen Ebene muss sie dafür Sorge tragen, dass die Anforderungen der Unternehmen erkannt und in kommunale sowie regionale Entwicklungsprozesse umgesetzt bzw. begleitet werden. Um diese Ziele zu erreichen, ist es erforderlich, Maßnahmen wie die der Netzwerk- und ‚Cluster’-Entwicklung lokal umzusetzen. Allen voran sind solche Aktivitäten erforderlich, die dazu beitragen, neuartige und leistungsfähige regionale Institutionen, Akteursnetzwerke und Infrastrukturen im Bereich des Innovationstransfers aufzubauen, z. B. regionale Innovationsagenturen, Kompetenzzentren, Gründungsinkubatoren. Aber auch Aktivitäten des informellen und formellen Informationsund Wissensaustausches – so z. B. zwischen Wirtschaft und Hochschulen oder weiterbildenden Schulen – sowie die Vernetzung von Branchen sind hierbei von Bedeutung. Zusätzlich können arbeitsmarkt- und ausbildungspolitische Maßnahmen unterstützt werden. Kommunale Masterpläne können den strukturbildenden Rahmen zur Koordination der unterschiedlichen Maßnahmen und Handlungsfelder darstellen (z. B. der „Masterplan Energiewende“ der Stadt Dortmund). Im Rahmen dieser komplexen gesellschaftlichen Fragestellungen kommt den sogenannten ‚sozialen Innovationen’ eine wachsende Bedeutung zu, deren Potenzial und ‚Innovationsgehalt’ für die kommunale Wirtschaftsförderung bislang noch nicht erkannt und diskutiert sind.35 Neben diesen Aktivitäten, die auf der einzelbetrieblichen Ebene wirken, soll die Wirtschaftsförderung die Kompetenzfelder und Netzwerke nach außen vermarkten und die Stärken des Wirtschaftsstandorts gezielt für Werbe- und Marketingzwecke sowie für die systematische Akquisition von ansiedlungswilligen 35 „Social innovations are innovations that are social in both their ends and their means. Specifically, we define social innovations as new ideas (products, services and models) that simultaneously meet social needs (more effectively than alternatives) and create new social relationships or collaborations. They are innovations that are not only good for society but also enhance society’s capacity to act“ (BEPA 2011: 9). Aus Platzgründen kann auf diesen Zusammenhang hier nicht weiter eingegangen werden. Instruktiv hierzu: FRANZ/HOCHGERNER/HOWALDT (2012). 353 Unternehmen, Existenzgründern, Institutionen und Branchen nutzen. Wirtschaftsförderer stehen in einem harten und volkswirtschaftlich grundsätzlich sinnvollen Standortwettbewerb um die wenigen mobilen Unternehmen, wobei es in der Praxis weniger ein Wettbewerb um genuine Neuansiedlungen ist, sondern eher ein Wettbewerb um das Halten von jungen, oftmals technologieaffinen Unternehmen. Auch bedingt durch die unterschiedlichen Clusterpolitiken der Bundesländer und die damit verbundenen Förderstrategien (vgl. KIESE 2012) ist auf einzelnen Feldern mitunter ein ruinöser Standortwettbewerb um junge, vielversprechende Start-ups, z. B. im Bereich der Mikro- und Nanotechnologie, zu beobachten. Wachstumsbranchen Aufgrund der jeweiligen Wirtschaftsgeschichte und der unterschiedlichen Standortpotenziale ergeben sich regional unterschiedliche Wachstumsbranchen oder Wachstumspole, die sich zu regionalen Clustern oder ‚Kompetenzfeldern’ entwickeln können (PORTER 2003)36, die wiederum zum Gegenstand und Ziel wirtschaftsfördernder Maßnahmen werden können. Gesamtwirtschaftlich betrachtet kommt z. B. dem „Prognos Zukunftsatlas Branchen 2009“zufolge (PROGNOS AG 2009) sieben Wirtschaftsbereichen mit langfristigen Wachstumspotenzialen eine besondere Bedeutung zu37: • der Gesundheitswirtschaft, • der Informations- und Kommunikationstechnologie, • dem Fahrzeugbau, • der Logistik, • den Unternehmens- und Forschungsdienstleistungen, • dem Maschinenbau, • der Mess-, Steuer- und Regeltechnik. Besonders positiv bewertet der Zukunftsatlas Regionen, die im Sinne einer Diversifikationsstrategie auf unterschiedliche Standbeine setzen und so ein möglichst großes Spektrum abdecken –auch weil dies die regionale Krisenanfälligkeit senkt und die Widerstandsfähigkeit (Resilienz) stärkt. Ebenso ist die Nähe zu Hochschulen und Forschungsinstituten, die den nötigen Wissenstransfer erst ermöglicht, oftmals – wenn auch nicht immer – von großer Bedeutung. Der anhaltende und ubiquitäre 36 Zum gegenwärtigen Stand der durchaus kontroversen Debatte um die Effektivität und Effizienz von Clusterpolitik als Wirtschaftsförderungsinstrument sei an dieser Stelle zusammenfassend auf KIESE (2012), KOSCHATZKY/STAHLECKER (2012), ALECKE/ UNTIEDT (2007) sowie auf KETELS (2011) verwiesen. 37 Eine ähnliche Analyse (Leitmärkte und regionale Zukunftsfelder) für das Ruhrgebiet stellt der „Wirtschaftsbericht Ruhr 2012“ der Wirtschaftsförderung metropoleruhr GmbH dar. 354 Strukturwandel ist seitens der kommunalen Wirtschaftsförderung grundsätzlich zu unterstützen, getreu dem Motto: „Wer nichts verändert, wird auch das verlieren, was er bewahren möchte“ (Gustav Heinemann). Im Hinblick auf die neuen Branchen müssen Cluster- oder Kompetenzfeldstrategien entwickelt und der Aufbau von Kompetenznetzwerken weiter vorangetrieben werden (Bildung sogenannter‚Centers of Excellence’). Zur Umsetzung der Cluster- und Kompetenzfeldstrategien zur Förderung der Wachstumsbranchen ist es für die kommunale Wirtschaftsförderung in der Regel unumgänglich, sich an regionalen Clusterinitiativen und -netzwerken und damit am Aufbau ‚strategischer Allianzen’ zu beteiligen, schon allein zu dem Zweck strategisch eine neue regionale Förderkulisse aufzubauen, wie z. B. im Rahmen der kommenden EFRE/Ziel2-Förderphase 2014-2020. Dies beinhaltet, Kooperationen mit Hochschul-, Forschungs- und Technologietransfereinrichtungen einzugehen oder neue Innovationstransferinstitutionen aufzubauen. Außerdem müssen – durch gezielte Maßnahmen in den Wachstumsbranchen – Unternehmensgründungen bzw. Startups gefördert werden. Ebenso bedarf es der Vernetzung von Aktivitäten auf Landesund Bundesebene. Nachhaltiges Wirtschaften/Ressourcen- und Energieeffizienz Preissteigerungen für Rohstoffe und Energie zwingen Kommunen wie Wirtschaftsunternehmen bei angespannter Haushaltslage zur kritischen Würdigung ihrer Aktivitäten. Parallel dazu erwachsen aus neuen rechtlichen Vorgaben in den Bereichen der Umwelt- und Energiepolitik neue, teilweise zusätzliche Aufgaben und Herausforderungen für Unternehmen (z. B. Energieunternehmen wie RWE), aber auch für Kommunen (z. B. die Verfügbarkeit und planerische Sicherung neuer Wirtschaftsflächen). Gerade vor dem Hintergrund der kommunalen, nationalen und internationalen Bestrebungen zum Klimaschutz, der zunehmenden Rohstoffknappheit und der damit verbundenen steigenden Ressourcen- und Energiepreise gilt es, den Erhalt der Wettbewerbsfähigkeit insbesondere produzierender und energieintensiver Unternehmen unter anderem durch Effizienzsteigerungen zu erhalten. Ein zukunftsfähiges Geschäftsfeld kann sich eröffnen, indem verfügbares Know-how zur Ressourcen- und Energieeffizienz regional oder kommunal angewendet und gebündelt oder in Form von impulsgebenden Modellvorhaben erprobt wird (z. B. Elektromobiliät, ‚City Logistics’ u. a.). Von besonderer Bedeutung sind diese Bereiche für geschäftliche Aktivitäten auch auf dem internationalen Markt. Grundsätzlich ist damit das Querschnittsthema Ressourceneffizienz ein Paradebeispiel für ein neues Aufgabengebiet der kommunalen Wirtschaftsförderung; Stichworte sind hier ‚Cross-Clustering’und ‚Smart Specialisation’. 355 Nachhaltiges Wirtschaften, ‚Corporate SocialResponsibility’ und ‚soziale Innovationen’ (siehe oben) als Querschnittsaufgaben haben zur Folge, dass letztlich alle Aktivitäten der Wirtschaftsförderung im Hinblick auf ihre möglichen ökologischen und sozialen Folgen überdacht werden müssen. Sämtliche Maßnahmen zur Verbesserung der Ressourcen- und Energieeffizienz erzeugen unter anderem betriebswirtschaftliche Effekte, die wertvolle Beiträge zum Erhalt bzw. zur Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen leisten und so Betriebe und Arbeitsplätze nachhaltig sichern. Entsprechend vielfältig sind die Maßnahmen; sie reichen von der Beratung und Unterstützung der Unternehmen – insbesondere kleiner und mittlerer Unternehmen und des Handwerks – bis zur Durchführung von Modellprojekten, um ökologisch orientierte Produktionsweisen zu fördern. Des Weiteren eröffnet die Zusammenführung der Akteure und ihres Know-hows entlang der Wertschöpfungsketten im Sinne branchenorientierter Wirtschaftsförderung Chancen, um das innovative Geschäftsfeld Ressourcen- und Energieeffizienz zu erschließen. Dabei sollten die Kompetenzen kommunaler Unternehmen –unter anderem in der Wasserversorgung und -entsorgung, der Abfallentsorgung, der Mobilität und der Energieeffizienz – einbezogen werden. Schließlich kann die Einrichtung von kommunalen Schlichtungsstellen im Zuge der zunehmenden lokalen Konflikte (Stichwort ‚Wutbürger’) um industrielle Großvorhaben, Umweltskandale, Neuansiedlungen und erweiterte Flächeninanspruchnahmen als Beitrag zur Nachhaltigkeit in der kommunalen Wirtschaftsentwicklung und -förderung gewertet werden. Standortentwicklung Globalisierung, Standortentwicklung sowie technologischer und ökonomischer Strukturwandel verändern das Gesicht von Gewerbestandorten und Innenstädten. Hierauf wurde oben bereits hingewiesen. Der Strukturwandel führt auf kommunaler Ebene zu einem hohen Umnutzungsdruck auf Flächen. Dieser ist jedoch regional unterschiedlich stark ausgeprägt. Während teilweise erhebliche Flächenpotenziale außerhalb der Zentren auf der grünen Wiese vorhanden sind, die häufig allerdings nicht marktfähig sind, leiden viele attraktive zentrale Standorte unter einem akuten Gewerbeflächenmangel. Darüber hinaus erfordern insbesondere die ‚Altlastenproblematik’ bei Brachflächen sowie die ungenutzten und untergenutzten Grundstücke von Militär, Bahn, Post und Industrie ein ausdauerndes Flächenmanagement von den Verantwortlichen. Neue Arbeits- und Kooperationsformen und eine höhere Umweltverträglichkeit von Wirtschaftsunternehmen erlauben an einigen Standorten eine stärkere Durchmischung von Nutzungen. Dem hohen Umnutzungsdruck im Bestand steht aufgrund der besonders in den Ballungsräumen vorzufindenden Flächenknappheit 356 gleichzeitig eine restriktive Handhabung bei der Ausweisung von neuen Standorten gegenüber. In diesem Spannungsfeld gilt es, ein ausreichendes, flexibles (d. h. verfügbares und baureifes) sowie differenziertes und nutzerorientiertes Immobilienangebot zu entwickeln und zur Verfügung zu halten. Zusätzlich differenziert sich der Gewerbeimmobilienmarkt analog zu betrieblichen Standortanforderungen immer mehr aus. Damit kommt der Profilierung von Gebieten (Neuausweisungen wie Bestandsentwicklung) eine größere Rolle zu. Die Schaffung und Vorhaltung eines auch qualitativ bedarfsgerechten Angebots an Gewerbeflächen und –immobilien als Arbeitsziel ist und bleibt eine zentrale Aufgabe kommunaler Wirtschaftsförderung. Die Konversion von Altstandorten setzt einen hohen Aufwand beim Projektmanagement voraus. Aktivitäten von der Projektentwicklung über den Ankauf der Fläche bis hin zur Revitalisierung und Vermarktung sind erforderlich. Um die Anfragen der Wirtschaft im Gewerbeflächen- und Immobilienbereich befriedigen zu können, ist die Einrichtung einer professionellen, kundenorientierten Gewerbeflächen- und Immobilienvermarktung unumgänglich. Darüber hinaus können Kooperationsmodelle mit privaten Partnern helfen. Entscheidend sind allerdings oft nicht so sehr die Steuerungskompetenzen, sondern schlicht die Fragen der Vorfinanzierung. Sicherung der Innenstädte und Stadtteilzentren Der anhaltende Trend zu Großbetriebsformen sowie die sich immer deutlicher abzeichnenden Verschiebungen zugunsten des Internets im Einzelhandel führen zur Auflösung traditioneller Versorgungsstandorte. Dies geschieht sowohl in den Innenstädten als auch in den Stadtteilen und führt damit zu Nahversorgungsengpässen im Bereich des täglichen Bedarfs. Gleichzeitig wird die Aufenthaltsqualität von Stadt(teil)zentren zunehmend gefährdet. Zur Stärkung der Innenstädte wie der Stadtteilzentren ist es notwendig, die Einkaufszentralität zu erhöhen und die stadtteilnahe Versorgung zu sichern. Die Citylagen sowie Stadtbezirke sind als Arbeits-, Lebens- und Wohnraum wiederzuentdecken. Gerade die sogenannte ‚Kreativwirtschaft’, aber auch ein gezieltes Stadtteilmanagement kann einen nachhaltigen Beitrag zur Belebung von (Neben-)Zentren und der Einzelhandelslandschaft leisten, vor allem wenn diese Entwicklungen Bottom-up erfolgen. Kommunale Masterpläne (wie z. B. der ‚Masterplan Kreatives Dortmund’) können solche Prozesse strukturbildend begleiten. Zur Stärkung der Innenstädte wurden bereits von einigen Städten sogenannte Märkte- und Zentrenkonzepte aufgelegt. Sie sind eine Möglichkeit, gerade im Einzelhandel die Ansiedlungspolitik zu steuern. Ein attraktives Einzelhandelsangebot in den Citylagen und Stadtbezirken muss aufrechterhalten werden. Das Citymarketing/ Stadtteilmanagement ist im Wesentlichen eine Aufgabe der Wirtschaftsförderung in 357 Kooperation mit dem ansässigen Einzelhandel und den entsprechenden Verbänden und Vereinen. Mehr und mehr Stadtteile haben Versorgungsengpässe, insbesondere für immobile Mitbürger. Mit einer stadtteilorientierten Wirtschaftsförderung mit Beratungs- und Unterstützungsangeboten für klein- und mittelständische Einzelhandelsbetriebe sowie für Betriebe des Versorgungshandwerks können hier stabilisierende Maßnahmen ergriffen werden (Bestandteil des ‚Quartiersmanagements’). Grundsätzlich sind diese Funktionen und Arbeitsfelder allerdings nicht neu, entscheidend für den Erfolg und die Nachhaltigkeit in der Praxis ist der politische Durchhaltewillen und ein klares räumlich-funktionales Leitbild. Fachkräfte, demografischer Wandel und gespaltener Arbeitsmarkt Einerseits ist mit der Globalisierung die Abwanderung eines Teils der Arbeitsplätze in sogenannte ‚Billiglohnländer’ verbunden. Andererseits gibt es aufgrund des stattfindenden technologischen und demografischen Wandels (Rückgang der Zahl der Schulabgänger, geburtenstarke Jahrgänge erreichen Rentenalter, Alterspyramide) einen erhöhten Bedarf an qualifizierten Arbeitskräften. Der heutige Arbeitsmarkt ist durch Personalengpässe im höher qualifizierten Bereich sowie durch Probleme bei der Vermittlung von Arbeitslosen gekennzeichnet (gespaltener Arbeitsmarkt). Entsprechend sind Arbeitskräfte mit spezifischen und in der Regel hohen Qualifikationen zeitlich und räumlich unterschiedlich stark ausgeprägt nicht verfügbar. Daran, dass es einen solchen differenziert zu betrachtenden Fachkräftemangel gibt, kann dem heutigen Stand der Forschung zufolge eigentlich kein Zweifel mehr bestehen (vgl. BOSCH 2012). Gleichzeitig kommt es zu Problemen bei der adäquaten Entlohnung. Aktuelle Beispiele sind die branchenspezifischen Engpässe im Hochlohnbereich für qualifizierte Fachkräfte oder die saisonalen Engpässe im Niedriglohnbereich für einfache Tätigkeiten. Die demografische Entwicklung wird dazu beitragen, dass es für die Unternehmen immer schwieriger werden wird, geeignetes Personal zu finden. Gleichzeitig nehmen die regionalen Einkommensdisparitäten und Lohndifferenziale zu (vgl. RAGNITZ 2012). Zur Vermeidung von Arbeitslosigkeit und gleichzeitig zur Verbesserung der am Humankapital orientierten Standortbedingungen ist die Integration zielgruppenspezifischer und am Strukturwandel orientierter Wirtschaftsund Beschäftigungsförderung voranzutreiben. Erklärtes Ziel der Wirtschaftsförderung ist dabei die Sicherung und Schaffung von Arbeitsplätzen auf dem ersten Arbeitsmarkt. In diesem Zusammenhang ist die Informationsbasis– zu verbessern; – gegebenenfalls durch ein regelmäßiges Fachkräftemonitoring, das dazu beitragen kann, möglichst branchenorientiert einen differenzierten und zeitnahen Überblick über die Angebots- und Nachfrageverhältnisse am Arbeitsmarkt aufzuzeigen. 358 Hierzu bedarf es einer intensiven Zusammenarbeit der Wirtschaftsförderung und der Jobcenter sowie der lokalen/regionalen Arbeitsagenturen. Die Standortqualität zu sichern und auszubauen sowie Frauen, Migranten und ‚bildungsferne’ Schichten in die Arbeitswelt zu integrieren, stellt für die Zukunft eine besondere Herausforderung und wichtige Aufgabe der Kommunen (Wirtschaftsförderung, Jugend, Soziales, Schule) dar. Tatsächlich bietet der Arbeitsmarkt Potenziale, die längst nicht vollständig ausgeschöpft worden sind. Insbesondere Frauen sowie ältere Arbeitnehmer verfügen über wertvolle Erfahrungen und Kompetenzen, die vom Arbeitsmarkt noch nicht hinreichend erkannt oder genutzt werden. Vor diesem Hintergrund sollten Themen wie die ‚Vereinbarkeit von Familie und Beruf’, die ‚Förderung von Frauen beim Wiedereinstieg in den Beruf’ sowie die ‚Einbindung von älteren Arbeitnehmern in den Arbeitsmarkt’ mehr in den Fokus rücken (siehe oben). Besonderes Augenmerk ist dabei auf den Übergangsbereich von Schule und Beruf sowie den Ausbildungs- und Weiterbildungsbereich zu richten, um Angebot und Nachfrage nicht nur rechnerisch, sondern auch im Hinblick auf die erforderliche Qualifikation auszugleichen. Ein weiterer Ansatz besteht in der Förderung ethnischer Ökonomien. So sollten bestehende Unternehmen unterstützt und die Gründung von Unternehmen insbesondere von Migranten der zweiten und dritten Generation gefördert werden. Besonderes Augenmerk sollte auf die Einbeziehung von Migrantenunternehmen in bestehende Netzwerke gelegt werden. Daneben gilt es, Strategien zur Qualifizierung von Menschen mit Migrationshintergrund zu entwickeln bzw. die Anerkennung ausländischer Ausbildungs- und Berufsabschlüsse bundesweit zu vereinheitlichen und schließlich zu verhindern, dass sich sozioökonomische Probleme in benachteiligten Stadtteilen durch selbstverstärkende Mechanismen und soziale Vererbung verfestigen oder gar ausweiten. Darüber hinaus kommt es darauf an, Arbeitskräfte für den Standort Deutschland zu gewinnen. Entsprechend müssen Kommunikationskonzepte dazu beitragen, auf dem nationalen und internationalen Arbeitsmarkt von der Attraktivität deutscher Wirtschaftsstandorte zu überzeugen. Die firmenbezogene Beschäftigungsförderung für den ersten Arbeitsmarkt setzt im Wesentlichen auf die gezielte Entwicklung von Qualifizierungsmaßnahmen für Einzelbetriebe bei entsprechendem Arbeitskräftebedarf und die Sicherung der Qualifizierungs- und Dienstleistungsstruktur. Aber auch Kooperationsformen zwischen Beschäftigungsgesellschaften und Unternehmen bzw. Unternehmensgruppen, etwa von Handwerksbetrieben, gewinnen zunehmend an Bedeutung. Um Arbeitslosigkeit zu vermeiden gilt es, geeignete Maßnahmen des Krisenmanagements – unter aktiver Nutzung des einschlägigen SGB II-Instrumentariums – zu entwickeln. Hierbei ist es gegebenenfalls die Aufgabe des Wirtschaftsförderers, bei Unternehmensgefährdungen und -insolvenz interessengerichtet zu moderieren, zu koordinieren und zu vermitteln. Neue und angepasste Modelle der Arbeitsvermittlung sind zu entwickeln. Zu überlegen ist außerdem ein 359 kommunales Entwicklungskonzept für Fachkräfte, das Fach- und Führungskräfte an den Standort bindet und Maßnahmen zur Qualifizierung einschließt. 15.4 Fazit und Ausblick Die Organisationsformen, Aufgabenspektren und Ressourcen der kommunalen Wirtschaftsförderung sind in Deutschland höchst unterschiedlich verteilt. Meist spiegeln sie die Größenstrukturen des Standortes und die Anzahl der Akteure zum Thema Wirtschaftsförderung wider. Oftmals sind sie das Produkt von standortspezifischen und historischen wirtschafts- und strukturpolitischen Traditionen und Prozessen. Produktive Gemeinsamkeiten und Synergien ergeben sich, wenn die wirtschaftsfördernden Einrichtungen und Institutionen vor Ort und in der Region vernetzt werden. Gleichzeitig reduziert jedoch die Krise der öffentlichen Haushalte und der Kommunen im Besonderen die Chance auf öffentliche Förderung (Eigenanteilsproblematik). Darunter leiden auch die Handlungsmöglichkeiten der kommunalen Wirtschaftsförderung. Die Wirtschaftsförderung wird vor neue strategische Herausforderungen gestellt. So gilt es zunehmend, einem auf die gesamte Kommune bezogenen Querschnittsansatz gerecht zu werden und gleichzeitig langfristige kommunale Wirtschaftsförderungsstrategien bei einem nur bedingt steuerbaren horizontalen und vertikalen Aufgabenzuwachs (‚Allzuständigkeit’) zu verfolgen. Viele Städterankings und Experteneinschätzungen der letzten Jahre zeigen, dass die wirtschaftliche Prosperität von Städten oder Regionen kein naturgegebenes Schicksal sein muss, sondern dass der Erfolg eines Wirtschaftsstandortes durch strategisches Management grundsätzlich zu beeinflussen ist (vgl. MAGER/RÖLLINGHOFF 2009b). Dies erfordert allerdings immer einen langen Atem und damit eine verbindliche Ressourcenausstattung und politische Unterstützung jenseits von politischen Konjunkturzyklen. Insbesondere die Aufgaben und Funktionen im Rahmen der Clusterförderung und der Fachkräftethematik – und seien sie nur koordinierender Natur – verdeutlichen die gestiegenen Anforderungen an fachliche und methodische Expertise sowie Managementkompetenzen innerhalb der kommunalen Wirtschaftsförderung (vgl. RÖLLINGHOFF 2008). Eine einheitliche Organisationsform und damit ‚Wirtschaftsförderung von der Stange’ wird es auch in Zukunft nicht geben. Es dominiert der aus der Organisationstheorie bekannte ‚situative Ansatz’: In jeder Stadt, in jeder Region ergeben sich andere, für eine bestimmte Zeit optimale bzw. lebensfähige Strukturen und Verfassungen. De facto sind es aber wohl vor allem die mikropolitischen Verhältnisse und Traditionen vor Ort, die das Spektrum denkbarer Organisationsund Rechtsformen bestimmen. Unterschiedliche Strukturen an verschiedenen Standorten haben damit durchaus ihre politische oder fachliche Rechtfertigung. 360 Jeder Standort sollte jedoch seine Struktur an den neuen Aufgaben, an erhöhten Erwartungen und am verschärften Wettbewerb überprüfen. Diese Überprüfung sollte die neuen Ansätze der ergebnisorientierten Projektsteuerung und die regionale Orientierung berücksichtigen. Auch angesichts der angespannten finanziellen Situation zahlreicher kommunaler Haushalte und der Mitteleinsparungen wird es für die kommunale Wirtschaftsförderung zunehmend schwieriger, ihr Aufgabenportfolio, das in den vergangenen Jahren umfangreicher geworden ist, adäquat auszuüben. Budgetkürzungen und Personaleinsparungen stehen den gestiegenen Ansprüchen und Anforderungen an die kommunale Wirtschaftsförderung diametral gegenüber. Die aus der Finanz- und Wirtschaftskrise resultierenden Belastungen führen dazu, dass die finanziellen Spielräume auf die nächsten Jahre hin beschränkt bleiben werden. Nichtsdestotrotz müssen die Standorte gerade jetzt in ihre Zukunft investieren. Daher sollten verstärkt Spielräume für interkommunale Zusammenarbeit in der Wirtschaftsförderung ausgelotet, Synergien durch eine Zusammenarbeit auf ‚Augenhöhe’ (d. h. interkommunale Definition von gemeinsamen Themen wie Fördermittelberatung, Messeauftritte etc.) geschaffen und eine entsprechende Arbeitsteilung und/oder Finanzierung vorgesehen werden. Mit dem vorliegenden Beitrag wurde der Versuch unternommen, eine aktuelle Bestands- und Zustandsbeschreibung der kommunalen Wirtschaftsförderung in Beziehung zu setzen zu aktuellen fachwissenschaftlichen Fragestellungen und Erkenntnissen. Im Fazit kann festgehalten werden, dass die wissenschaftliche Debatte stärker von einer an der komplexen und vielschichtigen Handlungsrealität kommunaler Wirtschaftsförderung orientierten Sichtweise ergänzt und geerdet werden könnte und sollte, ganz im Sinne der aus den Sozialwissenschaften bekannten Grounded Theory von Glaser und Strauss, d. h. einer Theorieentwicklung, bei der Empirie und Theorie in einem kontinuierlichen und wechselseitigen Rückkoppelungsprozess entwickelt werden. Denn letztlich gibt es zwar viele unverbundene und disparate Bausteine und Erkenntnisse aus unterschiedlichen Disziplinen bzw. Teildisziplinen38, aber bis heute liegt keine in sich geschlossene ‚Theorie’ der kommunalen Wirtschaftsförderung vor, weder deduktiv noch induktiv. Insbesondere gibt es bis heute keine vertieften und methodisch anspruchsvollen Untersuchungen zur Schlüsselfrage nach der Wirksamkeit kommunaler Wirtschaftsförderung: „Does (and how does) local policy matters?“. Davon unabhängig wissen wir jedoch schon heute mit einer gewissen Verbindlichkeit, dass kommunale Wirtschaftsförderung grundsätzlich nützlich ist (bzw. sein kann) und unter bestimmten Bedingungen spezifische strukturbildende 38 Man denke neben den angesprochenen Ansätzen z. B. an die „(New) Urban Economics“, die v.a. auf Agglomerationseffekte und historisch bedingte Pfadabhängigkeiten abstellt, vgl. z. B. GLAESER 2000 und BETTENCOURT ET AL. 2010. 361 Wirkungen entfalten kann. Auf der anderen Seite sprechen aber die grundsätzliche Stabilität des räumlichen Strukturwandels, die Persistenz räumlicher Disparitäten bzw. die Trägheit regionalökonomischer Entwicklungspfade (SCHMIDT 2010) sowie die Begrenztheit eigenständiger wirtschaftspolitischer Instrumente eher für ‚Ohnmacht’ in der kommunalen Wirtschaftsförderung, zumindest kurzfristig. Die Erwartungen an die Wirtschaftsförderung vor Ort sind hingegen vielfältig und tendenziell nochmals gewachsen. Dies gilt insbesondere in Städten und Regionen, die sich regionalökonomisch in einer fortgesetzten Ungunstlage befinden. Die Frage nach kommunaler Wirtschaftsförderung stellt sich in Gelsenkirchen, Rostock oder Chemnitz anders als in München, Stuttgart oder Düsseldorf. Angesichts der Zunahme an komplexen urbanen Querschnittsthemen gerät die Wirtschaftsförderung gerade in großen Städten und als Teil der Kommunalverwaltung zunehmend in die Rolle eines ‚Allzuständigen’, des Kümmerers und Vernetzers, wobei dies nicht immer die Federführung bedeuten muss – aber es werden stets erhebliche ‚brückenbauende’ Beiträge erwartet, ohne dass sich die Budgets und traditionellen Aufgaben der kommunalen Wirtschaftsförderer nennenswert verändert hätten. Dies führt oftmals dazu, dass kommunale Wirtschaftsförderer überall ‚mitmischen’ und mitunter wie in einem Hamsterrad rotieren, statt sich mit kühlem strategischem Blick auf (wirtschaftspolitische) Diagnose und (ressourcenorientierte) Therapie zu konzentrieren. Auf wesentliche neue Arbeitsfelder und Querschnittsthemen wurde im vorliegenden Beitrag hingewiesen. Hieraus ergeben sich wiederum neue Gestaltungsmöglichkeiten, denn Macht, Einfluss und praktische Legitimität von kommunaler Wirtschaftsförderung als letztlich freiwilliger Aufgabe der Kommunen ergeben sich weniger aus einem formalenöffentlich-rechtlichen Auftrag als aus der „funktionalen Autorität“ (Heinz Hartmann) für kommunales Querschnittsmanagement. Weitergehende methodische und inhaltliche Innovationen, nicht nur für die kommunale Wirtschaftsförderung, sondern für das System Kommunalpolitik in Gänze, werden darum vor allem im Feld der ‚sozialen Innovationen’ erwartet. Hier besteht allerdings noch erheblicher Bedarf an wechselseitiger Information und Diskussion zwischen Wissenschaft und Praxis. 15.5 Literatur Alecke, B./Mitze, T./Untiedt, G. (2010): Regionale Wachstumseffekte der GRW-Förderung? Eine räumlich-ökonometrische Analyse auf Basis deutscher Arbeitsmarktregionen, GEFRA Working Paper Nr. 5, Münster: Gesellschaft für Finanz- und Regionalanalysen. Alecke, B./Untiedt, G. (2007): Clusterförderung und Wirtschaftspolitik – ‚Heilsbringer’ oder ‚Wolf im Schafspelz’?, in: List Forum für Wirtschafts- und Finanzpolitik, 33 (2), S. 89-105. 362 Almus, M./Prantl, S. (2002): Die Auswirkungen öffentlicher Gründungsförderung auf das Überleben und Wachstum junger Unternehmen, in: Jahrbücher für Nationalökonomie und Statistik, 222, S. 161-185. Arbeitsgemeinschaft kommunale Wirtschaftsförderung in Nordrhein-Westfalen(AGKW NRW) (2010): Duisburger Erklärung: Kommunale Wirtschaftsförderung im Jahr 2010. Bade, F.-J. 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Zusammenfassung

Der Band beschäftigt sich mit den Leistungen und Schwächen von Clusterpolitik und der Zukunft der Wirtschaftsförderung. Heute wissen wir, dass Clusterpolitik als Instrument moderner Wirtschaftsförderung sich immer nur dann bewährt, wenn die in der komplexen Theorie angelegten verschiedenen Koordinationsmodi auch in der Realität greifen können. Dazu muss das Umfeld in die Förderung integriert werden, weil nur so der Aufbau regionaler Innovationssysteme gelingt. Dabei gerät vor allem die Beschäftigung in wissensintensiven, zukunftsfähigen Wachstumssektoren in das Visier der Wirtschaftsförderung. Der Standortvergleich herausragender Wirtschaftsregionen hebt durchgängig die Existenz solcher Kooperationsstrukturen und Wissenskollaborationen hervor.

Daher wird in diesem Band neben wissenschaftlichen auch praxisrelevanten Fragen nachgegangen:

Welche Arten von Clusterpolitik haben sich herausgebildet, und was wissen wir über ihren Einfluss auf regionale Wirtschaftsentwicklung?

Welche Erkenntnisgewinne hat die Clusterforschung der letzten Jahre für die wirtschaftspolitische Praxis geliefert? Was sind Good Practice Beispiele?

Ist die „Clusterei“ immer noch ein wirtschaftspolitischer Königsweg oder mittlerweile eher ein Sorgenkind?

Was ergibt sich für ein zukunftsorientiertes Modell zur Zukunft der Wirtschaftsförderung angesichts neuer Herausforderungen wie beispielsweise Demografischem Wandel, Energiewende oder zukunftsfähiger Mobilitätskonzepte?