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Arndt Olaf, Bornemann Holger, Struktur- und Clusterpolitik: Zukunftsaussichten der Wirtschaftsförderung in Deutschland in:

Rasmus C. Beck, Rolf G. Heinze, Josef Schmid (Ed.)

Zukunft der Wirtschaftsförderung, page 371 - 396

1. Edition 2014, ISBN print: 978-3-8487-1039-3, ISBN online: 978-3-8452-5163-9, https://doi.org/10.5771/9783845251639_371

Series: Wirtschafts- und Sozialpolitik, vol. 14

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371 16 Struktur- und Clusterpolitik: Zukunftsaussichten der Wirtschaftsförderung in Deutschland Olaf Arndt und Holger Bornemann 16.1 Einleitung Unsere Zeit ist geprägt von ökologischen und demografischen Herausforderungen, zunehmendem globalen Wettbewerb und – damit verbunden – stetigem Strukturwandel in Wirtschaft und Gesellschaft. Darüber hinaus sind wir konfrontiert mit den Auswirkungen der internationalen Finanz- und Wirtschaftskrise auf die öffentlichen Haushalte sowie auf das mittelfristige Wachstumspotenzial der heimischen Wirtschaft. Regionen und Wirtschaftsstandorte stehen damit vor der Frage, wie sie ihre Zukunftsfähigkeit sichern. Im globalen Wettbewerb der Standorte und Unternehmen zählen Innovationen zu den wichtigsten Triebkräften für Wachstum, Beschäftigung und sozialen Zusammenhalt. Zahlreiche Untersuchungen belegen die positiven Effekte von Innovationsaktivitäten auf den Unternehmenserfolg, die Exportaktivitäten und die Produktivität. Innovierende Unternehmen wachsen schneller als nicht innovierende Unternehmen. Nach empirischen Studien ist technischer Fortschritt, der in engem Zusammenhang mit den Innovationen steht, für etwa ein Drittel des Wirtschaftswachstums verantwortlich. Rund 80 Prozent des Produktivitätswachstums der Industrieländer entsteht heute durch Innovationen (ARNDT/KAISER 2004). Durch die Integration und Entwicklung neuer Produkte erschließen sich Unternehmen neue Märkte und schaffen auf diesem Wege die Grundlage für ein nachhaltiges Wachstum von Beschäftigung und Gewinn. Das Ausbleiben oder ein zu geringer Umfang von Innovationstätigkeiten kann dazu führen, dass Unternehmen ins ökonomische Hintertreffen geraten und von innovativeren oder günstigeren Konkurrenten überholt und vom Markt verdrängt werden. Geschieht dies im größeren Maßstab, so kann dies auf regionaler Ebene dazu führen, dass ganze regionale Industriezweige ihre Wettbewerbsfähigkeit verlieren. Daher ist es von entscheidender Bedeutung für die ökonomisch nachhaltige Entwicklung einer Region, dass die Innovationsfähigkeit und -leistung der regionalen Wirtschaft kontinuierlich und nachhaltig gestärkt wird. Das damit angeregte Wachstum muss jedoch im Einklang mit ökologischen und sozialen Zielen stehen, erst dann ist seine Nachhaltigkeit gewährleistet. Die sogenannten sozialen Innovationen gewinnen zunehmend an Bedeutung. Durch sie entstehen neue Wege, um Ziele zu erreichen, insbesondere neue Organisationsformen, 372 neue Regulierungen, neue Lebensstile. Sie verändern die Richtung des sozialen Wandels, lösen Probleme besser als frühere Praktiken und sind es deshalb wert, nachgeahmt und institutionalisiert zu werden. Vor dem Hintergrund unseres Themas sind auch Cluster und Innovationsnetzwerke Teil eines sozialen Innovationssystems, da sie auf die Entwicklung von Innovationen und deren Einführung in den Markt ausgerichtet sind. Es handelt sich dabei um flexible statt um starr hierarchische Beziehungen, die auf gegenseitigem Vertrauen basieren und im Erfolgsfall zu länger dauernden Kooperationsbeziehungen führen können. Innovationen werden dabei immer seltener als rein innerorganisationale Prozesse begriffen, sondern sind eingebettet in ein Netzwerk verschiedener externer Akteure und spielen sich in dem sie umgebenden Raum ab. Der Stellenwert von Wissensflüssen zwischen verschiedenen Unternehmen einerseits und andererseits zwischen Unternehmen und öffentlichen Forschungseinrichtungen innerhalb einer Region wächst. Obwohl seit Langem bekannt, gewinnen in diesem Zusammenhang Cluster in Deutschland als Wachstumskerne wirtschaftlicher Entwicklung weiterhin an Bedeutung. So ist die Förderung von Netzwerken und Clustern ein wichtiges Handlungsfeld der regionalen Wirtschaftsförderung. Auch ohne formale Clusterbildung hält der Trend an, sich firmenübergreifend in einer Branche und entlang der Wertschöpfungskette zusammenzuschließen, um dadurch neue oder veränderte Produkte und Dienstleistungen zu entwickeln, in gemeinsamen Projekten zu realisieren und Aufträge zu akquirieren. Die Gründe liegen auf der Hand: Unternehmen erzielen aus der Zusammenarbeit Synergieeffekte und nutzen gemeinsame Ressourcen wie FuE-Kapazitäten und Budgets, Bildungsstätten und eine gut ausgebaute Infrastruktur. Durch den Wissensaustausch im Netzwerk können Transaktionskosten für die beteiligten Unternehmen reduziert werden, weil Suchkosten und Vertrauenskosten in Form von vertraglichen Fixierungen und von Regelungen in der Zusammenarbeit im Netzwerk ein geringeres Niveau einnehmen können. Dadurch reduzieren sich ökonomisch betrachtet auch die Kosten für Innovationen. Aus Sicht des Unternehmens kann aufgrund der Kooperation in einem Innovationsnetzwerk damit durchaus der Spagat zwischen Spezialisierung und Diversifizierung geschafft werden. Ein Unternehmen kann sich spezialisieren, ohne dabei die Diversifizierung außer Acht zu lassen und umgekehrt. Ein Unternehmen, das alleine am Markt agiert, hat dort weitaus größere Probleme. Durch die zwischen den Teilnehmern des Netzwerks gepflegte Interaktion werden permanente Veränderungs-, Such- und Lernprozesse initiiert, die zu Wettbewerbsvorteilen gegenüber der Konkurrenz führen können. Es ist festzuhalten, dass die Innovations- und Lernfähigkeit der Teilnehmer im Netzwerk deutlich erhöht wird. Das findet beispielsweise den Ausdruck darin, dass Entwicklungszeiten für Produkte sich verkürzen, was einen großen betriebswirtschaftlichen Vorteil für die Unternehmen aufweist. Es können in den Innovationsnetzwerken Innovationsvorhaben umgesetzt werden, die aufgrund 373 fehlender sachlicher, informationeller, personeller und finanzieller Ressourcen von einem Unternehmen alleine nicht hätten durchgeführt werden können. Aufwendungen für Innovation im einzelnen Unternehmen können geringer ausfallen, da die Kosten der Forschung und Entwicklung von mehreren Akteuren aufgewendet werden. Innovationsvorhaben können zum Teil schneller umgesetzt werden, sofern die Koordination im Netzwerk funktioniert. Das Risiko eines wirtschaftlichen Flops eines Innovationsvorhabens ist aus diesem Grund etwas geringer, weil das Vorhaben eben von mehreren Unternehmen getragen wird. In der räumlichen Perspektive hat all dies positive Folgen für Regionen (ARNDT/STERNBERG 2001), denn sie • können sich im internationalen Standortwettbewerb besser durchsetzen, • profitieren von der Prosperität der Unternehmen, • können mit Clustern Markenbildung betreiben und • profitieren von der engeren Bindung der Unternehmen an die Region. Die Wirtschaftsförderung als ein Bestandteil des sozialen (Akteurs-)Systems hat daher ein vitales Interesse an der Existenz leistungsfähiger Cluster in ihrer Region. Wirtschaftsförderung hat sich heutzutage zur Aufgabe gemacht, leistungsfähige Cluster zu entwickeln. Viele funktionierende Cluster, gerade an Standorten mit hoher unternehmerischer Dynamik und wissenschaftlicher Exzellenz, haben sich ohne unterstützende Aktivitäten des Staates entwickelt. Umgekehrt ist zu beobachten, dass sich in anderen Regionen und Standorten durch unterstützende staatliche Aktivitäten Clusterstrukturen entwickelt haben. Die Erfahrung zeigt zudem, dass es bei der Entwicklung von leistungsfähigen Clustern noch viele ungenutzte Möglichkeiten, z. B. bei der Verbesserung der Interaktion zwischen Akteuren, gibt. Außerdem scheinen weder die Innovationsfähigkeit noch die Existenz von Clustern dauerhaft gewährleistet. Regionale Akteure müssen sich daher immer wieder die Frage stellen, wie ein innovationsfreundliches Umfeld gestaltet und somit die Innovationsfähigkeit der eigenen Region nachhaltig erhöht werden kann (HASSINK/HACHMANN/KLAERDING 2009). Dabei ist die Förderung von Clustern und Netzwerken eingebettet in ein umfassendes System der Wirtschaftspolitik auf mehreren Governance-Ebenen, nämlich der regionalen, länderweiten, nationalen und europäischen Regional-, Innovations- und Mittelstandspolitik (BORNEMANN 2009). 16.2 Raumrelevante Zukunftstrends Die Tatsache, dass nicht alle vorgenannten Standortfaktoren ubiquitär, also gleich verteilt und in allen Regionen verfügbar sind, führt zu regionalen Ungleichgewichten, 374 die Einfluss auf die Zukunftsfähigkeit haben. Zudem stehen einzelne Regionen neben den globalen vor regionsspezifischen Herausforderungen. Der Prognos-Zukunftsatlas (PROGNOS AG 2010) zeigt mit seinem Standortranking die soziale und wirtschaftliche Zukunftsfähigkeit der Regionen in Deutschland. Der zugrunde gelegte Zukunftsindex bewertet die kurz- bis mittelfristige Perspektive aller Kreise und Städte. Die 29 Indikatoren aus den Themenfeldern ‚Demografie’, ‚Arbeitsmarkt’, ‚Innovation & Wettbewerbsfähigkeit’ sowie ‚Soziale Lage & Wohlstand’ zeichnen ein umfassendes Bild, wie gut die heutige Ausgangslage der Regionen für die Herausforderungen der Zukunft ist. Indikatoren wie Bevölkerungsentwicklung, Anteil der hochqualifizierten Beschäftigten, Forschungs- und Entwicklungspersonal oder Verschuldung erlauben als ‚Frühindikatoren’ ein Urteil über die Zukunftschancen einer Stadt oder eines Kreises. Die Karte des Zukunftsatlas spiegelt das ausgeprägte Süd-Nord- sowie West- Ost-Gefälle der regionalen Zukunftsfähigkeit wider. Süddeutsche Großstädte wie München, Erlangen, Stuttgart und deren Umlandregionen dominieren die Top- 20-Zukunftsregionen Deutschlands. Im Norden und Westen liegen die Standorte Hamburg und Düsseldorf vorn. Diese Top-Zukunftsregionen besetzen nicht nur bundesweit herausragende wirtschaftliche Funktionen, sondern sind auch wahrnehmbare Zentren im globalen Wettbewerb. Regionen, die sich erfolgreich auf strategische Cluster konzentrieren, liegen beim Wachstum vorn. Nur sie entwickeln genug Ausstrahlungskraft, um das Umfeld profitieren zu lassen. Politik, Unternehmen und Institutionen müssen sich weiterhin auf die spezifischen Kompetenzen von Regionen konzentrieren. Technologische Cluster haben unterschiedliche Strukturen und Lebenszyklen. Ihre Unterstützung braucht eine genaue Analyse und langfristige Strategie. Aber auch Regionen ohne Hightech-Potenziale profitieren von dem Prinzip des ‚Stärken stärken’. Cluster optimieren dabei die Ausstattung der Regionen mit Ressourcen und Kompetenz, so dass sie ihre Standorte im globalen Maßstab optimal positionieren. Sie erhöhen die Wahrnehmung durch die Key Player des globalen Wettbewerbs. Dies ist eine zwingende Notwendigkeit im globalen Standortwettbewerb. So spielen die einzelnen deutschen Großstädte in der Liga der wachsenden Global Citys keine Rolle. Erst als Zusammenschluss, z. B. zu einer Metropolregion, erreichen sie eine kritische Größe, sofern sie dabei tragfähige strategische Leitbilder entwickeln und zur Umsetzung bringen. Dabei muss die Nutzung der Chancen für die Gesamtregion und nicht der lokale Egoismus im Verteilungsstreit zwischen Zentren und Umland im Mittelpunkt stehen. Ein großräumiger Zusammenschluss mit einer flexiblen Geometrie der Kooperation ist der entscheidende Weg für die Regionen der Zukunft in der globalen Welt. Dabei werden die deutschen Metropolräume ihr Gewicht im gesamtdeutschen Maßstab halten – teilräumlich werden sie sich unterschiedlich entwickeln. 375 Die Kernstädte bleiben in ihrer Wohnbevölkerung trotz aller städtischen Probleme (Alte, Arme, Arbeitslose, Ausländer, Alleinstehende) stabil, das Umland wird weiter anwachsen. Die äußeren Kreise werden massive Bevölkerungsverluste von bis zu einem Viertel der Menschen erleben (PROGNOS ZUKUNFTSATLAS 2013). Die Disparitäten zwischen den Regionen Deutschlands werden unausweichlich zunehmen. Neben den prosperierenden Regionen gibt es in Ost wie West Städte und Kreise, die eher als Verlierer der Globalisierung und des Strukturwandels zur Wissensgesellschaft zu bezeichnen sein werden. Deindustrialisierung, negative Investitionsquoten, sinkende Beschäftigungsquoten und zurückgehende Bevölkerungszahlen – sprich Schrumpfung in weiten Bereichen – sind Belege dafür. Diese Entwicklungen haben zudem die unangenehme Tendenz, sich selbstverstärkend zu beschleunigen. Einige zentrale Erfolgsfaktoren bestimmen eindeutig die Zukunftsfähigkeit von Regionen: der Anteil und der Zuwachs von Hochqualifizierten, die Zahl der Hauptsitze internationaler Spitzenunternehmen sowie die technologische Leistungsfähigkeit (Forschung und Entwicklung, Patente). Diese Erfolgsfaktoren tragen zur langfristigen Sicherung des Wohlstandes bei und entfalten positive Anziehungskraft für Unternehmen sowie junge und besonders kreative Menschen. Wie gestaltet sich nun der Weg der Regionen in die Zukunft? Klar ist: Wer sich seinem Schicksal ergibt, wird sich nicht zu einer Zukunftsregion entwickeln. Es ergeben sich drängende Fragen: Muss der demografische Wandel in der eigenen Region so stattfinden, wie er allgemein als unabwendbar vorhergesagt wird? Fehlen zukünftig automatisch die Fachkräfte für die in der Region ansässigen Unternehmen? Ist die Deindustrialisierung am eigenen Standort besiegelt? Für die Regionalentwicklung heißt dies, dass Zukunft das ist, was wir daraus machen oder auch unterlassen. Die erfolgreichsten Regionen werden also jene sein, die eine Vision der Zukunft entwickeln, während sie sich weiterhin um eine unverzerrte Wahrnehmung der gegenwärtigen Realität bemühen. Damit einher geht eine ‚Flexibilisierung des Regionsmodells’ mit folgenden zentralen Elementen: • Paradigmenwechsel von einer relativ statischen ‚Planung von Entwicklung’ hin zu einem dynamisch-flexiblen ‚Initiieren – Formen – Begleiten’ regionaler Entwicklung; • Entfaltung projektbezogener räumlicher Zuschnitte (thematische Region bzw. Region auf Zeit) unabhängig von administrativen Grenzen; • Verlagerung von Entscheidungs- und Handlungskompetenzen auf großräumige regionale Ebenen; Stärkung regionaler Selbstorganisation und steuerung in entsprechenden Räumen. Damit verbunden ist eine Flexibilisierung der Steuerung von Regionen, Standortvermarktung, Infrastrukturentwicklung oder des Clustermanagements – das sind einige Beispiele regional zugeschnittener Aufgaben, die auch immer stärker 376 projektbezogen umgesetzt werden. Ein statischer Zuschnitt der Region gilt hier schon heute nicht mehr. Die dafür notwendigen Kommunikations- und Entscheidungsprozesse müssen zukünftig noch stärker nach gemeinsamen Regeln flexibilisiert werden. 16.3 Entwicklungslinien der regionalen Strukturpolitik Die Bedeutung von Forschung und Entwicklung, Innovationsfähigkeit und Wissen für regionales Wachstum wird weiter zunehmen. Diese Entwicklung vergrö- ßert tendenziell die ökonomischen Unterschiede. Deutsche Städte und Regionen sind unterschiedlich gut ausgestattet und weisen deshalb unterschiedliche Voraussetzungen für den wissensbasierten Strukturwandel auf. Dies verdeutlicht beispielsweise die räumliche Verteilung der hochqualifizierten Beschäftigten und der Forschungs- und Entwicklungskapazitäten, welche in urbanen Räumen konzentriert sind. In der Tendenz wird regionale Strukturpolitik deshalb mit wachsenden räumlichen Einkommensunterschieden und der Gefahr stärkerer räumlicher Polarisierung konfrontiert sein. Deshalb werden die Herausforderungen an die Strukturpolitik steigen, wenn sie auch zukünftig dem Ausgleich räumlicher Unterschiede dienen soll. Ferner erwachsen neue Herausforderungen an die Strukturpolitik aus der fortschreitenden interregionalen Vernetzung sowie aus funktionaler und regionaler Arbeitsteilung, wodurch immer komplexere und dynamischere Systeme entstehen. Dabei rücken immer mehr die Menschen und Investitionen in Bildung in den Fokus, weil ‚Wissen’ eine Schlüsselressource für regionales Wachstum ist. Denn im Zuge der Expansion wissensintensiver Dienstleistungsbranchen und forschungsintensiver Industrien wählen Firmen ihre Standorte nicht mehr vorrangig nach traditionellen Standortfaktoren wie beispielsweise niedrigen Steuersätzen und günstigen Immobilienpreisen, sondern zunehmend nach der Verfügbarkeit von qualifizierten Arbeitskräften. Immer mehr gilt ‚Jobs follow people’, wie es Richard FLORIDA (2002: 283) im Jahr 2002 formulierte. Vor diesem Hintergrund unterliegt die regionale Strukturpolitik seit mindestens zehn Jahren einer Neuausrichtung: Auf allen strukturpolitisch wirksamen Ebenen wird unter Stichworten wie Clusteransatz oder Kompetenzfeldpolitik darüber diskutiert, vor Ort vorhandene Wachstumspotenziale zulasten der Ausgleichspolitik zu fördern. Im Kern geht es bei diesen Ansätzen um räumliche Konzentration und Spezialisierung ökonomischer Aktivitäten sowie die Förderung erfolgversprechender wettbewerbsfähiger Kompetenzen vor Ort. Werden diese auf Wachstum setzenden Ansätze konsequent angewandt, kann zumindest aus raumwirtschaftlich-theoretischer Sicht vermutet werden, dass die Spezialisierung von Regionen eine gesamtwirtschaftliche Wohlstandssteigerung bedingt. 377 Vor diesem Hintergrund sollte in der praktischen Strukturpolitik der Grundsatz ‚Stärken stärken’ gelten. Die Realisierung dieses Grundsatzes erfordert nachvollziehbare und transparente Auswahlverfahren für die Förderung von Projekten. Deshalb werden in der Regionalpolitik vermehrt Wettbewerbsverfahren und Scoring-Verfahren eingesetzt. Unsere Analysen zeigen, dass in den deutschen RWB- Programmen Wettbewerbsverfahren zunehmend und in unterschiedlicher Form und Intensität zum Einsatz kommen. Dies zeigt die folgende Tabelle: Tabelle 8: Wettbewerbsverfahren in den deutschen RWB-Programmen Quelle: BORNEMANN et al. 2010 Über das klassische Auswahlverfahren von Projekten hinaus haben in der aktuellen Förderperiode von 2007-2103 weiter gehende Verfahren wie das sogenannte Scoring (gerade in Niedersachsen) und Wettbewerbe Einzug gehalten (BORNEMANN 2011a). Sie sollen die Förderwürdigkeit der Projekte maximieren. In Nordrhein-Westfalen z. B. hatten sich an den bis Ende 2009 abgeschlossenen 36 Calls (48 sind geplant) insgesamt 2.025 Projekte mit fast 6.500 Kooperationspartnern beteiligt. Insgesamt standen in den ersten drei Wettbewerbsrunden bis Ende 2010 400 Millionen Euro an Fördergeldern zur Verfügung. Damit wird in NRW das Programm zu großen Teilen mit Wettbewerben umgesetzt. Ein weiteres Beispiel für eine sichtbare Verfahrensinnovation ist das Scoring- Verfahren, das unter anderem in Niedersachsen für die Umsetzung der EFRE- und ESF-Programme eingesetzt wird (BORNEMANN 2011b). Diese Art des Auswahlverfahrens wurde mit Beginn der laufenden Förderperiode eingeführt. Für jede Maßnahme innerhalb des RWB-Programms wurden fünf bis sieben Kriterien erstellt, die mit der Zielsetzung jeder Maßnahme eng verknüpft sein müssen. Für jedes Kriterium muss ein Spektrum von Ergebnissen bewertet werden. Alle Ergebnisse werden zu einem Gesamtergebnis zusammengefasst. Für eine positive Bundesland Wettbewerbsverfahren Baden- Württemberg • Wettbewerb zur Stärkung landesweiter Netzwerke im Zielfeld ‚Umwelttechnologie’ • Bioenergiewettbewerb zur Förderung innovativer Vorhaben oder Anlagen • Regionaler Clusterwettbewerb • Modellprojekt EULE – Ideenwettbewerb für ländliche Regionen Berlin • Aktion ‚Innovative Ansätze’ zur Steigerung der Effizienz und Effektivität des Fördermitteleinsatzes und zur Entwicklung neuer Förderinstrumente • Wettbewerbe im Cluster ‚Kommunikation, Medien, Kreativwirtschaft’ Hessen • Clusterwettbewerb Nordrhein- Westfalen • Projektauswahl fast durchgängig über Wettbewerbe (z. B. über regionale Cluster- und Gründungswettbewerbe) 378 Auswahlentscheidung wird eine Mindestgesamtpunktzahl benötigt. Darüber hinaus wird die Möglichkeit eröffnet, eine Reihenfolge der Projekte vorzunehmen. Jeder Punkteentscheid ist Teil des Auswahlprozesses und wird in der Förderakte niedergelegt. Auf diese Weise kann jede Entscheidung im Nachhinein kontrolliert und verfolgt werden. Dieses Scoring-Verfahren führt dazu, dass der Entscheidungsträger dazu gezwungen ist, seine Entscheidungen so plausibel wie möglich zu machen. Wettbewerbe stehen für die Abkehr von eher hierarchischen Steuerungs- und Regulierungsformen. Wettbewerbe betonen die Aktivierung endogener Entwicklungspotenziale in höchstem Maße. Die Steuerung erfolgt über rahmensetzende Zielvorgaben, Anreize und Budgets und setzt auf die regionale Selbstorganisation, die eigene Strategiebildung und Identifizierung der eigenen Stärken (‚Hilfe zur Selbsthilfe’). Leistungswettbewerbe sind durch starke Anreize zur regionalen Selbstorganisation in der Lage, die ‚Regional Governance’ zu verbessern. Die langjährigen Erfahrungen scheinen tatsächlich zu belegen, dass systematische Leistungswettbewerbe Forschungs- und Technologieerfolge befördern. Regionalwettbewerbe könnten also dazu beitragen, die Bereitschaft zu Veränderungen in den Regionen und die Bereitschaft, neue Lösungen zu entwickeln oder schnelle Nachahmungsprozesse zu initiieren, zu stärken (HENNICKE 2009). Letztlich legen die Erfahrungen mit der regionalen Strukturpolitik in der Vergangenheit und die erkennbaren Änderungen der Rahmenbedingungen folgende Entwicklungslinien für die künftige Wirtschaftsförderung in den Regionen nahe: Die Rahmenbedingungen für die regionale Strukturpolitik sind angesichts der globalen Herausforderungen auch weiterhin auf einer höheren Ebene anzusetzen. Die Schaffung des gleichen Rahmens für alle Akteure schafft die Voraussetzung für eine hinreichend ambitionierte Wirtschaftspolitik und stellt einen fairen Wettbewerb um die Fördermittel sicher. Die Mitwirkung der regionalen Ebene bei der Ausgestaltung und Umsetzung ist allerdings gemäß dem Subsidiaritätsprinzip zu verstärken. Dies führt zu einer Stärkung der Eigeninitiative und zur Verkürzung von Entscheidungsprozessen. Die regionale Strukturpolitik muss vor dem Hintergrund des wissensbasierten Strukturwandels und der sich daraus ergebenden räumlichen Konsequenzen ihre Strategiefähigkeit erhöhen. Sie wird durch integrierte Entwicklungskonzepte bzw. Strategien, die Bezug auf besondere Stärken und Schwächen nehmen und regionale Entwicklungsengpässe aufzeigen, einen klaren Orientierungsrahmen bekommen. Dabei sind Strategien und Maßnahmen zu fokussieren, die die Innovationskraft einer Region befördern. Die Ausstattung mit einem qualitativ hochwertigen Produktivvermögen sollte deshalb im Vordergrund stehen. Direkte Zahlungen an Unternehmen werden immer stärker durch allgemein standortverbessernde Maßnahmen (Infrastruktur, Bildung, Wissenstransfer etc.) in den Förderansätzen ersetzt werden. 379 Bei den indirekten Maßnahmen werden vor allem jene an Bedeutung gewinnen, die die Produktivität der Produktionsfaktoren erhöhen. Es ist mit einer weiteren Aufwertung der bildungs- und innovationsorientierten Regionalpolitik zu rechnen. 16.4 Rahmensetzungen durch europäische Struktur- und Kohäsionspolitik 16.4.1 Strukturfonds, Wirtschaftsförderung und Innovationen Regionale Strukturpolitik wird in Deutschland in einem Mehrebenensystem umgesetzt. Die europäische Kohäsionspolitik setzt maßgeblich den beihilferechtlichen, inhaltlichen und den finanziellen Rahmen für die nationale und regionale Strukturpolitik in Deutschland. Auf der Ebene der Bundesländer werden räumliche Strategien erarbeitet und in den ‚Operationellen Programmen’ (OP) niedergelegt (BORNEMANN 2010 et al.). Viele Projekte der Wirtschafts-, Innovations- und Clusterförderung in Deutschland werden letztlich mit Mitteln aus den europäischen Kohäsionsfonds finanziert. Hier sind vor allem der Europäische Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) und der Europäische Sozialfonds (ESF) zu nennen. Dabei setzte für die noch aktuelle Förderperiode 2007-2013 die sogenannte ‚Lissabon-Strategie’ den strategischen Rahmen für die Programme, während für die kommende Förderperiode 2014-2020 die Europa-2020- Strategie relevant ist. Für die noch aktuelle Förderperiode 2007-2013 ist zu konstatieren (BORNEMANN 2010 et al.), dass die Europäische Kommission den innovationsorientierten Instrumenten ein höheres Gewicht gegeben hat. Die Kohäsionspolitik sorgt dafür, dass sich die nationalen und regionalen Politikstrategien an den europäischen Zielen wie der Lissabon- oder Göteborg-Strategie orientieren. Die geplante Verteilung der Mitteleinsätze für die RWB-Gebiete in Deutschland zeigt, dass für die Förderung von Innovationen in der gesamten Förderperiode mit 1.782 Millionen Euro und rund 38 Prozent ein erheblicher Anteil der EFRE- RWB-Mittel eingesetzt werden soll. Für ‚Umwelt und nachhaltige Entwicklung’ werden 1.318 Millionen Euro (28 Prozent) und für die Steigerung der betrieblichen Wettbewerbsfähigkeit 1.524 Millionen Euro (32 Prozent) der EFRE-Mittel investiert. Die in den deutschen RWB-Ländern in den ersten Jahren der Förderperiode erreichte Quote für sogenannte Lissabon-konforme Ausgaben von rund 75 Prozent zeigt, dass die OP der Länder die Ziele der Lissabon-Strategie unterstützen. Die RWB-Länder sind aufgrund ihrer Dichte an Forschungseinrichtungen, Hochschulen und Infrastrukturen sowie ihrer Anziehungskraft für Investoren und Arbeitskräfte dafür prädestiniert, die Erreichung der Lissabon-Ziele voranzubringen. Für die noch aktuelle Förderperiode 2007-2013 ist damit zwar eine zunehmende Orientierung des EFRE an innovationsorientierten Instrumenten festzustellen, 380 dennoch wurden die Ziele der Lissabon-Strategie deutlich verfehlt. Auch Deutschland hat z. B. das Ziel, drei Prozent des BIP in FuE-Aktivitäten zu investieren, mit 2,82 % verfehlt. Zudem ist die Verteilung zwischen den Regionen sehr uneinheitlich. Um für die ganze EU das Europa-2020-Ziel von drei Prozent des BIP als Investition in FuE-Aktivitäten zu erreichen, ist es erforderlich, dass sich alle Regionen an FuE-Aktivitäten bzw. Innovationsprozessen beteiligen. Die Europäische Union hat infolge des mangelnden Erfolges im Jahr 2010 die ‚Europa-2020-Strategie’ vorgelegt. Die Strategie soll das wirtschaftspolitische Handeln der Mitgliedsstaaten ausrichten und damit ein intelligentes, nachhaltiges und integratives Wirtschaftswachstum in Europa fördern, um ein hohes Maß an Beschäftigung, Produktivität und sozialem Zusammenhalt zu erreichen (EUROPÄISCHE KOMMISSION 2010). Diese Ziele sollen durch (wirksamere) Investitionen in Bildung, Forschung und Entwicklung (intelligentes Wachstum), eine entschlossene Ausrichtung auf eine kohlenstoffarme Wirtschaft und eine wettbewerbsfähige Industrie (nachhaltiges Wachstum) sowie die vorrangige Schaffung von Arbeitsplätzen und die Bekämpfung von Armut (integratives Wachstum) erreicht werden. Für die drei Wachstumsdimensionen wurden fünf EU-Kernziele mit entsprechenden Zielwerten auf europäischer Ebene festgelegt. Die Kernziele dieser Strategie sind eine höhere Beschäftigungsquote, höhere Ausgaben für Forschung und Entwicklung, das Erreichen der gesetzten Klimaschutzziele, die Modernisierung der Arbeitsmärkte und der allgemeinen und beruflichen Bildung und die Senkung der Anzahl armutsgefährdeter Personen (EUROPÄISCHE KOMMISSION 2010). Für die Bundesrepublik Deutschland wurden im ‚Nationalen Reformprogramm 2012’ teilweise sogar höhere Zielwerte festgelegt (BMWi 2012). Damit die Ziele von Europa 2020 erreicht werden, wurde ein System der wirtschaftspolitischen Steuerung eingerichtet, als ‚Europäisches Semester’ bezeichnet, um politische Maßnahmen auf europäischer und nationaler Ebene zu koordinieren (EUROPÄISCHE KOMMISSION 2012b). Die Europa-2020-Strategie gibt damit den Rahmen für die inhaltliche Ausgestaltung der aus den Europäischen Struktur- und Investitionsfonds (ESI-Fonds) finanzierten Programme und Maßnahmen vor. Aus diesen europäischen Zielen müssen sich Ziele auf der nationalen Ebene ableiten, die mit den europäischen Zielen kohärent sind. Ein aus dem EFRE oder dem ESF finanziertes Operationelles Programm muss damit einen Beitrag zur Europa-2020-Strategie leisten. Somit ergibt sich die Anforderung für jedes Operationelle Programm eines Bundeslandes anhand der Betrachtung der sozioökonomischen Ausgangslage und der zukunftsbestimmenden externen Einflussfaktoren diejenigen regionalen Bedarfe, Herausforderungen und Chancen zu identifizieren, die für die Erreichung der Europa-2020-Ziele relevant sind. Es muss außerdem dargestellt werden, wie die identifizierten Bedarfe und Chancen im Rahmen der Strategie eines 381 OP eines Bundeslandes adressiert werden. Dies soll der strategische Beitrag zeigen, den das jeweilige OP auf regionaler Ebene zur Erreichung der Europa-2020- Ziele leistet. Innovationen sind die treibende Kraft des wirtschaftlichen Wachstums einer Volkswirtschaft. Daher ist es aus Sicht der Europäischen Kommission für die ökonomisch nachhaltige Entwicklung einer Region von entscheidender Bedeutung, dass die Innovationsfähigkeit und -leistung der regionalen Wirtschaft mit den Instrumenten der Kohäsionspolitik kontinuierlich und nachhaltig gestärkt wird. Die Bedeutung der Innovationspolitik in der Kohäsionspolitik wird folglich in der künftigen Förderperiode zunehmen. Um das intelligente, nachhaltige und integrative Wachstum zu unterstützen, stehen gemäß der EFRE-Verordnung grundsätzlich elf thematische Ziele (TZ) zur Verfügung. Die Bundesländer können unter Berücksichtigung der Auflage zur thematischen Konzentration die für ihre Förderstrategie passenden thematischen Ziele auswählen. Die Vorgaben aus den EU-Verordnungsentwürfen sehen allerdings vor, dass für die entwickelten Regionen – zu denen der Großteil Deutschlands gehören wird – mindestens 80 Prozent der EFRE-Mittel einem oder mehreren der thematischen Ziele 1 bis 4 zugewiesen werden müssen, die in Artikel 9 der Allgemeinen ESI-Fonds-Verordnung genannt werden. Eine weitere Vorgabe lautet, dass für das thematische Ziel 4 mindestens 20 Prozent der EFRE-Mittel zu reservieren sind. Diese vier thematischen Ziele lauten: • TZ 1: Stärkung von Forschung, technologischer Entwicklung und Innovation • TZ 2: Verbesserung des Zugangs sowie der Nutzung und Qualität der Informations- und Kommunikationstechnologie (IKT) • TZ 3: Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit von KMU • TZ 4: Förderung der Bestrebungen zur Verringerung der CO2-Emissionen in allen Branchen der Wirtschaft Das TZ 1 „Stärkung von Forschung, technologischer Entwicklung und Innovation“ erhält damit in den künftigen EFRE-Programmen der Länder eine sehr wichtige Bedeutung. Nach unseren Erkenntnissen zeigen die bisherigen Planungen in den Ländern darüber hinaus, dass die Länder dem TZ 1 die höchste finanzielle Priorität aller Ziele in den Programmen beimessen werden. Zudem werden die Spielräume für die klassische Wirtschaftsförderung (betriebliche Investitionsförderung, klassische Infrastrukturen) in der Kohäsionspolitik begrenzter sein als bisher. 382 16.4.2 Schlussfolgerungen aus der künftigen Strukturpolitik für die Wirtschaftsförderung Insgesamt wird durch die Europäische Kommission ein neuer Rahmen für Strukturpolitik und Wirtschaftsförderung geschaffen. Die künftige Strukturpolitik der Länder und in den Regionen wird sich an die neuen Rahmenbedingungen für die Förderperiode 2014-2020 anpassen müssen. Auf der Ebene der Bundesländer sind strategische Programme zu erstellen, die ‚Wissen’ und ‚Innovation’ eine besondere Bedeutung geben, da sie die bedeutenden Einflussfaktoren für die Wettbewerbsfähigkeit und das zukünftige Wachstum von Unternehmen und Regionen sind. Damit finden eine weitere Aufwertung der Rolle der Innovation in den Programmen und eine Fortführung der mit der Lissabon-Strategie initiierten Agenda statt. Für die regionale und die umsetzende Ebene wird durch die Europäische Kommission ein neuer Rahmen für die Wirtschaftsförderung geschaffen. Eine größere Bedeutung werden innovationsorientierte Instrumente erhalten, die folgende Ziele aufgreifen: a) Ausbau der Infrastruktur für Forschung und Innovation und der Kapazitäten für die Entwicklung von FuI-Spitzenleistungen, Förderung von Kompetenzzentren, insbesondere solchen von europäischem Interesse; b) Förderung von FuI-Investitionen in Unternehmen, von Produkt- und Dienstleistungsentwicklung, Technologietransfer, sozialer Innovation und öffentlichen Anwendungen, Nachfragestimulierung, Vernetzung, Clustern und offener Innovation durch intelligente Spezialisierung. Investitionen in Forschung und Innovation in Unternehmen, Hochschulen und Forschungseinrichtungen, aber auch Netzwerk- und Wissenstransferaktivitäten sollen damit stärker gefördert werden. Da demgegenüber die Spielräume für die klassische Wirtschaftsförderung (betriebliche Investitionsförderung, klassische Infrastrukturen) geringer werden, muss die Wirtschaftsförderung ihr Arbeitsprogramm umgestalten. Positiv ist zu vermerken, dass der Verordnungsrahmen ein breites Instrumentarium für die Innovationsförderung zulässt. Die Cluster- und Netzwerkförderung ist damit ein Bestandteil der künftigen Förderung. Im Hinblick auf die schon angesprochene Strategiefähigkeit ist an dieser Stelle eine weitere Anforderung der Europäischen Kommission an die künftigen Programme anzuführen. Die innovationsorientierte Förderung ist einzubinden in eine sogenannte ‚regionale Innovationsstrategie’. Damit erhält die innovationsorientierte Wirtschaftsförderung eine weitere Anforderung, die es auf der umsetzenden Ebene zu beachten gilt. Dieser Aspekt wird im nächsten Kapitel ausgeführt. 383 16.5 Wirtschaftsförderung und Standortstrategien für eine intelligente Spezialisierung 16.5.1 Was ist intelligente Spezialisierung? In den letzten Jahren ist der Ansatz der intelligenten Spezialisierung (‚smart specialisation’) zu einem zentralen Baustein der europäischen Wirtschaftspolitik geworden. Besonders hervorzuheben ist hier die Europa-2020-Strategie, die den Entwicklungspfad zu einer sozialen‚ europäischen Marktwirtschaft des 21. Jahrhunderts’ skizziert. Zur Erreichung dieser Ziele hat die Kommission drei komplementäre Handlungsprioritäten erarbeitet, um das Wirtschaftswachstum, mit Blick auf Mensch und Umwelt, sowohl quantitativ als auch qualitativ zu stärken: • Intelligentes Wachstum: Wissen und Innovation werden als entscheidende Faktoren zukünftigen Wachstums definiert. Die Voraussetzungen hierfür sind der Kommission zufolge Verbesserungen auf den Feldern der Bildung, Forschung, des Wissenstransfers sowie der Informations- und Kommunikationstechnologie (IKT). Zu diesem Zweck existieren drei Leitinitiativen (‚flagship initiatives’), namentlich ‚Jugend in Bewegung’, ‚Eine Digitale Agenda für Europa’ und ‚Innovationsunion’, welche die Aufgabenteilung zwischen der EU und den Mitgliedsstaaten definieren (EUROPÄISCHE KOMMISSION 2010b; 2010c; 2010d). • Nachhaltiges Wachstum: Dies bedeutet, vor dem Hintergrund schwindender Rohstoffreserven und wachsender Umweltbedrohung eine ressourceneffiziente, nachhaltige und wettbewerbsfähige Wirtschaft mittels intelligenter Stromnetze und neuer Produktionsverfahren und Technologien aufzubauen. Hierbei nimmt die IKT eine entscheidende Rolle ein. Das Ziel ist es, Wirtschaftswachstum vom Ressourcenverbrauch zu entkoppeln und so erstens Kosten zu senken und Nutzen zu maximieren und zweitens die Abhängigkeit von Rohstoffimporten zu senken. Hierzu existieren zwei Leitinitiativen: ‚Ressourcenschonendes Europa’ und ‚Eine Industriepolitik für das Zeitalter der Globalisierung’ (EUROPÄISCHE KOMMISSION 2010e; 2011). • Integratives Wachstum: Strukturelle Herausforderungen wie der demografische Wandel, der Übergang zur Wissensökonomie und die hohe Armut ‚zwingen’ Europa zum Handeln. Durch ein hohes Beschäftigungsniveau, die Bekämpfung der Armut, Investitionen in Kompetenzen und durch die Modernisierung der Arbeitsmärkte und der allgemeinen und beruflichen Bildung sollen Menschen dazu befähigt werden, Veränderungen zu bewältigen. Hierdurch soll insgesamt gesellschaftlicher Zusammenhalt geschaffen werden. In diesem Rahmen existieren die zwei Leitinitiativen ‚Eine Agenda für neue Kompetenzen und neue Beschäftigungsmöglichkeiten’ und ‚Europäische Plattform zur Bekämpfung der Armut’ (EUROPÄISCHE KOMMISSION 2010f; 2010g). 384 Der Grundgedanke der intelligenten Spezialisierung bringt den Anspruch zum Ausdruck, dass die Regionen Europas ihre jeweiligen Spezialisierungsvorteile für ein intelligentes, nachhaltiges und sozial integratives Wachstum nutzen und weiterentwickeln sollen. Vorhandene ‚Stärken’ sollen als Spezialisierungsvorteile genutzt und weiterentwickelt werden, ohne jedoch in veralteten Stärken zu verharren. Zugleich sollen mögliche neue ‚Stärken’ identifiziert und entwickelt werden. Dabei geht es immer auch um das standortspezifische Profil relativ zu anderen Standorten und um die je spezifischen Standortcharakteristika – und dies im internationalen Kontext. Die zentrale Prämisse des Ansatzes der intelligenten Spezialisierung ist sein erweitertes Innovationsverständnis, das Innovation eher als komplexen Interaktionsprozess zwischen einzelnen Handlungssequenzen und Ebenen betrachtet, die über Feedbackschleifen miteinander verbunden sind (siehe z. B. das Chain- Linked-Modell von KLINE/ROSENBERG (1986: 285)), denn als Produkt linearer Entwicklung. Aus dieser Perspektive ist Innovation in eine Umwelt technologischer Paradigmen, interdependenter Wissensquellen und Pfadabhängigkeiten eingebettet (MORRISON/POTTS 2008). Bei der Untersuchung der Determinanten des Innovationsprozesses hat sich eine systemorientierte Sichtweise durchgesetzt, die betont, dass innerhalb des Innovationssystems verschiedene Organisationen und Institutionen, wie z. B. Universitäten und Firmen, miteinander und untereinander interagieren. Innovationen werden insofern nicht mehr ausschließlich als das Ergebnis separater FuE- Arbeit betrachtet, sondern auch als das Ergebnis von Lernprozessen innerhalb des Beziehungsgeflechts der Akteure (EDQUIST/MCKELVEY 2000). Der Erfolg der Kooperation ist deshalb unmittelbar mit dem volkswirtschaftlichen Wachstum verflochten. In diesem Verständnis unterscheiden sich Volkswirtschaften hinsichtlich ihrer speziellen, historisch gewachsenen Innovationssysteme (vgl. EDQUIST/MCKELVEY 2000). Der Ansatz der intelligenten Spezialisierung setzt auf der primär regionalen Ebene an. Der oben dargestellten Systemlogik folgend bildet die Analyse existierender bzw. gewachsener Strukturen seine Basis. Auf dieser Grundlage sollen regionale wissensintensive Wirtschafts- und Forschungsfelder und deren Akteursgeflechte (z. B. Forscher, Zulieferer, Hersteller, Dienstleister, Unternehmer und Kunden) analysiert werden (MCCANN/ORTEGA-ARTILES 2011). Dabei spielt die Wirtschaftsförderung die Rolle des ‚Mediators’, der zwischen den im Netzwerk agierenden Akteuren vermittelt und Informationen sammelt (MCCANN/ ORTEGA-ARTILES 2011). Die Wirtschaftsförderungen verfügen in der Regel über das entscheidende Wissen, um regional verfügbare Ressourcen (z. B. Humankapital, bestehende Kooperationen) zu analysieren und sowohl die Chancen als auch die Risiken des Marktes einzuschätzen. Ihnen fällt die Aufgabe zu, Potenziale von Technologien zu erkennen, die sektorübergreifende Relevanz haben. Hierdurch sollen innerhalb wie auch zwischen einzelnen Sektoren Spillover-Effekte 385 kreiert werden, welche schließlich die Innovationsdynamik breiter streuen und zu einer Diversifizierung der wirtschaftlichen Aktivität führen. Demnach ist es die zentrale Aufgabe der Wirtschaftsförderung, diese Fähigkeit zu fördern (MCCANN/ORTEGA-ARTILES 2011). Dabei sind freilich nicht nur regionale Netzwerke von Bedeutung, sondern auch nationale und internationale Verbindungen sind von erheblicher Relevanz für das Potenzial einer Region und müssen in die Analyse miteinbezogen werden. Für eine Analyse des Portfolios regionaler wirtschaftlicher Aktivitäten ist insbesondere der Begriff des ‚Clusters’ von Bedeutung. Gleichwohl ist dieser Begriff von einer gewissen „definitorischen Unschärfe“ (JAPPE-HEINZE/BAIER/KROLL 2008: 2) geprägt: Während manche Autoren lediglich die räumliche Konzentration als notwendige Bedingung erachten, um von einem Cluster zu sprechen, setzen andere z. B. eine gemeinsame Vision oder die aktive Kooperation der Akteure als Bedingung voraus, die über die reine Marktbeziehung hinausgeht. In letzterem Verständnis spielt insbesondere die politische Steuerung bzw. Moderation eine tragende Rolle. Dabei ist zu beachten, dass keineswegs einzelne Technologien – oder ausschließlich FuE – im Mittelpunkt der Bemühungen stehen sollten, sondern eine große regionale Branchen- und Technoloigevielfalt positive Effekte entfaltet wie z. B. ASHEIM, BOSCHMA und COOKE (2011) mit dem Konzept der verbundenen Vielfalt („related variety“) hervorheben. Die Autoren zeigen, dass eine heterogene FuE-Intensität innerhalb von Innovationssystemen zum einen keine Kooperation ausschließt (z. B. zwischen Nahrungsproduktion und Biotechnologie) und zum anderen Spillover-Effekte maßgeblich befördern kann. Die daraus folgenden Implikationen für die Kooperation zwischen den Akteuren innerhalb und außerhalb eines regionalen Innovationssystems sind indessen erfolgskritisch. Im Kern steht eine intelligente Spezialisierung also für die Ermittlung der Alleinstellungsmerkmale und Stärken einer Region, die Nutzung von Wettbewerbsvorteilen und die Mobilisierung regionaler Akteure und Ressourcen. Sie stellt eine an Exzellenz orientierte Zukunftsstrategie dar. Sie steht ebenfalls für eine Stärkung der regionalen Innovationssysteme, die Maximierung des Wissenschaftsaustauschs und die Erzielung von Innovationsvorteilen für die gesamte regionale Wirtschaft (EUROPÄISCHE KOMMISSION 2012a). 16.5.2 Strategieprozess und Beteiligte Wie die Europäische Kommission in ihrem Anleitungsdokument (EUROPÄISCHE KOMMISSION 2012a) betont, beginnt die Gestaltung einer intelligenten Standortstrategie mit der Entwicklung einer gemeinsamen langfristigen Vision für den wissensgeleiteten Strukturwandel der regionalen Wirtschaft, hin zu mehr Wettbewerbsfähigkeit und Nachhaltigkeit. Eine RIS3-Strategie entwickeln heißt, dabei klare 386 Prioritäten zu setzen, die auf der Identifikation von unverwechselbaren Stärken und Potenzialen einer Region aufbauen. Dabei macht der RIS3-Guide insbesondere deutlich, dass die Strategieentwicklung an Bestehendem anknüpfen muss. Hierzu bedarf eines intensiven Dialogs mit den relevanten Stakeholdern. Dies sind neben den Akteuren aus Wissenschaft und Wirtschaft und den Intermediären insbesondere die vorhandenen Netzwerke und Cluster. Letzteren kommt eine besondere Bedeutung zu, da „ihr Wissen, ihre Netzwerke und ihre Dynamik die richtigen Bausteine auf lokaler Ebene sind, die es Regionen ermöglichen, mehr Wertschöpfung zu schaffen, ein höheres Exzellenzniveau zu erreichen und erfolgreich in die globale Wirtschaft hinein zu wachsen“ (EUROPÄISCHE KOMMISSION 2012a: 67). Die Entwicklung einer regionalen Innovationsstrategie zur flexiblen Spezialisierung umfasst im Wesentlichen folgende Schritte: • Initiierung eines aktiven regionalen Dialogs unter Beteiligung aller relevanten Akteure des regionalen Innovationssystems; • Analyse des regionalen Innovationssystems, inklusive des regionalen Bedarfs und der regionalen Kompetenzen in den Bereichen Forschung, Technologie und Innovation; • Erarbeitung einer gemeinsamen Vision für die Zukunft der Region; • Identifikation und Auswahl von prioritären Handlungsfeldern, in denen Aktivitäten verbessert und unterstützt werden sollen; • Entwicklung breit mitgetragener Politiken und strategischer Ansätze zur regionalen Innovationsförderung (im Rahmen dieser Handlungsfelder); • Erstellen eines geeigneten Policy-Mix; • Integration eines Monitoring- und Evaluierungsmechanismus. 16.6 Künftige Handlungsfelder regionaler Wirtschaftsförderung Die Wettbewerbsfähigkeit der Wirtschaftsstandorte wird in den Unternehmen, durch die Qualität der Standortfaktoren und durch die Veränderungen auf den Weltmärkten entschieden. Wie die bisherigen Ausführungen aufgezeigt haben, erfordern die aktuellen demografischen, innovativen und ökologischen Herausforderungen integrierte, nachhaltige regionalökonomische Verbesserungsprozesse, die die Mitwirkung aller regionalpolitischen Partner auf allen staatlichen Ebenen verlangen, um die Standortfaktoren zu stärken. Um diese regionalökonomischen Verbesserungsprozesse voranzutreiben, muss die Wirtschaftsförderung vor Ort regionale Entwicklungskonzepte mit konkreten Handlungssträngen und Maßnahmen herausarbeiten und entwickeln. Relevante Handlungsfelder einer solchen zukunftsgerichteten Regionalentwicklung werden nachfolgend aufgeführt. 387 16.6.1 Intelligente Spezialisierung auf wirtschaftlich-technologische Cluster Sektorale Schwerpunktbildungen sind im Sinne der Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit von Wirtschaftsstandorten eine wichtige Strategie geworden. Durch sektorspezifische Ballungsvorteile sind die Unternehmen in der Regel in der Lage, effizienter zu produzieren. Anstrengungen sind aber nur dort sinnvoll, wo bereits sichtbare Spezialisierungen vorhanden sind, für welche die Standortbedingungen günstig sind, die mit der Wissensbasis der Region in Einklang stehen und auf besondere Marktnischen Bezug nehmen. Existierende und potenzielle Cluster bilden dabei einen Orientierungsrahmen für die Abstimmung unterschiedlicher Politikbereiche (Forschungs-, Technologie-, Infrastrukturpolitik etc.) sowie die Basis für den Einsatz clusterspezifischer Instrumente. Diese müssen sich orientieren an den technologischen Stärken aufseiten der Unternehmen sowie aufseiten der Wissensbasis, sie müssen differenzieren nach Größe, Wachstumschance, Entwicklungsrichtung und Vernetzungsgrad der Cluster. Nur so wird die themenspezifische Ausrichtung des regionalen Innovationssystems erfolgreich erreicht (z. B. die technologisch-wissenschaftliche ‚Infrastruktur’ in Form von Aus- und Weiterbildungseinrichtungen, spezialisierten Forschungsinstitutionen etc.). Darüber hinaus müssen von der Wirtschaftsförderung grundlegende Mechanismen geschaffen werden, damit Spezialisierungen bzw. Technologiefelder für den Wirtschaftsstandort laufend geprüft, identifiziert und entwickelt werden. Dies erfolgt vor allem über die Beobachtung allgemeiner Technologietrends, um Technologieentwicklungen auf ihre Relevanz für den Standort hin zu überprüfen. In Folge sind entsprechende Entwicklungsstrategien zu definieren, für die wiederum die genaue Kenntnis der einzelnen Cluster zentrale Voraussetzung ist. Durch die intelligente Verknüpfung von industrieller Produktion und Dienstleistungen kann das Wertschöpfungspotenzial gerade auch durch die Anwendung von Querschnittstechnologien erhöht werden. Zukünftig ist die Arbeit an und mit Querschnittstechnologien in Produkt- und Verfahrensinnovationen zu stärken, um neue Impulse für Innovationen und verstärktes branchenübergreifendes Wachstum zu initiieren. 16.6.2 Verbreiterung der Innovationsbasis Im Rahmen der regionalen Innovationsunterstützung ergeben sich zwei Handlungsstränge, nämlich schwerpunktmäßig standortbezogene Handlungsansätze sowie direkt unternehmensbezogene Handlungsansätze. Es zählt zu den zentralen Aufgaben regionaler Innovationsförderung im Bereich der unternehmensbezogenen Handlungsansätze, die notwendigen förderlichen 388 Rahmenbedingungen und ausreichende Mittel für die Förderung und Unterstützung betrieblicher FuE-Aktivitäten sicherzustellen. Die Sicherung der FuE- Finanzierung ist primär Aufgabe der Bundes- und Landesebene. Aufgabenschwerpunkt der regionalen Innovationsförderung ist es vor allem, den Unternehmen den Zugang zu Förderung von Bundes- und Landesseite oder von europäischer Ebene zu erleichtern. Darüber hinaus besteht in der Regel an den Standorten eine starke Dichotomie zwischen innovierenden, in Forschung und Entwicklung involvierten und mit einer starken Qualifikationsbasis ausgestatteten Unternehmen einerseits und einer großen Breite an nicht innovierenden Unternehmen andererseits. Eine zentrale Herausforderung besteht folglich darin, diese Kluft zu verringern. Nicht innovierende Unternehmen der meist klein- bzw. mittelbetrieblichen Basis müssen für Innovationsaktivitäten mobilisiert werden, um auf diesem Wege die regionale Innovationsbasis zu verbreitern. Üblicherweise bedarf es einer Verbesserung der strategischen Kompetenz der Unternehmen kombiniert mit einer Aufwertung der Qualifikationsstrukturen, um ihre Adaptionsfähigkeit zu stärken. Für diese Aufgaben ist die regionale Ebene besonders geeignet, weil ihre Institutionen eine Nähe zu den Unternehmen aufweisen. Somit kann die Verbreiterung der Innovationsbasis als klassische Aufgabe regionaler Innovationsförderung bezeichnet werden. Dieser Vorteil will jedoch auch genutzt werden: Es müssen gute Informationskanäle zu den regionalen Betrieben aufgebaut und unterhalten werden – dies erst ermöglicht den Aufbau von entsprechendem Know-how und Verständnis über spezifische Innovationsbarrieren und -hürden. Die anzustrebende Nähe zu den Betrieben legt zugleich nahe, dass vordringlich ‚weiche’ Instrumente wie Information, Beratung, Personaltransfer etc. für die Mobilisierung regionaler KMU für Innovationsaktivitäten geeignet sind. Insgesamt gesehen kann ein ausreichender Grad an Innovation aber nur erreicht werden, wenn technologische Information, Beratung und Implementierung auch an die weniger aktiven Unternehmungen herangetragen und diese so in die Dynamik miteinbezogen werden. 16.6.3 Soziale Innovation Jüngste Studienergebnisse belegen (ARNDT et al. 2012; COOKE et al. 2011; MILES/GREEN 2008), dass Antworten auf die aktuellen innovations- und gesellschaftsrelevanten Herausforderungen nicht nur in rein technologisch basierten Optimierungslösungen gefunden werden können. Komplexe Herausforderungen bedürfen vielmehr auch systemischer Innovationen, die in ihr sozioökonomisches Umfeld eingebettet sind. 389 Die Wirtschafts- und Innovationsförderung sollte sich daher stärker als bisher auf einen erweiterten Innovationsbegriff stützen, der mehr als nur rein technologische Neuerungen beschreibt: Als Sammelbezeichnung für weitreichende, komplexe Prozesse umfasst er nicht nur die Verwertung wissenschaftlicher Erkenntnisse und Ideen in marktgängigen Produkten, sondern meint zugleich neue Verfahren und Lösungsstrategien für sämtliche gesellschaftlichen Bereiche. Dabei erhalten neuartige soziale Praktiken, die das Ziel haben, Probleme oder Bedürfnisse besser zu lösen, zunehmend eine höhere Bedeutung als rein technologisch orientierte Lösungen. Dieser Trend wird in zahlreichen Bereichen deutlich. Beispiele hierfür sind im Mobilitätssektor (z. B. Carsharing-Angebote), in der Mediennutzung (z. B. durch Social Media) oder sogar im Finanzsektor (z. B. die Entwicklung von Mikrokrediten) zu finden. Unternehmen können von Seiten der Wirtschaftsförderung unterstützt werden, indem sie die Kompetenz der Unternehmen zur (Weiter-)Entwicklung innovativer Produkte, Dienstleistungen und Prozesse stärken. Folgende Themen sind generell denkbar: • Entwicklung innovativer Geschäftsmodelle und deren Ausrichtung auf Wertschöpfungsnetzwerke; • Aufbau und Management von Kunden und Nutzer-Communitys; • Wissensmanagement in Wertschöpfungsketten und Wertschöpfungsnetzwerken zur Optimierung systemischer Innovationsprozesse; • Einsatz von Methoden und Werkzeugen des Kreativitäts- und Kooperationsmanagements, um die Innovationsfähigkeit zu erhöhen; • Prozesse der Kundenintegration und -interaktion bei der Dienstleistungsentwicklung; • Entwicklung neuer Anwendungen im Umfeld technologiebasierter Anwendungen. Die EU-Kommission ist ebenfalls dabei, soziale Innovationen stärker zu fördern und zu deren Verbreitung beizutragen. Kommissionspräsident Barroso sagte 2009: „Kreativität und Innovation im Allgemeinen und soziale Innovation im Besonderen sind gerade in Zeiten der Wirtschafts- und Finanzkrise die wesentlichen Faktoren für die Förderung von nachhaltigem Wachstum, die Sicherung von Arbeitsplätzen und die Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit.“ (EUROPÄISCHE KOMMISSION 2009) 16.6.4 Intensivierung des Technologietransfers zwischen Wirtschaft und Wissenschaft Die Unternehmen stehen der Herausforderung gegenüber, mit immer kürzer werdenden Innovationszyklen Schritt halten zu müssen. Gleichzeitig ist es vor 390 allem für klein- und mittelständische Unternehmen oftmals deutlich schwieriger, Innovationstätigkeiten systematisch zu realisieren, da sie im Gegensatz zu vielen Großunternehmen in der Regel nicht über eigene Forschungs- und Entwicklungsabteilungen verfügen. Um den Herausforderungen zu begegnen, sind die Kooperations- und Transferstrukturen zu intensivieren, da hierdurch Kooperationshemmnisse vermindert und Wettbewerbsvorteile durch einen schnellen Austausch von Know-how generiert werden können. Über die Ausschöpfung der bisher noch ungenutzten Potenziale des Technologie- und Wissenstransfers können KMU in ihren Innovationsleistungen und ihrer Fähigkeit, externes Wissen zu absorbieren, gestärkt werden. Demzufolge sollte vor allem die Verbundforschung zwischen den KMU und den Hochschulen aktiv gefördert werden. Als Erfolgsfaktoren von Kooperationen werden neben einer umfassenden gegenseitigen Information der Unternehmen und der Wissenschaftseinrichtungen über fachliche, wirtschaftliche, zeitliche und juristische Aspekte auch eine intensive Kommunikation und die Entwicklung einer Vertrauensbasis gesehen. Hier helfen insbesondere Plattformen und Veranstaltungen, diese ‚weichen’ Faktoren zu befördern. Dar- über hinaus können durch die Intensivierung des Wissens- und Technologietransfers, den Ausbau der regionalen Innovationsnetzwerke und die Bereithaltung entsprechender Beratungsangebote technologieorientierte Unternehmensgründungen gezielt unterstützt werden. Gerade mit Gründungen in den technologieorientierten Bereichen werden oftmals hohe Impulse für den regionalen Wachstumsprozess initiiert. 16.6.5 Technologieorientierte, wissensbasierte Gründungen Gründungen technologieorientierter und wissensintensiver Unternehmen spielen im Innovationsprozess bzw. im technologischen Wandel eine wichtige Rolle. Technologieorientierte Gründungen stärken den wissens- und forschungsintensiven Kern der Wirtschaft, gleichzeitig sind Spillovers festzustellen, die zu einer allgemeinen Tendenz der Modernisierung des Produkt- und Dienstleistungsangebotes in anderen Wirtschaftsbereichen führen. Generell ist das Angebot an Gründungsförderungen bereits sehr differenziert. Angesichts der Vielzahl an Institutionen im Gründungsbereich erscheint eine verbesserte Information und Koordination vor Ort durch die regionale Wirtschaftsförderung sinnvoll. Diesbezüglich scheinen koordinierte regionale Gründungsinitiativen ein vielversprechender Ansatz zu sein, wenn diese in Form eines Netzwerkes und unter Einbeziehung der bestehenden Angebote vor Ort entwickelt werden. Auch hier sollten die regionalen Wirtschaftsförderungen die Funktion eines Netzwerkknotens für die Zielgruppe der technologie- und innovationsorientierten Gründungen übernehmen. 391 Darüber hinaus sollten neue Modelle für wissensintensive oder kreativwirtschaftliche Dienstleistungsgründungen mit geringem Kapitalbedarf in Betracht gezogen werden. Hierzu können Ansätze der Vergabe von Mikrokrediten erwogen werden. Solche Modelle scheinen geeignet, die aufgrund hoher Transaktionskosten bestehenden Lücken in privaten Finanzierungsangeboten zu schließen (ARNDT et al. 2012). Von zentraler Bedeutung sind in Deutschland aber insbesondere auch Sensibilisierungsmaßnahmen, die bereits auf Schulen und Hochschulen ausgerichtet werden sollten. Dabei geht es noch nicht um die Stimulierung von direkten Gründungen, sondern um die Vermittlung einer ersten unternehmerischen Gründungsneigung bzw. -bereitschaft. 16.6.6 Fachkräftesicherung, Aus- und Weiterbildung Eine innovationsorientierte Strategie kann nur auf Basis eines qualifizierten Arbeitskräftepotenzials umgesetzt werden. Neben Investitionen in die Forschung und Entwicklung bilden solche in Ausbildung und Weiterbildung einen wichtigen Faktor für das Wachstum der regionalen Wirtschaft. Dies ist nicht nur empirisch hinreichend bewiesen, auch von Seiten der Unternehmen wird der Zugang zu qualifizierten Beschäftigten als der entscheidende Wachstums- und Innovationsfaktor eingestuft. Die Qualifikationsstruktur der Beschäftigten in den Unternehmen wird sich weiter zugunsten hochqualifizierter Akademiker verschieben. Diese Verschiebung wird in Zukunft den Bedarf an Arbeitnehmern deutlich ansteigen lassen. In diesem Zusammenhang werden Nachwuchssorgen, insbesondere für den technisch-naturwissenschaftlichen Bereich, immer deutlicher. Bewusstseinsbildung und Mobilitätsmaßnahmen werden aus diesem Grund als bedeutend angesehen. Denn grundsätzlich resultiert aus diesen Entwicklungen die Notwendigkeit, einen ausreichenden Zustrom zu den besonders innovationsrelevanten Ausbildungsgängen sicherzustellen. Des Weiteren ist es auch Aufgabe der regionalen Wirtschaftsförderung, auf ein bedarfsgerechtes und mit den regionalen Ausbildungseinrichtungen abgestimmtes Ausbildungsangebot hinzuwirken. Als Zielgruppe müssen alle leistungs- und potenzialstarken Mitarbeiter auf allen hierarchischen und qualifikatorischen Ebenen gelten. Es geht nicht darum, die sogenannten ‚High Potentials’ zu adressieren, sondern die Menschen mit den strategisch relevanten Kompetenzen. In diesem Zusammenhang ist es erforderlich, durch ein breites Angebot an Informations-, Beratungs- und Unterstützungsmöglichkeiten im Sinne eines Übergangsmanagements ‚Schule-Beruf’ die Passfähigkeit und Eignung Schülern in Bezug auf ihre Ausbildungs-, Studien- und Berufswegeplanung zu verbessern. Dies bedarf einer koordinierten Bündelung und Steuerung vorhandener Ressourcen. 392 Neben der Zuwanderung von Fachkräften und der Verbesserung der Ausbildungsmöglichkeiten, insbesondere für Migranten, sollte vor allem die Erhöhung der Frauenerwerbsquote einen entscheidenden Impuls für die wirtschaftliche Entwicklung der Unternehmen erzielen. Mit einer höheren Frauenerwerbsquote kann die Beschäftigtenstruktur insgesamt umfänglichere Kompetenzen aufweisen. Zudem kann dem Arbeitskräftemangel besser begegnet werden. Zentrale Bausteine für eine nachhaltige Fachkräftesicherung und die Nutzung des Bildungspotenzials der Menschen in der Region sind eine höhere Beschäftigung Älterer und längere Lebensarbeitszeiten. Entscheidend hierfür sind der Erhalt und der Ausbau der Beschäftigungs- und Leistungsfähigkeit älterer Arbeitnehmer durch entsprechende personalpolitische Maßnahmen. Hierzu zählen unter anderem eine gesundheitsgerechte (altersgerechte) Arbeitsgestaltung, altersgerechte Karrierewege und Arbeitszeiten sowie spezielle Weiterbildungsmaßnahmen für Ältere. Wirkungsvoll sind auch altersgemischte Teams, das Herabsetzen der Leistungsanforderungen an Ältere und eine besondere Ausstattung ihrer Arbeitsplätze. Diese Maßnahmen können ebenfalls zu einer längeren Leistungsfähigkeit beitragen. Darüber hinaus sind neue Modelle für den Übergang vom Beruf in den Ruhestand im Zusammenspiel regionaler Unternehmen und Institutionen zu entwickeln. Ziel müssen flexible Lösungen sein, die einerseits dem Unternehmen helfen, das Wissen und die Erfahrung Älterer lange im Unternehmen zu halten; andererseits müssen sie das Engagement älterer Arbeitnehmer fördern, um die Produktivität Älterer zu sichern. 16.6.7 Weiche Standortfaktoren Das Halten von (hoch-)qualifizierten Beschäftigten und das Anziehen von High Potentials erfordern ein attraktives Lebensumfeld. Qualifizierte Arbeitnehmer geben bei der Standortwahl solchen Orten oder Regionen den Vorzug, die sich durch Vielfalt und Offenheit, Authentizität und Identität auszeichnen. Außerdem spielt ein reichhaltiges Angebot an kulturellen Aktivitäten (Musik, Ausstellungen, Konzerte etc.), die dafür sorgen, dass ein pulsierendes Leben entstehen kann, eine wichtige Rolle. In diesem Sinne ist auch die Forderung nach integrierten Planungsansätzen zu stellen, die ebensolche Elemente der Lebensraum-, Standort- und Stadtentwicklung mitberücksichtigen. 16.6.8 ‚Green Growth’ In Anbetracht der steigenden Energiepreise sowie des Klimawandels ist ein nachhaltiger Umbau der Wirtschafts- und Energiesysteme hin zu einer höheren Klimafreundlichkeit und Energieeffizienz unabdingbar. Die Bundesrepublik Deutschland 393 nimmt im Bereich Umwelttechnologie/Cleantech eine Vorreiterrolle ein. Vor dem Hintergrund eines starken gesellschaftlichen Bewusstseins für ökologische Themen, gepaart mit den Möglichkeiten eines hochtechnisierten Umfeldes, hat sich in Deutschland eine starke und innovative Cleantech-Industrie entwickelt. Dabei spannt der Begriff Cleantech einen weiten Bogen von eher traditionellen Wirtschaftszweigen und Verfahren – wie der Abfallwirtschaft und Abwasserentsorgung – bis hin zu modernen Hochtechnologien, wie sie in der Photovoltaik, Windenergie, Biokraftstoffherstellung oder im Metallrecycling zum Einsatz kommen. Mit diesen Kompetenzen und vor dem Hintergrund der notwendigen Umstrukturierung hin zu klimafreundlicheren und ressourceneffizienteren Wirtschafts- und Energiesystemen bieten sich an vielen Wirtschaftsstandorten hohe Wachstumspotenziale für mehr Wertschöpfung und Beschäftigung. Diese werden sich dabei vor allem durch den Ausbau der Produktion und der Verteilung von erneuerbaren Energien ergeben. Neben Wachstumspotenzialen entstehen zugleich hohe Investitionsbedarfe. Um Wirtschaftsprozesse auch künftig nachhaltig – aus betriebswirtschaftlicher wie aus ökologischer Perspektive – gestalten zu können, ist der Einsatz energieeffizienter Technologien sowie erneuerbarer Energien in Unternehmen erforderlich. Damit einhergehende betriebliche Umstellungen und Investitionen stellen insbesondere KMU aufgrund ihrer begrenzten finanziellen Ressourcen vor große Herausforderungen. Um diese Herausforderungen bewältigen und die Chancen nutzen zu können, bedarf es zielgerichteter Maßnahmen. In diesem Kontext kann die regionale Wirtschaftsförderung in allen öffentlichen und privaten Bereichen zu den Themen Klimaschutz, Energiewende und Effizienzsteigerung mit Öffentlichkeitsarbeit, Beratung, Vernetzung und Vermittlung von Förderung aktiv werden. Ziel sind mehr und gezieltere Investitionen in neue regenerative Energieanlagen, Wärmedämmung und andere Effizienztechniken. Wirtschaftsförderung kann dazu Forschung anstoßen und Wirtschaft und Forschungseinrichtungen vernetzen. Damit können Rohstoff-, Material-, Antriebs- und Energieeffizienz gesteigert, systematische Energieeinsparungen vorangetrieben und innovative regenerative Energieerzeugung und Speicherung gefördert werden. Auf diese Weise können wiederum der Wirtschaft vor Ort die Märkte im In- und Ausland erschlossen werden. 16.7 Fazit: Mehr (regionale) Wertschöpfung durch intelligente Spezialisierung Die Europäische Kommission hat mit der Europa-2020-Strategie und den Verordnungswerken für die ESI-Fonds einen neuen Rahmen für Strukturpolitik und Wirtschaftsförderung geschaffen. Die künftige Strukturpolitik der Länder und in den Regionen wird sich neu aufstellen müssen. 394 Vor dem Hintergrund eines Paradigmenwechsels hin zu einer stärker wissensbasierten Entwicklung wird es notwendig, die Standortpolitik in jeder Region je nach Startbedingungen individuell zu fassen (‚smart specialisation’). Dies hängt von der jeweiligen Ausstattung mit infrastrukturellem Kapital (d. h. der Anbindung an Handels-, Logistik- und Mobilitätsnetze) sowie mit energetischer und informatorischer Infrastruktur ab. In Abhängigkeit von ihrem politischen, sozialen, intellektuellen, unternehmerischen und finanziellen Kapital können regionale politische Akteure durch die Gestaltung der Rahmenbedingungen die Akteure der Wissenswirtschaft dabei unterstützen, differenziert spezifische Wissenswerte aus bestimmten Wissensdomänen zu entwickeln. Insofern kommt es darauf an, dass jede regionale Wirtschafts- und strukturpolitische Förderung Potenziale und Lösungen identifiziert für Partnerschaften innerhalb der Region sowie mit anderen Regionen und deren Unternehmen und Wissenswertschöpfungsnetzwerken. Wenn Regionen beginnen, Unternehmer und Hochschulen zu ermutigen, zusammen mit anderen Akteuren auf Basis regionaler Plattformen und Wertschöpfungsverbünde neue integrierte Produkte und Dienstleistungen zu schaffen, können sie die Chancen für dynamisches Wachstum nutzen. Die regionale Wirtschaftsförderung sollte mit Weitblick strukturpolitisch aktiv werden und wissensorientiert investieren, um sich so im internationalen Standortwettbewerb zu empfehlen. Dafür ist es auch entscheidend, Persönlichkeiten und Pioniere zu fördern, adäquate Partnerschaften und deren Positionierung und Profilierung zu unterstützen, Investitionen durch Sponsoring und philanthropische Aktivitäten in die regionale Entwicklung zu integrieren, die Anwendung von Wissen und die Umsetzung in Produkte zu befördern, Plattformen für besseren Wissenstransfer und den gesellschaftlichen Dialog zu nutzen. Mithilfe einer flexiblen Spezialisierung können zusätzliche Wachstumsimpulse geschaffen werden, sofern sich die regionalen Akteure im Dialog über Partnerschaftsund Kooperationsplattformen austauschen und weiter entwickeln. Die Zukunft der Wirtschaftsförderung besteht dabei in der Initiierung, Einrichtung und Begleitung von Dialog-, Netzwerk- und Wissensplattformen. Nur so können die Herausforderungen für intelligente, nachhaltige und integrative Zukunftskonzepte gelöst werden. 16.8 Literatur Arndt, O./Baier, E./Freitag, K./Kimpeler, S./Knetsch, F./Nimmrichter, R./Sadowski, F./Wydra, S. 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Zusammenfassung

Der Band beschäftigt sich mit den Leistungen und Schwächen von Clusterpolitik und der Zukunft der Wirtschaftsförderung. Heute wissen wir, dass Clusterpolitik als Instrument moderner Wirtschaftsförderung sich immer nur dann bewährt, wenn die in der komplexen Theorie angelegten verschiedenen Koordinationsmodi auch in der Realität greifen können. Dazu muss das Umfeld in die Förderung integriert werden, weil nur so der Aufbau regionaler Innovationssysteme gelingt. Dabei gerät vor allem die Beschäftigung in wissensintensiven, zukunftsfähigen Wachstumssektoren in das Visier der Wirtschaftsförderung. Der Standortvergleich herausragender Wirtschaftsregionen hebt durchgängig die Existenz solcher Kooperationsstrukturen und Wissenskollaborationen hervor.

Daher wird in diesem Band neben wissenschaftlichen auch praxisrelevanten Fragen nachgegangen:

Welche Arten von Clusterpolitik haben sich herausgebildet, und was wissen wir über ihren Einfluss auf regionale Wirtschaftsentwicklung?

Welche Erkenntnisgewinne hat die Clusterforschung der letzten Jahre für die wirtschaftspolitische Praxis geliefert? Was sind Good Practice Beispiele?

Ist die „Clusterei“ immer noch ein wirtschaftspolitischer Königsweg oder mittlerweile eher ein Sorgenkind?

Was ergibt sich für ein zukunftsorientiertes Modell zur Zukunft der Wirtschaftsförderung angesichts neuer Herausforderungen wie beispielsweise Demografischem Wandel, Energiewende oder zukunftsfähiger Mobilitätskonzepte?