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Beck Rasmus C., Heinze Rolf G., Schmid Josef, Die Zukunft der Wirtschaftsförderung. Perspektiven und Herausforderungen von regionalen Clusterpolitiken in:

Rasmus C. Beck, Rolf G. Heinze, Josef Schmid (Ed.)

Zukunft der Wirtschaftsförderung, page 23 - 38

1. Edition 2014, ISBN print: 978-3-8487-1039-3, ISBN online: 978-3-8452-5163-9, https://doi.org/10.5771/9783845251639_23

Series: Wirtschafts- und Sozialpolitik, vol. 14

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23 1 Die Zukunft der Wirtschaftsförderung. Perspektiven und Herausforderungen von regionalen Clusterpolitiken Rasmus C. Beck, Rolf G. Heinze und Josef Schmid 1.1 Einleitung in die Thematik: Perspektiven und Herausforderungen von regionalen Clusterpolitiken. Regionale Cluster bzw. Clusterpolitik sind in den vergangenen Jahren eine Wachstumsbranche, ja Modewelle geworden. Dabei ist Clusterpolitik in Deutschland im Prinzip kein neues Politikfeld, sondern es ist geprägt von Elementen der Industrie-, Wettbewerbs-, Regional-, Innovations- und Forschungs- und Entwicklungspolitik. Entsprechendes findet sich in der wissenschaftlichen Behandlung des Themas. Da der Begriff oft recht unscharf verwendet wird, soll vorweg eine Definition gegeben werden: „Zunächst einmal gehören zu einem Cluster mehrere Unternehmen, die gemeinsam einem Produkt- oder Produktionsbereich und damit einem Sektor zugeordnet werden können. Bei einem etablierten Cluster bilden diese Unternehmen eine räumliche Konzentration in ihrem Produkt- oder Produktionsbereich, die in der Wirtschafts- und Sozialstatistik oder in den Analysen der Wirtschaftsgeografie auch empirisch dokumentiert werden kann. Die Spezialisierung der Unternehmen erlaubt eine entsprechende Bezeichnung des Clusters über die besonders relevanten Produkt- oder Produktionsbereiche, die die Cluster jeweils kennzeichnen, seien es nun klassische Produkte wie beispielsweise Bekleidung, Schuhe, andere Lederwaren, Möbel, Uhren oder Schmuck oder neuere Produkte wie beispielsweise Biotechnologie, Halbleitertechnik, Solarenergie oder neue Medien. Zu einem Cluster werden auch die Zulieferunternehmen, die Rohstoffe oder verarbeitete Vorprodukte bereitstellen, und die Dienstleistungsunternehmen gerechnet, die den Produktionsunternehmen des Clusters zuarbeiten. Schließlich wird ein Cluster durch öffentliche Dienstleistungsorganisationen (wie beispielsweise Bildungseinrichtungen, Hochschulen, Kammern und Verbände, politisch-administrative Einheiten etc.) vervollständigt […].“ (VOELZKOW in diesem Band). In seinem klassischen Aufsatz betont PORTER (1998: 79) dabei die Rolle der Vernetzung und der Akteure. Denn: „A cluster’s boundaries are defined by the linkages and complementarities across industries and institutions that are most important to competition.“ Und weiter: „Tapping into the competitively valuable assets within a cluster requires personal relationships, face-to-face contact, a sense of common interest, and ‚insider’ status.“ Beide Aspekte öffnen den interdisziplinären Austausch zwischen Clusterforschung und Sozialwissenschaft, wo Theorie und Methodik der Netzwerkanalyse weit fortgeschritten sind (vgl. JONAS 2005). Neben der hohen Bedeutung von 24 Grenzgängern und Vertrauen wird hier vor allem auf die Governance- Mechanismen und Lernpotenziale verwiesen. Zugleich wird eine Brücke auf regionaler Ebene geschlagen zu denjenigen Forschungen, die unter dem Stichwort „Varieties of Capitalism“ (HALL/SOSKICE 2001) firmieren. Hier geht es – zwar auf der Makroebene – um institutionelle Komplementaritäten und Wettbewerbsvorteile sowie die „embeddesness of economic action“ (GRANOVETTER 1985). Auf ähnliche Beobachtungen trifft man aber ebenfalls bei regionalen Clustern – freilich bei erheblichen Freiheitsgraden in den jeweiligen Konstellationen. Sie zeichnen sich ferner durch eine interessante Spannung zwischen Globalität und Regionalität aus, denn auch und gerade regionale Cluster zielen auf ein erfolgreiches Abschneiden im internationalen Wettbewerb. Der Mechanismus ist schon bei PORTER (1998: 80) beschrieben: „Clusters affect competition in three broad ways: first, by increasing the productivity of companies based in the area; second, by driving the direction and pace of innovation, which underpins future productivity growth; and third, by stimulating the formation of new businesses, which expands and strengthens the cluster itself.“ Schließlich und eher generell signalisiert die Clusterforschung auch ein komplementäres, ja kritisches Verhältnis zur ‚Durchschnittsökonomie’, da es ja zu qualitativ und quantitativ unterschiedlichen Formen der regionalen Verdichtung kommt. Diese knapp skizzierten disziplinären Bezüge und theoretischen Weiterführungsmöglichkeiten sind sicherlich ein Grund für die Karriere des Clusterkonzepts in Wissenschaft und Praxis. Und zugleich ist das die Basis dafür, dass es immer wieder zum „travelling“ und „stretching“ von Konzepten kommt (SARTORI 1970). Bei Martina FROMHOLD-EISEBITH (in diesem Band) meint das beispielsweise, dass eine „Fülle regional wie branchenbezogen hochunterschiedlicher, letztlich jeweils einzigartiger Phänomene der Clusterentstehung, -dynamik und -evolution […] in eine universale, einheitliche Rahmengebung gepresst“ werden. MARTIN/SUNLEY (2003) fragen sich bei ihrer Beurteilung des Forschungsstandes sogar, ob es sich bei Clustern um ein „Chaotic Concept“ oder um ein „Policy Panacea“ handelt. Daher verwundert es nicht, dass inzwischen bisweilen Wasser in den Wein gemischt wird und die Betrachtung von regionaler Clusterpolitik als ‚Wunderwaffe’ vorbei ist. Martina FROMHOLD-EISEBITH (in diesem Band) greift diese Skepsis auf: „Glaubt man den Wirtschaftsexperten des renommierten Wochenmagazins ‚The Economist’, so ist ‚der Lack ab’ vom einstigen Glanz der clusterorientierten Wirtschaftsförderung.“ „Clusterpolitik quo vadis?“ ist daher ein gutes wie aktuelles Motto (KOSCHATZKY/STAHLECKER 2012). Die Erfahrung ist, dass manch eine positive institutionelle Stabilisierung auf längere Sicht von Behinderung wegen der einsetzenden Trägheit von Institutionen und Akteuren abgelöst wird. Freilich ist dieser Lebenszyklus bei Clustern nicht zwingend! Auch die Ambivalenz zwischen regionaler Autonomie und den nationalen und internationalen Interdependenzen ist 25 schwer in Balance zu halten, zumal die Rahmenbedingungen einem ständigen Wandel unterworfen sind. Sind damit regionale Cluster ein Beispiel für ‚erfolgreiches Scheitern’? SEIBEL (1992) hat dieses Konzept am Beispiel der Non-Profit- Organisationen entwickelt. Sie überleben auf Dauer, obwohl sie ökonomisch gesehen oft ineffizient sind und bei der Lösung von Problemen scheitern bzw. diese nicht wirklich bewältigen. Das hat eine gewisse Funktionalität, weil eben dadurch politische Ressourcen gewonnen werden können, die perfekten Organisationen verwehrt bleiben. Zudem legitimieren sie prekäre Verhältnisse, indem sie deren Bekämpfung vorgeben, ohne dies nachhaltig zu erreichen. Die Beiträge versuchen, hierauf Antworten zu geben. Ralf MEYER, Michael MEILWES und Michael KLÜNDER beginnen den einleitenden Block mit einem historischen Aufriss der Genese von hannoverimpuls und einem engagierten Plädoyer für eine innovative regionale Wirtschaftsförderung. Ähnlich konstatiert später in seinem Beitrag Bodo HOMBACH: „‚Wirtschaftsförderung’ ist traditionell Appell“. Zu deren Elementen gehört eine tragfähige Infrastruktur, ohne die die Konzepte allzu leicht bloße Ideen bleiben. Die Wirtschaftsförderung in der Region Hannover zeigt dies eindrucksvoll. Denn, was „als Hannover-Projekt 2002 begann und zehn Jahre lang Projektstatus hatte, hat sich zur ständigen Institution gemausert. hannoverimpuls ist entfristet und die neu formierte Gesellschaft führt nach der Fusion mit der Holding ihre Arbeit unter dem Namen von hannoverimpuls fort“ (MEYER/MEILWES/KLÜNDER in diesem Band). Man kann diesen Praxisbericht mühelos mit den wissenschaftlichen Erkenntnissen zur erfolgreichen Bildung von Institutionen unterlegen. Einen ersten Baustein in Richtung Perspektiven und Herausforderungen von regionalen Clusterpolitiken liefert Christian KETELS. Er verfolgt vor allem drei Fragen: • Welche Arten von Clusterpolitik haben sich in den letzen Jahren herausgebildet, und was wissen wir über ihren Einfluss auf regionale Wirtschaftsentwicklung? • Welche Erkenntnisgewinne hat die Clusterforschung der letzten Jahre für die wirtschaftspolitische Praxis geliefert? • Welche Konsequenzen ergeben sich für ein zukunftsorientiertes Modell der Wirtschaftsförderung? Seine Zukunftsvision für die Clusterpolitik trifft die Intention der Veranstaltung, nämlich die eines strategischen Dialoges zwischen Unternehmen, öffentlicher Hand und Forschung. Im Block A geht es um eine Fortsetzung der kritischen Bestandsaufnahme der regionalen Clusterpolitik. Martina FROMHOLD-EISEBITH prüft, ob sich das Ganze nicht als bloße Modeerscheinung abtun lässt. Die Mängel der Clusterkonzeption betreffen aus ihrer Sicht vor allem folgende Punkte: 26 • Das hochkomplexe Zusammenspiel wirtschaftlicher, sozialer und institutioneller Faktoren wird oft allzu simpel behandelt und regionsspezifische soziale und nicht-marktvermittelte Mechanismen (z. B. Wissens-Spillovers) werden unterschätzt. • Cluster werden zu statisch gesehen, was vielfältige Wandlungsprozesse und generell den bedeutsamen Faktor Zeit missachtet, auch mit Blick auf mittelbis langfristige evolutionäre Entwicklungen. Allerdings ist Clusterpolitik nicht einfach als Modeerscheinung abzutun. Dazu ist ihres Erachtens das Wechselspiel von Theorie und Praxis zu fruchtbar. Bodo HOMBACH berichtet über die positiven Erfahrungen mit dem Strukturwandel im Ruhrgebiet. Ein erstes Credo lautet: ‚Modernisierung in sozialer Verantwortung’, so könnte man den Wandel der Wirtschaftsstruktur an der Ruhr grob umschreiben. Das Ziel der regionalisierten Strukturpolitik war und ist, unter Beteiligung aller relevanten Kräfte in den Regionen (von den Kammern, Gewerkschaften und Unternehmerverbänden bis hin zu den Hochschulen) eine problembezogene Erneuerung zu erreichen. Das kennt man auch unter ‚Mesokorporatismus’ in der wissenschaftlichen Literatur (vgl. HEINZE/SCHMID 1994). Ein zweites Stichwort lautet: Schlüsselindustrie ‚Wissen’. Denn der in Zukunft wichtigste Rohstoff werden neue Gedanken oder kreatives Denken sein. Bahnbrechende Ideen und Qualität sind zwar nicht an einen Ort gebunden. Regionale Wirtschaft muss dabei jedoch nicht in der zweiten Liga spielen. Daniel BUHR konzentriert sich auf die Governance-Probleme von Innovationspolitik im Allgemeinen und regionaler Innovationspolitik im Besonderen. Es geht um die Frage, wie Innovationen überhaupt entstehen und was die politischen Akteure dabei auf ihren jeweiligen Gestaltungsebenen unternehmen können. ‚Innovationssystem’ ist hierbei die zentrale analytische Kategorie. Das umfasst bei ihm wie bei Knut KOSCHATZKY: „[...] alle wichtigen wirtschaftlichen, sozialen, politischen, organisatorischen, institutionellen und anderen Faktoren, die die Entwicklung, Diffusion und Nutzung von Innovationen beeinflussen“ (Übersetzung von Koschatzky nach Edquist). BUHR widmet sich sodann der Frage, wie koordiniert bzw. unkoordiniert dieser Prozess in Deutschland abläuft und welche Ansätze der staatlichen Steuerung und Koordinierung in einem Mehrebenensystem bzw. bei Akteuren mit sehr unterschiedlichen Handlungslogiken es gibt. Das Innovationspotenzial von ebenenund ressortübergreifender Koordination – so die These – wird heute in Deutschland nicht ausgeschöpft. Eine Besonderheit identifiziert er im Aufgabenspektrum des Bundes: Da nicht alle Regionen etwa in Hochtechnologie-Cluster umgewandelt werden können, muss er für Ausgleich sorgen. Das unterscheidet ihn von vielen anderen politischen Akteuren. Helmut VOELZKOW greift die Debatten um die ‚Varianten des Kapitalismus’ und das ‚deutsche Produktionsregime’ auf und hinterfragt einerseits deren aktuelle 27 Gültigkeit und andererseits deren Relevanz für die Entstehung und Erklärung von regionale Innovationssystemen im Übergang zur Wissensgesellschaft. Seine Kernfrage lautet: Ist die Governance regionaler Wirtschaftscluster in Deutschland immer ‚typisch deutsch’? Oder gibt es bedeutsame Abweichungen – und mit welchen politisch-ökonomischen Implikationen? Seine Antwort ist zwiespältig: Nur im ‚regionalisierten Kapitalismus’ Italiens konnte vielleicht der Eindruck entstehen, dass das nationale Produktionsregime mit den Clustern in italienischen Regionen gleichgesetzt werden kann. Für alle anderen Länder gelten deutlich höhere Freiheitsgrade. Gleichwohl spielen die „kollektiven Wettbewerbsgüter“ (VOELZKOW in diesem Band) – wie die berufliche Aus- und Weiterbildung, die Art der industriellen Beziehungen und der ‚Corporate Governance’, die Unternehmensfinanzierung etc. – auch für die regionalen Wirtschaftscluster eine einflussreiche Rolle. In Block B stehen die bislang gemachten Erfahrungen mit der Umsetzung von Clusterpolitiken im Vordergrund. Matthias KIESE liefert eine systematische Bestandsaufnahme, die in den interregionalen Vergleich eingebettet wird. Er fasst die empirischen Ergebnisse zur Clusterpolitik in Deutschland zusammen und kritisiert dabei • die Dominanz eines technokratischen Clusterverständnisses; • die vorschnelle Gleichsetzung von Clustern und Netzwerken, bei denen dann der Raumbezug fehlt; • das Problem des Herdenverhaltens, d. h., alle Akteure rennen hinterher in die Clusterbildung und lassen eventuell auch schnell wieder davon ab; • die Folge einer solchen Clusterinflation, d. h. die Vernachlässigung von Alternativen und damit eine konzeptionelle Verengung. Kurz: In einer opportunistischen Überdehnung des Clusterbegriffs werden zu viele ‚Cluster’ mit unzureichenden Potenzialen ausgewählt. Rolf STERNBERG stellt die Gründungsförderung am Fall Hannover dar (siehe dazu auch den einleitenden Beitrag von Ralf MEYER, Michael MEILWES und Michael KLÜNDER). Dabei zeigt er, dass die einschlägigen GEM-Gründungsquoten für eine Großstadt wie Hannover relativ gering ausfallen. Der zeitliche Vergleich zeigt zudem, dass die Region Hannover sich hinsichtlich der Gründungsquoten seit 2003 ungünstiger entwickelt hat als Deutschland insgesamt. Allerdings belegen die Daten ebenfalls, dass es bei den Gründungseinstellungen der Hannoveraner Bevölkerung besser aussieht, was spätere Gründungsaktivitäten positiv beeinflussen könnte. Ferner zeigt die Analyse der gründungsbezogenen Rahmenbedingungen, dass die Gründungsförderung, aber auch wachstumsstarke Gründungen komparative Stärken der Region Hannover darstellen, die (Aus-)Bildung sowie Gründungen durch Menschen mit Migrationshintergrund dagegen komparative Schwächen. 28 Auch mangelt es an der ausreichenden Finanzierung von Gründungsvorhaben und der Vorbereitung in der Pre-Entry-Phase. Julius von INGELHEIM, Oliver SYRING, Thomas KRAUSE und Manfred GÜNTERBERG liefern eine weitere Fallanalyse; hier zur Wolfsburg AG – einer Public-private-Partnership. Die Ziele sind hochgesteckt und basieren auf den regionalen Strukturen, denn in der Metropolregion entwickeln und produzieren bereits jetzt 5.800 Betriebe mit 186.000 Beschäftigten Lösungen im Bereich Mobilität. Man will daher Europas forschungsintensivste Region sowie Deutschlands führendes Mobilitätscluster und zentraler industrieller Kern für Mobilität und Elektromobilität werden und dazu auch im Bereich der internationalen Technologiemessen (CeBit, Hannover Messe) vorne mitspielen. Ergänzt werden soll dies durch die Stärkung der regenerativen Energieerzeugung und der Nutzung der Region, die über eine Mischung aus urbanen Kernen und ländlichen Gebieten verfügt, als repräsentativer Testmarkt. Zudem verweisen sie auf den Aspekt ‚Gesundheit’, der angesichts der demografischen Entwicklung Deutschlands eine der größten Herausforderungen, denen sich Land und Arbeitswelt stellen müssen, darstellt. Heike LUTOSCHKA und Michael ANZ berichten über die Wirtschaftsförderung in der Region Dresden. Hier gibt es einen besonderen Fokus auf das Mikroelektronik-Cluster am Standort. Dass Dresden zu einem Zentrum der europäischen Chipindustrie wurde, ist sowohl einem Erkenntniswandel im bundesdeutschen Forschungsministerium Anfang der 1990er Jahre zu verdanken, vor allem aber auch klugen, weitsichtigen Entscheidungen einflussreicher Persönlichkeiten und ihren hervorragenden Verbindungen. Einen (extern gestützten) Schub hat auch die Auszeichnung der TU Dresden als Exzellenzuniversität bewirkt; große Hoffnungen und strategische Überlegungen richten sich auf die Potenziale, welche aus der Entwicklung neuer Technologien im universitären Bereich resultieren. Der Technologietransfer ist seit jeher ein wesentliches Thema, wird jedoch damit abermals in seiner Bedeutung unterstrichen. Gleichzeitig heben sie die Standortnachteile hervor, die für ganz Ostdeutschland typisch sind: das Fehlen großer Konzernzentralen und damit die enorme Abhängigkeit von standortrelevanten Entscheidungen, die weitab von Dresden getroffen werden. Josef HILBERT und Elke DAHLBECK widmen sich der Bildung von Gesundheitsregionen als Perspektive im Strukturwandel. Dahinter steht ein grundlegender Paradigmenwechsel: Seit Mitte der 1990er Jahre hat sich der Blick auf die Gesundheitsbranche erweitert. Wurde bis dahin Gesundheit nahezu ausschließlich als sozialpolitische Aufgabe gesehen, stieg nun die beschäftigungs-, wirtschafts- und strukturpolitische Aufmerksamkeit für die Entwicklungen in der Gesundheitsbranche. Ausgangspunkt für diesen Perspektivenwechsel war zunächst, dass im Gesundheitsbereich wie nirgendwo sonst neue Arbeitsplätze entstanden. Darüber hinaus wurde immer klarer, dass Gesundheit eines der wichtigsten Anwendungsfelder für Hightech-Verfahren und Produkte etwa aus dem Bereich der 29 Lebenswissenschaft oder der Mikrosystemtechnik ist. Damit hat sich zugleich die Aufmerksamkeit von Wirtschaftsförderern und Regionalentwicklern auf dieses Feld hin fokussiert. Kritisch wenden sie allerdings auch ein, dass Strategien und Ziele von Gesundheitsregionen nicht immer klar definiert sind. Und hier gilt es vielleicht im besonderen Maße, Closed-Shop-Bildung zu verhindern und etablierte Strukturen aufzubrechen. Um das Einbringen neuer Ideen und Interessen geht es auch im Beitrag von Manfred WANNÖFFEL. Er fragt am Beispiel der Bochumer Opel-Werke, welche Rolle die betriebliche Mitbestimmung bzw. Betriebsräte bei der Entwicklung und Durchsetzung von organisatorischen und sozialen Innovationen wahrnehmen können. Dazu müssen seines Erachtens Betriebsräte ihre arbeitspolitischen Strategien von einer klassischen, reaktiven Schutzpolitik im betrieblichen Kernbereich in Richtung eines aktiven Mitbestimmungsmanagements erweitern und dabei zunehmend überbetriebliche, strategische Kooperationen mit der Wirtschaftsförderung, mit Partnerbetrieben und wissenschaftlichen Einrichtungen der Region suchen und eingehen. Dabei geht es um folgende Fragestellungen: • Welche Rahmenbedingungen haben dazu beigetragen, dass zunehmend auch Betriebsräte zu wichtigen Akteuren organisatorischer und sozialer Innovationen in der regionalen Wirtschaftsförderung werden? • Wie kann eine Wechselwirkung zwischen betrieblichen Innovationsanforderungen und regionalen Besonderheiten der wirtschaftlichen und sozialen Infrastruktur gelingen (intelligente Spezialisierung)? • Wo liegen Chancen, aber auch Grenzen des Einflusses der betrieblichen Mitbestimmung auf die regionale Wirtschaftsförderung? Die regionale Wirtschaftsförderung kann umgekehrt auf das Potenzial der betrieblichen Interessenvertretungen zurückgreifen, denn Betriebsräte sind oftmals länger im Unternehmen tätig als häufig wechselnde Manager und werden so zu den eigentlichen Kennern ihrer Betriebe und ihrer Umwelt. Jörg LENNARDT und Markus WESSEL konzentrieren sich auf die Besonderheiten der Wirtschaftsförderung in ländlichen Räumen. Sie unterliegen einem besonders starken Wettbewerb der Standorte, um gewerbliche Investitionen und Ansiedlungen, Aufmerksamkeit (Leuchttürme), qualifizierte Arbeitskräfte und junge Menschen sowie öffentliche Investitionen (z. B. die Erweiterung von Hochschulen, private Bildungsinstitutionen, Infrastrukturinvestitionen) zu attrahieren. Dadurch gewinnt die Fähigkeit, Kernkompetenzen zu identifizieren und sich auf diese mit geeigneten Instrumenten zu fokussieren, an Bedeutung. Die Standortpolitik muss konsequent auf das Cluster ausgerichtet und die entsprechenden Unternehmen müssen am Standort unterstützt werden. Stefan RÖLLINGHOFF stellt den Fall der Wirtschaftsförderung Dortmund dar. Er geht von der provozierenden Frage aus: Does (and how does) local policy matter? Die Beantwortung ist nicht einfach, denn bei kommunaler Wirtschaftsförderung 30 geht es um eine ausgesprochen vielfältige und komplexe Aufgabe. Sie reicht von der Parkplatzproblematik des Bäckers nebenan bis hin zur maßgeblichen Beteiligung an industrie- oder clusterpolitischen Großvorhaben, oftmals mit weiteren Ver- ästelungen in arbeitsmarkt- und bildungspolitische Bereiche hinein. Sinnvoller wäre es seines Erachtens daher, von ‚kommunaler Wirtschaftspolitik’ zu sprechen und das Augenmerk auf die vielfältigen Rollen und Funktionen von Wirtschaftsförderern zu legen. Sie betreiben Netzwerkmanagement zwischen unterschiedlichen Systemen innerhalb einer Kommune und bringen Ideen, Menschen und Ressourcen im Interesse der ökonomischen und sozialen Wohlfahrt einer Kommune zusammen. Im Block C geht es um künftige Entwicklungen der Clusterkonzepte und der Wirtschaftsförderung. Olaf ARNDT und Holger BORNEMANN greifen das Thema Innovationen auf. Dieses ist basal, weil technischer Fortschritt, der in engem Zusammenhang mit den Innovationen steht, für etwa ein Drittel des Wirtschaftswachstums verantwortlich ist. Rund 80 Prozent des Produktivitätswachstums der Industrieländer entsteht heute durch Innovationen. Dementsprechend hat die Europäische Kommission einen neuen Rahmen für die Strukturpolitik und Wirtschaftsförderung geschaffen, in dem ‚Wissen’ und ‚Innovation’ eine besondere Bedeutung haben. Die künftige Strukturpolitik der Länder und in den Regionen wird sich an die neuen Rahmenbedingungen für die Förderperiode 2014-2020 anpassen müssen. Eine größere Bedeutung werden innovationsorientierte Instrumente erhalten, die folgende Ziele aufgreifen: • Ausbau der Infrastruktur für Forschung und Innovation und der Kapazitäten für die Entwicklung von FuI-Spitzenleistungen, Förderung von Kompetenzzentren, insbesondere solchen von europäischem Interesse; • Förderung von FuI-Investitionen in Unternehmen, Produkt- und Dienstleistungsentwicklung, Technologietransfer, sozialer Innovation und öffentlichen Anwendungen, Nachfragestimulierung, Vernetzung, Clustern und offener Innovation durch intelligente Spezialisierung. Rasmus C. BECK greift die Handlungsimplikationen aus der der Tatsache auf, wonach die Verfügbarkeit von qualifiziertem Personal immer mehr zu einem bedeutenden Standortfaktor und der ‚Kampf um Köpfe’ zu einem regionalen Wettbewerb avanciert ist. Diese Ausgangssituation trifft in besonderer Weise auf Regionen mit drohenden Fachkräfteengpässen zu, deren Umgang mit diesem Problem dann zu einer wegweisenden Standortherausforderung wird. Dennoch ist das Thema ‚Fachkräfteentwicklung’ aber noch ein unterschätztes und in seiner Umsetzung oft unzulänglich behandeltes Thema in der Wirtschaftsförderungslandschaft. Denn durch geburtenstarke Jahrgänge, Arbeitsmarktschocks wie die Wirtschaftskrise und teilweise erhebliche Erwerbspersonenpotenziale bei Frauen, Älteren und Migranten sind noch nicht alle Fachkräftepotenziale ausgeschöpft und der Handlungsdruck 31 ist noch nicht flächendeckend hoch. Becks These ist, dass in der Wirtschaftsförderung hohes strategisches Vermögen im Standortmanagement und in der Netzwerkbildung nicht zwangsläufig ausreicht, um qualifizierte Arbeitskräfte zu binden oder zu akquirieren. Eine zukunftsweisende regionale Fachkräftepolitik muss vielmehr eine Vermittlung zwischen den Organisationskulturen der einzelnen Akteure (von den Unternehmen, den Hochschulen, der politischen Verwaltung etc.) nicht nur verbal proklamieren, sondern auch in funktionsfähige Projekte und Strukturen überführen. Subsumiert gilt für die meisten Kreise und Kommunen in Deutschland, dass in der Fachkräftefrage ein deutlicher Schritt zur Integration von bisher teilweise abgeschotteten Standort- und Bildungspolitiken zwischen Wirtschaftsförderung, Unternehmen und Hochschulen gegangen werden muss. Daniel SCHILLER fragt nach der Rolle von Spitzenforschern. Diesen kommt in der Wissensökonomie eine besondere Bedeutung zu, da neues Wissen und neue Technologien nicht das Ergebnis eines anonymen Produktionsprozesses sind, sondern von einzelnen, herausgehobenen Wissenschaftler- und Erfinderpersönlichkeiten abhängen. Freilich ist das nicht einfach, denn im globalen Maßstab betrachtet gelingt es nur den USA, einen deutlich positiven Wanderungssaldo bei Spitzenforschern zu erzielen. Innerhalb Deutschlands sind Spitzenforscher räumlich stark konzentriert. Schwerpunkte sind München, verschiedene Standorte in Baden- Württemberg und der Rhein-Main-Raum. Für die Wirtschaftsförderung schafft dies neue Herausforderungen. So könnten etwa im Rahmen von Clusterinitiativen Möglichkeiten geprüft werden, sich direkt und damit auch finanziell an Berufungen zu beteiligen (etwa mit Stiftungslehrstühlen). Zumindest sollte ein Augenmerk auf die unternehmerischen Fähigkeiten der Kandidaten und ihre Bereitschaft zur Kooperation im Rahmen der Verbundforschung am Standort gelenkt werden. Martin HEIDENREICH analysiert die Paradoxie, wonach zum einen Forschungsund Entwicklungsanstrengungen zunehmend internationalisiert werden; zum anderen aber dem Stammsitz der Unternehmen und den im Herkunftsland konzentrierten Kompetenzen nach wie vor ein überragender Stellenwert zukommt. Damit ergeben sich Ansatzpunkte für regionale und lokale Cluster- und Förderpolitiken: Die Innovationspolitiken von Unternehmen können durch regional ansässige Hochschulen, Forschungs- und Entwicklungseinrichtungen und Schulen (wissenschaftliches und Erziehungssystem), durch leistungsfähige Mitbewerber und Zulieferer und durch innovative Abnehmer (Wirtschafts- und Industriestruktur), durch Wirtschaftsund Technologiepolitik (politisches System) und durch (intermediäre) Verbände wie die IHK oder Wirtschafts- und Arbeitgeberverbände flankiert werden. Freilich impliziert das nicht, dass es nun das vorrangige Ziel einer lokalen Wirtschaftsförderung sein kann, MNU in regionale Innovationsnetzwerke einzubeziehen. Daniel ZWICKER-SCHWARM und Holger FLOETING werben für den verstärkten Einsatz von Social Media in der Wirtschaftsförderung. Denn weil erfolgreiche Wirtschaftsförderung immer mehr auf Kooperation mit Unternehmen, 32 Wissenschaft, Verbänden und anderen externen Zielgruppen, aber auch innerhalb der Verwaltung angewiesen ist, steigt die Bedeutung von Kommunikation und Vernetzung. Der Einsatz von Web 2.0 und Social Media hilft auch dabei, die unterschiedlichen Kommunikationskanäle zwischen Wirtschaftsförderung und ihren Kunden miteinander zu verknüpfen. Außerdem werden zukünftige Angebote in stärkerem Maße die Potenziale der Nutzereinbindung in Form von Feedback, Diskussion und nutzergenerierten Inhalten berücksichtigen müssen. Insgesamt wird es ihren Erachtens darum gehen, mit Bürgern und Wirtschaft eine gemeinsame Webkultur zu entwickeln. Dirk FORNAHL und Florian UMLAUF nehmen eine Bestandsaufnahme und Abschätzung der Entwicklungspotenziale von Innovationsaktivitäten im ländlichen Raum vor. Dieser verfügt über weitaus weniger Fördermittel pro Einwohner als städtische Regionen sowie über ein etwas stärkeres Engagement in den Feldern Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz, aber auch Luft- und Raumfahrt sowie Nanotechnologien und Werkstofftechnologien. Knut KOSCHATZKY konzentriert sich auf Probleme mit dem Technologietransfer in regionalen Innovationssystemen. Dazu beschäftigt er sich vor allem mit den neuen Ansätzen, die neben den klassischen bilateralen Kooperationen zwischen Unternehmen und Forschungseinrichtungen etabliert worden sind. Dazu gehören unter anderem die (regionale) Zusammenarbeit (und der Wettbewerb) in Clustern, die Etablierung von Kompetenzzentren, Plattformen und Wachstumskernen, die Förderung von Kooperationen im Rahmen von Metropolregionen sowie Kooperationsmodelle in Form von Public-private-Partnerships. Diese neuen ‚Forschungscampus-Modelle’ folgen der Erkenntnis, dass in dem Maße, wie die Forschung immer komplexer wird, auch die Komplexität im Wissensund Technologietransfer zunimmt. Christian BRÖMER und Michael MEILWES konzentrieren sich auf neue Finanzierungsinstrumente im Rahmen der Europa-2020-Strategie. Deren drei Oberziele sind intelligentes, nachhaltiges und sozial integratives Wachstum. Die möglichen Veränderungen im Bereich der Strukturfonds sind ihren Erachtens divers. Die drei Fonds EFRE, ESF und ELER erfahren erstmals die Möglichkeit einer Projektierung auf gemeinsamer Basis. Dieses ‚crossfunding’ soll sich konkret in der Zusammenlegung bzw. Öffnung von Förderlinien niederschlagen, um neue Finanzierungs- und Kofinanzierungsmöglichkeiten zu erschließen. Das bietet einige Vorteile wie den Aufbau eines Kapitalstocks, z. B. für die Innovationsförderung oder ein Mehr an Flexibilität Im Block D geht es um die konzeptionelle Revitalisierung bzw. um die Frage: ‚Quo Vadis Clusterpolitik?’ Im Beitrag von Rolf G. HEINZE geht es um zukünftige Chancen, aber auch Grenzen netzwerkförmiger Clusterstrategien in der Wirtschaftsförderung. Die neue Fokussierung auf Governance-Formen wie v.a. Netzwerke besitzt nämlich auch ihre 33 Risiken. Entgegen manchen Mythenbildungen sind auch Governance-Konzepte erstens oft schwer zu inszenieren und zweitens hinsichtlich einer effizienten Steuerung schwierig zu ‚managen’. Sie können also schwerlich als ‚Allzweckwaffe’ von Steuerungsproblem dienen. Wenngleich die Leistungsfähigkeit von Governance- Strategien zu relativieren ist, so haben sie doch eine gewisse Epoche der Wirtschaftsförderung und regionalisierter Strukturpolitik geprägt. Derzeit bedürfen sie einer Weiterentwicklung, die man mit strategischem Innovationsmonitoring umschreiben kann. Solcherart interaktive Lernprozesse zwischen verschiedenen Organisationskulturen sind schwer zu realisieren und benötigen Kooperationsbereitschaft sowie Vertrauen. Eine besondere Herausforderung ist in verschiedenen Zukunftsfeldern dabei der Fachkräftemangel, der koordinierte Handlungsstrategien erfordert. Dieter REHFELD vergleicht die Strukturpolitiken der Bundesländer und sucht nach Anzeichen der zukünftigen Entwicklungen. Er betont das Phänomen der Mehrebenenpolitik im Sinne einer Beteiligung • der europäischen Ebene, • der nationalstaatlichen Ebene, • einer mit Regionen beschriebenen subnationalen Ebene. Diese ist in den letzten Jahrzehnten in fast allen europäischen Staaten deutlich aufgewertet worden. Bedeutsam ist zudem der Smart-Specialisation-Ansatz, der sich aus der Kritik der Umsetzung der Clusterpolitik entwickelt hat. So fehlt es den regionalen Clusterinitiativen oft an einer überregionalen und internationalen Perspektive; sie weisen einen verengten Innovationsbegriff auf und folgen zu oft dem Vorbild erfolgreicher Regionen und versuchen, deren Strategie zu kopieren. Dietrich FÜRST verfolgt die restriktiven Bedingungen einer Wirtschaftsförderung angesichts knapper kommunaler Haushalte. Er konstatiert, dass sich eine neue Arbeitsteilung ergibt, wonach • einerseits die finanziellen Anreize, die überlokale Infrastruktur (Straßen, Breitbandnetze, Ausbildungssysteme, Hochschulen etc.) und die großräumige Standortattraktivität (Steuersystem, Rechtssystem, Infrastruktursystem) vom Staat (in Verbindung mit EU) bereitgestellt werden, • andererseits reduziert sich die kommunale Wirtschaftsförderung immer stärker auf qualitative Faktoren (Beratung, Hilfe bei der Suche von Immobilien, Unterstützung bei bürokratischen Prozessen der Betriebsgründung, ‚weiche Standortfaktoren’ etc.). Ferner geht es zunehmend nicht mehr nur um die Attrahierung von Kapital (Investoren), sondern um die Attrahierung von Fachkräften, was aber andere Standortfaktoren benötigt. Dabei gilt es bei der klassischen horizontalen interkommunalen Standortkonkurrenz einen Null-Summen-Wettbewerb zu vermeiden. Eine weitere Problematik ist seines Erachtens folgende: Wenn Geld knapp ist, neigen 34 Wirtschaftsförderer gern dazu, das knappe Geld primär in sichtbares Standortmarketing zu stecken. Aber das kann zu verkürzten Konzepten führen. Dmitri DOMANSKI greift das Thema soziale Innovationen auf. In diesem Zusammenhang geht es um die Thematisierung der Vielzahl und Heterogenität der am Innovationsprozess beteiligten Akteure, Organisationen und Institutionen sowie um die damit verbundene Schwerpunktverlagerung auf Netzwerke und auf neue Formen der Innovation, wie z. B. ‚open innovation’ und ‚open source’. Er wirft zudem einen interessanten Blick auf die Kreativwirtschaft. Deren Innovationspotenzial könnte auch branchenübergreifend, etwa unter dem Stichwort ‚Design Thinking for Social Innovation’, genutzt werden. Weitere Bereiche der Wirtschaftsförderung, in denen soziale Innovationen hohe Relevanz haben, sind die Raumentwicklung und das ‚social entrepreneurship’ (vgl. hierzu die Beiträge in JANSEN/HEINZE/BECKMANN 2013). Klaus DÖRRE sieht eine neue Rolle der Gewerkschaften im Strukturwandel (siehe auch den Beitrag von Manfred WANNÖFFEL). Auf der Basis dreier Fallstudien (Dortmund, Nürnberg, Chemnitz) zeigt er, dass in diesen Regionen Kooperationsverbünde entstanden sind, in denen die Gewerkschaften zumindest punktuell Einfluss auf die Entwicklung nahmen. Er verweist dabei insbesondere auf die zentrale Bedeutung gewerkschaftlicher ‚Scharnierpersonen’, hier vor allem die IG-Metall-Bevollmächtigten von Chemnitz und Nürnberg und der Dortmunder DGB-Regionalvorsitzende. Mit ihren unverwechselbaren Charakteren, Eigenarten, Vorlieben und persönlichen Auffassungen kreierten sie seines Erachtens spezifische Politikstile. Zudem identifiziert er vier Entwicklungsetappen: • Anfangs bildeten sich entlang der Konflikte, die mit dem Niedergang strukturprägender Altindustrien verbunden waren, Ansätze einer eigenständigen gewerkschaftlichen Strukturpolitik heraus. Zeitgleich nahmen gewerkschaftsnahe Akteure – außerhalb der gewerkschaftlichen Routineorganisation – wichtige regulative Funktionen wahr. • Während einer Professionalisierungsphase differenzierten sich diese Akteure aus und es kam zu Verbindungslinien zu den sich ebenfalls ausdifferenzierenden Knoten der staatlich-privatwirtschaftlichen Regionalpolitik. • In der Absorptionsphase gingen Elemente des gewerkschaftlichen Politikansatzes in die offizielle Regionalpolitik ein; gewerkschaftsnahe Akteure handelten faktisch wie (gemeinnützige) Unternehmen mit eigenen Geschäftsfeldern. • Das nachfolgende Stadium ist eines der „kritischen Selbstevaluierung“ und der Debatten über eine strategisch-politische Neuausrichtung. Freilich ist diese Einteilung stilisiert und viele Projekte weisen ihre eigene Dynamik auf. Arno BRANDT verfolgt die Veränderungen in der strategischen Ausrichtung der Wirtschaftsförderung in (West-)Deutschland. Diese muss die aktuellen Herausforderungen des Strukturwandels (d. h. des Übergangs in Richtung auf eine 35 wissensbasierte Innovationsökonomie) und die zentralen Eckpunkte der EU- 2020-Strategie einbeziehen. Die regionale Wirtschaftsförderung muss daher zunehmend komplexere Fragestellungen bearbeiten. Die ‚Geografie der Innovation’ liefert erste Ansatzpunkte für die Entwicklung regionaler Innovationsstrategien. Dabei geht es unter anderem um, die oft als Gegensätze behandelten Aspekte der Spezialisierung versus Diversität zu überbrücken sowie die Ambivalenzen der Bedeutung von räumlicher Nähe für den Wissenstransfer zu beachten. Ein ‚Patentrezept’ für die regionale Wirtschaftsentwicklung erwächst daraus jedoch nicht. Arne SCHNEIDER plädiert für einen Perspektivwechsel weg vom Input (Ansiedlungsförderung und Bestandspflege) hin zu Output (Leistungen) und Outcome (Wirkung). Dazu ist es sinnvoll zu erheben, wie die Qualität städtischer Leistungen von den Bürgern subjektiv bewertet wird, was stark von ihren Einstellungen, Vorerfahrungen und Erwartungen abhängt. Neben den Instrumenten der Marktforschung kann auch auf konsultative Beteiligungsverfahren, wie ein Bürgerpanel, zurückgegriffen werden (vgl. auch VOELZKOWs Forderung nach einer stärkeren Evidenzbasierung). Was lässt sich nun als Fazit aus den rund 740 Seiten an Darstellungen, Kritiken, Fallstudien und Vergleichen für die Beantwortung der Frage nach der Zukunft von Wirtschaftsförderung und regionalen Clusterpolitiken lernen? Oder: Was ist der Ertrag des Versuchs, eine breite Bestands- und Zustandsbeschreibung der kommunalen Wirtschaftsförderung in Beziehung zu setzen zu wissenschaftlichen Fragestellungen und Ergebnissen? a) Klar ist, dass der Hype zugunsten der Clusterstrategien sich mittlerweile deutlich abgeflacht hat. Arno BRANDT hat die von vielen geteilte Einschätzung so formuliert: „In der Wirtschaftsförderung macht sich zunehmend die Erkenntnis breit, dass das Versprechen auf ‚quick wins’ mit Clusterstrategien nur selten realisierbar ist und der auch auf anderen Feldern der Wirtschaftsförderung bekannte ‚lange Atem’ auf dem Gebiet der Clusterpolitik Einzug hält.“ (BRANDT in diesem Band) Moniert wird etwa die vermeintliche ‚Vagheit’ des Clusteransatzes oder dass die mit der Clusterung verbundene Strategie der Spezialisierung sich als weniger effizient als eine dezidierte Diversifizierungsstrategie erweist oder dass der Ansatz der Netzwerkförderung zur Ausgrenzung relevanter wirtschaftlicher Akteure führt und die Gefahr von Lock-in-Effekten (Einkapselungen) birgt. b) Andererseits gibt es auch deutliche Fortschritte. Christian KETELS stellt fest, dass in den letzten Jahren die Clusterforschung methodisch den Schritt von Fallstudien zu quantitativen Studien gemacht hat und dabei die konzeptionelle Definition von Clustern als räumliche Ballung von wirtschaftlichen Aktivitäten systematisch operationalisiert worden ist. Gut gemeint macht damit zusehends Platz für gut gemacht, was der Forderung nach Evidenzbasierung entgegenkommt. 36 Oder: „Does (and how does) local policy matter?“, so Stefan RÖLLINGHOFF. Was könnte dabei eine Messlatte für Erfolg sein? Helmut VOELZKOW bleibt eher auf der systemischen Ebene: „Clusterpolitik kann nur funktionieren, wenn die nicht-marktlichen Koordinationsmodi greifen, über die die Produktion der kollektiven Wettbewerbsgüter laufen soll. Deshalb muss immer wieder kritisch hinterfragt werden, ob die Clusterpolitik ihre kollektiven Wettbewerbsgüter tatsächlich produzieren kann. Und selbst wenn diese Hürde genommen sein sollte, bliebe in einer Evaluation zu überprüfen, ob die ursprüngliche Kalkulation der Clusterpolitik aufgegangen ist. Haben die bereitgestellten kollektiven Wettbewerbsgüter die beabsichtigten Wachstums- oder Beschäftigungseffekte tatsächlich erzielt? Lohnt der zusätzliche Aufwand der Clusterpolitik? Erst wenn alle diese Fragen bejaht werden können, kann der Clusterpolitik auch ein Erfolg bescheinigt werden.“ (VOELZKOW in diesem Band) Matthias KIESE plädiert ergänzend für den Blick auf die qualitativen Effekte einer clusterorientierten Wirtschaftsförderung, da sich regionalökonomische Zielvariablen wie Wertschöpfung oder Beschäftigung kaum von anderen Einflussfaktoren isolieren lassen. Ein Einsatzpunkt könnte seines Erachtens die Verbesserung der regionalen Organisationskapazität sein. Dazu gehört auch die zunehmende Professionalisierung und strategische Ausrichtung kommunaler und regionaler Wirtschaftsförderungen. c) Schließlich bedarf die wissenschaftliche Perspektive immer wieder einer Erdung aus der komplexen und vielschichtigen Praxis der kommunalen Wirtschaftsund Clusterförderung, ganz im Sinne der aus den Sozialwissenschaften bekannten Grounded Theory von Glaser und Strauss, d. h. einer Theorieentwicklung, bei der Empirie und Theorie in einem kontinuierlichen und wechselseitigen Rückkoppelungsprozess entwickelt werden (so für viele Stefan RÖLLINGHOFF). Gleichwohl erinnert KIESE zu Recht daran, dass Clusterentwicklung in Forschung und Praxis einen langen Atem benötigt. Denn die heute als erfolgreich angesehenen Cluster bzw. Clusterkonzepte haben sich über Jahrzehnte hinweg entwickelt. d) Regionale Wirtschaftsförderung und Clusterpolitik ist keine Wirtschaftspolitik ‚im Kleinen’, sondern ein dezidiert eigener Beitrag, um Maßnahmen geeignet umzusetzen. Sie weist, wie REHFELD und andere mehrfach betonen, die Merkmale eines Mehrebenensystems auf. D. h., es gibt: • komplexe institutionelle und Akteursmuster; • keine klare Abgrenzung zwischen den Ebenen und damit nur schwach festgelegte Verantwortlichkeiten; • gegenseitige Abhängigkeit der einzelnen Akteure; • zusammenwirken verschiedene Governance-Modi; • Aushandlungsprozesse über politische Ziele und Umsetzung als Zusammenspiel zwischen öffentlichen und privaten Akteuren, vor allem in Form von Selbstregulierung und weniger als klassisch staatliche Intervention. Zugleich ist Innovationspolitik eine Querschnittsaufgabe – und ein Politikfeld, das noch nicht gänzlich ausgereift ist. Die Fokussierung auf Innovationen als 37 Impulsgeber für moderne Wirtschaftsförderung erscheint dabei vorteilhaft, denn so wird deutlich, dass es sich um miteinander verbundene Institutionen und Akteure handelt, die in einem interaktiven Prozess Wissen, Fähigkeiten und Artefakte schaffen, speichern und transferieren. Zudem kommt es immer wieder zur ‚Hybridisierung’ an den Grenzen zwischen Gesellschaft (Praktiker/Nutzer) und Wissenschaft (Experte/Entwickler) sowie (weicher) Sozialwissenschaft und (harter) Ingenieur-/Naturwissenschaft. Last, but not least steht künftig eine stärkere Öffnung des Innovationsprozesses hin zur Gesellschaft an und eine instrumentell wie medial verstärkte Einbeziehung der Nutzer/Anwender/Bürger. e) Damit werden Kontexte und Ressourcen einer Wissensgesellschaft konstruktiv aufzunehmen sein, ohne damit die Ablösung der Industriegesellschaft zu postulieren, sondern es ist vielmehr auf deren vielfältige Verflechtung und Kombinierbarkeit zu achten. Gemeint ist damit eine ökonomische Ordnung, in der Wissen und nicht so sehr Arbeit und Kapital Schlüsselressource ist. Die Wissens- ökonomie ist der Kern der Wissensgesellschaft. Sie ist eine innovationsgetriebene Wirtschaft. Ferner bildet sie eine soziale Ordnung, in der die Infragestellung etablierter Normen und Regeln (Unsicherheit) sowie eine neue soziale Ungleichheit, basierend auf Wissen, die Hauptherausforderungen sind. IKT-Systeme, deren Zugänglichkeit und Nutzbarkeit für Haushalte und Wirtschaft sind ebenfalls Voraussetzungen für die Teilhabe an der Wissensgesellschaft. Sie treiben die Möglichkeiten des Wissensaustausches voran. Offen bleibt die Frage, ob es eher die Großstädte und Metropolen sind, in denen die großen Zukunftstrends sichtbar werden und in denen mit neuen Lösungen experimentiert wird, oder ob dies – gerade mithilfe der Kommunikationstechnologien – auch in ländlichen Räumen stattfinden kann. Möglicherweise definiert sich Raumbezug neu bzw. als multipel, als Mischung aus regional, national und international im Sinne von ‚scales’ (im Sinne nichthierarchischer Relationen). f) Trotz aller Forderungen nach Clusterpolitik, nach Gestaltung von lokalen und regionalen sozioökonomischen Strukturen und trotz der unbestrittenen Erfolge bleibt zugleich der berechtige Hinweis auf eine gegenläufige Erkenntnis. Denn wichtiger wird dabei auch etwas, was nur schwer steuerbar ist: die Wirtschaftskultur einer Region, das lokale/regionale ‚Milieu’, in dem Verwaltungen, die Betriebe und noch mehr die Mitarbeiter eines Unternehmens agieren. Solche Milieus unterstützen Vernetzungsmöglichkeiten, Informations- und Wissensaustausch, aber auch Vorteile des wechselseitigen Innovationslernens. Die neuere Forschung in den Raumwissenschaften zeigt nach FÜRST, dass die Steuerbarkeit solcher Prozesse sehr eingeschränkt ist. Zumal, wenn Personen, wie etwa DÖRRE und SCHILLER betonen, eine Schlüsselrolle spielen. Also noch einmal: ‚Quo Vadis Clusterpolitik?’ – Wir werden sehen. Aber es gibt dezidierte Hinweise darauf, dass es sie weiter geben wird, wenngleich in 38 fortentwickelten Konzepten und Instrumenten. Einige aussichtsreiche Hinweise und Elemente sind in diesem Band beschrieben. 1.2 Literatur Beck, R. C./Heinze, R. G./ Schmid, J. (Hg.) (2009): Strategische Wirtschaftsförderung und die Gestaltung von Hightech-Clustern. Beiträge zu den Chancen und Restriktionen von Clusterpolitiken, Baden-Baden: Nomos Verlag. Bundesverband der Deutschen Industrie e. V. (BDI)/Z_punkt GmbH (Hg.) (2011): Deutschland 2030. Zukunftsperspektiven der Wertschöpfung, BDI-Drucksache Nr. 458, Berlin. Czada, R./Zintl, R. (Hg.) (2003): Politik und Markt, Wiesbaden: VS-Verlag (PVS-Sonderheft, 34). Granovetter, M. 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Chapter Preview

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Zusammenfassung

Der Band beschäftigt sich mit den Leistungen und Schwächen von Clusterpolitik und der Zukunft der Wirtschaftsförderung. Heute wissen wir, dass Clusterpolitik als Instrument moderner Wirtschaftsförderung sich immer nur dann bewährt, wenn die in der komplexen Theorie angelegten verschiedenen Koordinationsmodi auch in der Realität greifen können. Dazu muss das Umfeld in die Förderung integriert werden, weil nur so der Aufbau regionaler Innovationssysteme gelingt. Dabei gerät vor allem die Beschäftigung in wissensintensiven, zukunftsfähigen Wachstumssektoren in das Visier der Wirtschaftsförderung. Der Standortvergleich herausragender Wirtschaftsregionen hebt durchgängig die Existenz solcher Kooperationsstrukturen und Wissenskollaborationen hervor.

Daher wird in diesem Band neben wissenschaftlichen auch praxisrelevanten Fragen nachgegangen:

Welche Arten von Clusterpolitik haben sich herausgebildet, und was wissen wir über ihren Einfluss auf regionale Wirtschaftsentwicklung?

Welche Erkenntnisgewinne hat die Clusterforschung der letzten Jahre für die wirtschaftspolitische Praxis geliefert? Was sind Good Practice Beispiele?

Ist die „Clusterei“ immer noch ein wirtschaftspolitischer Königsweg oder mittlerweile eher ein Sorgenkind?

Was ergibt sich für ein zukunftsorientiertes Modell zur Zukunft der Wirtschaftsförderung angesichts neuer Herausforderungen wie beispielsweise Demografischem Wandel, Energiewende oder zukunftsfähiger Mobilitätskonzepte?