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Sternberg Rolf, Regionale Gründungsförderung: Gründungsbezogene Rahmenbedingungen und Gründungsaktivitäten am Beispiel der Region Hannover in:

Rasmus C. Beck, Rolf G. Heinze, Josef Schmid (Ed.)

Zukunft der Wirtschaftsförderung, page 195 - 228

1. Edition 2014, ISBN print: 978-3-8487-1039-3, ISBN online: 978-3-8452-5163-9, https://doi.org/10.5771/9783845251639_195

Series: Wirtschafts- und Sozialpolitik, vol. 14

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195 9 Regionale Gründungsförderung: Gründungsbezogene Rahmenbedingungen und Gründungsaktivitäten am Beispiel der Region Hannover Rolf Sternberg 9.1 Gründungsförderung: Relevanz, Notwendigkeit und Aktualität 9.1.1 Warum und unter welchen Rahmenbedingungen Gründungsförderung relevant, sinnvoll und notwendig sein kann Regionale Gründungsförderung als Teil der regionalen Wirtschaftsförderung ist nicht von den raumzeitlich spezifischen, jeweils gültigen Paradigmen, Rahmenbedingungen und Bestimmungsfaktoren der Wirtschaftsförderung trennbar. Zumindest in deutschen Regionen, aber auch in den Regionen vieler anderer westlicher Industrieländer lassen sich in den letzten drei Dekaden drei Paradigmen der regionalen (teils auch der nationalen und supranationalen) Wirtschaftspolitik identifizieren und trotz mancher Überlappungen zeitlich verorten: die Hightech- Industrien (und -Regionen) seit den 1980er Jahren, die regional-sektoralen Cluster seit den 1990er Jahren und die Kreativwirtschaft im Sinne von FLORIDAs (2004) ’creative class’ oder engerer sektoraler Abgrenzungen seit Beginn der vergangenen Dekade (vgl. STERNBERG 2011). Seitdem am Anfang der 1980er Jahre in Deutschland ein qualitatives und quantitatives Gründungsdefizit gegenüber anderen vergleichbaren – insbesondere angloamerikanischen – Ländern zunächst identifiziert und dann beklagt wurde (vgl. dazu STERNBERG 2000: 19ff.), spielen endogene Gründungen (also entstanden in jener Region, für die Wirtschaftsförderung betrieben werden soll) eine wichtige Rolle im Rahmen der Strategien der Wirtschaftsförderung. Schon vor Beginn des ersten Mantras der Wirtschaftsförderung, dem Fokus auf Hightech-Industrien, war in Deutschland das Scheitern der bis dato vorherrschenden Ansiedlungswerbung um mobile Zweigbetriebe großer nationaler oder internationaler Unternehmen offenkundig geworden, was seine Ursachen im Wesentlichen in der gesunkenen Anzahl ansiedlungswilliger Betriebe hatte. Dies führte schon in den 1980er Jahren zur Forderung nach einer ‚innovationsorientierten’ (und nicht mehr primär arbeitsplatz- und ansiedlungsorientierten) Regionalpolitik und Wirtschaftsförderung (vgl. EWERS/WETTMANN 1980), die später ergänzt wurde um die Idee einer ‚regionalisierten Strukturpolitik’ (HEINZE/VOELZKOW 1997). Eine wichtige Komponente dieses Strategiewechsels war die Erkenntnis, dass die ökonomische Entwicklung 196 einer Region stärker als zuvor aus dem Potenzial der Region selbst heraus zu generieren sei, wie HAHNE (1985) es im Konzept der intraregionalen Entwicklungspotenziale im Detail ausführt. Gründungen sind die ideale Zielgruppe im Rahmen einer dieserart ausgestalteten Wirtschaftsförderung, da ihnen viele empirische Studien räumliche Immobilität, „geographic inertia“ (im Sinne von SORENSON/AUDIA (2000: 444) und eine relativ starke Einbettung (im Unterschied zu Zweigbetrieben regionsextern gesteuerter Großunternehmen) in regionale Bezüge und Netzwerke attestieren (vgl. den Überblick bei STERNBERG (2009) sowie speziell zu Gründungen als Instrument endogener Regionalentwicklung STERNBERG (2003)). Während des Hightech-Paradigmas wurden in Deutschland Gründungen erstmals umfassend und auf der regionalen/lokalen Ebene durch Wirtschaftsfördermaßnahmen unterstützt. Das mit Abstand populärste Instrument waren (und sind) Gründerzentren, bisweilen als Technologie- und Gründerzentren bezeichnet, die die Förderung lokaler (bereits bestehender) Gründungen zum Ziel haben (zu Evaluationen deutscher Einrichtungen vgl. STERNBERG et al. (1997) oder SCHWARTZ/GÖTHNER (2009)). Der Nexus zwischen der Förderung von Gründungen und technologieorientierter lokaler Wirtschaft ist offensichtlich, auch wenn längst nicht jedes in einem Technologie- und Gründerzentrum eingemietete Unternehmen das Label ‚hightech’ tatsächlich verdient. Die Umsetzung von innovativen Ideen in tatsächliche neue Produkte schien damals vielen Wirtschaftsförderern und Wissenschaftlern leichter durch KMU im Allgemeinen und originäre Gründungen im Besonderen als durch saturierte, durch ältere Produkte groß gewordene und häufig wenig innovative Großunternehmen zu bewerkstelligen zu sein. Der zu dieser Zeit entstandene Slogan ‚small is beautiful’, der sich insbesondere auf BIRCH (1987) und den frühen SCHUMPETER (1961) bezieht, passte gut zu dieser Argumentation. Schließlich ging es während dieser Phase nicht nur um die Schließung einer Gründungslücke gegenüber dem Ausland, sondern auch um eine Schließung der Technologielücke, genauer einer Transferlücke. Deutschland habe im internationalen Wettbewerb, so lautete die damalige Hypothese, zwar Stärken in der Grundlagenforschung, aber gegenüber den USA und dem wachstumsstarken Japan Defizite beim Transfer neuer, insbesondere technologischer Ideen (Invention) in neue Produkte (Innovation). Dieser Transfer sei am effizientesten, wenn die Personen, die an der Invention in Forschungseinrichtungen beteiligt waren, diese Inventionen selbst in eine Innovation umsetzten – also ein Unternehmen gründeten. Zahlreiche öffentliche Förderprogramme, ausgerichtet auf Spin-off-Gründungen aus staatlichen, halbstaatlichen oder privaten Forschungseinrichtungen, wurden seitdem implementiert und – zum kleineren Teil – auch wissenschaftlich evaluiert (vgl. z. B. EGELN et al. 2003). Die Phase der Clusterpolitik als dominierende Strategie der Wirtschaftspolitik von Bund, Ländern und Kommunen wurde in Deutschland maßgeblich durch das Clusterverständnis von PORTER (1990) geprägt und popularisiert (vgl. dazu 197 ausführlich KIESE (2012)), so umstritten es in der wissenschaftlichen Literatur war und ist (vgl. z. B. die Kritik von MARTIN/SUNLEY (2003) oder die etwas mildere Bewertung durch STERNBERG/KIESE/SCHÄTZL (2004)). Auch bei der Clusterstrategie spielen Gründungen eine potenziell sehr wichtige Rolle. Insbesondere die Entstehung neuer Cluster im Sinne einer sektoral-regionalen Ballung von ökonomischen Akteuren ist ohne originäre Unternehmensgründungen nur schwerlich denkbar – unabhängig davon, ob die Cluster mit oder ohne politische Unterstützung entstehen (sollen) (vgl. MENZEL/FORNAHL 2005). Im Laufe des Clusterlebenszyklus verändern sich die Funktion der Gründungen innerhalb eines Clusters sowie der Einfluss von Gründungen auf die Clusterentwicklung. Gründungen sind für die Clusterentstehung sehr wichtig, da sie aufgrund ihrer starken Einbettung in die Region maßgeblich dazu beitragen können, dass der Cluster überhaupt entsteht – und nicht auf das Niveau einer räumlich Ko-Lokation von Unternehmen und anderen ökonomischen Akteuren beschränkt bleibt (was kein Cluster wäre). Auch im aktuellen, in vielen deutschen (und europäischen) Regionen dominierenden Mantra der regionalen Wirtschaftsförderung spielen Gründungen und Gründer eine strategisch wichtige Rolle. FLORIDAs (2004) Idee der ‚kreativen Klasse’ betont generell die für die Regionalentwicklung positive Funktion von ‚Kreativen’, zu denen er die Berufsgruppen des „creative core“ (z. B. Datenverarbeitungsfachleute, Informatiker), der „creative professionals“ (z. B. Bankfachleute) sowie die „bohemiens“ (z. B. Publizisten, Künstler) zählt, womit man in Deutschland auf ca. 38 Prozent der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten käme (vgl. FRITSCH/STÜTZER 2007). Laut FLORIDA (2004) sind Kreative sowohl räumlich sehr mobil als auch durch eine überdurchschnittliche Gründungsaktivität gekennzeichnet. Dieser Teil der Hypothesen Floridas ist bislang empirisch für europäische oder deutsche Regionen kaum geprüft (vgl. FRITSCH/SORGNER 2013). Ein solcher Test erfordert das Hinterfragen der empirisch und theoretisch gut belegten regionalen Verankerung von Gründern (STAM 2007), also einen innovativen Blick auf sogenannte exogene Gründungen und Gründer, bei denen der bisherige Wohn-/Arbeitsort und der Gründungsstandort differieren. Solange die empirische Forschung die von Florida postulierte höhere räumliche Mobilität und überproportionale Gründungsaktivität nicht belegt, sollte auf dem Postulat allein noch keine umfassende Kreativwirtschaftsstrategie mit einem Fokus auf Gründungen durch Kreative aufgebaut werden. Allerdings gibt es aus der Gründungsforschung eindeutige empirische Hinweise, dass Anzahl und Qualität der Gründungen durch Kreative, von denen viele auch nach formalen Kriterien zu den Hochqualifizierten gehören, von einem kreativen, meist urbanen Umfeld positiv beeinflusst werden. Eine wissensintensive Region mit vielen hochqualifizierten Beschäftigten besitzt besonders große Potenziale für Spin-out-Gründungen (also mit Unternehmen als Inkubatoren) und für Spin-off-Gründungen (mit 198 öffentlichen Forschungs- und Bildungseinrichtungen als Inkubatoren). Die Entstehung wissensintensiver Gründungen durch Kreative lässt sich also wenigstens partiell mit ökonomischen und sonstigen Eigenschaften der Region des Gründers erklären. Die Frage, wie durch lokale Wirtschaftsförderung die Anzahl und Qualität von originären Unternehmensgründungen erhöht werden kann, lässt sich für eine konkrete Region nur bei Kenntnis der lokalspezifischen Umstände und Rahmenbedingungen beantworten, unter denen Wirtschaftsförderung in der Vergangenheit agierte. Pfadabhängigkeit existiert nicht nur in der Regionalentwicklung generell (vgl. zur Konzeption der evolutionären Wirtschaftsgeografie BOSCHMA/ MARTIN (2010)), sondern auch für die Wirtschaftsförderung. Diese Vorgeschichte der Wirtschaftsförderung in der betreffenden Region reiht sich ein in andere Kontextfaktoren, wenn es zu erklären gilt, welche und wie viele Gründungen es in einer Region gibt. Zugleich lässt sich an solchen Determinanten erkennen, an welchen ‚Schrauben’ die regionale Gründungsförderung drehen müsste, um zumindest theoretisch die Zahl und Qualität der Gründungen zu erhöhen. Wie Abbildung 9 veranschaulicht, üben allgemeine nationale Rahmenbedingungen ebenso Einflüsse aus wie spezifisch auf Gründungen bezogene Rahmenbedingungen. Unter sonst gleichen Bedingungen üben z. B. günstige Finanzmarkteigenschaften (allgemeine nationale Rahmenbedingungen) sowie gründerfreundliche kulturelle Eigenschaften (regionale Rahmenbedingungen) einen positiven Einfluss aus auf die von tatsächlichen oder potenziellen Gründern wahrgenommenen Gründungschancen sowie auf die Gründungsfähigkeiten und -motivationen potenzieller Gründer. Die so entstehenden neuen Unternehmen können gemeinsam mit den neuen Zweigbetrieben zu regionalem Wirtschaftswachstum beitragen – der primären Zielgröße auch der regionalen Gründungsförderung (vgl. CASTRINGIUS 2004). Im Prinzip lässt sich das vorgenannte Schema auf die regionale Ebene übertragen, die für die regionale/lokale Wirtschaftsförderung, wie sie unter anderem von CASTRINGIUS (2004) definiert wird, die eigentlich interessante ist, da nur sie direkt in ihrem Einflussbereich liegt. Wie Abbildung 10 zeigt, können die Kontextfaktoren der nationalen Ebene (vgl. Abb. 9) fast ausnahmslos genauso auf der subnationalen, also regionalen Ebene identifiziert werden und wirken. Beispielsweise kann es ergänzend – unter Umständen auch konterkarierend – zu einer nationalen Kultur der Selbstständigkeit eine spezifische regionale Kultur der Selbstständigkeit geben, und beide wirken auf potenzielle Gründer, aber auch auf das Verhalten regionaler Gründungsförderer. Ähnlich lässt es sich mit Blick auf die Gründungsförderpolitik argumentieren, die gleichfalls auf nationaler wie auf regionaler Ebene wirkt. Das Mehrebenensystem der Einflussvariablen auf individuelle Gründungsentscheidungen wird vervollständigt durch die mikrosoziale Umfeldebene sowie durch Merkmale des tatsächlichen oder potenziellen 199 Gründers selbst. Freunde und Familie des potenziellen Gründers können einen positiven oder negativen Einfluss ebenso ausüben wie personenbezogene Merkmale des potenziellen Gründers selbst (wie z. B. die sogenannten Traits, vgl. NICOLAOU et al. (2008), oder die vorherigen Erfahrungen mit unternehmerischer Selbstständigkeit). Die empirische Erfassung dieses Mehrebenensystems in seinem Einfluss auf Gründungsentscheidung und -erfolg stellt derzeit noch eine wissenschaftliche Herausforderung dar. Die wenigen empirischen Arbeiten, die bislang vorliegen, verwenden ein methodisch und datentechnisch aufwendiges Mehrebenenmodell und zeigen, dass die nationale und die regionale Ebene separate und unterschiedlich große Einflüsse auf das Gründungsverhalten von Individuen ausüben (vgl. HUNDT 2012). Abbildung 9: Allgemeine und gründungsbezogene Rahmenbedingungen der Entstehung neuer Betriebe und neuer Unternehmen auf der nationalen Ebene Quelle: Eigene Darstellung 200 Abbildung 10: Determinanten von Gründungsaktivität und -erfolg Quelle: Eigene Darstellung 9.1.2 Ziele des Beitrages Die eingangs beschriebenen Mantras der regionalen Wirtschaftsförderung haben in der Region Hannover ihre Spuren hinterlassen. Das erste Gründerzentrum im alten Conti-Gebäude wurde 1985 eröffnet (dasselbe Gebäude beherbergt heute die Wirtschafts- und damit die Gründungsförderung hannoverimpuls, die gemeinsame Wirtschaftsförderungsgesellschaft der Stadt und der Region Hannover, vgl. HANNOVERIMPULS 2009), die Clusterpolitik war prägend seit dem Millenniumswechsel und spiegelt sich z. B. im früheren ‚plug and work’-Konzept wider (vgl. KIESE 2008) und seit 2010 ist hannoverimpuls im Bereich der Kreativwirtschaftspolitik aktiv (vgl. REGION HANNOVER 2010; HANNOVERIMPULS 2012). Die in den Abbildungen 9 und 10 skizzierten Einflussfaktoren auf individuelle Gründungsentscheidungen lassen sich im Prinzip auch in der Region Hannover empirisch studieren – soweit entsprechende Daten zur Verfügung stehen. Der Beitrag verfolgt primär drei Ziele. Erstens soll die Region Hannover auf Grundlage bislang teils unveröffentlichter Primärdaten bezüglich der Gründungsaktivitäten und -einstellungen ihrer Bevölkerung bewertet werden, und zwar im 201 Vergleich der Jahre 2003 und 2012 (die den Zeitraum der bisherigen Aktivitäten von hannoverimpuls abdecken) sowie im Vergleich mit Deutschland insgesamt. Zweitens soll eine ebensolche Positionierung im zeitlichen wie nationalen Vergleich für die regionalen gründungsbezogenen Rahmenbedingungen der Region Hannover erfolgen, die in Kapitel 9.1.1 skizziert wurden. Drittens soll auf der Basis eigener Einschätzungen sowie der Daten einer gesonderten Expertenbefragung aus dem Frühjahr 2012 die (jüngere) Gründungsförderpolitik der Region Hannover einer ersten Bewertung unterzogen werden. Das primär empirische Vorgehen basiert auf Daten des Global Entrepreneurship Monitor (im Folgenden GEM), die teils jährlich durch das deutsche Länderteam des GEM unter Leitung des Verfassers erhoben wurden (vgl. zur Methodik den aktuellen GEM-Länderbericht Deutschland: BRIXY/STERNBERG/VORDER- WÜLBECKE 2012), teils spezifisch für den Zweck dieses Beitrages erhoben und ausgewertet wurden. Der Verfasser dankt diesbezüglich hannoverimpuls für die finanzielle Unterstützung bei der aufwendigen Erhebung dieser Daten sowie Arne Vorderwülbecke vom Institut für Wirtschafts- und Kulturgeographie der Leibniz Universität Hannover für die vorbereitende Datenanalyse. Es soll an dieser Stelle nicht auf die Konzeptionierung und die Geschichte der regionalen Wirtschaftsförderung in der Region Hannover eingegangen werden. Die Arbeiten von KIESE (2008; 2012) seien hier als hervorragende und objektive Quelle genannt, sie bieten zusammen mit den Selbstdarstellungen der regionalen Gründungsförderung durch die dafür seit einigen Jahren allein verantwortliche hannoverimpuls GmbH (vgl. HANNOVERIMPULS 2009; 2010; 2011; 2012; 2013) einen guten Überblick zu den Zielen, Strategien, Instrumenten und Maßnahmen der regionalen Wirtschaftsförderung im Allgemeinen und der Gründungsförderung im Untersuchungsraum im Besonderen. Es ist ganz offensichtlich, dass die Arbeit von hannoverimpuls stärker als zu Beginn im Jahre 2003 auf Unternehmensgründungen als Zielgruppe setzt, wohingegen die ursprünglich starke Dominanz clusterbezogener (bzw. auf Fokusbranchen bezogener) Instrumente verschwunden ist (vgl. auch KIESE 2012; 2008). Maßnahmen wie der Gründungswettbewerb StartUp-Impuls (gemeinsam mit der Sparkasse Hannover), das UnternehmensLabor (Workshop zur Unternehmensgründung), die Gründungswerkstatt Hannover (Beratung, Informationen und Praxisseminare mit Online-Erstellung des Geschäftsplans), Innovationsfinanzierung sowie Plug & Work (Gründungs- und Ansiedlungswettbewerb) sind dafür augenscheinliche Belege (vgl. HANNOVERIMPULS 2013). Die Gründungsförderpolitik von hannoverimpuls muss auch unter den seit 2007 veränderten Rahmenbedingungen im Zusammenhang mit dem EFRE-Programm der EU-Strukturförderung gesehen werden. Seitdem ist es möglich, Projekte im Rahmen des Programms mit EU-Mitteln anteilig fördern zu lassen, wobei hannoverimpuls als EFRE-Regionalagentur fungiert und die ‚regionalisierten Teilbudgets’ (ein innerhalb Norddeutschlands nur in Niedersachsen implementiertes neues Instrument der EU-Regionalförderung, 202 vgl. FÜRST et al. 2012) verwaltet. Die Förderung von Gründungen soll dabei explizit helfen, das Wachstums- und Wettbewerbsziel (Ziel 2 der EU-Strukturfonds 2007-2013) zu erreichen. Die REGION HANNOVER (2006) hatte sich diesbezüglich ehrgeizige Ziele gesetzt, z. B. „bis zum Jahre 2014 […] größere Regionen hinsichtlich Wirtschaftskraft und Image überholt [zu] haben“ (KIESE 2008: 220). Einschränkend sei erwähnt, dass es zum jetzigen Zeitpunkt, mit den aktuell verfügbaren Daten sowie angesichts der relativ kurzen Zeit der Gründungsförderung durch hannoverimpuls noch nicht möglich oder sinnvoll ist, ein finales Urteil zur Effizienz und Wirksamkeit der Gründungsförderpolitik in der Region Hannover seit 2003 zu fällen. Dies muss späteren Analysen vorbehalten bleiben, die mehr und mehr unterschiedliche Daten verwenden können müssten, um eine umfassende, empirisch valide Wirkungskontrolle der Gründungsförderpolitik in der Region Hannover präsentieren zu können, die neben einer Durchführungsund Zielerreichungskontrolle auch eine Wirkungskontrolle im engeren Sinne (d. h. die Überprüfung eines kausalen Zusammenhangs zwischen Fördermaßnahmen und Veränderungen der Zielvariablen wie Quantität und Qualität der Gründungen, Gründungsklima, Überlebensrate und Wachstum der Gründungen) zum Gegenstand haben müsste. Dafür ist es aber, nicht nur angesichts der an späterer Stelle thematisierten Timelags der Wirkung von Gründungen und von Gründungspolitik, derzeit ohne Zweifel zu früh. Im Mittelpunkt des vorliegenden Beitrags stehen Daten zu Gründungsaktivitäten und -einstellungen – also quasi potenzielle Wirkungen der regionalen Gründungsförderung – sowie die Bewertung dieser Gründungsförderung durch Dritte, also (andere) Gründungsexperten der Region. 9.2 Empirie: Gründungen und ihr Umfeld in der Region Hannover 9.2.1 Methodik und Datengrundlagen Um die in Kapitel 9.1.2 beschriebenen Ziele zu erreichen, wird die administrative Einheit ‚Region Hannover’ (2001 als Ergebnis einer bundesweit einmaligen Art der Kommunalreform aus dem Zusammenschluss der Landeshauptstadt Hannover und der 20 Umlandgemeinden des Landkreises entstanden) bezüglich ihrer Gründungsaktivitäten und -einstellungen (Kap. 9.2.2), der gründungsbezogenen Rahmenbedingungen (Kap. 9.2.3) und der Gründungsförderpolitiken (Kap. 9.2.4) einem zeitlichen Vergleich sowie einem Vergleich mit den entsprechenden Bundeswerten unterzogen, sofern die Datenlage dies zulässt. Für einige Variablen ist beides möglich, d. h. ein zeitlicher sowie ein räumlicher Vergleich. Für den zeitlichen Vergleich interessiert insbesondere das Referenzjahr 2003, in 203 dem hannoverimpuls gegründet wurde und die Wirtschaftsförderung und damit weite Teile der Gründungsförderung der Region übertragen bekam. Die Daten zu den Gründungsaktivitäten und -einstellungen in der Region Hannover stammen für das Jahr 2012 aus einer gesondert durchgeführten, statistisch repräsentativen telefonischen Befragung von 2.004 erwachsenen Personen (aus ebenso vielen Haushalten). Diese Befragung, durchgeführt durch „uzbonn – Gesellschaft für empirische Sozialforschung und Evaluation“ aus Bonn im April und Mai 2012, enthielt eine Teilmenge jener Fragen, die im selben Jahr auch im Rahmen der jährlichen Interviews zum GEM-Länderbericht Deutschland (vgl. zum Bericht 2011 und den methodischen Details BRIXY/STERNBERG/ VORDERWÜLBECKE (2012)) sowie neun Jahre vorher im Rahmen des Regionalen Entrepreneurship Monitor (im Folgenden REM) gestellt wurden. Die Zusatzbefragung in der Region Hannover war notwendig, da im regulären Datensatz des GEM-Deutschland 2012 (vgl. STERNBERG/BRIXY/VORDERWÜLBECKE 2013) lediglich 50 Personen (von 4.300 bundesweit Befragten) aus der Region Hannover enthalten waren, was repräsentative Aussagen für die Region Hannover nicht zugelassen hätte. Die damit korrespondierenden Daten des Jahres 2003 stammen aus dem Forschungsprojekt ‚REM’, das der Verfasser gemeinsam mit Joachim Wagner von der Universität Lüneburg zwischen 2000 und 2004 durchführte (vgl. LÜCKGEN et al. 2006; WAGNER/STERNBERG 2004). Zwar gibt es für das Jahr 2003 GEM-Daten für Deutschland und damit auch für die Region Hannover, aber die Zahl der Fälle für die Region Hannover genügt aus den oben skizzierten Gründen ebenfalls nicht, um repräsentative Aussagen zu treffen. Im REM dagegen wurden 2003 in elf deutschen Raumordnungsregionen, darunter die Region Hannover, jeweils 1.000 Personen – nach dem Konzept des GEM – nach ihren Gründungsaktivitäten und -einstellungen befragt. Eine erhebliche Zahl an Variablen liegt daher für 2003 und 2012 mit dem exakt gleichen Wortlaut der Fragen vor, so dass ein zeitlicher Vergleich möglich ist. Für einige Variablen können zudem mittels GEM-Daten Gründungsdaten für die Region (und Raumordnungsregion Hannover) solchen anderer, größerer Raumordnungsregionen gegenübergestellt werden, sofern sich die Analyse auf langjährige Mittelwerte beschränkt. Die Referenzwerte für Deutschland insgesamt stammen sowohl 2003 als auch 2012 aus den erwähnten Daten des GEM-Länderberichts Deutschland für die betreffenden Jahre (vgl. STERNBERG/BERGMANN/ LÜCKGEN 2004; STERNBERG/BRIXY/VORDERWÜLBECKE 2013). Für die gründungsbezogenen Rahmenbedingungen werden zumeist die vorgenannten Datenquellen genutzt, partiell musste aber davon abgewichen werden. Die Bewertung der gründungsbezogenen Rahmenbedingungen in der Region Hannover des Jahres 2012 basiert auf einer gesonderten Expertenbefragung von 30 Personen, die sich in der Region professionell mit dem Thema Gründungen befassen, Mitarbeiter von hannoverimpuls ausgeschlossen. Im Unterschied zum 204 GEM, in dessen Rahmen jährlich ebenfalls Expertenbefragungen zu den gründungsbezogenen Rahmenbedingungen in Deutschland insgesamt durchgeführt werden (auch 2012), beziehen sich die Fragen an die Hannoveraner Experten auf die gründungsbezogenen Rahmenbedingungen in der Region Hannover – und nicht in Deutschland generell. Vergleichbare Daten liegen leider aus dem REM für das Jahr 2003 für Hannover nicht vor, da Hannover damals nicht zu den zehn regulären REM-Untersuchungsregionen zählte (in denen jeweils 1.000 Haushalte und 50 Experten befragt wurden), sondern lediglich nachträglich und außerhalb des eigentlichen DFG-Forschungsprojekts auf Wunsch der Nord/LB (und von dieser finanziert) aufgenommen wurde, aber nur mit Haushaltsbefragungen. Für die gründungsbezogenen Rahmenbedingungen ist daher der Vergleich zwischen Hannover und Deutschland insgesamt nur für das Jahr 2012 möglich, aber nicht über die Zeit. Dafür wurde in die Expertenbefragung in Hannover eine Reihe zusätzlicher Fragen aufgenommen, deren Antworten zahlreiche Hinweise auf die Stärken und Schwächen sowie auf spezifische Engpassfaktoren der Gründungsförderung in dieser Region geben. In weiten Teilen ähneln die Fragen an die Hannoveraner Gründungsexperten jenen, die auch in der bundesweiten GEM- Expertenbefragung 2012 verwendet wurden (vgl. STERNBERG/BRIXY/ VORDERWÜLBECKE 2013). 9.2.2 Gründungsaktivitäten und -einstellungen Für die Erfassung von Gründungsaktivitäten existiert in Deutschland mittlerweile eine ganze Palette an Indikatoren, die das Manko einer amtlichen Gründungsstatistik ein wenig erträglicher machen. Genannt seien die auf Creditreform- Daten basierenden Gründungsquoten des ZEW, das Gründungspanel der KfW, die Gewerbeanzeigenstatistik des IFM oder die Daten des GEM. Jede dieser Datenquellen hat ihre komparativen Stärken und Schwächen (vgl. KFW 2012: 96ff.). Falls regionale und/oder einen langen Zeitraum abdeckende Gründungsdaten benötigt werden, schränkt sich die Zahl der möglichen Indikatoren weiter ein, je nach Regionalisierungsmethode und Zeitraum auch sehr stark. Für die auf Gewerbeanzeigen basierenden Daten des IFM sowie des GEM existieren mittlerweile deutschlandweite Datenreihen über mehr als eine Dekade. Wie Abbildung 11 zeigt, verläuft die Entwicklung der indexierten Gründungsquoten dieser beiden Datenquellen seit 1999 ähnlich, wenn auch mit graduellen Unterschieden und obgleich sie sicherlich Unterschiedliches messen, d. h. Gründungen verschieden definieren. 205 Abbildung 11: Alternative Gründungsquoten in Deutschland im Zeitvergleich Quelle: GEM-Bevölkerungsbefragungen 1999-2012 (dokumentiert unter www.gemconsortium.org), IFM auf Basis der Gewerbeanzeigenstatistik des Bundes (dokumentiert unter http://www.ifm-bonn.org/statistiken/ gruendungen-und-unternehmensschliessungen/) Die sogenannte TEA-Quote ist die bekannteste der zahlreichen im GEM berechneten Gründungsquoten und liegt für Deutschland sowie zahlreiche andere Länder und mittlerweile viele Jahre vor (vgl. XAVIER et al. (2013) zum aktuellen Global Report des GEM). Die TEA-Quote steht für ‚Total Early-stage Entrepreneurial Activity’ und wird gebildet aus der Summe von Nascent Entrepreneurs, also denjenigen, die gerade dabei sind ein Unternehmen zu gründen, und Young Entrepreneurs, also Unternehmern, die während der vergangenen dreieinhalb Jahre gegründet haben. Zwecks Vergleichbarkeit wird die Anzahl der Gründerpersonen auf die gesamte Bevölkerung zwischen 18 und 64 Jahren bezogen und in Prozent ausgegeben. Im Unterschied etwa zur Gewerbeanzeigenquote bezieht sie also den Prozesscharakter des Gründens explizit ein (Vorgründungsphase über das Konstrukt der Nascent Entrepreneurs; unmittelbare Nachgründungsphase über Young Entrepreneurs). Da der GEM eigentlich für den Vergleich ganzer Länder (Staaten) konzipiert wurde, sind damit interregionale Vergleiche zwischen Regionen desselben Landes meist nicht möglich. Für Deutschland gilt dies nicht, da erstens pro Jahr stets mehr Personen befragt wurden als im GEM obligatorisch und zweitens das Poolen mehrerer Erhebungsjahre möglich ist. Fasst 206 man alle bisherigen Erhebungsjahre (1999-2011) zusammen und fordert als Mindeststichprobenumfang je Region 1.000 Fälle, dann werden Analysen auf der Ebene der (14 größten der) 96 Raumordnungsregionen möglich – und damit auch Analysen für die Region Hannover. Wie Abbildung 12 zeigt, führt Hannover das mittlere Drittel der gezeigten 14 Raumordnungsregionen an, was die TEA-Quote anbelangt. Statistisch signifikante Unterschiede weist Hannover derzeit weder verglichen mit den führenden noch mit den am Schluss befindlichen Regionen auf. Zukünftige Analysen mit einem jährlich wachsenden Stichprobenumfang werden sukzessive zu statistisch signifikanten Unterschieden führen und voraussichtlich die Mittelfeldposition Hannovers festigen. Abbildung 12: TEA-Quoten deutscher Raumordnungsregionen im Mittel der Jahre 1999-20111 Quelle: BRIXY/STERNBERG/VORDERWÜLBECKE (2012: 32), modifiziert Abbildung 13 konzentriert sich auf den Vergleich verschiedener GEM-basierter Gründungsquoten in Hannover über die Zeit bzw. mit den Referenzwerten Deutschlands. Sie differenziert zwischen sieben Gründungsquoten, die in der 207 Legende der Abbildung definiert sind. Die TEA-Quote als Prozentsumme (ohne Doppelzählungen) des Anteils der Nascent Entrepreneurs und der Young Entrepreneurs ist der wichtigste globale Gründungsindikator im GEM. Er berücksichtigt sowohl Personen (zwischen 18 und 64 Jahren), die zum Zeitpunkt der Erhebungen im Frühsommer 2012 bzw. 2003 dabei waren, ein Unternehmen zu gründen, ohne die Gründung bereits vollzogen zu haben, als auch solche Personen, die in den 36 Monaten vor der Befragung tatsächlich gegründet hatten. TEAopp (für Opportunity) sowie TEAnec (für Necessity) differenzieren nach den (Haupt-)Motiven für die Gründung. Opportunity-Gründer gründen (primär), weil sie eine Marktchance für ihre Produktidee erkennen, während Necessity-Gründer aus einer wirtschaftlichen oder sonstigen Not heraus den Schritt in die Selbstständigkeit wählen (z. B. wegen drohender Arbeitslosigkeit). Wie die GEM-Daten generell zeigen, sind die Wachstumspotenziale (und -wünsche) und ergo die regionalwirtschaftlichen Effekte bei Opportunity-Gründern zumeist größer. Schließlich unterscheiden TEAmale und TEAfem nach dem Geschlecht der befragten Gründerperson. Abbildung 13 zeigt nicht die Prozentwerte dieser Indikatoren selbst, sondern deren Veränderung in Prozentpunkten für beide räumlichen Bezugsebenen. Beispielsweise ist die TEA-Quote zwischen 2003 und 2012 in Deutschland nur minimal um 0,1 Prozentpunkte gestiegen (2003: 5,21 %; 2012: 5,34 %), in Hannover jedoch um 2,7 Prozentpunkte gesunken (von 6,85 % im Jahr 2003 auf 4,19 % im Jahr 2012). Die eingezeichnete Diagonale markiert genau die Grenze zwischen den Indikatoren, bei denen die Werte für Hannover günstiger sind als für Deutschland (links oben), und jenen, bei denen es umgekehrt ist (rechts unten). Wie leicht zu erkennen ist, hat sich Hannover bei jeder der sieben Gründungsindikatoren ungünstiger entwickelt als der Mittelwert Deutschlands. Am stärksten sind die Unterschiede zwischen Hannover und Deutschland bei der Veränderung der Gründungsquote der Männer, am geringsten bei den Necessity-Gründern. Die Abbildung zeigt auch, dass sich die Werte von sechs der sieben Variablen im unteren rechten Quadranten befinden, der (leicht) positive Veränderungen der Gründungsquoten für Deutschland insgesamt bei gleichzeitigem Rückgang der Werte für die Region Hannover signalisiert. Dies passt gut zur gesamtwirtschaftlichen Situation in den beiden Referenzjahren. 2003, nach dem Ende des Booms der New Economy (der die Gründungsquoten auf einen langjährigen Höchstwert ansteigen ließ), nahmen diese von einem Höchstwert 2000 ausgehend kontinuierlich ab, bis 2008 mit der Wirtschafts- und Finanzkrise ein Tiefpunkt erreicht wurde (siehe auch die vorherige Abbildung 12). Seitdem stieg die TEA-Quote in Deutschland wieder leicht an. Hannover weicht von diesem bundesweiten Muster offenbar etwas ab, zumindest was 2003 und 2012 anbelangt. 208 Abbildung 13: Gründungsquoten in Hannover im Zeit- und Deutschlandvergleich Quelle: GEM-Bevölkerungsbefragung Deutschland 2012, REM-Bevölkerungsbefragung 2003 209 Die Frage nach den Ursachen der für Hannover ungünstigeren Entwicklung ist natürlich nicht einfach und eindimensional zu beantworten. Im Prinzip üben alle eingangs in Abbildung 9 berücksichtigten Einflussfaktoren des nationalen und des regionalen Umfeldes sowie die Merkmale der jeweiligen potenziellen Gründerperson (also des Befragten) einen Einfluss auf die Gründungswahrscheinlichkeit aus. Es ist hier weder der Platz noch der geeignete Ort, um eine prinzipiell durchaus machbare, empirisch fundierte Mehrebenenanalyse durchzuführen, mit der der separate (und kombinierte) Einfluss der drei Ebenen und der einzelnen dort abgebildeten Variablen ökonometrisch ermittelbar wäre. Für einen entsprechenden Versuch mit GEM-Daten und 105 europäischen Regionen und 15 Staaten sei auf die jüngst publizierte Monografie von HUNDT (2012) verwiesen. Abbildung 14: Gründungseinstellungen in Hannover im Mittel der Jahre 1999- 2011 verglichen mit Niedersachsen und Deutschland Quelle: GEM-Bevölkerungsbefragung Deutschland 1999-2011 Der vorliegende Beitrag basiert auf der vereinfachenden, theoretisch aber nicht unplausiblen Annahme, dass Gründungseinstellungen der Bewohner einer Region 210 die tatsächlichen Gründungsaktivitäten beeinflussen. Bei positiver Ausprägung dieser Gründungseinstellungen ist unter sonst gleichen Bedingungen mit mehr Gründungen zu rechnen und umgekehrt. Die drei im GEM am besten und längsten untersuchten Einstellungsvariablen sind in Abbildung 14 als langjähriger Mittelwert der Jahre 1999-2011 dargestellt. Sie enthalten eine Einschätzung der Gründungschancen innerhalb der nächsten sechs Monate in der Region, in der der Befragte lebt, der Gründungsfähigkeiten und -erfahrungen des Befragten sowie der Risikoaversion („Würde Sie die Angst vor dem Scheitern von der Gründung abhalten?“). Bei insgesamt nicht sehr gravierenden Unterschieden zwischen Hannover, Niedersachen und Deutschland, die nur teilweise statistisch signifikant sind, weist die Region Hannover doch bei allen drei Indikatoren im langjährigen Mittel günstigere Werte als bzw. gleiche Werte wie die beiden Referenzräume auf: Hannoveraner unterlassen eine eigentlich geplante Gründung seltener deshalb, weil sie Angst vor dem Scheitern haben, als Niedersachen oder Deutsche insgesamt. Auch meinen Hannoveraner häufiger als Niedersachen und Deutsche insgesamt, dass sie das für eine Gründung notwendige Wissen und die entsprechende Erfahrung besitzen. Die Gründungschancen werden von den Erwachsenen Hannovers genauso positiv (oder negativ) gesehen wie in ganz Deutschland, aber deutlich positiver als in Niedersachen. Abbildung 15 vergleicht nach dem Prinzip von Abbildung 13 die Veränderung der Prozentwerte der drei Gründungseinstellungsvariablen zwischen 2003 und 2012, und zwar zwischen Hannover und Deutschland insgesamt. Im Unterschied zur entsprechenden Abbildung der Gründungsaktivitäten schneidet Hannover hier relativ zu Deutschland insgesamt wesentlich günstiger ab. Für alle drei Variablen haben sich Hannovers Werte besser entwickelt als jene Deutschlands. Bei zwei der drei Variablen haben sich die Werte für Hannover gegenüber 2003 verbessert, was für Deutschland nur bei einer Variable der Fall ist. Besonders auffällig ist die absolute und (verglichen mit Deutschland) relative Verbesserung Hannovers bei der Einschätzung der Gründungschancen. Sahen 2003 nur 14 % der Hannoveraner gute Gründungschancen innerhalb ihrer Region und innerhalb der kommenden sechs Monate (in Deutschland waren dies 2003 17 %), so stieg dieser Wert 2012 auf 41 % (in Deutschland auf 35 %), ein Anstieg um erfreuliche 27 Prozentpunkte (in Deutschland um ‚nur’ 18 Prozentpunkte). Hier mögen die zahlreichen Gründungsförderprogramme und entsprechenden Maßnahmen auch der Medien zu einem günstigeren Gründungsklima beigetragen haben, das sich in Hannover stärker verbessert hat als in Deutschland insgesamt und das die jeweilige Bevölkerung zumindest optimistischer auf das Thema Selbstständigkeit blicken lässt. 211 Abbildung 15: Gründungseinstellungen in Hannover im Zeit- und Deutschlandvergleich Quelle: GEM-Bevölkerungsbefragung Deutschland 2012, REM-Bevölkerungsbefragung 2003 9.2.3 Gründungsbezogene Rahmenbedingungen Gemäß der einleitenden Abbildung 9 können neben den zuvor behandelten Gründungseinstellungen der potenziellen Gründer einer Region selbst auch die gründungsbezogenen nationalen und/oder regionalen Rahmenbedingungen die Gründungsneigung und -umsetzung beeinflussen. Damit sind Kontextvariablen angesprochen, denen in der aktuellen Gründungsforschung eine zunehmend wichtige Rolle bei Gründungsentscheidung und -erfolg beigemessen wird (vgl. HINDLE 2010). 212 Die nationalen gründungsbezogenen Rahmenbedingungen werden im GEM alljährlich für Deutschland und alle anderen GEM-Länder im Zuge einer Expertenbefragung bewertet, wobei 15 – bzw. bei etwas feinerer Gliederung 21 – Rahmenbedingungen unterschieden werden, die jeweils auf fünf bis sieben Statements zu Einzelaspekten jeder Rahmenbedingung basieren (vgl. zur Methodik der Expertenbefragung im GEM: BRIXY/STERNBERG/VORDERWÜLBECKE 2012). Die gesondert für diesen Beitrag durchgeführte Expertenbefragung in Hannover mit dem Ziel der Bewertung der regionalen (also auf Hannover bezogenen) gründungsbezogenen Rahmenbedingungen berücksichtigt im Wesentlichen dieselben Rahmenbedingungen wie der GEM, ist also diesbezüglich vergleichbar5. Wie Tabelle 5 zeigt, liegen Hannovers absolute Stärken bei der öffentlichen Förderung, bei wachstumsstarken Gründungen und bei Gründungen durch Frauen (jeweils Mittelwerte auf der Fünfer-Likert-Skala der Zustimmung von mindestens 3,4). Aus relativer Perspektive, also verglichen mit den Referenzwerten für Deutschland, schneidet Hannover bei wachstumsstarken Gründungen, bei Wissens- und Technologietransfer, bei der Einschätzung der Gründungsfähigkeiten sowie bei Frauengründungen gut ab, d. h. statistisch signifikant besser als Deutschland insgesamt. Absolute Schwächen liegen bei der Gründungsausbildung (Schulen/Hochschulen), bei Gründungsfähigkeiten, bei Migrantengründungen und bei der Marktdynamik. Die beiden Letztgenannten sind auch relative Schwächen Hannovers (d. h. mit statistisch signifikanten Mittelwertunterschieden zwischen Hannover und Deutschland). 5 Zwei der im GEM obligatorischen Fragen an die Gründungsexperten zu den gründungsbezogenen Rahmenbedingungen bleiben hier unberücksichtigt und wurden auch den Hannoveraner Experten nicht gestellt. Dies betrifft die Frage nach der physischen Infrastruktur sowie nach den Regeln zum Schutz geistigen Eigentums. Bei diesen beiden Rahmenbedingungen sind erstens zwischen deutschen Regionen keine nennenswerten Unterschiede zu erwarten und zweitens stellen sie in Deutschland nach den mehr als zehnjährigen Erfahrungen mit GEM-Daten kein Hindernis für Gründer da (anders als in vielen anderen GEM- Ländern, weshalb diese Fragen im internationalen Vergleich Sinn machen). Die in Tab. 5 gelisteten 21 Rahmenbedingungen werden in Tab. 6 teils zusammengefasst, weshalb dort sechs Rahmenbedingungen weniger als in Tab. 5 bewertet werden. Beispielsweise werden die ‚Politischen Rahmenbedingungen’ (basierend auf insgesamt neun Statements) in Tab. 5 aufgeteilt in die Rahmenbedingungen ‚Priorität und Engagement der Politik’ (mit drei Statements) sowie ‚Regulierung und Steuern’ (sechs Statements). 213 Tabelle 5: Bewertung der Ausprägung gründungsbezogener Rahmenbedingungen in Hannover und in Deutschland für das Gründungsgeschehen 2012 Rahmenbedingung (Anzahl der Statements in Klammern) Hannover (N = 30)1 Deutschland (N = 60)1 Mittelwert2 Standardabweichung Mittelwert2 Standardabweichung Finanzierung (6) 3,10 0,99 3,01 1,06 Priorität und Engagement der Politik (3) 3,11 1,00 2,68 1,00 Regulierung und Steuern (6) 2,89 1,05 2,77 1,17 Öffentliche Förderinfrastruktur/-programme (6) 3,76 0,97 3,57 1,08 Gründungsbezogene Bildung: Schule (3) 2,20 0,97 2,08 0,88 Gründungsbezogene Bildung: Außerschulisch (3) 2,77 0,94 2,73 0,86 Wissens- und Technologietransfer (6) 3,07* 1,03 2,76* 0,97 Unternehmensbezogene Dienstleistungen (5) 3,63 0,94 3,39 0,98 Marktdynamik (2) 2,48* 0,89 2,91* 0,95 Marktzugangsbarrieren (6) 3,03 1,03 2,79 0,86 Gesellschaftliche Werte und Normen (Kultur) (5) 3,07* 0,86 2,72* 1,03 Gründungschancen (5) 3,06 0,90 3,13 0,99 Gründungsfähigkeiten (5) 2,43* 0,92 2,08* 0,77 Gründungsmotivation (6) 2,97 1,06 2,89 0,97 Gründungsbedingungen für Frauen (5) 3,44* 1,13 3,08* 1,21 Unterstützung wachstumsstarker Gründungen (5) 3,69* 0,86 3,35* 0,98 Wertschätzung Innovationen Konsumenten (3) 3,12* 0,80 3,49* 0,83 Wertschätzung Innovationen Unternehmen (3) 3,40 0,82 3,32 0,90 Arbeitsmarkt (3) 2,79 0,98 2,63 0,99 Gründungen durch Immigranten (5) 2,64 1,02 2,88 1,00 Netzwerke (7) 3,39 0,99 3,56 1,06 1 Bewertungsgrundlage ist eine Fünfer-Likert-Skala zur Bewertung der den Experten vorgelegten 2-6 Statements je Rahmenbedingung mit folgenden Werten: 1 („vollkommen falsch“), 2 („eher falsch“), 3 („weder wahr noch falsch“), 4 („eher wahr“), 5 („vollkommen wahr“). In der Tabelle sind die Mittelwerte und die Standardabweichung der Indexwerte jeder Rahmenbedingung dargestellt; diese Indexwerte fassen die Bewertungen der Einzelstatements zusammen (gleich gewichtet); je höher der Indexwert, umso positiver wird die Rahmenbedingung bewertet; für weitere methodische Details sowie die Berechnung der Index-Mittelwerte im GEM-Länderbericht Deutschland vgl. BRIXY/STERNBERG/VORDERWÜLBECKE (2012). 2 statistische Signifikanz der Mittelwertunterschiede Hannover-Deutschland: * = 5 % Quelle: GEM-Expertenbefragung Deutschland 2012 sowie Sonderbefragung Experten Hannover 2012 214 Von dieser Bewertung der absoluten/relativen Stärken und Schwächen Hannovers im Vergleich zur Situation in Deutschland insgesamt darf noch nicht unbedingt auf die Wichtigkeit der Rahmenbedingungen geschlossen werden. Wenn eine Rahmenbedingung in der Region Hannover positiv bewertet wird, dann ist das eher relevant, wenn es sich nach Ansicht der Experten um eine als wichtig für das Gründungsgeschehen eingeschätzte Rahmenbedingung handelt, als wenn sie als weniger wichtig eingeschätzt würde. Diese Wichtigkeit der Rahmenbedingungen zeigt Tabelle 6. Erstens sind – plausiblerweise – die wichtigen Rahmenbedingungen in der Region Hannover partiell andere als in Deutschland insgesamt. Zweitens ist die Rahmenbedingung Finanzierung nach Ansicht der befragten Experten die wichtigste für das Gründungsgeschehen. Bei ihr hat sich Hannover in den letzten Jahren stark verbessert, auch wenn das Niveau ‚nur’ im Mittelfeld der Fünfer-Likert-Skala liegt. Tabelle 6: Bewertung der Wichtigkeit gründungsbezogener Rahmenbedingungen in Hannover und in Deutschland für das Gründungsgeschehen 2012 Rahmenbedingung Anteil der Experten, die die Bedeutung der Rahmenbedingung als „sehr hoch“ oder „hoch“ bezeichnen (% aller Antworten)1 Hannover (N = 30) Deutschland (N = 60) Finanzierung 75,0 (1) 87,7 (1) Politische Rahmenbedingungen 55,5 (7) 72,7 (10) Öffentliche Förderinfrastruktur/Förderprogramme 55,5 (8) 79,6 (3) Gründungsbezogene Aus- und Weiterbildung 60,0 (5) 75,0 (7) Wissens- und Technologietransfer 50,0 (9) 77,8 (5) Unternehmensbezogene Dienstleistungen 59,2 (6) 61,5 (13) Marktdynamik und Marktzugang 43,3 (14) 67,3 (11) Gesellschaftliche Werte und Normen (Kultur) 30,7 (15) 76,8 (6) Gründungschancen 48,1 (11) 64,2 (12) Gründungsfähigkeiten 62,1 (4) 78,2 (4) Gründungsmotivation 44,4 (13) 80,7 (2) Gründungsbedingungen für Frauen 50,0 (10) 59,3 (14) Bedeutung Unterstützung wachstumsstarker Gründungen 65,4 (3) 55,8 (15) Wertschätzung Innovationen 46,1 (12) 74,1 (9) Arbeitsmarkt 74,0 (2) 75,0 (8) 1 Bewertungsgrundlage ist eine Fünfer-Likert-Skala zur Wichtigkeit der jeweiligen gründungsbezogenen Rahmenbedingung für das Gründungsgeschehen mit folgenden Werten: 1 („sehr gering“), 2 („gering“), 3 („durchschnittlich“), 4 („hoch“), 5 („sehr hoch“); Werte in Klammern: Rangplatz der Rahmenbedingung in der jeweiligen Spalte. Quellen: GEM-Expertenbefragung Deutschland 2012 sowie Sonderbefragung Experten Hannover 2012 215 Aufschlussreich ist der Vergleich zwischen der Bewertung der Wichtigkeit der Rahmenbedingungen in Hannover und Deutschland. Während die Gründungsfähigkeit und die Finanzierung für beide Räume als sehr wichtig eingeschätzt wird, unterscheiden sich die Rangplätze (weniger deutlich die Prozentanteile) zwischen Hannover und Deutschland erheblich. Für Hannover wird die Unterstützung wachstumsintensiver Gründungen als wesentlich wichtiger (Rangplatz und Prozentanteile!) für das Gründungsgeschehen eingeschätzt, als dies deutschlandweit der Fall ist. Umgekehrt spielen nach Ansicht der deutschen Gründungsexperten bundesweit die Rahmenbedingungen kulturelle und soziale Normen, Gründungsmotivation sowie öffentliche Gründungsförderung eine wesentlich wichtigere Rolle für das Gründungsgeschehen, als dies in Hannover der Fall ist. Wohlgemerkt: Dieses Urteil der Experten zur Wichtigkeit der Determinanten sagt nichts über deren Urteil zur Ausprägung dieser Determinanten aus. Anders als bei Gründungsaktivitäten und -einstellungen, für deren Variablen vergleichbare Daten für die Region Hannover und Deutschland insgesamt aus den Jahren 2003 und 2012 existieren, muss bei den Rahmenbedingungen auf einen synchronen temporalen und räumlichen Vergleich zwischen Hannover und Deutschland verzichtet werden, da solche Daten für Hannover und das Jahr 2003 nicht vorliegen. Daher wurde ein direkter Weg gesucht und gefunden, um die Veränderung der Bewertung der gründungsbezogenen Rahmenbedingungen in Hannover empirisch zu ermitteln. Im Rahmen der gesonderten Expertenbefragung in Hannover im Jahre 2012 zu den gründungsbezogenen Rahmenbedingungen wurden – neben einigen für Hannover spezifischen Items – genau jene Rahmenbedingungen thematisiert, die in den jährlichen GEM-Expertenbefragungen bewertet werden. Um die temporale Komponente zu integrieren, wurde bei der Befragung in Hannover nach der Veränderung der Ausprägung der entsprechenden Rahmenbedingungen seit 2007 gefragt (hinreichend lange seit 2003, aber auch hinreichend lange vor 2012), ohne die in der GEM-Expertenbefragung üblichen Einzelstatements zu nennen. In Abbildung 16 sind die Rahmenbedingungen so angeordnet, dass oben die positiv bewerteten und unten die negativ bewerteten Rahmenbedingungen zu finden sind. Die positivsten Veränderungen (durchaus von verschiedenen Niveaus ausgehend) sehen die befragten Gründungsexperten bei den Gründungsbedingungen für Frauen, bei wachstumsstarken Gründungen sowie bei der öffentlichen Förderinfrastruktur/den öffentlichen Förderprogrammen, wo mindestens 60 % die Situation als „verbessert“ oder gar „stark verbessert“ gegenüber 2007 einschätzen. Auch die Finanzierung als – siehe oben – offenbar sehr wichtige regionale gründungsbezogene Rahmenbedingung für das Gründungsgeschehen in Hannover wird von der Mehrzahl der Befragten als mindestens ‚verbessert’ bewertet. Interessant ist zudem der Vergleich mit der Wichtigkeit der Determinanten, wie sie in Tabelle 6 dargestellt wurde. Mit Ausnahme der Rahmenbedingung 216 Arbeitsmarkt hat sich die Situation der übrigen gründungsbezogenen Rahmenbedingungen, die als besonders wichtig für das lokale Gründungsgeschehen eingeschätzt werden, in Hannover verbessert. Abbildung 16: Veränderung der Rahmenbedingungen in Hannover seit 2007 Quelle: Sonderbefragung Experten Region Hannover 2012 Als Übergang zur im nächsten Kapitel behandelten Gründungsförderpolitik eignet sich sehr gut die Frage nach den wichtigsten Ursachen des Scheiterns von Gründungen in Hannover (nach Meinung der Experten). Es ist kein Geheimnis, dass Unternehmensgründungen insgesamt eine höhere Scheiterquote (z. B. operationalisiert mit der Insolvenzquote) bzw. eine geringere Überlebenswahrscheinlichkeit haben als ältere und größere, also etablierte Unternehmen. Das rechtzeitige, im Idealfall präventive Erkennen von Gefahren und Risiken während der frühen Phase eines Unternehmens kann ergo potenziell dazu beitragen, dieses Manko von Gründungen zu reduzieren, auch durch Maßnahmen der Gründungsförderung. Die Analyse der Scheiterursachen kann, da diese durchaus regionalspezifisch sein können, Hinweise geben, welche Probleme die Gründer einer Region plagen und wie zumindest manche (auch) durch adäquate Gründungsförderpolitik bekämpft werden können. 217 Abbildung 17: Ursachen für das Scheitern von Gründungen in Hannover 2012 Quelle: Sonderbefragung Experten Region Hannover 2012 Wie Abbildung 17 zeigt, werden vier Probleme besonders häufig genannt, d. h., von mindestens 85 % der Befragten wird die Meinung vertreten, dass an diesem Problem in der Region Hannover besonders viele Gründungen scheiterten. Es sind dies die unzureichende Vorbereitung/Planung der Gründung, das mangelnde Finanz- und Liquiditätscontrolling, die unzureichenden Vorstellungen über die Anforderungen einer Selbstständigkeit sowie Probleme bei der Kundengewinnung. Zwei dieser vier Probleme könnten durch eine frühzeitige und konsequente Beratung im Vorfeld der Gründung in den meisten Fällen verringert werden, d. h., die Zahl der eigentlich ungeeigneten potenziellen Gründer würde reduziert. Das Finanz- und Liquiditätscontrolling dagegen setzt spezifische Kenntnisse und Erfahrungen voraus, die durch frühzeitige Beratung kaum vermittelt werden können. Die Kundengewinnung schließlich ist das zentrale Thema jedes Unternehmers und hängt sicher nicht wenig von der vorherigen Kenntnis des Marktes seitens des Gründers ab, lässt sich aber durch Gründungsförderpolitik kaum beeinflussen. Keine häufigen Scheiterursachen scheinen in Hannover die mangelnde Unterstützung durch die Gründungsförderung oder andere vom Gründer selbst kaum beeinflussbare Faktoren darzustellen. 218 9.2.4 Gründungsförderpolitik Wie eingangs bei der Erläuterung der Ziele dargelegt, ist es nicht Aufgabe dieses Beitrages, die Gründungsförderung in der und für die Region Hannover final und hinreichend empirisch belegt zu evaluieren. Es ist aber möglich, empirische Hinweise zu interpretieren, die die Wahrnehmung der Gründungsförderung in Hannover durch lokale Gründungsexperten darstellen. Denn die Gründungsförderung gehört (vgl. dazu Abb. 10 in Kap. 9.1.1) zu den gründungsbezogenen Rahmenbedingungen des regionalen Kontextes und kann ergo bei entsprechender Qualität, Quantität und Nachhaltigkeit die Gründungsaktivitäten, aber auch die Gründungseinstellungen zumindest potenziell positiv beeinflussen. Zwar liegen keine Daten vor, die auf direkt bei den Gründern oder potenziellen Gründern in der Region Hannover erfragten Informationen basieren. Im Rahmen des GEM wird den Gründungsexperten in Deutschland allerdings jährlich ein Katalog von sechs Statements vorgelegt, um mittels einer Fünfer-Likert-Skala die nationale Rahmenbedingung ‚Öffentliche Förderinfrastruktur/Förderprogramme’ zu bewerten, die sich naturgemäß auf die Situation in Deutschland insgesamt bezieht. Die zugehörigen sechs Statements wurden, nach Anpassung der Formulierungen, 2012 den Hannoveraner Gründungsexperten zur Bewertung für die Region Hannover vorgelegt. Das Resultat zeigt Tabelle 7. Diese Rahmenbedingung im Ganzen wird außerordentlich positiv bewertet, und zwar für Hannover wie auch für Deutschland. Dies gilt ebenso für die einzelnen Statements, deren Mittelwerte für beide Raumbezüge insgesamt zwischen 3,0 und 4,1 liegen, mit leicht positiveren Werten für Hannover. Offenbar leisten – nach Ansicht der Experten – insbesondere Technologie- und Gründerzentren sowie andere Inkubatoreinrichtungen in Hannover eine effektive Unterstützung für neue und wachsende Unternehmen, während diesem Statement im übrigen Deutschland wesentlich seltener zugestimmt wird. Als vor 29 Jahren das erste deutsche Technologie- und Gründerzentrum (TGZ) startete (kurz danach auch das TCH in Hannover), war dies eine Innovation in der deutschen Wirtschaftsförderung. Erstmals konzentrierte sie sich auf eine Zielgruppe, der bis dato wenig Aufmerksamkeit zuteilwurde: innovative Gründungen, deren Gründer zumeist aus derselben Region stammten. Die Erwartungen waren entsprechend hoch. Auch wenn sich längst nicht alle Erwartungen an allen Standorten erfüllt haben und mittlerweile anerkannt wird, dass Gründungsförderung dauerhaft öffentliche Mittel erfordert (ein Selbsttragen allein mit echt originären Gründungen also illusorisch bleibt), ist dieses spezifische Instrument der regionalen/lokalen Gründungsförderung offenbar relativ erfolgreich, besonders in Hannover (vgl. STERNBERG et al. 1997). Im Mittelfeld der sechs Statements liegen die Antworten auf die Frage, ob die regionalen Förderprogramme zur Unterstützung neuer Unternehmen wirkungsvoll sind. Dies gilt sowohl für die Programme auf Bundesebene als auch für jene in der Region Hannover). Insgesamt fällt in Tab. 7 auf, dass, obgleich die Mittelwerte sich 219 zwischen Hannover und Deutschland kaum unterscheiden, die Antworten der 30 Experten in Hannover relativ stark streuen, wie an der vergleichsweise hohen Standardabweichung (der höchsten aller sechs Statements) abzulesen ist. Offenbar existieren bei diesem Statement, anders als bei den anderen (außer dem Statement zu Gründerzentren), relativ große Bewertungsunterschiede zwischen den Experten. Tabelle 7: Statements zur Bewertung der Gründungspolitik in Hannover und in Deutschland 2012 Statement zur Gründungsförderung in … Hannover Deutschland Mittelwert Standardabweichung Mittelwert Standardabweichung ...leisten Technologie- und Gründerzentren sowie Inkubatoreinrichtungen effektive Unterstützung für neue und wachsende Unternehmen. 4,07 0,74 3,02 1,31 ...ist ein breites Spektrum an Förderprogrammen und Beratungsdienstleistungen für neue und wachsende Unternehmen bei einer einzigen Einrichtung erhältlich. 3,83 1,05 4,15 0,86 ...existiert eine angemessene Anzahl staatlicher Förderprogramme für neue und wachsende Firmen. 3,55 0,83 3,85 0,98 ...sind Mitarbeiter der öffentlichen Einrichtungen, die neue und wachsende Unternehmen unterstützen, kompetent und effektiv in der Erfüllung ihrer Aufgabe. 3,93 0,92 3,46 0,97 ...kann fast jeder, der Unterstützung von staatlichen Programmen für neue und wachsende Unternehmen benötigt, das richtige Angebot finden. 3,70 1,02 3,23 1,13 ...sind regionale Förderprogramme mit dem Ziel der Unterstützung neuer und wachsender Unternehmen wirkungsvoll. 3,48 1,16 3,53 0,86 Rahmenbedingung Gründungsförderung insgesamt 3,76 0,97 3,57 1,08 1 Bewertungsgrundlage ist eine Fünfer-Likert-Skala zur Bewertung der genannten Statements mit folgenden Werten: 1 („vollkommen falsch“), 2 („eher falsch“), 3 („weder wahr noch falsch“), 4 („eher wahr“), 5 („vollkommen wahr“). In der letzten Zeile werden die sechs Einzelaussagen gleichgewichtig zu einem Indexwert der Gründungsförderung insgesamt zusammengefasst; für weitere methodische Details sowie die Berechnung der Index-Mittelwerte vgl. BRIXY/STERNBERG/ VORDERWÜLBECKE 2012. Quelle: GEM-Expertenbefragung Deutschland 2012 sowie Sonderbefragung Experten Hannover 2012 220 Es sei zudem erinnert an Tabelle 5, die zeigt, dass die gründungsbezogene Rahmenbedingung „Öffentliche Förderinfrastruktur/Förderprogramme“ die beste Bewertung seitens der befragten Experten erhielt – und zwar für Hannover ebenso wie für Deutschland insgesamt. Für die Region Hannover liegt der Mittelwert bei 3,76, für Deutschland bei 3,57. Die Mittelwertunterschiede zwischen Deutschland und Hannover sind bei dieser Rahmenbedingung nicht statistisch signifikant, anders als etwa bei den Rahmenbedingungen „Wissens- und Technologietransfer“, „Gründungsbedingungen für Frauen“ oder „Unterstützung wachstumsstarker Gründungen“ (jeweils Vorteile für Hannover gegenüber Deutschland) bzw. bei „Marktdynamik“ oder „Wertschätzung Innovationen Konsumenten“ (jeweils Vorteile Deutschlands gegenüber Hannover, vgl. Tab. 5). Abbildung 18: Fokus der Gründungspolitik in Hannover und in Deutschland 2012 Quelle: GEM-Expertenbefragung Deutschland 2012 sowie Sonderbefragung Experten Region Hannover 2012 Auffällige Unterschiede hinsichtlich der Ausprägung der Gründungsförderpolitik in Hannover und in Deutschland zeigen sich nach Meinung der befragten Experten insbesondere bei den Zielgruppen und bei der Beziehung der Gründungspolitik zur KMU-Politik im Allgemeinen. Die Gründungspolitik in Deutschland verfolge eher sozialpolitische Ziele, stärker einen zielgruppenübergreifenden Ansatz 221 und sei eher Bestandteil einer übergeordneten KMU-Politik, als dies in Hannover der Fall sei (vgl. Abb. 18). Auch wenn diese Bewertungen keine Aussagen über den Erfolg oder die Effizienz der jeweiligen Gründungsförderpolitik erlauben, geben sie doch Hinweise auf die Außenwahrnehmung der Gründungsförderpolitik in Hannover – verglichen mit jener in ganz Deutschland – bei der wichtigen Personengruppe der Gründungsexperten, von denen im Übrigen einige (wenige) selbst als Gründungsförderer agieren. Die befragten Gründungsexperten konnten drei Verbesserungsvorschläge zur Gründungsförderpolitik machen. Das Feedback war erfreulich umfassend und vielfältig. Ohne hier auf Details eingehen zu können, lassen sich die Voten zum erheblichen Teil drei Stoßrichtungen künftiger Gründungsförderpolitik in der Region Hannover zuordnen. Erstens ist dies eine stärkere Betonung des Themas Gründungen in der Aus- und Weiterbildung, insbesondere außerhalb der Universitäten. Exemplarische Kommentare im Wortlaut (alle Zitate stammen aus der Sonderbefragung Experten in der Region Hannover 2012): „Ergänzung der Ausbildung in den Schulen (Verständnis wirtschaftlicher Zusammenhänge)“, „Integration des Unternehmertums in die Lehrpläne von Schulen“, „Wirtschaft muss ein Unterrichtsfach in der Schule werden“, „Die gesellschaftliche Akzeptanz des Unternehmertums muss in der Schule begonnen werden. Dazu bedarf es auch entsprechend ausgebildeter Lehrkräfte“, „Kultur des Unternehmertums bereits in der Schule stärken“. Zweitens wird der Bürokratieabbau für Gründer und Gründungsförderung angemahnt, z. B. mit folgenden Zitaten: „gesetzliche Hürden abbauen, Steuerrecht vereinfachen, Antragsverfahren optimieren oder durch Lotsen unterstützen“, „Senkung der bürokratischen Hürden bei der Einstellung von Mitarbeitern und der Lohnnebenkosten“. Schließlich betonen zahlreiche Gründungsexperten, dass die Gründungsförderung andere finanzielle Instrumente nutzen solle: „Wiedereinführung des Gründungszuschusses in der alten Form“, „Mehr Angebote an Mikrokrediten“, „Gründungsunterstützung durch Zuschuss für Gründer aus der Industrie“, „starke Förderung der Betreuungsnetzwerke durch öffentliche Mittel“, „Steuerpolitik: Drastische Senkung der Besteuerung von Jungunternehmer/innen zur Bildung von Eigenkapital“. 9.3 Zusammenfassung und gründungspolitische Implikationen Der Beitrag verfolgte drei Ziele: die raumzeitliche Positionierung Hannovers bezüglich der Gründungsaktivitäten und -einstellungen der Bevölkerung sowie – zweitens – der gründungsbezogenen Rahmenbedingungen der Region Hannover und eine erste Einschätzung der Gründungsförderpolitik der Region Hannover der jüngeren Vergangenheit. 222 Zusammenfassend lässt sich konstatieren, dass die komparativen Stärken und Schwächen der Gründungsregion Hannover (und um eine solche handelt es sich im Sinne von STERNBERG (2006) sehr wohl) im Vergleich zur Situation in Deutschland differenziert nach Gründungsaktivitäten und -einstellungen sowie gründungsbezogenen Rahmenbedingungen zu bewerten sind. Erstens zeigt die Analyse der Gründungsaktivitäten – einer unmittelbaren Zielgröße regionaler Gründungsförderung (Prämisse: viele gute Gründungen befördern regionales Wirtschaftswachstum) –, dass die einschlägigen GEM-Gründungsquoten für eine Großstadt wie Hannover ausbaufähig, d. h. relativ gering sind. Angesichts des empirisch gut belegten Befundes, dass Gründungen in deutschen Großstädten relativ häufiger sind als außerhalb von Großstädten (vgl. BRIXY/STERNBERG/ VORDERWÜLBECKE 2012), ist es enttäuschend, dass zumindest 2012 die Region Hannover eine Gründungsquote aufweist, die gut 1 Prozentpunkt unter der Quote für ganz Deutschland liegt. Der zeitliche Vergleich zeigt zudem, dass die Region Hannover sich hinsichtlich der Gründungsquoten seit 2003 ungünstiger entwickelt hat als Deutschland insgesamt. Zweitens belegen die deutlich günstigeren Daten bei den Gründungseinstellungen der Hannoveraner Bevölkerung, die bekanntlich die späteren Gründungsaktivitäten signifikant beeinflussen können, dass sie offenbar nicht die Ursache für die Defizite bei tatsächlichen Gründungsaktivitäten sind. Besonders die Perzeption der Gründungschancen ist in Hannover weitaus positiver als im übrigen Deutschland. Die drei analysierten Einstellungsvariablen haben sich zudem in Hannover seit 2003 mehrheitlich günstiger entwickelt als in Deutschland insgesamt. Drittens zeigt die Analyse der gründungsbezogenen Rahmenbedingungen, dass die Gründungsförderung, aber auch wachstumsstarke Gründungen komparative Stärken der Region Hannover darstellen, die (Aus-)Bildung sowie Gründungen durch Menschen mit Migrationshintergrund dagegen komparative Schwächen. Die Gründungsförderpolitik selbst wird – von den befragten Experten – in Hannover weniger als Sozialpolitik oder Teil der allgemeinen KMU-Politik wahrgenommen, sondern als explizit zielgruppenspezifischer Ansatz (anders als die Gründungsförderpolitik in ganz Deutschland). Erste Empfehlungen an die Adresse der regionalen Gründungsförderung in Hannover betonen folgerichtig, dass die Initiierung und das Wachstum von Gründungen weiterhin und nachhaltig unterstützt werden sollte. Das Maßnahmenbündel sollte sich stärker als bisher den in Hannover besonders wichtigen Scheiterursachen – der unzureichenden Finanzierung von Gründungsvorhaben und der Vorbereitung in der Pre-Entry-Phase – widmen. Unausgeschöpfte Potenziale in Teilen der lokalen Bevölkerung sollten (noch) besser genutzt werden: Migranten, Frauen und Hochschulangehörige (Wissenschaftler wie Studierende) gründen in der Region Hannover seltener, als es das Potenzial ermöglichte. Das in der Region Hannover populäre, auf der Basisidee sektoral-räumlicher Cluster aufbauende Konzept der Fokusbranchen hat ebenfalls Implikationen für das 223 Gründungsgeschehen in der Region, auch wenn es im vorliegenden Beitrag nur angedeutet werden konnte. Es sei empfohlen, die Gründungsförderung auf Gründungen innerhalb und außerhalb der Fokusbranchen zu beziehen. Abbildung 19: Verzögerte Wirkungen von Gründungsförderpolitik Quelle: modifiziert nach STERNBERG (2009: 299) Dieses Fazit zur Gründungsförderpolitik in Hannover basiert auf der Annahme eines kausalen (wohl interdependenten) Zusammenhangs zwischen Gründungsperformance und Gründungspolitik. Ein solcher ist allerdings theoretisch nur partiell begründbar und empirisch nicht einfach belegbar (vgl. z. B. die Analyse mit REM- Daten zu deutschen Regionen durch STERNBERG (2005)). Gleichwohl ist die Argumentation, dass eine inhaltlich ausgefeilte Gründungsförderpolitik einen positiven Einfluss auf Gründungsaktivitäten und -einstellungen habe, nicht unplausibel. Dies gilt insbesondere dann, wenn die Politik Gründungen (nicht jede einzelne, aber das regionale Gründungsgeschehen einer Region insgesamt) nachhaltig fördert – und die Förderung nicht etwa am Ende von Legislaturperioden abbricht oder sich inhaltlich radikal ändert. Gründungsförderprogramme, wie jedes wirtschaftspolitische Instrument, müssen die Zeitverzögerungen berücksichtigen, 224 die zwischen dem Beschließen und der Implementation des Programms, etwaigen Wirkungen auf die Gründungsentscheidung Einzelner sowie den regional- ökonomischen Effekten dieser Gründungen (z. B. Arbeitsplätze) liegen (vgl. Abb. 19). Zwar ist die Länge dieser Timelags wissenschaftlich wenig analysiert, also unbekannt. Dass es sie gibt, ist aber Konsens. Selbige Timelag-Problematik gilt im Übrigen auch für bereits erfolgte Gründungen und deren Beschäftigungseffekte (vgl. FRITSCH 2008a). Zudem sendet jede Art der Gründungsförderpolitik Signale an die lokale Bevölkerung aus und beeinflusst so das ‚Gründungsklima’ – und zwar positiv im Falle einer auf die tatsächlichen Bedürfnisse realer Gründer bzw. die Bedenken und Hoffnungen potenzieller Gründer ausgerichteten Gründungsförderpolitik. Schließlich ist bei der Frage, ob und gegebenenfalls wie Gründungsförderpolitik das Gründungsgeschehen beeinflussen kann, zu beachten, dass Gründungseinstellungen eher steuerbar sind als Gründungsquoten (indirekte statt direkte Steuerung), was angesichts der prinzipiellen Wirkung von personenbezogenen Gründungseinstellungen auf tatsächliche Gründungsaktivitäten durchaus positiv zu werten ist. Abschließend seien die zentralen Botschaften basierend auf den theoretischen und empirischen Befunden des Beitrages, an die Adresse der regionalen Wirtschaftspolitik der Region Hannover gerichtet, in Thesenform aufgelistet: • Regionale Gründungsförderung ist außerhalb von ‚entrepreneurial societies’, zu denen Deutschland wie auch Hannover sicher nicht gehören, notwendig und als Teil der Bestandspflege eine unverzichtbare Ergänzung der Ansiedlungswerbung, obwohl der Nachweis eines eindeutigen statistischen Zusammenhangs zwischen Gründungsförderung und anschließender Änderung der Gründungsaktivitäten und -einstellungen schwer zu erbringen ist. • Die öffentliche Unterstützung von Gründungen (als Teil der Bestandspflege) kostet dauerhaft Geld und amortisiert sich in realwirtschaftlichen Dimensionen zumindest nicht kurzfristig, ist aber sinnvoller und kostengünstiger als die frühere Fokussierung auf die Ansiedlungswerbung und Großunternehmen. • Gründungsförderpolitik braucht einen langen Atem, da sie, wenn überhaupt, nur mit erheblichen Zeitverzögerungen und auf indirektem Weg über Einstellungs- und Mentalitätsänderungen reüssiert. • Unternehmensgründungen und ihre Förderung sind auch deshalb in Hannover wichtig, weil sie ein wichtiger Mechanismus der Entstehung und Regenerierung von sektoral-räumlichen Clustern sein können, die in Hannover als ‚Fokusbranchen’ seit einigen Jahren eine prominente Rolle in der Wirtschaftsförderung spielen. • Lokale/regionale Gründungsförderung sollte auf einem standortspezifischen, originellen und originären Konzept basieren, das sich erkennbar von anderen Städten unterscheidet. 225 • Diesbezüglich ist die Region Hannover mit ihrer zunehmend bei hannoverimpuls gebündelten Gründungsförderung auf einem guten Weg, der aber noch sehr lange weitergegangen werden muss und nicht von unrealistischen Zielen blockiert werden darf. 9.4 Literatur Birch, D. 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Chapter Preview

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Zusammenfassung

Der Band beschäftigt sich mit den Leistungen und Schwächen von Clusterpolitik und der Zukunft der Wirtschaftsförderung. Heute wissen wir, dass Clusterpolitik als Instrument moderner Wirtschaftsförderung sich immer nur dann bewährt, wenn die in der komplexen Theorie angelegten verschiedenen Koordinationsmodi auch in der Realität greifen können. Dazu muss das Umfeld in die Förderung integriert werden, weil nur so der Aufbau regionaler Innovationssysteme gelingt. Dabei gerät vor allem die Beschäftigung in wissensintensiven, zukunftsfähigen Wachstumssektoren in das Visier der Wirtschaftsförderung. Der Standortvergleich herausragender Wirtschaftsregionen hebt durchgängig die Existenz solcher Kooperationsstrukturen und Wissenskollaborationen hervor.

Daher wird in diesem Band neben wissenschaftlichen auch praxisrelevanten Fragen nachgegangen:

Welche Arten von Clusterpolitik haben sich herausgebildet, und was wissen wir über ihren Einfluss auf regionale Wirtschaftsentwicklung?

Welche Erkenntnisgewinne hat die Clusterforschung der letzten Jahre für die wirtschaftspolitische Praxis geliefert? Was sind Good Practice Beispiele?

Ist die „Clusterei“ immer noch ein wirtschaftspolitischer Königsweg oder mittlerweile eher ein Sorgenkind?

Was ergibt sich für ein zukunftsorientiertes Modell zur Zukunft der Wirtschaftsförderung angesichts neuer Herausforderungen wie beispielsweise Demografischem Wandel, Energiewende oder zukunftsfähiger Mobilitätskonzepte?