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Michael Schröder, Henry Schäfer, Reine Geldmarktanlage in:

Henry Schäfer, Michael Schröder

Nachhaltige Kapitalanlagen für Stiftungen, page 70 - 71

Aktuelle Entwicklungen und Bewertung

1. Edition 2009, ISBN print: 978-3-8329-4250-2, ISBN online: 978-3-8452-1617-1 https://doi.org/10.5771/9783845216171

Series: ZEW Wirtschaftsanalysen - Schriftenreihe des ZEW, vol. 92

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70 wertes verwendet wird, ist es bei Nr. 3 der Mittelwert abzüglich des Zielwertes. Kaplan und Knowles (2003) definieren die neue Klasse der Kappa-Performancemaße, für die die Sortino-Ratio ein Spezialfall darstellt. Zum Vergleich wird ebenfalls – als viertes Performancemaß – die Sharpe-Ratio verwendet, die in der Regel verzerrte Aussagen liefern dürfte, da die Verteilung der simulierten Vermögenswerte nur in Ausnahmefällen der Normalverteilung entspricht. 3.4.2 Reine Geldmarktanlage Als erste Anlagestrategie wird eine reine Geldmarktanlage betrachtet; die Ergebnisse der Strategie werden durch Carstensen (1996a, 2003) dargestellt. Die Resultate dienen auch als Benchmark für die anderen Anlagestrategien, bei denen risikoreichere Anlageobjekte (Anleihen, Aktien) eingesetzt werden. Die Stiftung legt zu Beginn des Jahres ihr gesamtes Vermögen zum dann geltenden 1-Jahreszins an. Nach Ablauf eines Jahres erhält die Stiftung die Zinsen ausgezahlt. Von diesen Zinserträgen wird ein Drittel ausgeschüttet und zwei Drittel in einer freien Rücklage thesauriert. Das nach der Ausschüttung vorhandene Vermögen wird wieder zum 1-Jahreszins angelegt. Tabelle 9 zeigt, dass die Strategie kein Risiko in Bezug auf den Nominalwert des Vermögens aufweist. Für eine Anlagedauer von einem Jahr ist diese Aussage selbstverständlich, da der 1-Jahreszins bei Anlage des Vermögens bekannt ist. Bei einer Anlagedauer von fünf Jahren besteht ein durchaus erhebliches Zins- änderungsrisiko (siehe Tabelle 7), der 1-Jahreszins weist für die vier Folgejahre eine beachtliche Schwankungsbreite auf. Da der nominale Zins nicht negativ werden kann und die Ausschüttungen immer relativ zu den laufenden Erträgen definiert sind, liegt das nominale Vermögen immer oberhalb des Anfangswertes von 100. Damit weisen die Downside-Risk-Maße alle ein Risiko von null aus und entsprechend sind die Performancemaße für das nominale Vermögen nicht berechenbar. Tabelle 9: Risiko und Performance einer reinen Geldmarktanlage, Anlagedauer 1 Jahr und 5 Jahre Risikokennzahlen Performancekennzahlen Risk1 Risk2 Risk3 Perf1 Perf2 Perf3 Perf4 Nominal: 1 Jahr 0 0 0 - - - - Real: 1 Jahr 0,861 1,301 1,637 0,065 0,052 -0,746 0,00 Nominal: 5 Jahre 0 0 0 - - - - Real: 5 Jahre 0,883 8,066 9,784 0,053 0,044 -0,780 0,00 71 Tabelle 10: Vermögensverteilung einer reinen Geldmarktanlage, Anlagedauer 1 Jahr und 5 Jahre Statistische Basiskennzahlen Mittel Median Std. Min. Max. Schiefe Kurt. Nominal: 1 Jahr 101,127 101,127 - 101,127 101,127 - - Real: 1 Jahr 98,779 98,760 1,131 93,671 103,156 0,093 0,082 Nominal: 5 Jahre 106,069 105,664 1,972 102,662 122,801 1,521 4,029 Real: 5 Jahre 92,364 92,087 6,338 74,618 120,126 0,312 0,092 Aus Tabelle 10 ist ersichtlich, dass das Vermögen bei einem Prognosehorizont von fünf Jahren zwischen den Minimal- beziehungsweise Maximalwerten von 102,70 und 122,80 liegt. Im Durchschnitt erreicht das Vermögen nach fünf Jahren eine Steigerung um insgesamt 6,07%. Ganz anders sieht die Beurteilung jedoch für den Realwert des Vermögens aus. Analog zu Carstensen (1996a, 2003) ergibt sich, dass es der Stiftung mit einer reinen Geldmarktstrategie kaum gelingen dürfte, den Realwert des Vermögens zu erhalten. Wie Risk1 zeigt, wird bei einer Anlagedauer von einem Jahr der reale Anfangswert in 86,10% aller Fälle unterschritten, bei einem Anlagehorizont von fünf Jahren steigt dieser Prozentsatz sogar auf 88,30% an. Entsprechend liegt der Durchschnittswert des realen Vermögens auch unterhalb von 100. Die Performancemaße Nr. 1 und 2 weisen sehr geringe positive Werte auf; Performancemaß Nr. 3 ist negativ, da der Mittelwert unterhalb des Zielwertes von 100 liegt und die Sharpe-Ratio (Nr. 4) ist definitionsgemäß gleich null, da der mittlere Ertrag exakt dem 1-Jahreszins entspricht. Obwohl eine Geldmarktanlage aus Sicht der nominalen Werterhaltung des Stiftungsvermögens das Ziel perfekt erreicht, stellt sie in Bezug auf die reale Werterhaltung eine hoch riskante Anlagestrategie dar. 3.4.3 Kombination von Aktien und Anleihen In diesem Abschnitt werden statische Anlagestrategien untersucht, die aus einer Kombination von Anleihen und Aktien bestehen. Dies dient einerseits zur Bewertung klassischer Portfoliostrukturen von Stiftungen, andererseits stellen diese Analysen die Benchmark für die Bewertung von Absicherungsstrategien (Put- Optionen, CPPI) dar, die in Abschnitt 3.4.4 näher untersucht werden. Zunächst werden Portfolios, die aus deutschen Staatsanleihen (ab 1999: Staatsanleihen Eurogebiet) und dem MSCI-Aktienindex Deutschland betrachtet. Anschließend wird in Abschnitt 3.4.3.2 die Verteilung der Ausschüttungen aus den laufenden Erträgen bei der Anlage in Anleihen und deutsche Aktien analysiert. Dabei soll ergänzend zu den Analysen der Vermögensverteilungen gezeigt werden, in welchem Maße verschiedene Portfoliostrukturen die Leistungsfähigkeit

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Zusammenfassung

In den letzten Jahren ist der Markt für nachhaltige Kapitalanlagen auch in Europa signifikant gewachsen. Besonders für Stiftungen können Kapitalanlagen, die nach ethischen, sozialen und ökologischen Kriterien ausgewählt werden interessant sein, weil dadurch der Stiftungszweck auch im Rahmen der Vermögensanlage berücksichtigt werden kann. Im April 2008 wurde zur Analyse dieses Themas eine Konferenz unter dem Titel „Nachhaltige Kapitalanlagen für Stiftungen: Aktuelle Entwicklungen“ in Osnabrück bei der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) durchgeführt. Ziel der Konferenz war es, einen umfassenden Überblick über die aktuellen Entwicklungen auf dem Markt für nachhaltige Kapitalanlagen zu geben und eine Bewertung, speziell aus der Perspektive von Stiftungen, durchzuführen.

Der vorliegende Konferenzband enthält als zentrales Kapitel die Studie „Nachhaltige Vermögensanlagen für Stiftungen“, die das ZEW zusammen mit der Universität Stuttgart durchgeführt hat. Die weiteren Beiträge befassen sich unter anderem mit dem noch relativ jungen Markt der Microfinance-Anlageprodukte, die als Teilgebiet der nachhaltigen Kapitalanlagen in Zukunft für Stiftungen eine ansteigende Bedeutung erlangen könnten.