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Anke Draude, Wer regiert wie? Eurozentrismus in der Governanceforschung und der Versuch einer methodischen Grenzüberschreitung in:

Sybille De La Rosa, Ulrike Höppner, Matthias Kötter (Ed.)

Transdisziplinäre Governanceforschung, page 100 - 116

Gemeinsam hinter den Staat blicken

1. Edition 2008, ISBN print: 978-3-8329-3670-9, ISBN online: 978-3-8452-1087-2, https://doi.org/10.5771/9783845210872-100

Series: Schriften zur Governance-Forschung, vol. 13

Bibliographic information
Werȱregiertȱwie?ȱEurozentrismusȱinȱderȱGovernanceforschungȱ undȱderȱVersuchȱeinerȱmethodischenȱGrenzüberschreitungȱ AnkeȱDraude*ȱ Werȱ leistetȱ wieȱ einenȱ Beitragȱ zumȱ Regieren?ȱ Imȱ Sinneȱ desȱ SonderforȬ schungsbereichsȱ700ȱderȱFreienȱUniversitätȱBerlinȱistȱdasȱdieȱzentraleȱFrageȱ einerȱ Governanceforschungȱ inȱ Räumenȱ begrenzterȱ Staatlichkeitȱ (LehmȬ kuhl/Risseȱ2006).ȱSieȱzieltȱdaraufȱab,ȱnebenȱdenȱtypischȱwestlichenȱauchȱalȬ ternativeȱFormenȱdesȱRegierensȱzuȱentdecken.ȱ GegenüberȱherkömmlichenȱPlanungsȬȱoderȱSteuerungstheorienȱlässtȱdasȱ westlicheȱGovernanceȬKonzeptȱmitȱBlickȱaufȱdieȱArtȱundȱWeiseȱdesȱRegieȬ rensȱ vergleichsweiseȱ vielȱVariationȱ zu.ȱ Lautȱ seinerȱGovernanceȬDefinitionȱ willȱesȱdieȱGesamtheitȱ„allerȱnebeneinanderȱbestehendenȱFormenȱderȱkollekȬ tivenȱRegelungȱ gesellschaftlicherȱ Sachverhalte“ȱ (Mayntzȱ 2004:ȱ 66)ȱ fassenȱ–ȱ alsoȱ ebenȱ nichtȱ nurȱ solcheȱ Regelungsformen,ȱ derenȱ zentralerȱ Akteurȱ derȱ Staatȱ ist.ȱDieseȱÖffnungȱderȱpolitikwissenschaftlichenȱVorstellungȱvomȱReȬ gierenȱ erscheintȱ vorȱ allemȱ dannȱ vielversprechendȱ undȱ notwendig,ȱ wennȱ schwacheȱoderȱkorrupteȱStaatenȱbeobachtetȱwerden.ȱ ImȱvorliegendenȱArtikelȱwirdȱnunȱdieȱTheseȱvertreten,ȱdassȱdieȱwestlicheȱ GovernanceȬDebatteȱ dieȱOffenheitȱ derȱGovernanceȬDefinitionȱ durchȱ einenȱ explizitenȱundȱimplizitenȱFokusȱaufȱdenȱStaatȱalsȱdenȱzentralenȱAkteurȱdesȱ Regierensȱwiederȱeinschränkt.ȱImȱAnschlussȱanȱeineȱErläuterungȱdiesesȱspeȬ zifischenȱEurozentrismusȬDilemmasȱwirdȱeineȱäquivalenzfunktionalistischeȱ Herangehensweiseȱ anȱ dieȱ GovernanceȬProblematikȱ inȱ Räumenȱ begrenzterȱ Staatlichkeitȱ vorgeschlagen.ȱ Dennȱ dieseȱ innovativeȱ Methodeȱ weitetȱ denȱ BlickȱdesȱBetrachtersȱfürȱnichtȬwestlicheȱFormenȱdesȱRegierens.ȱ ȱ ȱ ȱȱ AnkeȱDraudeȱ erwarbȱ ihrȱDiplomȱderȱKulturwissenschaftenȱ anȱderȱEuropaȬUniversitätȱViȬ adrinaȱ inȱFrankfurt/Oder.ȱAlsȱWissenschaftlicheȱMitarbeiterinȱ imȱTeilprojektȱA1ȱ„Beiträgeȱ zurȱTheoriebildung“ȱbeschäftigtȱsieȱsichȱmitȱFragenȱderȱÜbertragbarkeitȱeuropäischerȱDenkȬ musterȱaufȱRäumeȱbegrenzterȱStaatlichkeit,ȱ insbesondereȱmitȱdemȱVersuchȱeinerȱminimalȱ normativen,ȱradikalȱfunktionalistischenȱReformulierungȱdesȱGovernanceȬKonzepts.ȱ Werȱregiertȱwie?ȱ 101ȱȱ 1.ȱDasȱwestlicheȱGovernanceȬKonzeptȱ DerȱGovernanceȬBegriffȱentstammtȱeinerȱDebatte,1ȱdieȱseitȱdenȱ1970erȱJahrenȱ kooperative,ȱ nichtȬhierarchischeȱ Formenȱ derȱ politischenȱ EntscheidungsfinȬ dungȱ inȱderȱOECDȬWeltȱbeobachtet:ȱGesellschaftlicheȱAkteureȱwerdenȱzuȬ nehmendȱ inȱ sozialeȱRegelungsprozesseȱ eingebunden.ȱ Staatenȱmachenȱ imȬ merȱ wenigerȱ vonȱ ihrerȱ aufȱ Sanktionenȱ beruhendenȱ Entscheidungsgewaltȱ Gebrauch.ȱStattdessenȱregiertȱmanȱ inȱNetzwerken,ȱhandeltȱRegelungenȱmitȱ privatenȱAkteurenȱaus,ȱsetztȱAnreizeȱundȱversuchtȱzuȱüberzeugen.ȱDiesȱseiȬ enȱneueȱPhänomeneȱ imȱmodernenȱNationalstaat,ȱderȱaufȱderȱ idealenȱBasisȱ einerȱ striktenȱ Trennungȱ zwischenȱ öffentlicherȱ undȱ privaterȱ Sphäreȱ bisherȱ alleinȱfürȱdieȱRegelungȱgesellschaftlicherȱSachverhalte,ȱalsoȱfürȱdieȱErfüllungȱ soȱgenannterȱStaatsfunktionenȱbzw.ȱȬaufgaben,ȱzuständigȱseinȱsollteȱ(soȱetwaȱ dieȱ herkömmlicheȱ deutscheȱ Steuerungstheorie,ȱ vgl.ȱ Mayntzȱ 2001:ȱ 17Ȭ20).2ȱ DieȱAbweichungȱvonȱdiesemȱIdealȱinȱRichtungȱeinerȱ„neuen“ȱKooperationsȬ freudigkeitȱ desȱ Staatesȱ lässtȱ sichȱmitȱ derȱ voranschreitendenȱ gesellschaftliȬ chenȱDifferenzierungȱundȱSpezialisierungȱeinerseitsȱundȱmitȱdenȱhohenȱKosȬ tenȱstaatlicherȱInterventionȱandererseitsȱerklären:ȱDerȱStaatȱkannȱnichtȱmehrȱ alleȱgesellschaftlichenȱTeilbereicheȱadäquatȱsteuern.ȱErȱbedarfȱbeiȱderȱgesellȬ schaftlichenȱRegulierungȱderȱ ideellenȱundȱmateriellenȱMitwirkungȱderȱBeȬ troffenenȱ(z.ȱB.ȱKooimanȱ2002:ȱ73Ȭ75,ȱ78;ȱMayntzȱ1996:ȱ148;ȱRhodesȱ1996:ȱ658Ȭ 660).ȱȱ DieȱzunehmendȱbeobachtetenȱKooperationenȱzwischenȱöffentlichenȱundȱ privatenȱAkteurenȱsowieȱFormenȱprivaterȱSelbstregulierungȱwerdenȱnunȱinȱ AbgrenzungȱvonȱeinerȱstaatszentriertenȱPolicyȬForschungȱoderȱSteuerungsȬ theorieȱ alsȱ „neue“ȱ GovernanceȬFormenȱ beschrieben.ȱ Währendȱ bisherȱ derȱ Staatȱ (government)ȱ alsȱ Steuerungssubjektȱ undȱ dieȱ Gesellschaftȱ alsȱ SteueȬ rungsobjektȱinȱeinemȱhierarchischenȱVerhältnisȱstanden,ȱbegreiftȱdieȱwestliȬ cheȱGovernanceȬDebatteȱSubjektȱundȱObjektȱvonȱSteuerungȱalsȱhybride,ȱsiȬ tuationsabhängigeȱKonstrukteȱ(Mayntzȱ2005:ȱ13).ȱAngesichtsȱderȱvielfältigenȱ Regierungskonstellationen,ȱdieȱsichȱhierausȱergeben,ȱlöstȱeineȱdifferenzierteȱ ȱ 1ȱȱ BeobachtetȱwerdenȱhierȱTexte,ȱinȱdenenȱderȱGovernanceȬBegriffȱanalytischȱverstandenȱwird.ȱ Normativeȱ Konzepteȱ wieȱ Goodȱ oderȱ Globalȱ Governanceȱ werdenȱ bewusstȱ ausgeblendet.ȱ ZurȱAbgrenzungȱderȱ verschiedenenȱAnsätzeȱ sieheȱdeȱ laȱRosa/Höppner/Kötterȱ inȱdiesemȱ Band.ȱ 2ȱ DieȱDichotomienȱ staatlich/gesellschaftlichȱundȱöffentlich/privatȱwerdenȱ inȱdiesemȱArtikelȱ synonymȱverwendetȱ Ȭȱsoȱwieȱesȱauchȱ inȱderȱwestlichenȱGovernanceȬLiteraturȱweitgehendȱ derȱFallȱ istȱ(vgl.ȱz.ȱB.ȱPeters/Pierreȱ1998:ȱ223Ȭ224).ȱDieseȱGleichsetzungȱ istȱsowohlȱ inȱzeitliȬ cherȱalsȱauchȱ inȱräumlicherȱHinsichtȱhochgradigȱproblematisch,ȱdaȱ inȱRäumenȱbegrenzterȱ StaatlichkeitȱdieȱparalleleȱDifferenzierungȱvonȱÖffentlichkeitȱundȱStaatȱbzw.ȱPrivatsphäreȱ undȱGesellschaftȱnochȱnicht,ȱgarȱnichtȱ oderȱ andersȱ stattgefundenȱhatȱ (SFBȱ 700ȱ 2005:ȱ 95).ȱ Auchȱ innerhalbȱ derȱ OECDȬWeltȱ sindȱ beideȱ Begriffspaareȱ strengȱ genommenȱ nichtȱ deȬ ckungsgleich.ȱDennochȱarbeitetȱderȱvorliegendeȱArtikelȱmitȱderȱVereinfachung,ȱdaȱdiesȱfürȱ dieȱTheseȱunerheblichȱist.ȱ 102ȱ AnkeȱDraudeȱ Betrachtungȱ institutionellerȱRegelungsstrukturenȱundȱ ȬprozesseȱdieȱFokusȬ sierungȱaufȱdasȱstaatlicheȱSteuerungshandelnȱab.ȱ JenseitsȱdiesesȱKonsensesȱ lassenȱ sichȱdieȱAutorinnenȱ undȱAutorenȱdesȱ analytischenȱGovernanceȬDiskursesȱ folgendermaßenȱ einordnen:ȱ Eineȱ ersteȱ GruppeȱverstehtȱunterȱGovernanceȱalleȱdiejenigenȱ intendiertenȱRegelungsȬ formenȱmitȱGemeinwohlorientierung,3ȱanȱdenenȱprivateȱoderȱgesellschaftliȬ cheȱAkteureȱbeteiligtȱ sind.ȱObwohlȱdasȱSchlagwortȱ inȱderȱenglischsprachiȬ genȱLiteraturȱhierȱ „governanceȱwithoutȱgovernment“ȱheißt,ȱ istȱdieȱBeteiliȬ gungȱstaatlicherȱAkteureȱanȱGovernanceȱnichtȱgrundsätzlichȱausgeschlossen.ȱ Ausgeschlossenȱ istȱ lediglichȱ ihreȱDominanz.ȱDieȱGovernanceȬRegelungȱ erȬ folgtȱ nichtȬhierarchischȱ bzw.ȱ mindestensȱ unterȱ Einbeziehungȱ nichtȬ staatlicherȱ Akteureȱ (Héritierȱ 2002:ȱ 3;ȱ Peters/Pierreȱ 1998:ȱ 230Ȭ231;ȱ Rhodesȱ 1996:ȱ652Ȭ653,ȱ660;ȱStokerȱ1998:ȱ17).4ȱȱ EineȱzweiteȱGruppeȱvonȱAutorinnenȱundȱAutorenȱbezeichnetȱalsȱGoverȬ nanceȱalleȱintendiertenȱRegelungsformenȱmitȱGemeinwohlorientierung.ȱDieȬ seȱ könntenȱ vonȱ gesellschaftlichenȱ und/oderȱ vonȱ staatlichenȱ Akteurenȱ geȬ prägtȱ sein.ȱ Soȱ seienȱ etwaȱ imȱFalleȱderȱgesellschaftlichenȱ Selbstregulierungȱ Subjektȱ undȱObjektȱ vonȱ Steuerungȱ identisch.ȱ Imȱ Falleȱ kooperativerȱRegeȬ lungsformenȱ seiȱdasȱSteuerungssubjektȱeinȱHybridȱausȱ staatlichenȱundȱgeȬ sellschaftlichenȱAkteuren,ȱundȱ imȱFalleȱderȱklassischenȱHierarchieȱgebeȱ esȱ eineȱklareȱGrenzeȱzwischenȱstaatlichemȱSubjektȱundȱgesellschaftlichemȱObȬ jektȱvonȱSteuerungȱ(Benzȱ2004:ȱ20Ȭ21;ȱJessopȱ1998:ȱ29Ȭ30,ȱ33;ȱKooimanȱ2002:ȱ 73,ȱ81Ȭ84;ȱMayntzȱ1996:ȱ152,ȱ2004:ȱ66Ȭ67,ȱ69Ȭ71;ȱSchuppertȱ2005:ȱ375Ȭ382).ȱ WeitereȱanalytischeȱGovernanceȬDefinitionenȱfindenȱsichȱeherȱaußerhalbȱ derȱ Politikwissenschaft.ȱ Inȱ derȱ Wirtschaftswissenschaftȱ wirdȱ etwaȱ derȱ Markt,ȱ derȱ nichtȬintendierteȱ Regulierungenȱ produziert,ȱ alsȱ GovernanceȬ FormȱinȱdieȱAnalyseȱmiteinbezogenȱ(SFB/Transregioȱ15ȱ2006).ȱSoziologinnenȱ undȱ Soziologenȱ begreifenȱ sämtlicheȱ „Musterȱ derȱ InterdependenzbewältiȬ gung“ȱ (Lange/Schimankȱ 2004:ȱ 19),ȱ alsoȱ sozialeȱ Ordnungsstrukturenȱ schlechthin,ȱalsȱGovernance.ȱSolchȱumfassendeȱDefinitionenȱwerdenȱimȱFolȬ gendenȱ jedochȱ ausgeklammert,ȱ zugunstenȱ einesȱ politikwissenschaftlichenȱ GovernanceȬBegriffsȱimȱSinneȱderȱerstenȱbeidenȱGruppen.ȱ ȱ 3ȱ DassȱinȱderȱOECDȬDebatteȱinȱderȱRegelȱauchȱdasȱKriteriumȱderȱLegitimitätȱdieȱmöglichenȱ GovernanceȬFormenȱeingrenzt,ȱsollȱimȱvorliegendenȱArtikelȱausgeblendetȱwerdenȱ–ȱselbstȬ verständlichȱinȱdemȱBewusstsein,ȱdassȱdasȱProblemȱderȱLegitimitätȱvonȱRegelungsstruktuȬ renȱoderȱȬprozessenȱinȱRäumenȱbegrenzterȱStaatlichkeitȱvonȱzentralerȱBedeutungȱistȱ(TamaȬ raȱJugovȱundȱCordȱSchmelzleȱsowieȱNinaȱHüfkenȱundȱFerryȱBühringȱbewegenȱsichȱmitȱihȬ renȱBeiträgenȱinȱdiesemȱProblemfeld;ȱvgl.ȱauchȱRisseȱ2006:ȱ6Ȭ9).ȱ 4ȱ Diesemȱ engenȱ GovernanceȬKonzeptȱ wohntȱ einȱ impliziterȱ „AntiȬStaatsȬBias“ȱ (Blumenthalȱ 2005:ȱ1165)ȱ inne,ȱd.h.ȱdieȱnormativeȱPräferenzȱ fürȱkooperativeȱGovernanceȬFormenȱ (Doseȱ 2003:ȱ26;ȱJessopȱ1998:ȱ35,ȱ38).ȱBeispielhaftȱhierfürȱsindȱfrüheȱTexteȱJanȱKooimans,ȱinȱdenenȱ eineȱweitereȱGovernanceȬDefinitionȱdurchȱeinenȱfaktischenȱFokusȱaufȱ„neue“ȱGovernanceȬ Formenȱeingeschränktȱwirdȱ(vgl.ȱz.ȱB.ȱKooimanȱ1999:ȱ6,ȱ15).ȱ Wer regiert wie?  103   2. Bringing the State Back In  Fragt man nach der Übertragbarkeit des westlichen Governance‐Konzepts  auf Räume begrenzter Staatlichkeit, so erscheint ein Aspekt der einschlägi‐ gen Literatur als besonders problematisch: die Wiedereinführung des Staa‐ tes als Zentrum des Regierens.   Dieser Fokus wird explizit in folgender Argumentationslinie deutlich, die  im Kontext kontinentaleuropäischer Wohlfahrtsstaatlichkeit steht: Zunächst  distanziert sich die Governanceforschung vom Staat, dem sie gesellschaftli‐ che Akteure mit Blick auf die Funktion des Regierens bzw. Regulierens zur  Seite  stellt. So beinhalte der Paradigmenwechsel von Steuerung zu Gover‐ nance die Beobachtung und Forderung einer „Selbstbescheidung“  (Mayntz  1996:  153)  des  Staates.  Im  Sinne  des  Subsidiaritätsprinzips  sollen  gesell‐ schaftliche Regeln, wenn möglich, von den betroffenen Akteuren selbst ge‐ staltet werden. Der  Staat gebe dementsprechend gestalterische Kompeten‐ zen an gesellschaftliche Akteure ab (Benz 2004: 18, 20; Jann 2005: 27, 29‐30).  Diese „Selbstbescheidung“ impliziere  jedoch gemäß der westlichen Debatte  keine Marginalisierung des  Staates. Empirische Beobachtungen  legen viel‐ mehr nahe, dass  es  sich um  einen Wandel der  staatlichen Funktion  „vom  Steuerungszentrum  zur  Koordinationsinstanz“  (Mayntz  2004:  75)  handelt  (Kooiman  1999:  16‐17;  Peters/Pierre  1998:  226‐227).  Die  hybriden  Regie‐ rungsformen erfordern einen Ausgleich asymmetrischer Machtkonstellatio‐ nen, das Aufheben von Entscheidungsblockaden und eine Garantie  für die  Verbindlichkeit getroffener Entscheidungen. Hierzu sei weiterhin staatliche  Autorität  notwendig.  Nicht‐hierarchische  Regelungsprozesse  erforderten  den  „Schatten  der  [staatlichen] Hierarchie“  (Scharpf;  vgl.  Jessop  1998:  43;  Mayntz 2004: 72; 1996: 156, 162; Rhodes 1996: 659‐660, 666; Schuppert 2005:  377‐378, 413‐415; Stoker 1998: 19, 24).5  Diese Argumentationsweise, so lässt sich zusammenfassend sagen, führt  den Staat nach  seiner  scheinbaren Entmachtung doch wieder als zentralen  Akteur  in die Regierungsdebatte  ein  – und  zwar  explizit mit der Behaup‐ tung eines notwendigen „Schatten[s] der Hierarchie“.  Auch  implizit  steht  der  Staat  im Zentrum  der westlichen Governance‐ Diskussion.  So  basiert  das Governance‐Konzept, wie  gesagt,  auf  der  her‐ kömmlichen Steuerungstheorie, die den Staat als Steuerungssubjekt der Ge‐   5  Die US‐amerikanische Debatte weicht von dieser Argumentationslinie insofern ab, als hier  der „Schatten der Hierarchie“ nicht problematisiert wird. Konsequenter als in der europäi‐ schen  Debatte  behauptet  man  dagegen  die  Gleichheit  der  verschiedenen  Governance‐ Akteure (Peters/Pierre 1998: 226). Das bedeutet allerdings nicht, dass ein Minimum an staat‐ lichen  Leistungen  nicht  stillschweigend  vorausgesetzt  wird.  Auch  die  liberale  Tradition  kennt etwa die Garantie von Eigentumsverhältnissen oder von Sicherheit als Voraussetzung  funktionierenden Regierens. Eine  entsprechende Minimalstaatlichkeit wird  freilich  in der  Governance‐Literatur nicht thematisiert.  104ȱ AnkeȱDraudeȱ sellschaftȱ alsȱ Steuerungsobjektȱ gegenüberstellte.ȱ Dieȱ GovernanceȬȱ Theorieȱproblematisiertȱdieseȱgenuinȱ euroamerikanischeȱDichotomisierungȱ vonȱ staatlichenȱundȱ nichtȬstaatlichenȱ bzw.ȱ gesellschaftlichenȱ oderȱ öffentliȬ chenȱundȱprivatenȱAkteurenȱundȱwillȱsieȱüberwindenȱ(Rhodesȱ1996:ȱ659;ȱPeȬ ters/Pierreȱ1998:ȱ229).ȱDochȱdiesesȱProjektȱscheitert,ȱdennȱderȱDiskursȱrekurȬ riertȱ weiterȱ aufȱ dieȱ altenȱ Akteurstypenȱ (z.ȱ B.ȱ Kooimanȱ 2002:ȱ 81Ȭ84;ȱ PeȬ ters/Pierreȱ1998:ȱ223Ȭ224,ȱ231).ȱSoȱwirdȱdieȱDichotomisierungȱ lediglichȱausȬ gebaut:ȱWennȱdieȱherkömmlicheȱ Steuerungstheorieȱvonȱderȱ „ZweiȬSeitenȬ Form“ȱ Staat/Gesellschaftȱ vornehmlichȱ dieȱ Seiteȱ Staatȱ betrachtetȱ hatteȱ undȱ dieȱSeiteȱGesellschaftȱalsȱbloßesȱ„Negativkorrelat“ȱfungierteȱ(Gesellschaftȱalsȱ allesȱNichtȬStaatliche),ȱsoȱistȱderȱFortschrittȱderȱGovernanceȬDebatte,ȱdassȱsieȱ beideȱ Seitenȱ gleichberechtigtȱ beobachtet.ȱ Sieȱ versucht,ȱ mitȱ Blickȱ aufȱ dieȱ Funktionȱ desȱ Regierensȱ dieȱ Negativseiteȱ desȱ „Codes“ȱ zuȱ definierenȱ undȱ siehtȱ soȱMöglichkeiten,ȱ fürȱdieȱmanȱbisherȱblindȱgewesenȱwar:ȱdieȱBedeuȬ tungȱ öffentlichȬprivaterȱ Kooperationenȱ oderȱ privateȱ SelbstregulierungspoȬ tentiale.ȱDassȱnunȱdieȱHauptleistungȱderȱwestlichenȱGovernanceȬDiskussionȱ inȱderȱTypisierungȱvonȱreinȱstaatlichen,ȱkooperativenȱundȱreinȱprivatenȱReȬ gulierungsweisenȱbesteht,ȱzeigtȱaberȱ trotzȱallerȱErkenntnisfortschritte,ȱdassȱ sieȱ weiterhinȱ mitȱ demȱ „Code“ȱ Staat/Gesellschaftȱ arbeitetȱ (Luhmannȱ 1998:ȱ 750;ȱvgl.ȱauchȱGörlitz/Bergmannȱ2001:ȱ32).ȱMitȱanderenȱWorten:ȱManȱbewegtȱ sich,ȱtrotzȱderȱohneȱZweifelȱdifferenzierterenȱBeobachtungen,ȱmitȱderȱSteueȬ rungstheorieȱinȱderȱkulturellenȱ„Matrix“ȱ(Derridaȱ1976:ȱ423)ȱEuropas,ȱinȱderȱ StaatȱundȱGesellschaft,ȱÖffentlichesȱ undȱPrivatesȱ substantiellȱ voneinanderȱ unterschiedenȱwerdenȱ(Foucaultȱ1991:ȱ12Ȭ14;ȱ1983:ȱ184;ȱvgl.ȱimȱAnschlussȱanȱ FoucaultȱauchȱButlerȱ1991:ȱ38Ȭ39,ȱ46Ȭ47).ȱ DerȱexpliziteȱFokusȱaufȱdieȱRolleȱdesȱStaatesȱ inȱRegelungsprozessenȱsoȬ wieȱ dieȱ impliziteȱ Allgegenwartȱ desȱ Staatesȱ imȱ Beobachtungsschemaȱ Staat/Gesellschaftȱwerdenȱperȱdefinitionemȱ zumȱProblem,ȱwennȱdieȱÜberȬ tragungȱ derȱ GovernanceȬTheorieȱ aufȱ andereȱ kulturelleȱ Räumeȱ begrenzterȱ Staatlichkeitȱversuchtȱwird.ȱDennȱwoȱderȱStaatȱ schwachȱ istȱundȱdieȱRegeȬ lungȱgesellschaftlicherȱSachverhalteȱnichtȱstaatlichȱgarantiertȱwerdenȱkann,6ȱ istȱdieȱSucheȱnachȱanderenȱRegelungsformenȱvielversprechenderȱalsȱdieȱFraȬ geȱnachȱderȱRolleȱdesȱStaatesȱbeimȱRegieren.ȱAußerdemȱgehtȱmanȱderzeitȱ davonȱaus,ȱdassȱ inȱdenȱunsȱ interessierendenȱRäumenȱdasȱ IdealȱeinerȱTrenȬ nungȱzwischenȱöffentlicherȱundȱprivaterȱSphäreȱnichtȱexistiertȱ(bzw.ȱnurȱoȬ berflächlichȱ kopiertȱ wurde).ȱ Öffentlichesȱ undȱ Privatesȱ lässtȱ sichȱ dementȬ sprechendȱnurȱ inȱhybridenȱFormenȱbeobachten;ȱdasȱzeigenȱzahlreicheȱBeiȬ spieleȱetwaȱausȱderȱKorruptionsȬȱoderȱKlientelismusȬForschungȱ(Christopheȱ 2005:ȱ23,ȱ26;ȱEngel/Olsenȱ2005:ȱ7Ȭ8;ȱHeinȱ1998:ȱ94Ȭ95).ȱAufgrundȱdieserȱEinȬ ȱ 6ȱȱ Derȱ Sonderforschungsbereichȱ 700ȱ definiertȱ Räumeȱ begrenzterȱ Staatlichkeitȱ mitȱ Hilfeȱ derȱ Kriterienȱ mangelndeȱ Regel(durch)setzungsfähigkeitȱ undȱ mangelndeȱ HerrschaftsbegrenȬ zungȱ(SFBȱ700ȱ2007:ȱ6).ȱ Werȱregiertȱwie?ȱ 105ȱȱ sichtenȱstelltȱsichȱdieȱFrage,ȱobȱdasȱBeobachtungsschemaȱStaat/Gesellschaftȱ RäumenȱbegrenzterȱStaatlichkeitȱüberhauptȱangemessenȱ ist.ȱMachtȱesȱnichtȱ eherȱblindȱfürȱmöglicherweiseȱexistierendeȱandereȱFormenȱdesȱRegierens?ȱ 3.ȱDasȱEurozentrismusȬDilemmaȱ AufȱderȱSucheȱnachȱMethoden,ȱdieȱdasȱAndereȱsichtbarȱoderȱRegierenȱohneȱ dieȱStaat/GesellschaftȬDichotomieȱdenkbarȱwerdenȱlassen,ȱstößtȱmanȱaufȱdasȱ Dilemmaȱ desȱ Eurozentrismus:ȱ Jedeȱ Beobachtungȱ arbeitetȱ mitȱ sozialȱ bzw.ȱ kulturellȱdeterminiertenȱKategorien,ȱdieȱdasȱzuȱBeobachtendeȱstrukturierenȱ undȱ damitȱ erstȱ beobachtbarȱ machen.ȱ Oderȱ anders:ȱ Jedeȱ Beobachtungȱ istȱ mindestensȱverzerrtȱdurchȱdenȱKontextȱihresȱBeobachters.ȱȱ DiesȱistȱdieȱKernaussageȱdesȱKonstruktivismus.ȱSieȱbasiertȱaufȱfolgenderȱ Annahme:ȱMenschenȱsindȱaufȱeineȱkulturelleȱ„Matrix“ȱangewiesen,ȱumȱdieȱ beängstigendeȱMasseȱanȱmöglichenȱEreignissenȱaufȱeinȱMaßȱzuȱreduzieren,ȱ dasȱ sieȱ inȱ einerȱ bestimmtenȱ ZeitȬRaumȬKonstellationȱ bewältigenȱ könnenȱ (Derridaȱ1976:ȱ422Ȭ424;ȱFoucaultȱ1991:ȱ19Ȭ24,ȱ33;ȱ1983:ȱ186;ȱLuhmannȱ1998:ȱ 29,ȱ62Ȭ69,ȱ813).ȱDieseȱ„Matrix“ȱordnetȱunsereȱWelt.ȱSieȱistȱeinȱhistorischȱgeȬ wachsenesȱSystemȱaufeinanderȱbezogenerȱElemente.ȱImȱFalleȱderȱmodernenȱ GeistesȬȱundȱSozialwissenschaftenȱkönntenȱetwaȱFachbegriffeȱoderȱTheorieȬ traditionen,ȱaberȱauchȱdieȱStrukturȱderȱSpracheȱoderȱZeichenȱalsȱElementeȱ einerȱ kulturellenȱ „Matrix“ȱ identifiziertȱ werden.ȱ Sieȱ begrenzenȱ dasȱ DenkȬȱ undȱSagbare.ȱDennochȱsindȱsieȱ inȱzeitlicherȱundȱräumlicherȱHinsichtȱhochȬ gradigȱkontingent;ȱd.h.ȱdieȱElementeȱeinerȱkulturellenȱ„Matrix“ȱ sindȱ inȱeiȬ nemȱbestimmtenȱKontextȱentstandenȱundȱhättenȱauchȱAnderesȱbezeichnenȱ undȱandersȱgeordnetȱwerdenȱkönnen.ȱSoȱsindȱetwaȱdieȱmodernenȱGeistesȬȱ undȱ Sozialwissenschaftenȱ inȱEuropaȱ (undȱ nichtȱ etwaȱ irgendwoȱ inȱAfrika)ȱ entstanden.ȱSieȱ transportierenȱ somitȱauchȱdieȱeuropäischeȱ (undȱnichtȱetwaȱ eineȱ afrikanische)ȱ „gesellschaftlicheȱ Konstruktionȱ derȱ Wirklichkeit“ȱ (BerȬ ger/Luckmann).ȱAusȱdiesemȱGrundȱfälltȱesȱunsȱsoȱschwer,ȱunsȱbeiȱderȱBeoȬ bachtungȱdesȱRegierensȱ inȱRäumenȱbegrenzterȱStaatlichkeitȱvonȱdemȱ Idealȱ desȱwestlichenȱNationalstaatesȱzuȱ lösen.ȱDieȱkonstruktivistischeȱTheseȱvonȱ derȱ kulturellenȱ „Matrix“ȱ weistȱ alsoȱ summaȱ summarumȱ daraufȱ hin,ȱ dassȱ Menschenȱ ihreȱ Wirklichkeitȱ ganzȱ verschiedenȱ wahrnehmenȱ könnenȱ–ȱ jeȱ nachdem,ȱinȱwelchemȱhistorischȬregionalenȱKontextȱsieȱsichȱbewegen.ȱWirkȬ lichkeitȱwirdȱdemnachȱ niemalsȱ objektiv,ȱ sondernȱ immerȱ quasiȱdurchȱ eineȱ sozialȱkonstruierteȱundȱtradierte,ȱordnendeȱBrilleȱbeobachtet.ȱDieseȱkulturelȬ leȱBrilleȱkannȱniemalsȱabgelegtȱwerden,ȱweilȱsieȱBedingungȱderȱMöglichkeitȱ desȱSehensȱanȱsichȱist.ȱ DieȱBeobachterȱdiesesȱPhänomensȱstellenȱweiterhinȱ fest,ȱdassȱdieȱkultuȬ rellȱ determiniertenȱ Welterfassungskategorienȱ nichtȱ beliebigȱ ausgewechseltȱ werdenȱkönnen.ȱSieȱsindȱvorbewusstȱundȱmüssenȱzunächstȱ inȱeinemȱmühȬ 106ȱ AnkeȱDraudeȱ samenȱProzessȱoffenȱgelegtȱwerdenȱ (Geertzȱ1987:ȱ14,ȱ22;ȱDerridaȱ1976:ȱ424,ȱ 428Ȭ429;ȱ432;ȱFoucaultȱ1991:ȱ34Ȭ35,ȱ38;ȱLuhmannȱ1998:ȱ23Ȭ24,ȱ28,ȱ54Ȭ55).ȱDannȱ kannȱmitȱdenȱeigenenȱVorannahmenȱgespieltȱwerden.ȱBeobachtungsschemaȬ taȱwerdenȱausgetauscht,ȱSpracheȱwirdȱdekonstruiert,ȱDiskurseȱwerdenȱhisȬ torisiertȱetc.ȱEntstehungȱundȱWandlungȱderȱDingeȱerscheinenȱsoȱalsȱkontinȬ genteȱEreignisse;ȱsieȱwärenȱauchȱandersȱmöglich.ȱDiesesȱSpielȱbirgtȱ immerȱ wiederȱneueȱFallenȱdesȱEurozentrismus.ȱManȱverstricktȱ sichȱwieȱ zuvorȱ inȱ andereȱ Elementeȱ derȱ kulturellenȱ „Matrix“.ȱ Aberȱ möglicherweiseȱ gelangtȱ manȱaufȱdieseȱWeiseȱdochȱzuȱeinerȱkomplexerenȱSichtȱderȱDinge,ȱzuȱeinemȱ Erkenntnisfortschrittȱ (Derridaȱ 1976:ȱ 427Ȭ442;ȱ Foucaultȱ 1983:ȱ 190;ȱLuhmannȱ 1970:ȱ86,ȱ1095).ȱȱ FürȱdieȱBeobachtungȱvonȱGovernanceȱinȱRäumenȱbegrenzterȱStaatlichkeitȱ bedeutetȱ diesesȱ Dilemmaȱ desȱ Eurozentrismus:ȱ Irgendwoȱ schwingtȱ immerȱ eineȱAssoziationȱmitȱderȱwestlichenȱGesellschaftȱ(unseremȱkulturellenȱKonȬ text)ȱ mit,ȱ wennȱ wirȱ Räumeȱ begrenzterȱ Staatlichkeitȱ beobachten.ȱ Undȱ dasȱ Regierenȱ imȱ Sinneȱ einerȱ „Regelungȱ gesellschaftlicherȱ Sachverhalte“ȱ erȬ schließtȱ bisherȱ vielleichtȱ sogarȱ ausschließlichȱ derȱ Staat/GesellschaftȬCode.ȱ GlaubenȱwirȱdemȱKonstruktivismus,ȱsoȱkönnenȱwirȱdasȱAndereȱnichtȱunverȬ zerrtȱ beobachtenȱ–ȱ aberȱmehrȱ oderȱwenigerȱ verzerrt:ȱ Jeȱ nachdem,ȱwieȱ beȬ wusstȱwirȱunsȱunsererȱexplizitenȱundȱ implizitenȱkulturellenȱVorannahmenȱ sind;ȱ jeȱnachdem,ȱwieȱkreativȱwirȱmitȱdiesenȱVorannahmenȱspielen,ȱsieȱreȬ flektieren,ȱ austauschen.ȱ Esȱ istȱ alsoȱ eineȱ Frageȱ desȱReflektionsniveausȱ undȱ derȱMethode,ȱwieȱsehrȱunsereȱWahrnehmungȱverzerrtȱist.ȱ 4.ȱEinȱAusweg:ȱÄquivalenzfunktionalismusȱ MitȱBlickȱaufȱdieȱPraxisȱderȱempirischenȱForschungȱstelltȱsichȱimȱAnschlussȱ anȱdieseȱerkenntnistheoretischenȱÜberlegungenȱdieȱFrage,ȱwoȱdieȱForschungȱ angesichtsȱ einerȱ bestimmtenȱ Fragestellungȱ ihreȱ blindenȱ Fleckeȱ (ihreȱ euroȬ zentrischenȱPrämissen)ȱplatzierenȱsollte.ȱEsȱgibtȱimmerȱmehrereȱMöglichkeiȬ tenȱderȱmethodischenȱHerangehensweiseȱanȱeinȱProblem.ȱJedeȱMethode,ȱ jeȬ deȱwissenschaftlicheȱRepräsentationȱhatȱihrenȱblindenȱFleck.ȱSieȱblendetȱaus,ȱ wasȱeineȱandereȱMethodeȱmöglicherweiseȱsichtbarȱwerdenȱ lässt.ȱEsȱ istȱalsoȱ zuȱreflektieren,ȱwelcherȱAusschnittȱderȱWirklichkeitȱmöglichstȱunvoreingeȬ nommenȱ betrachtetȱwerdenȱ sollȱundȱ inwieweitȱ esȱmöglichȱ ist,ȱ eurozentriȬ scheȱVorannahmenȱausȱdiesemȱAusschnittȱherauszuhalten.ȱȱ Imȱ weitenȱ Feldȱ derȱ EntwicklungsȬȱ undȱ Transformationsforschungȱ hatȱ sichȱ diesbezüglichȱ eineȱ Methodeȱ alsȱ besondersȱ fruchtbarȱ erwiesen:ȱ derȱ Äquivalenzfunktionalismus.ȱErȱstehtȱalsȱMethodeȱdesȱVergleichsȱimȱGegenȬ satzȱ zurȱ herkömmlichenȱ Kausalanalyse:ȱ Dieseȱ ergründetȱ dieȱ Komplexitätȱ undȱSpezialitätȱdesȱEinzelfallsȱ inȱderȱgesetzmäßigenȱBeziehungȱbestimmterȱ Ursachenȱ zuȱ einerȱ bestimmtenȱ Wirkung.ȱ Derȱ Äquivalenzfunktionalismusȱ Werȱregiertȱwie?ȱ 107ȱȱ zweifeltȱgeradezuȱanȱderȱbehauptetenȱGesetzmäßigkeit,ȱwennȱerȱnachȱ„derȱ funktionalenȱÄquivalenzȱmehrererȱmöglicherȱUrsachenȱunterȱdemȱGesichtsȬ punktȱeinerȱproblematischenȱWirkung“ȱsuchtȱ(Luhmannȱ1991:ȱ14;ȱimȱOrigiȬ nalȱkursivȱhervorgehoben).ȱAuchȱgrenztȱsichȱdieȱMethodeȱdesȱÄquivalenzȬ funktionalismusȱvomȱ erklärendenȱFunktionalismusȱMalinowskisȱoderȱParȬ sons’ȱab,ȱbeiȱdemȱ imȱSinneȱvonȱKausalerklärungenȱWirkungenȱalsȱ (hinreiȬ chende)ȱUrsachenȱfürȱbestimmteȱPhänomeneȱidentifiziertȱwerdenȱ(Luhmannȱ 1991:ȱ 9Ȭ10,ȱ 13).ȱMitȱ seinemȱVorgehenȱ eröffnetȱderȱÄquivalenzfunktionalisȬ musȱdieȱMöglichkeit,ȱdasȱAndereȱzuȱsehenȱȬȱundȱzwarȱmitȱHilfeȱeinerȱFunktiȬ on,ȱdieȱdenȱBlickȱdesȱBetrachtersȱordnet.ȱDieȱFunktionȱmachtȱdieȱPerspektiveȱ desȱBeobachtersȱ aus.ȱ Sieȱ transportiertȱ seinenȱ kulturellenȱHintergrund,ȱvorȱ demȱ dieȱ Entscheidungȱ sinnvollȱ erscheint,ȱ genauȱ dieseȱ undȱ keineȱ andereȱ Funktionȱzuȱbeobachten.ȱDieȱFunktionȱ istȱalsoȱderȱTeilȱderȱForschung,ȱderȱ vorȱderȱeigentlichenȱBeobachtungȱinȱderȱ„Matrix“ȱderȱeuropäischenȱWissenȬ schaftȱvordefiniertȱwurde.ȱInȱihrȱliegtȱderȱblindeȱFleckȱdesȱäquivalenzfunktiȬ onalistischenȱVorgehens.ȱȱ 5.ȱÄquivalenzfunktionalistischeȱGovernanceforschungȱinȱRäumenȱbegrenzterȱ Staatlichkeitȱ Dasȱ GovernanceȬKonzeptȱ desȱ Sonderforschungsbereichsȱ 700ȱ nimmtȱ sichȱ vor,ȱnichtȱausschließlichȱNachahmungenȱderȱeuropäischenȱModerneȱzuȱbeoȬ bachtenȱ (z.ȱ B.ȱ öffentlichȬprivateȱ Partnerschaften),ȱ oderȱ etwaȱ einȱ NichtȬ westlichȬSeinȱnichtȬwestlicherȱRäumeȱ (z.ȱB.ȱ failingȱ states).ȱEsȱwillȱmitȱBlickȱ aufȱ bestimmteȱ Regierungsleistungenȱ individuelle,ȱ möglicherweiseȱ andere,ȱ nichtȱwestlichȬmoderneȱProblemlösungenȱaufdecken.ȱUndȱesȱsuchtȱdabeiȱinȱ ersterȱ Linieȱ nachȱ denȱ Akteurenȱ oderȱ Akteurskonstellationen,ȱ dieȱ dasȱ BeȬ zugsproblemȱ„Regieren“ȱmitȱHilfeȱvonȱbeabsichtigtenȱRegulierungenȱ lösenȱ (SFBȱ700ȱ2005:ȱ20Ȭ22,ȱ29,ȱ34Ȭ35).ȱ DieȱUntersuchungenȱzuȱStaatȱundȱRegierenȱinȱRäumenȱbegrenzterȱStaatȬ lichkeitȱ legenȱnunȱnahe,ȱdassȱ inȱdenȱuntersuchtenȱRäumenȱdieȱwestlichenȱ Akteurstypisierungenȱ hochgradigȱ problematischȱ sind:ȱ Soȱ ist,ȱ wieȱ anfangsȱ bereitsȱ erwähnt,ȱ eineȱ Trennungȱ zwischenȱ öffentlichenȱ undȱ privatenȱ oderȱ staatlichenȱ undȱ gesellschaftlichenȱ Akteurenȱ inȱ EntwicklungsȬȱ undȱ TransȬ formationsländerȱhöchstensȱoberflächlichȱgegebenȱ–ȱwobeiȱspätestensȱunterȱ derȱ formalenȱ Oberflächeȱ dieȱ Grenzenȱ zwischenȱ denȱ (ausȱ eurozentrischerȱ Sicht)ȱverschiedenenȱHandlungssphärenȱnichtȱexistentȱerscheinen.7ȱAufȱdieȬ ȱ 7ȱ Inȱ derȱ Literaturȱ wirdȱ zumeistȱ vonȱ einerȱVermischungȱ oderȱVerwebungȱ derȱHandlungsȬ sphärenȱgesprochen.ȱDasȱerscheintȱmirȱnichtȱangemessen,ȱdaȱdieȱSphärenȱvermutlichȱnieȬ malsȱentsprechendȱdemȱeuropäischenȱIdealȱgetrenntȱwarenȱ(auchȱnichtȱannäherungsweise,ȱ 108  Anke Draude  se Differenz  ist  unter  dem  Stichwort Neopatrimonialismus,  aber  auch  im  Klientelismus‐ und im Korruptionsdiskurs ausführlich aufmerksam gemacht  worden (vgl. z. B. Draude 2007; Engel/Erdmann 2006). Wenn die Forschung  hier nicht bei dem mittlerweile resignierenden Hinweis auf Hybride stehen  bleiben, sondern stattdessen das Feld mit seinen alternativen Akteurskons‐ tellationen und Handlungssphären  ausleuchten will,  könnte  es möglicher‐ weise  spielerisch  interessant  sein,  die  europäischen Dichotomien  und  die  daraus entwickelten Akteurstypisierungen nicht bereits als Vorannahmen in  die Untersuchung einzuspeisen. Dies zu vermeiden ermöglicht die äquiva‐ lenzfunktionalistische Vergleichsmethode:  Richtet man  den  Blick  auf  eine  regierungsrelevante Funktion (anstatt auf einen bestimmten Akteurstypus),  so öffnet sich ein Vergleichsbereich für verschiedenste funktional äquivalen‐ te Akteure.   Solche Akteure,  die  in  den  Schemata  staatlich/gesellschaftlich  oder  öf‐ fentlich/privat eventuell nicht  fassbar  sind, gerieten auf diese Weise plötz‐ lich ins Sichtfeld des Beobachters. Weiterhin hätte ein äquivalenzfunktiona‐ listisches  Vorgehen  gegenüber  der  ex‐ante‐Dichotomie  staatlich/gesell‐ schaftlich den Vorteil, dass es den Staat nicht von Vornherein  ins Zentrum  der Regierungsprozesse setzt. Möglicherweise wird so der Fokus verschärft  auf Formen der so genannten Selbstregulierung gerichtet, bei der es schließ‐ lich auch zentrale und weniger zentrale Akteure geben könnte. Äquivalenz‐ funktionalismus in diesem Sinne ermöglicht also den Blick ins Feld ohne be‐ stimmte Akteurstypisierungen  und  eröffnet  so  einen Vergleichsbereich,  in  dem  auch  andere Konstellationen  als  nur  die  bekannten westlichen  Platz  finden. Hat man erst einmal sämtliche Akteure erfasst, die eine bestimmte  regierungsrelevante Funktion erfüllen, so wäre dies eine reiche Basis für das  Spiel mit verschiedenen Klassifizierungen und Typisierungen. Vielleicht er‐ scheinen dann plötzlich die europäischen Einteilungen privater und öffentli‐ cher  oder  staatlicher  und  gesellschaftlicher Governance‐Akteure  gar  nicht  mehr so gewinnbringend; vielleicht sieht man an dieser Stelle schon Alterna‐ tiven.   6. Die Konstruktion des blinden Flecks  Um die hier propagierte  äquivalenzfunktionalistische Methode  in der Go‐ vernanceforschung nun tatsächlich anwendbar zu gestalten, muss die Funk‐ tion  des  Regierens  näher  bestimmt,  d.h.  differenziert werden. Angesichts  des  erläuterten Eurozentrismus‐Dilemmas wird hier  in pragmatischer Ab‐        wie  etwa  in den  europäischen Real‐Staaten). Von daher macht  es keinen Sinn, von  einer  Vermischung des nicht separat Existierenden auszugehen.  Werȱregiertȱwie?ȱ 109ȱȱ sichtȱvorgeschlagen,ȱdieȱGovernanceȬFunktionenȱ(TeilfunktionenȱdesȱRegieȬ rens)ȱausȱderȱwestlichenȱDebatteȱumȱStaatsaufgabenȱbzw.ȱ ȬfunktionenȱherȬ zuleiten.ȱ Esȱ wirdȱ alsoȱ inȱ derȱ „Matrix“ȱ derȱ europäischenȱ (SoziȬ alȬ)WissenschaftȱdieȱFunktionȱalsȱblinderȱFleckȱdesȱangestrebtenȱVergleichsȱ konstruiert.ȱAusgangspunktȱ istȱdabeiȱdieȱwestlicheȱModerne,ȱoderȱkonkreȬ ter,ȱderȱwestlicheȱ IdealtypusȱStaat.ȱDessenȱEngagementȱ inȱverschiedenstenȱ Bereichenȱ sollȱ inȱ Formȱ vonȱ Bezugsproblemenȱ soweitȱ abstrahiertȱ werden,ȱ dassȱdieȱspezifischȱwestlicheȱStaatlichkeitȱnurȱnochȱalsȱeineȱmögliche,ȱaberȱ nichtȱmehrȱ alsȱdieȱ einzigeȱLösungȱdesȱRegierungsproblemsȱ erscheint.ȱAufȱ dieseȱ Weiseȱ könnenȱ folgendeȱ GovernanceȬFunktionenȱ konstruiertȱ werdenȱ (dieȱ selbstverständlichȱ hochgradigȱ kontingentȱ undȱ nichtȱ bestandsnotwenȬ dig8ȱsind):ȱ (1)ȱSicherheitȱ Dieȱ Staatslehreȱ hebtȱ zweiȱ Staatsaufgabenȱ alsȱ Bedingungȱ allerȱ weiterenȱ Staatstätigkeitenȱhervor:ȱdieȱAufrechterhaltungȱderȱinnerenȱOrdnungȱsowieȱ denȱSchutzȱvorȱäußerenȱBedrohungenȱ(vgl.ȱz.ȱB.ȱBenzȱ2001:ȱ97Ȭ99;ȱSchuppertȱ 2003:ȱ158,ȱ220;ȱSommermannȱ1997:ȱ239Ȭ242).ȱBeideȱAufgabenȱbedienenȱdasȱ Bezugsproblemȱ Sicherheit,ȱ wobeiȱ dieȱ spezifischȱ westlicheȱ Lösungȱ diesesȱ ProblemsȱaufȱderȱUnterscheidungȱzwischenȱäußererȱundȱ innererȱSicherheitȱ basiert.ȱAnȱdieseȱUnterscheidungȱknüpfenȱsichȱinȱderȱOECDȬWeltȱkonkreteȱ GovernanceȬInstitutionenȱan,ȱetwaȱPolizeiȱundȱMilitär.ȱ (2)ȱHerrschaftȱ Unterȱ dieserȱ Funktionȱ könnenȱ mehrereȱ Staatsaufgabenȱ zusammengefasstȱ werden.ȱWennȱetwaȱvonȱGewaltenteilungȱdieȱRedeȱ ist,ȱvonȱMenschenrechȬ tenȱ oderȱ parlamentarischerȱ Demokratie,ȱ soȱ sindȱ diesȱ westlicheȱ Lösungenȱ verschiedenerȱBezugsproblemeȱausȱdemȱBereichȱHerrschaft.ȱDerȱRechtsstaat,ȱ insbesondereȱdieȱ Judikative,ȱbildetȱdenȱKernȱderȱ spezifischȱwestlichenȱLöȬ sungȱ derȱ GovernanceȬFunktionȱ Erwartungssicherheit.ȱ Dieȱ Legislativeȱ inȱ ȱ 8ȱ Dieȱ Behauptungȱ bestandsnotwendigerȱ GovernanceȬFunktionen,ȱ wieȱ sieȱ etwaȱ Rosenauȱ (1992:ȱ3)ȱaufstellt,ȱimpliziertȱdieȱFrageȱnachȱeinerȱ(anthropologischen)ȱBegründungȱderȱbeȬ hauptetenȱNotwendigkeit.ȱDieseȱBegründungȱwäreȱ eineȱumfassendeȱForschungsfrageȱ fürȱ sich,ȱ vonȱderenȱBearbeitungȱ einȱ äquivalenzfunktionalistischesȱVorgehenȱ jedochȱnichtȱ abȬ hängt.ȱDennȱbeiȱdieserȱVergleichsmethodeȱsindȱKontingenzenȱmöglich:ȱDieȱNichterfüllungȱ einerȱFunktionȱinȱeinemȱuntersuchtenȱKontextȱistȱebensoȱdenkbarȱwieȱetwaȱdieȱEntdeckungȱ anderer,ȱ inȱderȱOECDȬWeltȱnichtȱ relevanterȱRegierungsfunktionenȱ (letzteresȱeinȱGedankeȱ vonȱMatthiasȱKötter).ȱWährendȱalsoȱz.ȱB.ȱeineȱsozialeȱGrundsicherungȱnichtȱüberallȱvonȱderȱ Allgemeinheitȱerwartetȱwerde,ȱsondernȱstattdessenȱvielleichtȱausschließlichȱvonȱderȱFamiȬ lie,ȱwirdȱinȱbestimmtenȱRäumenȱmöglicherweiseȱeineȱSinnstiftungsfunktionȱalsȱRegierungsȬ leistungȱimȱSinneȱeinesȱKollektivgutesȱnachgefragt.ȱDasȱrelevanteȱSetȱanȱRegierungsfunktiȬ onenȱmussȱinȱjedemȱFallȱempirischȱermitteltȱwerden.ȱ 110ȱ AnkeȱDraudeȱ Formȱ demokratischȱ gewählterȱ Parlamenteȱ dientȱ derȱ Herstellungȱ kollektivȱ bindenderȱEntscheidungen,ȱfürȱderenȱDurchsetzungȱdannȱdieȱExekutiveȱdesȱ westlichȬmodernenȱ Idealstaatesȱ sorgt.ȱ MenschenȬȱ undȱ Bürgerrechteȱ sollenȱ dieȱBegrenzungȱvonȱHerrschaftȱgarantieren,ȱundȱdasȱPrinzipȱderȱDemokraȬ tieȱregeltȱinȱderȱOECDȬWeltȱdieȱBeteiligungȱanȱHerrschaftȱ(Benzȱ2001:ȱ97;ȱGilȱ 2003:ȱ19Ȭ34;ȱRotbergȱ2004:ȱ3;ȱSommermannȱ1997:ȱ210,ȱ268Ȭ288).ȱ (3)ȱWohlfahrt/Umweltȱ InȱderȱOECDȬWeltȱ istȱsehrȱumstritten,ȱwelcheȱFunktionenȱderȱStaatȱ imȱBeȬ reichȱWohlfahrt/Umweltȱübernehmenȱ sollte.ȱGegenstandȱundȱAusmaßȱdesȱ staatlichenȱEngagementsȱwerdenȱinȱdenȱverschiedenenȱpolitischenȱGemeinȬ schaftenȱentsprechendȱunterschiedlichȱvereinbart.ȱAufȱeinerȱsehrȱabstraktenȱ EbeneȱkönnenȱdieȱverschiedenenȱStandpunkteȱ jedochȱ aufȱ einenȱgemeinsaȬ menȱNennerȱvonȱsechsȱFunktionsbereichenȱgebrachtȱwerden:ȱökonomischeȱ Stabilität,ȱ Infrastruktur,ȱ sozialeȱ Grundsicherung,ȱ öffentlicheȱ Gesundheit,ȱ Bildungȱ sowieȱ Sicherungȱ derȱ natürlichenȱ Lebensbedingungenȱ (saubereȱ Umwelt).ȱWieȱdieseȱFunktionenȱkonkretȱbedientȱwerden,ȱhängtȱschonȱinnerȬ halbȱderȱOECDȬWeltȱenormȱvomȱStandpunktȱdesȱBetrachtersȱab:ȱSoȱwerdenȱ imȱBereichȱderȱökonomischenȱStabilitätȱdieȱverschiedenenȱRegulierungsgraȬ deȱdiskutiert.ȱRelativerȱKonsensȱbestehtȱdarüber,ȱKommunikationȱ(Telefon,ȱ Post,ȱInternet),ȱVerkehrȱ(StraßenȬ,ȱSchienennetz,ȱHäfen,ȱFlughäfen),ȱWasser,ȱ Gasȱ undȱ Elektrizitätȱ imȱ Bereichȱ Infrastrukturȱ anzusiedeln.ȱDerȱ geforderteȱ UmfangȱderȱLeistungenȱ inȱdenȱBereichenȱSozialeȱGrundsicherungȱoderȱÖfȬ fentlicheȱGesundheitȱvariiertȱwiederumȱsehrȱstark.ȱUnterȱdasȱStichwortȱBilȬ dungȱ fallenȱu.a.ȱErziehungȱsowieȱTechnologieȬȱundȱKulturförderungȱ–ȱbeiȬ desȱ Aufgaben,ȱ dieȱ ebenfallsȱ unterschiedlichȱ intensivȱ vonȱ denȱ OECDȬ Mitgliedsstaatenȱwahrgenommenȱbzw.ȱ innerhalbȱdieserȱStaatenȱkontroversȱ diskutiertȱwerden.ȱSchließlichȱverstehtȱmanȱunterȱderȱSicherungȱderȱnatürliȬ chenȱLebensbedingungenȱdieȱReinhaltungȱvonȱLuftȱundȱWasser,ȱdieȱPflegeȱ derȱWälder,ȱ dieȱOrdnungȱ derȱ Siedlungsentwicklungȱ undȱ denȱ Schutzȱ vonȱ Freiräumen.ȱÜberȱdasȱGewichtȱdiesesȱ letztenȱ Funktionsbereichsȱ relativȱ zuȱ denȱanderenȱStaatsaufgabenȱherrschtȱgroßeȱUneinigkeitȱ(Benzȱ2001:ȱ97Ȭ102,ȱ 184Ȭ188,ȱ194Ȭ198;ȱGilȱ2003:ȱ46Ȭ48;ȱRotbergȱ2004:ȱ3Ȭ4;ȱSchuppertȱ2003:ȱ220,ȱ235;ȱ Sommermannȱ1997:ȱ225Ȭ236,ȱ272Ȭ287).ȱ 7.ȱZusammenfassungȱundȱAusblickȱ Dieȱ vorgestelltenȱÜberlegungenȱwurdenȱ geleitetȱ vonȱ derȱ Frageȱ derȱÜberȬ tragbarkeitȱ desȱ westlichenȱ GovernanceȬKonzeptsȱ aufȱ Räumeȱ begrenzterȱ Staatlichkeit.ȱProblematischȱerschienȱvorȱdemȱHintergrundȱdieserȱFragestelȬ lungȱderȱFokus,ȱdenȱdieȱwestlicheȱDebatteȱaufȱdenȱStaatȱalsȱdenȱzentralenȱ Werȱregiertȱwie?ȱ 111ȱȱ GovernanceȬAkteurȱrichtet.ȱMitȱBlickȱaufȱdasȱForschungsinteresseȱdesȱSonȬ derforschungsbereichsȱ 700ȱ birgtȱ einȱ solcherȱ Fokusȱ dieȱGefahr,ȱ inȱ anderenȱ RäumenȱandereȱAkteureȱzuȱvernachlässigenȱoderȱgarȱzuȱübersehen,ȱdieȱdortȱ möglicherweiseȱeineȱandereȱLösungȱderȱRegierungsfunktionȱentwickeltȱhaȬ ben.ȱAngesichtsȱdieserȱBeobachtungȱlehrtȱnunȱderȱKonstruktivismus,ȱdassȱesȱ nichtȱohneȱWeiteresȱmöglichȱ ist,ȱdenȱ eigenenȱBlickȱ aufȱAnderesȱ zuȱ lenken.ȱ Dasȱliegeȱu.a.ȱdaran,ȱdassȱsichȱunsereȱsozialwissenschaftlicheȱSpracheȱinȱderȱ AuseinandersetzungȱmitȱderȱeuroamerikanischenȱModerneȱentwickeltȱhabeȱ undȱdiesenȱBezugȱ inȱ ihrenȱkontingentenȱDichotomienȱ implizitȱ immerȱmitȬ führe.ȱEurozentrismusȱseiȱalsoȱinȱeinemȱgewissenȱMaßeȱunausweichlich.ȱAlȬ lerdingsȱkann,ȱ soȱdieȱkonstruktivistischeȱPositionȱ imȱvorliegendenȱArtikel,ȱ derȱblindeȱFleckȱdesȱEurozentrismusȱmethodischȱminimiertȱwerden.ȱImȱFalleȱ derȱGovernanceforschungȱdesȱ Sonderforschungsbereichsȱ 700,ȱdieȱnachȱAlȬ ternativenȱzuȱtypischȱwestlichenȱFormenȱdesȱRegierensȱsucht,ȱbietetȱsichȱhierȱ eineȱ äquivalenzfunktionalistischeȱ Methodeȱ an.ȱ Dieseȱ eröffnetȱ einenȱ VerȬ gleichsbereichȱfürȱfunktionalȱgleichwertige,ȱjedochȱsubstantiellȱverschiedeneȱ Phänomene.ȱ Äquivalenzfunktionalismusȱ birgtȱ alsoȱ möglicherweiseȱ dieȱ Chance,ȱnebenȱwestlichenȱ (oderȱähnlichen)ȱauchȱandereȱRegierungsformenȱ inȱ Räumenȱ begrenzterȱ Staatlichkeitȱ zuȱ entdecken.ȱ Selbstverständlichȱ hatȱ auchȱdieseȱMethodeȱ ihrenȱblindenȱFleck.ȱErȱ liegtȱ inȱderȱFunktion,ȱdieȱderȱ Beobachtungȱ vorausgehendȱ inȱderȱ kulturellenȱ „Matrix“ȱdesȱWestensȱdefiȬ niertȱwerdenȱmuss,ȱ umȱdenȱBlickȱ aufȱdieȱEmpirieȱüberhauptȱ zuȱ ermögliȬ chen.ȱInȱpragmatischerȱAbsichtȱwurdeȱhierȱvorgeschlagen,ȱdieȱLiteraturȱumȱ Staatsfunktionenȱundȱ Ȭaufgabenȱ zurȱGrundlageȱderȱDefinitionȱvonȱGoverȬ nanceȬFunktionenȱzuȱnutzen.ȱErgebnisȱdiesesȱVorgehensȱsindȱfolgendeȱGoȬ vernanceȬFunktionen:ȱ ȱ Sicherheit:ȱHerstellungȱvonȱSicherheit;ȱ Herrschaft:ȱErwartungssicherheit,ȱHerstellungȱkollektivȱbindenderȱEntȬ scheidungen,ȱDurchsetzungȱkollektivȱbindenderȱEntscheidungen,ȱBeȬ grenzungȱvonȱHerrschaft,ȱBeteiligungȱanȱHerrschaft;ȱ Wohlfahrt/Umwelt:ȱÖkonomischeȱStabilität,ȱInfrastruktur,ȱSozialeȱ Grundsicherung,ȱÖffentlicheȱGesundheit,ȱBildung,ȱSicherungȱderȱnaȬ türlichenȱLebensbedingungen.ȱ ȱ Fürȱ jedeȱRegionȱbegrenzterȱStaatlichkeitȱwäreȱnunȱ imȱEinzelnenȱdanachȱzuȱ fragen,ȱwerȱeineȱbestimmteȱGovernanceȬFunktionȱwieȱerfülltȱundȱdamitȱeiȬ nenȱ Beitragȱ zumȱ Regierenȱ leistet.ȱ Imȱ Sonderforschungsbereichȱ 700ȱ überȬ nehmenȱdieseȱAufgabeȱkonkretȱundȱ selbstverständlichȱ selektivȱdieȱempiriȬ schenȱTeilprojekte.ȱSoȱuntersuchtȱz.ȱB.ȱdasȱTeilprojektȱB3ȱ„ColonialȱGoverȬ nanceȱundȱMikrotechnikenȱderȱMacht“,ȱwieȱinȱdenȱfranzösischenȱundȱengliȬ schenȱKolonialbesitzungenȱNordamerikasȱzwischenȱ1680ȱundȱ1760ȱOrdnungȱ 112ȱ AnkeȱDraudeȱ hergestelltȱ wurde:ȱ Kirchenvorständeȱ nahmenȱ etwaȱ aufȱ lokalerȱ Ebeneȱ inȱ SouthȱCarolinaȱdieȱStrafverfolgungȱ inȱdieȱHand,ȱdaȱdieȱKolonialregierungȱ zwarȱdieȱHerstellungȱkollektivȱbindenderȱEntscheidungen,ȱnichtȱaberȱderenȱ Durchsetzungȱ garantierteȱ (Waterhouseȱ 1989:ȱ 128Ȭ129).ȱ Inȱ Newȱ Orleansȱ gründeteȱeinȱvermögenderȱBewohnerȱeinȱKrankenhausȱzurȱBehandlungȱmitȬ telloserȱZivilpersonen,ȱweilȱdieȱKolonialverwaltungȱ lediglichȱSoldatenȱundȱ Beamteȱmedizinischȱversorgenȱließȱ(Duffyȱ1958:ȱ100Ȭ105).ȱDasȱTeilprojektȱC3ȱ „Öffentlicheȱ Sicherheitȱ alsȱ Governance“ȱ fragtȱ nachȱ demȱ „Wer“ȱ undȱ demȱ „Wie“ȱderȱSicherheitsleistungȱ inȱgegenwärtigenȱTransformationsȬȱundȱEntȬ wicklungsländern.ȱ Mitȱ Blickȱ aufȱ dieseȱ Fragestellungȱ lässtȱ sichȱ etwaȱ aufȱ Märktenȱ inȱMexicoȱCity,ȱaufȱdenenȱüberwiegendȱ illegaleȱWarenȱangebotenȱ werden,ȱeineȱnetzwerkartigeȱSicherheitsökonomieȱbeobachten.ȱDieseȱbestehtȱ ausȱPolizistenȱundȱMilitärs,ȱFamilienangehörigenȱderȱMarktleuteȱundȱKriȬ minellen.ȱSchließlichȱkannȱGudrunȱBeneckeȱausȱdemȱTeilprojektȱD3ȱ„EmerȬ gingȱModesȱofȱGovernanceȱ andȱClimateȱProtection“ȱmitȱHilfeȱdesȱ äquivaȬ lenzfunktionalistischenȱAnsatzesȱdenȱCO2ȬZertifikatehandelȱimȱRahmenȱdesȱ Cleanȱ Developmentȱ Mechanismȱ alsȱ Teilȱ einesȱ komplexenȱ GovernanceȬ Phänomensȱerfassenȱundȱanalysierenȱ(sieheȱBeneckeȱinȱdiesemȱBand).ȱȱ DieȱBeispieleȱzeigen,ȱwasȱeineȱäquivalenzfunktionalistischeȱGovernanceȬ forschungȱ sieht:ȱRegierenȱdort,ȱwoȱderȱStaatȱnichtȱ ist;ȱoderȱnochȱnichtȱ ist;ȱ oderȱnichtȱalleineȱ ist.ȱDieȱverschiedenenȱRegionen,ȱAkteureȱoderȱInstitutioȬ nen,ȱdieȱempirischȱmitȱBlickȱaufȱspezifischeȱGovernanceȬFunktionenȱunterȬ suchtȱwerden,ȱsolltenȱanschließendȱmiteinanderȱverglichenȱwerden,ȱumȱetȬ waigeȱ Gesetzmäßigkeitenȱ oderȱ Leistungslückenȱ (Beneckeȱ etȱ al.ȱ 2008ȱ i.E.)ȱ auszumachen.ȱHierȱsindȱnichtȱzuletztȱtheoretischeȱAbstraktionenȱundȱInnoȬ vationenȱgefragt.ȱȱ Imȱ weitenȱ Feldȱ einerȱ äquivalenzfunktionalistischenȱ GovernanceforȬ schungȱ stehenȱ sämtlicheȱ Formenȱ desȱ Regierensȱ Ȭȱ euroamerikanischeȱ undȱ andereȱȬȱzunächstȱgleichberechtigtȱnebeneinander.ȱDamitȱwirdȱdasȱVerspreȬ chenȱdesȱanalytischenȱGovernanceȬBegriffsȱeingelöst,ȱdieȱGesamtheitȱ„allerȱ nebeneinanderȱbestehendenȱFormenȱderȱkollektivenȱRegelungȱgesellschaftliȬ cherȱSachverhalte“ȱ (Mayntzȱ2004:ȱ66)ȱzuȱerfassen.ȱEsȱbleibtȱselbstverständȬ lichȱauchȱ imȱAnschlussȱanȱeineȱ solchȱkomplexeȱBeschreibungȱderȱ sozialenȱ Wirklichkeitȱnichtȱaus,ȱnormativeȱMaßstäbeȱzuȱentwickeln,ȱmitȱderenȱHilfeȱ Wünschenswerteresȱ vonȱ wenigerȱ Wünschenswertemȱ unterschiedenȱ wird.ȱ MitȱBlickȱaufȱdieȱentwicklungspolitischenȱKonsequenzenȱsollteȱdasȱKriteriȬ umȱderȱkulturellenȱVerankerungȱ(vgl.ȱdenȱBeitragȱvonȱdeȱlaȱRosaȱinȱdiesemȱ Sammelband)ȱdabeiȱeineȱbedeutendeȱRolleȱspielen,ȱwodurchȱdasȱAndereȱ insȱ SpektrumȱderȱanerkennungswürdigenȱAlternativenȱgerücktȱwürde.ȱ Werȱregiertȱwie?ȱ 113ȱȱ Literaturȱ Benz,ȱArthurȱ 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Zusammenfassung

Das Buch fragt nach der Bedeutung von Governance und der Governanceforschung für die Sozialwissenschaften: Welche Strukturen, Prozesse und Ziele beschreibt Governance? Wie lassen sich gewachsene Ausprägungen von Governance vergleichen? Und lässt sich Governance ohne den Staat denken? Die Beiträge geben Antworten auf diese Fragen aus ganz unterschiedlichen Perspektiven und reflektieren dabei die Stellung der Governanceforschung im Kanon der Disziplinen: Ihre Verankerung in verschiedenen Herkunftsdisziplinen legt die Frage nach dem Gemeinsamen nahe. Insofern steht hinter den Beiträgen die Frage, ob die an ihr beteiligten Disziplinen überhaupt dasselbe Projekt betreiben und inwieweit sich von Transdisziplinarität sprechen lässt, wenn die Governanceforschung eigene Perspektiven, Methoden und einen eigenen Kanon ausbildet, die sich von denen der Herkunftsdisziplinen unterscheiden. Die Beiträge veranschaulichen die Möglichkeiten und Grenzen der Governanceforschung an theoretischen und empirischen Fragen aus dem Berliner DFG-Sonderforschungsbereich (SFB) 700 „Governance in Räumen begrenzter Staatlichkeit: Neue Formen des Regierens?“, an dem die Autor/innen arbeiten und forschen.