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Sybille De La Rosa, Matthias Kötter, Governance(-forschung) im Kontext der Disziplinen in:

Sybille De La Rosa, Ulrike Höppner, Matthias Kötter (ed.)

Transdisziplinäre Governanceforschung, page 9 - 34

Gemeinsam hinter den Staat blicken

1. Edition 2008, ISBN print: 978-3-8329-3670-9, ISBN online: 978-3-8452-1087-2, https://doi.org/10.5771/9783845210872-9

Series: Schriften zur Governance-Forschung, vol. 13

Bibliographic information
ȱI.ȱ Einführungȱ ȱȱ Governance(Ȭforschung)ȱimȱKontextȱderȱDisziplinenȱ SybilleȱDeȱLaȱRosa/MatthiasȱKötter ȱ DieȱBeiträgeȱinȱdiesemȱBuchȱeintȱdieȱFrageȱnachȱderȱBedeutungȱvonȱGoverȬ nanceȱ fürȱdieȱheutigeȱ sozialwissenschaftlicheȱForschung.ȱDieȱBeobachtung,ȱ dassȱGovernanceȱ inȱdenȱverschiedenstenȱDisziplinenȱausȱunterschiedlicherȱ Perspektiveȱ undȱ mitȱ unterschiedlichenȱ Methodenȱ erforschtȱ wird,ȱ legtȱ dieȱ BestimmungȱdesȱGemeinsamenȱaberȱauchȱdesȱjeȱeigenenȱUnteilbarenȱdieserȱ Forschungenȱ nahe:ȱ Betreibenȱ dieȱ anȱ derȱ Governanceforschungȱ beteiligtenȱ DisziplinenȱdasselbeȱProjekt,ȱsoweitȱsieȱeineȱgemeinsameȱFragestellungȱverȬ folgen?ȱLässtȱ sichȱ insofernȱvonȱTransdisziplinaritätȱ sprechen,ȱweilȱdieȱGoȬ vernanceforschungȱ eineȱ eigeneȱ Perspektive,ȱ eigenenȱ Methodenȱ undȱ einenȱ eigenenȱKanonȱausbildet,ȱwasȱsieȱwiederumȱvonȱdenȱHerkunftsdisziplinenȱ unterscheidet?ȱLässtȱsichȱalsoȱmitȱGovernanceȱgemeinsamȱhinterȱdenȱStaatȱ blicken?ȱȱ AntwortenȱaufȱdieseȱFragenȱsuchenȱdieȱAutorinnenȱundȱAutorenȱderȱ inȱ diesemȱBuchȱversammeltenȱBeiträgeȱ jeweilsȱausȱderȱPerspektiveȱ ihrerȱHerȬ kunftsdisziplinen,ȱwobeiȱ sieȱMöglichkeitenȱundȱauchȱdieȱGrenzenȱderȱGoȬ vernanceforschungȱ anȱ theoretischenȱundȱ empirischenȱBeispielenȱ ausȱ ihrenȱ Forschungsprojektenȱ veranschaulichen.ȱ Vorȱ dieȱ Klammerȱ gezogenȱ findenȱ sichȱ imȱ Folgendenȱ einigeȱ Anmerkungenȱ zumȱ Governancebegriffȱ (1.)ȱ undȱ zumȱtransdisziplinärenȱProjektȱderȱGovernanceforschungȱ(2.),ȱausȱdemȱsichȱ eineȱReiheȱvonȱgemeinsamenȱFragestellungenȱergibt,ȱvonȱdenenȱdieȱBeiträgeȱ inȱdiesemȱBandȱeinigeȱausgewählteȱbehandelnȱ(3.).ȱ 1.ȱWasȱistȱnochȱmalȱGovernance?ȱ EineȱinȱsozialwissenschaftlichenȱKontextenȱimmerȱwiederȱgestellteȱFrageȱderȱ letztenȱJahreȱlautete:ȱ„WasȱistȱGovernance?“ȱMitȱdemȱernsthaftestenȱwissenȬ schaftlichenȱInteresseȱstelltenȱdieȱFrageȱgeradeȱdiejenigen,ȱdieȱsichȱamȱIntenȬ sivstenȱ mitȱ Governanceȱ beschäftigtȱ hattenȱ undȱ vonȱ denenȱ manȱ sichȱ eineȱ AntwortȱaufȱdieseȱFrageȱgewünschtȱhätte.ȱ1ȱDabeiȱhandelteȱesȱsichȱkeinesfallsȱ umȱreineȱRhetorik,ȱkeinesfallsȱsetztenȱdieȱFragestellerȱimȱnächstenȱMomentȱ zuȱ ihrerȱ umfassendenȱ Beantwortungȱ an.ȱ Vielmehrȱ beschränktenȱ sichȱ dieȱ ȱ ȱȱ SybilleȱDeȱLaȱRosaȱundȱDr.ȱiurȱMatthiasȱKötterȱsindȱalsȱWissenschaftlicheȱMitarbeiterȱamȱSFBȱ 700ȱtätig;ȱausführlichereȱAngabenȱzurȱPersonȱfindenȱsichȱbeiȱdenȱEinzelbeiträgen.ȱȱ 1ȱȱ Ausgehendȱ vonȱderȱ genanntenȱ Frageȱ findenȱ sichȱ ausführlicheȱDarlegungenȱ zuȱHerkunftȱ undȱBedeutungȱdesȱBegriffsȱu.ȱa.ȱbeiȱBenzȱetȱal.ȱ(2007:ȱ10),ȱSchuppertȱ(2006:ȱ52f.)ȱundȱBörzelȱ (2008ȱi.ȱE.).ȱ 12ȱ SybilleȱDeȱLaȱRosa/MatthiasȱKötterȱ AntwortenȱhäufigȱaufȱeinȱbegrifflichesȱTasten,ȱeinȱProbierenȱundȱAbwägenȱ undȱaufȱdenȱschließlichenȱHinweis,ȱdassȱ inzwischenȱzwarȱschonȱeinigeȱderȱ drängendenȱ Problemeȱ einerȱ Governancetheorieȱ angegangenȱ wordenȱ seienȱ undȱdassȱsichȱeinȱgemeinsamesȱVerständnisȱfachübergreifendȱherauskristalȬ lisiere,ȱ dassȱ dasȱ Propriumȱ derȱ Governanceforschungȱ aberȱ endgültigȱ erstȱ nochȱgefundenȱwerdenȱmüsse.ȱ DiesesȱPropriumȱeinerȱeigenständigenȱGovernanceforschungȱzuȱbestimȬ menȱbereitetȱschonȱaufgrundȱderȱinȱihrȱgebündeltenȱForschungssträngeȱundȱ ȬtraditionenȱgroßeȱSchwierigkeiten.ȱNichtȱwenigerȱalsȱvierȱinȱderȱPerspektiveȱ undȱimȱZugriffȱhöchstȱunterschiedlicherȱHerkunftsdiskurseȱvonȱGovernanceȱ werdenȱheuteȱvoneinanderȱunterschiedenȱ(Schuppertȱ2006:ȱ53ȱf.;ȱBenzȱ2007:ȱ 10f.):ȱ (1)ȱDieȱinȱderȱInstitutionenökonomikȱwurzelndeȱwirtschaftswissenschaftȬ licheȱ Governanceforschung,ȱ dieȱ unterȱ diesemȱ Begriffȱ solcheȱ institutionaliȬ siertenȱModiȱderȱHandlungskoordinationȱbeschreibt,ȱdieȱnichtȬmarktförmigȱ sind,ȱ sondernȱ aufȱ anderenȱ Funktionsmechanismenȱ derȱ Gesellschaftȱ fußenȱ undȱdieȱ einenȱ strukturellenȱRahmenȱ fürȱwirtschaftlicheȱTransaktionenȱbilȬ den.ȱ (2)ȱDieȱ Untersuchungȱ vonȱ Globalȱ Governanceȱ oderȱ „Governanceȱ by/with/ȱ withoutȱGovernment“ȱ inȱdenȱpolitikwissenschaftlichenȱInternationalenȱBezieȬ hungen.ȱ Governanceȱ fungiertȱ hierȱ alsȱ Gegenbegriffȱ zuȱ Governmentȱ undȱ verweistȱ–ȱanstelleȱderȱhierarchischȬvertikalenȱSteuerungsbeziehungen,ȱwieȱ sieȱdasȱStaatȬBürgerȬVerständnisȱlangeȱZeitȱgeprägtȱhabenȱ–ȱaufȱhorizontaleȱ oderȱ„weiche“ȱKoordinationsmechanismen.ȱSowohlȱdieȱKoordinationȱinȱdenȱ internationalenȱPolitikarenenȱalsȱauchȱimȱspeziellerenȱFeldȱderȱeuropäischenȱ Integrationȱ istȱ danachȱ Ausdruckȱ einerȱ „Governanceȱwithoutȱ Government“ȱ (vgl.ȱRosenau/Czempielȱ1992).ȱ (3)ȱEineȱstarkȱnormativeȱKomponenteȱgewinntȱderȱGovernanceȬBegriffȱinȱ derȱ vonȱ derȱ Weltbankȱ imȱ entwicklungspolitischenȱ Kontextȱ angestoßenenȱ Diskussionȱumȱ„GoodȱGovernance“.ȱHierbeiȱhandeltȱesȱsichȱumȱeinenȱMaßȬ stabȱ fürȱeinȱeffektives,ȱ rechtsstaatlichesȱundȱgemeinwohlorientiertesȱRegieȬ renȱ (ausführlichȱHillȱ2005;ȱKaufmannȱetȱal.ȱ2007;ȱRudolfȱ2007).ȱDerȱBegriffȱ sollȱesȱhierȱnichtȱzuletztȱermöglichen,ȱdasȱHandelnȱvonȱRegierungenȱanhandȱ bestimmterȱHandlungsmodiȱundȱderȱErfüllungȱprozeduralerȱVorgabenȱbeȬ messenȱ zuȱ können,ȱ ohneȱ überȱ einȱ westlichesȱ Verständnisȱ vonȱ demokratiȬ scherȱ Legitimationȱ immerȱ auchȱ schonȱ einȱ bestimmtesȱ (demokratisches)ȱ StaatsȬȱundȱGesellschaftsbildȱzuȱtransportieren.ȱ (4)ȱAnteileȱdieserȱDiskurseȱzusammenȱsindȱschließlichȱinȱderȱpolitikwisȬ senschaftlichenȱ PolicyȬForschungȱ aufgegriffenȱ wordenȱ undȱ habenȱ dortȱ –ȱ insbesondereȱ inȱVerknüpfungȱmitȱderȱSteuerungstheorieȱ–ȱzuȱeinerȱbreitenȱ undȱ andauerndeȱ Diskussionȱ geführt.ȱ Dieȱ Governancetheorieȱ istȱ ausȱ derȱ Steuerungstheorieȱ hervorgegangenȱ undȱ lässtȱ sichȱ –ȱ mitȱ Renateȱ Mayntzȱ Governance(Ȭforschung)ȱimȱKontextȱderȱDisziplinenȱ 13ȱȱ (2005)ȱ–ȱvorsichtigȱalsȱderenȱFortentwicklungȱverstehen:ȱAndersȱalsȱSteueȬ rungȱ istȱGovernanceȱallerdingsȱnichtȱakteursȬȱundȱhandlungszentriert,ȱsonȬ dernȱbeziehtȱüberȱdieȱAkteureȱundȱihreȱHandlungenȱhinausȱderenȱStruktuȬ rierung,ȱRegulierungȱundȱKoordinierungȱinȱdieȱAnalyseȱmitȱeinȱ(vgl.ȱbereitsȱ Mayntz/Scharpfȱ1995).ȱDieseȱSichtweiseȱerweitertȱGovernanceȱzuȱeinemȱallȬ gemeinenȱKonzeptȱ fürȱdieȱKoȬProduktionȱgesellschaftlicherȱOrdnungȱ–ȱ imȱ SinneȱoderȱanstelleȱvonȱStaatlichkeitȱ–ȱdurchȱeineȱAkteursmehrheit.ȱ Inȱdenȱ Blickȱ geratenȱ veränderteȱAkteurskonstellationenȱ undȱ Regelungsstrukturenȱ ebensoȱwieȱdieȱProzesseȱderȱVeränderungȱvonȱGrenzenȱ–ȱzwischenȱnationalȱ undȱ international,ȱzwischenȱprivatȱundȱöffentlich,ȱzwischenȱformalȱundȱ inȬ formalȱundȱzwischenȱinnenȱundȱaußenȱ–ȱundȱsichȱhierausȱergebendeȱneuarȬ tigenȱLegitimationsproblemeȱ(Kötterȱ2008;ȱSchmelzleȱ2008ȱinȱdiesemȱBand).ȱ DerȱGovernanceforschungȱgehtȱesȱumȱdieȱ (ReȬ)Konstruktionȱkomplexerȱ Gesellschaftsstrukturenȱmitȱ Blickȱ aufȱ (1)ȱ bestimmteȱ kollektiveȱ Leistungen,ȱ dieȱ (2)ȱ vonȱ bestimmtenȱ Akteurenȱ (3)ȱ inȱ einerȱ bestimmtenȱ Weiseȱ erbrachtȱ werden.ȱGovernanceȱbezeichnetȱdanachȱdieȱabsichtsvolleȱErbringungȱkollekȬ tiverȱGüterȱundȱ zwarȱ inȱ zweiȱDimensionen:ȱdieȱ Schaffungȱ institutionellerȱ StrukturenȱzurȱBereitstellungȱkollektiverȱGüterȱundȱdieȱaufȱdiesenȱStrukturenȱ stattfindendenȱProzesseȱ(Börzelȱ2008ȱi.ȱE.).ȱMitȱdemȱBegriffȱlassenȱsichȱalleȱinȱ Regelungsstrukturenȱ institutionalisiertenȱ Modiȱ sozialerȱ HandlungskoordiȬ nationȱ jenseitsȱhistorischȱgewachsenerȱoderȱkulturellȱdeterminierterȱspezifiȬ scherȱinstitutionellerȱAusprägungenȱbeschreiben.ȱInȱhistorischȱkontingentenȱ PfadenȱtradierenȱdieȱverschiedenenȱHandlungsȬȱundȱKoordinationsmodiȱeiȬ nenȱ jeȱ spezifischenȱGovernanceȬMix,ȱderȱ inȱ institutionalisierterȱ FormȱwieȬ derumȱTeilȱderȱRegelungsstrukturenȱwird.ȱWerȱalsȱGovernanceȬAkteurȱundȱ wasȱalsȱGovernanceȬLeistungȱgilt,ȱistȱjeweilsȱeineȱFrageȱderȱEmpirie.ȱ Dieȱ Governanceforschungȱ verschiebtȱ damitȱ dieȱ Perspektive:ȱ derȱ Fokusȱ wandertȱwegȱvomȱStaatȱ–ȱdemȱMonopolistenȱderȱFormulierungȱundȱErbrinȬ gungȱderȱwesentlichenȱOrdnungsȬȱundȱDaseinsvorsorgeleistungenȱ–ȱundȱhinȱ zuȱdenȱkonkretenȱLeistungenȱundȱdenȱStrukturenȱfürȱihreȱErbringung.ȱEinȬ zelstudienȱuntersuchenȱdieȱ„neuen“ȱHandlungsȬȱundȱOrganisationsformenȱ nebenȱdemȱ klassischenȱ staatlichenȱ Instrumentariumȱoderȱ „neue“ȱAkteursȬ konstellationen.ȱ Dieȱ Innovativitätȱ solcherȱ „neuen“ȱ Konstellationenȱ oderȱ Konfigurationenȱwirdȱdabeiȱ zurȱForschungsfrage.ȱGovernanceȱ eröffnetȱ soȬ wohlȱdenȱBlickȱaufȱdieȱhistorischeȱDimensionȱvonȱStaatlichkeitȱalsȱauchȱdieȱ kulturvergleichendeȱ Perspektiveȱ undȱ eignetȱ sichȱ damitȱ zumȱ diachronȬ historischenȱVergleichȱsozialerȱOrdnungenȱebensoȱwieȱzumȱsynchronenȱKulȬ turvergleichȱ(Kötterȱ2007:ȱ4,ȱ14).ȱIndemȱdieseȱStrukturenȱvonȱihrerȱFunktionȱ herȱundȱnichtȱaufȱ ihrȱVerhältnisȱzumȱStaatȱhinȱuntersuchtȱwerden,ȱermögȬ lichtȱGovernanceȱdenȱBlickȱhinterȱdenȱStaat,ȱd.ȱh.ȱaufȱalternativeȱHerrschaftsȬȱ undȱOrdnungskonfigurationenȱdiesseitsȱundȱjenseitsȱderȱStaatlichkeit.ȱ 14ȱ SybilleȱDeȱLaȱRosa/MatthiasȱKötterȱ DieȱGovernanceforschungȱinȱdiesemȱSinneȱhatȱsichȱinzwischenȱeinȱStückȱ weitȱ verselbständigtȱ undȱ istȱ entsprechendȱ institutionalisiertȱ worden.ȱ BeiȬ spieleȱsindȱ(1)ȱdasȱForschungsprogrammȱdesȱSFBȱ700,ȱdasȱsichȱzurȱUntersuȬ chungȱ derȱ Modiȱ derȱ Erbringungȱ kollektiverȱ Leistungenȱ inȱ denȱ Bereichenȱ Herrschaft,ȱ Sicherheitȱ undȱ Wohlfahrtȱ inȱ Räumenȱ begrenzterȱ Staatlichkeitȱ ausdrücklichȱaufȱdieseȱBegrifflichkeitȱbeziehtȱundȱsieȱfortentwickelt,ȱoderȱ(2)ȱ dasȱvonȱArthurȱBenzȱetȱal.ȱ(2007)ȱherausgegebeneȱ„HandbuchȱGovernance“,ȱ dasȱdieȱ theoretischenȱGrundlagenȱ diesesȱ Begriffsverständnissesȱ systematiȬ sierendȱreflektiertȱundȱaufȱeineȱganzeȱReiheȱempirischerȱAnwendungsfelderȱ bezieht,ȱoderȱ(3)ȱdasȱvonȱFolkeȱSchuppertȱundȱMichaelȱZürnȱ(2008)ȱherausȬ gegebeneȱ PVSȬSonderheftȱ Nr.ȱ41ȱ „Governanceȱ inȱ einerȱ sichȱ wandelndenȱ Welt“,ȱdasȱkonzeptuellȱaufȱdieserȱGrundlageȱaufbaut.ȱ Imȱ Spiegelȱ derȱ unterschiedlichenȱ Wissenschaftsdisziplinen,ȱ dieȱ anȱ derȱ Governanceforschungȱmitwirkenȱ–ȱGeschichte,ȱPolitischeȱTheorieȱundȱSoziȬ altheorie,ȱOrganisationsȬȱundȱ Institutionentheorie,ȱ InternationaleȱBeziehunȬ gen,ȱPolicyforschung,ȱRechtsȬ,ȱVerfassungsȬȱundȱVölkerrechtswissenschaft,ȱ Ökonomie,ȱEthnologieȱundȱKulturanthropologieȱ–ȱgestaltetȱsichȱderȱBegriffȱ oderȱdasȱKonzeptȱsehrȱunterschiedlichȱ(ausführlichȱbereitsȱSchuppertȱ2005).ȱ Ausȱderȱ jeweiligenȱPerspektiveȱwirdȱ„Governance“ȱmitȱdenȱ jeȱeigenenȱMeȬ thodenȱuntersuchtȱundȱderȱBegriffȱinȱdieȱjeweiligeȱTheorieȱderȱDisziplinȱeinȬ gebunden.ȱ Dassȱ unterȱ denȱ soȱ vorgehendenȱ Disziplinenȱ einȱ gemeinsamesȱ VerständnisȱdesȱBegriffsȱvorzuherrschenȱscheint,ȱdasȱüberȱdieȱjeweiligeȱdisȬ ziplinäreȱPerspektiveȱhinausgeht,ȱmussȱeherȱverwundern,ȱalsȱdassȱesȱselbstȬ verständlichȱwäre.ȱEinȱWertȱvonȱ„Governance“ȱbestehtȱdeshalbȱbereitsȱdarȬ in,ȱdassȱsichȱmitȱdemȱBegriffȱeineȱBrückeȱimȱGesprächȱzwischenȱdenȱDiszipȬ linenȱschlagenȱlässtȱundȱeineȱVerständigungȱmöglichȱwird.ȱȱ DochȱgehtȱdasȱZusammenwirkenȱderȱDisziplinenȱ inzwischenȱnichtȱweitȱ darüberȱhinaus,ȱwennȱsieȱBeiträgeȱzuȱeinerȱeinheitlichenȱGovernancetheorieȱ verfassen?ȱGeradeȱmitȱBlickȱaufȱdieȱVerselbständigungȱderȱGovernanceforȬ schungȱ istȱ eineȱ überȱ dieȱ einzeldisziplinäreȱ Bearbeitungȱ hinausreichendeȱ VerständigungȱüberȱdieȱgemeinsameȱVerwendungȱvonȱBegriffenȱunterȱBeȬ zugnahmeȱ aufȱ eineȱ gemeinsameȱ Forschungsliteraturȱ entstanden,ȱ dieȱ überȱ Ansätzeȱ sonstigenȱ interdisziplinärenȱ Zusammenwirkensȱ hinausreicht.ȱ Dieȱ interessanteȱFrageȱlautetȱdabeiȱgarȱnichtȱmehrȱ„WasȱistȱGovernance?“ȱ(dennȱ geklärtȱerscheintȱinzwischenȱjedenfalls,ȱdassȱderȱBegriffȱdenȱBlickȱaufȱgesellȬ schaftlicheȱ Ordnungszusammenhängeȱ freimacht,ȱ dieȱ „hinterȱ demȱ Staat“ȱ sichtbarȱwerden,ȱundȱdieȱesȱerfordern,ȱdenȱStaatsbiasȱpolitikȬȱundȱsozialwisȬ senschaftlicherȱ Begrifflichkeitȱ soweitȱmöglichȱ zuȱ reduzieren).ȱVielȱ interesȬ santerȱ erscheintȱ heuteȱ dieȱ Frage:ȱ „Wasȱ istȱ Governanceforschung,ȱ werȱ beȬ treibtȱ sieȱwieȱundȱwelcheȱMöglichkeitenȱ eröffnetȱ sieȱ fürȱ einȱ gemeinsamesȱ VerständnisȱgesellschaftlicherȱOrdnungenȱmitȱundȱohneȱdenȱStaat?“ȱ Governance(Ȭforschung)ȱimȱKontextȱderȱDisziplinenȱ 15ȱȱ 2.ȱGovernanceforschungȱalsȱtransdisziplinäresȱProjekt:ȱȱ Perspektive(n)ȱundȱMethode(n)ȱ Derȱ umfassendeȱ Zugriffȱ derȱ Governanceforschungȱ erinnertȱ anȱ dieȱ (politiȬ scheȱoderȱSozialȬ)ȱKybernetikȱderȱsechzigerȱundȱsiebzigerȱJahre.2ȱDieȱeinzelȬ nenȱDisziplinenȱbringenȱihreȱspezifischenȱPerspektivenȱundȱErkenntnisinteȬ ressenȱ undȱ ihreȱ ganzȱ unterschiedlichenȱ disziplinärenȱ Erfahrungenȱ inȱ dieȱ Governanceforschungȱein.ȱDerȱumfassendeȱZugriffȱmachtȱsichȱganzȱgezieltȱ freiȱvonȱdenȱZwängenȱdisziplinärerȱBeschränktheitȱundȱ löstȱkonzeptionelleȱ Grenzenȱauf,ȱumȱgemeinsameȱProblemstellungenȱzwischenȱdenȱDisziplinenȱ zuȱermöglichen.ȱDasȱwecktȱzumȱeinenȱberechtigteȱBedenken,ȱdennȱesȱistȱgeȬ radeȱdieȱhistorischȱgewachseneȱAusprägungȱvonȱDisziplinen,ȱdieȱdieȱwisȬ senschaftlicheȱ Verständigungȱ überȱ Wirklichkeitsproblemeȱ überhauptȱ erstȱ ermöglicht.ȱGleichzeitigȱmussȱderȱAustauschȱzwischenȱdenȱDisziplinenȱimȬ merȱgewahrtȱsein;ȱderȱGrenzfallȱwäreȱdabeiȱsicherȱeinȱsoȱenges,ȱproblembeȬ zogenesȱZusammenwirkenȱmehrererȱDisziplinen,ȱdasȱ selbstȱwiederumȱdieȱ BeschreibungsmerkmaleȱeinerȱDisziplinȱaufweist.ȱ 2.1.ȱWissenschaftlicheȱDisziplinaritätȱ DisziplinenȱsindȱetwasȱdurchȱdieȱWissenschaftsgeschichteȱGewordenesȱundȱ ihreȱ Grenzenȱ inȱ dieserȱ Hinsichtȱ wederȱ Objektgrenzenȱ nochȱ theoretischeȱ Grenzen,ȱsondernȱhistorischȱgewachseneȱGrenzenȱ(Mittelstraßȱ2005:ȱ19).ȱIhreȱ Identitätȱgewinnenȱ sieȱ ausȱdemȱ spezifischenȱEnsembleȱvonȱForschungsgeȬ genständen,ȱ Begriffen,ȱ Theorien,ȱ Methoden,ȱ Forschungszweckenȱ undȱ KaȬ nons.ȱDisziplinenȱtragenȱzurȱDisziplinierungȱderȱgeistigenȱArbeit,ȱzurȱempiȬ rischenȱÜberprüfungȱdesȱWissensȱundȱzurȱAusbildungȱneuerȱWissensproȬ duzentenȱsowieȱzurȱHerstellungȱkonsentierterȱAnnahmenȱbeiȱ(Joasȱ2005:ȱ79;ȱ Baerȱ2005:ȱ144ȱ f.).ȱ Indemȱ sieȱBegriffeȱdisziplinärȱ codieren,ȱ schaffenȱ sieȱerstȱ dieȱGrundlageȱfürȱeinȱgemeinsamesȱGespräch,ȱbeiȱdemȱdieȱPrämissenȱnichtȱ immerȱwiederȱvölligȱneuȱausgehandeltȱwerdenȱmüssen.ȱDogmenȬȱundȱTheoȬ rienbildungȱentlastetȱdieȱwissenschaftlicheȱGesprächsführung,ȱindemȱsieȱeiȬ neȱ gemeinsameȱ Spracheȱ schafftȱ undȱ dadurchȱ Komplexitätȱ reduziert.ȱ Sindȱ Disziplinenȱaberȱzuȱhermetischȱangelegt,ȱdannȱverschließenȱsieȱsichȱderȱIrriȬ tationȱdurchȱäußereȱEinflüsse,ȱetwaȱinȱFormȱvonȱErkenntnissenȱandererȱDisȬ ziplinen.ȱ Dieȱ Selbstbezogenheitȱ vonȱ Disziplinenȱ integriertȱ undȱ grenztȱ zugleichȱaus.ȱ WerdenȱDisziplinenȱnichtȱalsȱstarreȱGebilde,ȱsondernȱalsȱOberbegriffeȱfürȱ sichȱwandelndeȱ FormenȱderȱProduktionȱ undȱDistributionȱ vonȱWissenȱ beȬ ȱ 2 Zur Kybernetik vgl. Deutsch (1966); Lange (2007). Ausdrückliche Bezugnahmen im Kontext von Governance erfolgen vereinzelt, bspw. wenn Governance als „akteurszentrierte institutionelle Kybernetik“ bezeichnet wird (Schneider 2004: 175). 16ȱ SybilleȱDeȱLaȱRosa/MatthiasȱKötterȱ trachtetȱ (Baerȱ2005:ȱ145ȱ f.)ȱ–ȱalsȱbeweglicheȱGebilde,ȱderenȱStabilitätȱdurchȱ dieȱVerschiebungȱvonȱeinzelnenȱFrageȬȱundȱProblemstellungenȱnichtȱgrundȬ sätzlichȱerschüttertȱsondernȱeherȱinȱBewegungȱgehaltenȱwird,ȱimmerȱwiederȱ auf’sȱNeueȱintellektuellȱangeregtȱundȱamȱLebenȱerhaltenȱdurchȱneueȱFragenȱ undȱIrritationen,ȱintellektuelleȱHerausforderungenȱdieȱinȱdenȱwissenschaftliȬ chenȱDiskursȱeinfließenȱ–,ȱdannȱöffnenȱsieȱsichȱauchȱfürȱdieȱArbeitȱüberȱdieȱ GrenzenȱderȱDisziplinenȱhinweg.ȱZielȱ istȱdannȱnichtȱmehrȱdieȱBewahrungȱ einerȱ disziplinärenȱ Identität,ȱ sondernȱ ihreȱ Befruchtungȱ durchȱ dasȱ Wissenȱ derȱanderen.ȱDieȱVielfaltȱvonȱTheorien,ȱMethodenȱundȱForschungsergebnisȬ senȱverliertȱihrenȱSchreckenȱundȱistȱvielmehrȱ„alsȱGelegenheitȱzumȱprodukȬ tivenȱintellektuellenȱDialogȱ[zu]ȱbegrüßen“ȱ(Joasȱ2005:ȱ87).ȱ ZwischenȱdenȱDisziplinenȱ istȱdabeiȱzunächstȱvonȱbabylonischerȱSprachȬ verwirrungȱ auszugehen:ȱ Dieȱ verschiedenenȱ Erkenntnisinteressen,ȱ MethoȬ den,ȱBegriffeȱundȱReferenzliteraturenȱverhindern,ȱdassȱüberȱ„dasȱSelbe“ȱgeȬ sprochenȱwird.ȱDarüberȱhelfenȱauchȱdieȱ–ȱv.ȱa.ȱinȱdenȱjuristischenȱBeiträgenȱ zurȱWissenschaftstheorieȱ –ȱ inȱdenȱ letztenȱ Jahrenȱ immerȱwiederȱ bemühtenȱ „interdisziplinärenȱBrückenbegriffe“ȱ(Truteȱ1999:ȱ13;ȱSchuppertȱ2003:ȱ28;ȱvgl.ȱ Benzȱetȱal.ȱ2007:ȱ12)ȱnichtȱhinweg.ȱSieȱsollenȱverschiedeneȱdisziplinäreȱFachȬ diskurseȱmiteinanderȱverkoppeln,ȱdabeiȱaberȱnichtȱdisziplinäreȱ Identitätenȱ einebnen,ȱ sondernȱvielmehrȱkommunikativeȱBegegnungenȱzwischenȱ ihnenȱ ermöglichenȱ(Blatterȱ2006;ȱSchuppertȱ2007).ȱSeinenȱWertȱalsȱBegriffȱgewinntȱ einȱWortȱjedochȱerstȱdurchȱeinenȱbestimmtenȱtheoretischenȱKontext:ȱBegriffeȱ sindȱ spezifizierungsbedürftigeȱ Elementeȱ einerȱ Theorieȱ (Möllersȱ 2002:ȱ 34ȱ m.ȱw.ȱN.).ȱInȱdiesemȱSinneȱhatȱsichȱinȱdenȱtheoretischenȱKontextȱeinzufügen,ȱ werȱ sichȱ imȱ Namenȱ einerȱ wissenschaftlichenȱ Disziplinȱ äußertȱ undȱ derenȱ Begriffeȱverwendet.ȱDerȱtheoretischeȱKontextȱistȱimȱGrundeȱnichtȱauswechȬ selbar,ȱweilȱdieȱBedeutungȱdesȱBegriffsȱnichtȱzuletztȱvonȱderȱVerwendungȱ durchȱdieȱInterpretationsgemeinschaftȱ lebt,ȱdenȱdieȱDisziplinȱbildet.ȱInȱdieȬ semȱSinneȱbildenȱBegriffeȱdieȱspezifischeȱInnenseiteȱeinerȱDisziplinȱ(Möllersȱ 2002:ȱ46).ȱBeschränkenȱsichȱBrückenbegriffeȱdarauf,ȱverschiedeneȱFragestelȬ lungenȱdurchȱTerminologieȱ„äußerlichȱzuȱleimen“ȱ(Möllersȱ2002:ȱ46),ȱsoȱfalȬ lenȱsieȱvomȱStatusȱdesȱwissenschaftlichenȱBegriffsȱzurückȱzurȱbloßenȱWortȬ bedeutung.ȱDerȱmitȱderȱVerwendungȱdesȱBrückenbegriffsȱverbundeneȱinteȬ grativeȱAnspruchȱwirdȱdeshalbȱnotwendigerweiseȱEinbußenȱbeiȱderȱBedeuȬ tungȱdesȱBegriffsȱmitȱsichȱbringen.ȱ DieȱSchwierigkeitenȱimȱUmgangȱmitȱinterdisziplinärenȱBrückenbegriffenȱ lassenȱ sichȱ anȱ Governanceȱ veranschaulichen,ȱ soweitȱ derȱ Begriffȱ dieȱ ForȬ schungsprogrammeȱverschiedenerȱDisziplinenȱverklammernȱundȱsoȱzuȱnichtȱ identischen,ȱ aberȱ komplementärenȱ Begriffsverwendungenȱ beitragenȱ soll.ȱ UmȱalsȱBrückenkonzeptȱoderȱȬbegriffȱzuȱtaugen,ȱmussȱGovernanceȱeinȱweiȬ teresȱ Spektrumȱ vonȱ Bedeutungsgehaltenȱ ermöglichen,ȱ dieȱ zunächstȱ verȬ schiedeneȱ Governancebegriffeȱ ausprägen,ȱ dieȱ aberȱ innerhalbȱ derȱ GoverȬ Governance(Ȭforschung)ȱimȱKontextȱderȱDisziplinenȱ 17ȱȱ nancetheorieȱwiederumȱmiteinanderȱverklammertȱwerden.ȱEinȱstarkȱnormaȬ tivȱgehaltvollerȱBegriffȱvonȱGovernanceȱkannȱeineȱhoheȱAnschlussfähigkeitȱ zurȱRechtswissenschaftȱoderȱauchȱzuȱTeilenȱderȱpolitischenȱTheorieȱaufweiȬ sen.ȱGleichzeitigȱwirdȱdieȱBrückeȱzurȱempirischenȱForschungȱgekappt.ȱAnȬ dererseitsȱsetztȱsichȱeinȱstärkerȱaufȱdieȱBedürfnisseȱderȱempirischenȱGoverȬ nanceforschungȱhinȱ ausgelegterȱ –ȱminimalȱnormativerȱ –ȱBegriffȱdemȱVorȬ wurfȱderȱMachtblindheitȱ (Sozialtechnologie!)ȱaus.ȱVergleichbareȱSchwierigȬ keitenȱderȱUnterscheidungȱeinerȱempirischenȱundȱeinerȱnormativenȱSeiteȱeiȬ nesȱBegriffsȱsindȱtypischȱfürȱ„dichteȱBegriffe“ȱ(Ladwigȱetȱal.ȱ2006:ȱ4,ȱ9),ȱdieȱ sichȱdadurchȱauszeichnen,ȱdassȱsichȱihreȱdeskriptiveȱBedeutungskomponenȬ teȱ nichtȱ ohneȱ Bedeutungsverschiebungȱ vonȱ einerȱ wertendenȱ Komponenteȱ trennenȱ lässt.ȱGleichzeitigȱ findenȱ sieȱ inȱunterschiedlichȱ starkerȱnormativerȱ PrägungȱVerwendungȱ(bspw.ȱdieȱBegriffeȱInstitution,ȱStaat,ȱRegieren,ȱLegiȬ timation,ȱÖffentlichkeitȱoderȱDiskurs).3ȱ DasȱGesprächȱzwischenȱdenȱDisziplinen,ȱdasȱohneȱeineȱeinheitlicheȱFraȬ gestellungȱ stattfindetȱundȱkeinenȱgemeinsamenȱKanonȱ ausprägt,ȱkannȱdieȱ ArbeitȱderȱbeteiligtenȱDisziplinenȱ inspirierenȱbzw.ȱ irritierenȱundȱdazuȱbeiȬ tragen,ȱWissenȱzuȱexportierenȱundȱTransparenzȱzuȱschaffen.ȱEineȱweitergeȬ hendeȱ Verschmelzungȱ undȱ einȱ tiefergehendesȱ Verständnisȱ sindȱ dagegenȱ kaumȱzuȱerwarten.ȱInterdisziplinaritätȱinȱdiesemȱSinneȱwäreȱnichtȱmehrȱalsȱ Multidisziplinaritätȱ(vgl.ȱVölkerȱ2004:ȱ12ȱm.ȱw.ȱN.).4ȱDamitȱausȱderȱÜberdisȬ ziplinaritätȱeineȱerweiterteȱoderȱwenigstensȱveränderteȱPerspektiveȱherrührt,ȱ dieȱneueȱErkenntnisressourcenȱerschließenȱkannȱundȱeineȱgemeinsameȱSpraȬ cheȱausbildet,ȱmüssenȱwenigstensȱgemeinsameȱProblemȬȱbzw.ȱFragestellunȬ genȱidentifiziertȱwerden,ȱundȱregelmäßigȱwirdȱdieȱperspektivischeȱErweiteȬ rungȱüberȱdieȱGrenzenȱderȱDisziplinenȱhinwegȱesȱerfordern,ȱdassȱdieȱForȬ schungȱ eineȱ gewisseȱ Eigenständigkeitȱ erhält,ȱ ohneȱdabeiȱdieȱAnschlussfäȬ higkeitȱanȱdieȱbeteiligtenȱDisziplinenȱzuȱverlieren.ȱSoȱverstandeneȱInterdisȬ ziplinaritätȱgehtȱƺȱlautȱMittelstraßȱ(2005:ȱ19)ȱƺȱ„nichtȱzwischenȱdenȱFächernȱ oderȱdenȱDisziplinenȱhinȱundȱherȱoderȱschwebt,ȱdemȱabsolutenȱGeistȱnahe,ȱ überȱdenȱFächernȱundȱdenȱDisziplinen“,ȱvielmehrȱhebtȱ sieȱ „fachlicheȱundȱ disziplinäreȱ Engführungen,ȱ woȱ dieseȱ derȱ Problementwicklungȱ undȱ einemȱ entsprechendenȱForschungshandelnȱ imȱWegeȱ stehen,ȱwiederȱauf;ȱ sieȱ istȱ inȱ WahrheitȱTransdisziplinarität.“ȱ ȱ 3ȱȱ BeimȱDiskursbegriffȱ istȱdieȱkonzeptuelleȱTrennungȱderȱverschiedenenȱAnsätzeȱbesondersȱ augenfälligȱ–ȱv.ȱa.ȱderȱkommunikationstheoretischeȱDiskursbegriffȱbeiȱHabermasȱundȱdemȬ gegenüberȱderȱmachtanalytischeȱbeiȱFoucaultȱ–ȱundȱvermutlichȱaufȱdasȱfehlendeȱFusionsinȬ teresseȱderȱGroßtheoretikerȱzurückzuführen.ȱ 4 Völker (2004: 12) unterscheidet verschiedene „Vorsilbendisziplinaritäten“ seit den siebziger Jahren. Zwischen Multi- und Transdisziplinarität wird Interdisziplinarität zum relativen Gleichgewicht. 18ȱ SybilleȱDeȱLaȱRosa/MatthiasȱKötterȱ 2.2.ȱTransdisziplinaritätȱ Fachlichkeit,ȱ Disziplinaritätȱ undȱ Transdisziplinaritätȱ sindȱ idealtypischeȱ FormenȱwissenschaftlicherȱArbeit,ȱdieȱinȱderȱRegelȱnichtȱinȱReinformȱauftreȬ tenȱ(Mittelstraßȱ2005:ȱ20).ȱVielmehrȱverstehenȱundȱrealisierenȱsieȱsichȱimmerȱ imȱKontextȱbenachbarterȱwissenschaftlicherȱFormen.ȱWissenschaftȱundȱForȬ schungȱmüssenȱsichȱdessenȱbewusstȱseinȱundȱdürfenȱdurchȱ–ȱ tradierte,ȱoftȱ gewohnheitsmäßigȱvorgenommeneȱ–ȱEinschränkungenȱaufȱfachlichȱundȱdisȬ ziplinäreȱEngführungenȱnichtȱzuȱstarkȱbegrenztȱwerden.ȱWährendȱMittelstȬ raßȱ(2003;ȱ2005)ȱzurȱBestimmungȱvonȱTransdisziplinaritätȱaufȱdasȱbesondersȱ engeȱZusammenwirkenȱderȱbeteiligtenȱDisziplinenȱ aufȱ einerȱTheorieebeneȱ abstellt,ȱ betonenȱ Balsigerȱ (2004)ȱ undȱ Völkerȱ (2004)ȱ denȱ besonderenȱ WirkȬ lichkeitsbezugȱ transdisziplinärenȱForschensȱundȱstellenȱdaraufȱab,ȱdassȱeinȱ ProblemȱinȱdieȱWissenschaftȱhineingetragenȱundȱdortȱunterȱBezugnahmeȱaufȱ verschiedeneȱDisziplinenȱeineȱeinheitlicheȱLösungȱerarbeitetȱwird.ȱTransdisȬ ziplinaritätȱ kannȱ sichȱ alsȱ Wissenschaftsperspektiveȱ jedochȱ immerȱ nurȱ aufȱ innerwissenschaftlicheȱPerspektivenȱbeziehen,ȱnichtȬwissenschaftlicheȱBlickeȱ aufȱdieȱDingeȱkannȱsieȱnichtȱintegrieren,ȱmögenȱsieȱauchȱnochȱsoȱerfrischendȱ sein.ȱUnterscheidenȱlässtȱsichȱallerdingsȱeineȱpraktischeȱTransdisziplinarität,ȱ dieȱsichȱaufȱaußerwissenschaftlicheȱProblemstellungenȱ–ȱwieȱbspw.ȱdieȱLöȬ sungȱ ökologischerȱ Problemeȱ –ȱ bezieht,ȱ vonȱ einerȱ theoretischenȱ TransdisȬ ziplinarität,ȱdieȱausȱderȱLösungȱ innerwissenschaftlicherȱProblemstellungenȱ entsteht.ȱȱ Mittelstraßȱ (2005:ȱ 20)ȱ hatȱ insgesamtȱ dreiȱ Charakteristikaȱ derȱ TransdisȬ ziplinaritätȱalsȱForschungsprinzipȱoderȱȬperspektiveȱhervorgehoben:ȱ (1)ȱ „Transdisziplinaritätȱ hebtȱ innerhalbȱ einesȱ historischenȱKonstitutionszusammenhangesȱ derȱFächerȱundȱDisziplinenȱ […]ȱEngführungenȱauf,ȱwoȱdieseȱ ihreȱhistorischeȱErinnerungȱ verlorenȱundȱihreȱproblemlösendeȱKraftȱüberȱallzuȱgroßerȱSpezialisierungȱeingebüßtȱhaben.ȱ Sieȱ führtȱ regelmäßigȱnichtȱ inȱ einenȱneuenȱ fachlichenȱoderȱdisziplinärenȱZusammenhang,ȱ deshalbȱkannȱsieȱdieȱFächerȱundȱDisziplinenȱinsoweitȱnichtȱersetzen.“ȱ (2)ȱ„Transdisziplinaritätȱ istȱ […]ȱeinȱwissenschaftlichesȱArbeitsȬȱundȱOrganisationsprinzip,ȱ dasȱ problemorientiertȱ überȱ Fächerȱ undȱ Disziplinenȱ hinausgreift,ȱ aberȱ keinȱ transwissenȬ schaftlichesȱPrinzip.ȱDieȱOptikȱderȱTransdisziplinaritätȱistȱeineȱwissenschaftlicheȱOptik,ȱundȱ sieȱ istȱaufȱeineȱWeltȱgerichtet,ȱdie,ȱselbstȱmehrȱundȱmehrȱeinȱWerkȱdesȱwissenschaftlichenȱ undȱdesȱtechnischenȱVerstandes,ȱeinȱwissenschaftlichesȱundȱtechnischesȱWesenȱhat.“ȱ (3)ȱ „Schließlichȱ istȱ Transdisziplinaritätȱ […]ȱ einȱ Forschungsprinzip,ȱ keinȱ oderȱ allenfallsȱ inȱ zweiterȱLinieȱ ƺȱwennȱ nämlichȱ auchȱdieȱTheorienȱ transdisziplinärenȱ ForschungsprogramȬ menȱfolgenȱƺȱeinȱTheorieprinzip.ȱSieȱleitetȱProblemwahrnehmungenȱundȱProblemlösungen,ȱ aberȱsieȱverfestigtȱsichȱnichtȱinȱtheoretischenȱFormen.ȱDeshalbȱistȱTransdisziplinaritätȱauchȱ keineȱMethode,ȱwomöglichȱausgearbeitetȱinȱMethodologieform.“ȱ Beimȱ transdisziplinärenȱArbeitenȱ ändernȱ sichȱ nichtȱdieȱwissenschaftlichenȱ RationalitätsstandardsȱundȱmitȱdiesenȱdieȱMethodenȱ undȱdieȱ Formenȱderȱ Theoriebildung,ȱ sondernȱ dieȱ Organisationsformenȱ vonȱ Wissenschaftȱ undȱ wissenschaftlicherȱ Forschung.ȱTransdisziplinaritätȱ istȱ einȱ ForschungsȬȱ undȱ Governance(Ȭforschung)ȱimȱKontextȱderȱDisziplinenȱ 19ȱȱ Wissenschaftsprinzip,ȱdasȱüberallȱdortȱwirksamȱwird,ȱwoȱeineȱalleinȱfachliȬ cheȱ oderȱ disziplinäreȱ Definitionȱ vonȱ Problemlagenȱ undȱ Problemlösungenȱ nichtȱmöglichȱistȱbzw.ȱüberȱderartigeȱDefinitionenȱhinausgeführtȱwird,ȱkeinȱ Theorieprinzip,ȱ dasȱ unsereȱ Lehrbücherȱ veränderte.ȱ Wieȱ Fachlichkeitȱ undȱ Disziplinaritätȱ istȱauchȱTransdisziplinaritätȱeinȱ forschungsleitendesȱPrinzipȱ undȱeineȱwissenschaftlicheȱOrganisationsform,ȱallerdingsȱinȱderȱWeise,ȱdassȱ Transdisziplinaritätȱ fachlicheȱ undȱ disziplinäreȱ Engführungenȱ aufhebt,ȱ dieȱ sichȱeherȱ institutionellenȱGewohnheitenȱalsȱwissenschaftlichenȱNotwendigȬ keitenȱ verdanken.ȱ Inȱ Wissenschaftlichenȱ Zentrenȱ oderȱ ForschungsverbünȬ denȱwieȱdenȱthemenbezogenenȱSonderforschungsbereichenȱderȱDFGȱstehenȱ FragestellungenȱimȱVordergrund,ȱbeiȱdenenȱesȱkeinenȱSinnȱmacht,ȱsieȱeinemȱ bestimmtenȱFachȱoderȱeinerȱbestimmtenȱDisziplinȱzuzuordnen.ȱȱ Disziplinäreȱ Kompetenzenȱ bleibenȱ dieȱ wesentlicheȱ Voraussetzungȱ fürȱ transdisziplinärȱdefinierteȱAufgaben,ȱaberȱsieȱalleinȱreichenȱnichtȱmehrȱaus,ȱ umȱForschungsaufgaben,ȱdieȱausȱdenȱklassischenȱFächernȱundȱDisziplinenȱ herauswachsen,ȱerfolgreichȱzuȱbearbeiten.ȱÖkologischeȱProblemeȱerfordernȱ dasȱ Zusammenwirkenȱ vielerȱ Disziplinen,ȱ z.ȱB.ȱ Physik,ȱ Chemie,ȱ Biologie,ȱ Klimatologie,ȱaberȱauchȱSoziologieȱundȱPsychologie;ȱdieseȱtragenȱmitȱihremȱ disziplinärenȱWissenȱzuȱderenȱLösungȱbei,ȱwobeiȱesȱeinerȱklugenȱundȱeffiȬ zientenȱKoordination,ȱkeinerȱErweiterungȱoderȱTransformationȱderȱbeteiligȬ tenȱDisziplinenȱbedarf.ȱDieseȱsteuernȱbei,ȱwasȱsieȱwissen,ȱaberȱsieȱverändernȱ sichȱinȱihrenȱWissensȬȱundȱmethodologischenȱFormenȱnicht.ȱDieȱMöglichkeitȱ derȱVerschmelzungȱderȱDisziplinenȱistȱumsoȱgrößer,ȱjeȱkonkreterȱdasȱProjektȱ ist.ȱDasȱwirdȱbspw.ȱdeutlich,ȱwennȱundȱsoweitȱdieȱTheorienbildungȱƺȱwieȱimȱ SFBȱ700ȱƺȱaufȱderȱPrämisseȱerfolgt,ȱdassȱstaatlicheȱMonopoleȱnichtȱexistieren.ȱ Auchȱ wennȱ Transdisziplinaritätȱ mehrȱ alsȱ Forschungsperspektiveȱ undȱ Wissenschaftsorganisationȱ undȱ nichtȱ soȱ sehrȱ alsȱ gemeinsameȱ theoretischeȱ Perspektiveȱ derȱ inȱ ihrȱ verbundenenȱ Disziplinenȱ zuȱ verstehenȱ ist,ȱ sindȱ durchausȱmethodischeȱGrundstrukturenȱ imȱVorgehenȱ zuȱ beobachten:ȱDerȱ faktischeȱProzessȱsiehtȱimȱbestenȱFalleȱsoȱaus,ȱdassȱsichȱdieȱDisziplinaritäten,ȱ repräsentiertȱdurchȱunterschiedlicheȱdisziplinäreȱKompetenzen,ȱaneinanderȱ abarbeitenȱƺȱvonȱreinȱdisziplinärȱbestimmtenȱerstenȱEntwürfenȱüberȱwiederȬ holteȱÜberarbeitungenȱunterȱwechselndenȱdisziplinärenȱAspektenȱzuȱeinemȱ gemeinsamenȱText.ȱDasȱMethodischeȱanȱdieserȱpraktischenȱTransdisziplinaȬ ritätȱ liegtȱ inȱdessenȱargumentativerȱErzeugungȱundȱdenȱdabeiȱunterscheidȬ barenȱStufenȱimȱProduktionsprozess.ȱ NochȱeinenȱSchrittȱweiterȱgehtȱdieȱvonȱMittelstraßȱ(2005:ȱ21f.)ȱalsȱmethoȬ dischȱ gekennzeichneteȱ innerwissenschaftlicheȱ Transdisziplinarität.ȱ Auchȱ dieseȱstütztȱsichȱzwarȱƺȱsoȱMittelstraßȱ(2005:ȱ23)ȱƺȱ„aufȱdisziplinäreȱKompeȬ tenzen,ȱbeziehtȱdieseȱaberȱnichtȱaufȱdisziplinäreȱGegenständeȱundȱkonstituȬ iertȱaufȱdieseȱWeiseȱeineȱneueȱ‚Disziplinaritätȇ,ȱdieȱsichȱgegenüberȱdenȱAusȬ gangsdisziplinaritätenȱ alsȱTransdisziplinaritätȱ erweist.“ȱDabeiȱ trittȱdasȱ geȬ 20ȱ SybilleȱDeȱLaȱRosa/MatthiasȱKötterȱ meinsamȱ verfolgteȱ Forschungsprogrammȱ aberȱ ausȱ denȱ üblichenȱ disȬ ziplinärenȱBestimmungenȱheraus,ȱentwickeltȱeigeneȱArbeitsformenȱundȱverȬ ändertȱmitȱdiesenȱƺȱundȱderȱihnenȱzugrundeȱliegendenȱProblemkonstitutionȱ ƺȱ auchȱdieȱ involviertenȱDisziplinaritäten.ȱDasȱheißt,ȱ inȱdenȱGrenzenȱ einerȱ transdisziplinärenȱEntwicklungȱbleibenȱauchȱdieȱDisziplinenȱnichtȱdas,ȱwasȱ sieȱwaren,ȱzumindestȱverändernȱsichȱ ihreȱmethodischenȱundȱ theoretischenȱ Orientierungen.ȱNichtȱnurȱdieȱTheorienȱimȱengerenȱSinne,ȱauchȱdieȱDiszipliȬ nenȱselbstȱwerdenȱ inȱdenȱForschungsȬȱundȱWissenschaftsprozessȱhineingeȬ zogenȱ ƺȱ aufȱ eineȱ methodischȱ rekonstruierbareȱ Weise.ȱ Idealerweiseȱ wirdȱ transdisziplinäreȱForschungȱ inȱdiesemȱSinneȱ charakterisiertȱdurchȱ einȱ einȬ heitlichesȱErkenntnisinteresseȱmitȱBlickȱaufȱeinenȱeinheitlichenȱGegenstand,ȱ einenȱ einheitlichenȱ Zugriffȱ bzw.ȱ eineȱ einheitlicheȱ Forschungsperspektiveȱ undȱsichȱergänzendeȱMethoden,ȱundȱd.ȱh.ȱ(einen)ȱeinheitliche(n)ȱDiskurs(e),ȱ derȱoderȱdieȱzuȱeinerȱKanonisierungȱbeitragen.ȱ Mitȱ demȱ Begriffȱ derȱ methodischenȱ Transdisziplinaritätȱ beschreibtȱ MitȬ telstraßȱdamitȱeineȱdisziplinäreȱVerselbständigung,ȱwieȱwirȱsieȱbeiȱderȱGoȬ vernanceforschungȱfinden.ȱAusgehendȱvonȱderȱEmpirieȱderȱErbringungȱkolȬ lektiverȱGüterȱdurchȱeineȱAkteursmehrheitȱsuchtȱdieȱGovernanceforschungȱ imȱdisziplinärenȱZusammenwirkenȱnachȱAussagenȱundȱModellen,ȱdieȱkonȬ textübergreifendȱ Erklärungswertȱ besitzen,ȱ d.ȱh.ȱ dieȱ Governanceȱ imȱ Staatȱ ebensoȱwieȱ imȱMehrebenensystemȱoderȱ aberȱ inȱRäumenȱbegrenzterȱ StaatȬ lichkeitȱbeschreibenȱkönnen.ȱAufȱ einerȱTheorieebeneȱ reflektiertȱdieȱGoverȬ nanceforschungȱdasȱErklärungspotenzialȱundȱdieȱGrenzenȱihrerȱBegriffeȱundȱ schafftȱ soȱ eineȱ gemeinsameȱTheorie,ȱ inȱdieȱ sichȱdieȱ einzelnenȱDisziplinenȱ einbringen.ȱMitȱBlickȱaufȱdieȱ„neuen“ȱFragestellungenȱentstehtȱeinȱ spezifiȬ scherȱKanonȱvonȱMethodenȱ–ȱderȱbspw.ȱdieȱVerbindungȱvonȱ empirischenȱ undȱtheoretischenȱMethodenȱermöglichtȱ–,ȱundȱeinȱDiskursȱ(dasȱinȱderȱGoȬ vernanceforschungȱ „Sagbare“ȱundȱ seineȱGrenzen),ȱderȱ bestimmteȱ zentraleȱ FragenȱundȱTopoiȱausbildetȱundȱzuȱeinerȱKanonisierungȱbeiträgt.ȱ DenȱMöglichkeitenȱderȱTransdisziplinaritätȱkorrespondierenȱdabeiȱneueȱ GrenzenȱoderȱblindeȱFlecken.ȱDennȱindemȱdieȱGovernanceforschungȱeigeneȱ Themen,ȱPerspektiven,ȱMethodenȱundȱDiskurseȱundȱKanonsȱausbildet,ȱmussȱ sieȱsichȱeinȱStückȱweitȱvonȱdenȱursprünglichenȱDisziplinenȱabkoppeln,ȱwasȱ einenȱpartiellenȱVerlustȱderȱAnschlussfähigkeitȱzuȱdenȱFragestellungenȱundȱ Herangehensweisenȱ derȱ Herkunftsdisziplinȱ zurȱ Folgeȱ hat.ȱ Dieȱ TransdisȬ ziplinierungȱerfolgtȱallerdingsȱimmerȱnurȱpunktuell,ȱd.ȱh.ȱdassȱdieȱDiszipliȬ nenȱnichtȱalsȱGanzeȱauftauchen.ȱ Inȱ ihremȱ transdisziplinärenȱZugriffȱreflekȬ tiertȱdieȱGovernanceforschungȱaufȱ ihrerȱSucheȱnachȱeinerȱderȱbeobachtetenȱ Wirklichkeitȱ gerechtȱ werdendenȱ Begrifflichkeitȱ immerȱ auchȱ dieȱ Grenzenȱ bzw.ȱ dieȱ Begrenztheitȱ disziplinärerȱ Theorienȱ undȱ Begriffe.ȱ Ihrȱ AusgangsȬ punktȱ sindȱ allerdingsȱdieȱPhänomeneȱundȱnichtȱdiskursiveȱVorstrukturieȬ rungenȱ derȱ beteiligtenȱ Disziplinen.ȱ Transdisziplinäreȱ Forschungȱ istȱ damitȱ Governance(‐forschung) im Kontext der Disziplinen  21   dynamisch,  ihr wohnt  ein Erneuerungsbias  inne, der  im besten Fall  in die  beteiligten Disziplinen zurückwirkt und dort als Stimulans für Erneuerung  begriffen wird.  Das gemeinsame Projekt der Erforschung der Ko‐Produktion von gesell‐ schaftlicher Ordnung und der Erbringung kollektiver Güter durch den Staat,  an seiner Stelle oder mit ihm beschäftigt die beteiligten Disziplinen in  je ei‐ gener Art und auf eine Weise, die sich von deren hergebrachtem Vorgehen  unterscheidet.  Die  Verknüpfung  von  empirischer  und  analytischer  For‐ schung mit der Theorie und der Ausbildung eines spezifischen Begriffsap‐ parates  ist dabei gerade gewollt. Zu beobachten  ist die Ausdifferenzierung  einer Reflexionsperspektive  für die Ergebnisse dieser  Forschung,  eine Go‐ vernance‐Theorie,  die  die  einzelnen  Befunde  systematisiert  und  auf  einer  weiteren Abstraktionsebene eine begriffliche Klammer um sie bildet. Wenn  die Beiträge zu dem vorliegenden Sammelband diese Eigenständigkeit der  Governance‐Perspektive betonen, dann verstehen sie sich doch immer auch  als Beiträge zu den an der Governanceforschung beteiligten Disziplinen der  Politik‐, Geschichts‐, Rechts‐ und Wirtschaftswissenschaften. Mit der Gover‐ nanceforschung scheint erstmals wieder seit den Hochzeiten der Staatswis‐ senschaft  im ersten Drittel des 19.  Jahrhunderts (Schuppert 2003: 31  ff.) ein  stark  interdisziplinär  verdichteter  Forschungsstrang  zu  Fragen  sozialer  Ordnung entstanden zu sein. Es  ist eine Kanonisierung von Klassiker‐ und  Neo‐Klassikerliteratur  zu  beobachten.  Es  erscheint  deshalb  nicht  übertrie‐ ben, von einer Transdisziplin zu sprechen, bei der sich die Perspektiven und  Methoden der Einzeldisziplinen in einer Weise überkreuzen, dass sie sich zu  einem  bestimmten  Grade  von  ihren  Herkunftsdisziplinen  verselbständigt  haben. Der  intradisziplinäre  Begriffs‐  und Methodenpluralismus  ist  dabei  insofern unproblematisch,  als  er  sich  von der Vielfalt  anderer Disziplinen  nicht unterscheidet.  Grenzen der  transdisziplinären Governanceforschung bestehen  in zwei‐ facher Hinsicht:  in konzeptioneller Hinsicht bei der Präzisierung  ihrer Be‐ griffe wegen der unterschiedlichen Forschungsperspektiven der Disziplinen,  und bei zu starker Engführung der Begriffe hinsichtlich der Integrationskraft  des Konzepts. Letzteres kann sogar zu verschiedenen, teilweise unvereinba‐ ren  Governancebegriffen  führen.  Gleichzeitig  ist  zu  bedenken,  dass  eine  Verständigung auch bei einer gemeinsamen Sprache höchst unwahrschein‐ lich  ist. Diese Erkenntnis der Theorien  zum  linguistic  turn  lässt  sich dabei  durchaus als Chance verstehen: Weniger Verständnis  als von den  eigenen  Leuten ist auch von den anderen nicht zu erwarten!   Die  transdisziplinäre  Forschung  zu Governance  in Räumen  begrenzter  Staatlichkeit hat  eine Reihe von Problemstellungen hervorgebracht,  an de‐ nen sich die Geschichts‐, die Rechts‐ und die Politik‐ und Sozialwissenschaf‐ ten  jeweils unterschiedlich abarbeiten, wenn sie (einen) Aspekt(e) der Kon‐ 22  Sybille De La Rosa/Matthias Kötter  zeptualisierung von Ordnung jenseits des mit dem modernen Staat verbun‐ denen  Institutionenkanons beschreiben und analysieren. Die  folgende Dar‐ stellung benennt diese Problemstellungen, die über die  in diesem Buch be‐ handelten Fragen hinausgehen.  3. Problemfelder der Untersuchung von Governance in   Räumen begrenzter Staatlichkeit  3.1. Governance in „Räumen begrenzter Staatlichkeit“  Governance  in  „Räumen  begrenzter  Staatlichkeit“  begrenzt  den  For‐ schungsgegenstand auf ganz bestimmte Ordnungs‐ und Herrschaftskontex‐ te: Untersucht wird nicht Governance in Räumen voll ausgebildeter und gut  funktionierender Staatlichkeit, untersucht wird  auch nicht der Bereich des  Zusammenwirkens von Staaten in Mehrebenenintegrationsystemen wie der  Europäischen Union. Der Fokus liegt vielmehr ganz entschieden auf solchen  Räumen,  in denen die soziale Ordnungsbildung andere Governanceformen  jenseits der Staatlichkeit hervorgebracht hat und wo bestenfalls ein Zusam‐ menspiel  staatlicher  und  anderer  Akteure  zu  beobachten  ist.  Räume  be‐ grenzter  Staatlichkeit  in  diesem  Sinne  können  durchaus  im  Inneren  von  Staaten liegen. Charakteristisch ist jedoch, dass der Staat zumindest teilwei‐ se und systematisch nicht in der Lage ist, politische Entscheidungen effektiv  durchzusetzen, sei es in Teilen des Territoriums, sei es in Sachbereichen der  Politik (Risse 2007: 10). Der (Rest‐)Staat ist als Akteur regelmäßig präsent, es  kommt ihm aber keine zentrale (Monopol‐)Stellung zu.  Bei der Untersuchung  solcher Ordnungs‐ und Herrschaftskonfiguratio‐ nen jenseits des Staates bleibt der Staatsbias der im Kontext des Staates ent‐ wickelten  Begriffe,  Perspektiven  und  Fragestellungen  der  Governancefor‐ schung ein zentrales theoretisches Problem (insb. Mayntz 2008 i. E.). Gover‐ nanceforschung zu Räumen begrenzter Staatlichkeit macht es deshalb erfor‐ derlich, diesen Staatsbias disziplinübergreifend zu reflektieren, um gemein‐ sam Begriffe zu entwickeln, die den alternativen Governanceformen ange‐ messen sind. In diesem Sinne ist es erforderlich, gemeinsam – und d. h. dis‐ ziplinübergreifend – hinter den Staat zu blicken, um zu erkennen, inwieweit  Beschreibungsmuster  und  normative  Maßstäbe  der  politikwissenschaftli‐ chen Forschung nicht nur im Kontext des modernen Verfassungsstaates ent‐ standen sind, und darüber hinausgehend anzuerkennen, dass sie in anderen  historischen und  sozio‐kulturellen Kontexten nur  eine begrenzte Aussage‐ kraft besitzen. Die Governanceforschung macht es zu Forschungsfragen, wer  welche kollektiven Güter wie und unter welchen Bedingungen  in  solchen  Governance(Ȭforschung)ȱimȱKontextȱderȱDisziplinenȱ 23ȱȱ Räumenȱ bereitstellt,ȱ wobeiȱ sieȱ dieȱ Staatszentriertheitȱ frühererȱ Ansätzeȱ zuȱ überwindenȱsucht,ȱindemȱsieȱdenȱStaatsbiasȱihrerȱBegriffeȱminimiert.ȱȱ ImȱtransdisziplinärenȱGesprächȱüberȱGovernanceȱ inȱRäumenȱbegrenzterȱ Staatlichkeitȱhabenȱ sichȱ imȱWesentlichenȱdreiȱProblembereicheȱherauskrisȬ tallisiert,ȱ denenȱ sichȱ dieȱ einzelnenȱ Fragestellungenȱ zuordnenȱ lassen:ȱ Sieȱ betreffenȱ(1)ȱdieȱHistorizitätȱundȱKulturalitätȱbestimmterȱAusprägungenȱvonȱ GovernanceȱundȱdasȱhierausȱresultierendeȱProblemȱderȱVergleichbarkeit,ȱ(2)ȱ dieȱBedeutungȱdesȱStaatesȱfürȱdieȱGovernanceforschungȱundȱdieȱFrageȱdesȱ (unȬ)überwindbarenȱ Staatsbiasȱ ihrerȱ Begriffeȱ undȱ (3)ȱ dieȱ Frageȱ nachȱ denȱ konkretenȱ Erscheinungenȱ vonȱ Governanceȱ undȱ derenȱ institutionellerȱ undȱ Prozessdimension.ȱ Dieȱ Beiträgeȱ desȱ vorliegendenȱ Bandesȱ diskutierenȱ einȬ zelneȱFacettenȱdieserȱübergreifendenȱFragestellungen,ȱ inȱdieȱsieȱ imȱFolgenȬ denȱkurzȱeingebettetȱwerdenȱsollen.ȱ 3.2.ȱHistorischeȱundȱkulturelleȱKontingenzȱvonȱOrdnungȱundȱHerrschaft:ȱȱ SpielräumeȱvergleichenderȱGovernanceforschungȱ StehtȱdasȱGovernancekonzeptȱallgemeinȱfürȱdieȱKoȬProduktionȱgesellschaftȬ licherȱOrdnung,ȱdannȱlassenȱsichȱmitȱihmȱsowohlȱhistorischeȱOrdnungskonȬ figurationenȱuntersuchen,ȱalsȱauchȱganzȱunterschiedlicheȱkulturellȱbedingteȱ AusprägungenȱsozialerȱOrdnung.ȱAusȱdieserȱPerspektiveȱerscheintȱderȱmoȬ derneȱStaatȱlediglichȱalsȱeineȱ–ȱwennȱauchȱbesondersȱerfolgreicheȱ–ȱAuspräȬ gungȱ solcherȱhistorischȱkontingenterȱKonfigurationen.ȱDieȱGovernanceforȬ schungȱermöglichtȱdabeiȱsowohlȱdieȱAnalyseȱverschiedenerȱKonfigurationenȱ anhandȱeinheitlicherȱKriterienȱ–ȱdieȱsichȱüberȱeinȱMappingȱerschließenȱ lasȬ senȱ (vgl.ȱKötterȱ2007)ȱ–ȱalsȱauchȱdenȱsynchronenȱundȱdenȱdiachronenȱVerȬ gleich.ȱSchwierigkeitenȱtretenȱhierbeiȱinȱdoppelterȱHinsichtȱauf:ȱBeiȱderȱFraȬ geȱnachȱdemȱ legitimenȱVergleich,ȱd.ȱh.ȱderȱVergleichbarkeitȱ sozialerȱOrdȬ nungenȱundȱihrerȱKontexteȱ(„ÄpfelȱundȱBirnen“,ȱvgl.ȱLutz/Missfelder/Renzȱ 2006:ȱ 10ff.).ȱ Sieȱ richtetȱ sichȱ letztlichȱ aufȱdieȱVergleichsebenenȱundȱdieȱBeȬ stimmungȱeinesȱgeeignetenȱtertiumȱcomparationis,ȱanȱdemȱderȱVergleichȱentȬ langȱzuȱführenȱist.5ȱSchwierigerȱgestaltetȱsichȱdieȱFrageȱnachȱderȱgenerellenȱ ÜbertragbarkeitȱvonȱBegriffen,ȱd.ȱh.ȱnachȱihremȱBeschreibungswertȱinȱandeȬ renȱKontexten.ȱ TypischeȱThemenȱeinerȱhistorischenȱGovernanceforschungȱwärenȱbspw.ȱ eineȱGeschichteȱmodernerȱStaaten,ȱdieȱGeneseȱvonȱStaatlichkeitȱalsȱsolcherȱ oderȱdieȱEntstehungȱderȱRechtsstaatlichkeit.ȱDerȱZusammenhangȱvonȱStaatȱ undȱvonȱalternativenȱOrdnungskonfigurationenȱwirdȱdabeiȱ selbstȱzurȱForȬ schungsfrage:ȱAbȱwannȱlässtȱsichȱvonȱeinemȱZeitalterȱderȱStaatlichkeitȱspreȬ chenȱundȱwelcheȱEntwicklungȱderȱgesellschaftlichenȱVerhältnisseȱbedingteȱ ȱ 5 Zu Transfer und Vergleich in der Methodendiskussion der Geschichtswissenschaft Kaelble 2003; Conrad/Eckert 2007. 24ȱ SybilleȱDeȱLaȱRosa/MatthiasȱKötterȱ dies?ȱIstȱhistorischȱvonȱeinerȱPhaseȱderȱStaatlichkeitȱauszugehen,ȱanȱdieȱsichȱ nunȱ infolgeȱ vonȱ Entstaatlichungsphänomenenȱ eineȱ Phaseȱ derȱGovernanceȱ anschließt,ȱsoȱdassȱGovernanceȱalsȱvomȱStaatȱabgeleiteteȱOrganisationsformȱ zuȱverstehenȱwäreȱ (Göhlerȱetȱal.ȱ2007),ȱoderȱ lässtȱsichȱGovernanceȱalsȱeineȱ gegenüberȱdemȱStaatȱallgemeinereȱFormȱderȱErbringungȱkollektiverȱGüterȱ verstehen,ȱdieȱauchȱderȱGovernanceȱimȱStaatȱzugrundeȱliegt?ȱ DerȱGegenstandȱderȱhistorischenȱGovernanceforschungȱistȱkeinesfallsȱaufȱ eineȱStaat(lichkeit)sgeschichteȱbeschränkt.ȱGanzȱallgemeinȱuntersuchtȱsieȱdasȱ VerhältnisȱvonȱHerrschaftȱundȱOrdnungȱinȱhistorischenȱKontexten,ȱidentifiȬ ziertȱ verschiedeneȱ HerrschaftsȬȱ undȱ Ordnungsformenȱ undȱ derenȱ ZusamȬ menspielȱundȱbewertetȱ ihreȱFunktionȱbeiȱderȱEntstehungȱneuerȱOrdnungsȬ formenȱ(Lehmkuhlȱ2007).ȱIstȱdieȱSchabloneȱnichtȱderȱStaatȱsondernȱƺȱvielȱallȬ gemeinerȱƺȱpolitischeȱOrdnungȱimȱSinneȱvonȱstrukturiertemȱsozialenȱVerhalȬ ten,ȱdannȱverändertȱsichȱderȱnormativeȱBiasȱderȱFragestellung,ȱderȱsichȱkeiȬ nesfallsȱbeseitigenȱlässt.ȱDennȱjedeȱBeobachtungȱbasiertȱaufȱsozialȱbzw.ȱkulȬ turellȱdeterminiertenȱKategorien,ȱwelcheȱdenȱBeobachtungsgegenstandȱbzw.ȱ dessenȱWahrnehmungȱ strukturierenȱ (Berger/Luckmannȱ1969:ȱ200ȱ f;ȱHaberȬ masȱ1995:ȱ182Ȭ228).ȱDarüberȱhinausȱstelltȱderȱGovernancebegriffȱ inhaltlicheȱ MindestanforderungenȱanȱdieseȱOrdnung.ȱEbensoȱwieȱGovernanceȱistȱOrdȬ nungȱeinȱ„dichterȱBegriff“ȱinȱdemȱdieȱdeskriptiveȱundȱdieȱnormativeȱEbeneȱ nichtȱ zuȱ trennenȱ sindȱ (zumȱ minimalȱ normativenȱ Governancebegriffȱ LadȬ wigȱetȱal.ȱ2007:ȱ9).ȱ DieȱBeschreibungȱundȱIdentifizierungȱhistorischerȱOrdnungsȬȱundȱRegieȬ rungsformen,ȱdieȱteilweiseȱbisȱinȱdieȱGegenwartȱhineinȱreichen,ȱverweistȱaufȱ einenȱ Erfahrungspoolȱ bzw.ȱ einȱ Archiv,ȱ ausȱ welchemȱ dieȱ GovernanceforȬ schungȱwichtigeȱErkenntnisseȱgenerierenȱkannȱ (Conradȱ2007:ȱ147).ȱDieȱhisȬ torischeȱGovernanceforschungȱreflektiertȱhistorischeȱFormenȱdesȱRegierens,ȱ vergleichtȱundȱ systematisiertȱdieseȱundȱ bildetȱTypologienȱ vonȱOrdnungsȬ konfigurationen,ȱ inȱ dieȱ sichȱ dieȱ Gegenwartȱ derȱ –ȱ nichtȱ nurȱ begrenztenȱ –ȱ Staatlichkeitȱ einfügt.ȱ Inȱ diesemȱ Sinneȱ beschreibtȱ derȱ Beitragȱ vonȱ MarȬ kusȱMüllerȱ inȱdiesemȱBandȱdieȱSicherheitsgewährleistungȱ inȱMexicoȱdurchȱ denȱZentralstaatȱundȱdurchȱperiphereȱMachthaberȱinȱverschiedenenȱhistoriȬ schenȱPhasenȱmitȱBlickȱaufȱdieȱbeiȱdiesemȱZusammenwirkenȱentstehendenȱ informellenȱ Herrschaftsarrangements,ȱ dieȱ letztlichȱ fürȱ dieȱ Effektivitätȱ derȱ SicherheitȱundȱderȱHerrschaftȱentscheidendȱsind.ȱDassȱdieȱAbhängigkeitȱderȱ mexikanischenȱ Zentralregierungȱ vonȱ denȱ lokalenȱ Machthabernȱ widerȱ ErȬ wartenȱnichtȱzurȱDelegitimierungȱdesȱStaatesȱführtȱsondernȱimȱlateinameriȬ kanischenȱVergleichȱ vielmehrȱ eineȱ erstaunlicheȱ politischeȱ Stabilitätȱ garanȬ tiert,ȱeröffnetȱdenȱBlickȱu.ȱa.ȱaufȱganzȱneueȱLegitimitätsmodelle.ȱ InȱganzȱähnlicherȱWeiseȱeröffnetȱderȱBeitragȱvonȱHeéȱundȱSchaperȱüberȱ deutscheȱ Herrschaftȱ inȱ denȱ afrikanischenȱ Kolonienȱ undȱ japanischeȱ HerrȬ schaftȱinȱderȱKolonieȱTaiwanȱdenȱBlickȱaufȱzweierlei:ȱZumȱeinenȱaufȱspezifiȬ Governance(Ȭforschung)ȱimȱKontextȱderȱDisziplinenȱ 25ȱȱ scheȱGovernanceformenȱderȱKolonialisierung.ȱDerȱFokusȱliegtȱaufȱderȱInterȬ aktionȱzwischenȱstaatlichenȱundȱnichtȬstaatlichenȱAkteurenȱundȱdenȱAsymȬ metrienȱzwischenȱKolonisierendenȱundȱKolonisiertenȱbeiȱderȱKonstituierungȱ vonȱRaumȱdurchȱHerrschaft.ȱWährendȱdasȱEindringenȱderȱjeweiligenȱAkteuȬ reȱinȱdenȱkolonialenȱRaumȱüberȱdenȱökonomischenȱNutzenȱundȱdiskursiveȱ Praktikenȱlegitimiertȱwurde,ȱerfolgteȱderȱherrschaftlicheȱZugriffȱundȱdieȱAnȬ eignungȱdesȱkolonialenȱRaumsȱüberȱdieȱVermessungȱundȱErschließungȱdesȱ TerritoriumsȱundȱdieȱsymbolischeȱInbesitznahmeȱmittelsȱderȱÄnderungȱvonȱ OrtsnamenȱoderȱderȱErrichtungȱvonȱBautenȱoderȱDenkmälern.ȱZumȱanderenȱ zeigtȱderȱsynchroneȱVergleichȱbeiderȱhistorischerȱKonfigurationen,ȱdassȱdieȱ PräsenzȱderȱRegierendenȱ innerhalbȱderȱkolonialenȱGebieteȱzwarȱstarkȱvariȬ ierte,ȱdassȱsichȱaberȱauchȱÄhnlichkeitenȱ finden,ȱdieȱaufȱhistorischeȱFormenȱ derȱColonialȱGovernanceȱ hinweisen,ȱwelcheȱPfadabhängigkeitenȱ ausbildeȬ ten,ȱanȱdieȱspätereȱVeränderungenȱanzuknüpfenȱhatten.ȱ ImȱGrundeȱstelltȱjedeȱgegenwärtigeȱGovernancekonfigurationȱdenȱletztenȱ StandȱderȱhistorischenȱEntwicklungȱinȱeinemȱkonkretenȱKontextȱdar,ȱwasȱbeiȱ einemȱ kulturübergreifendenȱ oderȱ ȬvergleichendenȱZugriffȱ aufȱGovernanceȱ immerȱmitzubedenkenȱist.ȱErforderlichȱistȱeineȱReferentialisierung,ȱumȱdemȱ Abgebildetenȱgerechtȱzuȱwerden,ȱwobeiȱsichȱimmerȱdasȱmethodischeȱProbȬ lemȱdesȱillegitimenȱSuchensȱundȱWiedererkennensȱdesȱEigenenȱimȱFremdenȱ stellt,ȱwennȱBegriffeȱeinfachȱübertragenȱwerden.ȱEsȱsindȱKategorienȱfürȱdasȱ Fremdeȱzuȱfinden,ȱdieȱdiesemȱgerechtȱwerden.ȱȱ Dieȱ Übertragbarkeitȱ vonȱ Begriffenȱ istȱ umsoȱ problematischer,ȱ wennȱ sieȱ sichȱaufȱvormalsȱexportierteȱKonzepteȱbeziehen,ȱdieȱ imȱWegeȱvonȱTransferȱ undȱAneignungsprozessenȱzuȱvölligȱneuenȱKonfigurationenȱgeführtȱhaben.ȱ InȱdiesemȱSinneȱverweistȱdeȱLaȱRosaȱmitȱRekursȱaufȱdieȱDebatteȱumȱMultipȬ leȱ Modernenȱ aufȱ dasȱ Problemȱ asymmetrischerȱ Kommunikationsformen,ȱ welchesȱinȱAnknüpfungȱanȱdieȱPostkolonialeȱTheorieȱauchȱdortȱberücksichȬ tigtȱwerdenȱmuss,ȱwoȱForschungsergebnisseȱalsȱHandlungsanleitungenȱzurȱ Problembewältigungȱ inȱ Räumenȱ begrenzterȱ Staatlichkeitȱ herangezogenȱ werdenȱundȱzwischenȱAkteurenȱvermittelnȱsollen.ȱSieȱargumentiert,ȱdassȱinȱ Anknüpfungȱ anȱ dieȱ Debatteȱ umȱ Multipleȱ Modernen,ȱ dieȱ interkulturelleȱ Hermeneutikȱ undȱ dieȱ Postkolonialeȱ Theorieȱ einȱ Kommunikationskonzeptȱ entwickeltȱwerdenȱmuss,ȱwelchesȱ basierendȱ aufȱ denȱ Begriffenȱ derȱAneigȬ nungȱundȱderȱAnnäherungȱverschiedeneȱModiȱderȱKommunikationȱaufzeigtȱ undȱ Gründeȱ fürȱ derenȱ normativeȱ Bewertungȱ nennt.ȱ Einȱ solchesȱ Konzeptȱ ermöglichtȱesȱderȱGovernanceforschung,ȱsichȱüberȱHerrschaftsȬȱundȱMachtȬ aspekteȱKlarheitȱ zuȱ verschaffenȱundȱderȱGefahrȱdesȱNeokolonialismusȱ zuȱ begegnen.ȱ DieȱGovernanceforschungȱmussȱeinerseitsȱAntwortenȱaufȱdieȱerkenntnisȬ theoretischeȱFrageȱfinden,ȱwieȱundȱobȱsieȱihreȱanalytischenȱundȱnormativenȱ KategorienȱvonȱwestlichenȱoderȱeurozentrischenȱAnnahmenȱbefreienȱkann,ȱ 26ȱ SybilleȱDeȱLaȱRosa/MatthiasȱKötterȱ andererseitsȱmussȱsieȱklären,ȱaufȱwelchenȱEbenenȱderȱInteraktionȱdasȱProbȬ lemȱdesȱEurozentrismusȱrelevantȱwird.ȱNachȱderȱAnalyseȱDraudesȱnutztȱdieȱ westlicheȱ Governanceforschungȱ dieȱ Offenheitȱ ihrerȱ Governancedefinitionȱ nicht,ȱsondernȱsieȱbeschränktȱihreȱeigeneȱPerspektiveȱaufȱdasȱRegierenȱdurchȱ dieȱFokussierungȱaufȱdenȱStaatȱalsȱdenȱzentralenȱAkteur.ȱZurȱÜberwindungȱ desȱ eurozentrischenȱBlicksȱ schlägtȱ sieȱ inȱAnlehnungȱ anȱdieȱ Systemtheorieȱ Luhmannsȱ einȱ äquivalenzfunktionalistischesȱ Vorgehenȱ vor,ȱ dasȱ aufȱ regieȬ rungsrelevanteȱ Funktionenȱ anstattȱ aufȱAkteurstypenȱ abstelle,ȱumȱ einȱVerȬ gleichskriteriumȱfürȱfunktionalȱäquivalenteȱAkteureȱundȱHandlungsmodiȱzuȱ eröffnenȱ undȱ dieȱ „Reisefähigkeit“ȱ (Risseȱ2007)ȱ desȱ Governancebegriffsȱ inȱ KontexteȱjenseitsȱdesȱStaatesȱzuȱermöglichen.ȱ DieȱäquivalenzfunktionalistischeȱMethodeȱeröffnetȱdenȱZugangȱzuȱalterȬ nativenȱ Formenȱ vonȱ Ordnungȱ undȱ Herrschaft.ȱ Inȱ einemȱ weitergehendenȱ Schrittȱwirdȱdieȱ spezifischeȱTypikȱdieserȱ FormenȱvonȱGovernanceȱ jenseitsȱ desȱ Staatesȱdannȱvölligȱ losgelöstȱvomȱundȱ selbständigȱnebenȱdemȱGoverȬ nancemodellȱStaatȱzuȱuntersuchenȱsein.ȱDieȱUntersuchungsperspektiveȱhatȱ sichȱdannȱsoȱweitgehendȱwieȱmöglichȱvonȱdemȱStaatsbiasȱzuȱbefreien,ȱumȱ denȱBlickȱfürȱandereȱ–ȱhistorischȱkontingenteȱ–ȱGovernanceformenȱnichtȱzuȱ verdeckenȱ(ausführlichȱKötterȱ2008ȱi.ȱE.).ȱ 3.3.ȱReallokationȱvonȱHerrschaftȱundȱMacht:ȱȱ GovernanceforschungȱinȱAbgrenzungȱvomȱStaatȱ DieȱAllgegenwartȱdesȱStaatesȱinȱihrenȱBegriffen,ȱPerspektivenȱundȱFragestelȬ lungenȱ istȱeinȱzentralesȱProblemȱderȱ(transdisziplinären)ȱForschungȱzuȱGoȬ vernanceȱ inȱRäumenȱ begrenzterȱ Staatlichkeit.ȱ Sieȱ betrifftȱdieȱArbeitenȱderȱ GeschichtsȬ,ȱRechtsȬȱundȱPolitikwissenschaftenȱgleichermaßen.ȱDieȱVerhältȬ nisbestimmungȱvonȱGovernanceȱzurȱStaatlichkeitȱhatȱsichȱimmerȱwiederȱanȱ denȱ imȱKontextȱdesȱStaatesȱgeprägtenȱBegriffenȱzuȱ reiben.ȱSelbstȱdasȱVerȬ hältnisȱdesȱKollektivs,ȱaufȱdasȱsichȱGovernanceleistungenȱbeziehen,ȱzuȱdenȱ Governanceakteurenȱ lässtȱsichȱnurȱschwerȱohneȱdieȱVorprägungȱdurchȱdieȱ hergebrachteȱUnterscheidungȱvonȱStaatȱundȱGesellschaftȱdenken.ȱZentralȱistȱ dieȱFrage,ȱobȱgesellschaftlicheȱOrdnungenȱdenȱStaatȱalsȱIntegrationszentrumȱ voraussetzenȱ(vgl.ȱBörzelȱ2008ȱi.ȱE.;ȱJugovȱ2008ȱinȱdiesemȱBand),ȱoderȱobȱsichȱ politischeȱ Verbändeȱ anhandȱ ganzȱ verschiedenerȱ Integrationsmodiȱ herausȬ bildenȱkönnen,ȱdieȱnichtȱaufȱdenȱStaatȱalsȱProjektionsflächeȱangewiesenȱsind,ȱ sondernȱ sichȱ auchȱ aufȱ andereȱ politischeȱ Institutionenȱ alsȱ Ausdruckȱ ihrerȱ Verbundenheitȱbeziehenȱkönnenȱ(Schmelzleȱ2008ȱinȱdiesemȱBand).ȱ WennȱmitȱneuerenȱempirischeȱAnalysenȱdavonȱauszugehenȱist,ȱdassȱdieȱ RolleȱundȱFunktionȱdesȱStaatesȱ–ȱ soweitȱerȱüberhauptȱ identifiziertȱwerdenȱ kannȱ –ȱ oftȱ eineȱ ganzȱ andereȱ alsȱ inȱwestlichenȱKontextenȱ istȱ (vgl.ȱBarnett/ȱ Zürcherȱ2006;ȱZürcherȱ2007),ȱweilȱerȱbspw.ȱlediglichȱalsȱeinȱVehikelȱzurȱErȬ Governance(Ȭforschung)ȱimȱKontextȱderȱDisziplinenȱ 27ȱȱ möglichungȱeinesȱbestimmtenȱGruppennutzensȱverstandenȱwird,ȱdannȱistȱesȱ geradeȱ Aufgabeȱ derȱ Governanceforschung,ȱ alternativeȱ analytischeȱ undȱ normativeȱKonzepteȱzuȱerarbeiten.ȱEntfälltȱderȱStaatȱalsȱAnknüpfungspunktȱ fürȱnormativeȱKonzepteȱderȱLetztverantwortung,ȱderȱBestimmungȱdesȱKolȬ lektivsȱundȱderȱ legitimenȱMachtȬȱundȱGewaltausübungȱ (vgl.ȱLadwigȱetȱal.ȱ 2007;ȱ Schmelzleȱ 2008ȱ inȱdiesemȱBand),ȱdannȱ hatȱ sieȱ zumȱ einenȱ empirischȱ nachȱ denȱ Akteurenȱ undȱ Institutionenȱ zuȱ fragen,ȱ dieȱ anstelleȱ desȱ Staatesȱ Ordnungȱ ermöglichen.ȱ Sieȱ setztȱ sichȱdabeiȱ aberȱdemȱVorwurfȱderȱMachtȬ blindheitȱaus,ȱsoweitȱsieȱdieȱNormativitätȱ ihrerȱAnalysebegriffeȱaufȱeinȱMiȬ nimumȱ reduziertȱ undȱ sichȱ einerȱ klarenȱ normativenȱ Bewertungȱ enthältȱ (Mayntzȱ2004:ȱ75).6ȱEsȱistȱdanachȱzuȱfragen,ȱwelcheȱFormenȱderȱMachtȱoderȱ derȱ Herrschaftȱ inȱ Räumenȱ begrenzterȱ Staatlichkeitȱ zuȱ erwartenȱ sind,ȱ wieȱ dieseȱnormativȱbewertetȱwerdenȱkönnenȱundȱobȱbzw.ȱwieȱ sichȱLegitimitätȱ undȱLegitimationȱunterȱdenȱBedingungenȱbegrenzterȱStaatlichkeitȱkonzepȬ tualisierenȱlassenȱ(Ladwigȱ2007;ȱKötterȱ2008ȱi.ȱE.).ȱ DieȱkonkretenȱMöglichkeitȱderȱVerankerungȱeinerȱexplizitenȱMachttheoȬ rieȱ inȱderȱGovernanceforschungȱuntersuchenȱHöppnerȱundȱNaglȱ amȱKonȬ zeptȱ derȱ Gouvernementalitätȱ imȱ Anschlussȱ anȱ Michelȱ Foucaultȱ (Foucaultȱ 2004a,ȱ2004b).ȱEineȱaufȱGovernanceȱundȱGouvernementalitätȱzurückgreifenȬ de,ȱverdoppelteȱPerspektiveȱkönnte,ȱsoȱdieȱThese,ȱdieȱinȱdemȱVergleichȱherȬ ausgearbeitetenȱblindenȱFleckenȱaufȱbeidenȱSeitenȱminimieren.ȱDieseȱverorȬ tenȱsieȱmitȱBlickȱaufȱdieȱGouvernementalitätsanalysenȱinȱderenȱvielfachȱabsȬ trakterȱundȱfürȱdieȱEntwicklungȱpolitischerȱHandlungsvorschlägeȱnichtȱhinȬ reichenderȱAusrichtung,ȱ inȱHinsichtȱaufȱdieȱGovernanceforschungȱ inȱderenȱ HerrschaftsȬȱundȱMachtblindheitȱ sowieȱ inȱderȱHypostasierungȱbestimmterȱ historischerȱFormenȱdesȱRegierens.ȱ DasȱKollektivȱbzw.ȱdieȱGesellschaftȱundȱdieȱFrageȱderȱ legitimatorischenȱ Rückbindungȱ vonȱ Governanceȱ stehenȱ imȱ Mittelpunktȱ derȱ Beiträgeȱ vonȱ SchmelzleȱundȱJugov.ȱAusgehendȱvonȱderȱPrämisse,ȱdassȱdurchȱdieȱPluraliȬ sierungȱderȱAkteureȱdieȱEntkopplungȱderȱdemȱNationalstaatȱzugrundeȱ lieȬ gendenȱ Triasȱ vonȱ Regelungsstrukturen,ȱ Regelungsadressatenȱ undȱ RegeȬ lungsempfängernȱ einhergeht,ȱ fragtȱ Schmelzeȱ einerseitsȱ danach,ȱ welcheȱ normativenȱMaßstäbeȱdasȱGovernanceȬKonzeptȱnochȱanlegenȱkannȱundȱwieȱ sichȱdieseȱvonȱ jenenȱstaatlichenȱRegierensȱunterscheiden.ȱAndererseitsȱverȬ folgtȱerȱdieȱFrage,ȱwemȱgegenüberȱsichȱGovernanceȬAkteureȱzuȱrechtfertigenȱ habenȱundȱ fürȱwenȱ sieȱLeistungenȱ erbringen.ȱDabeiȱunterscheidetȱ erȱ zweiȱ EbenenȱderȱLegitimität:ȱvertikaleȱLegitimität,ȱdieȱdieȱArtȱundȱWeiseȱbetrifft,ȱ inȱderȱregiertȱwird,ȱundȱhorizontale,ȱdieȱsichȱaufȱdenȱZuschnittȱundȱdasȱBinȬ nenverhältnisȱdesȱKollektivsȱderȱBeherrschtenȱbezieht.ȱ Insbesondereȱ letzteȬ ȱ 6 Aus dem Blickwinkel einer engagiert demokratisch-gerechtigkeitsorientierten Wissenschaft setzt sie sich – wie schon die Systemtheorie – dem Vorwurf der „Sozialtechnologie“ aus (vgl. Habermas/Luhmann 1977). 28ȱ SybilleȱDeȱLaȱRosa/MatthiasȱKötterȱ rerȱ wächstȱ besondereȱ Bedeutungȱ zu,ȱ soweitȱ dieȱ Legitimitätȱ politischerȱ MachtausübungȱanȱdieȱspezifischenȱModiȱderȱsozialenȱIntegrationȱangebunȬ denȱwird.ȱ WieȱeinȱKollektivȱunterȱdenȱBedingungenȱbegrenzterȱStaatlichkeitȱüberȬ hauptȱbestimmtȱwerdenȱkann,ȱ istȱdieȱFrageȱbeiȱ Jugov.ȱSieȱkommtȱzuȱdemȱ Ergebnis,ȱdassȱdasȱFramingȱalternativerȱpolitischerȱBezugsgrößenȱinȱSituatiȬ onenȱ zerfallenderȱStaatlichkeitȱunterȱnichtȬidealenȱBedingungenȱvonȱpragȬ matischenȱ undȱ konsequenzialistischenȱ Überlegungenȱ abhängigȱ bleibenȱ muss,ȱdassȱesȱaberȱkeineȱnormativenȱGründeȱdafürȱgibt,ȱamȱStaatsidealȱalsȱ ZielvorgabeȱfürȱdenȱWiederaufbauȱzerfallenerȱStaatenȱfestzuhalten,ȱweilȱsichȱ dieȱZugehörigkeitȱzuȱeinerȱ lokalȱdefiniertenȱGemeinschaftȱmitȱdenȱMittelnȱ einerȱ universellenȱ moralischenȱ Argumentationȱ nurȱ überȱ denȱ funktionalenȱ WertȱfürȱIndividuenȱrechtfertigenȱlässt.ȱȱ Kontrastiertȱ werdenȱ dieseȱ Überlegungenȱ imȱ Beitragȱ vonȱ Bühringȱ undȱ Hüfken,ȱdieȱderȱFrageȱderȱFunktionalitätȱdesȱVölkerrechtsȱunterȱdenȱBedinȬ gungenȱ begrenzterȱ Staatlichkeitȱ amȱ Beispielȱ derȱ Bindungȱ nichtstaatlicherȱ Akteureȱanȱ internationaleȱMenschenrechteȱnachgehen.ȱMitȱBlickȱaufȱdieȱ imȱ Zugeȱ derȱGlobalisierungȱ gewachseneȱMachtȱ transnationalerȱUnternehmenȱ verfolgenȱsieȱdieȱFrage,ȱwieȱvölkerrechtlicheȱStrukturenȱgeschaffenȱwerdenȱ können,ȱdieȱzurȱHandlungsbindungȱinȱRäumenȱbegrenzterȱStaatlichkeitȱbeiȬ tragen.ȱSieȱgehenȱvonȱderȱAnnahmeȱaus,ȱdassȱeineȱpartielleȱBindungȱderȱAkȬ teureȱanȱdasȱVölkerrechtȱbzw.ȱ ihreȱpartielleȱVölkerrechtssubjektivitätȱnichtȱ ohneȱweiteresȱaufȱdieȱMenschenrechtsbindungȱschließenȱlässtȱundȱschlagenȱ daherȱeinȱBindungsmodellȱvor,ȱwelchesȱƺȱdieȱprimäreȱPflichtenstellungȱderȱ StaatenȱnachȱgeltendemȱRechtȱberücksichtigendȱƺȱüberȱdenȱRechtsgedankenȱ derȱ negotiorumȱ gestioȱ (Geschäftsführungȱ ohneȱ Auftrag)ȱ eineȱ indirekteȱ BinȬ dungȱherleitet.ȱȱ 3.4.ȱProzesssteuerungȱinȱundȱdurchȱRegelungsstrukturen:ȱȱ GovernanceforschungȱalsȱInstitutionenȬȱundȱPolicyȬAnalyseȱ BetrifftȱGovernanceȱalleȱAspekteȱsozialerȱOrdnungsbildungȱ–ȱinstitutionelleȱ Strukturen,ȱProgrammeȱundȱProzesseȱ –,ȱdannȱ sindȱ alleȱdieseȱAspekteȱGeȬ genständeȱderȱGovernanceforschung.ȱGovernanceforschungȱ istȱdannȱ insbeȬ sondereȱInstitutionenȬȱundȱPolicyȬAnalyse,ȱwobeiȱsieȱimȱWesentlichenȱSteuȬ erungsprozesseȱinȱundȱdurchȱRegelungsstrukturenȱuntersucht.ȱWährendȱdieȱ Institutionenanalyseȱ nurȱ geringeȱ Berührungsschwierigkeitenȱ mitȱ GoverȬ nanceȱhat,ȱwirdȱdieȱtraditionellȱstaatszentrierteȱPolicyȬAnalyseȱaufȱdieȱProbeȱ gestellt:ȱ„policyȱanalysisȱ isȱfindingȱoutȱwhatȱgovernmentsȱdo,ȱwhyȱtheyȱdoȱ it,ȱ andȱwhatȱdifferenceȱ itȱmakesȱ “ȱ (Dyeȱ 1976:ȱ1;ȱ zitiertȱnachȱvonȱAlemannȱ 1995:ȱ101).ȱIstȱderȱStaatȱnurȱnochȱeinȱAkteurȱnebenȱanderenȱinȱdiffusenȱlokaȬ lenȱwieȱglobalenȱdezentriertenȱStrukturen,ȱentfälltȱerȱalsȱAnknüpfungspunktȱ Governance(Ȭforschung)ȱimȱKontextȱderȱDisziplinenȱ 29ȱȱ einerȱPolicyȬAnalyse,ȱdieȱmitȱBlickȱaufȱRäumeȱbegrenzterȱStaatlichkeitȱzurȱ AnalyseȱvonȱsozialenȱOrdnungsphänomenenȱaußerhalbȱderȱReichweiteȱdesȱ Staatesȱgezwungenȱwirdȱ(Swyngedouwȱetȱalȱ2002:ȱ117;ȱGöhlerȱetȱal.ȱ2007).ȱ DieȱdoppelteȱZielrichtungȱdesȱGovernancebegriffsȱƺȱderȱdieȱinstitutionaȬ lisiertenȱ Strukturenȱ sozialerȱ Handlungskoordinationȱ ebensoȱ inȱ denȱ Blickȱ nimmtȱwieȱdieȱaufȱdieserȱGrundlageȱstattfindendenȱProzesseȱƺȱeröffnetȱeinȱ breitesȱ Forschungsspektrum.ȱ Institutionenȱ könnenȱ soȱ etwaȱ aufȱ ihreȱ handȬ lungseinschränkendeȱaberȱauchȱȬausrichtendeȱFunktionȱhinȱuntersuchtȱwerȬ denȱ(Schuppertȱ2007:ȱ485).ȱStrukturelleȱSteuerungȱerfolgt,ȱindemȱstrukturieȬ rendeȱVorgabenȱundȱdieȱHandlungsautonomieȱderȱAkteureȱineinanderȱgreiȬ fen.ȱDabeiȱspielenȱzweiȱAspekteȱeineȱRolle,ȱerstensȱderȱimmerȱauchȱinterpreȬ tierendeȱundȱveränderndeȱUmgangȱderȱAkteureȱmitȱStrukturenȱundȱzweiȬ tensȱdieȱHandlungskorridoreȱvonȱAkteurenȱprägendeȱRolleȱvonȱStrukturenȱ (Schuppertȱ2007:ȱ486).ȱInȱderȱProzessdimensionȱlassenȱsichȱmitȱdemȱGoverȬ nanceȬBegriffȱ formaleȱ (harteȱSteuerung)ȱoderȱ informaleȱ (weicheȱSteuerung)ȱ Modiȱ sozialerȱHandlungskoordinationȱundȱderenȱWechselwirkungenȱoderȱ auchȱ dieȱ Entstehungȱ vonȱ sozialenȱ Strukturenȱ bzw.ȱ Institutionenȱ beschreiȬ ben.ȱDasȱHauptaugenmerkȱliegtȱinȱdiesemȱFallȱaufȱderȱGeneseȱvonȱInstitutiȬ onenȱundȱdenȱ sieȱgenerierendenȱhierarchischenȱund/oderȱhorizontalenȱ InȬ teraktionsprozessenȱ sowieȱ denȱ mitȱ diesenȱ verbundenenȱ Machtaspektenȱ (Göhlerȱetȱal.ȱ2008).ȱ MitȱBlickȱaufȱ(RechtsȬ)Normenȱkannȱzwischenȱformalenȱundȱ informalenȱ Formenȱ unterschiedenȱ werden.ȱ Inȱ Räumenȱ begrenzterȱ Staatlichkeitȱ lassenȱ sichȱinformaleȱRegelungsformenȱwieȱSoftȱLaw,ȱGewohnheitsrechtȱundȱandeȬ reȱsozialeȱNormenȱfindenȱundȱihreȱWechselwirkungenȱmitȱFormenȱdesȱforȬ malenȱRechtsȱ untersuchenȱ (Deȱ LaȱRosa/Gädeckeȱ 2008).ȱ (Rechtliche)ȱRegeȬ lungsstrukturenȱ inȱRäumenȱbegrenzterȱStaatlichkeitȱ lassenȱsichȱnichtȱalleinȱ anhandȱvonȱGesetzestextenȱermitteln,ȱweilȱihreȱGeltungȱundȱDurchsetzungsȬ fähigkeitȱƺȱandersȱalsȱ inȱdenȱOECDȬStaatenȱƺȱnichtȱeinfachȱunterstelltȱwerȬ denȱkann.ȱWieȱderȱBeitragȱvonȱKötterȱzeigt,ȱ istȱhierȱvielmehrȱ imȱWegeȱderȱ empirischenȱAnalyseȱtatsächlichȱverwirklichterȱNormenȱaufȱdieȱRegelungsȬ strukturȱzuȱ schließen.ȱHierzuȱ lassenȱ sichȱdieȱbeiȱderȱGesetzeswirkungsforȬ schungȱundȱderȱGesetzesevaluationsforschungȱ imȱnationalenȱRahmenȱ einȬ gesetztenȱMittelȱundȱMethodenȱ teilweiseȱübertragen.ȱBesondereȱSchwierigȬ keitenȱentstehenȱallerdingsȱdadurch,ȱdassȱesȱƺȱandersȱalsȱbeiȱstaatlichenȱGeȬ setzenȱƺȱregelmäßigȱanȱMaterialienȱ fehlt,ȱausȱdenenȱsichȱdieȱmitȱderȱNormȱ verbundenenȱSteuerungserwartungenȱermittelnȱließen,ȱundȱdieȱalsȱMaßstabȱ einerȱvergleichendenȱUntersuchungȱherangezogenȱwerdenȱkönnten.ȱ DochȱnichtȱnurȱdasȱRechtȱinstitutionalisiertȱgesellschaftlicheȱProgrammeȱ undȱgeneriertȱkollektiveȱVerbindlichkeit.ȱBeiȱihrerȱAnalyseȱdesȱ„Nationalenȱ PlansȱzurȱKriminalprävention“ȱundȱdessenȱImplementierungȱinȱderȱargentiȬ nischenȱHauptstadtȱBuenosȱAiresȱbewegtȱsichȱFethȱanȱderȱSchnittstelleȱvonȱ 30ȱ SybilleȱDeȱLaȱRosa/MatthiasȱKötterȱ GovernanceȱundȱGouvernementalität.ȱAufgrundȱderȱ lokalenȱKontextbedinȬ gungenȱsowieȱderȱImplementierungspraxisȱbezweifeltȱsieȱdieȱErnsthaftigkeitȱ desȱimȱDokumentȱfestgelegtenȱZielsȱ–ȱdieȱhöhereȱSicherheitȱderȱStadtbevölȬ kerungȱ –ȱundȱverweistȱ aufȱdasȱdoppelteȱProblem,ȱdassȱhorizontaleȱSteueȬ rungsmodiȱnurȱselektiveȱWirkungȱentfaltenȱundȱdazuȱbeitragenȱkönnen,ȱanȬ haltendeȱoderȱzunehmendeȱhierarchischeȱSteuerungsformenȱzuȱüberdecken.ȱ Dies,ȱsoȱdieȱAutorin,ȱmussȱauchȱbeiȱderȱBeantwortungȱderȱFrageȱdanachȱbeȬ achtetȱwerden,ȱobȱesȱsichȱbeiȱdenȱbeobachtetenȱSteuerungsprozessenȱtatsächȬ lichȱumȱGovernanceȱhandeltȱoderȱnicht.ȱ Einenȱnochȱ stärkerȱ institutionalisiertenȱundȱv.ȱa.ȱübernationalenȱGoverȬ nancemodusȱuntersuchtȱBeneckeȱinȱihremȱBeitragȱüberȱdenȱCleanȱDevelopȬ mentȱ Mechanismȱ (CDM).ȱ Dieserȱ sollȱ unterȱ denȱ Bedingungenȱ fehlenderȱ Sanktionsgewaltȱ imȱ internationalenȱ Raumȱ zurȱ Problemlösungȱ imȱ Bereichȱ Umweltȱbeitragen.ȱAusȱeinerȱäquivalenzfunktionalistischenȱPerspektiveȱgeȬ winntȱsieȱneueȱEinblickeȱinȱdieȱkomplexeȱFunktionsweiseȱdesȱCDM,ȱderȱsichȱ aufgrundȱderȱKomplexitätȱdesȱProjektzyklusȱundȱderȱVielzahlȱvonȱInteraktiȬ onsmodellenȱalsȱ einȱHybridȱvonȱGovernanceȬModiȱ jenseitsȱdesȱStaatesȱbeȬ schreibenȱlässt.ȱ Daran,ȱdassȱGovernanceȱnichtȱnurȱeineȱForschungsperspektiveȱdarstellt,ȱ sondernȱgleichsamȱ internationalȱalsȱpolitischesȱProgrammȱ eingesetztȱwird,ȱ erinnertȱderȱBeitragȱvonȱLauraȱMüller,ȱ inȱdemȱ sieȱ imȱÜberblickȱüberȱverȬ schiedeneȱAnsätzeȱ zurȱquantitativenȱMessungȱvonȱGovernanceȱzeigt,ȱdassȱ sichȱdieȱ jeweilsȱeinschlägigenȱKriterienȱimȱLaufeȱderȱZeitȱgewandeltȱhaben.ȱ Währendȱ anfangsȱ vorȱ allemȱ nachȱ günstigenȱ institutionellenȱ Bedingungenȱ fürȱwirtschaftlichesȱWachstumȱundȱEntwicklungȱgefragtȱwurde,ȱrückteȱdannȱ zunehmendȱdieȱFrageȱnachȱLegitimität,ȱ informalenȱ Institutionenȱundȱ ideoȬ logischen,ȱreligiösenȱoderȱethnischenȱKonfliktlinienȱinsȱZentrumȱdesȱInteresȬ ses.ȱ Dieȱ Entscheidungȱ fürȱ einenȱ pragmatischenȱ Ansatzȱ zwischenȱ derȱ entȬ wicklungspolitischenȱWünschbarkeitȱundȱderȱWissenschaftlichkeitȱderȱemȬ pirischenȱGovernanceanalysenȱführeȱzuȱeinemȱTradeȬoff.ȱDasȱzentraleȱProbȬ lemȱbesteheȱimȱIneinanderfließenȱderȱGrenzenȱzwischenȱderȱwissenschaftliȬ chenȱErhebungȱvonȱDatenȱüberȱdenȱIstȬZustandȱundȱderȱPolicyȬorientiertenȱ Prüfung,ȱwieȱvieleȱderȱvorabȱbestimmtenȱZieleȱerreichtȱwurden.ȱȱ Geradeȱ beiȱ derȱ Verknüpfungȱ vonȱ methodischerȱ Erwägungȱ undȱ demȱ konkretȬsachlichenȱGehaltȱvonȱGovernanceȱzeigtȱsichȱsehrȱdeutlichȱdieȱWirkȬ lichkeitsprägungȱdurchȱBegriffe,ȱdieȱsichȱnichtȱvermeidenȱ lässt,ȱdieȱesȱaberȱ zuȱ erkennenȱundȱmitzureflektierenȱgilt.ȱDasȱbreiteȱSpektrumȱdesȱ transdisȬ 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References

Zusammenfassung

Das Buch fragt nach der Bedeutung von Governance und der Governanceforschung für die Sozialwissenschaften: Welche Strukturen, Prozesse und Ziele beschreibt Governance? Wie lassen sich gewachsene Ausprägungen von Governance vergleichen? Und lässt sich Governance ohne den Staat denken? Die Beiträge geben Antworten auf diese Fragen aus ganz unterschiedlichen Perspektiven und reflektieren dabei die Stellung der Governanceforschung im Kanon der Disziplinen: Ihre Verankerung in verschiedenen Herkunftsdisziplinen legt die Frage nach dem Gemeinsamen nahe. Insofern steht hinter den Beiträgen die Frage, ob die an ihr beteiligten Disziplinen überhaupt dasselbe Projekt betreiben und inwieweit sich von Transdisziplinarität sprechen lässt, wenn die Governanceforschung eigene Perspektiven, Methoden und einen eigenen Kanon ausbildet, die sich von denen der Herkunftsdisziplinen unterscheiden. Die Beiträge veranschaulichen die Möglichkeiten und Grenzen der Governanceforschung an theoretischen und empirischen Fragen aus dem Berliner DFG-Sonderforschungsbereich (SFB) 700 „Governance in Räumen begrenzter Staatlichkeit: Neue Formen des Regierens?“, an dem die Autor/innen arbeiten und forschen.