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Linda-Martina Apel, Akteure in:

Linda-Martina Apel

Verfahren und Institutionen zum Umgang mit Fällen wissenschaftlichen Fehlverhaltens, page 95 - 107

Rechtsvergleichende Untersuchung zwischen Deutschland, Dänemark und den USA

1. Edition 2009, ISBN print: 978-3-8329-4240-3, ISBN online: 978-3-8452-2087-1 https://doi.org/10.5771/9783845220871

Series: Interdisziplinäre Schriften zur Wissenschaftsforschung, vol. 7

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95 se Regeln in Kraft gesetzt, die für sämtliche Mitglieder der Einrichtung gelten351, andere wiederum haben für jede Fakultät gesonderte Regeln erlassen352. Policies sind dementsprechend nicht per se durchsetzbar, sondern können erst mit Hilfe unterschiedliche Mechanismen der vertraglichen Inbezugnahme auf individualvertraglicher Basis Verbindlichkeit gegenüber den Mitarbeitern der Universitäten erlangen.353 Häufig findet die Unterzeichnung der policies und procedures durch neue Mitarbeiter bei Beschäftigungsbeginn oder die Bestätigung der Aushändigung der policies statt. Oder aber es findet sich der ausdrückliche Hinweis auf die Gültigkeit aller einrichtungseigenen policies im Arbeitsvertrag eines jeden angestellten Forschers.354 III. Akteure Den Akteuren des US-amerikanischen Verfahrensmodells ist der folgende Abschnitt gewidmet. Dabei handelt es sich einerseits um die US-amerikanischen Fachministerien beziehungsweise deren Unterbehörden, welche für das jeweilige Ressort Forschungsfinanzierung betreiben und organisieren (federal funding agencies).355 Zum anderen zählen zu den mit der Behandlung wissenschaftlicher Fehlverhaltensfälle befassten Akteuren die von den federal agencies jeweils geförderten Forschungseinrichtungen selbst. Dabei kann es sich um private und staatliche Universitäten, Laboratorien, unabhängige Nonprofit-Organisationen etc. handeln. Beide Institutionsformen übernehmen sowohl Aufklärungs- als auch Sanktionierungsverantwortung. 351 Hierzu gehören beispielsweise: Massachusetts Institute of Technology, Procedures for Dealing with Academic Misconduct in Research and Scholarship, i.d.F. vom 15. November 1999, in: Policies and Procedures: A Guide for Faculty and Staff Members 10.0 und Supplement to MIT Procedures dealing with academic misconduct i. d. F. von Juni 2002; Stanford University, Scientific Misconduct: Policy on Allegations, Investigations and Reporting, vom 3. Februar 1983 i. d. F. vom 1. Juni 2002, Research Policy Handbook Document 2.5; Columbia University, Statement on Professional Ethics and Faculty Obligations and Guidelines for Review of Professional Misconduct vom 29. September 1972 i. d. F. v. 18. April 1986, Faculty Handbook: Appendix E, die medizinische Fakultät verfügt allerdings über eigene Guidelines for Review of Misconduct in Science vom 27. Januar 1992 i. d. F. vom 20. November 1995. 352 Die Harvard University hat für jede Fakultät gesonderte Regeln: Die Faculty of Arts and Sciences hält ein Kompendium mit dem Titel ”Principles and Policies that Govern your Research, Instruction, and Other Professional Activities (“Grey Book”) vor, worin neben diversen, den Forschungsablauf regelnden Guidelines, Statements und Principles auch “Procedures for Responding to Allegations of Misconduct in Research” enthalten sind. Die Harvard Medical School hat “Faculty Policies on Integrity in Science” einschließlich “Principles and Procedures for Dealing with Allegations of Faculty Misconduct” in Kraft gesetzt. 353 Vgl. Brady v. Board of Trustees of Nebraska State Colleges, 242 N.W. 2d 616 (Neb. 1976); ausführlich Kaplin, The Law of Higher Education, S. 92. 354 Karpen/Hanske, Status und Besoldung von Hochschullehrern im internationalen Vergleich, Bd. 1, S. 298 ff.; Schwarz, Erfindungen an amerikanischen Hochschulen, S. 167. 355 Vgl. oben 2. Teil, A. II. 1. a), S. 37 f. 96 1. US-amerikanische Forschungseinrichtungen und ihre verfahrensverantwortlichen Einheiten Die geförderten Einrichtungen sind bei der Rekrutierung ihrer internen Verfahrensverantwortlichen nicht an staatliche Vorgaben gebunden. Die Orientierung vieler Institutionen an den Musterverfahrensordnungen des PHS und der AAU hat aber dazu geführt, dass sich – soweit sich dies trotz der vorhanden Fülle und Diversifikation der US-amerikanischen Forschungseinrichtungen beurteilen lässt – teilweise analoge Strukturen herausgebildet haben. Meist übernehmen ein oder mehrere so genannte Research Integrity Officers (RIOs)356 sowie institutseigene Inquiry- und Investigation-Committees in variabler Zusammensetzung und ein Deciding Official die anfallenden Verfahrensaufgaben.357 a) Research Integrity Officer Der einrichtungsintern bestimmte Research Integrity Officer (RIO)358 nimmt in der Regel keine oder nur in der ersten Verfahrensphase investigative Aufgaben wahr. Er sorgt einerseits für die Implementierung, Kommunikation und Einhaltung der Verfahrensregeln in der Forschungseinrichtung und fungiert andererseits als eine von mehreren möglichen Eintrittsschwellen in ein Untersuchungsverfahren.359 Als Ansprechpartner in Fragen wissenschaftlichen Fehlverhaltens leitet er bei einem bestehenden Verdacht die adäquaten Verfahrensschritte ein und begleitet das Verfah- 356 Z. Zt. lautet die Bezeichnung der Funktion auch einfach “Sebnior Administrator”, vgl. AAU, Framework for Institutional Policies and Procedures to deal with Fraud in Research, revised edition, Washington D.C. 1990. 357 Dies entspricht jedenfalls der Musterverfahrensordnung, die das Office of Research Integrity für die durch den PHS geförderten Einrichtungen entwickelt und ausgegeben hat, vgl. ORI, Model Procedures for Responding to Allegations of Scientific Misconduct, 1997 und ORI, Model Policy for Responding to Allegations of Scientific Misconduct, 1997. 358 Diese Bezeichnung wurde dem ORI, Model Policy for Responding to Allegations of Scientific Misconduct, S. 4, und dem Office of Research Oversight (ORO) des Department of Veterans Affairs, Veterans Health Administration, VHA Handbook 1058.2 (May 4, 2005), 5.l. und 7. gewählt. 359 ORI, Model Policy for Responding to Allegations of Scientific Misconduct, S. 2 f., 4; vgl. auch Gunsalus, Academic Medicine Vol. 68 (1993) Supplement, S. S33 (S36) und En. 6. Anders Veterans Health Service, VHA Handbook 1058.2 (May 4, 2005), 14. e. (2), wonach der RIO anstelle eines Inquiry Committee auch die Voruntersuchung durchführen kann. Ähnlich auch AAU, Framework for Institutional Policies and Procedures to Deal with Fraud in Research, revised edition, Washington D.C. 1990. 97 ren.360 Regelmäßig handelt er als Bindeglied zwischen der untersuchungsführenden Einrichtung und der funding agency.361 Die Funktion des RIO soll von einer Person wahrgenommen werden, die hinreichend qualifiziert ist, um einen exakten und zugleich sensiblen Umgang mit den Bedürfnissen der Verfahrensbeteiligten und den Verfahrenserfordernisse zu gewährleisten.362 In den Universitäten und angegliederten Instituten sind nicht selten die Dekane363 oder die für Forschung zuständigen stellvertretenden Universitätspräsidenten beziehungsweise -kanzler364 (Vice President/Provost/Chancellor for Research) oder deren Designierte365 damit betraut. b) Institutional Inquiry and Investigation-Committees Für die Untersuchung eines Verdachtsfalls sind entweder kurzfristig eingesetzte oder ständige Inquiry- und Investigation-Committees, mitunter auch eine Kombination von ständigem Komitee mit einmalig ernannten Zusatzmitgliedern, zuständig.366 Die Voraussetzungen der Einsetzung variieren. Teilweise werden die Komiteemitglieder durch den Research Integrity Officer oder – sofern es sich dabei nicht um einen Dekan oder den für Forschung zuständigen stellvertretenden Direktor handelt – durch einen dieser beiden Leitungsverantwortlichen ausgewählt.367 Die Mitgliederzahl beläuft sich auf drei bis fünf Personen. Es handelt sich meist um Angestellte 360 Die ORI, Model Policy for Responding to Allegations of Scientific Misconduct, S. 4 sieht vor, dass er für die interne Aktenführung und Vertraulichkeit sowie die Kommunikation mit ORI verantwortlich ist. 361 Vgl. Veterans Health Service, VHA Handbook 1058.2 (May 4, 2005), 7. (b) (1). 362 ORI, Model Policy for Responding to Allegations of Scientific Misconduct, S. 4. Der Veterans Health Service, VHA Handbook 1058.2 (May 4, 2005), 7. (a) will die Funktion einer Person mit Leitungsverantwortung in der Forschung übertragen. 363 Vgl. z.B. University of California (San Diego), Integrity of Research Policy and Procedures, I.; Princeton University, Rules and Procedures of the Professional Research Staff and Pro-fessional Technical Staff of Princton University and other Provisions of Concern to these Staffs (September 2004), Appendix E. 364 Vgl. z.B. University of California (L.A.), UCLA Procedure 993.1: Integrity in Research: Responding to Allegations of Misconduct in Science, July 1 1997), III. 365 Z.B. University of California Berkeley, Research Misconduct: Policies, Definitions and Procedures, I. B.; Duke University, Policy and Procedures Governing Misconduct in Research, (November 1995), “Misconduct Review Officer”. 366 Veterans Health Administration, VHA Handbook 1058.2 (May 4, 2005), 14.e.(2), 15.e; AAU, Framework for institutional Policies and Procedures to deal with Fraud in Research, revised edition, Washington D.C. 1990.University of Wisconsin-Madison, Misconduct in Scholarly Research, Procedures for Dealing with Misconduct in Scholarly Research (January 15, 1991), B. 2. 367 Vgl. z.B. University of Southern California, Policy on Scientific Misconduct, 5.3; Yale University, Policies and Procedures for Dealing with Allegations of Academic Fraud at Yale University (September 1996), 4. und 9.; University of Michigan, Policy Statement on the Integrity of Scholarship and Procedures for Investigating Allegations of Misconduct in the Pursuit of Scholarship and Research, 6. 98 der jeweiligen Forschungseinrichtung, darunter Wissenschaftler, Mitglieder des Verwaltungsstabs, Fachleute und Juristen. Die Ergänzung um externe Mitglieder ist jedoch – gerade vor dem Hintergrund der Vorhaltung geeigneter wissenschaftlicher Expertise – möglich.368 c) Deciding Official Der interne Deciding Official entscheidet abschließend über das Ergebnis einer einrichtungsinternen Untersuchung und die erforderlichen Folgemaßnahmen.369 Die Funktion des Deciding Official soll nach den Vorgaben des PHS keine Person übernehmen, die als Research Integrity Officer oder an anderer Stelle bereits zu einem früheren Zeitpunkt in die Aufklärung eines Fehlverhaltensfalls involviert ist.370 Häufig ist in den Hochschulen dennoch erneut ein zuvor bereits eingeschalteter Dekan oder der stellvertretende Direktor beziehungsweise der Präsident für Forschungsangelegenheiten zuständig.371 Anders kann sich Die Zuständigkeitsverteilung in außeruniversitären Einrichtungen darstellen. Bei den Medizinischen Zentren der Veterans Health Administration ist etwa der Leiter einer regionalen Einheit von Servicezentren (VISN Director) als institutionsübergeordneter Verantwortlicher entscheidungsberechtigt.372 2. Die staatlichen funding agencies und ihre Verfahrensverantwortlichen Die Harmonisierung der Verfahrensansätze zur Begegnung wissenschaftlichen Fehlverhaltens hat bewirkt, dass die federal funding agencies und departments sich zunehmend gleicher oder ähnlicher (Unter)einheiten zur Aufklärung wissenschaftlichen Fehlverhaltens bedienen. Die nachfolgenden Ausführungen widmen sich diesen staatlichen Organisationsstrukturen im Umgang mit wissenschaftlichem Fehlverhalten. Diejenigen Einheiten, die agency-intern mit Fehlverhaltensfällen konfrontiert werden, bieten einen Querschnitt aus fachlicher Expertise, welche regelmäßig auf den niedrigeren Hierarchieebenen angesiedelt ist und gesetzlich vermittelter Autorität der delegationsberechtigten Behördenleiter auf. Dies ist ein generelles Muster, welche von agency zu agency leicht varriiert, um unter Berücksichtigung 368 AAU, Framework for Institutional Policies and Procedures to Deal with Fraud in Research, revised edition, Washington D.C. 1990. 369 ORI, Model Policy for Responding to Allegations of Scientific Misconduct, S. 5. 370 ORI, Model Policy for Responding to Allegations of Scientific Misconduct, S. 2. 371 Yale University, Policies and Procedures for Dealing with Allegations of Academic Fraud at Yale University (September 1996), 15.; University of Michigan, Policy Statement on the Integrity of Scholarship and Procedures for Investigating Allegations of Misconduct in the Pursuit of Scholarship and Research, 6.; University of California Berkeley, Research Misconduct: Policies, Definitions and Procedures, I.C. (4). 372 Veterans Health Service, VHA Handbook 1058.2 (May 4, 2005), 14.e.(2), 16. 99 entsprechender Verfahrenserfordernisse in eine faire einheitliche Entscheidung (institutional decision) zu münden.373 Näher einzugehen ist an einigen Stellen auf die Besonderheiten der verantwortlichen Einheiten insbesondere des PHS und der NSF, da diese beiden Agencies aufgrund ihrer umfangreichen Forschungsaktivitäten besonderen Bekanntheitsgrad erlangt haben. Die Beschäftigung mit dem PHS und seiner Verfahrensbehörden dient außerdem der Vorbereitung der Verfahrensausgestaltung. Die spätere Aufarbeitung der Verfahrensausgestaltung wird überwiegend unter Berücksichtigung der PHS geförderten Einrichtungen und der PHS-Verfahrensbehörden erfolgen.374 a) Untersuchungsbehörde – Office of Inspector General (OIG) Die Mehrzahl der Forschungsförderungsagencies lässt eigene Fehlverhaltensuntersuchungen in Wahrnehmung ihrer Aufsichtsverantwortung von ihrem zuständigen Office of Inspector General (OIG) durchführen.375 Dies gilt seit 1999 auch für den PHS des DHHS, der zuvor die Untersuchungsführung dem eigens hierfür geschaffenen Office of Research Integrity (OIG) übertragen hatte. Diese Änderung ist Resultat der Harmonisierungsbestrebungen der Federal Misconduct Policy. Das ehemals stark investigatorisch tätige ORI hat damit eine seiner Hauptfunktionen, das Durchführen von Fehlverhaltensuntersuchungen eingebüßt und übernimmt heute – neben präventiven Aufgaben, wie der Entwicklung und Durchführung von Fortbildungsprogrammen und der Forschung im Hinblick auf wissenschaftliches Fehlverhalten und gute wissenschaftliche Praxis – hauptsächlich die beschriebenen Aufsichts- und daran anschließende Entscheidungsaufgaben wahr. Die Einrichtung von Inspector General Offices in zahlreichen US-amerikanischen departments und agencies geht auf die Ermächtigung des 1978 in Kraft getretenen 373 Gellhorn/Levin, Administrative Law and Process, S. 258 f. 374 Vgl. unten 2. Teil, F., S. 118 ff. 375 Environmental Protection Agency (EPA), Policy and Procedures for Adressing Research Misconduct, Order No. 3120.5 (March 18, 2003), 8.; Department of Health and Human Services (DHHS), Public Health Service Policies on Research Misconduct, 70 Fed. Reg. 28370 (28394) (May 17, 2005), § 93.407.; National Science Foundation (NSF), Research Misconduct, 67 Fed. Reg. 11936 (11937) (March 18, 2002), § 689.2 (f); NASA, Investigation of Research Misconduct, 69 Fed. Reg. 42102 (42105) (July 14, 2004), § 1275.102. Das USDOL will entweder das OIG oder den Leiter der förderungsgewährenden Agency (agency head) als Untersuchungsbehörde einsetzen, oder aber die Untersuchung an eine andere Einrichtung mit entsprechender Expertise beziehungsweise an ein Expertengremium abgeben, Department of Labour (USDOL), Research Misconduct, Statement of Policy, 68 Fed. Reg. 53862 (53863 f.) (September 12, 2003),”Initial USDOL Handling of Research Misconduct Matters” und “Investigations”. Die Veterans Health Administration,VHA Handbook 1058.2 (May 4, 2005), 12.d.(2), überlässt die ersatzweise Untersuchung durch die agency einem mit Mitarbeitern seiner Aufsichtsbehörde, dem Office of Research Oversight (ORO), sowie zusätzlichen Experten besetzten Ad Hoc Committee. 100 und 1988 erweiterten Inspector General Act (IG Act)376 zurück.377 Es handelt sich dabei um ständige Kontrollinstitutionen, deren Aufgabe ganz allgemein darin besteht, Wirtschaftlichkeit, Funktionsfähigkeit und Effizienz der staatlichen Regierung durch Untersuchung und Aufklärung von Betrugs-, Verschwendungs- und Amtsmissbrauchsfällen innerhalb der jeweiligen Verwaltungseinheit, der sie angehören, zu gewährleisten. Der IG Act unterscheidet zwei Arten von Inspector Generals, nämlich establishment IGs, die durch den Präsidenten ernannt werden, und designated federal entity IGs, deren Ernennung durch den Leiter der betreffenden Behörde erfolgt. Der IG des DHHS zählt als ministerial angegliederter IG zu der ersten Gruppe, deren diffizile Rolle durch das enge Zusammenwirken mit Ministern und Regierungsbeamten einerseits und die Verpflichtung zur effektiven, objektiven Kontrolle dieser Personen andererseits geprägt ist.378 Ihre Ernennung durch den Präsidenten soll im Einvernehmen mit dem Senat ohne Rücksicht auf die politische Gesinnung und unter ausschließlicher Berücksichtigung der beruflichen Vorbildung und einschlägiger Erfahrungen der Bewerber auf den untersuchungsrelevanten Gebieten des Rechnungswesens, des Auditing, des Rechts, der Finanz- und Leitungsanalysen und der Untersuchungsführung in der öffentlichen Verwaltung erfolgen.379 Für die Abberufung ist ebenfalls der Präsident verantwortlich, der beiden Häusern des Kongresses über die Gründe für eine solche Maßnahme Rechenschaft ablegen muss. Der IG ist zudem der Aufsicht des Leiters derjenigen Einrichtung, in der er beheimatet ist, unterstellt, wobei es dieser Person im Sinne einer Stärkung der Unabhängigkeit und Objektivität des Inspector General gesetzlich untersagt ist, die Einleitung oder Durchführung eines audit oder einer investigation durch den IG zu verhindern oder zu beschränken.380 Jeder IG ist ermächtigt, jeweils einen Assistant Inspector General für seine Wirtschaftsprüfungs- und Revisionseinheiten (Assistant IG for Auditing) sowie die Leitung des Investigation-Stabes (Assistant IG for Investigations) zu ernennen.381 Organisatorisch gliedert sich jedes OIG in mehrere Unterabteilungen, darunter min- 376 PL 95-452, October 12, 1978, 92 Stat 1101 und PL 100-504, October 18, 1988, codified as amended at 5 U.S.C. app. 3 §§ 1-12 (1994). 377 Die Geschichte des HHS OIG reicht sogar noch weiter zurück. Beispielsweise war schon für das frühere Department of Health, Education and Welfare (HEW) vor seiner Aufspaltung in das DHHS und das Department of Education (DOE) durch den HEW Inspector General Act von 1976 ein IG als Vorläufer der heutigen OIGs eingerichtet worden, vgl. Nowolinski, A Brief History of the HHS Office of Inspector General, 2001, erhältlich unter http://oig.hhs. gov/reading/history/ighistory.pdf. 378 Der IG der NSF etwa gehört – da es sich um eine independent agency handelt – zu den innerbehördlich eingesetzten “designated Federal entity IGs”. 379 5 U.S.C. app. 3 § 3 (1994). 380 Fehlverhaltensvorwürfe gegen den IG können gegenüber dem eigens hierfür eingerichteten Integrity Committee of the President des President’s Council on Integrity and Efficiency (PCIE) und dem Executive Council on Integrity and Efficiency (ECIE) vorgebracht werden, vgl. Ex. Ord. No. 12993, Mar. 21 (1996), 61 Fed. Reg. 13043. 381 5 U.S.C. app. 3 § 3 (d) (1994). 101 destens ein Office of Investigations, ein Office of Audit und ein Office of Management and Planning.382 Das Office of Investigations übernimmt in den forschungsfördernden Agencies die Durchführung von Fehlverhaltensuntersuchungen. Zur Wahrnehmung ihrer Aufgaben sind OIGs ermächtigt, eigenes Personal einzustellen, auf alle amtlichen Dokumente und Informationen der agency zuzugreifen, Personen unter Strafandrohung vorzuladen, sie zu vereidigen oder aber eidesstattliche Erklärungen abzunehmen. Sie sind zum Erlass von Durchsuchungsbefehlen und Beschlagnahmeverfügungen berechtigt. In der Regel beschäftigen die OIGs interdisziplinäre Teams mit Investigatoren, einschließlich professionellen Ermittlungsbeamten, Wissenschaftlern, Juristen und Verwaltungsbeamten, um das richtige Kompositum an Expertise aufzubieten, das notwendig ist, um dem gesamten Spektrum der anfallenden Untersuchungstätigkeit gerecht zu werden. Dementsprechend kann auch die Personalstruktur je nach Ressortzugehörigkeit und Auftrag der Kontextagency variieren. b) Revisionsbehörden Die Nachprüfung institutionsinterner Verfahren erfolgt bei den independent agencies wie der NSF, der NASA und der EPA ebenfalls durch das mehr oder weniger unabhängige Office of Inspector General.383 Hinsichtlich der diese Institution betreffenden Einzelheiten sei auf die vorausgegangenen Ausführungen verwiesen. Die interne Revisionszuständigkeit dürfte beim Office of Audit des OIG liegen. Departments und ministerialgebundene agencies lassen die Revision forschungsintener Aufklärungsprozesse durch eigene in den Organismus der Staatsverwaltung eingebundene Aufsichtsbehörden durchführen. Es folgt zunächst ein kurzer Überblick über die Organisationformen dieser Aufsichtsbehörden (aa). Im Anschluss wird die insoweit bekannteste und am stärksten spezialisierte Behörde, das Office of Research Integrity (ORI) des PHS im DHHS (bb), in einem Exkurs vorgestellt. 382 Das OIG des DHHS ist darunter nochmals in sechs organistorische Untereinheiten aufgeteilt. Dazu zählen das Immediate Office of the Inspector General, das Office of Management and Policy, das Office of Evaluation and Inspections, das Office of Counsel to the Inspector General, das Office of Audit Services und das Office of Investigations, DHHS, Office of Inspector General, Statement of Organisation, Functions, and Delegations of Authority, 69 Fed. Reg. 40386-391 (July 2, 2004). 383 National Aeronautics and Space Administration (NASA), Investigation of Research Misconduct, 69 Fed. Reg. 42102 (42105) (July 14, 2004), § 1275.102 (d); National Science Foundation (NSF), Research Misconduct, 67 Fed. Reg. 11936 (11938 f.) (March 18, 2002), §§ 689.4, 689.9; Environmental Protection Agency (EPA), Order No. 3120.5, Policy and Procedures for Addressing Research Misconduct, No. 8 A. ii, 9 A. iii, B iii f), C iii f). 102 aa) Organisation agencyinterner Revision Nach ihrer Stellung innerhalb der Behördenhirarchie eines departments kann man unter den Revisionsbehörden für institutsinternes Fehlverhalten zwischen untergeordneten Behörden der den Ministerien nachgeordneten forschungstreibenden agencies oder sonstiger Untereinheiten und stärker verselbstständigten oder gar exponierten Aufsichtsbehörden einerseits sowie nach der Zuständigkeitskonzentration zwischen Behörden mit mehr oder weniger stark fehlverhaltensbezogenen Aufgabenbereich andererseits differenzieren. Die Revisionsaufgaben der meisten forschungsfördernden agencies werden auch heute noch – trotz der negativen Erfahrungen, die man mit dem Office of Scientific Integrity (OSI) und dem Office of Scientific Integrity Review (OSIR) des PHS gemacht hat – organisatorisch auf untergeordneten Hierarchieebenen von den für Forschungsförderung zuständigen nach geordneten agencies oder Unterbehörden wahrgenommen. Ihnen obliegt meist ein breites Aufgabenspektrum der Forschungsförderung und Koordination für ihren fachlichen Zuständigkeitsbereich innerhalb des Ressorts. Es handelt sich nicht um reine Aufsichtsbehörden. Im Department of Defense (DOD) etwa obliegt die Revision denjenigen nachgeordneten Organisationseinheiten, die verteilt auf die Unterdepartments, Defense Agencies, Field Activities etc. im DOD Forschungsgelder an externe Einrichtungen vergeben.384 Auch innerhalb des Department of Transportation (DOT) und das Department of Labour (US- DOL) erfolgt die Revision von einrichtungsinternen Untersuchungsverfahren innerhalb des jeweiligen Organisationseinheiten, welche die Beihilfen und Verträge für Forschungsaktivitäten des departments vergeben.385 Andere Ressorts, wie das Department of Veterans Affairs oder das DHHS bedienen sich ausgewiesener Aufsichtseinheiten für Forschungsangelegenheiten, um die institutsintern durchgeführten Fehlverhaltensuntersuchungen einer Kontrolle zu unterziehen. So nimmt die Zentralstelle des Office of Research Oversight (ORO) die Aufsichtsverantwortung für die Veterans Health Administration (VHA) mit zahlreichen lokalen forschungstreibenden Instituten wahr.386 Sein Zuständigkeitsbereich ist deutlich stärker auf die Gewährleistung der Einhaltung von Menschen- und Tierschutzbestimmungen sowie die Verhinderung von Fehlverhalten in der Forschung fokussiert, organisatorisch beleibt es aber bei einer Ansiedlung innerhalb der agency nahe der forschungstreibenden und forschungsfördernden Einheiten. Die Aufsichtsbehörde des PHS, das Office of Research Integrity (ORI), nimmt dagegen insofern eine exponierte Stellung ein, als dass sich ihre Zuständigkeit auf 384 Department of Defense (DoD), Research Integrity and Misconduct, Instruction No. 3210.7 (May 14, 2004), Enclosure 3, E 4.1.7. 385 Department of Transportation (DOT), Implementation Guidance for Executive Office of the President Office of Science and Technology Policy “Federal Policy on Research Misconduct” (February 2002), III. 6.; Department of Labour (USDOL), Research Misconduct; Statement of Policy, 68 Fed. Reg. 53862 (53862 f.) (September 12, 2003), siehe ”Initial USDOL Handling of Research Misconduct Matters” und “Roles of Awardee Institutions”. 386 Veterans Health Administration, VHA Handbook 1058.2 (May 4, 2005), 10. d. (4). 103 den Umgang mit Fällen wissenschaftlichen Fehlverhaltens und Förderung guter wissenschaftlicher Praxis konzentriert und sie auf einer höheren Hierarchieebene an der Departmentspitze angesiedelt ist. bb) Exkurs: Das Office of Research Integrity des PHS (ORI) im DHHS Im Folgenden soll auf das Office of Research Integrity (ORI) ein besonderes Augenmerk gelegt werden, da diese Behörde – obwohl nur eine von vielen verantwortlichen Behörden innerhalb des US-amerikanischen Verfahrensmodells – gewissermaßen stellvertretend für den Umgang mit wissenschaftlichem Fehlverhalten in den Vereinigten Staaten steht. Ihre Prominenz im In- und Ausland ist durch drei Faktoren nachhaltig geprägt. Zunächst die historische Entstehung387: Das ORI ist im Jahr 1992 durch Verschmelzung des früheren OSI und des OSIR als unabhängige zentrale Organisationseinheit des DHHS eingerichtet worden.388 Die damalige Umstrukturierung der für Angelegenheiten wissenschaftlichen Fehlverhaltens zuständigen PHS-Behörden wurde vorgenommen, um diese Aufgabe nach dem Scheitern der Vorgängerbehörden aus dem Zuständigkeitsbereich der National Institutes of Health (NIH), Public Health Service, herauszulösen und ein neues behördliches Klärungsverfahren für Fehlverhaltensvorwürfe einzurichten.389 Ferner haben sowohl das in ihren Zuständigkeitsbereich fallende enorme Forschungsvolumen sowie die Sensibilität der medizinischen Forschung für Fehlverhaltensvorkommnisse dazu beigetragen, dass die Behörde mit einer vergleichsweise hohen Anzahl von Verdachtsfällen konfrontiert wurde. Die Zuständigkeit des ORI erstreckt sich auf alle Förderleistungsempfänger und internen Forschungseinheiten des PHS390, mit Ausnahme der Food and Drug Administration (FDA)391. Im Organisationsgefüge des Ministeriums ist das ORI heute im Office of the Secretary of Health and Human Services auf höherer Ebene bei dem Office of Public Health and Science angesiedelt, welches wiederum dem Assistant Secretary for Health untersteht.392 Das ORI nimmt im Wesentlichen zwei große Aufgabenbereiche wahr. Zum einen wird es bei der Aufklärung von Vorwürfen wissenschaftlichen Fehlverhaltens für den PHS überwachend tätig, zum anderen übernimmt es in dem Bemühen um die präventive Sicherung guter wissenschaftlicher Praxis ein sich stetig weiter ausdehnendes Aufgabenspektrum, darunter Weiterbildung der institutionell Verantwortli- 387 Vgl. oben 2. Teil, C. IV. 1., S. 61 ff., insbesondere 2. Teil, C. IV. 1. c), S. 67 f. 388 Statement of Organization, Functions, and Delegations of Authority; Office of the Assistant Secretary for Health, 57 Fed. Reg. 24262 (1992), revised 59 Fed. Reg. 28576 (1994). 389 Pascal, Science and Engineering Ethics Vol. 5 (1999), S. 183. 390 Zur Organisation des PHS vgl. oben 2. Teil, A. II. 1. a) aa), S. 38 f. 391 Der FDA obliegt ausnahmsweise selbst die eigene Zuständigkeit für die Untersuchung von Fehlverhaltensvorwürfen im Bereich der von ihr gesteuerten Forschung. 392 Vgl. Office of the Secretary and Public Health Services; Statement of Organisation, Functions, and Delegations of Authority, 60 Fed. Reg 56605 (56606) (November 9, 1995). 104 chen in Fragen des Umgangs mit Fehlverhaltensfällen und der verantwortlichen Durchführung von Forschung, Entwicklung von Regelungen und Guidelines für die Untersuchung und den Nachweis von Fehlverhaltensfällen und Fehlverhaltensforschung.393 Das ORI gliedert sich dem entsprechend unterhalb der Behördenleitung (Office of the Director) in zwei Hauptabteilungen, die Division of Investigative Oversight (DIO) und die Division of Education and Integrity (DEI). Die DIO führt die Aufsicht und Revision lokaler misconduct-Verfahren, gibt einen Ergebnisvorschlag für das Verfahren und nachfolgende Verwaltungsmaßnahmen ab, sorgt für die Einhaltung der PHS-regulation und unterstützt das Office of the General Council (OGC) bei der Vorbereitung von Fällen, die vor den Administrative Law Judge gelangen394. Darüber hinaus organisiert die Abteilung zahlreiche Konferenzen und Workshops über den Umgang mit wissenschaftlichem Fehlverhalten und bietet den Forschungseinrichtungen Hilfestellung bei der Durchführung institutseigener Verfahren im Rahmen des Rapid Response for Technical Assistance Programm (RRTA) an.395 Der Mitarbeiterstab dieser Abteilung rekrutiert sich vorwiegend aus promovierten Medizinern und Biochemikern sowie ausgewiesenen Ermittlungsbeamten mit entsprechender wissenschaftlicher Ausbildung. Er wird von den juristischen Mitarbeitern des behördeneigenen Office of the General Counsel unterstützt. Die DIE kümmert sich in Zusammenarbeit mit Hochschulen und den Academic Societies verstärkt um interne und externe Schulungsangebote, Veröffentlichungen, Ausstellungen und Präventivprogramme zur Förderung guter Wissenschaftspraxis.396 Dort ist vorwiegend Personal mit geisteswissenschaftlichem, insbesondere sozialwissenschaftlichem Hintergrund beschäftigt. Der Behördenleiter (Director) muss ein gesetzlich vorgeschriebenes Anforderungsprofil erfüllen. Es muss sich um einen sachkundige Person handeln, die in Fragen guter Forschungspraxis geschult ist und hinsichtlich der Untersuchung wis- 393 United States General Accounting Office Report to Congressional Requesters, Health Research Misconduct: HHS' Handling of Cases is Appropriate, but Timeliness Remains a Concern, S. 3 f. Die bereits erwähnten Musterverfahrensordnungen für geförderte Einrichtungen stammen aus der Feder des ORI. Ergänzend wurden spezielle Hinweise und Anleitungen für den Umgang der Forschungseinrichtungen mit Verdachtsfällen in der klinischen Forschung, http://ori.dhhs.gov/misconduct/assessing_allegations.shtml (15.02.2007), die Sicherung von Beweismaterialien, http://ori.dhhs.gov/misconduct/Tips_Sequestration.shtml (15.02.2007) und http://ori.dhhs.gov/misconduct/Tips_PhysicalEvidence.shtml (15.02.2007), und die Nutzung von Bildverarbeitungsprogrammen bei der Aufklärung von Fehlverhaltensfällen, http:// ori.dhhs.gov/misconduct/Tips_ImageProcessing.shtml (15.02.2007) veröffentlicht. Vgl. Pascal, Science and Engineering Ethics, Vol. 5 (1999), S. 183 (188 ff.). 394 Dazu unten 2. Teil, F. VI., S. 146 ff. 395 Department of Health and Human Services (DHHS), Office of Research Integrity, Annual Report 2004, S. 1. 396 Vgl. die Beschreibung der Programme (RCR Resource Development Program, RCR Expo, RCR Program for Academic Societies, RCR Program for Graduate Schools) im Jahresbericht, Department of Health and Human Services (DHHS), Office of Research Integrity, Annual Report 2004, S. 11 ff. sowie Steneck/Zinn, ORI Introduction to the Responsible Conduct of Research. 105 senschaftlichen Fehlverhaltens auf einen eigenen Erfahrungsschatz zurückgreifen kann.397 c) Entscheidungsbehörde – Adjudication Official In den meisten agencies, obliegt es einer von der Revisionsbehörde organisatorisch getrennten Organisationseinheit, dem so genannten Adjudication Official, die rechtsverbindliche Entscheidung darüber zu treffen, dass wissenschaftliches Fehlverhalten rechtmäßig festgestellt wurde und welche spezifischen Sanktionen die agency verhängt. Dabei handelt es sich regelmäßig um einen leitenden Amtswalter, für den PHS etwa der Assistant Secretary for Health398, im USDOL der Assistant Secretary of Labour for Administration and Mangement399, bei der NSF der Deputy Director400. Für die NASA ist der Associate Administrator for the Enterprise mit der größten Expertise in den betroffenen Forschungsdisziplin401 zuständig. d) Appeal-Official und Administrative Law Judge Bevor oder nachdem der Adjudication Official zum Ende eines Verfahrens eine positive Entscheidung darüber trifft, dass Fehlverhalten vorliegt und welche Sanktionen verhängt werden, erhält der Betroffene Gelegenheit, die avisierte Entscheidung im Rahmen der agency adjudication in einem hearing oder in einem anschlie- ßenden appeal verwaltungsintern überprüfen zu lassen. Hinter diesen verfahrensrechtlichen Anforderungen verbergen sich dem deutschen Widerspruchsverfahren entfernt vergleichbare verwaltungsinterne Verfahrensabschnitte, die je nach Verfahrensgegenstand, Interessenlage und beabsichtigter Handlungsform in ihrer Ausgestaltung und dem verfahrensrechtlichen Aufwand variieren können.402 In Fehlverhaltensverfahren unterscheiden sich die beiden Anfechtungsmöglichkeiten dadurch, dass regelmäßig geringere formelle Anforderungen an ein appeal- Verfahren gestellt werden als an ein öffentliches hearing. Beide knüpfen an eine dem Betroffenen bereits eröffnete Entscheidungsvorlage an, die rechtskräftig wird, wenn dieser sie nicht mittels einer fristgerecht eingereichten Beschwerde anficht. Die anschließende appeal-Entscheidung hat in der Regel endgültigen Charakter, 397 NIH Revitalization Act of 1993, Publ.L. 103-43, Title I, § 161, 42 U.S.C. 289b. 398 Department of Health and Human Services (DHHS), Public Health Service Policies on Research Misconduct, 70 Fed. Reg. 28370 (28395) (May 17, 2005), § 93.500. 399 Department of Labour (USDOL), Research Misconduct; Statement of Policy, 68 Fed. Reg. 53862 (53865) (September 12, 2003), “Dispositions”(3). 400 National Science Foundation (NSF), Research Misconduct, 67 Fed. Reg. 11936 (11937) (March 18, 2002), §§ 689.2 (g). 401 Vgl. z.B. National Aeronautics and Space Administration (NASA), Investigation of Research Misconduct, 69 Fed. Reg. 42102 (42104) (July 14, 2004), § 1275.101 (m). 402 Vgl. Jarass, DÖV 1995, S. 377 (380); zum DAB hearing vgl. unten 2. Teil, F. VI., S. 146 ff. 106 während das Ergebnis des hearing durch den Adjudication Official reversibel ist, sodass das hearing stärker als ein appeal als integrierter Bestandteil des adjudication-Prozesses aufgefasst werden muss. Die Mehrzahl der staatlichen Fördereinrichtungen gewährt dem Betroffenen eine appeal-Option403, der PHS eröffnet dagegen ein formelles hearing vor einem Administrative Law Judge (ALJ)404. Verantwortlich für die Überprüfung im appeal-Verfahren ist in der Regel ein dem Adjudication Official vorgesetzter leitender Amtswalter, der auch als Appeals Official bezeichnet wird und häufig die Stellung eines (stellvertretenden) Behördenleiters innehat. So übernimmt die Position des Appeal Official bei der NSF der Director der NSF, bei der NASA der Deputy Administrator oder ein von diesem Deligierter. Für die ministerial angegliederten agencies sind im DOT der Deputy Secretary, im USDOL der Secretary of Labour oder entsprechend delegierte Personen zuständig. Verfahrensverantwortlicher im hearing des PHS ist seit Neufassung der PHS-regulation im Mai 2005 ein an das DHHS Department Appeals Board (DAB) angeschlossener Administrative Law Judge. In den Jahren zuvor hatte man sich für die Durchführung des hearings über die Untersuchungsergebnisse sowie die vorgeschlagenen administrative actions stets eines ebenfalls beim DAB angesiedelten sogenannten Research Integrity Adjudications Panel (RIAP)405 bedient. Das DAB ist eine 1973 vornehmlich zur Überprüfung und Beilegung von verwaltungsrechtlichen Streitigkeiten im Zusammenhang mit den großen öffentlichen Sozialleistungssystemen wie Medicare und Medicaid eingerichtete Organisationseinheit des DHHS im Office of the Secretary.406 Heutzutage stellt es im Rahmen seiner stark erweiterten Zuständigkeit hearings und Mediationsverfahren für zahlreiche Streitigkeiten innerhalb der unterschiedlichsten Programme des DHHS bereit.407 Es beschäftigt einen Personalstab von über siebzig Personen, darunter neben dem Vorsitzenden und vier weiteren Mitglieder des Leitungsstabs, acht Administrative Law Judges (ALJ), vier 403 National Aeronautics and Space Administration (NASA), Investigation of Research Misconduct, 69 Fed. Reg. 42102 (42107) (July 14, 2004), §§ 1275,107, 1275.108. 404 Dieser Bezeichnung hat die früheren vor der Einführung des ALJ durch den Administrative Procedure Act (APA) existenten und mit weniger Selbständigkeit ausgestatteten Positionen des “hearing examiner” bzw. “trial examiner” abgelöst, Lubbers, Administrative Law Review Vol. 33 (1981), S. 109 (111). 405 Der RIAP bestand aus einer Kommission von drei Mitgliedern, die unverzüglich nach Erhalt des Antrags für ein hearing nominiert wurden. Der Vorsitzende des Board wählte aus dem Mitarbeiterstab ein vorsitzendes Mitglied (hearing officer) des Research Integrity Adjudications Panel, welcher in der Sache verhandelte und entschied. Auf Antrag einer der Parteien wurde als einer der beiden Beisitzer ein externer Wissenschaftler oder Sachverständiger bestellt. Department of Health an Human Services (DHHS), Hearing Procedures for Scientific Misconduct 59 Fed. Reg. 29809 (29810) (June 9, 1994), IV. Siehe ergänzend Parrish, Journal of College and University Law Vol. 24 (1998), S. 581 (592 ff.); Goldner, American Journal of Law and Medicine Vol. 24 (1998), S. 293 (304 ff.). 406 Anderson, Science Vol. 263 (1994), S. 20 (22). 407 Vgl. http://www.hhs.gov/dab/background.html (15.02.2007). 107 Administrative Appeals Judges (AAJ), Rechtsanwälte, juristische Hilfskräfte und weiteres Hilfspersonal.408 Die im Rahmen des hearings über Fehlverhaltensentscheidungen interessierenden Administrative Law Judges sind persönlich weitgehend unabhängige Beamte, die trotz ihrer widersprüchlichen Bezeichnung als Teil der Verwaltung gelten und keine verwaltungsrichterliche Funktion im deutschen Sinne übernehmen.409 Sie werden nach einem qualifikationsbezogenen Beförderungssystem, das eine Zulassungsprüfung und Erfahrung auf dem jeweiligen Regelungsgebiet voraussetzt, in eine feste Anstellung ernannt.410 Sie unterliegen in der Sache zwar keinen Weisungen durch die Leitung der agency, der sie angehören, können von dieser aber in ihrer Entscheidung korrigiert werden. Gegenüber dem Assistant Secretary for Health gibt der ALJ daher auch lediglich eine Entscheidungsempfehlung ab (recommended decision).411 Dies unterscheidet ihn in seiner Kompetenz von dem Vorgängergremium RIAP, welches zu endgültigen Entscheidungen über Fehlverhalten und Sanktionen ermächtigt war412. Der zuständige ALJ des DAB wird von dem Vorsitzenden des DAB in Abstimmung mit dem Leiter der Administrative Law Judges für jedes hearing binnen 30 Tagen nach Einleitung des appeal benannt.413 E. Materieller Beurteilungsmaßstab: Research Misconduct Für die Regulierung wissenschaftlichen Verhaltens bedarf es allerorten der Einführung verbindlicher Kriterien, anhand derer Wissenschaftler und die für die Untersuchung von Fehlverhaltensfällen verantwortlichen Institutionen und Gremien zwischen sachgerechtem Verhalten und Fehlverhalten unterscheiden können.414 In den USA müssen Wissenschaftler gemäß den Anforderungen von due process durch 408 http://www.hhs.gov/dab/background.html (15.02.2007). 409 5 U.S.C.A. §§ 5362 (1976); Sieberg, Verwaltungsvollstreckung – Ein Vergleich zwischen den USA und Deutschland, S. 90; zum Unabhängigkeitsstatus vgl. Aman/Mayton, Administrative Law, S. 240 m.w.N. und Gellhorn/Levin, Administrative Law and Process, S. 262. 410 5 U.S.C.A. §§ 3105, 5372, 7521. 411 Im US-amerikanischen Verwaltungsrecht unterscheidet man insoweit recommended decisions und initial decisions. Während eine initial decision rechtskräftig wird, wenn sie nicht durch einen Behördenleiter oder ein appeal board überprüft wird, muß eine recommended decision stets von einem leitenden Verantwortlichen überprüft werden, Gellhorn/Levin, Administrative Law and Process, S. 264. 412 Department of Health an Human Services (DHHS), Hearing Procedures for Scientific Misconduct 59 Fed. Reg. 29809 (29810) (June 9, 1994), X. 413 Department of Health and Human Services (DHHS), Public Health Service Policies on Research Misconduct, 70 Fed. Reg. 28370 (28395) (May 17, 2005), § 93.502. Der ALJ kann zu seiner Assistenz bei der Evaluation wissenschaftlicher und technischer Probleme in Bezug auf das Fehlverhalten eine oder mehrere Personen mit geeigneter wissenschaftlicher oder technischer Expertise beiziehen. 414 Price, The Journal of Higher Education Vol. 65 (1994), S. 286 (286).

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References

Zusammenfassung

Wissenschaftliches Fehlverhalten ist kein neuartiges, aber ein in Deutschland lange unbeachtetes Phänomen. Die Autorin vergleicht verschiedene nationale Standards und Verfahrensmodelle des Umgangs mit wissenschaftlichem Fehlverhalten und erkennt Tendenzen einer allgegenwärtigen zunehmenden Verkomplizierung und zugleich Internationalisierung von Regulierungssystemen in diesem Bereich.