Content

Edmund Ratka, Theoretische Grundlagen in:

Edmund Ratka

Frankreichs Identität und die politische Integration Europas, page 35 - 39

Der späte Abschied vom Nationalstaat

1. Edition 2009, ISBN print: 978-3-8329-4233-5, ISBN online: 978-3-8452-1748-2 https://doi.org/10.5771/9783845217482

Series: Münchner Beiträge zur europäischen Einigung, vol. 21

Bibliographic information
35 3. Eine sozialkonstruktivistische Außenpolitiktheorie Während die konstruktivistische Wende auf metatheoretischer und systemischer Ebene schnell fruchtbare Debatten auslöste, setzten sich sozialkonstruktivistisch inspirierte Außenpolitikanalysen nur zögerlich durch: „A focus on state action also addresses a key deficit of constructivist theory – its relative inattention to the sources of foreign policy“ (Banchoff 1999: 261). Volker Rittbergers Forschungsgruppe beklagte ebenfalls das Fehlen einer überprüfbaren und kohärenten Außenpolitiktheorie des Sozialkonstruktivismus (Boekle/Rittberger/Wagner 2001: 105) und Ole Wæver konstatierte noch vor wenigen Jahren: „There is still a need for a systematically identity-based theory to explain foreign policy“ (Wæver 2005: 34). Mittlerweile hat sich die konstruktivistische Außenpolitikforschung zwar etabliert, die fehlende Dominanz einer bestimmten Außenpolitiktheorie aber ist geblieben (siehe Fürst 2008: 12) und angesichts der wissenschaftstheoretischen und methodischen Vielfalt der als konstruktivistisch firmierenden Ansätze weder erstrebenswert noch erreichbar. In diesem Kapitel wird nun aus zwei Grundannahmen des Sozialkonstruktivismus heraus und in Anlehnung an den Forschungsstand zur konstruktivistischen Außenpolitikforschung ein theoretisches Modell formuliert. Nach der Vorstellung der Grundannahmen (Kapitel 3.1) werden die beiden hier als maßgeblich erachteten ideellen Faktoren – Identitätskonzeptionen und Normen – näher bestimmt (Kapitel 3.2). Anschließend werden die Stellung und Bedeutung dieser Wirklichkeitskonstruktionenen im Diskurs theoretisch erfasst (Kapitel 3.3) und darauf aufbauend ein methodisches Raster für die Diskursanalyse entwickelt (Kapitel 3.4 und 3.5). 3.1 Theoretische Grundlagen Das Theoriedesign, das in dieser Studie Anwendung findet, stützt sich nicht auf die Betonung der wechselseitigen Konstituierung von Akteuren und Strukturen, die für den Konstruktivismus in den internationalen Beziehungen charakteristisch ist. Stattdessen werden hier zwei andere, ebenfalls klassisch konstruktivistische Annahmen zugrunde gelegt, die ideellen Faktoren eine zentrale Bedeutung für die Analyse internationaler Politik einräumen. Erstens lehnt der Sozialkonstruktivismus ein essenzialistisches Verständnis der sozialen Welt ab und geht davon aus, dass diese erst durch die Bedeutungszuweisungen und die soziale Praxis von Akteuren konstituiert wird. Damit sind ideelle Faktoren, wie Identitäten und Normen, nicht als vorgegebenen Entitäten, sondern als das Ergebnis intersubjektiver Konstruktionsprozesse zu verstehen. Sie sind damit historisch kontingent und veränderbar (siehe beispielsweise Risse 2003: 105). Soll dieses Grundverständnis, das auch in der politikwissenschaftlichen Identitätsforschung mittlerweile zur „current orthodoxy“ geworden ist (Mole/Ciut? 2007: 209), 36 für die Außenpolitikanalyse fruchtbar gemacht werden, ist es mit einer weiteren Annahme des Sozialkonstruktivismus zu verknüpfen: der dort vertretenen Handlungslogik. Idealtypisch stellen Konstruktivisten dem rationalistischen Akteursverständnis vom „homo oeconomicus“, der vorgegebene Interessen und Präferenzen besitzt und sich diesbezüglich rational und nutzenmaximierend verhält, das des „homo sociologicus“ gegenüber. Eingebunden in ein Netz intersubjektiver Bedeutungszuschreibungen trifft dieser Entscheidungen „norm- und regelgeleitet auf dem Hintergrund subjektiver Faktoren, historisch-kultureller Erfahrungen und institutioneller Einbindungen“ (Schaber/Ulbert 1994: 142). Eine solche Handlungslogik wird in Abgrenzung zur „Logik des Konsequentialismus” als „Logik der Angemessenheit“ bezeichnet: „Within a logic of appropriateness, a sane person is one who is ‘in touch with identity’ in the sense of maintaining consistency between behavior and a conception of self in a social role” (March/Olsen 1989: 161). Die „ideelle Ontologie“ (Ulbert 2005: 13) des Sozialkonstruktivismus bedarf in der Außenpolitikforschung allerdings einer Konkretisierung: Welche ideellen Faktoren werden untersucht? Eine erste Unterscheidung ergibt sich hinsichtlich der Analyseebene also aus der Frage, ob Wirklichkeitskonstruktionen auf der sozietalen oder internationalen Ebene betrachtet werden. Für diese Studie wird angenommen, dass sich die Grundmuster der französischen Position zur politischen Integration anhand sozietaler, also in der französischen Gesellschaft präsenter, ideeller Faktoren erklären lassen. Dabei wird selbstredend nicht ausgeschlossen, dass sich auch auf der europäischen oder internationalen Ebene wirksame ideelle Faktoren auf die Außenpolitik eines Landes auswirken können. Allerdings erscheint mit Blick auf ein möglichst schlankes Theoriedesign, das lediglich Grundorientierungen außenpolitischen Verhaltens erklären will, eine Reduktion auf innerstaatliche Wirklichkeitskonstruktionen insbesondere für den hier untersuchten Gegenstand gerechtfertigt. In einem so sensiblen, für sein eigenes Selbstverständnis essenziellen Bereich wie der politischen Integration kann ein Staat bzw. seine Regierung nicht langfristig eine Politik verfolgen, die seinem Selbstverständnis bzw. der dominanten Konzeption kollektiver Identität zuwiderläuft. Gerade Frankreich wird zudem eine „übermäßig[e] Beschäftigung mit sich selbst […] bzw. einen Hang zur Nabelschau“ diagnostiziert (Schubert 1991: 65) und auch Bernhard Stahl kommt zum Schluss, dass in Frankreich „die identitären Diskurse zur Introvertiertheit neigen, also Fremderwartungen kaum eine Rolle spielen“ (Stahl 2006: 112). Die innerstaatlichen ideellen Faktoren können ihrerseits weiter differenziert werden. Boekle, Rittberger und Wagner unterscheiden hierbei zwischen „expert- and advocacy-based approaches“, „culture- and identity based approaches“ und ihrem eigenen normenbasierten Ansatz (Boekle/Rittberger/Wagner 2001: 121 ff.). Aufgrund ihrer größeren Verbreitung in der Gesellschaft hält die Tübinger Forschungsgruppe (politische) Kultur und (nationale) Identität für die bedeutsameren Analyseeinheiten für die konstruktivistische Außenpolitikforschung als Normen, die lediglich von epistemischen Gemeinschaften oder „Advocacy“-Koalitionen geteilt werden. Da ihrer Ansicht nach aber kultur- und identitätsbasierte Ansätze für die Erklärung von Außenpolitik zu unspezifisch sind, plädieren sie für eine Operationalisierung ihrer unabhängigen Variablen als „social norms“, die sie als „intersubjectively shared value-based expectations of appropriate behaviour“ (Boekle/Rittber- 37 ger/Wagner 2001: 106) verstehen und denen sie eine unmittelbare Verhaltensorientierung zuschreiben (Boekle/Rittberger/Wagner 2001: 121). Die Stärke dieses Ansatzes, seine Ambition, konkretes außenpolitisches Verhalten zu erklären, entpuppt sich aber gleichzeitig als Schwäche, bleibt er doch zu sehr an der empirischen Oberfläche. Um die Wirkungsmacht und die Konstanz von Normen zu verstehen und tragfähige Prognosen formulieren zu können, müssten die identitären Grundlagen dieser Normen erfasst werden, wie es die vorliegende Studie anstrebt. Zusammenfassend kann mit Blick auf die vorgestellten Annahmen des Sozialkonstruktivismus – ideelle Ontologie und Logik der Angemessenheit – eine Außenpolitiktheorie als konstruktivistisch bezeichnet werden, wenn sie annimmt, dass sich das außenpolitische Verhalten von Staaten an sozial konstruierten ideellen Faktoren orientiert. In diesem Sinne will diese Studie erforschen, welche Konzeptionen kollektiver Identität innerhalb der politischen Elite Frankreichs dominant sind und wie sie die französische Außenpolitik hinsichtlich der politischen Integration Europas beeinflussen. Sie beschränkt sich damit auf das Erfassen der verschiedenen kollektiven Identitätskonzeptionen, untersucht deren Artikulation und Wirkungsweise im Diskurs und fragt nach den Konsequenzen für das außenpolitische Verhalten des Landes. Dazu werden die Identitätskonzeptionen für den Moment ihrer Analyse ‚eingeklammert‘. Dieses Vorgehen, das dem permanenten diskursiven Reproduktionsprozess sozialer Wirklichkeitskonstruktionen sicherlich nicht gänzlich gerecht werden kann, ist als ‚heuristischer Trick‘ zu verstehen. Damit wird hier freilich nicht der gleiche Anspruch wie von den oft als „postmodern“ oder „post-positivistisch“ charakterisierten Diskursanalysen erhoben, die in der Regel beabsichtigen, gesellschaftliche Herrschaftsverhältnisse aufzudecken (Nullmeier 2001: 301 f.).8 Wenn ein Untersuchungsdesign, das den Entstehungsprozess von Wirklichkeitskonstruktionen nicht problematisiert, sondern sich auf eine Analyse von deren Folgen beschränkt, von sich als post-positivistisch bzw. post-strukturalistisch bezeichnenden Autoren als „neuer Essenzialismus“ (Fürst 2008: 46) oder gar Verrat am Konstruktivismus (Hülsse 2003a: 15) geschmäht wird, offenbaren sich die erkenntnistheoretischen Gräben innerhalb des sozialkonstruktivistischen Forschungsprogramms. Statt einer Dichotomisierung in einen positivistischen und post-positivistischen Konstruktivismus folgt die vorliegende Studie der ursprünglichen Brückenfunktion des Sozialkonstruktivismus zwischen rationalistischen und reflexiven Forschungsrichtungen (siehe Wendt 1992: 394). Mit Max Weber, der Soziologie als „eine Wissenschaft, welche soziales Handeln deutend verstehen und dadurch in 8 Siehe für ein solches Verständnis von Diskursanalyse etwa Milliken 1999. Ideen- oder normenbasierte Ansätze zur Analyse von Außenpolitik werden dort als „alternative frameworks to the discourse approach“ bezeichnet (Miliken 1999: 230 f.). Die auf die Aufdeckung gesellschaftlicher Machtstrukturen gerichteten diskursanalytischen Ansätze wären jedoch besser als ‚kritische‘ Diskursanalysen zu klassifizieren (siehe Torfing 2005: 6-9; Wodak et al. 1998: 41- 47). Auch Wæver betont, dass „discourse analysis“ eine Methode ist und noch keinen bestimmten theoretischen Ansatz impliziert (Wæver 2004: 198). In diesem Sinne erscheint es auch als eine unzutreffende ‚kritische‘ Monopolisierung des Konstruktivismusbegriffs, wenn Richard Mole behauptet: „Constructivists view nations and national identities as constructs, forged by elites to achieve various socio-political and economic objectives“ (Mole 2007: 5) 38 seinem Ablauf und seinen Wirkungen ursächlich erklären will“, definiert (Weber 1964: 3), ist für eine Verbindung von ‚Erklären‘ und ‚Verstehen‘ zu plädieren, wie sie von einem Teil der sozialkonstruktivistischen Forschung auch gemacht wird (siehe dazu Risse 2003: 104; Adler 2002: 97 f.).9 Dementsprechend soll die Europapolitik Frankreichs hier aus einer Innensicht heraus verstanden und nach ihren Möglichkeitsbedingungen gefragt werden, ohne dabei den Anspruch nach der Erklärung dieser Politik aufzugeben. Nehmen wir die sozialkonstruktivistische Ontologie ernst, können monokausale Ursache-Wirkungs-Zusammenhänge der Komplexität einer sich ständig im Prozess der intersubjektiven Rekonstruktion befindlichen sozialen Welt nicht gerecht werden. Der traditionelle positivistische Theoriebegriff muss also erweitert werden und über eine einseitige Kausalanalyse hinausgehen (Daase 1999: 21 f.). Mit Alexander Wendt könnte hier von „constitutive theorizing“ gesprochen werden (Wendt 1999: 83). Statt dem Warum kausaler Theorien wird dabei nach dem Wie oder Was gefragt: „What we seek in asking these questions is insight into what it is that instantiates some phenomenon, not why that phenomenon comes about“ (Wendt 1998: 105). Es ist nicht nach ‚der einen‘ Ursache zu suchen, durch die eine erklärungsbedürftige Verhaltensweise ausgelöst wird, sondern nach den sozial konstruierten Vorstellungen und Überzeugungen, die Gründe bereitstellen, die dieses Verhalten ermöglichen (es also nicht zwangsläufig zur Folge haben müssen). Auf diese ‚indirekte‘ konstitutive Art und Weise können dann auch Gründe eine kausale Wirkung ausüben (Finnemore 2003: 14 f.). Damit wird die Suche nach der Entdeckung von Gesetzmäßigkeiten mit einer „Logik des Ermöglichens“ verbunden (siehe Hülsse 2003a: 13): Wenn eine bestimmte Identitätskonzeption den Elitendiskurs dominiert, ist ein bestimmtes außenpolitisches Verhalten möglich oder nicht möglich bzw. wahrscheinlich oder unwahrscheinlich. Wenn wir annehmen, dass die soziale Welt intersubjektiv konstruiert ist, erhalten soziale Praxen, wie das Sprechen, eine herausragende Bedeutung. Die ideellen Faktoren werden dadurch nicht nur konstruiert, sondern äußern sich als und wirken über soziale Praxen. Maja Zehfuß weist deshalb zu Recht darauf hin, dass – denkt man die Implikationen konstruktivistischer Ansätze zu Ende – die Analyse des politischen Diskurses zwangsläufig notwendig wird (Zehfuß 1998: 132 f.). Bevor die Stellung und die Wirkungsweise von Identitätskonzeptionen und Normen im Diskurs expliziert werden (Kapitel 3.3), werden diese beiden ideellen Faktoren im Folgenden näher bestimmt. 9 Mit „Erklären“ ist dabei das Erzählen einer „out-sider-story“ gemeint, das sich an den Methoden der Naturwissenschaften orientiert und nach Gesetzmäßigkeiten sucht, mit „Verstehen“ das Erzählen einer „insider-story“, wo mit hermeneutischen Verfahren aus der Perspektive des individuellen Akteurs die Bedeutung der Wirklichkeit rekonstruiert wird (siehe Hollis/Smith 1990: 1-7) 39 3.2 Die Konzeptionalisierung von Identität und Normen Dem Theoriedesign dieser Studie liegt die Annahme zugrunde, dass sich die französische Europapolitik auf die Vorstellung über die kollektive Identität Frankreichs zurückführen lässt, die im Elitendiskurs dominant ist. Identität ist dabei nicht nur in der öffentlichen und politischen Debatte, sondern auch in der Wissenschaft zu einem gleichsam prominenten wie umstrittenen Begriff avanciert, der dementsprechend vielfältig und unscharf gebraucht wird. Während Brubaker und Cooper deshalb dafür plädieren, in der Wissenschaft auf alternative Begriffe zurückzugreifen (Brubaker/Cooper 2007: 46 f.), lassen sich für Forscher wie Richard Mole die unterschiedlichen Definitionen und Anwendungen des Identitätsbegriffs auf einen gemeinsamen Nenner bringen: „At its simplest, identity seeks to convey who we are or are perceived to be and the way we, as individuals or groups, locate ourselves and others in the social world“ (Mole 2007: 3). Diese Studie hält mit Blick auf seine wissenschaftliche Anschlussfähigkeit und Präsenz in der politischen Debatte am Identitätsbegriff fest. Zu betonen ist aber, dass er hier als Analysekategorie zum Einsatz kommt und keine bestimmte inhaltliche Vorstellung von kollektiver Identität unterstellt. Im Gegensatz zu anderen konstruktivistischen Arbeiten, die mit Bezeichnungen wie „nationale Identität“ (siehe Stahl 2006), „state identity“ (siehe Banchoff 1999; Jepperson/Wendt/Katzenstein 1996) oder „nation state identity“ (siehe Marcussen et al. 2001) arbeiten, soll deshalb der neutralere Begriff „Konzeption der kollektiven Identität Frankreichs“ bzw. verkürzt „(kollektive) Identitätskonzeption“ verwendet werden. Gehen wir für die Bestimmung der kollektiven Identitätskonzeption vom Individuum aus, kann auf das aus der Sozialpsychologie stammende Konzept der sozialen Identität rekurriert werden. Soziale Identität wird dort definiert als „that part of an individual’s self-concept which derives from his membership of a social group (or groups), together with the value and emotional significance attached to this“ (Tajfel 1978: 63). Wenn jetzt eine bestimmte soziale Identität für die Mitglieder einer Gruppe von so großer Bedeutung ist, dass sie es den Mitgliedern dieser Gruppe ermöglicht, sich als Gruppe positiv vom Rest der Welt abzugrenzen, ist von kollektiver Identität zu sprechen (siehe Weller 2002: 46). Ein solches Verständnis von kollektiver Identität beschränkt sich auf die Selbstzuschreibung der Mitglieder eines Kollektivs und unterscheidet sich somit vom Konzept der „Rolle“, bei welchem auch Fremdzuschreibungen einbezogen werden (siehe Stahl 2006: 51 f.). In der Terminologie von Brubaker und Cooper, die die verschiedenen Bedeutungsdimensionen des Identitätsbegriffs auffächern, könnte dieses Verständnis kollektiver Identität als „kategoriale Selbstidentifikation“ bezeichnet werden (Brubaker/Cooper 2007: 66-76). Bezogen auf den Untersuchungsgegenstand dieser Studie sind damit die Bedeutungszuschreibungen gemeint, die es den Franzosen erlauben, sich als Gemeinschaft der Franzosen, als „imagined community“ zu verstehen (Anderson: 1991: 6). Dazu wird ein kollektives Selbstbild gezeichnet, das die Gemeinschaft „Frankreich“ von anderen Gemeinschaften unterscheidet. Kollektive Identität kann somit als „set of narratives that sustain we-ness through time” verstanden werden (Banchoff 1999: 268).

Chapter Preview

References

Zusammenfassung

Ist Frankreich Motor oder Bremse der europäischen Einigung? Die vorliegende Studie arbeitet anhand dreier Vertragsverhandlungen (Fouchet-Pläne, Vertrag von Maastricht, Europäische Verfassung) die französische Position zur politischen Integration Europas systematisch heraus. Über eine Analyse des Diskurses der politischen Elite werden die Vorstellungen von der Identität Frankreichs ermittelt, die den Entwicklungslinien und Widersprüchen der französischen Europapolitik zugrunde liegen. Heute dominiert eine Identitätskonzeption, bei der die Nation vom Staat entkoppelt und zugleich mit einem unvermindert französischen Universalismus ausgestattet ist. Daraus werden Prognosen abgeleitet und anhand der Europapolitik Sarkozys überprüft.