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Jörn von Lucke, Klaus Lenk, Verwaltung, Informationstechnik & Management Festschrift für Heinrich Reinermann zum 80. Geburtstag in:

Jörn von Lucke, Klaus Lenk (Ed.)

Verwaltung, Informationstechnik & Management, page 11 - 16

Festschrift für Heinrich Reinermann zum 80. Geburtstag

1. Edition 2017, ISBN print: 978-3-8487-3816-8, ISBN online: 978-3-8452-8114-8, https://doi.org/10.5771/9783845281148-11

Series: E-Government und die Erneuerung des öffentlichen Sektors, vol. 17

Bibliographic information
Jörn von Lucke und Klaus Lenk Verwaltung, Informationstechnik & Management Festschrift für Heinrich Reinermann zum 80. Geburtstag Am 11. Januar 2017 feiert Universitätsprofessor Dr. Heinrich Reinermann seinen 80. Geburtstag. Mit seinen Schriften und Vorträgen sowie der Herausgabe von wissenschaftlichen Fachzeitschriften steht er wie kaum ein anderer für die Durchsetzung von Verwaltungsinformatik und Public Management in Deutschland. Sein wissenschaftliches Lebenswerk dokumentiert die Breite der Verwaltungswissenschaften. Betriebswirtschaftslehre, Public Management und Verwaltungsinformatik stehen dabei im Zentrum einer immer wieder auf Praxisfragen und -sorgen bezogenen Reflexion. Mit dieser Festschrift wollen wir das Leben und Wirken Heinrich Reinermanns würdigen. Seine Impulse haben Einfluss auf unser wissenschaftliches Schaffen genommen. In der Schriftenreihe „E-Government und die Erneuerung des öffentlichen Sektors“, in der diese Festschrift erscheint, wurde bereits vor vielen Jahren das Symposion zur Emeritierung Heinrich Reinermanns (2003) dokumentiert.1 Die Herausgeber dieser ersten, allerdings nicht als solcher ausgewiesenen Festschrift wählten damals, vorausahnend und wie wir heute glauben verfrüht, den Titel „Die Zeit nach dem E-Government“. Gegenstand waren Fragen der Verwaltungsinformatik, zu denen sich auch diesmal wieder zahlreiche Beiträge finden, nicht zuletzt auch von Teilnehmern des damaligen Symposions. Das ist kein Zufall, denn Verwaltungsinformatik steht seit Jahrzehnten im Mittelpunkt des Schaffens von Heinrich Reinermann. Aber sie steht dort nicht allein. Sein Lebenswerk umfasst einen weitaus größeren Bereich, der vor allem durch die Beschäftigung mit Fragen der Verwaltungswissenschaft, insbesondere zum Verwaltungsmanagement, geprägt ist. Die 1978 erfolgte Umwidmung seines Speyerer Lehrstuhls in „Verwaltungswissenschaft und Verwaltungsinformatik“ steckt die Umrisse seines Lebens für die Wissenschaft ab. Seit über vier Jahrzehnten ist er nunmehr mit der Hochschule (jetzt Universität) Speyer eng verbunden. Lesenswert ist seine 2013 erschienene, einfühlsame Darstellung von deren Entstehen und ihren kameralistischen Vorläufern.2 Dafür gibt ihm im (Un‑)Ruhestand die nach dem Speyerer 1 Klewitz-Hommelsen/Bonin 2005. 2 Reinermann 2013. Kameralisten Johann Jakob Becher (1635-1682) benannte Gesellschaft bis heute den passenden Rahmen. Die Stationen des Lebens dieses Kameralisten waren für Heinrich Reinermann beileibe nicht so leicht zu erschließen wie das heute mit den äußeren Lebensabschnitten eines Wissenschaftlers möglich ist. Im Zeichen von Wikipedia3 und zahlreichen Würdigungen des Jubilars4 braucht vorerst nicht mehr gesagt zu werden, als dass sein Schritt von einer mathematisch abgestützten Betriebswirtschaftslehre in die Verwaltungswissenschaften zu einem uns alle bereichernden und die Verwaltungswissenschaften auf der Höhe der Zeit haltenden Leben führen sollte. Im Titel der von ihm begründeten und 2017 im 23. Jahrgang erscheinenden Zeitschrift „Verwaltung & Management“5 im Nomos-Verlag verdichtet sich Heinrich Reinermanns funktional ausgerichtetes Verständnis von Verwaltung als Planung, Steuerung, Kontrolle, als Management des gesellschaftlichen Ordnens und Besorgens. Jenseits eines platten Managerialismus verdanken wir ihm grundsätzliche Arbeiten über das öffentliche Management, in denen er die Praxis des „arbeitenden Staats“ (Lorenz von Stein) reflektiert und in den Fokus der Verwaltungswissenschaften holt. Auch die von ihm maßgeblich mitgeformte Verwaltungsinformatik verstand Informationstechnik immer wieder als Baustein für eine bessere Verwaltung. Was die jeweiligen Generationen dieser Technik der Verwaltungspraxis an Chancen brachten, suchte Heinrich Reinermann unermüdlich den Führungskräften der deutschen Verwaltung zu vermitteln, in zahllosen Vorträgen, Seminaren, Lehrgängen, in vielen Speyerer Arbeitsheften und Forschungsberichten, auf den „großen“ Speyerer Tagungen sowie in der mit Klaus Lenk und Roland Traunmüller herausgegebenen „Schriftenreihe Verwaltungsinformatik“. Und immer war und ist damit die Botschaft verbunden, dass die Technik allein es nicht richte. Die konzeptionelle Anstrengung bei der Gestaltung einer Verwaltung auf der Höhe ihrer Zeit, die sich auch die Technikentwicklung zunutze macht, steht seit mehr als vier Jahrzehnten ebenso im Mittelpunkt seines Schaffens wie die Sorge um eine der jeweiligen Sachlage auch wirklich angemessene Umsetzung des Konzipierten. Mit Sorge sehen wir, dass sich der wissenschaftliche Nachwuchs mittlerweile oft damit begnügt, Literaturdatenbanken auf Veröffentlichungen der vergangenen drei Jahre zu durchforsten, ohne den vorhandenen breiten Stand der 3 Sein deutschsprachiger Wikipedia-Eintrag wurde 2006 angelegt und seitdem fortgeschrieben: https://de.wikipedia.org/wiki/Heinrich_Reinermann. 4 Im Beitrag von Lucke in diesem Band, aber auch die Beiträge in Klewitz-Hommelsen/Bonin 2005 sowie in dem von Jörn von Lucke herausgegebenen Tagungsband zur Fachtagung Verwaltungsinformatik 2012 (von Lucke/Geiger/Kaiser/Schweighofer/Wimmer 2012), der Heinrich Reinermann zum 75. Geburtstag gewidmet war. 5 Verwaltung & Management: http://www.vum.nomos.de. 12 Jörn von Lucke und Klaus Lenk wissenschaftlichen Literatur wirklich zu reflektieren. Aufgabe der akademischen Lehre und Forschung ist es aber, das bereits erarbeitete Wissen von Generation zu Generation weiterzutragen. Unverzichtbar erscheint uns die Beschäftigung mit dem Werk des Jubilars für die künftig breiter aufzustellenden Verwaltungswissenschaften. Sie müssen Sorge tragen für ein unübersichtlicher werdendes und vielen neuen Herausforderungen ausgesetztes Gemeinwesen. Das schließt die Fortführung von Heinrich Reinermanns Werk zur Verwaltungsinformatik ein, um den Herausforderungen der Informationstechnik nicht nur für das Staatshandeln, sondern für die gesamte Gesellschaft gerecht zu werden. Als Herausgebern dieser Festschrift ist es uns gelungen, viele von Heinrich Reinermanns Weggefährten dafür zu gewinnen, eigene Beiträge einzureichen, die Bezug zu seinem Leben und Wirken haben. Wir freuen uns über die vielen Aufsätze, die wir in drei Blöcken gruppiert haben: 1. Die Spannweite der Verwaltungsinformatik 2. Verwaltungswissenschaftliche Perspektiven 3. Verwaltungsmodernisierung mit Informationstechnik Mit dem ersten Teil wird die fachliche Spannweite der Verwaltungsinformatik als Wissenschaft aufgezeigt. Deren Herausbildung vor fast einem halben Jahrhundert behandeln Roland Traunmüller und Klaus Lenk. Jörn von Lucke stellt in seinem Beitrag die von Heinrich Reinermann begründete Speyerer Schule der Verwaltungsinformatik einschließlich ihrer Werke, Lehrer und Schüler dar. Danach gehen Kenneth Kramer und John Leslie King auf das Wechselspiel von Informationstechnologie und Verwaltungsreform in der digitalen Gesellschaft ein. Dabei reflektieren sie ihre Eindrücke aus der Zusammenarbeit mit der Speyerer Schule. Marco Brunzel zeigt die besondere Aktualität vieler Fragestellungen auf, mit denen sich Heinrich Reinermann in den vergangenen fünfzig Jahren immer wieder intensiv beschäftigt hat. Peter Eichhorn geht auf Daten und Informationen ein, wobei es seiner Meinung nach auf Funktion und Inhalt ankommt. Klaus Lenk sieht im Wissensmanagement die zentrale Herausforderung für die kommenden Jahre. Hermann Hill skizziert in seinem Beitrag anstehende Veränderungen und Herausforderungen, mit denen sich der öffentliche Sektor und die Verwaltungsinformatik künftig auseinander setzen wird. Im zweiten Teil werden verwaltungswissenschaftliche Perspektiven aufgezeigt, welche dem öffentlichen Management den ihm gebührenden Stellenwert zuweisen, aber auch die verschiedenen Rationalitäten ansprechen, die sich in unterschiedlichen Sichten auf Verwaltungshandeln ausdrücken. Martin Brüggemeier geht auf Grundfragen des Public Managements ein, welche sich durch die Entwicklung der Informationstechnik zunehmend verschieben. Im Licht früher Arbeiten Heinrich Reinermanns reflektiert Christoph Reichard mehr als 50 Jahre Haushaltsreformen und deren Wirkungen. Klaus Lüder zieht eine Bi- Verwaltung, Informationstechnik & Management 13 lanz der Reform des öffentlichen Haushalts- und Rechnungswesens in den vergangenen 30 Jahren, an denen er aktiv mitgewirkt hat. Ludwig Pack greift in seinem Beitrag eine klassische Optimierungsaufgabe heraus. Mit optimalen Losgrößen und Bestellmengen hat sich Heinrich Reinermann früher viel auseinander gesetzt. Angelika Menne-Haritz behandelt die Funktion von Akten in der öffentlichen Verwaltung. Sie plädoyiert für eine funktionale Sicht auf ein durchaus paradoxes Werkzeug im Verwaltungsalltag. Carl Böhret greift aus seinem großen Erfahrungsschatz einige Anregungen für Modernisierer heraus. Helmut Klages skizziert den Begriff der „Partizipations-Kultur“. Er erörtert Anwendungsmöglichkeiten und zeigt Grenzen auf. Unter Aspekten von Handlungsund Systemrationalität betrachtet Klaus König grundlegend die spannungsreiche Rationalität der öffentlichen Verwaltung. Im dritten Teil finden sich Betrachtungen über die Beiträge der Informationstechnik zur Verwaltungsmodernisierung. Wie ein auch nur flüchtiger Blick in die Beiträge in der Zeitschrift „Verwaltung & Management“ zeigt, kommt die Erneuerung des öffentlichen Handelns heute ohne diese Technik nicht mehr aus. Hans-Peter Bull schaut auf den aktuellen Stand der Modernisierung der Verwaltung, ihre Erfolge und die dennoch bestehenden zahlreichen offenen Punkte. Herbert Kubicek blickt kritisch auf das Lebenslagenprinzip und bedauert die allzu zögerliche Neuausrichtung der Geschäftsprozesse in den Back-Offices. Hinrich Bonin reflekiert seine Erfahrungen als SPD-Kreistagsabgeordneter im Landkreis Lüneburg, wo ein „Digitaler Sitzungsdienst“ nicht dazu beitrug, Machtverhältnisse zu verändern. Veith Mehde betrachtet aus einer rechtswissenschaftlichen Perspektive die Entwicklung der E-Government-Gesetze und ihre Wirkungen. Tino Schuppan und seine Mitautoren schildern den aktuellen Stand von Verwaltungsdienstleistungszentren (Shared Service Centers). Margrit Seckelmann geht auf die anstehenden Veränderungen für die Polizeiarbeit ein, wenn Kameras in Uniformen (Body-Cams) eingebettet werden. Arthur Winter skizziert praxisbezogene Ansätze zu einer vernetzten Verwaltung als Voraussetzung für die Realisierung von No-Stop-Government. Ganz herzlich möchten wir allen Unterstützern6 für ihren Einsatz und ihre Beiträge danken. In der Aufbereitung unterstützten uns Katharina Große von der Zeppelin Universität sowie Carsten Rehbein vom Nomos-Verlag. Besonderer Dank gilt zudem der Zeppelin Universität gemeinnützige GmbH in Fried- 6 So wie wir es von Heinrich Reinermann selbst aus seinen Schriften kennen und es von ihm gelernt haben, so halten wir es mit der Rechtschreibung und verzichten im Text auf Abkürzungen. Bei vielen Substantiven setzen wir ganz bewusst auf den Plural, da dieser die männliche wie weibliche Teilnehmer umfasst. Wenn dies nicht anders ausgewiesen ist, sind immer beide Geschlechter gemeint. 14 Jörn von Lucke und Klaus Lenk richshafen, deren ideelle, personelle und finanzielle Unterstützung die Festschrift in dieser Form überhaupt erst ermöglicht. Heinrich Reinermann wünschen wir weiterhin alles Gute für sein Leben, Muße und ungebrochene Schaffenskraft zugleich. Speyer, Friedrichshafen und Eutin, am 11. Januar 2017 Jörn von Lucke und Klaus Lenk Literatur Klewitz-Hommelsen, S., & Bonin, H. (Hrsg.). (2005). Zukunft von Verwaltung und Informatik, Buchreihe E-Government und die Erneuerung des öffentlichen Sektors. Band 2. Münster: LIT Verlag. von Lucke, J., Geiger, C., Kaiser, S., Schweighofer, E., & Wimmer, M. (Hrsg.). (2012) Auf dem Weg zu einer offenen, smarten und vernetzten Verwaltungskultur, Gemeinsame Fachtagung Verwaltungsinformatik (FTVI) und Fachtagung Rechtsinformatik (FTRI) 2012, Proceedings - GI-Edition Lecture Notes in Informatics, Band 197. Bonn: Köllen Verlag. Reinermann, H. (2013). Staats- und Verwaltungswissenschaften zwischen Johann Joachim Becher und der Universität Speyer. In Entwicklungen. Schriftenreihe der Johann Joachim Becher-Gesellschaft. Heft 31. Speyer: Johann Joachim Becher-Gesellschaft. Verwaltung, Informationstechnik & Management 15

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Abstract

In the German-speaking world, Heinrich Reinermann is one of the most influential scholars in the domains of public information systems and public management. His scientific work in these fields, which he covered in an uncompromisingly practical spirit for almost half a century, testifies to the breadth and depth of public administration science.

With 22 contributions from his academic companions, this festschrift is intended to honour the life and work of Heinrich Reinermann on his 80th birthday. They deal with the scope of scientific endeavours in the field of information systems, present various perspectives on public administration science and examine the contribution of digitisation to the modernisation of the public sector.

With contributions by:

Carl Böhret, Hinrich Bonin, Martin Brüggemeier, Marco Brunzel, Hans Peter Bull, Peter Eichhorn, Hermann Hill, John Leslie King, Kenneth Kraemer, Herbert Kubicek, Helmut Klages, Stefanie Köhl, Klaus König, Klaus Lenk, Stephan Löbel, Jörn von Lucke, Klaus Lüder, Veith Mehde, Angelika Menne-Haritz, Ludwig Pack, Christoph Reichard, Tino Schuppan, Margrit Seckelmann, Roland Traunmüller and Arthur Winter.

Zusammenfassung

Als der wohl einflussreichste Vordenker zu Digitalisierung und Management im öffentlichen Sektor steht Heinrich Reinermann wie kaum ein anderer für die Durchsetzung von Verwaltungsinformatik und Public Management in Deutschland. Sein wissenschaftliches Lebenswerk dokumentiert die Breite der Verwaltungswissenschaften. Betriebswirtschaftslehre, Public Management und Verwaltungsinformatik stehen im Zentrum einer immer wieder auf Praxisfragen und -sorgen bezogenen Reflexion.

Mit 22 Beiträgen seiner akademischen Weggefährten würdigt diese Festschrift das Leben und Wirken Heinrich Reinermanns zu seinem 80. Geburtstag. Sie enthält Beiträge zur Spannweite der Verwaltungsinformatik als Wissenschaft, zu unterschiedlichen verwaltungswissenschaftlichen Perspektiven und zur Verwaltungsmodernisierung mit Informationstechnik. Durchweg beziehen sie sich auf praktische Herausforderungen der Gestaltung, des Handelns und des Managements öffentlicher Organisationen.

Mit Beiträgen von

Carl Böhret, Hinrich Bonin, Martin Brüggemeier, Marco Brunzel, Hans Peter Bull, Peter Eichhorn, Hermann Hill, John Leslie King, Kenneth Kraemer, Herbert Kubicek, Helmut Klages, Stefanie Köhl, Klaus König, Klaus Lenk, Stephan Löbel, Jörn von Lucke, Klaus Lüder, Veith Mehde, Angelika Menne-Haritz, Ludwig Pack, Christoph Reichard, Tino Schuppan, Margrit Seckelmann, Roland Traunmüller und Arthur Winter.