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Nathalie Giger, Sascha Huber, Der Einfluss des Geschlechts auf Kandidatenbeurteilungen: Eine experimentelle Studie zu Kontexteffekten und individuellen Faktoren in Deutschland in:

Thorsten Faas, Cornelia Frank, Harald Schoen (Ed.)

Politische Psychologie, page 338 - 364

PVS Sonderheft 50

1. Edition 2015, ISBN print: 978-3-8487-1360-8, ISBN online: 978-3-8452-5441-8, https://doi.org/10.5771/9783845254418-338

Series: Sonderheft PVS

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333PVS, Sonderheft 50/2015, S. 333–359 IV. PROZESSE POLITISCHER INFORMATIONSVERARBEITUNG Der Einfluss des Geschlechts auf Kandidatenbeurteilungen: Eine experimentelle Studie zu Kontexteffekten und individuellen Faktoren in Deutschland Nathalie Giger/Sascha Huber 1. Einführung Frauen sind in der deutschen Politik weiterhin unterrepräsentiert, auch wenn das Land von einer Kanzlerin regiert wird. So steigt der Frauenanteil im deutschen Bundestag nur langsam an und beträgt derzeit knapp ein Drittel, was Rang 21 im weltweiten Ranking der Frauenrepräsentation bedeutet (Inter-Parliamentary Union 2014). Das könnte unter anderem an der Psychologie der Wähler liegen. Frauen wären demnach benachteiligt, weil Wähler Geschlechterstereotype anwenden und aufgrund dieser weibliche Kandidaten möglicherweise schlechter bewerten als männliche. In diesem Beitrag gehen wir deshalb der Frage nach, ob Wähler in Deutschland männliche und weibliche Kandidierende systematisch unterschiedlich wahrnehmen und ob diese unterschiedlichen Wahrnehmungen auch zu schlechteren Bewertungen weiblicher Politiker1 führen. Konkret betrachten wir in unserer Studie mit experimentellen Methoden, ob weibliche Kandidaten anders beurteilt werden als männliche, durch welche Kontextbedingungen ein solcher Unterschied beeinflusst wird und welche individuellen Faktoren der Wähler dabei eine Rolle spielen. Für die USA ist recht gut belegt, dass Wähler weibliche Kandidaten systematisch anders beurteilen und ihnen beispielsweise andere Kompetenzbereiche oder aber auch linkere Positionen zuschreiben. Dagegen sind Studien zu Europa bisher eher selten. Matland (1994) testet in einem experimentellen Setting, ob Politikerinnen in Norwegen anders als Politiker wahrgenommen werden. Matland und Tezcür (2011) verwenden ein ähnliches Design in der Türkei. Beide Studien finden systematisch unterschiedliche Bewertungen von Kandidierenden nach Geschlecht. Die Ergebnisse von Campbell und Cowley (2014) sind etwas weniger ausgeprägt, deuten aber auch an, dass im britischen Kontext die Wahlchancen von weiblichen Kandidaten schlechter beurteilt werden. Bieber (2013) untersucht schließlich für Deutschland in einem Experiment, inwieweit Wähler weibliche und männliche Kandidaten mit und ohne Migrationshintergrund unterschiedlich bewerten, und 1 Wir verwenden in diesem Beitrag Kandidierende, Kandidaten und Politiker synonym und benutzen die Adjektive „weiblich“ und „männlich“, um nach Geschlecht zu trennen. PROZESSE POLITISCHER INFORMATIONSVERARBEITUNG 334 PVS, Sonderheft 50/2015 Prozesse politischer Informationsverarbeitung findet, dass gerade weibliche Kandidaten mit Migrationshintergrund in mehreren Dimensionen anders bewertet werden.2 Mit unserer Studie wollen wir den Zusammenhang zwischen Geschlecht und Kandidatenbeurteilung für den deutschen Fall genauer beleuchten. Neben der Beantwortung der allgemeinen Frage nach der Wirkung des Kandidatengeschlechts auf die Wahrnehmungen und Beurteilungen der Wähler, leistet unsere Studie zwei wichtige Beiträge zur Literatur: Erstens gehen wir der Frage nach, wie der Umfang an Information über die einzelnen Kandidaten die Zuschreibung von geschlechtsspezifischen Eigenschaften und deren Bewertung beeinflusst. In der bisherigen Forschungsliteratur wurde diese Frage bisher kaum systematisch untersucht. Wir erwarten dabei, dass der Rückgriff auf Geschlechter-Stereotype besonders dann ausgeprägt ist, wenn Wähler nur wenige Informationen über die politische Ausrichtung der Kandidierenden haben. In unserer Experimentalstudie haben wir deshalb neben dem Geschlecht der Kandidaten auch den Informationskontext variiert: Die Probanden erhielten entweder Informationen über den Charakter der Kandidaten oder über deren politische Ausrichtung oder über beides. Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass der Informationskontext die Wirkungen des Kandidatengeschlechts tatsächlich systematisch moderiert. Zweitens beschäftigen wir uns neben den Kontexteigenschaften auch mit individuellen Unterschieden in der Zuschreibung von geschlechtstypischen Merkmalen. Die direkte Messung von allgemeinen Gender-Stereotype erlaubt es uns dabei, den moderierenden Effekt dieser Einstellungen empirisch zu testen. Die Resultate bestätigen unsere Vermutung, dass insbesondere Individuen, deren Denken stark durch geschlechtsspezifische Stereotype geprägt ist, unterschiedliche Bewertungen für männliche und weibliche Kandidierende vornehmen. Empirisch stützen wir uns dabei auf ein Experiment, das wir im Herbst 2013 durchgeführt haben und bei dem wir den Befragten fiktive Kandidaten präsentiert haben. Experimentelle Studien erscheinen bei der Untersuchung von Effekten des Kandidatengeschlechts ideal, da nur so der Effekt des Geschlechts von anderen Faktoren systematisch unterschieden werden kann (vgl. McDermott 1998). Vergleicht man in Umfragen beispielsweise die Wahrnehmungen von realen Politikern und Politikerinnen, unterscheiden sich diese möglicherweise, es bleibt aber unklar, ob ihr Geschlecht dafür verantwortlich ist oder ob andere Faktoren, wie deren Auftreten, deren politische Positionen oder deren politische Funktionen, diese Unterschiede bedingen. In Experimenten können alle diese Faktoren konstant gehalten und so der interessierende Faktor isoliert werden (vgl. Faas u. Huber 2010). Der Beitrag ist wie folgt aufgebaut: Wir vertiefen zunächst die theoretischen Hintergründe unserer Arbeit und entwickeln die Hypothesen, die die empirischen Analysen leiten werden. In einem nächsten Abschnitt beschreiben wir den Aufbau des Experiments und die Operationalisierung der einzelnen Variablen. Danach werden die empirischen Ergebnisse dargestellt, die Schlussbemerkungen runden den Beitrag dann ab. 2 Darüber hinaus gibt es einige Studien, die auf Umfragedaten basieren und sich mit geschlechtsspezifischen Einstellungen beschäftigen, ohne jedoch besonders auf die Auswirkungen dieser Einstellungen auf Kandidatenurteile einzugehen (z.B. Lefkofridi et al. 2013; Westle 2009). 335 Giger/Huber | Der Einfluss des Geschlechts auf Kandidatenbeurteilungen 2. Theoretischer Hintergrund und Hypothesen Das Geschlecht eines Kandidaten ist ein sehr einfach wahrzunehmendes Kriterium, aus dem mit wenig Vorwissen und Information viel abgeleitet werden kann. Die Literatur sieht das Geschlecht deshalb als Prototyp einfacher Heuristiken, die Wähler zur Entscheidungsfindung heranziehen, ohne dafür große Informationskosten tragen zu müssen (Lau und Redlawsk 2001; Matland 1994; McDermott 1997). Basierend auf dem Merkmal Geschlecht können Wähler Kandidaten eine ganze Fülle von verschiedenen Eigenschaften zurechnen und somit sehr wenig Information zu einer charakterlichen, aber auch politischen Einschätzung von Kandidaten gelangen. Individuen greifen dabei auf sogenannte Stereotype zurück, d. h. die Zuschreibung von Attributen zu einer Gruppe von Personen. Im Fall des Kandidatengeschlechts werden Merkmale, die die Wähler als typisch weiblich oder männlich sehen (sogenannte Gender-Schemata), auf politische Kandidaten projiziert. Für die USA ist der Gebrauch von Geschlechterstereotypen bei der Beurteilung von weiblichen und männlichen Kandidaten in verschiedenen Bereichen gut dokumentiert. Das betrifft zunächst Unterschiede im Charakter: Während weibliche Kandidatinnen in der Regel als mitfühlender, wärmer, freundlicher und passiver angesehen werden, werden männlichen Kandidaten häufig eher Attribute wie Härte, Aggressivität, Entscheidungsfreudigkeit oder Tatkraft zugeschrieben (Alexander u. Andersen 1993; Burrell 2008; Huddy u. Terkildsen 1993b; King u. Matland 2003; Lawless 2004; Leeper 1991; Sapiro 1981; Dolan 2013). Neben den Charakterzuschreibungen erfolgen aber auch politische Zuschreibungen aufgrund des Kandidatengeschlechts. So werden zum einen die Kompetenzbereiche von weiblichen und männlichen Abgeordneten oder Kandidaten unterschiedlich eingeschätzt. Frauen werden dabei Kompetenzen in typisch weiblichen Bereichen wie Gesundheit, Gleichstellung oder Familienpolitik zugeschrieben, während Männer eher in den Bereichen der Außenpolitik, der Verteidigung und der Wirtschaft als kompetent eingeschätzt werden (Sapiro 1981; Matland 1994; Alexander u. Andersen 1991; Koch 2002). Zum anderen gibt es eine Vielzahl von Studien, die zeigen, dass weibliche Kandidaten auch bei ihren eingenommenen politischen Positionen und bei ihrer allgemeinen ideologischen Ausrichtung anders eingeschätzt werden: Sie werden häufig als weiter links stehend wahrgenommen als ihre männlichen Kollegen (Koch 2000; McDermott 1998; Alexander u. Andersen 1993; Huddy u. Terkildsen 1993a). Obwohl sich der Großteil der Befunde auf den US-Kontext bezieht, ist anzunehmen, dass der Mechanismus des Rückgriffs auf Gender-Stereotype universal ist (siehe auch Sczensny et al. 2004, welche die interkulturelle Anwendbarkeit von Gender-Stereotypen bestätigen). Das legen auch die wenigen Arbeiten nahe, die sich mit Europa beschäftigen (z.B. Matland u. Tezcür 2011). Mit Hilfe von Umfragedaten konnte auch in Deutschland gezeigt werden, dass Wähler grundsätzlich relativ starke Geschlechtsstereotype bezüglich Männern und Frauen in der Politik besitzen (z.B. Westle 2009). Erste experimentelle Untersuchungen weisen zudem darauf hin, dass diese auch bei der Beurteilung von Kandidaten genutzt werden (Bieber 2013). 336 PVS, Sonderheft 50/2015 Prozesse politischer Informationsverarbeitung Gleichzeitig stellt sich die Frage, ob sich mit der Kanzlerschaft von Angela Merkel und der Einnahme von Spitzenpositionen anderer Politikerinnen, wie Ursula von der Leyen oder Hannelore Kraft, mittlerweile bereits ein Wandel vollzogen hat. Durch die Beispiele dieser Politikerinnen haben die Wähler in Deutschland möglicherweise ihre Einschätzungen zu Frauen und Männern in der Politik überdacht. So erscheint die Bundeskanzlerin vielen Wählern beispielsweise als durchaus durchsetzungsfähig und nicht unbedingt als zu emotional. Genauso erscheint sie im Zuge der Eurokrise auch wirtschaftliche Politikbereiche bewältigt zu haben. Wähler könnten aufgrund dieser Erfahrungen einerseits ihre Geschlechterstereotype über Kandidaten und Kandidatinnen angepasst haben oder sie wenden diese, aufgrund der abweichenden Erfahrungen, nicht mehr so stark bei ihrer Urteilsbildung bezüglich politischer Kandidaten an. In der Konsequenz würde dies in beiden Fällen implizieren, dass sich in Deutschland, wenn überhaupt, nur noch geringe Unterschiede in der Bewertung von Kandidatinnen und Kandidaten finden lassen.3 Aufgrund der bisherigen Evidenz erwarten wir aber immer noch einen Einfluss des Kandidatengeschlechts auf die Wahrnehmung und Beurteilung von Kandidaten und formulieren folgende Hypothese: H1: Individuen benutzen Gender-Stereotype um politische Kandidaten zu beurteilen: a.  Sie nehmen weibliche Kandidierende systematisch als mitfühlender und emotionaler wahr und männliche Kandidierende als durchsetzungsfähiger, selbstbewusster und rationaler. b.  Sie bewerten weibliche Kandidierende systematisch als kompetenter in weiblichen Domänen wie Sozialpolitik und Gleichstellungspolitik und männliche Kandidierende als kompetenter in den Bereichen Verteidigung, Sicherheit und Wirtschaft. c.  Sie bewerten weibliche Kandidierende systematisch als weiter links stehend sowohl bei spezifischen politischen Sachfragen als auch auf einer allgemeinen Links-Rechts-Dimension. In der bisherigen Forschung lassen sich zwei wichtige Schwachstellen lokalisieren, auf die wir im Folgenden genauer eingehen werden. Erstens wird häufig beklagt, dass die hypothetischen Kandidatenprofile unvollständig sind und insbesondere Informationen zur politischen Orientierung oder zur Parteizugehörigkeit fehlen (Sapiro 1981; King u. Matland 2003; Dolan u. Sanbonmatsu 2011). So zeigen Matland und King (2002) in ihrem Review-Artikel auf, dass nur eine von 15 publizierten Studien Angaben zur Parteizugehörigkeit der Kandidierenden machte und dass dies auch häufig nicht durch andere politische Informationen aufgefangen wurde. Daran anschließend stellt sich die Frage nach der externen Validität dieser Experimente und es ist anzunehmen, dass Geschlechtereffekte in bisherigen 3 Wir sind uns natürlich völlig bewusst, dass diese Überlegungen rein spekulativ sind und wir sie mit unserem Untersuchungsdesign nicht testen können. Theoretisch erscheinen sie allerdings durchaus plausibel. Wir diskutieren den Zusammenhang unserer Ergebnisse mit realen Vorbildern nochmals ausführlicher im Schlussteil. 337 Giger/Huber | Der Einfluss des Geschlechts auf Kandidatenbeurteilungen Studien wahrscheinlich überschätzt wurden, da die Wähler mangels alternativer Informationen fast gezwungen waren, auf Geschlechtsstereotype zurückzugreifen. Während Studien, die den Wählern mehr Information geben, tendenziell kleinere Unterschiede zwischen den Bewertungen von weiblichen und männlichen Profilen finden, steht ein direkter Test, ob wirklich die Informationsmenge die Stärke des Geschlechtereffekts beeinflusst, noch aus (vgl. Dolan u. Sonbanmatsu 2011). In unserer Studie wollen wir den möglichen moderierenden Effekt des Informationskontexts auf den Einfluss des Kandidatengeschlechts erstmals testen. Wir manipulieren deshalb den Fokus der Kandidatenbeschreibungen und präsentieren den Versuchsteilnehmern deshalb Beschreibungen, die unterschiedlich viele substantielle politische Informationen enthalten. Dabei gehen wir davon aus, dass der Informationskontext eine entscheidende Rolle bei der Verwendung der Geschlechtsstereotype als Heuristik hat. Die Heuristiken-Forschung in der Psychologie hat wiederholt gezeigt, dass sich Menschen der unterschiedlichen Validität verschiedener Hinweise durchaus bewusst sind (vgl. z.B. Gigerenzer u. Todd 1999). Sie werden deshalb versuchen, möglichst valide Hinweise zu nutzen, und insbesondere dann auf schlechtere Hinweise zurückgreifen, wenn keine besseren Hinweise zur Verfügung stehen. Für die Güte der Entscheidungsbildung ist es deshalb besonders wichtig, wie der (Informations-) Kontext beschaffen ist: je valider die Hinweise oder Informationen, die zur Verfügung stehen, desto besser wird auch die Urteilsbildung sein. Übertragen auf die politische Urteilsbildung zu Kandidaten bedeutet das: Wähler werden bei ihrer Urteilsbildung substantielle Hinweise zur politischen Position von Kandidaten nutzen, wenn sie denn zur Verfügung stehen. Wenn sie aber nicht zur Verfügung stehen, müssen sie auf weniger valide Heuristiken, wie das Geschlecht, ausweichen (vgl. für eine ähnliche Argumentation bei unpolitischen Kandidateneigenschaften auch Huber 2012, Kap. 4). Wir erwarten deshalb, dass Wähler insbesondere dann auf das Kandidatengeschlecht bei ihrer Urteilsbildung zurückgreifen, wenn sie wenig andere Informationen und Hinweise zur Verfügung haben. H2: Die Benutzung von Gender-Stereotypen ist umso ausgeprägter, je informationsärmer der Entscheidungskontext ist. a.  Davon betroffen sollten vor allem politische Urteile sein: Kompetenzzuschreibungen und die Wahrnehmungen von Positionen und ideologischer Verortung sollten nur dann vom Kandidatengeschlecht beeinflusst werden, wenn keine anderen politischen Hinweise zur Verfügung stehen. Eine weitere Lücke in der experimentellen Forschung betrifft die individuellen Unterschiede in der geschlechtsspezifischen Beurteilung von Kandidierenden. Einige wenige Arbeiten thematisieren das Geschlecht der Wähler und halten fest, dass Männer eher auf Stereotype zurückgreifen (Hayes 1997; Johns u. Shepard 2007) und dass es Tendenzen gibt, den Kandidierenden des eigenen Geschlechts eher positive Eigenschaften zuzuschreiben (Plutzer u. Zipp 1996). Allgemein wird jedoch meistens angenommen, dass alle Individuen gleichermaßen das Geschlecht eines Kandidierenden als Kriterium heranziehen, um weitere Persönlichkeitsmerkmale sowie politische Positionen zu schätzen. 338 PVS, Sonderheft 50/2015 Prozesse politischer Informationsverarbeitung Wir halten diese Annahme für problematisch und fokussieren uns dabei auf einen wichtigen Moderator, nämlich die Ausgeprägtheit des Denkens in (politischen) Geschlechter-Stereotypen. Aus der bisherigen Forschung wird deutlich, dass nur gewisse Teile der Bevölkerung in Geschlechter-Stereotypen denken, während andere dem Geschlecht keine große Rolle (mehr) zuschreiben. In den USA ist es ungefähr die Hälfte der Befragten, die angeben, dass das Geschlecht keine Rolle mehr spielt, während in Finnland als extrem gleichstellungsfreundlichen Land dieser Anteil bei ca. 80% liegt (Sanbonmatsu 2002; Dolan 2010, 2013; Lefkofridi et al. 2013). Im Anschluss daran nehmen wir deshalb an, dass es eine Rolle spielt, wie stark stereotype Ansichten bezüglich weiblicher und männlicher Politiker im Kopf des jeweiligen Wählers verankert sind. In anderen Worten: Wenn eine Wählerin der Ansicht ist, dass auch Frauen gute Verteidigungsminister sein können und dass Frauen und Männer gleich ehrgeizig und machtbewusst sind, wird auch eine reine Charakterbeschreibung bei ihr keinen Rückgriff auf Gender-Stereotype auslösen. Konkret analysieren wir in dieser Studie, ob die Stärke der eigenen Gender-Stereotype einen moderierenden Einfluss auf die Beurteilung männlicher und weiblicher Kandidaten ausübt. H3: Der Effekt des Geschlechts ist umso stärker, je stärker das Denken des Individuums von Gender-Stereotypen geprägt ist. Die Auswirkungen des Kandidatengeschlechts auf die Gesamtbewertungen von Kandidaten und darüber vermittelt auch auf die Wahlentscheidungen der Bürger werden in der Literatur kontrovers diskutiert. Sowohl eine direkte Benachteiligung von Frauen als auch ein indirekter Effekt über die unterschiedliche Beurteilung der Kandidatenmerkmale ist möglich. US-amerikanische Studien weisen nach, dass zwar selten eine direkte Benachteiligung von weiblichen Kandidaten von Seiten der Wähler existiert (siehe jedoch Fox u. Oxley 2003; Kahn 1994, 1996), die geschlechtsspezifischen stereotypen Ansichten jedoch häufig zu einer indirekten Benachteiligung führen, da Kandidatinnen andere Eigenschaften zugeschrieben werden und sie so generell als weniger für die Politik geeignet beurteilt werden oder aber auch ihre Wahlchancen systematisch kleiner eingeschätzt werden (Sapiro 1981; Leeper 1991; Huddy u. Terkildsen 1993b). In unserer Studie überprüfen wir nicht direkt die Wahlentscheidungen der Bürger, dafür aber die Gesamtbewertungen der beschriebenen Kandidaten. Dabei vermuten wir, dass das Kandidatengeschlecht auch in Deutschland nur einen indirekten Einfluss auf die Gesamtbewertungen der Kandidaten ausübt. Wähler werden aufbauend auf ihren Stereotypen weibliche Kandidatinnen in vielen Bereichen anders wahrnehmen als männliche Kandidaten: bei den Charaktereigenschaften genauso wie bei Kompetenzen und Positionen. Da Wähler diese Urteile als Grundlage ihrer Gesamtbewertung nutzen, werden sich möglicherweise auch die Gesamtbewertungen unterscheiden. Einen zusätzlichen direkten Effekt des Kandidatengeschlechts erwarten wir nicht. Entscheidend ist die Art der stereotypisierten Urteile über Charakter, Positionen oder Kompetenzen. Wenn Frauen beispielsweise als weniger durchsetzungsfähig eingeschätzt werden als Männer, Wähler diese Eigenschaft aber bei Politikern sehen wollen, wird sich das auch auf die Gesamtbewertung von weibli- 339 Giger/Huber | Der Einfluss des Geschlechts auf Kandidatenbeurteilungen chen Kandidaten auswirken. Aufbauend auf die amerikanische Literatur erwarten wir, dass weibliche Kandidaten aufgrund der vorgelagerten stereotypisierten Urteile über Charakter und Kompetenzen insgesamt negativer bewertet werden als männliche Kandidaten (vgl. Dolan u. Sanbonmatsu 2011). In unserer Studie überprüfen wir deshalb schließlich auch die beiden folgenden Hypothesen: H4: Weibliche Kandidaten werden insgesamt negativer bewertet als männliche Kandidaten. H5: Das Kandidatengeschlecht beeinflusst die Gesamtbewertung von Kandidaten nur indirekt über vorgelagerte stereotypisierte Einschätzungen und Wahrnehmungen. Bevor wir unsere Hypothesen überprüfen, werden im nächsten Abschnitt zunächst die erhobenen Daten und das experimentelle Design beschrieben. 3. Daten und experimentelles Design Das Experiment fand im November/Dezember 2013 statt und wurde online durchgeführt. Dabei haben wir insgesamt 1024 Bürger befragt, von denen 922 alle Fragen bis zum Schluss beantworteten. Die Rekrutierung der Befragten war offen und geschah über Werbung in sozialen Netzwerken und über E-Mail-Listen von Befragten, die bereits an früheren Befragungen der Universität Mannheim teilgenommen haben. Dabei wurde versucht, ein möglichst breites Spektrum der Gesellschaft zu erreichen. Als Anreiz wurde unter den Befragten Gutscheine über jeweils 30 Euro verlost. Das resultierende Sample war deutlich vielfältiger als ein rein studentisches Sample, entsprach aber natürlich keiner Zufallsauswahl und enthält manche Bevölkerungsgruppen deutlich häufiger als andere. Das Alter der Befragten hatte eine vergleichsweise große Varianz und einen Mittelwert von 38,5 Jahren. Die Parteiidentifikation der Befragten verteilte sich über das gesamte politische Spektrum: 23% Union, 22% SPD, 15% Grüne, 9% Linke, 5% FDP und 9% AfD. Auf der allgemeinen Links-Rechts-Dimension stuften sich die Befragten bei einer 11er-Skale im Mittel bei 5,3 ein. Bei der Bildung der Befragten zeigte sich eine deutliche Überrepräsentation der höheren Abschlüsse: 8% Hauptschule oder weniger, 17% Realschule/Mittlere Reife, 42% Abitur, 34% Hochschule/Universität. Schließlich waren auch Männer mit 62% in unserem Sample etwas überrepräsentiert. Nachdem die Befragten einige Fragen zu ihrem politischen Interesse und ihren politischen Einstellungen beantwortet haben, wurden ihnen zwei fiktive politische Kandidaten vorgestellt, deren Beschreibungen zufällig variiert wurden. Den Probanden wurde jeweils ein kurzer Text vorgelegt, in dem zuerst Kandidat 1 und dann Kandidat 2 beschrieben wurden. Das experimentelle Design war faktoriell und bezog sich auf die jeweiligen Beschreibungen der fiktiven Kandidaten: 2 (Geschlecht der Kandidaten: männlich vs. weiblich) X 3 (Beschreibung der Kandidaten: Charakter vs. Charakter/Politik vs. Politik). In jeder der Experimentalbedingungen wurden die Kandidaten mit dem jeweils identischen biographischen Abriss eingeführt. Die Manipulation des Geschlechts erfolgte über die Namen der 340 PVS, Sonderheft 50/2015 Prozesse politischer Informationsverarbeitung fiktiven Kandidaten (Kandidat/in 1. Thomas Kleeberg vs. Tanja Kleeberg; Kandidat/in 2: Silke Fischer vs. Anton Fischer) und die Verwendung weiblicher bzw. männlicher Pronomen im Beschreibungstext. Zusätzlich zu der Manipulation des Geschlechts wurde der Informationskontext variiert. In der Charakter-Bedingung wurden ausschließlich Informationen über den Werdegang der Kandidaten und deren charakterliche Eigenschaften beschrieben. Dabei wurden die Kandidaten beispielsweise als bodenständig und kompromissbereit dargestellt, oder es wurde dargelegt, ob sie bei öffentlichen Auftritten überzeugen und wie durchsetzungsfähig sie in der eigenen Partei waren. In der Politik-Bedingung wurden zusätzlich zum biographischen Abriss Informationen über die politischen Standpunkte der Kandidaten gegeben: Kandidat/in 1 wurde als eher konservativ beschreiben (z.B. für Schuldenabbau, gegen Ausbau des Sozialstaates, skeptisch bei Mindestlohn, keine weitere Kompetenzübergabe an EU), Kandidat/in 2 wurden eher linke Positionen zugeschrieben (z.B. für mehr Umverteilung, für Steuererhöhungen für Wohlhabende, für Mindestlohn, für weitere Vertiefung der EU). In der Charakter/ Politik-Bedingung wurden Informationen sowohl zum Charakter als auch zu den politischen Positionen der Kandidaten gegeben, die jeweils inhaltlich den ausführlichen Beschreibungen in der ausschließlichen Politik bzw. Charakter-Bedingung entsprachen, aber weniger ausführlich dargestellt wurden.4 Nach der Beschreibung des Kandidaten wurden die Befragten jeweils gebeten, eine Bewertung der Kandidaten vorzunehmen. Dabei fragten wir nach Einschätzungen verschiedener Charaktereigenschaften (durchsetzungsfähig, selbstbewusst, einfühlsam, rational, emotional), der Kompetenzen bei der Bewältigung verschiedener politischer Aufgaben (Schaffung neuer Arbeitsplätze, EU-Rettungsschirm, Schaffung neuer Kitaplätze, Ausarbeitung Bundeswehrreform), den wahrgenommen politischen Positionen bei verschiedenen politischen Streitfragen (Europäisches Hilfsprogramm gegen Jugendarbeitslosigkeit in Krisenländern, Steuererhöhungen für Wohlhabende, Einführung einer Frauenquote in Aufsichtsräten, Schuldenabbau des Staates), der wahrgenommenen Position auf der allgemeinen Links-Rechts-Dimension und schließlich der allgemeinen Bewertung der Kandidaten.5 Die Bewertungen der Kandidaten erfolgten jeweils direkt nach der Beschreibung des jeweiligen Kandidaten, Kandidat/in 1 wurde also bewertet, bevor Kandidat/in 2 beschrieben wurde. Nachdem auch Kandidat/in 2 beschrieben und bewertet wurde, folgten dann einige weitere allgemeine politische Fragen und am Ende des Fragebogens wurden schließlich Fragen zu Geschlechterstereotypen und demographischem Hintergrund gestellt. Dabei lehnen wir uns bei der Messung der Gender-Stereotypen eng an die amerikanische Forschung an und verwenden identische Fragebatterien (siehe z.B. Sanbonmatsu 2002; Dolan 2010, 2013). Abgefragt wird jeweils für vier Charaktereigenschaften und vier Kompetenzbereiche, ob eher männliche oder weibliche Politiker damit in Verbindung gebracht wer- 4 Eine vollständige Dokumentation der Beschreibungstexte in den jeweiligen Versuchsbedingungen findet sich im Online-Appendix zu diesem Beitrag. 5 Die Charaktereigenschaften, die Kompetenzen und die Positionen der Kandidaten bei politischen Streitfragen wurden jeweils auf einer 5er Skala gemessen, die Links-Rechts-Position und die Gesamtbewertung wurden auf 11er Skalen gemessen. 341 Giger/Huber | Der Einfluss des Geschlechts auf Kandidatenbeurteilungen den. Für die folgenden Analysen der Wahrnehmungen und Einschätzungen der Kandidaten verwenden wir jeweils die Einschätzungen zu beiden Kandidaten, sodass wir pro Befragten jeweils zwei Bewertungen nutzen können: die Bewertungen von Kandidat/in 1 und Kandidat/in 2.6 Der Fragebogen war dabei so konstruiert, dass immer einer der beiden Kandidaten männlich und einer der Kandidaten weiblich war.7 Verglichen werden dann immer die Einschätzungen zu den jeweils bis auf das Geschlecht identisch beschriebenen Kandidaten.8 4. Ergebnisse 4.1 Auswirkungen des Kandidatengeschlechts Im ersten Teil unserer Analysen überprüfen wir die Haupteffekte unserer experimentellen Manipulation des Kandidatengeschlechts – unabhängig von dem Informationskontext der Kandidatenbeschreibungen. In Abbildung 1 wenden wir uns zunächst den wahrgenommenen Charaktereigenschaften zu. Je höher der abgetragene Wert, desto stärker werden diese Eigenschaften bei dem beschriebenen Kandidaten von unseren Probanden wahrgenommen. Bei der Zuschreibung von männlichen Charaktereigenschaften finden sich keine signifikanten Unterschiede zwischen den Versuchsgruppen (zweiseitiger t-Test: t=1,01; p=0,32). In Bezug auf Ehrgeiz, Durchsetzungsfähigkeit und Rationalität schätzten die Befragten die weiblichen Kandidaten sehr ähnlich wie die männlichen Kandidaten ein. Das ist durchaus erstaunlich und unterscheidet sich deutlich von Ergebnissen in amerikanischen Studien. Offensichtlich nutzen unsere deutschen Probanden nicht das Geschlecht, um auf ‚männliche‘ Eigenschaften wie die Durchsetzungsfähigkeit von politischen Kandidaten zu schließen. Deutliche Unterschiede finden sich dagegen bei weiblich stereotypisierten Eigenschaften wie Empathie und Emotionalität. Allgemein wurde den Kandidatinnen in unserem Experiment diese Eigenschaften signifikant häufiger zugeschrieben als den ansonsten identischen Kandidaten (zweiseitiger t-Test: t=8,87; p<0,001). Damit zeigt sich ein interessantes Muster: den Kandidatinnen wurden zwar genauso stark ‚männliche‘ Eigenschaften zugeschrieben wie den Kandidaten, sie behielten aber ihren Vorsprung bei traditionell weiblich stereotypisierten Eigenschaften. 6 Die Ergebnisse für Kandidat 1 und Kandidat 2 unterscheiden sich nicht systematisch, weshalb wir dieses Vorgehen für sinnvoll erachten. 7 Wenn der Befragte bei Kandidat 1 einen männlichen Kandidaten zugeteilt bekam, war Kandidat 2 weiblich. Wenn der Befragte bei Kandidat 2 einen weiblichen Kandidaten zugeteilt bekam, war Kandidat 2 männlich. 8 Aus Gründen der Übersichtlichkeit machen wir in der Analyse keinen Unterschied, ob zuerst ein männlicher Kandidat vorgestellt wurde oder zuerst ein weiblicher. Wir haben jedoch in zusätzlichen Analysen Reihenfolgeeffekte getestet. Dabei ergeben sich zwar teilweise kleinere Unterschiede in den Ergebnissen, diese scheinen aber nicht systematischer Natur zu sein. Nichtsdestotrotz erscheint das Thema der Reihenfolgeeffekte bei der Darstellung von weiblichen und männlichen Kandidaten für zukünftige Forschung ein interessanter Aspekt zu sein. 342 PVS, Sonderheft 50/2015 Prozesse politischer Informationsverarbeitung Abbildung 1: Kandidatengeschlecht und die Wahrnehmung von Charaktereigenschaften Anmerkung: Angegeben sind jeweils die Mittelwerte und Standardfehler Als nächstes beschäftigen wir uns mit der Zuschreibung von Kompetenzbereichen. In Tabelle 1 sind die Ergebnisse zu den vier Bereichen dargestellt, die wir abgefragt haben. Höhere Werte bedeuten jeweils eine bessere Kompetenzzuschreibung; die Skala reicht von 1-5. Während bei den beiden eher wirtschaftlich geprägten Themen (Arbeitsplätze und EU-Rettungsschirm) keine signifikanten Unterschiede bestehen, zeigen sich bei den Themen Kitaplätze und Bundeswehrreform die erwarteten Muster: Kandidatinnen werden als signifikant kompetenter im Bereich der Familienpolitik eingeschätzt, während Kandidaten eher zugetraut wird, eine Bundeswehrreform auszuarbeiten. Weiter zeigt Tabelle 1 auch die Resultate bezüglich der Unterschiede bei Issue- Positionen. Für diese Variablen bedeuten höhere Werte eher Zustimmung, was für die ersten drei Themen mit eher linken Positionen gleichgesetzt werden kann, während für Schuldenabbau höhere Werte eine eher konservative Position bedeuten. Weiblichen Kandidaten werden also in allen Fällen – bis auf den Schuldenabbau – signifikant linkere Positionen zugeschrieben, besonders ausgeprägt sind die Unterschiede beim Thema der Einführung einer Frauenquote. Weiblichen Kandidaten wird hier im Allgemeinen eine sehr viel wohlwollendere Haltung zugeschrieben als den ansonsten identischen männlichen Kandidaten. 343 Giger/Huber | Der Einfluss des Geschlechts auf Kandidatenbeurteilungen Tabelle 1: Kandidatengeschlecht und die Wahrnehmung von Kompetenzbereichen Kompetenzbereiche Geschlecht Kandidaten Mittelwert Standardfehler t Effektgröße Schaffung neuer Arbeitsplätze weiblich 3,24 0,03 0,08 0,00 männlich 3,24 0,03 Ausarbeitung EU-Rettungsschirm weiblich 3,15 0,04 0,04 0,00 männlich 3,15 0,04 Schaffung neuer Kitaplätze weiblich 3,61 0,04 9,57** 0,52 männlich 3,09 0,04 Ausarbeitung Bundeswehrreform weiblich 2,52 0,04 6,33** -0,34 männlich 2,85 0,04 Issue-Positionen             EU-Hilfsprogramm gegen Jugendarbeitslosigkeit in weiblich 3,65 0,04 3,27** 0,19 Krisenländern männlich 3,46 0,04 Steuererhöhungen für weiblich 3,49 0,05 2,15* 0,15 Wohlhabende männlich 3,34 0,05 Einführung Frauenquote weiblich 3,75 0,04 14,92** 0,88 Aufsichtsräte männlich 2,87 0,04 Stärkerer Schuldenabbau weiblich 3,63 0,04 0,12 -0,01 männlich 3,64 0,04 Anmerkung: * Unterschiede signifikant auf dem 0,05 Niveau, ** Unterschiede signifikant auf dem 0,01 Niveau In Abbildung 2 sind schließlich die Mittelwerte der Links-Rechts-Einstufung und der Gesamtbewertung für die weiblichen und männlichen Kandidaten dargestellt, wobei höhere Werte bei der Links-Rechts-Einstufung für eher rechte ideologische Positionen stehen. Bei der Gesamtbewertung stehen höhere Werte für eine positivere allgemeine Einschätzung der Kandidaten. Entsprechend unseren Erwartungen werden Kandidaten eher rechts und Kandidatinnen eher links eingeschätzt. Der Unterschied bei der Einschätzung ansonsten identisch beschriebener Kandidaten ist dabei statistisch signifikant (zweiseitiger t-Test: t=2,21; p<0,05). Besonders interessant ist nun der Einfluss des Geschlechts auf die Gesamtbewertung der Kandidaten. Entgegen unseren Erwartungen (Hypothese 4) werden die weiblichen Kandidaten besser bewertet als die männlichen. Auf die Frage, was sie ganz allgemein von den Kandidaten halten, antworten die Befragten positiver, wenn es sich um eine Frau handelt. Auch hier sind die Unterschiede signifikant (zweiseitiger t-Test: t=2,26; p<0,05). Insgesamt finden wir in unseren Analysen also vor allem Unterstützung für Hypothese 1: Männer und Frauen werden unterschiedlich wahrgenommen. Dies führt aber nicht dazu, dass Frauen schlechter bewertet werden als Männer. 344 PVS, Sonderheft 50/2015 Prozesse politischer Informationsverarbeitung Abbildung 2: Kandidatengeschlecht, Links-Rechts-Einschätzung und Gesamtbewertung Anmerkung: Angegeben sind jeweils die Mittelwerte und Standardfehler 4.2 Der moderierende Einfluss des Informationskontextes auf die Wirkungen des Kandidatengeschlechts Wir erwarten, dass Wähler vor allem dann auf das Kandidatengeschlecht als Stereotyp zurückgreifen, wenn der Informationskontext ihnen wenig andere substantielle Angaben über die Kandidaten liefert (Hypothese 2). Sobald sie andere Informationen haben, sollten diese stärkere Auswirkungen haben und den Effekt des Geschlechts verringern. Das sollte insbesondere für die politischen Einschätzungen der Kandidaten gelten. In unserem Experiment haben wir drei verschiedene Informationskontexte getestet: in einem wurde auf den Charakter der Kandidaten fokussiert, in einem wurden sowohl Charakter als auch die politische Ausrichtung der Kandidaten beschrieben und in einem wurde nur auf die politische Ausrichtung der Kandidaten abgehoben. Im Folgenden überprüfen wir nun den moderierenden Einfluss dieser Informationskontexte auf die Wirkungen des Kandidatengeschlechts. In Abbildung 3 wenden wir uns zunächst den Einschätzungen des Kandidatencharakters zu. Für diese Aspekte der Kandidatenevaluation erwarten wir – anders als für die politischen Urteile – nur einen geringen Einfluss des Informationskontextes. 345 Giger/Huber | Der Einfluss des Geschlechts auf Kandidatenbeurteilungen Abbildung 3: Informationskontext, Kandidatengeschlecht und die Wahrnehmung von Charaktereigenschaften Anmerkung: Angegeben sind jeweils die Mittelwerte und Standardfehler Bei den männlich stereotypisierten Eigenschaften (durchsetzungsfähig, selbstbewusst und rational) finden sich ausschließlich in den Bedingungen mit Charakterbeschreibungen Unterschiede zwischen den männlichen und weiblichen Kandidaten. Kandidaten werden dort stärker männlich stereotypisierte Eigenschaften zugeschrieben als Kandidatinnen (zweiseitiger t-Test: t=2,28; p<0,05). In der Mischbedingung und der Bedingung mit Fokus auf der politischen Beschreibung der Kandidaten finden sich keine Unterschiede zwischen Kandidaten und Kandidatinnen. Entgegen unserer Erwartung hat das Kandidatengeschlecht also nur dann einen Einfluss auf die Einschätzungen ‚männlicher‘ Eigenschaften, wenn in den Beschreibungen viele Informationen über den Charakter der Befragten gegeben wurden. Offensichtlich haben die Befragten die gegebenen Informationen, die ja identisch waren für die jeweils verglichenen Kandidaten, anders interpretiert, wenn es sich um eine Frau handelte, als wenn es sich um einen Mann handelte. Bei den weiblich stereotypisierten Charaktereigenschaften zeigen sich in allen drei Versuchsbedingungen signifikante Unterschiede zwischen männlichen und weiblichen Kandidaten. Den Kandidatinnen wurden jeweils häufiger weiblich stereotypisierte Eigenschaften wie Empathie zugesprochen als den Kandidaten. Auch hier waren die Unterschiede in den Bedingungen mit Informationen über den Charakter besonders ausgeprägt. Die geringsten Unterschiede zeigen sich in der Bedingung mit ausschließlich politischer Beschreibung der Kandidaten. Aber auch diese Unterschiede sind noch deutlich und statistisch signifikant. 346 PVS, Sonderheft 50/2015 Prozesse politischer Informationsverarbeitung Als nächstes schauen wir uns an, ob die Geschlechtsunterschiede in der Zuschreibung von Kompetenzbereichen nach der Art des Informationskontextes variieren. Hier erwarten wir nun wie oben beschrieben, dass sich die Unterschiede zwischen den Geschlechtern verringern, wenn die Teilnehmer mehr Information über die Kandidaten erhalten. Abbildung 4 zeigt die entsprechenden Ergebnisse. Dargestellt sind hier die Differenzen zwischen weiblichen und männlichen Kandidaten für vier Bereiche. Positive Werte deuten an, dass Frauen in diesem Bereich eine größere Kompetenz zugeschrieben wird, während negative Werte einen Kompetenzvorsprung der männlichen Kandidaten angeben. Abbildung 4: Informationskontext, Kandidatengeschlecht und Kompetenzzuschreibungen Anmerkung: Dargestellt sind die Differenzen in den Kompetenzzuschreibungen nach Versuchsbedin gungen und Standardfehler Während wir für den Bereich „Arbeitsplätze“ und „EU-Rettungsschirm“ wie bei den Haupteffekten minimale Unterschiede finden und diese auch nicht systematisch nach Kontextbedingung variieren, verringern sich die Geschlechtsunterschiede in den anderen beiden Bereichen massiv, wenn den Wählern mehr politische Information zu den Kandidierenden vermittelt wird. Die Kompetenzvorteile von Frauen (Kitaplätze) bzw. Männern (Bundeswehrreform) schmelzen in der Politik- Bedingung dahin und sind für letzteres Thema nicht einmal mehr signifikant (zweiseitiger t-Test: t=1,38). Dies deutet darauf hin, dass die Antworten vor allem dann durch Gender-Stereotype geprägt sind, wenn den Wählern schlicht die Information fehlt, um die Kandidierenden in detaillierten politischen Fragen einzuschätzen. 347 Giger/Huber | Der Einfluss des Geschlechts auf Kandidatenbeurteilungen Daran anknüpfend lassen sich auch die Resultate für die Issue-Positionen interpretieren. Zuerst werden in Abbildung 5 die Unterschiede in den einzelnen Themen genauer beleuchtet. Dargestellt sind wiederum die Unterschiede zwischen den sonst identischen männlichen und weiblichen Kandidaten. Positive Werte bedeuten, dass weiblichen Kandidaten eher zugeschrieben wird, die entsprechenden Vorschläge zu unterstützen, während negative Werte darauf hindeuten, dass diese Positionen eher den männlichen Kandidaten zugeschrieben werden. Abbildung 5: Informationskontext, Kandidatengeschlecht und Issue-Positionen Anmerkung: Dargestellt sind die Differenzen in den Kompetenzzuschreibungen nach Versuchsbedin gungen und Standardfehler Bei der Analyse der Haupteffekte hatten sich hier signifikante Unterschiede in den Positionen zum EU-Hilfspaket für Jugendarbeitslosigkeit, Steuererhöhungen für Reiche und der Frauenquote in Aufsichtsräten gezeigt. Für alle drei Themen verringern sich die Unterschiede in den Positionen, sobald der Fokus der Kandidatenbeschreibung stärker auf politische Orientierungen liegt, wie wir es in Hypothese 2 postuliert haben. Während beim Thema der Frauenquote die Unterschiede auch in der Politik-Bedingung signifikant bleiben, unterschieden sich weibliche und männliche Kandidierende bei den ersten beiden Themen nicht mehr signifikant. Beim Thema Schuldenabbau findet ein interessanter Umkehreffekt statt, bei dem in der Politik-Versuchsbedingung Frauen plötzlich als eher diese Position vertretend wahrgenommen werden – ein Phänomen, das wir gleich bei der Analyse der ideologischen Unterschiede näher diskutieren werden. 348 PVS, Sonderheft 50/2015 Prozesse politischer Informationsverarbeitung Abbildung 6 überprüft den moderierenden Effekt des Informationskontexts zusätzlich für die allgemeine ideologische Einschätzung der Kandidaten. Die Analysen des Haupteffekts zuvor haben ergeben, dass Kandidatinnen insgesamt tatsächlich etwas weiter links stehend eingeschätzt werden als Kandidaten. Die in Abbildung 6 dargestellten Unterschiede in den einzelnen Versuchsbedingungen zeigen nun ein interessantes Muster. In der Bedingung, in der nur auf den Charakter der Kandidaten fokussiert wurde und die Befragten folglich fast keine Informationen über die politische Ausrichtung der Kandidaten hatten, waren die Unterschiede zwischen weiblichen und männlichen Kandidaten am größten. Während die Kandidaten bei durchschnittlich 6,8 auf der 11er Skala gesehen wurden, schätzten die Befragten die ideologische Position der Kandidatinnen auf 5,8. Die Kandidatinnen wurden also bei identischer Beschreibung um einen ganzen Skalenpunkt weiter links eingeschätzt als die Kandidaten (zweiseitiger t-Test: t=6,74; p<0,001). Abbildung 6: Informationskontext, Kandidatengeschlecht und die Links-Rechts- Einschätzung der Kandidaten Anmerkung: Angegeben sind jeweils die Mittelwerte und Standardfehler In der Bedingung mit Informationen sowohl über den Charakter als auch über die politische Ausrichtung der Kandidaten finden sich deutlich geringere Unterschiede zwischen männlichen und weiblichen Kandidaten, die auch nicht mehr statistisch signifikant sind (zweiseitiger t-Test: t=1,54; p=0,12). Ganz offensichtlich haben die gegebenen Informationen über die politische Positionierung der Kandidaten ausgereicht, um den Effekt des Kandidatengeschlechts verschwinden zu lassen. Die Versuchspersonen haben so gut wie nicht mehr auf ihre Geschlechterstereotype 349 Giger/Huber | Der Einfluss des Geschlechts auf Kandidatenbeurteilungen zurückgegriffen, sobald sie substantielle politische Informationen erhielten. Besonders bemerkenswert ist nun die Bedingung mit dem ausschließlichen Fokus auf die politische Beschreibung. Hier bekamen die Probanden die politischen Positionen der Kandidaten sehr ausführlich beschrieben. In dieser Bedingung dreht sich der Unterschied zwischen männlichen und weiblichen Kandidaten sogar um: Die weiblichen Kandidatinnen werden als weiter rechts eingestuft als die männlichen Kandidaten. Der Unterschied ist dabei auch knapp signifikant (zweiseitiger t-Test: t=-2,11; p<0,05). Eine mögliche Erklärung besteht in im sogenannten ‚overcorrecting‘: Wenn Menschen ihre Stereotype in einem Einzelfall widerlegt sehen, neigen sie manchmal dazu, für die Stereotype ‚zu‘ stark zu korrigieren. Das war wahrscheinlich auch hier der Fall: Wenn den Wählern ein explizit linker männlicher Kandidat präsentiert wurde, korrigierten sie sehr stark für ihr Stereotyp, genauso wie sie umgekehrt sehr stark korrigierten, wenn sie mit einer explizit rechten Kandidatin konfrontiert wurden. Zusammengenommen kommt es dann zu dem oben beschriebenen Ergebnis: Bei einer politischen Beschreibung wurden die Kandidaten im Durchschnitt als weiter links stehend wahrgenommen als die Frauen. Abbildung 7 untersucht schließlich den moderierenden Effekt des Informationskontexts auf die Gesamtbewertung der Kandidaten. Hier sind die Erwartungen weniger klar als bei den stereotypisierten ideologischen Einschätzungen. Während wir ursprünglich die Erwartung formuliert hatten, dass Frauen eher negativer bewertet werden als Männer, zeigte sich bei der Auswertung der Haupteffekte ein anderes Bild. Weibliche Kandidatinnen werden insgesamt positiver wahrgenommen. Gleichermaßen erwarten wir weiterhin, dass sich die Evaluation von weiblichen und männlichen Kandidaten angleicht, sobald der Fokus der Beschreibung stärker auf politische Eigenschaften gelegt wird. In der Bedingung mit Beschreibungen des Charakters finden sich keine Unterschiede in der Gesamtbewertung von weiblichen und männlichen Kandidaten (zweiseitiger t-Test: t=0,11; p=0,91). Beide wurden fast identisch bewertet. In der Bedingung, in der sowohl der Charakter als auch die politischen Ansichten der Kandidaten beschrieben wurden, zeigen sich bereits geringe Unterschiede zwischen Kandidaten und Kandidatinnen, die aber nicht signifikant sind (zweiseitiger t-Test: t=1,17, p=0,25). In der Bedingung, in der ausschließlich auf die politischen Positionen der Kandidaten fokussiert wurde, zeigt sich nun ein deutlicher und signifikanter Unterschied (zweiseitiger t-Test: t=2,39; p<0,05). Die weiblichen Kandidatinnen wurden bei ansonsten identischer Beschreibung insgesamt positiver beurteilt als die männlichen Kandidaten. Mit geringen Einschränkungen lässt sich somit Hypothese 2 auch bestätigen: Der Informationskontext moderiert den Einfluss des Kandidatengeschlechts in erheblichem Ausmaß. Wenn Wähler mehr substantielle Informationen über Kandidaten zur Verfügung haben, rückt die Bedeutung des Kandidatengeschlechts deutlich in den Hintergrund. 350 PVS, Sonderheft 50/2015 Prozesse politischer Informationsverarbeitung Abbildung 7: Informationskontext, Kandidatengeschlecht und die Gesamtbewertung der Kandidaten Anmerkung: Angegeben sind jeweils die Mittelwerte und Standardfehler 4.3 Der moderierende Einfluss der Stärke der Gender Stereotype auf die Wirkungen des Kandidatengeschlechts Neben dem moderierenden Einfluss des Informationskontexts9 interessiert uns in dieser Studie auch die individuelle Heterogenität bezüglich der unterschiedlichen Wahrnehmung von weiblichen und männlichen Kandidaten. Insbesondere wollen wir untersuchen, ob Wähler, deren Denken stärker von Stereotypen geprägt ist, eher unterschiedliche Bewertungen abgeben. Wir haben daher einen Index kreiert, der das Ausmaß des stereotypisierten Denkens beschreibt und von 0 bis 8 reicht10. Im Folgenden zeigen wir die Resultate von OLS-Regressionen, in denen dieser Index mit dem Geschlecht des Kandidaten interagiert wird. Die Erwartung ist dabei, dass die unterschiedliche Einschätzung von weiblichen und männlichen Kandidaten umso ausgeprägter ist, je höhere Werte der Stereotypen-Index annimmt. 9 Schaut man sich die hier gezeigten Resultate separat für die einzelnen Informationskontexte an, zeigt sich das bereits beschriebene Bild, dass die Effekte für die Charakter-Bedingung im Allgemeinen stärker sind. 10 Dabei wird für jede der 8 Fragen nach Stereotypen ein ‚Punkt‘ für eine stereotypisierte Antwort vergeben. Wer bei allen acht Fragen eine solche Antwort abgegeben hat, erreicht das Maximum von 8 Punkten. Der Mittelwert des Indices liegt bei 4,08 und die Standardabweichung beträgt 1,9. 351 Giger/Huber | Der Einfluss des Geschlechts auf Kandidatenbeurteilungen Tabelle 2: Interaktionen von Gender-Stereotypen und Kandidatengeschlecht (Charakter, links-rechts Positionierung und Gesamtbewertung)   Männl. Eigenschaften   Weibl. Eigenschaften   Links- Rechts   Gesamtbewertung   Geschlecht Kandidat -0,08 0,09 -0,24 0,12 -0,29 0,27 0,15 0,28 Stereotypen Index -0,02 0,01 0,02 0,02* -0,09 0,04* 0,10 0,04* Interaktion Geschlecht*Stereotypen 0,03 0,02 -0,04 0,03 0,12 0,06* -0,10 0,06 Konstante 3,88 0,06** 3,28 0,08** 6,09 0,19** 6,12 0,20** N 1588 1558 1694 1699 Anmerkung: Unstandardisierte Regressionskoeffizienten (OLS), robuste Standardfehler. * p<0,05, **p<0,01 Die Ergebnisse, wie sie in Tabelle 2 präsentiert sind, geben dabei ein gemischtes Bild ab. Für die männlichen Charaktereigenschaften finden wir keine Unterschiede nach dem Ausmaß an stereotypisiertem Denken. Anders sieht dies bei den weiblichen Eigenschaften aus, hier ist der Interaktionsterm nur ganz knapp nicht signifikant (zweiseitiger t-Test t=-1,51, p=0,132), deutet aber in die erwartete Richtung. Eindeutigere Ergebnisse zeigt die Regression mit der Links-Rechts-Einschätzung als abhängige Variable. Hier finden wir einen signifikanten moderierenden Einfluss des Stereotypen-Indexes. In Abbildung 8 ist diese Interaktion graphisch dargestellt. Abbildung 8: Marginaler Effekt des Stereotypen-Index auf die Wirkung des Kandidatengeschlechts Anmerkung: Die Darstellung beruht auf Tabelle 2, Modell 3 (links rechts) bzw. Modell 4 (Gesamtbewer tung). Dargestellt sind jeweils der marginale Effekt (ausgezogene Linie) sowie das 95% Konfidenz intervall (gestrichelte Linien). Während die Unterschiede zwischen weiblichen und männlichen Kandidaten bezüglich der Links-Rechts-Verortung auf der linken Seite der Abbildung klein sind, vergrö- ßert sich der Abstand zunehmend, je höhere Werte der Stereotypen-Index annimmt. Dies deutet darauf hin, dass gerade Individuen mit einem ausgeprägt stereotypen 352 PVS, Sonderheft 50/2015 Prozesse politischer Informationsverarbeitung Denken große Unterschiede bezüglich der Links-Rechts-Position zwischen den sonst identischen Kandidaten sehen. Ein ähnliches Bild zeigt sich auch für die Gesamtbewertung, wobei die Effekte hier etwas weniger ausgeprägt sind. Wiederum sehen wir, dass vor allem Individuen mit hohen stereotypen Werten weibliche und männliche Kandidaten unterschiedlich beurteilen, während Individuen, deren Weltsicht nicht durch Stereotype gekennzeichnet ist, beide Geschlechter gleich bewerten. Tabelle 3: Interaktionen von Gender-Stereotypen und Kandidatengeschlecht (Kompetenzbereiche und Issue-Positionen)   Kitaplätze (K) Bundeswehrreform (K) Jugendarbeitslosigkeit Steuererhöhung Wohlhabende Einführung Frauenquote Geschlecht Kandidat -0,27 0,15 -0,11 0,13 0,02 0,18 0,09 0,21 -0,50 0,18* Stereotypen Index 0,05 0,02* -0,06 0,02** 0,04 0,02 0,05 0,03 0,08 0,02** Geschlecht* Stereotypen -0,06 0,03* 0,11 0,03** -0,05 0,04 -0,05 0,05 -0,09 0,04** Konstante 3,40 0,09** 2,77 0,09** 3,48 0,10** 3,27 0,12** 3,42 0,11** N 1648 1456 1651 1660 1607 Anmerkung: Unstandardisierte Regressionskoeffizienten (OLS), robuste Standardfehler. Die ersten beiden Modelle zeigen die Zuschreibung von Kompetenzen (K), während die letzten drei die Zuschreibung von Positionen untersuchen. * p<0,05, **p<0,01 Tabelle 3 zeigt die Ergebnisse bezüglich der Zuschreibung von Kompetenzbereichen und der Issue-Positionen. Wir zeigen hier nur diejenigen Bereiche, für die wir bereits signifikante Haupteffekte gefunden haben, der Rest der Modelle befindet sich im Appendix. Während die Interaktionsterme für alle Themen in die erwartete Richtung gehen, sind die Koeffizienten nur für die Themen „Kitaplätze“, „Bundeswehrreform“ und „Frauenquote“ signifikant. Dies hängt wahrscheinlich damit zusammen, dass gerade für diese beiden Themen große Unterschiede in der Zuschreibung von Kompetenzen existieren (siehe auch Tabelle 1). Wiederum wird deutlich, dass gerade Individuen mit ausgeprägten Stereotypen bezüglich der Rolle von Männern und Frauen in der Politik zu einer unterschiedlichen Beurteilung der Kompetenzgebiete neigen. Hypothese 3 wird somit teilweise bestätigt. 4.4 Welche Einschätzungen bewirken den Einfluss des Kandidatengeschlechts bei der Gesamtbewertung? Im folgenden Abschnitt wenden wir uns schließlich der Frage zu, welche stereotypisierten Einschätzungen für den Effekt unserer experimentellen Variation des Kandidatengeschlechts auf die Gesamtbewertung verantwortlich sind. Wie bereits beschrieben, ist ein zentraler Befund unseres Experiments, dass weibliche Kandidaten – bei ansonsten identischer Beschreibung – insgesamt besser bewertet werden als männliche Kandidaten. Die differenzierte Betrachtung nach Informations- 353 Giger/Huber | Der Einfluss des Geschlechts auf Kandidatenbeurteilungen kontexten hat zudem ergeben, dass dies insbesondere dann der Fall ist, wenn ausreichend politische Informationen über die Kandidaten verfügbar waren. In Tabelle 4 untersuchen wir nun noch einmal detaillierter mögliche vermittelnde Mechanismen. Das Kandidatengeschlecht kann auf unterschiedliche Art und Weise auf die Gesamtbewertungen der Kandidaten gewirkt haben. Eine Möglichkeit besteht darin, dass die Befragten zu den weiblichen Kandidaten eine geringere ideologische Distanz wahrgenommen haben als zu den männlichen Kandidaten. Weitere Möglichkeiten sind, dass die Befragten die Charaktereigenschaften oder die politischen Kompetenzen von weiblichen und männlichen Kandidaten unterschiedlich eingeschätzt haben. Neben diesen indirekten Wirkungsweisen ist aber natürlich auch möglich, dass das Kandidatengeschlecht einen direkten Einfluss auf die Gesamtbewertungen ausübte, völlig unabhängig von politischen oder persönlichen Einschätzungen der Kandidaten. Das wird in Tabelle 4 mit Hilfe von verschiedenen multivariaten Modellen getestet. Dabei wird jeweils der Einfluss der experimentellen Manipulation des Kandidatengeschlechts auf die Gesamtbewertung der Kandidaten analysiert – unter Kontrolle verschiedener potentiell vermittelnder Wahrnehmungen und Einschätzungen der Kandidaten. Zusätzlich werden in allen Analysen einige Hintergrundvariablen der Befragten – Alter, Bildung und Geschlecht – kontrolliert. In Modell 1 zeigt sich zunächst der schon oben in den bivariaten Analysen beschriebene Zusammenhang: Das weibliche Kandidatengeschlecht hat einen signifikant positiven Effekt auf die Gesamtbewertung der Kandidaten. Das gilt auch, wenn für die Hintergrundvariablen des Geschlechts, der Bildung und des Alters kontrolliert wird. Modell 2 überprüft nun, ob die wahrgenommene ideologische Distanz für den Effekt des Kandidatengeschlechts verantwortlich ist. Tatsächlich zeigt sich ein sehr starker Effekt der wahrgenommen ideologischen Distanz auf die Bewertung der Kandidaten: je geringer die Distanz auf der Links-Rechts-Dimension zu einem Kandidaten eingeschätzt wird, desto positiver wird er bewertet. Bemerkenswert ist dabei der sehr starke Zuwachs der erklärten Varianz. Offensichtlich spielt bei den Gesamtbewertungen der Kandidaten das politische Urteil der wahrgenommenen Distanz eine bedeutende Rolle. Der Effekt des Kandidatengeschlechts bleibt dabei aber fast unverändert. Die wahrgenommene Distanz kann also nicht für die Unterschiede in der Gesamtbewertung von Kandidaten und Kandidatinnen verantwortlich sein. In Modell 3 werden zusätzlich die Einschätzungen der männlich stereotypisierten Charaktereigenschaften hinzugefügt. Auch diese haben einen signifikant positiven Einfluss: Wer die Kandidaten und Kandidatinnen als besonders selbstbewusst und durchsetzungsfähig einschätzt, gibt ihnen auch eine positivere Gesamtbewertung. Auch hier wird der Einfluss des Kandidatengeschlechts aber nicht eliminiert: der Effekt der experimentellen Manipulation bleibt bestehen. In Modell 4 sind nun zusätzlich die Einschätzungen der weiblich stereotypisierten Charaktereigenschaften einbezogen. Wiederum zeigt sich ein positiv signifikanter Einfluss. Interessanter für unsere Analyse ist aber die Eliminierung des Effekts des Kandidatengeschlechts. Offensichtlich ist der Effekt des Kandidatengeschlechts durch die Einschätzungen weiblich stereotypisierter Eigenschaften vermittelt. Die Befragten schrieben den Kandidatinnen eher zu, empathischer und emotionaler zu sein als 354 PVS, Sonderheft 50/2015 Prozesse politischer Informationsverarbeitung den Kandidaten. Und diese Einschätzungen führten offenbar auch zu einer positiveren Gesamtbewertung der Kandidatinnen. Tabelle 4: Kandidatengeschlecht, Kandidatenwahrnehmungen und Gesamtbewertung Modell 1 Modell 2 Modell 3 Modell 4 Modell 5 Modell 6 Kandidatengeschlecht: Frau 0,28 (0,13)* 0,25 (0,10)* 0,30 (0,10)** 0,01 (0,10) 0,25 (0,10)* 0,07 (0,10) Wahrgenommene ideologische Distanz -0,72 (0,03)*** -0,68 (0,03)*** -0,56 (0,03)*** -0,51 (0,03)*** -0,47 (0,03)*** „Männliche“ Eigenschaften 0,95 (0,08)*** 1,13 (0,07)*** „Weibliche“ Eigenschaften 0,81 (0,06)*** Kompetenz Arbeitsplätze 0,95 (0,06)*** 0,89 (0,06)*** Kompetenz EU-Rettungsschirm 0,23 (0,05)*** 0,17 (0,05)** Kompetenz Bundeswehr 0,11 (0,05)* 0,12 (0,05)* Kompetenz Kindertagesstätten 0,37 (0,05)*** Geschlecht: Frau 0,38 (0,09)*** 0,26 (0,10)* 0,15 (0,10) 0,10 (0,09) 0,16 (0,09) 0,14 (0,09) Bildung: hoch -0,08 (0,12) 0,11 (0,13) -0,05 (0,13) 0,02 (0,12) -0,01 (0,12) 0,01 (0,13) Alter 0,00 (0,00) 0,01 (0,00)* 0,00 (0,00) 0,00 (0,00) 0,00 (0,00) 0,00 (0,00) Konstante 6,80 (0,18)*** 8,16 (0,20)*** 4,69 (0,36)*** 1,03 (0,43)* 3,66 (0,34)*** 2,58 (0,37)*** R2 0,01 0,37 0,45 0,53 0,53 0,56 N (Bewertungen) 1706 1638 1499 1416 1324 1314 N (Befragte) 874 846 800 772 734 730 Anmerkung: Unstandardisierte Regressionskoeffizienten (OLS), robuste Standardfehler in Klammern. * p<0,05, **p<0,01, ***p<0,001 Die Modelle 5 und 6 analysieren schließlich den Einfluss der Kompetenzzuschreibungen. In Modell 5 werden zunächst die neutral oder männlich stereotypisierten Politikfelder der Bekämpfung der Arbeitslosigkeit, der Ausgestaltung des EU-Rettungsschirms und der Bundeswehrreform einbezogen. Dabei zeigen sich jeweils signifikante Effekte auf die Gesamtbewertung. Je kompetenter die Kandidaten eingeschätzt werden, desto positiver fällt auch die Gesamtbewertung aus. Der Effekt des Kandidatengeschlechts bleibt dabei aber bestehen und wird offensichtlich nicht durch diese Kompetenzzuschreibungen vermittelt. In Modell 6 wird zusätzlich die Kompetenz bei dem Ausbau von Kindertagesstätten berücksichtigt; der 355 Giger/Huber | Der Einfluss des Geschlechts auf Kandidatenbeurteilungen Effekt des Kandidatengeschlechts verringert sich beträchtlich und ist auch nicht mehr statistisch signifikant. Viele Befragten schrieben den weiblichen Kandidatinnen deutliche größere Kompetenzen bei der Frage des Kita-Ausbaus zu (siehe oben) und offensichtlich war das einer der Gründe für die positiveren Gesamtbewertungen der Kandidatinnen. Zusammengenommen liefert Tabelle 4 also deutliche Hinweise für die Beantwortung der Frage, warum die Versuchspersonen in unserem Experiment weibliche Kandidaten insgesamt besser bewerteten als identisch beschriebene männliche Kandidaten. Den Kandidatinnen wurden zwar in vielen traditionell männlich stereotypisierten Bereichen gleiche Qualitäten wie den Kandidaten zugeschrieben, bei typisch weiblichen Eigenschaften wie Empathie, Emotionalität oder bei typisch weiblichen sozialen Politikfeldern wie dem Ausbau von Kindertagesstätten sahen viele Befragte sie aber im Vorteil und bewerteten sie offensichtlich deshalb auch insgesamt besser als die männlichen Kandidaten. Damit zeigt unsere Studie auch, dass weibliche Kandidaten durchaus im Vorteil sein können, wenn den Wählern Kompetenzen in der Sozialpolitik sowie weibliche Charaktereigenschaften wichtig sind.11 Die Analysen bestätigen insgesamt Hypothese 5: Das Kandidatengeschlecht hat keinen direkten Einfluss auf die Bewertung von Kandidaten, sondern nur indirekt über vorgelagerte stereotypisierte Einschätzungen und Wahrnehmungen. 5. Schlussbemerkungen Eingangs haben wir beschrieben, dass Frauen in der deutschen Politik immer noch unterrepräsentiert sind, und haben die Frage aufgeworfen, ob dafür auch die Urteilsbildung von Wählern verantwortlich gemacht werden kann. Die Ergebnisse dieser Studie deuten nicht darauf hin: weibliche und männliche Kandidaten werden zwar immer noch unterschiedlich wahrgenommen, in wichtigen Bereichen wie den Zuschreibungen „männlicher“ Eigenschaften oder der Zuschreibung von Kompetenzen auf „harten“ Politikfeldern wie Wirtschaft werden sie aber nicht mehr anders evaluiert als Männer. Unsere Ergebnisse deuten vielmehr darauf hin, dass weibliche Kandidaten in der Gesamtbewertung mittlerweile sogar etwas besser eingeschätzt werden als männliche Kandidaten, insbesondere auch weil sie immer noch Vorteile in traditionell weiblichen Gebieten haben. Diese Studie leistet einen Beitrag zur internationalen Debatte über die Effekte des Kandidatengeschlechts, indem sie die überwiegend US-amerikanische Forschung auf Deutschland überträgt, dabei den Informationskontext systematisch untersucht und gleichzeitig individuelle Faktoren näher betrachtet. Dabei erweist sich die experimentelle Methode als sehr wertvoll, da sie einerseits erlaubt, den Effekt des Geschlechts zu isolieren und andererseits auch den Informationskontext systematisch zu variieren. In Studien, die sich auf Umfragedaten und die Einschätzungen realer Politiker und Politikerinnen stützen, ist die Schätzung des rei- 11 Zu einem ähnlichen Schluss kam bereits die Studie von Paolino (1995), die nachweist, dass die Bevorzugung von weiblichen Kandidatinnen bei der US-Senatswahl 1992 auf einen Kompetenzvorsprung in typisch weiblichen Bereichen zurückzuführen ist. 356 PVS, Sonderheft 50/2015 Prozesse politischer Informationsverarbeitung nen Geschlechtereffekts wegen Selektionseffekten und einer nicht-zufälligen Verteilung von Eigenschaften und Positionen von Kandidaten und Kandidatinnen so gut wie unmöglich. Der klare Vorteil experimenteller Forschung zu Geschlechtereffekten liegt damit bei der hohen internen Validität. Ein Nachteil, der dabei in Kauf genommen werden muss, ist die vergleichsweise künstliche Entscheidungssituation mit der Präsentation fiktiver Kandidaten. Das kann zu Problemen externer Validität führen. Wir haben versucht, die Kandidaten möglichst realitätsnah zu präsentieren, trotzdem erfordern natürlich auch unsere Ergebnisse eine vorsichtige Interpretation. Ein weiterer Grund, der zur vorsichtigen Interpretation Anlass gibt, ist das Convenience-Sample des Experiments. Mit unserer Rekrutierung haben wir zwar bewusst versucht, über die in der Experimentalforschung üblichen reinen Studentensamples hinauszugehen, und haben dabei eine vergleichsweise große Vielfalt an Versuchspersonen gewonnen, dennoch ist das Sample natürlich keine Zufallsstichprobe aus der Gesamtbevölkerung. Aus unseren Ergebnissen geht hervor, dass Frauen und Männer immer noch unterschiedlich beurteilt werden, insbesondere in Bezug auf typisch weibliche Eigenschaften, aber auch in Bezug auf die zugeschriebenen Positionen und Kompetenzbereiche. Spannend ist dabei zu sehen, wie in Deutschland wirtschaftliche Themen nicht mehr als Kernkompetenz eines Geschlechts wahrgenommen werden, sondern allen Kandidaten ähnliche Kompetenzen und Positionen zugeschrieben werden. Gleichzeitig gibt es aber auch im deutschen Kontext noch Bereiche, die traditionell nach Stereotypen beurteilt werden, es sind dies Sozialpolitik (weiblich) und Verteidigung/Sicherheit (männlich). Interessant ist außerdem, dass typisch männliche Eigenschaften, wie Selbstbewusstsein und Durchsetzungsfähigkeit, weiblichen Kandidaten mittlerweile genauso zugeschrieben werden wie männlichen Kandidaten. Vor dem Hintergrund der mittlerweile langjährigen Kanzlerschaft von Angela Merkel sind diese gemischten Befunde vielleicht nicht allzu überraschend. Die Art und Weise, wie Angela Merkel ihre Rolle als Kanzlerin ausgefüllt hat, hat möglicherweise dazu geführt, dass einige der alten Rollenvorstellungen aufgebrochen wurden oder mittlerweile weniger stark auf Politikerinnen angewandt werden. Mit unserer Studie konnten wir dynamischen Veränderungen im Zeitverlauf und auch einem möglichen Merkel-Effekt nicht nachgehen. Für zukünftige Forschung erscheint es aber lohnenswert, den Effekt prominenter Politikerinnen sowohl auf Geschlechtsstereotype als auch auf deren Anwendung auf politische Kandidaten und Kandidatinnen näher zu untersuchen. Ein weiterer wichtiger Befund unserer Analysen betrifft die Bedeutung des Informationskontextes. In vielen Bereichen zeigen sich stereotypisierte Einschätzungen von weiblichen und männlichen Kandidaten nur, wenn Wähler wenig andere substantielle politische Informationen haben. Offensichtlich verwenden Wähler die Heuristik des Kandidatengeschlechts vor allem dann, wenn ihnen der politische Kontext keine anderen validen Hinweise zur politischen Ausrichtung der Kandidaten zur Verfügung stellt. In der politischen Realität bedeutet das, dass Effekte des Kandidatengeschlechts verringert werden können, wenn Wähler beispielsweise in Wahlkämpfen möglichst viele andere (politische) Informationen und Hinweise zu den Kandidaten erhalten und verarbeiten. So sollte das Kandidatengeschlecht beispielsweise bei Bundestagswahlen eine geringere Rolle spielen als 357 Giger/Huber | Der Einfluss des Geschlechts auf Kandidatenbeurteilungen auch auf Lokal- oder Länderebene. Für die experimentelle Forschung zu Effekten des Kandidatengeschlechts bedeutet das, dass es ganz zentral ist, welche Informationen Versuchsteilnehmer zusätzlich zum Geschlecht der Kandidaten erhalten, da diese sehr wahrscheinlich die Größe der Effekte mitbestimmen. Im Sinne einer Steigerung der externen Validität sollten zukünftige Experimente noch stärker versuchen, den Wählern möglichst realitätsnahe Profile von Kandidaten zu präsentieren. Schließlich haben unsere Ergebnisse auch gezeigt, dass stereotype Vorstellungen zu politischen Kandidaten immer noch verbreitet sind und dass die Stärke dieser Stereotype mitbestimmt, ob die Heuristik des Kandidatengeschlechts bei der Urteilsbildung auch angewendet wird. Eine detaillierte Analyse der Beweggründe, Einflussfaktoren und weiterer Konsequenzen dieser Stereotype wäre daher sicher ein lohnendes, weiteres Forschungsgebiet. Dabei wäre beispielsweise auch spannend zu beobachten wie sich die Präsenz von Ursula von der Leyen als neue Verteidigungsministerin auf die Geschlechter-Stereotype der Deutschen auswirkt und ob ihr Auftritt die Bewertung von Verteidigungspolitik als typisch männliche Politikdomäne aufbrechen kann. Literatur Alexander, Deborah, und Kristi Andersen. 1993. Gender as a Factor in the Attribution of Leadership Traits. Political Research Quarterly 46: 527-45. Bieber, Ina. 2013. Benachteiligung von Minderheiten: Eine experimentelle Untersuchung der Wirkung des Kandidatengeschlechts und der -herkunft auf das Wählerverhalten. In Koalitionen, Kandidaten, Kommunikation: Analysen Zur Bundestagswahl 2009, Hrsg. Thorsten Faas, Kai Arzheimer, Sigrid Roßteutscher and Bernhard Weßels. Wiesbaden: Springer-Verlag. 105-28. Burrell, Barbara. 2008. Likeable? Effective Commander in Chief? Polling on Candidate Traits in the ‘Year of the Presidential Woman’. PS: Political Science & Politics 41: 747- 52. 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References

Zusammenfassung

37 Experten aus Politikwissenschaft, Psychologie, Soziologie und Medizin leisten eine Bestandsaufnahme politisch-psychologischer Forschung in den Themenfeldern „Persönlichkeit und Politik“, „Emotionen, Affekte & Politik“, „Gruppenpsychologie“, „Informationsverarbeitung“ und „Politische Theorie“. Kleinster gemeinsamer Nenner der politisch-psychologischen Forschungsperspektive ist das Akteurskonzept des homo psychologicus, dessen (politisches) Handeln von Kognitionen, Eigenschaften, Motivationen und Emotionen beeinflusst wird. Werden attraktive Bundestagskandidaten gewählt? Begünstigt eine narzisstische Persönlichkeitsprägung von Staatsoberhäuptern die (zwischenstaatliche) Konflikteskalation? Stärkt der vermehrte Kontakt zu anderen europäischen Staatsbürgern die Identifizierung mit Europa?

Antworten auf solche spannenden Fragen liefern die 21 Beiträge.

Mit Beiträgen von:

Kathrin Ackermann, Benedikt Backhaus, Hanja Blendin, Jan Eric Blumenstiel, Klaus Brummer, Hans-Joachim Busch, Thorsten Faas, Sven-Eric Fikenscher, Cornelia Frank, Markus Freitag, Konstantin Leonardo Gavras, Nathalie Giger, Sascha Huber, Lena Jaschob, David Johann, Markus Klein, Christian Kandler, Johannes Marx, Sabrina Jasmin Mayer, Anja Mays, Marco Meyer, Dieter Ohr, Sünje Paasch-Colberg, Maria Preißinger, Dorothea Prell, Tino Prell, Ulrich Rosar, Gerald Schneider, Harald Schoen, Sven Stadtmüller, Bernhard Stahl und Marco Steenbergen, Markus Steinbrecher, Florian Stöckel, Kathrin Thomas, Christine Tiefensee, Reinhard Wolf.