Thorsten Schulten, WSI-Mindestlohnbericht 2017 – Hohe Zuwächse in Europa in:

WSI-Mitteilungen, page 135 - 141

WSI, Volume 70 (2017), Issue 2, ISSN: 0342-300X, ISSN online: 0342-300X, https://doi.org/10.5771/0342-300X-2017-2-135

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WSI MITTEILUNGEN 2/2017Berichte des Wsi 135 WSI-Mindestlohnbericht 2017: Hohe Zuwächse in Europa Im Jahr 2016 hat sich das Wachstum der Mindestlöhne noch einmal beschleunigt und damit den bereits seit einigen Jahren andauernden Trend hin zu einer dynamischeren Mindestlohnentwicklung fortgesetzt. In den meisten europäischen Ländern profitieren die Mindestlohnempfänger zudem von der niedrigen Preisentwicklung und können teilweise erhebliche Reallohnzuwächse verzeichnen. Allerdings liegt sowohl der absolute als auch der relative Wert des Mindestlohns in vielen Ländern nach wie vor auf einem eher geringen Niveau, das oft kein existenzsicherndes Einkommen ermöglicht. Deshalb werden auch in den kommenden Jahren kräftigere Mindestlohnsteigerungen auf der Tagesordnung stehen und die Debatten um eine europäische Mindestlohnpolitik beflügeln. THorSTEn ScHulTEn 1. Einleitung Deutschland hat im Januar 2015 einen allgemeinen gesetzlichen Mindestlohn eingeführt und diesen Anfang 2017 erstmals erhöht. Es ist damit das 22. Land innerhalb der Europäischen Union, das über einen nationalen Mindestlohn verfügt. Lediglich in sechs EU-Staaten (darunter die nordischen Länder Dänemark, Finnland und Schweden sowie Österreich, Italien und Zypern) existieren keine nationalen, sondern ausschließlich sektorale Mindestlöhne, die in der Regel durch Tarifverträge festgelegt werden (Schulten 2016a). Nationale Mindestlöhne bestehen außerdem in zahlreichen Staaten außerhalb der Europäischen Union. Nach Angaben der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) verfügen weltweit etwa 90 % aller Länder über nationale Mindestlohnregelungen (Belser/Rani 2015, S. 124). Das Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Institut (WSI) berichtet seit 2009 im Rahmen seines jährlich in den WSI-Mitteilungen erscheinenden WSI-Mindestlohnberichts über die aktuelle Entwicklung von Mindestlöhnen im internationalen Vergleich. Die Grundlage dieser Berichte bildet die WSI-Mindestlohndatenbank, in der mittlerweile nationale Mindestlohndaten für 37 Länder enthalten sind.1 Hierzu gehören alle 22 von 28 EU-Staaten, die über einen nationalen Mindestlohn verfügen. Darüber hinaus werden in der WSI-Mindestlohndatenbank auch sieben europäische Staaten, die nicht Mitglied der EU sind (Albanien, Mazedonien, Moldawien, Russland, Serbien, Türkei und die Ukraine), sowie acht weitere außereuropäische Länder (Argentinien, Australien, Brasilien, Japan, Kanada, Korea, Neuseeland und die USA) erfasst. 2. Nationale Mindestlöhne zum 1. Januar 2017 Bei der Höhe nationaler Mindestlöhne zeigen sich sowohl innerhalb als auch außerhalb Europas erhebliche Unterschiede. Gemessen in Euro lassen sich im Hinblick auf die Mindestlohnniveaus innerhalb der EU drei Gruppen identifizieren (Abbildung 1): Die erste Gruppe mit relativ hohen Mindestlöhnen umfasst insgesamt sieben Staaten aus Westeuropa. Das höchste Mindestlohnniveau mit einem Wert von 11,27 € pro Stunde findet sich in Luxemburg, für dessen Arbeitsmarkt der Mindestlohn angesichts eines extrem hohen Anteils von Berufspendlern aus dem benachbarten 1 Die WSI-Mindestlohndatenbank ist online unter: www.wsi.de/ mindestlohndatenbank abrufbar und enthält neben einer interaktiven Karte umfangreiche Tabellen und Grafiken. Die Datenbank ist in deutscher und in englischer Sprache verfügbar. © W SI M it te ilu ng en 2 01 7 D ie se D at ei u nd ih r I nh al t s in d ur he be rr ec ht lic h ge sc hü tz t. N ac hd ru ck u nd V er w er tu ng (g ew er bl ic he V er vi el fä lti gu ng , A uf na hm e in e le kt ro ni sc he D at en ba nk en , V er öf fe nt lic hu ng o nl in e od er o ffl in e) s in d ni ch t ge st at te t. Berichte des Wsi 136 Ausland besonders wichtig ist. Der zweithöchste Mindestlohn existiert mit 9,76 € pro Stunde in Frankreich, gefolgt von den Niederlanden mit 9,52 €, Belgien mit 9,28 € und Irland mit 9,25 €. Am unteren Ende der ersten, westeuropäischen Gruppe finden sich Deutschland und Großbritannien mit Mindestlöhnen von 8,84 € bzw. 8,79 €. Im britischen Fall wird der in Euro ausgewiesene Wert jedoch durch die aktuelle Entwicklung des Wechselkurses stark unterzeichnet. Ohne die fast 13-prozentige Abwertung des britischen Pfundes gegenüber dem Euro im Jahre 2016 läge der britische Mindestlohn heute bei 9,92 € und würde damit einen europäischen Spitzenwert einnehmen.2 In einer zweiten Gruppe mit Mindestlöhnen zwischen 3 € und 5 € pro Stunde befinden sich insgesamt fünf EU-Staaten, darunter Slowenien mit 4,65 € sowie die südeuropäischen Staaten Malta, Spanien, Griechenland und Portugal mit Mindestlöhnen zwischen 3,35 € und 4,29 €. Die dritte Gruppe mit Mindestlöhnen unterhalb von 3 € umfasst ausschließlich Länder aus Mittel- und Osteuropa. Das Mindestlohnniveau bewegt sich hier in der Mehrzahl der Länder zwischen 2,25 € in Lettland und 2,78 € in Estland. Lediglich in Rumänien und Bulgarien liegen die Mindestlöhne mit 1,65 € bzw. 1,42 € pro Stunde noch einmal deutlich niedriger als in den übrigen osteuropäischen EU-Staaten. Im internationalen Vergleich besonders niedrig ist der Mindestlohn auch in den nicht zur EU gehörenden Ländern Osteuropas.3 Während die Türkei mit einem Mindestlohn von 2,73 € noch mit den osteuropäischen EU-Staaten mithalten kann, ist das Mindestlohnniveau in Mazedonien und Serbien mit Werten von 1,50 € und 1,43 € mit dem in Bulgarien und Rumänien vergleichbar.4 In Albanien, Moldawien, Russland und der Ukraine liegt der Mindestlohn hingegen unterhalb von 1 €, wobei Moldawien mit gerade mal 56 Cent die absolute Untergrenze aller hier berücksichtigten Staaten markiert. Mit 58 Cent extrem niedrig ist der nationale Mindestlohn auch in Russland, wo jedoch teilweise noch zusätzliche regionale und lokale Mindestlohnregelungen existieren (Gerasimova/Bolsheva 2015). Der höchste lokale Mindestlohn gilt hierbei in der russischen Hauptstadt Moskau, wo er mit 1,37 € mehr als doppelt so hoch ist wie auf nationaler Ebene. Außerhalb der EU hat von den hier berücksichtigten Ländern Australien den höchsten Mindestlohn, der mit 11,89 € pro Stunde sogar noch oberhalb des europäischen Spitzenwertes von Luxemburg liegt (Abbildung 1). Ebenfalls zur obersten Gruppe gehört Neuseeland mit 9,60 € pro Stunde. In Kanada, Japan und den USA liegt der Mindestlohn hingegen bereits deutlich unterhalb der europäischen Spitzengruppe. In Kanada und Japan werden die Mindestlöhne dabei nicht auf nationaler Ebene, sondern ausschließlich auf der Ebene der Provinzen bzw. Präfekturen festgelegt, sodass hier ein um die Anzahl der Beschäftigten gewichteter nationaler Durchschnittsmindestlohn zugrunde gelegt wird. In Kanada liegt der so ermittelte Mindestlohn bei Luxemburg Frankreich Niederlande Belgien Irland Deutschland Großbritannien Slowenien Spanien Malta Portugal Griechenland Estland Polen Kroatien Slowakei Tschechien Ungarn Litauen Lettland Rumänien Bulgarien Türkei Mazedonien*** Serbien*** Albanien Ukraine Russland Moldawien Australien Neuseeland Kanada** Japan** USA Korea Argentinien Brasilien ABB. 1 Nationale Mindestlöhne pro Stunde, 2017* Angaben in Euro Quelle: WSI-Mindestlohndatenbank 2017. * Stand Januar 2017; Umrechnung in Euro zum Jahresdurchschnittskurs 2016. ** gewichteter Durchschnitt regionaler Mindestlöhne. *** geschätzt, da der Mindestlohn als Nettolohn festgelegt wird. Mitteilungen mehr als 7€unter 3€ 3 bis 7€ E u ro p äi sc h e U n io n S o n st ig es E u ro p a A u ß er h al b E u ro p as 9,76 11,27 9,52 9,28 9,25 8,84 8,79 4,65 4,29 4,25 3,36 3,35 2,78 2,65 2,51 2,50 2,44 2,35 2,32 2,25 1,65 1,42 2,73 1,50 1,43 0,92 0,68 0,58 0,56 11,89 9,60 7,65 6,85 6,55 3,86 2,47 1,10 2 Die hier ausgewiesenen Eurobeträge basieren alle auf einer Umrechnung der nationalen Währung in Euro mit dem Jahresdurchschnittswechselkurs des Jahres 2016. Sie sind deshalb nur bedingt mit den Daten früherer WSI-Mindestlohnberichte vergleichbar. 3 In vielen dieser Länder gelten für die hier ökonomisch besonders bedeutsame Textilindustrie sogar noch gesonderte Mindestlohnregelungen unterhalb des allgemeinen Mindestlohns, sodass das Mindestlohnniveau teilweise sogar niedriger als in einigen asiatischen Ländern (wie z. B. China) ist. Für eine aktuelle Analyse der extremen Armutslöhne in der osteuropäischen Textilindustrie vgl. Luginbühl/Musiolek 2014. 4 In Mazedonien und Serbien wird der gesetzliche Mindestlohn als ein Netto-Lohn festgelegt. Der hier ausgewiesene Brutto-Mindestlohn wurde auf der Grundlage der derzeit gültigen durchschnittlichen Steuersätze geschätzt. wsi mitteilungen 2/2017 137 7,65 € und variiert dabei zwischen 7,16 € in der Provinz Newfoundland und 8,53 € in der Provinz Northwest. In Japan beträgt der Durchschnittsmindestlohn rechnerisch 6,85 €, wobei in der Landeshauptstadt Tokyo der höchste regionale Mindestlohn mit 7,75 € gezahlt werden muss. In den USA gibt es einen nationalen Mindestlohn von 6,55 €. Zugleich verfügen jedoch 29 von 50 US-Bundestaaten sowie der District of Columbia mit der Hauptstadt Washington über eigene regionale Mindestlöhne, die oberhalb der nationalen Mindestlohngrenze liegen. Der District of Columbia weist mit umgerechnet 10,39 € den höchsten Wert auf, gefolgt von den US-Bundesstaaten Massachusetts und Washington mit jeweils 9,94 €. In weiteren vier Bundesstaaten (Arizona, Connecticut, Kalifornien und Vermont) liegt der Mindestlohn oberhalb der 9-€-Marke. Schließlich gibt es noch einmal mehr als 30 größere Städte, die einen lokalen Mindestlohn oberhalb des Niveaus der Bundesstaaten haben. Die Spitzenreiter sind hierbei die Städte SeaTac und Seattle mit Mindestlöhnen von 13,86 € bzw. 13,55 € pro Stunde.5 In Korea liegt der Mindestlohn mit 3,86 € etwa auf dem Niveau der südeuropäischen Länder, während die Mindestlöhne in den lateinamerikanischen Staaten Argentinien und Brasilien mit 2,47 € bzw. 1,10 € eher mit osteuropäischen Niveaus vergleichbar sind. Wie bereits am Beispiel Großbritanniens erläutert wurde, ist der internationale Vergleich von Mindestlöhnen umgerechnet in Euro jedoch nur bedingt aussagefähig, da er stark durch Wechselkursschwankungen beeinflusst wird. So ist der Euro z. B. im Jahr 2016 gegenüber den Währungen einer Reihe anderer Länder deutlich aufgewertet worden, sodass deren Mindestlöhne gemessen in Euro mitunter gesunken sind, während sich ihr Wert gemessen in nationaler Währung in der Regel erhöht hat. Neben den Wechselkursschwankungen ist weiterhin von zentraler Bedeutung, dass aufgrund des jeweiligen nationalen Preisniveaus und der damit verbundenen Lebenshaltungskosten den jeweiligen Mindestlohnbeträgen oft eine sehr unterschiedliche Kaufkraft gegenübersteht. Letzteres kann dadurch berücksichtigt werden, dass der internationale Vergleich gesetzlicher Mindestlöhne zusätzlich in Kaufkraftstandards (KKS) durchgeführt wird (Abbildung 2). Gegenüber dem nominellen Mindestlohnvergleich in Euro werden die Niveauunterschiede zwischen den nationalen Mindestlöhnen bei einem Vergleich in KKS deutlich kleiner: Während die Differenz zwischen dem höchsten Mindestlohn in Australien und dem niedrigsten Mindestlohn in Moldawien gemessen in Euro bei etwa 1:11 liegt, ist sie gemessen in KKS mit einem Verhältnis von 1: 6 deutlich geringer. Darüber hinaus kommt es durch die Berechnung in KKS auch zu einigen Veränderungen in der Rangfolge der Länder: So fällt z. B. Australien mit dem auf Euro-Basis höchsten Mindestlohn gemessen in KKS leicht hinter den Wert von Luxemburg zurück. In Deutschland liegt der kaufkraftbereinigte Mindestlohn mittlerweile etwas oberhalb des Niveaus von Belgien und den Niederlanden, bleibt jedoch nach wie vor deutlich hinter den Niveaus von Luxemburg und Frankreich zurück. Insgesamt weisen die Mindestlöhne jedoch auch nach einer Umrechnung in KKS erhebliche nationale Niveauunterschiede auf und reflektieren damit das in Europa und darüber hinaus bestehende Lohngefälle. ABB. 2 Nationale Mindestlöhne pro Stunde, 2017* Angaben in Kaufkraftstandards (KKS) Quelle: WSI-Mindestlohndatenbank 2017. * Stand Januar 2017; Umrechnung in KKS aufgrund der von der Weltbank für 2015 ausgewiesenen Kaufkraftparitäten für den privaten Konsum. ** gewichteter Durchschnitt regionaler Mindestlöhne. *** geschätzt, da der Mindestlohn als Nettolohn festgelegt wird. Mitteilungen mehr als 6 KKSunter 4 KKS 4 bis 6 KKS E u ro p äi sc h e U n io n S o n st ig es E u ro p a A u ß er h al b E u ro p as Luxemburg Frankreich Deutschland Niederlande Belgien Großbritannien Irland Slowenien Malta Polen Spanien Portugal Ungarn Griechenland Tschechien Kroatien Slowakei Estland Litauen Lettland Bulgarien Rumänien Türkei Mazedonien*** Ukraine Serbien*** Albanien Moldawien Russland Australien Neuseeland Kanada** Japan** USA Argentinien Korea Brasilien 9,24 9,04 8,65 8,52 8,47 7,38 7,38 5,69 5,16 4,92 4,65 4,05 4,04 3,92 3,73 3,71 3,67 3,61 3,61 3,17 2,96 2,64 4,83 3,22 3,01 2,66 1,88 1,56 1,54 9,20 7,75 6,93 5,95 5,94 5,92 5,18 1,71 5 Einen guten Überblick über sämtliche regionale und lokale Mindestlöhne in den USA gibt die Datenbank des Economic Policy Institute: http://www.epi.org/minimum-wagetracker/#/min_wage/ Berichte des Wsi 138 3. Der relative Wert gesetzlicher Mindestlöhne (Kaitz-Index) Die Bedeutung des Mindestlohns wird nicht allein durch seinen absoluten Wert bestimmt, sondern auch durch seine Stellung im jeweiligen nationalen Lohngefüge. Letztere kann durch den sogenannten Kaitz-Index (benannt nach dem amerikanischen Ökonomen Hyman Kaitz) bestimmt werden, der den relativen Wert des gesetzlichen Mindestlohns zum Ausdruck bringt und statistisch als Prozentsatz des Mindestlohns vom jeweiligen nationalen Durchschnitts- oder Medianlohn gemessen wird. Während der Durchschnittslohn durch das arithmetische Mittel aller Löhne bestimmt wird, ist der Medianlohn der mittlere Lohn, bei dem die Hälfte aller Beschäftigten mehr und die andere Hälfte weniger verdient. Im Folgenden wird bei der Analyse des Kaitz-Index auf die OECD-Einkommensdatenbank zurückgegriffen, die Berechnungen zum Anteil des nationalen Mindestlohns am jeweiligen nationalen Median- und Durchschnittslohn für Vollzeitbeschäftigte enthält (Tabelle 1).6 Die aktuellsten Daten liegen hierbei für das Jahr 2015 vor und zeigen, dass der Kaitz-Index zwischen den einzelnen Staaten eine große Schwankungsbreite aufweist. TabEllE 1 Der relative Wert des Mindestlohns 2015 (Kaitz-Index) Angaben in Prozent und Prozentpunkten   Mindestlohn in % des … in Prozentpunkten …Medianlohns von Vollzeitbeschäftigten …Durchschnittslohns von Vollzeitbeschäftigten Differenz des Kaitz-Index auf basis des Median- und des Durchschnittlohns Türkei 70 40 30 Frankreich 62 50 12 Neuseeland 60 52 8 Slowenien 60 49 11 Portugal 57 41 16 Luxemburg 55 45 10 Rumänien 54 39 15 Australien 53 44 9 Ungarn 52 40 13 Lettland 52 41 11 Polen 51 41 10 Litauen 50 40 10 Belgien 49 42 7 Großbritannien 49 41 8 Korea 48 38 11 Deutschland 48 43 5 Griechenland 47 32 15 Slowakei 47 37 10 Niederlande 46 38 8 Kanada 44 40 5 Irland 44 37 7 Estland 41 35 6 Japan 40 35 5 Tschechien 39 33 6 Spanien 37 31 6 USA 36 25 11 Quelle: OECD (2016). 6 Die entsprechenden Daten finden sich unter: https://stats. oecd.org. Die OECD-Datenbank basiert auf nicht-harmonisierten nationalen Datenquellen, sodass der hier ermittelte Kaitz-Index eher als Näherungswert gelesen werden muss. wsi mitteilungen 2/2017 139 Im Hinblick auf den Medianlohn lassen sich bei den insgesamt 26 Ländern, für die entsprechende Daten vorliegen, zwei Hauptgruppen identifizieren: In elf Staaten lag der Kaitz-Index zwischen 40 und 49 % des Medianlohns, in weiteren acht Staaten zwischen 50 und 59 %. Am unteren Ende befanden sich mit Tschechien, Spanien und den USA drei Staaten, deren relativer Mindestlohnwert sich zwischen 36 und 39 % des jeweiligen Medianlohns bewegte. Am oberen Ende gab es mit Neuseeland, Slowenien, Frankreich und der Türkei vier Staaten, deren Kaitz-Index bei 60 – 62 % bzw. im Fall der Türkei sogar bei 70  % lag. Deutschland bewegte sich mit einem Kaitz-Index von 48 % im internationalen Vergleich im Mittelfeld. Die Betrachtung des Medianlohns hat gegenüber dem Durchschnittslohn den Vorteil, dass er statistisch besser zu erfassen ist und zugleich das mittlere Lohngefüge einer Gesellschaft besser beschreibt. Die in der Regel jeweils deutlich oberhalb des Medianlohns liegenden Durchschnittslöhne werden hingegen vor allem durch extrem hohe Löhne im oberen Lohnsegment nach oben gedrückt. Allerdings kann ein am Medianlohn gemessener Kaitz-Index sehr unterschiedliche Gründe haben. Er kann zum einen tatsächlich Ausdruck eines relativ hohen Mindestlohns sein (wie z. B. in Frankreich oder Slowenien). Er kann aber auch das Ergebnis einer extrem polarisierten Einkommensstruktur sein, bei der die große Masse der Beschäftigten sehr geringe Löhne erhält (wie z. B. in der Türkei). Deshalb ist es sinnvoll, den Kaitz-Index zusätzlich auch auf der Grundlage des Durchschnittslohns zu messen, wobei die Differenz beider Indizes als Indikator für die allgemeine Einkommensungleichheit gelesen werden kann (Tabelle 1). Gemessen am Durchschnittslohn liegt der Kaitz-Index in 19 der hier berücksichtigten Länder zwischen 35 und 45 %. Drei Staaten weisen einen höheren Kaitz-Index aus, wobei Neuseeland mit 52 % die Spitzenposition einnimmt, gefolgt von Frankreich mit 50 % und Slowenien mit 49 %. Am unteren Ende finden sich mit Tschechien, Griechenland, Spanien und den USA vier Länder mit einem Kaitz-Index von weniger als 35 %, wobei die USA mit nur 25 % den mit Abstand niedrigsten Wert aufweist. Die Analyse des Kaitz-Index macht insgesamt deutlich, dass das relative Niveau des Mindestlohns in den meisten Fällen nicht besonders hoch ist (Schulten 2016b). Mit Ausnahme der Türkei liegt der Mindestlohn überall unterhalb der offiziellen Niedriglohnschwelle, die nach internationalen Konventionen bei zwei Dritteln des Medianlohns angesetzt wird. Dementsprechend können die Mindestlöhne in vielen Ländern auch nicht verhindern, dass ein erheblicher Anteil der Beschäftigten im Niedriglohnsektor arbeitet. Innerhalb der EU waren dies im Jahr 2014 im Durchschnitt 17,2 %. Deutschland wies im selben Jahr mit 22,5 % einen der größten Niedriglohnsektoren in Europa auf, der nur noch von einigen osteuropäischen Staaten übertroffen wurde (Eurostat 2016). 4. Die aktuelle Entwicklung der Mindestlöhne im Jahr 2016 In der Mehrzahl der Staaten ist in der Regel eine jährliche Anpassung des Mindestlohns vorgesehen. Seit Beginn des Jahres 2016 wurden insgesamt in 33 von den hier untersuchten 37 Staaten nominale Erhöhungen der Mindestlohnsätze vorgenommen (Abbildung 3). Hiervon haben allein 25 Staaten ihre Mindestlöhne zuletzt zum 1. Januar 2017 erhöht. Einen sehr ungewöhnlichen Extremfall bildet 2016 die Ukraine, die ihren Mindestlohn um 133,3 % erhöht und damit innerhalb eines Jahres mehr als verdoppelt hat (Gorodnichenko/Talavera 2016). Damit reagiert die ukrainische Regierung einerseits auf die außerordentlich hohen Infla- ABB. 3 Nominale Entwicklung gesetzlicher Mindestlöhne, 2016* Angaben in Prozent Quelle: WSI-Mindestlohndatenbank 2017. * Entwicklung vom 01.01.2016 bis zum 01.01.2017. ** Entwicklung des gewichteten Durchschnittes regionaler Mindestlöhne. zuletzt erhöht: Mitteilungen mehr als 10%unter 3% 3 bis 10% E u ro p äi sc h e U n io n S o n st ig es E u ro p a A u ß er h al b E u ro p as Rumänien Ungarn Bulgarien Tschechien Estland Litauen Polen Spanien Großbritannien Slowakei Portugal Kroatien Deutschland Lettland Belgien Slowenien Niederlande Luxemburg Malta Irland Frankreich Griechenland Ukraine Russland Türkei Moldawien Serbien Albanien Mazedonien Argentinien Korea Brasilien Neuseeland Japan Kanada Australien USA 01.07.2016 01.01.2017 01.01.2017 01.01.2017 01.01.2017 01.07.2016 01.01.2017 01.01.2017 01.04.2016 01.01.2017 01.01.2017 01.01.2017 01.01.2017 01.01.2017 01.06.2016 01.01.2017 01.01.2017 01.01.2017 01.01.2017 01.01.2017 01.01.2017 01.03.2012 01.01.2017 01.07.2016 01.01.2017 01.05.2016 01.01.2017 01.07.2013 01.01.2016 01.01.2017 01.01.2017 01.01.2017 01.04.2016 01.01.2017 01.01.2017 01.07.2016 24.07.2009 19,0 14,7 14,0 12,4 9,4 8,9 8,1 8,1 7,5 7,3 5,2 5,0 4,0 2,3 2,0 1,8 1,7 1,3 1,2 1,1 0,9 0,0 0,0 0,0 0,0 133,3 25,7 21,2 10,5 8,2 33,0 7,3 6,5 3,4 3,1 2,8 2,4 Berichte des Wsi 140 tionsraten der letzten Jahre. Zum anderen trägt sie dem sehr niedrigen Niveau des ukrainischen Mindestlohns Rechnung, der immer noch deutlich unter dem Existenzminimum liegt. Insgesamt lassen sich im Hinblick auf die Entwicklungsdynamik der Mindestlöhne für 2016 vier Gruppen unterscheiden (Abbildung 3). Die erste Gruppe umfasst acht Staaten, die allesamt zweistellige Zuwachsraten bei den nominalen Mindestlöhnen verzeichnen konnten. Den von der Ukraine abgesehen höchsten Anstieg des Mindestlohns gab es mit 33 % erneut in Argentinien, gefolgt von Russland mit 25,7 % und der Türkei mit 21,2 %. Innerhalb der EU konnten vier osteuropäische Länder zweistellige Zuwachsraten verbuchen, darunter Rumänien mit 19 %, Ungarn mit 14,7 %, Bulgarien mit 14 % und Tschechien mit 12,4 %. Hinter den extrem hohen Zuwachsraten stehen vor allem zwei Phänomene. Zum einen handelt es sich um Basiseffekte in Ländern, die ein sehr geringes Mindestlohnniveau haben. Zum anderen reflektieren die hohen Zuwachsraten teilweise auch die hohen Inflationsraten, die außerhalb der EU z. B. in einigen osteuropäischen und lateinamerikanischen Ländern vorherrschen. In einer zweiten Gruppe mit Mindestlohnsteigerungen zwischen 3 und 10 % finden sich insgesamt 14 Länder. Hierzu gehören erneut eine Reihe von osteuropäischen Ländern, aber auch Länder aus Westeuropa wie z. B. Spanien mit 8,1 % oder Großbritannien mit 7,5 %. In Großbritannien geht die starke Erhöhung auf die Einführung eines sogenannten „National Living Wage“ zurück, mit dem für alle Beschäftigten ab 25 Jahren ein neuer Mindestlohnbetrag eingeführt wurde, der deutlich oberhalb des alten Mindestlohns liegt (D’Arcy/ Kelly 2015). Am unteren Ende dieser zweiten Gruppe befindet sich auch Deutschland, wo der gesetzliche Mindestlohn zum 1. Januar 2017 erstmals um 4 % erhöht wurde. Eine dritte Gruppe mit insgesamt zehn Ländern verzeichnet mit Werten von unter 3 % vergleichsweise bescheidene Mindestlohnzuwächse. Zu dieser Gruppe gehören u. a. die BeNeLux-Staaten und Frankreich, in denen es absolut gesehen mit die höchsten Mindestlohnsätze gibt. Eine vierte Gruppe umfasst schließlich weitere vier Länder, in denen die Mindestlöhne 2016 eingefroren wurden. Hierzu gehören neben Albanien und Mazedonien die USA, deren nationaler Mindestlohn zuletzt 2009 erhöht wurde, sowie Griechenland, dem seit 2012 untersagt ist, ohne Zustimmung der Troika aus Europäischer Kommission, Europäischer Zentralbank und Internationalem Währungsfond eine Erhöhung des Mindestlohns vorzunehmen (Schulten 2015a). 5. Fazit: Mindestlohndynamik gewinnt weiter an Fahrt Vor dem Hintergrund der längerfristigen Entwicklungstrends hat sich innerhalb der EU die Rückkehr zu einer dynamischeren Entwicklung bei den Mindestlöhnen, die bereits in den Vorjahren begonnen hatte (Schulten 2016c), im Jahr 2016 noch einmal beschleunigt. Nachdem die Erhöhung der Mindestlöhne im Zuge der Krise 2008ff. deutlich zurückgegangen war und die Mindestlöhne real EUweit stagnierten, kam es seit 2013 wieder zu kräftigen Reallohnzuwächsen. Im Jahr 2016 lag die mittlere Erhöhung der Mindestlöhne in der EU bei 5,0 %.7 Angesicht der sehr niedrigen Inflationsraten entsprach dies einem Reallohnzuwachs von 4,6 % und damit dem höchsten Zuwachs seit dem Jahr 2000 (Abbildung 4). Hinter den vergleichsweise hohen Steigerungsraten verbirgt sich zum einen ein gewisser Nachholbedarf, nachdem die Mindestlöhne seit der Krise 2008ff. in nur sehr bescheidenem Maße angestiegen sind. Darüber hinaus liegt sowohl der absolute als auch der relative Wert des Mindestlohns in vielen Ländern nach wie vor auf einem eher geringen Niveau, was immer wieder zu Debatten über kräftigere Mindestlohnerhöhungen führt. Vor diesem Hintergrund bleibt nicht zuletzt auch die Frage einer europäischen Mindestlohnpolitik auf der Tagesordnung (Schulten 2015b; Schulten et al. 2016). Zum wiederholten Male hat z. B. das Europäische Parlament im Herbst 2016 „die Einführung von Mindestlöhnen in Form nationa- ABB. 4 Mittlere Erhöhung des Mindestlohns in der EU, 2000–2016* Angaben in Prozent zum Vorjahr Quelle: WSI Mindestlohndatenbank 2017. * auf der Grundlage von 21 (ab 2015: 22) EU-Staaten. Bei der mittleren Erhöhung fällt der Anstieg des Mindestlohns in 10 Staaten höher und in 10 Staaten niedriger aus. ** deflationiert um den Anstieg der nationalen Verbraucherpreise. Mitteilungen 2000 2002 2004 2006 2008 2010 2012 2014 2016 -2,0 0,0 2,0 4,0 6,0 8,0 4,8 5,8 5,3 5,3 6,6 5,5 5,5 5,2 4,0 1,5 1,7 2,1 2,3 2,2 2,5 3,0 5,0 1,5 2,0 1,7 1,2 2,3 2,1 2,7 2,4 0,2 0,1 -0,2 -1,6 -0,4 0,8 1,5 3,1 4,6 real**nominal 7 Die mittlere Erhöhung entspricht dem Wert, bei dem die Hälfte der EU-Staaten eine höhere und die andere Hälfte eine niedrigere Erhöhung verzeichnen. Im Unterschied zur durchschnittlichen Erhöhung, bei der lediglich das arithmetische Mittel aller Erhöhungen bestimmt wird, haben Extremwerte einzelner Länder auf die mittlere Erhöhung keinen Einfluss. WSI MITTEILUNGEN 2/2017 141 ler Lohnuntergrenzen“ empfohlen und dabei das Ziel formuliert, „nach Möglichkeit stufenweise ein Niveau von mindestens 60 % des jeweiligen nationalen Durchschnittlohns zu erreichen, damit keine übermäßigen Lohngefälle entstehen und damit die Gesamtnachfrage, die wirtschaftliche Erholung und die soziale Konvergenz auf hohem Niveau gestützt werden“ (Europäisches Parlament 2016). In einem eigens hierzu erstellten Bericht der französischen Nationalversammlung wird darüber hinaus vorgeschlagen, eine europäische Mindestlohnpolitik in den Rahmen des Europäischen Semesters zu integrieren, wobei anstelle der bislang eher auf Mäßigung oder gar Kürzung zielenden lohnpolitischen Empfehlungen der Europäischen Kommission zukünftig die Orientierung an einem hohen Kaitz-Index stehen und damit eine expansivere Mindestlohnpolitik unterstützt werden soll (Cordery 2016). lITEraTur belser, P./rani, u. (2015): Minimum wages and inequality, in: Berg, J. (Hrsg.): Labour markets, institutions and inequality building just societies in the 21st century, Cheltenham cordery, P. (2016): Le salaire minimum au sein de l’Union européenne, Assemblée Nationale Rapport d’Information No. 3856, 21. Juni 2016, http://www.assemblee-nationale.fr/14/pdf/europe/rap-info/i3856.pdf D’arcy, c./Kelly, G. 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Abstract

The WSI Report on Minimum Wages 2017 gives an overview of the current developments in minimum wages in 37 European and non-European countries. Drawing on the WSI Minimum Wage Database the report provides current data on the level and development of statutory minimum wages. In 2016 minimum wages grew even faster than in the previous years and reinforce the trend towards more dynamic minimum wage developments in Europe. As in many countries, the level of minimum wages is still rather low, more expansive minimum wage increases will continue to be on the political agenda.

Zusammenfassung

Der WSI-Mindestlohnbericht 2017 gibt einen aktuellen Überblick über die Entwicklung der Mindestlöhne in 37 Staaten in- und außerhalb Europas. Unter Auswertung der WSI-Mindestlohndatenbank werden neueste Daten zur Höhe und Entwicklung gesetzlicher Mindestlöhne präsentiert. Im Jahr 2016 hat sich das Wachstum der Mindestlöhne noch einmal beschleunigt und damit den bereits seit einigen Jahren andauernden Trend hin zu einer dynamischeren Mindestlohnentwicklung fortgesetzt. Angesicht eines in vielen Ländern immer noch sehr geringen Mindestlohnniveaus dürften auch in Zukunft stärkere Mindestlohnerhöhungen auf der Tagesordnung stehen.

References

Zusammenfassung

Die WSI-Mitteilungen sind eine wissenschaftliche Fachzeitschrift mit politik- und praxisorientierter Ausrichtung. Sie informieren über neue wissenschaftliche Erkenntnisse im Themenspektrum »Arbeit - Wirtschaft - Soziales«. Die Zeitschrift ist 1948 erstmals erschienen.

Die Zeitschrift fördert den interdisziplinären Austausch und versteht sich als Wissens- und Argumentationsquelle für Akteure aus Arbeitswelt, Wirtschaft und politischer Praxis. Ihr Ziel ist, komplexes Wissen strukturiert und sprachlich ansprechend zu vermitteln. Ein professionelles Begutachtungsverfahren garantiert die Standards wissenschaftlicher Abhandlungen. Kurzauswertungen, Kommentare und Praxisbeiträge reflektieren aktuelle gesellschaftspolitische Probleme und diskutieren Lösungsvorschläge.