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Sascha Ziemann, Kulturaspekt: Kultur als Vorgabe und Aufgabe des Philosophierens in:

Sascha Ziemann

Neukantianisches Strafrechtsdenken, page 56 - 70

Die Philosophie des Südwestdeutschen Neukantianismus und ihre Rezeption in der Strafrechtswissenschaft des frühen 20. Jahrhunderts

1. Edition 2009, ISBN print: 978-3-8329-4210-6, ISBN online: 978-3-8452-1595-2 https://doi.org/10.5771/9783845215952

Series: Studien zur Rechtsphilosophie und Rechtstheorie, vol. 53

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Erster Teil 56 scher Vernunft. Die theoretische Vernunft bildet bei Kant die Grundlage für die Frage nach dem menschlichen Wissen – theoretische Erkenntnis klärt folglich, »was da ist« (Kant KdrV 1787)240. Die praktische Vernunft dagegen bildet die Grundlage des menschlichen Handelns, dessen »letzte[r] Zweck (Endzweck) […] die Sittlichkeit [ist].«241 Praktische Erkenntnis ist daher jene, »dadurch ich mir vorstelle, was da sein soll«242, und äußert sich durch »Imperativen«243. – Es wird zu einem späteren Zeitpunkt näher zu untersuchen sein, welchen Status die Begriffe »Imperativ« und »Sollen« im Begründungsprogramm des Südwestdeutschen Neukantianismus einnehmen (hierzu unten § 3 III. >S. 70 ff.<). II. Kulturaspekt: Kultur als Vorgabe und Aufgabe des Philosophierens Ein zweiter Hauptaspekt des Südwestdeutschen Neukantianismus ist der Materialcharakter der Kultur. Darunter ist die These zu verstehen, dass der Südwestdeutsche Neukantianismus – und mit ihm der Neukantianismus überhaupt244 – auf bestimmte Weise in eine Kulturphilosophie eingebettet ist (hier als „Kulturaspekt“ bezeichnet; Einzelheiten sogleich)245. 240 Kant, KdrV (1781), 2. Aufl. 1787, in: Weischedel (Hrsg.), Bd. 4, S. 557; Hervorh. im Orig. gesperrt. 241 Kant, Logik (1800), in: Weischedel (Hrsg.), Bd. 6, S. 518. – Zur praktischen Vernunft bei Kant s. Eisler, Kant-Lexikon, 2. Aufl. 1930, S. 577 ff. 242 Kant, KdrV (1781), 2. Aufl. 1787, in: Weischedel (Hrsg.), Bd. 4, S. 557; Hervorh. im Orig. gesperrt, 243 Kant, Logik (1800), in: Weischedel (Hrsg.), Bd. 6, S. 517 f. – Zum Begriff des Imperativs bei Kant s. Eisler, Kant-Lexikon, 2. Aufl. 1930, S. 267 ff. 244 Der Kulturbegriff wird häufig – zu Unrecht – auf die Südwestdeutsche Schule reserviert. Auch bei den Marburger Neukantianern zeigen sich Belege der Kulturdimension. Natorp beispielsweise bemerkt pathetisch, dass »gerade unsere Zeit nach nichts so sehr [verlangt] wie nach einer philosophischen Durchdringung des Lebens, und darum nach einer Durchdringung der Philosophie selbst mit dem warmen Lebensblute der nach den höchsten Siegeskränzen ringenden Kulturentfaltung.« (s. Paul Natorp, Kant und die Marburger Schule, in: Kant-Studien 17 [1912], S. 219). Weit. Hinw. zur Kulturphilosophie der Marburger Schule bei Renz, Die Rationalität der Kultur, 2002. 245 Der Kulturaspekt des Südwestdeutschen Neukantianismus tritt immer stärker in den Vordergrund. S. hierzu u. a.: Flach, Kants Begriff der Kultur, in: Heinz/Krijnen (Hrsg.), Kant im Neukantianismus, 2007, S. 9–24; Bohlken, Grundlagen einer interkulturellen Ethik, 2002; Bohlken, Personale und transpersonale Sittlichkeit, in: Alexy u. a. (Hrsg.), Neukantianismus und Rechtsphilosophie, 2002, S. 283–299, insb. S. 289; Sprenger, Die Wertlehre des Badener Neukantianismus, in: Alexy u. a. (Hrsg.), Neukantianismus und Rechtsphilosophie, 2002, S. 161; Krijnen, Philosophieren im Schatten des Nihilismus, in: Krijnen/Orth (Hrsg.), Sinn, Geltung, Wert, Die Philosophie des Südwestdeutschen Neukantianismus 57 In den weiteren Ausführungen soll es zunächst allgemein um den Kulturbegriff des Südwestdeutschen Neukantianismus gehen (1.). Anschließend geht es um Anwendungsbereiche des Kulturbegriffs (2.). 1. Der Kulturbegriff des Südwestdeutschen Neukantianismus a) Kultur als Gegenbegriff zu „Natur“ Zunächst zum Kulturbegriff des Südwestdeutschen Neukantianismus. Eine erste Konkretisierung erfährt der Begriff der „Kultur“ durch die Gegenüberstellung zum Begriff der „Natur“. Während Natur der »Inbegriff des von selbst Entstandenen […] und seinem eigenen ›Wachstum‹ Ueberlassenen« (Rickert KuN 1926)246 ist, meint Kultur das »von einem nach gewerteten Zwecken handelnden Menschen entweder direkt Hervorgebrachte oder […] absichtlich Gepflegte« (Rickert KuN 1926)247. Anders als die Natur ist Kultur damit ein Produkt menschlicher Tätigkeit. Nach Windelband ist Kultur der »Inbegriff des geistigen Besitzes, den die Menschheit in der Gemeinschaft ihrer intellektuellen Arbeit erworben hat.« (Windelband Präl 1907)248. Für die südwestdeutschen Neukantianer ist es vor allem ein Merkmal, das die kulturelle von der natürlichen Sphäre unterscheidet: der Bezug auf Werte (Einzelheiten s. sogleich). b) Die Verknüpfung von Kultur und Wert durch „Wertbeziehung“ Der Bezug auf Werte bzw. die »Wertbeziehung« ist der zentraler Unterscheidungsmaßstab für die Unterscheidung zwischen „Natur“ und „Kultur“ (s. schon § 3 I 2.a.bb.(2). >S. 48 ff.<). Die südwestdeutschen Neukantianer unterscheiden zwischen wertbezogener »Kultur« und wertfreier »Natur«. Bei Rickert heißt es: »Kultur ist der Inbegriff der Güter, die wir um ihrer Werte willen pflegen« (Ri- 1998, S. 11–34, insb. S. 18, 22 f.; Orth, Die Einheit des Neukantianismus, in: Orth/ Holzhey (Hrsg.), Neukantianismus. Perspektiven und Probleme, 1994, S. 13–30, insb. S. 16, 29 f.; Malter, Heinrich Rickert und Emil Lask, in: Orth/Holzhey (Hrsg.), Neukantianismus. Perspektiven und Probleme, 1994, S. 44–58, insb. S. 54; Tenbruck, Neukantianismus als Philosophie der modernen Kultur, in: Orth/Holzhey (Hrsg.), Neukantianismus. Perspektiven und Probleme, 1994, S. 71–87; Ollig, Neukantianismus, 1979, S. 4. 246 Rickert, Kulturwissenschaft und Naturwissenschaft, 6./7. Aufl. 1926, S. 16. 247 Rickert, Kulturwissenschaft und Naturwissenschaft, aaO., S. 16; Hervorh. im Orig. gesperrt. 248 Windelband, Über die gegenwärtige Lage und Aufgabe der Philosophie (1907), in: Windelband, Präludien, Bd. 2, 9. Aufl. 1924, S. 11. Erster Teil 58 ckert Kant 1924)249. Diese Unterscheidung ist die Grundlage des Dualismus von (wertbezogenem) Wert und (wertfreier) Wirklichkeit250. Die Wertbeziehung hat hierbei eine doppelte Aufgabe: in analytischer Hinsicht trennt sie die Sphären Natur und Kultur, in legitimatorischer Hinsicht sichert sie die Objektivität kultureller Erkenntnis gegen Angriffe eines historischen oder kulturellen Relativismus (Einzelheiten zum Legitimationscharakter insb. der Wertphilosophie s. unten § 3 III. >S. 70 ff.<).251 c) Bereiche der Kultur Wie bereits an anderer Stelle bemerkt, unterscheiden die südwestdeutschen Neukantianer verschiedene Bereiche der Kultur, z. B. Religion, Wissenschaft, Wirtschaft, Recht, Sittlichkeit, Kunst etc.252 Die »Werte« dieser Kulturbereiche werden »Kulturwerte« genannt253, die Verwirklichungen dieser Werte in der Wirklichkeit sind »Kulturgüter«254 oder »Kulturobjekte«255. Begriffliche Definitionen von Kulturbereichen finden sich sowohl bei Windelband als auch Rickert.256 Windelband etwa bestimmt »Kulturwerte« als das 249 Rickert, Kant als Philosoph der modernen Kultur, 1924, S. 7, Hervorh. im Orig. gesperrt. Die konstitutive Verknüpfung von Kulturbegriff und Wertbegriff zeigt sich gelegentlich auch in der Verwendung des Kompositums »Kulturwert«. Dazu z. B.: Windelband, Kritische oder genetische Methode? (1883), in: Windelband, Präludien, Bd. 2, 9. Aufl. 1924, S. 134; ebenso bei Rickert, Kulturwissenschaft und Naturwissenschaft, 6./7. Aufl. 1926, S. 95. 250 Siehe z. B. Rickert, Der Gegenstand der Erkenntnis, 4./5. Aufl. 1921, S. 101 ff., insb. S. 116. 251 Dazu z. B. Bohlken, Personale und transpersonale Sittlichkeit, in: Alexy u. a. (Hrsg.), Neukantianismus und Rechtsphilosophie, 2002, S. 289 f. 252 Siehe die Hinw. unten in § 3 FN 256. 253 Z. B. Windelband, Kritische oder genetische Methode? (1883), in: Windelband, Präludien, Bd. 2, 9. Aufl. 1924, S. 134. 254 Rickert, Kant als Philosoph der modernen Kultur, 1924, S. 7. Unter »Gütern« versteht Rickert »mit Werten verknüpfte Objektwirklichkeiten« (Rickert, Vom Begriff der Philosophie [1910/11], in: Bast [Hrsg.], Rickert. Philosophische Aufsätze, S. 13). 255 Z. B. Rickert, Kulturwissenschaft und Naturwissenschaft, 6./7. Aufl. 1926, S. 22. 256 S. die Aufzählungen bei: Windelband, Die Erneuerung des Hegelianismus [1910], in: Windelband, Präludien, Bd. 1, 9. Aufl. 1924, S. 274 (Sittlichkeit, Recht, Geschichte, Kunst, Religion); Rickert, Kulturwissenschaft und Naturwissenschaft (1899), 6./7. Aufl. 1926, S. 22 (Religion, Kirche, Recht, Staat, Sitten, Wissenschaft, Sprache, Literatur, Kunst, Wirtschaft); ausführlicher zu den Kulturgebieten Ethik, Ästhetik, Religion und Wissenschaft siehe Rickert, System der Philosophie, Erster Teil, 1921, S. 319 ff., zum Kulturgebiet Recht v. a. Emil Lask, Rechtsphilosophie (1905), in: Festschrift für Kuno Fischer, 2. Aufl. 1907, S. 269–320 sowie § 3 II 2.b. >S. 62 ff.< Die Philosophie des Südwestdeutschen Neukantianismus 59 Ergebnis der »großen Konzentrationen des sittlichen, des staatlichen, des sozialen Lebens«, »der Ausprägung der dafür geschaffenen Institutionen und Organisationen« sowie als die »Mitwelt und Nachwelt ergreifenden und bezwingenden Gestaltungen künstlerischer Schaffenskraft« (Windelband Präl 1883)257. d) Die Zweidimensionalität des Kulturbegriffs Der Kulturbegriff übernimmt innerhalb des neukantianischen Begründungsprogramms eine doppelte Funktion: Kultur als „Vorgabe und als „Aufgabe“258. aa) Materialdimension: Kultur als Vorgabe Die erste Funktion des Kulturbegriffs soll mit dem Stichwort „Kultur als Vorgabe“ umschrieben werden. Kultur als „Vorgabe“ meint zunächst, dass die Kultur bzw. deren Objekte zum Gegenstand des kritischen Unternehmens des Neukantianismus werden (hier als „Materialdimension“ von Kultur bezeichnet)259. Nach Windelband finden sich im »Kulturwerte« die »sich gegenseitig ergänzenden und berichtigenden Materialien« für die »Anwendung der kritischen Methode« (Windelband Präl 1883)260. Die »kritisch-philosophische Untersuchung des Wissenschaften« werde so »zur bewußten Erfassung des Kulturinhalts der Menschheit« (Windelband Präl 1907)261. bb) Zieldimension: Kultur als Aufgabe Die zweite Funktion des Kulturbegriffs soll mit dem Stichwort „Kultur als Aufgabe“ umschrieben werden. Damit ist gemeint, dass Kultur nicht nur Ausgangsbasis des Philosophierens sein soll, sondern auch dessen Ziel (hier „Zieldimension“ von Kultur genannt; Einzelheiten sogleich). 257 Windelband, Kritische oder genetische Methode? (1883), in: Windelband, Präludien, Bd. 2, 9. Aufl. 1924, S. 134. 258 Zu dieser Zweidimensionalität des Kulturbegriffs s. auch Sprenger, Recht als Kulturerscheinung, in: Sprenger (Hrsg.), Deutsche Rechts- und Sozialphilosophie um 1900, 1991 (ARSP-Beih. 43), S. 149 f. (Kultur als »Grundlage« und als »Ziel«). 259 Für weitere Hinw. s. oben § 3 I 2.b.aa. >S. 52 ff.< 260 Windelband, Kritische oder genetische Methode? (1883), in: Windelband, Präludien, Bd. 2, 9. Aufl. 1924, S. 134; ähnl. Rickert, System der Philosophie, Erster Teil, 1921, S. 319 ff. (Abschn.: »Das Material der Wertlehre«). 261 Windelband, Über die gegenwärtige Lage und Aufgabe der Philosophie (1907), in: Windelband, Präludien, Bd. 2, 9. Aufl. 1924, S. 11. Erster Teil 60 (1) Neukantianismus als Philosophie der modernen Kultur Die südwestdeutschen Neukantianer hatten sich eine Aktualisierung der Kantischen Philosophie zum Ziel gesetzt. Allerdings war eine direkte Anwendung der Kantischen Philosophie nicht möglich, da nach Meinung der Neukantianer »[v]iele Teile der kritischen Philosophie […] wissenschaftlich überholt« waren (Rickert Kant 1924)262. Eine »Grundlage für positive Weiterarbeit«263 könne die Kantische Philosophie nur durch eine Anpassung an die Anforderungen der Moderne sein. Anforderungen der Moderne – das waren für die südwestdeutschen Neukantianer264 und ihre Zeitgenossen Anforderungen der modernen „Kultur“265. Als »Grundproblem der modernen Kultur und des modernen Kulturbewußtseins« nennt etwa Rickert das Problem, »wie sich Selbständigkeit und Eigenbedeutung der verschiedenen Kulturgebiete mit einer Geschlossenheit der Gesamtkultur verbinden lassen.« (Rickert Kant 1924)266. Für dieses Problem, die Verselbständigung und Differenzierung der Kultur, habe es – so Rickert – »vor Kant noch keinen theoretischen Ausdruck gefunden« (Rickert Kant 1924)267. Kant sei der erste Denker in Europa gewesen, der »die allgemeinsten theoretischen Grundlagen geschaffen« hat, »die wissenschaftliche Antworten auf spezifisch moderne Kulturprobleme überhaupt möglich machen« (Rickert Kant 1924)268. Und noch deutlicher: »[J]eder, der nach wissenschaftlich geklärtem Kulturbewußtsein strebt, [muß] sich für Kant interessieren.« (Rickert Kant 1924)269. Aus diesem Grund erscheint es Rickert wie auch Windelband erfolgversprechend, an Kant Gedanken anzuknüpfen und diese weiter auszuarbeiten, »um zu verstehen, wie alle die verschiedenen Kulturwerte und Kulturgüter des wissenschaftlichen, staatlichen und wirtschaftlichen, des künstlerischen und des religiösen sich zu einem einheitlichen Kulturganzen zusammenschließen.« (Rickert 262 Rickert, Kant als Philosoph der modernen Kultur, 1924, Vorwort, S. VIII. 263 Rickert, Kant als Philosoph der modernen Kultur, aaO., S. VIII. 264 Zur „Kulturdimension“ als verbindendes Element innerhalb der neukantianischen Bewegung s. Orth, Die Einheit des Neukantianismus, in: Orth/Holzhey (Hrsg.), Neukantianismus. Perspektiven und Probleme, 1994, S. 16. 265 Zum Kulturdiskurs des ausgehenden 19. und des beginnenden 20. Jahrhunderts siehe nur Perpeet, in: Brackert (Hrsg.), Naturplan und Verfallskritik. Zu Begriff und Geschichte der Kultur, 1984, S. 21–28 (»Zur Wortbedeutung von Kultur und Kulturphilosophie um die Jahrhundertwende«) sowie ders., aaO., S. 364–408 (»Kulturphilosophie um die Jahrhundertwende«). 266 Rickert, Kant als Philosoph der modernen Kultur, 1924, S. 121. 267 Rickert, Kant als Philosoph der modernen Kultur, aaO., S. 141; Hervorh. im Orig. gesperrt. 268 Rickert, Kant als Philosoph der modernen Kultur, aaO., S. 141; Hervorh. im Orig. gesperrt. 269 Rickert, Kant als Philosoph der modernen Kultur, aaO., S. 7. Die Philosophie des Südwestdeutschen Neukantianismus 61 Kant 1924)270. Ziel ist – so Rickert – eine »umfassend[e] Philosophie der Kultur auf Kantischem Boden« (Rickert Kant 1924)271. (2) Neukantianismus als kritische Kulturphilosophie Durch die Anwendung des Kantischen Kritizismus auf »spezifisch moderne Kulturprobleme« erweist sich der Neukantianismus als „kritische“ oder „transzendentale Kulturphilosophie“272. Die explizit kulturphilosophische Ausrichtung wird zwar erst spät kenntlich gemacht (siehe z. B. Windelbands »Kulturphilosophie und transzendentaler Idealismus« [1910]273 oder Rickerts »Kant als Philosoph der modernen Kultur« [1924]274), ist aber von Anfang an vorhanden275. 2. Anwendungsbereiche des neukantianischen Kulturbegriffs Der Kulturbegriff hat in verschiedenen Gebieten des Südwestdeutschen Neukantianismus Anwendung gefunden. 270 Rickert, Kant als Philosoph der modernen Kultur, 1924, S. 7. Ähnl. Windelband: Kants Kritizismus als »die wissenschaftliche Bloßlegung der logischen Struktur aller Kulturfunktionen« (Windelband, Die Erneuerung des Hegelianismus [1910], in: Windelband, Präludien, Bd. 1, 9. Aufl. 1924, S. 274) oder: Kants Transzendentalphilosophie als »die Wissenschaft von den Prinzipien alles dessen, was wir jetzt mit dem Namen Kultur zusammenfassen.« (Windelband, aaO., S. 274). 271 Rickert, Kant als Philosoph der modernen Kultur, 1924, S. 7; ebenso Windelband: »System des Kritizismus als eine umfassende Kulturphilosophie« (Windelband, Kulturphilosophie und transzendentaler Idealismus [1910], in: Windelband, Präludien, Bd. 2, 9. Aufl. 1924, S. 281). – Weit. Hinw. zur kulturphilosophischen Deutung von Kants Kritizismus bei Orth, Kant als Kulturphilosoph, in: Studi italo-tedeschi / Deutsch-italienische Studien Nr. XXIV, 2005, S. 257–268, S. 269/270 sowie jüngst Flach, Kants Begriff der Kultur und das Selbstverständnis des Neukantianismus als Kulturphilosophie, in: Heinz/Krijnen (Hrsg.), Kant im Neukantianismus, 2007, S. 9–24. 272 Ollig, Neukantianismus, 1979 (»kritische Kulturphilosophie«, aaO., S. 4/5); Bohlken, Grundlagen einer interkulturellen Ethik, 2002 (»transzendentale Kulturphilosophie« (aaO., S. 12); Krijnen, Philosophieren im Schatten des Nihilismus, in: Krijnen/Orth (Hrsg.), Sinn, Geltung, Wert, 1998 (»transzendentalphilosophische Kulturtheorie«, aaO., S. 23). 273 Windelband, Kulturphilosophie und transzendentaler Idealismus (1910), in: Windelband, Präludien, Bd. 2, 9. Aufl. 1924, S. 210–294. 274 Rickert, Kant als Philosoph der modernen Kultur. Ein geschichtsphilosophischer Versuch, Tübingen 1924. 275 Siehe Tenbruck, Neukantianismus als Philosophie der modernen Kultur, in: Orth/ Holzhey (Hrsg.), Neukantianismus. Perspektiven und Probleme, 1994, S. 81. Erster Teil 62 Besonderen Einfluss hatte der Kulturbegriff bei der Entwicklung der wissenschaftstheoretischen Unterscheidung zwischen generalisierenden Naturwissenschaften auf der einen Seite und individualisierenden bzw. wertbeziehenden Kulturwissenschaften auf der anderen Seite (s. bereits oben § 3 I 2.a.bb.(2). >S. 48 ff.<)276. Kennzeichen und wissenschaftliche Methode der Kulturwissenschaften war das wertbeziehende Verfahren. a) Das wertbeziehende Verfahren der Kulturwissenschaften Obwohl die Kulturwissenschaften die »Individualität des empirischen Seins zum Ausdruck«277 bringen, können deren Begriffe doch »allgemeinen Inhalt haben« (Rickert Grenzen 1921)278, d. h. allgemeingültige wissenschaftliche Erkenntnisse bieten. Diesem Zweck dient die Wertbeziehung, die ein »Prinzip zur Auswahl des Wesentlichen aus der Wirklichkeit« bietet (Rickert KuN 1926)279 und das zusammenfasst, »was allen Individuen einer Gruppe gemeinsam ist« (Rickert Grenzen 1921)280. Wie bereits angedeutet, hat das wertbeziehende Verfahren der Kulturwissenschaften vielfältige Anwendung auf die nicht-naturwissenschaftlichen Einzelwissenschaften gefunden281. Für unsere Zwecke sind insbesondere die Auswirkungen auf die Rechtswissenschaft von Interesse282. b) Die Anwendung des wertbeziehenden Verfahrens auf das Recht Windelband und Rickert haben – anders als ihr Schüler Emil Lask – dem Recht nur wenig Beachtung geschenkt. 276 Programmatisch Rickerts Vortrag »Kulturwissenschaft und Naturwissenschaft« (1899, 6./7. Aufl. 1926). 277 Rickert, Die Grenzen der naturwissenschaftlichen Begriffsbildung, 3./4. Aufl. 1921, S. 257. 278 Rickert, Die Grenzen der naturwissenschaftlichen Begriffsbildung, aaO., S. 334. 279 Rickert, Kulturwissenschaft und Naturwissenschaft, 6./7. Aufl. 1926, S. 81; Hervorh. im Orig. gesperrt. Zur Scheidung des Wesentlichen vom Unwesentlichen (als Zweck wissenschaftlicher Definitionen) s. schon Rickert, Zur Lehre von der Definition, 3. Aufl. 1929, insb. S. 28 ff. 280 Rickert, Die Grenzen der naturwissenschaftlichen Begriffsbildung, 3./4. Aufl. 1921, S. 334; Hervorh. im Orig. gesperrt. 281 Siehe die Hinw. oben § 3 I 2.b.aa. >S. 52 ff.< – Zum Erbe des Neukantianismus in der heutigen Methodendiskussion der Kultur- und Geisteswissenschaften siehe z. B. Vollhardt, Heinrich Rickerts Begriff der „Kulturwissenschaft“, in: Alexy u. a. (Hrsg.), Neukantianismus und Rechtsphilosophie, 2002, S. 373–387. 282 Zum Folgenden insb. U. Neumann, Wissenschaftstheorie der Rechtswissenschaft, in: Paulson/Stolleis (Hrsg.), Hans Kelsen, 2005, S. 35–55. Die Philosophie des Südwestdeutschen Neukantianismus 63 aa) Heinrich Rickerts Lehre von der juristischen Definition (1888) Längere Ausführungen finden sich allein in Heinrich Rickerts Doktorarbeit »Zur Lehre von der Definition«283. Ausgangspunkt Rickerts ist die These, dass eine wissenschaftliche »Definition […] die wesentlichen Merkmale der Objekte zu bestimmen und aus ihnen den Begriff zu bilden hat« (Rickert Def 1929)284. Im Rahmen seiner Suche nach einem »Kriterium« zur »Unterscheidung des Wesentlichen vom Unwesentlichen« – Rickert nennt dieses den »Zweck« jeden wissenschaftlichen Bestrebens – kommt Rickert auch und zuerst auf juristische Definitionen zu sprechen285. Bei der Bestimmung des Wesentlichkeitskriteriums juristischer Definitionen schließt sich Rickert den Ausführungen des Juristen Rudolf v. Jhering an und nennt »in einem juristischen Begriff diejenigen Merkmale [wesentlich], welche dazu beitragen, daß der Wille des Gesetzgebers ausgeführt werde, oder daß das ›Recht sich verwirkliche‹« (Rickert Def 1929)286. bb) Emil Lasks Methodologie der Rechtswissenschaft (1905) Der bedeutendste Beitrag eines südwestdeutschen Neukantianers zum Recht stammt jedoch von dem Heidelberger Philosophen Emil Lask287, einem Schüler Rickerts und Windelbands. Lask überträgt das Konzept der wertbeziehenden Kulturwissenschaft auf die Rechtswissenschaft und wird zum Lehrer einer Vielzahl von juristischen Rechtsphilosophen wie beispielsweise Gustav Radbruch (siehe sogleich unten). 283 Rickert, Zur Lehre von der Definition, Freiburg i. Br. 1888 (im Folgenden zitiert nach der 3. Aufl. Tübingen 1929), S. 32 ff. – In späteren und einflussreicheren Arbeiten Rickerts, wie zum Beispiel in seinem wissenschaftstheoretischen Hauptwerk »Die Grenzen der naturwissenschaftlichen Begriffsbildung«, widmet er dem Recht so gut wie keine eigenen Ausführungen zur Methode der Jurisprudenz mehr und verweist statt dessen auf Lasks »Rechtsphilosophie« von 1905 (s. Rickert, Die Grenzen der naturwissenschaftlichen Begriffsbildung, 3./4. Aufl. 1921, S. 471 Fußn. 1). 284 Rickert, Zur Lehre von der Definition, 3. Aufl. 1929, S. 29, im Orig. komplett gesperrt. 285 Rickert, Zur Lehre von der Definition, aaO., S. 32 ff. Später folgen Ausführungen zu naturwissenschaftlichen und mathematischen Definitionen (aaO., S. 37 ff., 42 ff.). 286 Rickert, Zur Lehre von der Definition, aaO., S. 34, im Orig. komplett gesperrt; mit Verw. auf Rudolf v. Jhering, Geist des römischen Rechts auf den verschiedenen Stufen seiner Entwicklung, Bd. II, Abt. 2, 3. Aufl. Leipzig 1875. – Inwieweit man v. Jhering damit einen »merklich[en]« Einfluss auf die »ganze südwestdeutsche Wertphilosophie« zusprechen kann, wie es beispielsweise der Strafrechtler Helmut Mittasch 1939 vertreten hat (»Die Auswirkungen des wertbeziehenden Denkens«, 1939, S. 20), kann an dieser Stelle nicht weiter verfolgt werden. 287 Zu ihm s. oben § 2 III. >S. 31 f.<. Erster Teil 64 Die wichtigsten Äußerungen Lasks zum kulturwissenschaftlichen Konzept der Rechtswissenschaft stammen aus der »Rechtsphilosophie« von 1905288. Ausgehend von der Einordnung des Rechts als Kulturerscheinung289 klassifiziert Lask die Rechtswissenschaft als einen »Zweig der empirischen ›Kulturwissenschaften‹«290. Die Rechtswirklichkeit kann dabei nach Lask aus zwei Blickwinkeln betrachtet werden: Zum einen empirisch, d. h. als »realer Kulturfaktor, als sozialer Lebensvorgang« (Lask RPh 1905)291. In dieser Perspektive ist Rechtswissenschaft eine »Sozialtheorie des Rechts«292 und unternimmt unter anderem eine »Abgrenzung des Rechts gegen Sitte, Gewohnheit und anderen Lebensäußerungen eines Volkes«293. Zum anderen kann die Rechtswirklichkeit normativ, d. h. als »Komplex von Normbedeutungen« (Lask RPh 1905)294, betrachtet werden. Diese Perspektive wird von der »Jurisprudenz«295 eingenommen, also der Rechtsdogmatik. Hinsichtlich der kulturwissenschaftlichen Methode der Jurisprudenz folgt Lask den Ausführungen seines Lehrers Rickert aus dessen Schrift »Definition« (s. oben)296. In Übereinstimmung mit der »teleologische[n] Färbung sämtlicher Rechtsbegriffe«297 vollzieht sich die juristische Begriffsbildung nach Lask anhand des »teleologische[n] Prinzip[s]«298, d. h. durch die »von Zweckbeziehungen geleitete Umsetzung des realen Substrats in eine Gedankenwelt reiner Bedeutungen […]« (Lask RPh 1905)299. Ausgangspunkt und zugleich Material der juristischen Methode sind dabei nach Lask »Gesetz«, »Gewohnheitsrecht« und »rich- 288 Emil Lask, Rechtsphilosophie, in: Festschrift für Kuno Fischer, 2. Aufl. 1907 (1. Aufl. 1905), S. 269–320. 289 Lask, Rechtsphilosophie (1905), aaO., S. 305. 290 Lask, Rechtsphilosophie (1905), aaO., S. 298. – Zur Charakterisierung der Rechtsphilosophie als Rechtswertbetrachtung s. § 3 III 2.b.aa. >S. 84<. 291 Lask, Rechtsphilosophie (1905), aaO., S. 302; Hervorh. im Orig. gesperrt. 292 Lask, Rechtsphilosophie (1905), aaO., S. 302. 293 Lask, Rechtsphilosophie (1905), aaO., S. 303. 294 Lask, Rechtsphilosophie (1905), aaO., S. 302; im Orig. teilw. gesperrt 295 Lask, Rechtsphilosophie (1905), aaO., S. 303. 296 Lask, Rechtsphilosophie (1905), aaO., S. 306 (inklusive des Hinweises auf Rickerts v. Jhering-Rezeption [s. hierzu oben § 3 II 2.b.aa. >S. 63 f.<]). 297 Lask, Rechtsphilosophie (1905), aaO., S. 310; bekannt ist auch die Rede vom »teleologischen Gespinst«, mit dem die »Gesamtheit der dem Recht zugänglichen Gegenstände […] überzogen [wird]« (aaO., S. 307). 298 Lask, Rechtsphilosophie (1905), aaO., S. 306, im Orig. teilw. gesperrt. Die Rede von einer »teleologischen« Methode findet sich bereits bei Rickert, der sie synonym zur »wertbeziehenden« Methode verwendet (s. Rickert, Die Grenzen der naturwissenschaftlichen Begriffsbildung, 3./4. Aufl. 1921, S. 259). 299 Lask, Rechtsphilosophie (1905), in: Festschrift für Kuno Fischer, 2. Aufl. 1907, S. 307. An anderer Stelle auch als »wert- und zweckbeziehend[e] Methode« bezeichnet (aaO., S. 306). Die Philosophie des Südwestdeutschen Neukantianismus 65 terlich[e] Gesetzesanwendung«, aus denen die Jurisprudenz – so Lask weiter – »das dahinter steckende System der zu einer bestimmten Zeit und in einer bestimmten Gemeinschaft in Wahrheit ›geltenden‹, ›vom Gesetzgeber gewollten‹, also durchaus ›positiven‹ Rechtsnormen […] durch zum Teil schöpferische Arbeit gewinnen muß.« (Lask RPh 1905)300. cc) Gustav Radbruchs Methodologie der Rechtswissenschaft (1914) Ein weiterer, wichtiger Vertreter kulturwissenschaftlichen Denkens ist der Strafrechtslehrer und Rechtsphilosoph Gustav Radbruch (1878 bis 1949; ab 1910 nichtbeamteter außerordentlicher Professor in Heidelberg, 1914 außerordentlicher Prof. Königsberg, 1919 ordentlicher Prof. Kiel, ab 1926 in Heidelberg)301. 300 Lask, Rechtsphilosophie (1905), aaO., S. 316. – In späteren Arbeiten Lasks kommt es zu einer Akzentverschiebung im Verhältnis von geltender Form und seiendem Material. Nach der in der Arbeit »Die Logik der Philosophie und die Kategorienlehre« (1911) entwickelten Lehre von der Bedeutungsdifferenzierung findet Lask das »die Form differenzierende Moment nicht auf seiten des Geltenden selbst« (d. h. dem geltenden Wert), sondern setzt es »auf Rechnung dessen, was von der hingeltenden Form betroffen wird, […] also auf Rechnung des außerhalb Liegenden, des Materials« (d. h. der Wirklichkeit) (s. Lask, Die Logik der Philosophie [1911], in: Herrigel [Hrsg.], Lask, Gesammelte Schriften, Bd. 2, 1923, S. 57; Einzelheiten zu Lasks Lehre s. Nachtsheim, Zwischen Naturrecht und Historismus, in: Alexy u. a. [Hrsg.], Neukantianismus und Rechtsphilosophie, 2002, S. 301–318). Der Lask’sche Gedanke des materialen Moments im Erkenntnisvorgang hat insbesondere Radbruchs Rechtsdenken stark beeinflusst (insb. auf dessen spätere Lehre von der „Natur der Sache“, s. für Einzelheiten Kim, „Methodendualismus“ und „Natur der Sache“, 1966, S. 178 ff.). Hinweise finden sich vor allem in Radbruchs Aufsatz »Rechtsidee und Rechtsstoff« (1923/24), in dem Radbruch hervorhebt, dass selbst die »reine Form der Idee« »durch den Stoff bestimmt, weil für den Stoff bestimmt« ist (s. Radbruch, Rechtsidee und Rechtsstoff [1923/24], in: GRGA, Bd. 2, S. 453, Hervorh. im Orig.; bei S. 457 Fußn. 4 explizit Hinw. auf den Einfluss von Lasks Lehre von der Bedeutungsdifferenzierung). 301 Zu Leben und Werk Radbruchs s. Arth. Kaufmann, Gustav Radbruch – Leben und Werk, in: GRGA, Bd. 1, 1987, S. 7–88; Wolf, in: ders. (Hrsg.), Radbruch, Rechtsphilosophie, 4. Aufl. 1950, S. 17–77; insb. zum neukantianischen Hintergrund Radbruchs s. U. Neumann, Wissenschaftstheorie der Rechtswissenschaft, in: Paulson/ Stolleis (Hrsg.), Hans Kelsen, 2005, S. 35–55; Wiegand, Unrichtiges Recht, 2004; Dreier/Paulson, Einführung in die Rechtsphilosophie Radbruchs, in: Radbruch, Rechtsphilosophie, 3. Aufl. 1932, Studienausgabe, 1999, insb. S. 236 ff. Erster Teil 66 (1) Radbruch als Neukantianer (a) Der Naturalismus des frühen Radbruch Gustav Radbruch ist allerdings nicht von Anfang an ein Anhänger des Südwestdeutschen Neukantianismus. Radbruch ist von Hause aus Strafrechtler und steht zwischen 1902 und 1908302, der Phase seiner strafrechtsdogmatischen Studien, unter dem starken Einfluss seines Lehrers Franz von Liszt (1851 bis 1919), eines Vertreters des naturalistischen Positivismus. In seiner Habilitationsschrift »Der Handlungsbegriff in seiner Bedeutung für das Strafrechtssystem« (1904303) beispielsweise nimmt Radbruch einen (naturalistischen) Handlungsbegriff als Ausgangspunkt des Strafrechtssystems304. (b) Die Hinwendung Radbruchs zum Neukantianismus Die Hinwendung zum Neukantianismus und im Besonderen zur südwestdeutschen Schule beginnt bei Radbruch in den ersten Jahren seiner Heidelberger Privatdozentenzeit (Habilitation 1903 bei Karl von Lilienthal). Maßgebend wird der Heidelberger Gelehrtenkreis um Max Weber und Georg Jellinek sowie die Bekanntschaft mit dem Windelband-Schüler Heinrich Levy305 und Emil Lask306. 302 Neben der bei v. Liszt entstandenen Berliner Promotion (»Die Lehre von der adäquaten Verursachung«, 1902) und der Heidelberger Habilitation (»Der Handlungsbegriff in seiner Bedeutung für das Strafrechtssystem«, 1904) gehören hierzu vor allem die strafrechtsvergleichenden Beiträge über Abtreibung, Aussetzung, Erfolghaftung und Strafänderung in dem Monumentalwerk »Vergleichende Darstellung des deutschen und ausländischen Strafrechts« (1905–1908). Weitere Hinw. zu Radbruch als Strafrechtsdogmatiker s. vor allem Eb. Schmidt, Gustav Radbruch als Kriminalist, in: ZStW 63 (1951), S. 150–165; Krämer, Strafe und Strafrecht im Denken des Kriminalpolitikers Gustav Radbruch, Diss. Frankfurt am Main 1956. – Zu v. Liszt s. unten § 4 II 2. >S. 94 ff.<. 303 Radbruch, Der Handlungsbegriff in seiner Bedeutung für das Strafrechtssystem, 1904; siehe auch Radbruch, Über den Schuldbegriff (1904), in: GRGA, Bd. 7, S. 207–220. 304 Radbruch korrigiert dies später (zuerst 1923/24 u. vor allem 1930). S. Gustav Radbruch, Rechtsidee und Rechtsstoff (1923/24), in: GRGA, Bd. 2, S. 458; Radbruch, Zur Systematik der Verbrechenslehre (1930), in: GRGA, Bd. 8, S. 210 mit Fußn. 6. Neuer Grundbegriff der Verbrechenslehre wird die Tatbestandsverwirklichung (Radbruch, aaO, 1930, in: GRGA, Bd. 8, S. 211). 305 In seinen Lebenserinnerungen erinnert sich Radbruch: »Der aber, dem ich die erste Einführung in den Geist des Heidelbergschen Denkens zu danken habe, war Heinrich Levy.« Und weiter: »In Debatten, in denen es oft hart auf hart ging, überzeugte er mich von dem Kantischen Dualismus zwischen Sein und Sollen, Wirklichkeit und Wert und von den darauf gegründeten Lehren Windelbands und Rickert.« (Radbruch, Der innere Weg, 2. Aufl. 1961, S. 64/65). Die Philosophie des Südwestdeutschen Neukantianismus 67 Ein früher Ausdruck von Radbruchs Hinwendung zum Südwestdeutschen Neukantianismus ist eine Kontroverse um den Entwicklungsbegriff seines Lehrers Franz von Liszt307. In einem Aufsatz zur Methode der Rechtsvergleichung (1905/06)308 kritisiert Radbruch den Schluss vom geltenden Recht zum richtigen Recht als Verstoß gegen die erkenntnistheoretische Trennung von Sein und Sollen bzw. Wert und Wirklichkeit309 und verweist die Entscheidung über das richtige Recht in den Bereich der »wissenschaftlich undiskutierbaren persönlichen Überzeugung«310. Ihren deutlichsten Ausdruck findet die neukantianische Ausrichtung Radbruchs freilich in seinem rechtsphilosophischem Hauptwerk »Grundzüge der Rechtsphilosophie« (1914, unveränderte 2. Auflage 1922, ab der 3. Auflage Neubearbeitung unter dem Titel »Rechtsphilosophie«)311. Schon im Vorwort der 306 In einem Brief Radbruchs an seinen engen Vertrauten Hermann Kantorowicz von 1904 heißt es über Emil Lask: »Lask wird, glaube ich, auch Ihnen eine neue Welt rechtsphilosophischen Denkens erschließen.« (Radbruch, in: Briefe, hrsg. von Erik Wolf, 1968, Nr. 5, Brief an Hermann Kantorowicz, S. 10). Und in seinen postum veröffentlichten Lebenserinnerungen erinnert sich Radbruch: »Am engsten verbunden war ich mit Emil Lask, seiner Übersicht über die Rechtsphilosophie jener Zeit danke ich auch sachlichen Einfluß.« (Radbruch, Der innere Weg, 2. Aufl. 1961, S. 64). Zur sachlichen Nähe von Radbruchs Rechtsphilosophie zu den Lehren Lasks siehe Sprenger, Die Wertlehre des Badener Neukantianismus, in: Alexy u. a. [Hrsg.], Neukantianismus und Rechtsphilosophie, 2002, S. 165 f. 307 Jedenfalls stellt Radbruch diese Kontroverse später rückblickend in den Zusammenhang mit dem Neukantianismus (s. Radbruch, Eduard Kohlrausch † [1948], in: GRGA, Bd. 16, S. 92; Radbruch, Drei Strafrechtslehrbücher des 19. Jahrhunderts [1949], in: GRGA, Bd. 11, S. 428; Radbruch, Hermann Kantorowicz † [1946], in: GRGA, Bd. 16, S. 84). – Zu dieser Kontroverse: Frommel, Die Kritik am „Richtigen Recht“, in: Phillipps/Scholler (Hrsg.), Jenseits des Funktionalismus [= Festschrift zum 65. Geburtstag von Arthur Kaufmann], 1989, S. 43–62; Adachi, Die Radbruchsche Formel, 2006, S. 41 ff. 308 Radbruch, Über die Methode der Rechtsvergleichung (1905/06), in: GRGA, Bd. 15, S. 152–156. Anlass des Artikels ist das Erscheinen des strafrechtsvergleichenden Werks »Vergleichende Darstellung des deutschen und ausländischen Strafrechts« ab 1905 ff. (hrsg. von K. Birkmeyer u. a., 1905–1909). An diesem Monumentalwerk beteiligt sich nahezu die gesamte deutsche Strafrechtswissenschaft (allein Karl Binding versagt seine Mitarbeit). 309 Siehe Radbruch, Über die Methode der Rechtsvergleichung (1905/06): »Das Sein- Sollende läßt sich nimmermehr aus dem Seienden ableiten, die Betrachtung noch so vieler geltender Rechte vermag uns über das richtige Recht nicht zu belehren […].« (Radbruch, in: GRGA, Bd. 15, S. 154). 310 Radbruch, Über die Methode der Rechtsvergleichung (1905/06), GRGA, Bd. 15, S. 154. – Zur Replik v. Liszts s. Franz v. Liszt, Das „richtige“ Recht in der Strafgesetzgebung, in: ZStW 26 (1906), S. 553–557; ZStW 27 (1907), S. 91–96. 311 Radbruch, Grundzüge der Rechtsphilosophie, 1. Aufl. Leipzig 1914, 2., unveränderte Auflage 1922; wiederabgedr. in: GRGA, Bd. 2, S. 9–204. Die 3. Auflage der Erster Teil 68 Erstauflage von 1914 bekennt sich Radbruch programmatisch zur Philosophie des südwestdeutschen Neukantianismus – Radbruch schreibt: »Dieses Buch weiß sich unter den Philosophen besonders Windelband, Rickert und Lask […] verpflichtet.« (Radbruch RPh 1914/22)312. Und noch in der 1932 erschienenen dritten Neuauflage der »Rechtsphilosophie« heißt es in der ersten Fußnote313: »Die folgenden Ausführungen haben zum Hintergrund die philosophischen Lehren Windelbands, Rickerts und Lasks, insbesondere ist Lasks Rechtsphilosophie […] für diese Ausführungen und dieses Buch wegweisend geworden.« (Radbruch RPh 1932)314. (2) Radbruchs kulturwissenschaftliches Konzept der Rechtswissenschaft Nach diesen Exkurs zum neukantianischen Hintergrund Radbruchs zurück zu seinem kulturwissenschaftlichem Konzept der Rechtswissenschaft.315 Diese findet sich – wie bereits angedeutet – vor allem in seiner »Rechtsphilosophie« (1./2. Auflage 1914/22, 3. Aufl. 1932; s. oben). Ebenso wie Lask sieht auch Gustav Radbruch das Recht als »Kulturerscheinung, d. h. wertbezogene Tatsache« an316 und bestimmt die Rechtswissenschaft folglich als empirische »Kulturwissenschaft«317. Die Rechtswirklichkeit lässt sich dabei für Radbruch – wie schon für Lask – aus zwei Perspektiven betrachten318: Schrift von 1932 erscheint unter dem Titel »Rechtsphilosophie« (wiederabgedr. in: GRGA, Bd. 2, S. 206–450). 312 Radbruch, Grundzüge der Rechtsphilosophie, 1./2. Aufl. 1914/22, in: GRGA, Bd. 2, Vorwort, S. 13. 313 Radbruch, Rechtsphilosophie, 3. Aufl. Leipzig 1932, wiederabgedr. in: GRGA, Bd. 2, S. 206–450. 314 Radbruch, Rechtsphilosophie, 3. Aufl. 1932, in: GRGA, Bd. 2, Fußn. 1 S. 221. 315 Zum Folgenden v. a. U. Neumann, Wissenschaftstheorie der Rechtswissenschaft, in: Paulson/Stolleis (Hrsg.), Hans Kelsen, 2005, S. 35–55; Wapler, Werte und das Recht, 2008, S. 192 ff. 316 Radbruch, Grundzüge der Rechtsphilosophie, 1./2. Aufl. 1914/22, in: GRGA, Bd. 2, S. 175 (in Fußn. 2 mit Hinweis auf Lasks »Rechtsphilosophie« und Rickerts »Grenzen der naturwissenschaftlichen Begriffsbildung«); ebenso Radbruch, Rechtsphilosophie, 3. Aufl. 1932, in: GRGA, Bd. 2, S. 227. 317 Radbruch, Grundzüge der Rechtsphilosophie, 1./2. Aufl. 1914/22, in: GRGA, Bd. 2, S. 175; ebenso Radbruch, Rechtsphilosophie, 3. Aufl. 1932, in: GRGA, Bd. 2, S. 354 (Radbruch spricht hier auch von »Kulturphilosophie« des Rechts, in: aaO., GRGA, Bd. 2, S. 251). – An anderer Stelle klassifiziert Gustav Radbruch die Rechtswissenschaft zusätzlich als »idiographische Wissenschaft« im Sinne Windelbands (s. Radbruch, Grundzüge der Rechtsphilosophie, 1./2. Aufl. 1914/22, in: GRGA, Bd. 2, S. 197 ff.; ähnl. Radbruch, Rechtsphilosophie, 3. Aufl. 1932, in: GRGA, Bd. 2, S. 355 f.). 318 Radbruch, Rechtsphilosophie, 3. Aufl. 1932; in: GRGA, Bd. 2, S. 175 f.; so schon Die Philosophie des Südwestdeutschen Neukantianismus 69 einerseits lässt sich das »nach seinem tatsächlichen Bestande« und »nach seinem Sein«319 betrachten (empirische, »sozialtheoretische«320 Betrachtung des Rechts)321, andererseits nach seinem »Bedeutungsgehalt« und »Sinn«322 (normative, »juristisch-dogmatische«323 Betrachtung des Rechts). Diese doppelte Betrachtungsweise des Rechts hat für Radbruch zur Konsequenz, dass der Rechtswissenschaft in wissenschaftstheoretischer Sicht eine Mittelstellung zwischen empirischer Kulturwissenschaft und normativer Normwissenschaft zukommt324. Die Rechtswissenschaft befasst sich einerseits in ihrem Ausgangspunkt mit den »faktischen Rechtsimperativen«325 in »Gesetzen und Gewohnheiten«326 und ist insofern eine empirische Kulturwissenschaft327. Andererseits hat es der »Jurist« als Dogmatiker nicht mit der Tatsächlichkeit der Rechtsordnung zu tun, sondern mit ihrem Sinn«, der »Norm«328. Der Jurist interessiert sich nicht dafür, »daß etwas gewollt und befohlen wird«, sondern dafür »was gewollt und befohlen ist.«329. Die Rechtswissenschaft hat daher – so Radbruch zusammenfassend – »den Gegenstand einer empirischen […] Kultur- Lask, Rechtsphilosophie (1905), Festschrift für Kuno Fischer, 2. Aufl. 1907, S. 302 f. (s. hierzu oben § 3 II 2.b.bb. >S. 63 ff.<). 319 Radbruch, Grundzüge der Rechtsphilosophie, 1./2. Aufl. 1914/22, in: GRGA, Bd. 2, S. 175. 320 Radbruch, Grundzüge der Rechtsphilosophie, aaO., GRGA, Bd. 2, S. 176. 321 Als Anwendungsgebiete dieser empirischen, sozialtheoretischen Betrachtungsweise nennt Radbruch die Rechtsgeschichte, die Rechtssoziologie und die Rechtsvergleichung (Radbruch, Grundzüge der Rechtsphilosophie, 1./2. Aufl. 1914/22, in: GRGA, Bd. 2, S. 176; ebenso Radbruch, Rechtsphilosophie, 3. Aufl. 1932, in: GRGA, Bd. 2, S. 3.). 322 Radbruch, Grundzüge der Rechtsphilosophie, 1./2. Aufl. 1914/22, in: GRGA, Bd. 2, S. 175. 323 Radbruch, Grundzüge der Rechtsphilosophie, aaO., GRGA, Bd. 2, S. 176. 324 Radbruch, Grundzüge der Rechtsphilosophie, 1./2. Aufl. 1914/22, in: GRGA, Bd. 2, S. 176; ebenso Radbruch, Rechtsphilosophie, 3. Aufl. 1932, in: GRGA, Bd. 2, S. 355. Anders Hans Kelsen, der die Rechtswissenschaft ausschließlich als »Normwissenschaft« konzipiert (s. vor allem Hans Kelsen, Die Rechtswissenschaft als Norm- und als Kulturwissenschaft [1916], in: Klecatsky u. a. [Hrsg.], Die Wiener Rechtstheoretische Schule, 1968, Bd. 1, S. 37–93). Zu diesem Streit nur U. Neumann, Wissenschaftstheorie der Rechtswissenschaft, in: Paulson/Stolleis (Hrsg.), Hans Kelsen, 2005, S. 35–55. 325 Radbruch, Grundzüge der Rechtsphilosophie, 1./2. Aufl. 1914/22, in: GRGA, Bd. 2, S. 153. 326 Radbruch, Grundzüge der Rechtsphilosophie, aaO., GRGA, Bd. 2, S. 176/177. 327 Radbruch, Grundzüge der Rechtsphilosophie, aaO., S. 176. 328 Radbruch, Grundzüge der Rechtsphilosophie, aaO., S. 153. 329 Radbruch, Grundzüge der Rechtsphilosophie, aaO., S. 153. Erster Teil 70 wissenschaft, aber die Methode einer Normwissenschaft.« (Radbruch RPh 1914/22)330. Als kulturwissenschaftliche Methode der Rechtsdogmatik bestimmt Radbruch – im Anschluss an Rickert – die »wertbeziehende« Betrachtungsweise des Rechts331. Diese »liest aus der Gegebenheit […] diejenigen Bestandteile aus, welche zu Werten in irgendeiner Beziehung stehen […].« (Radbruch RPh 1914/22)332. Radbruch bezeichnet die juristische Begriffsbildung an anderer Stelle auch als »teleologische[r] Begriffsbildung« bzw. »juristisch-teleologischer Begriffsbildung«333. III. Legitimationsaspekt: Die Legitimationsfunktion der Wertphilosophie Ein dritter Hauptsaspekt des Südwestdeutschen Neukantianismus ist die Legitimationsfunktion der Wertphilosophie. Die Wertphilosophie bildet das argumentative Kernstück des Südwestdeutschen Neukantianismus. Ihr kommt die Aufgabe zu, die Möglichkeit und Gel- 330 Radbruch, Grundzüge der Rechtsphilosophie, 1./2. Aufl. 1914/22, in: GRGA, Bd. 2, S. 176. 331 Radbruch, Grundzüge der Rechtsphilosophie, aaO., GRGA, Bd. 2, S. 53 (in Fußn. 7 mit Verw. auf Rickerts Schriften »Grenzen der naturwissenschaftlichen Begriffsbildung«, »Naturwissenschaft u. Kulturwissenschaft« und »Geschichtsphilosophie«); ebenso Radbruch, Rechtsphilosophie, 3. Aufl. 1932, in: GRGA, Bd. 2, S. 228 u. insb. S. 356. Die wertbeziehende Betrachtung des Rechts ist hierbei einerseits zur wertblinden Betrachtung der Naturwissenschaften abzugrenzen, andererseits zur bewertenden Rechtsbetrachtung – als Aufgabe der Rechtsphilosophie – und zur wert- überwindenden Betrachtung des Rechts – als Aufgabe der Religionsphilosophie – (s. Radbruch, Rechtsphilosophie, 3. Aufl. 1932, in: GRGA, Bd. 2, S. 228). 332 Radbruch, Grundzüge der Rechtsphilosophie, 1./2. Aufl. 1914/22, in: GRGA, Bd. 2, S. 53; ähnl. ders., Rechtsphilosophie, 3. Aufl. 1932; GRGA, Bd. 2, S. 356. 333 Radbruch, Grundzüge der Rechtsphilosophie, 1./2. Aufl. 1914/22, in: GRGA, Bd. 2, S. 190 u. 191. Die Bezeichnung „teleologisch“ findet sich bereits bei Rickert und Lask und wird bei beiden synonym zu „wertbeziehend“ gebraucht (s. den Hinw. in § 3 FN 298). Eine solche Interpretation liegt auch bei Radbruch nahe, für den die Frage nach dem »Zwecke des Rechts« »gleichbedeutend« ist mit der Frage »nach seinem Wert, seinem Sinn, seiner Idee, seiner Richtigkeit, seiner Gerechtigkeit« (siehe Radbruch, Grundzüge der Rechtsphilosophie, 1./2. Aufl. 1914/22, in: GRGA, Bd. 2, S. 91; ähnl. in der 3. Auflage 1932 mit der Einführung des Kompositums »Zweckidee«, »an der das Recht zu messen ist« und die nur »durch die Besinnung, welchem von den Werten […] das Recht zu dienen bestimmt und geeignet ist«, siehe Radbruch, Rechtsphilosophie, 3. Aufl. 1932, in: GRGA, Bd. 2, S. 278 f.).

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References

Zusammenfassung

Die Zeit zwischen 1900 und 1933 gilt vielen als eine Glanzperiode strafrechtlicher Begriffs- und Systembildung, die trotz ihres gewaltsamen Endes bis heute den exzellenten Ruf der deutschen Strafrechtsdogmatik in aller Welt nährt. Ein Garant hierfür war die erkenntnis- und wissenschaftstheoretische Fundierung, die nach einem Weg zwischen den Klippen des naiven Naturalismus oder Formalismus suchte und sich vor allem mit der Philosophie des Südwestdeutschen Neukantianismus verbindet. Die Zusammenhänge eines „neukantianischen Strafrechtsdenkens“ liegen jedoch noch immer weitgehend im Dunkeln.

Die Arbeit stößt in diese Forschungslücke. Sie beginnt mit der Rekonstruktion des wertphilosophischen Begründungsprogramms des Neukantianismus. Im Mittelpunkt steht die These, dass Wertungen, obwohl sie auf den ersten Blick subjektiv und relativ erscheinen, doch implizit mit einem Anspruch auf objektive und absolute Geltung auftreten.

Die weiteren Ausführungen widmen sich der strafrechtlichen Umsetzung dieser These, wobei nachgewiesen wird, dass sie mit einer tiefgreifenden Transformation verbunden war, welche die gemeinhin behauptete neukantianische Prägung in einem differenzierteren Licht erscheinen lässt.