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Christian Becker, Zwischenergebnis in:

Christian Becker

Das gemeinschaftliche Begehen und die sogenannte additive Mittäterschaft, page 107 - 107

1. Edition 2009, ISBN print: 978-3-8329-4174-1, ISBN online: 978-3-8452-1326-2 https://doi.org/10.5771/9783845213262

Series: Nomos Universitätsschriften - Recht, vol. 612

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107 VI. Zwischenergebnis Die vertiefende Problemanalyse hat Folgendes ergeben: Es gibt tatsächlich Strukturunterschiede zwischen der »additiven Mittäterschaft« und der herkömmlichen, sog. »korrelativen Mittäterschaft«. Diese legen es jedoch nicht nahe, die »additive Mittäterschaft« quasi als »Paradebeispiel« der gemeinschaftlichen Begehung einer Straftat aufzufassen. Vielmehr müsste man eher von einem atytpischen Fall einer gemeinschaftlichen Begehung sprechen, sofern deren Voraussetzungen überhaupt vorliegen. Weiterhin ist deutlich geworden, dass die oft behaupteten oder jedenfalls implizierten Strafbarkeitslücken bei Ablehnung der Vollendungsstrafbarkeit aller Beteiligter im Attentats-Fall, vor allem mit Blick auf § 23 Abs. 2, nicht vorhanden sind. Es hat sich gezeigt, dass die hier untersuchte Fallgruppe eine Auseinandersetzung mit den allgemeinen Voraussetzungen der Mittäterschaft erforderlich macht. Dies gilt auch, aber bei weitem nicht ausschließlich, hinsichtlich des Verhältnisses von Mittäterschaft und Kausalität. Dieser Punkt kann isoliert betrachtet zu einer Lösung der hier untersuchten Fallgruppe nicht zielführend beitragen. Auch macht die Auseinandersetzung mit der »additiven Mittäterschaft« das bisher kaum beachtete, weil in anderen Fallgruppen wenig relevante Problem deutlich, dass die Voraussetzungen der Mittäterschaft praktisch immer nur dann bejaht werden können, wenn die Tatbeiträge einzelner Beteiligter in irgendeiner Weise verbunden werden. Auf die Frage nach Art und Grundlage einer solchen Verbindung konnte unter Auswertung der bisher vertretenen Auffassungen keine überzeugende Antwort gefunden werden. Allein sinnvoll ist es daher, die vorliegende Fallgruppe zum Anlass zu nehmen, die allgemeinen Voraussetzungen der Mittäterschaft genauer zu untersuchen. Ist eine allgemeine Mittäterschaftsdogmatik erst einmal entwickelt, dann kann nicht nur die vorliegende Fallgruppe konsequent gelöst werden, was unter Zugrundelegung der bisher in Rechtsprechung und Lehre vertretenen Auffassungen nicht gelang. Es kann sodann auch eine allgemeine Antwort auf die in der Auseinandersetzung mit der »additiven Mittäterschaft« auftretenden und soeben aufgezeigten Probleme gegeben werden.

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Zusammenfassung

Das Werk behandelt die Abgrenzung von Mittäterschaft und Teilnahme, eine angesichts der Verbreitung des Tatherrschaftsgedankens rückläufige Diskussion. Losgelöst vom Begriff „Tatherrschaft“ wird die Mittäterschaft – anhand der sog. „additiven Mittäterschaft“ – konsequent auf ihre gesetzliche Regelung in § 25 Abs. 2 StGB zurückgeführt. Die entwickelte Lösung, eine teilweise Renaissance der formal-objektiven Theorie, mag dem Einwand fehlender argumentativer Flexibilität und somit mangelnder Praxistauglichkeit ausgesetzt sein. Demgegenüber steht die Rückbesinnung auf eine echte Tatbestandsbezogenheit, die den dahinterstehenden verfassungsrechtlichen Garantien die notwendige Geltung verschafft.