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Sebastian Messer, Ergebnis in:

Sebastian Messer

Die polizeiliche Registrierung von Widerstandshandlungen, page 129 - 130

Eine kriminalsoziologische Untersuchung

1. Edition 2009, ISBN print: 978-3-8329-4143-7, ISBN online: 978-3-8452-1650-8 https://doi.org/10.5771/9783845216508

Series: Studien zum Strafrecht, vol. 26

Bibliographic information
129 Abbildung 23: Bewertung der polizeilichen Fortbildung399 III. Ergebnis Mit einer maximalen Abweichung von nur 0,5 Bewertungspunkten sind fast keine regionalen oder dienstgradspezifischen Unterschiede bei der polizeilichen Einschätzung der polizeilichen Aus- und Fortbildung erkennbar. Dies deutet daraufhin, dass in allen drei Städten und unabhängig vom Dienstgrad die polizeiliche Aus- und Fortbildung ähnlich gut organisiert und strukturiert ist. 399 Abkürzungen der Abbildung: (A) = Ausbildung, m.D. = mittlerer Dienst, g.D. = gehobener Dienst. 0 1 2 3 4 5 Kommunikationstechniken gesamt Kommunikationstechniken m.D. Kommunikationstechniken g.D. rechtliche Kenntnisse gesamt rechtliche Kenntnisse m.D. rechtliche Kenntnisse g.D. regelm. Training Selbstverteidigung/ Einsatztraining gesamt regelm. Training Selbstverteidigung/ Einsatztraining m.D. regelm. Training Selbstverteidigung/ Einsatztraining g.D. sehr gut - gut - befriedigend - ausreichend - mangelhaft Mannheim (n = 100) Lübeck (n = 100) Kiel (n = 100) 130 Damit kann die erste Annahme, dass die Polizeibeamten in Kiel, Lübeck und Mannheim bestimmte Konflikte in vergleichbarer Weise wahrnehmen, da sie aufgrund einer vergleichbaren Aus- und Fortbildungssituation vergleichbare rechtliche und soziale Kenntnisse und Fähigkeiten besitzen, als hinreichend geprüft und folglich als nicht falsifiziert angesehen werden. Die Ursachen für die abweichende Registrierung von Widerstandshandlungen nach § 113 StGB liegen demzufolge mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht auf der Ebene der Wahrnehmung. D. Einflüsse auf die Registrierungsentscheidung Die Gründe für die regional abweichenden Tatzahlen liegen sehr wahrscheinlich nicht auf der Ebene der polizeilichen Wahrnehmung. Daher widmen wir uns nun den Entscheidungsstufen der Thematisierung und der Mobilisierung. Der Fragebogen enthielt 11 strittige Situationen, anhand derer das polizeiliche Entscheidungsverhalten geprüft wird, wobei zwischen regionalen und persönlichen Merkmalen zu differenzieren ist. Die zweite Annahme<"ãFkg"Fkxgtigp¦"rqnk¦gknkej"tgikuvtkgtvgt"Ykfgtuvcpfujcpdlungen nach § 113 StGB kann mit unterschiedlichen Entscheidungen der Beamten über die Verrechtlichung von an sich vergleichbaren Konflikten erklärt werden. Die Entscheidungsstufen Thematisierung und Mobilisierung werden in Kiel, Lübeck und Mannheim aus taktischen Gründen unterschiedlich gehandhabt. Die Divergenz lässt sich demnach durch unterschiedliche Entscheidungen auf der Stufe der Vjgocvkukgtwpi" wpf" fgt" Oqdknkukgtwpi" gtmn“tgp0Ð" yktf" cpjcpf" fkgugt" ukvwcvkxgp" Fragen geprüft. Das Entscheidungsverhalten wird nach regionalen Unterschieden durchleuchtet. Die dritte Annahme<" ãFkg" Hcmvqtgp" Iguejngejv" fgu" jcpfgnpfgp" Dgcovgp." Dienstgrad und Diensterfahrung können sich auf das polizeiliche Entscheidungsverhalten auswirken. Eine regional unterschiedliche Vorgehensweise bei an sich vergleichbaren Konflikten kann auch durch eine regional unterschiedliche personalstrukturelle Verteilung erklärt werden. Ferner können auch prophylaktische Cp¦gkigp"fkg"Hcnn¦cjngp"dggkphnwuugp0Ð"yktf"gdgphcnnu"cpjcpf"fgt"ukvwcvkxgp"Htcigp" geprüft, wobei hier das Entscheidungsverhalten nach den genannten Merkmalen aufgeschlüsselt und auf mögliche Unterschiede hin durchleuchtet wird. Dabei werden auch prophylaktische Anzeigen berücksichtigt. Die strittigen Situationen wurden so ausgewählt, dass sie einerseits eng an die alltägliche polizeiliche Routine angelehnt sind und andererseits inhaltlich eine umfassende Bandbreite abdecken. Für die vorliegende Untersuchung ist die unmittelbare Reaktion interessant. Daher war jeder Sachverhalt mit der Aufforderung versehen: Bitte versetzen Sie sich in die dargestellte Situation. Wie wäre Ihre unmittelbare Reaktion? Aus den vorgegebenen Reaktionsmöglichkeiten konnte jeweils nur eine ausgewählt werden, sog. Einfachauswahl. Dabei war auszuklammern, dass die

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Zusammenfassung

Die Arbeit knüpft an das irritierende Faktum an, dass in der Hansestadt Lübeck zumindest in den Jahren 1999 bis 2004, aber auch noch aktuell, deutlich mehr Delikte wegen Widerstandes gegen Vollstreckungsbeamte nach § 113 StGB registriert worden sind als in Kiel. Dennoch ist die Zahl der Verurteilten nahezu gleich. Es liegt die Vermutung nahe, dass nur mehr Widerstände thematisiert werden als verurteilt.

Bisher vorhandene Studien zum Thema Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte gehen zumeist ätiologisch vor. Sie liefern keine Erklärung für das unterschiedliche Registrierungsverhalten, aber wichtige Vorerkenntnisse über die zu erwartenden Konflikte und sozialen Besonderheiten der „widerständigen“ Personen.

Die Arbeit knüpft an diese Erkenntnisse an, überprüft sie bezüglich ihrer Aktualität und stellt einen eigenen vollständigen theoretischen Ansatz auf. Dieser kriminalsoziologische Ansatz unterscheidet zwischen Wahrnehmung eines Konfliktes, Thematisierung des Konfliktes und Mobilisierung des Widerstandsparagrafen. Die Datenerhebung erfolgte per schriftlicher Befragung mit Interviews bei 300 Polizeibeamtinnen und -beamten. Einbezogen wurden Kiel, Lübeck und – des regionalen Vergleichs wegen – die sozialstrukturell vergleichbare Stadt Mannheim. Abgefragt wurden zahlreiche Konfliktkonstellationen und Einflussfaktoren, solche wie Geschlecht, Diensterfahrung und Dienstgrad. Die Arbeit wertet die Daten umfangreich auf unterschiedliche Reaktionsmuster hin aus.