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Fabian Sösemann, Bilanzkreise, Ausgleichsenergie in:

Fabian Sösemann

Umweltverträgliche Energienetze, page 29 - 30

Bedeutung und Anwendungsmöglichkeiten der Zweckbestimmung des EnWG

1. Edition 2009, ISBN print: 978-3-8329-4142-0, ISBN online: 978-3-8452-1469-6 https://doi.org/10.5771/9783845214696

Series: Schriftenreihe Institut für Energie- und Wettbewerbsrecht in der Kommunalen Wirtschaft e.V. (EWeRK) an der Humboldt-Universität zu Berlin, vol. 33

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zur Verfügung stehen können. Im europäischen UTCE-Verbund werden dafür 3.000 MW zurückgehalten. Diese Größe orientiert sich am gleichzeitigen Ausfall von zwei großen thermischen Kraftwerksblöcken (z.B. Kohle- oder Atomkraftwerke). Sekundärregelleistung ersetzt die Primärregelleistung automatisch, wenn die Störung länger als 30 Sekunden anhält. Sie soll die gewünschte Leistungsverteilung wieder herstellen und verbliebene Frequenzabweichungen zurückführen. Innerhalb von 5 Minuten muss die Sekundärregelleistung in vollem Umfang zur Verfügung stehen und für 15 Minuten vorgehalten werden können. Spätestens mithilfe der Sekundärregelleistung wird die Frequenz wieder auf ihren Sollwert von 50 Hz und die Übergabeleistung zwischen den Regelzonen wieder auf den vereinbarten Wert gehoben. Die Tertiärregelleistung (auch Minutenreserve) wird zur vollen Viertelstunde, also spätestens nach 15 Minuten, manuell eingesetzt. Der Übertragungsnetzbetreiber ist verantwortlich für vier Viertelstunden, inklusive der Viertelstunde, in der der Fehler auftrat. Danach wird die Verantwortung an den Bilanzkreisverantwortlichen18 abgegeben. Wie gezeigt, ist der Einsatz der Regelleistungen hierarchisch organisiert. Die schnell zur Verfügung stehende Leistung wird durch die (günstigere) langsamer abrufbare Leistung ersetzt. So wird gewährleistet, dass die jeweils schneller bereitzustellende Leistung wieder verfügbar ist, um weitere Ungleichgewichte ausgleichen zu können. Gemäß § 6 Abs. 1 StromNZV muss Regelleistung grundsätzlich regelzonenübergreifend ausgeschrieben werden. § 6 Abs. 2 StromNZV erlaubt es allerdings, einen Kernanteil innerhalb der Regelzone auszuschreiben.19 Die Modalitäten regeln Beschlüsse20 der Bundesnetzagentur. V. Bilanzkreise, Ausgleichsenergie Von der Regelenergie ist die Ausgleichsenergie zu unterscheiden. Ausgleichsenergie sind Austauschvorgänge zwischen einem Bilanzkreisverantwortlichen und dem Übertragungsnetzbetreiber.21 § 20 Abs. 1a S. 5 EnWG schreibt als Voraussetzung des Netzzugangs die Schaffung eines Bilanzkreises durch einen Bilanzkreisvertrag vor.22 Korrespondierend ist gemäß § 4 Abs. 3 StromNZV jede Einspeise- oder Entnahmestelle einem Bilanz- 18 Siehe unter Nr. V. 19 Für die Primärregelung ist allerdings kein Kernanteil erforderlich, Primärreglung: BNetzA, Beschl. Vom 17. 11. 2006, Az. BK6-06-065, S. 18. 20 Primärreglung: BNetzA, Beschl. vom 17. 11. 2006, Az. BK6-06-065; Sekundärreglung: BNetzA, Beschl. vom 17. 11. 2006, Az. BK6-06-066; Minutenreserve: BNetzA, Beschl. vom 17. 11. 2006, Az. BK6-06-012. 21 BBH/BET, R-A-N Gutachten, S. 9 Fn. 5. 22 Zur Notwendigkeit eines darüber hinausgehenden Einspeisvertrags: Herzmann, Zur Gestaltung des Netznutzungsvertrages nach § 20 Abs. 1a EnWG, RdE 2007, S. 76 ff. 29 kreis zuzuordnen. Gegenüber dem Netzbetreiber ist ein Bilanzkreisverantwortlicher zu ernennen, § 4 Abs. 2 StromNZV. Der Bilanzkreisverantwortliche muss dafür sorgen, dass sich innerhalb einer Bilanzierungsperiode die Menge der abgenommenen beziehungsweise verkauften Energie mit der eingespeisten Menge deckt. Bilanzkreise sind also reine Kontingentierungssysteme, keine geographischen Einheiten.23 Der Bilanzkreisverantwortliche stellt dem Übertragungsnetzbetreiber innerhalb definierter Fristen Bedarfsprognosen zur Verfügung. Der Übertragungsnetzbetreiber sorgt mithilfe der in Kapitel IV. dargestellten Regelleistungsinstrumente für den momentanen Ausgleich zwischen Beschaffung und Abgabe. Der Bilanzkreisverantwortliche ist für den Ausgleich im Rahmen einer Abrechnungsperiode zuständig. Die Ausgleichsenergie ist nun die Differenz zwischen erfolgter Einspeisung eines Bilanzkreisverantwortlichen (durch Handel oder Eigenproduktion) und der tatsächlichen Kundenentnahme.24 Ausgleichsenergie muss also vom Bilanzkreisverantwortlichen dem Übertragungsnetzbetreiber zur Verfügung gestellt beziehungsweise abgenommen werden, damit der Bilanzkreis ausgeglichen ist. Im Unterschied zur Regelleistung muss dies jedoch nicht im Moment der Prognoseabweichung geschehen, sondern bei der späteren Abrechnung der Bilanzabweichungen. Die kann gemäß § 8 Abs. 2 StromNZV innerhalb von zwei Monaten erfolgen. VI. Systemverantwortung des Übertragungsnetzbetreibers Von den vielen im Verbund tätigen Netzbetreibern trägt der Übertragungsnetzbetreiber die Systemverantwortung. Das ergibt sich aus den §§ 12 und 13 EnWG. Systemverantwortung bedeutet insbesondere sicherzustellen, dass der Bedarf an Übertragung von Elektrizität befriedigt werden kann und die Versorgungssicherheit durch die Bereitstellung der entsprechenden Übertragungskapazität und Zuverlässigkeit der Netze gesichert ist, § 12 Abs. 3 EnWG. Den Übertragungsnetzbetreiber trifft nach §§ 11 Abs. 1 und 12 Abs. 3 EnWG weiterhin die Pflicht, die Netze im Rahmen der wirtschaftlichen Zumutbarkeit bedarfsgerecht auszubauen. Wird der Ausbau am Bedarf orientiert, sollten keine Engpässe von Dauer im Netz entstehen dürfen.25 Tritt der Netzengpass aber nur sehr selten auf, kann ein Fall der Unzumutbarkeit vorliegen. Die Kosten eines Netzausbaus haben dann einen nur geringen Nutzen und können unverhältnismäßig sein. Unzumutbar ist ein Netzausbau deshalb dann, wenn der Netzbetreiber auch bei langfristiger Betrachtung nicht in der Lage sein wird, die entstehenden Netzausbaukosten durch Netznutzungsentgelte bezahlt zu bekommen.26 Unabhängig von der bestehenden Pflicht zum Netzausbau muss der Übertragungsnetzbetreiber aber kurzfristig eingreifen können, wenn eine Gefährdung der 23 Spicker, in: Schwintowski (Hg.), Handbuch Energiehandel, S. 50. 24 Engelsing, in: Säcker (Hg.), Berliner Kommentar EnR, GWB § 19 Rn. 171. 25 Pritzsche/Stephan/Pooschke, Engpassmanagement durch marktorientiertes Redispatching, RdE 2007, S. 36, 37. 26 Salje, EnWG, § 11 Rn. 23. 30

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Zusammenfassung

Das Werk befasst sich mit dem Gesetzesziel „Umweltverträglichkeit“ des Energiewirtschaftsgesetzes. Der Autor reduziert das Gesetzesziel auf eine Definition mit wenigen Kriterien. Ferner wird die Rechtsqualität von Ziel- und Zweckbestimmungen untersucht. Umwelteinwirkungen der Energieversorgung werden aufgezeigt – insbesondere in welchem Umfang Netztechnik, Struktur und Steuerung der Netze Auswirkungen auf die Umwelt haben. Umweltverträglicher Netzbetrieb bedeutet so beispielsweise die möglichst weitgehende Einbindung dezentraler Erzeuger und eine effiziente Abstimmung von Angebot und Nachfrage. Schließlich werden Beispiele gebildet, um zu zeigen, inwieweit „Umweltverträglichkeit“ in Abwägung mit den anderen Zielbestimmungen des EnWG Auswirkung bei der Auslegung des Energiewirtschaftsrechts haben kann. So wird unter anderem deutlich, dass „Netzausbau“ unter Berücksichtigung der Umweltverträglichkeit nicht nur den Bau neuer Leitungen, sondern auch das Überwachen der Temperatur der bestehenden Leitung bedeuten kann.