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Peter Paic, Probleme selbstrekrutierender Onlineumfragen in:

Peter Paic

Gründungsaktivität und Gründungserfolg von Freiberuflern, page 287 - 288

Eine empirische Mikroanalyse mit dem Sozio-ökonomischen Panel

1. Edition 2009, ISBN print: 978-3-8329-4112-3, ISBN online: 978-3-8452-1348-4 https://doi.org/10.5771/9783845213484

Series: FFB - Schriften des Forschungsinstituts Freie Berufe der Leuphana Universität Lüneburg, vol. 17

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Onlineerhebung zu den Freien Berufen 287 So entfallen beispielsweise die nicht unerheblichen Kosten, die zur Teilnehmergewinnung durch das Einblenden von Werbebannern entstehen14. Die Abbildung 36 gibt eine Übersicht der methodischen Ansätze für Onlineumfragen. Abbildung 36: Übersicht der methodischen Ansätze einer Onlineumfrage Onlineumfrage Personalisierte Umfragen Selbstrekrutierende Umfragen Umfragen, für die auf verschiedenen Internetpräsenzen geworben wird Umfragen, die den Nutzer einer einzigen Website ansprechen Quelle: Eigene Abbildung. Vorteil einer solchen Onlineerhebung ist, im Hinblick auf die Untersuchungsgruppe der Freiberufler, insbesondere die Flexibilität. Neben der zeitlichen Flexibilität für die Befragten ist der Aufwand für das Ausfüllen und das Zurücksenden für sie minimiert. Zudem bieten Onlineerhebungen im Vergleich zu den klassischen Erhebungsinstrumenten sowie eine Reliabilität als auch Validität von vergleichbarer Qualität (vgl. Scheffler 2003, 37; Hauptmann 1999). Bei allen Vorteilen gilt es für eine erfolgreiche Onlineerhebung, ein Augenmerk auf mögliche Schwachpunkte zu legen. Diese können beispielsweise bis zu einer systematischen Verzerrung der Ergebnisse führen und werden im folgenden Abschnitt behandelt. 5.1.5 Probleme selbstrekrutierender Onlineumfragen Probleme selbstrekrutierender Onlineumfragen können in unterschiedlichen Facetten auftreten und reichen von den hohen Kosten einer Anfangsrekrutierung über methodische Probleme bis hin zu einer möglichen Selbstselektion der Befragungsteilnehmer (vgl. Wiegand 2003, 68 f. und Gräf 2002, 56). 14 Aus den Erfahrungen bisheriger Umfragen sind für jede Person, die den Fragebogen ausfüllt ca. 1000 Einblendungen eines Werbebanners notwendig. Die Kosten für das Einblenden von 1000 Bannern belaufen sich je nach ausgewählter Internetseite auf ca. 15-35 Euro (vgl. Gräf 2002, 56). 288 Onlineerhebung zu den Freien Berufen Grundsätzlich sind die Kosten der eigentlichen Onlinebefragung relativ gering, doch denen stehen die hohen Anfangsrekrutierungskosten (z.B. die Beschaffung der Email-Adressen) für die Erreichung einer Zielgruppe gegenüber. Diese Anfangsrekrutierung ist letztlich nicht nur kostenaufwendig, sondern auch sehr zeitintensiv und von zentraler Bedeutung für den Erfolg einer Onlineumfrage. Methodische Probleme entstehen, wenn unklar ist, welche Personen an der Umfrage teilnehmen und die Chancen, an der Umfrage teilzunehmen, ungleich verteilt sind. Möglich ist, dass aufgrund bestimmter Merkmale, einige Freiberufler eher an der Onlineumfrage teilnehmen als andere Freiberufler. Ein solcher negativer Effekt, hervorgerufen durch eine mögliche Selbstselektion, verzerrt die Ergebnisse. Beispielsweise kann eine Gruppe, die einem bestimmten Thema ohnehin negativ gegenübersteht, in einer Stichprobe überproportional vertreten sein. Unter diesen Gesichtspunkten kann es zu systematischen Verzerrungen bei den Befragungsergebnissen kommen (vgl. Gräf 2002, 56 und Wiegand 2003, 68). Umstritten ist in der Literatur, ob die Befragungssituation in einer Onlineumfrage generell kontrollierbar ist. So stellt sich die Frage, ob die Beantwortung einerseits ernsthaft, andererseits einmalig erfolgt (vgl. Gräf 2002, 56). Grundsätzlich ist es bei einer selbstrekrutierenden Onlineerhebung nicht auszuschließen, dass es zu Mehrfachantworten derselben Person kommt. Auf der anderen Seite ist es auch möglich, dass die Fragen nicht ernsthaft oder auch absichtlich falsch beantwortet werden. Bei beiden Effekten würde es unweigerlich zu einer Verzerrung der erhobenen Ergebnisse führen. Ein weiterer Punkt ist eine Verzerrung durch ein bestimmtes Layout oder bestimmte Fragetypen. Diese Effekte traten insbesondere in der Anfangsphase der Onlinebefragungen auf, sind jedoch inzwischen zum großen Teil aufgrund der angewachsenen Erfahrung onlinebasierender empirischer Erhebungen zurückgedrängt worden (vgl. Gräf 2002, 58). Mittlerweile gibt es eine Vielzahl erfolgreich erprobter Techniken zur Sicherung der Datenqualität, auf die folgend ausschließlich anwendungsbezogen eingegangen werden. Eine Übersicht dieser Techniken vermittelt Reips (2003). Insgesamt ist festzustellen, dass neben den Vorteilen einer Onlineerhebung insbesondere selbstrekrutierende Onlineerhebungen eine Reihe von Problemen aufweisen. Für die erfolgreiche Umsetzung einer solchen Onlineerhebung ist daher die Auseinandersetzung mit diesen Problemfeldern im Vorfeld der Umfrage notwendig. Die beiden folgenden Abschnitte beschäftigen sich eingehend mit dem Ansatz und der Teilnehmergenerierung. 5.1.6 Rekrutierungsmaßnahmen zur Teilnehmergewinnung Um den Problemkreis selbstrekrutierender Onlineumfragen zu meistern, wurde im Rahmen der FFB-Onlineerhebung ein spezieller, auf die Fragestellung abgestimmter Ansatz entwickelt. Grundlage hierfür ist der selbstrekrutierende Ansatz einer einzigen Website. Da für eine Onlineumfrage zu den Freien Berufen keine

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Zusammenfassung

Die Arbeit verfolgt die theoretische, methodische und empirisch fundierte Analyse des freiberuflichen Gründungsgeschehens. Um die Fragestellung “Welche Determinanten beeinflussen die Gründungsaktivität und den Gründungserfolg von Freiberuflern?“ wird das Spektrum über die Phasen vor der Gründung bis zur Etablierung der freiberuflichen Tätigkeit am Markt erfasst.

Auf Grundlage des SOEP-Panels und einer Onlineerhebung tragen die Ergebnisse zu einem Erkenntnisgewinn des freiberuflichen Gründungsgeschehens bei. Gewürdigt wird dabei insbesondere die Praxis mit vielen neuen Ergebnissen aus den empirisch neu gewonnenen Daten zum Gründungsgeschehen der Freien Berufe.

Dr. Peter Paic studierte BWL und Ökonomie in Hamburg. 2008 Promotion an der Leuphana Universität Lüneburg. Zurzeit ist er Referent im Landesamt für Datenverarbeitung und Statistik (LDS NRW) in Düsseldorf.