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Peter Paic, Multivariate Ergebnisse zum Gründungserfolg in:

Peter Paic

Gründungsaktivität und Gründungserfolg von Freiberuflern, page 268 - 272

Eine empirische Mikroanalyse mit dem Sozio-ökonomischen Panel

1. Edition 2009, ISBN print: 978-3-8329-4112-3, ISBN online: 978-3-8452-1348-4 https://doi.org/10.5771/9783845213484

Series: FFB - Schriften des Forschungsinstituts Freie Berufe der Leuphana Universität Lüneburg, vol. 17

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268 Das Sozio-ökonomische Panel (SOEP) Abhängige Variable im Untersuchungsmodell zum Gründungserfolg ist die dichotom konstruierte Variable einer drei Jahre überlebenden freiberuflichen Gründung. Der Tabelle 55 ist die theoriegeleitete Zuordnung der einzelnen Variablen sowie ihre Kodierung und die Referenzgrößen zu entnehmen. Das Untersuchungsmodell bildet die Grundlage für die folgenden multivariaten Tests. Wie zur Gründungsaktivität liegen der Aufbau und die Struktur des Untersuchungsmodells im Sinne des Betrachters und ist nicht abschließender Natur. Dies gilt im vorliegenden Modellaufbau für die Zuordnung der geografischen Angaben ins mikro-soziale Umfeld wie für die personenbezogenen humankapitaltheoretischen Annahmen als spezifischen einzeln aufgeführten Ansatz. 4.4.5 Multivariate Ergebnisse zum Gründungserfolg Die multivariaten Ergebnisse zum freiberuflichen Gründungserfolg mit dem Messkriterium eines dreijährigen Überlebens der Gründung wurden auf der Grundlage des gepoolten SOEP-Datensatzes mit einem Logit-, Probit- und Relogitschätzer berechnet. Zwar liefern Logit- und Probitschätzer für den Bereich mittlerer Erfolgsquoten ähnliche Ergebnisse, sollen aber in der gemeinsamen Darstellung dem Vergleich und einer besseren Einschätzung der Ergebnisse auch kleinerer Gruppen dienen. Bevorzugt interpretiert wird das Relogitmodell, welches nicht nur für seltene Ereignisse sondern insbesondere auch für kleine Stichproben eignet (vgl. Kap. 4.3.5). Die Tabelle 56 präsentiert die multivariaten Ergebnisse des Logit-, Probit- und Relogitmodells zu den dreijährigen Überlebenswahrscheinlichkeiten freiberuflicher Gründungen auf Grundlage des gepoolten SOEP-Datensatzes (1992-2002). Ein höheres Alter hat einen positiven Einfluss auf die dreijährige Überlebenswahrscheinlichkeit einer freiberuflichen Gründung. Die Ergebnisse sind sowohl im Logit- und Probit- als auch im Relogitmodell hoch signifikant. Alle Modelle zeigen einen nichtlinearen Effekt des Alters auf die Überlebenswahrscheinlichkeit der Gründung (vgl. Tab. 56). Die Ergebnisse bestätigen die Annahmen zur ersten Hypothese des Gründungserfolges, dass ein höheres Alter der Gründerperson einen positiven Einfluss auf die Überlebenswahrscheinlichkeit hat. Keinen signifikanten Einfluss auf die Überlebenswahrscheinlichkeit hat das Geschlecht der Gründer. Gegenüber den Männern als Referenz weisen die freiberuflichen Gründerfrauen keinen signifikanten Einfluss auf die Wahrscheinlichkeit eines dreijährigen Überlebens aus. Die zweite Hypothese zum Gründungserfolg, nach der Männer gegenüber den Frauen bessere Chancen auf ein Überleben ihrer Gründung haben, wird nicht bestätigt. Keine signifikanten Einflussgrößen zeigen sich auch im mikro-sozialen Umfeld beim Familienstand der Gründer. Gegenüber der Referenz der „ledigen Gründer“ weisen die „verheirateten Gründer“ zwar ein negatives Vorzeichen im Koeffizienten auf, haben aber weder im Logitmodell noch im Probitmodell eine Das Sozio-ökonomische Panel (SOEP) 269 annährend signifikante Größenordnung. Damit werden die Annahmen aus der dritten Hypothese zum fehlenden Einfluss des Familienstandes auf die Wahrscheinlichkeit des dreijährigen Überlebens der Gründung bestätigt. Tabelle 56: Ergebnisse des Logit-, Probit- und Relogitmodells, gepoolter SOEP-Datensatz 1992-2002 Theorieansatz/ Modell Logit Probit Relogit Endogene Variable: Gründer drei Jahre überlebt (Ja/Nein) Koeffiz. P-Val. Koeffiz. P-Val. Koeffiz. P-Val. Konstante -16,597 .014 -1,024 .009 -12.663 0.009 Personenbezogene Ansätze Alter .999*** .004 .609*** .003 .711*** .002 Alter2 -1,131*** .004 -.691*** .003 -.803*** .002 Frauen .241 .722 .183 .652 .187 .722 Mikro-soziales Umfeld Familienstand (Ref: ledig) verheiratet zus. -.898 .195 -.510 .207 -.646 .249 Anzahl Kinder HH .265 .368 .142 .408 .181 .483 Ostdeutschland 1,011 .199 .560 .223 .704 .264 Allgemeines Humankapital Schulabschluss (Ref: Haupt) Realschule -1,258 .351 -.604 .362 -.805 .495 Abitur -1,515 .206 -.754 .196 -.956 .353 Hochschulabschluss -1,828** .028 -.883** .028 -1.318** .034 Spezifisches Humankapital berufl. Tätigk. vor Gründ. (Ref: Ang.) nicht Erwerbstätig -3,655** .036 -2,161** .030 -2,385** .094 Arbeitslos -2,364 .198 -1,392 .181 -1,48 .348 Beamter -2,879* .066 -1,686* .055 -1,843 .169 Unternehmer -3,102* .066 -1,813* .056 -2,019 .181 Betriebsbezogenes Umfeld Zufriedenheit mit der Arbeit Ü .838 .166 .502 .163 .606 .210 Pers. Bruttoeinkommen .001 .289 .001 .272 .001 .358 Kammerberuf -0,651 .445 -.366 .475 .485 .412 Berufsgruppe (Ref. Künstler) Freie Heilberufe 3,037*** .004 1,803*** .003 2,146** .015 Freie Rechts/Wirtschafts. 1,37 .182 .800 .191 1.026 .193 Freie Tech./Naturw. 2,215** .018 1,314** .016 1,612** .030 Chi-Quadrat 37,983 38,521 p-Value .006 .005 n 104 104 Quelle: Eigene Tabelle und Berechnungen. SOEP 1992-2002. Die Anzahl der Kinder in den freiberuflichen Gründerhaushalten hat ebenfalls keinen signifikanten Einfluss auf die Überlebenswahrscheinlichkeit. Zu diesem Ergebnis kommen sowohl das Probit- als auch das Logitmodell. Bestätigt wird 270 Das Sozio-ökonomische Panel (SOEP) damit die vierte Hypothese, wonach ein fehlender Einfluss durch die Anzahl der Kinder im Haushalt auf die Überlebenswahrscheinlichkeit angenommen wurde. Nach den deskriptiven Ergebnissen zum geografischen Wohnort der Gründer zeigen sich überraschender weise weder im Logit-, Probit- noch im Relogitmodell signifikante Werte. Gegenüber der Referenz westdeutscher Gründer zeigt sich zur Überlebenswahrscheinlichkeit ostdeutscher Gründer kein signifikanter Einfluss. Damit wird die fünfte Hypothese zum freiberuflichen Gründungserfolg, nach der eine Herkunft aus den ostdeutschen Bundesländern einen negativen Einfluss auf die Überlebenswahrscheinlichkeit hat, nicht bestätigt. Darüber hinaus werden auch die besseren Überlebensquoten ostdeutscher Gründer aus den deskriptiven Ergebnissen nicht durch die multivariaten Analysen zur Überlebenswahrscheinlichkeit gestützt. Zum allgemeinen Humankapital wurden die Größen des Schulabschlusses und des Hochschulabschlusses untersucht. Bei den höchsten Schulabschlüssen zeigt sich für die freiberuflichen Gründer mit einem Realschulabschluss und Abitur gegenüber der Referenz eines Hauptschulabschlusses kein signifikanter Einfluss auf die dreijährige Überlebenswahrscheinlichkeit der Gründung. Einen signifikant negativen Einfluss auf die Überlebenswahrscheinlichkeit weist ein Hochschulabschluss auf. Hier zeigt sich deutlich in allen Modellen ein negativer Einfluss für das Überleben innerhalb der ersten drei Jahre. Obwohl die Signifikanzgröße im Relogitmodell leicht abnimmt, überrascht dieses Ergebnis vor dem Hintergrund der freiberuflichen Merkmale und Charakteristika. So ist für eine Vielzahl der Freien Berufe ein Hochschulabschluss Voraussetzung für die Berufsausübung. Allerdings zeichnet sich schon in den deskriptiven Ergebnissen eine sehr hohe Überlebensquote bei den Freiberuflern ohne Hochschulabschluss, aber dafür mit einer Gesundheits- oder Fachoberschulausbildung, ab. Deren hohe Überlebensquote sowie die generell mit 104 Gründerpersonen geringe Fallzahl resultieren in einem signifikant negativen Einfluss der Hochschulabsolventen auf die freiberufliche Überlebenswahrscheinlichkeit aus. Somit finden die humankapitaltheoretischen Annahmen aus den Hypothesen zum Schul- und Hochschulabschluss keine Bestätigung. Beim spezifischen Humankapital wird der Einfluss einer vorhergehenden beruflichen Tätigkeit auf die Überlebenswahrscheinlichkeit einer freiberuflichen Gründung untersucht. Gegenüber der Referenz der Angestellten weisen alle anderen Einflussgrößen ein negatives Vorzeichen im Koeffizienten aus. Dies gilt für die Ergebnisse aller drei Schätzer. Ein signifikant negativer Einfluss geht im Logit- und Probitmodell von einer vorhergehenden nicht Erwerbstätigkeit auf Fünf-Prozent-Niveau sowie dem Beamtenstatus und einer vorhergehenden selbständigen Tätigkeit auf Zehn-Prozent-Niveau aus. Mit Ausnahme der zuvor arbeitslosen Gründer haben alle gegenüber dem Angestelltenstatus getesteten Größen einen signifikant negativen Einfluss auf die Überlebenswahrscheinlichkeit. Anders im Relogitmodell, hier zeigt sich ausschließlich bei den zuvor Das Sozio-ökonomische Panel (SOEP) 271 Nicht-Erwerbstätigen ein signifikant negativer Einfluss auf die Überlebenswahrscheinlichkeit. Allerdings ist bei der Interpretation der Ergebnisse die numerische Größenordnung zu beachten. So stellen die vor der Gründung als Angestellte tätige Gründerpersonen die mit Abstand größte Gruppe dar. Das Ergebnis kann die achte Hypothese zum Gründungserfolg nicht bestätigen. Angenommen wurde ein positiver Einfluss auf die freiberufliche Überlebenswahrscheinlichkeit durch eine vorhergehende Tätigkeit als Selbständiger. Ebenfalls nicht bestätigt wurde die zehnte Hypothese. Hier wurde ein negativer Einfluss auf die Überlebenswahrscheinlichkeit durch eine vorhergehende Arbeitslosigkeit erwartet. Bestätigt wurden die elfte und zwölfte Hypothese, wonach ein negativer Einfluss von einer vorhergehenden nicht Erwerbstätigkeit und durch eine Beamtentätigkeit auf die Überlebenswahrscheinlichkeit ausgeht. Aus dem betriebsbezogenen Umfeld der freiberuflichen Gründer wurden der Einfluss des Einkommens, der Kammerberufe und der Berufsgruppen auf die dreijährige Überlebenswahrscheinlichkeit der Gründung getestet. Das persönliche Bruttoeinkommen der freiberuflichen Gründer im ersten Jahr nach der Gründung hat keinen signifikanten Einfluss auf deren Überlebenswahrscheinlichkeit. Das Ergebnis überrascht zwar vor dem Hintergrund der deskriptiv gewonnenen Erkenntnisse zu den Überlebensquoten, ist aber nicht unplausibel, da gerade in der Startphase höhere Aufwendungen auf die freiberuflichen Gründer zukommen. Damit wird die dreizehnte Hypothese, nach der ein höheres Einkommen die Überlebenswahrscheinlichkeit der Gründer ansteigen lässt, nicht bestätigt. Hinsichtlich der Berufsgruppen zeigen sich deutlich differenzierende Ergebnisse. Gegenüber den Freien künstlerischen, pädagogischen und publizistischen Berufen zeigt sich bei den Freien Heilberufen und den Freien technischen und naturwissenschaftlichen Berufen ein positiver Einfluss auf die dreijährige Überlebenswahrscheinlichkeit einer freiberuflichen Gründung. Die Ergebnisse sind im Probit- und Logitmodell signifikant und zu den Freien Heilberufen hochsignifikant. Im Relogitmodell zeigt sich ein etwas abweichendes Bild. Hier bewegt sich die Signifikanz beider Einflussgrößen auf einem 5 Prozentniveau. Lediglich die Freien rechts- und wirtschaftsberatenden Berufe weisen gegenüber den Freien künstlerischen, pädagogischen und publizistischen Berufen keine Signifikanz auf. Hier sticht insbesondere der positive Einfluss der Freien Heilberufe auf die Überlebenschancen freiberuflicher Gründer heraus. Die Ergebnisse bestätigen die Annahmen eines positiven Einflusses der Freien Heilberufe und der Freien technischen und naturwissenschaftlichen Berufe auf die Überlebenswahrscheinlichkeit der fünfzehnten und siebzehnten Hypothese. In der Gesamtschau liefern die Ergebnisse des Logit-, Probit- und Relogitmodells mit dem berichtigten SOEP-Datensatz (1992 bis 2002) einige zentrale Einflussgrößen für eine dreijährige freiberufliche Überlebenswahrscheinlichkeit der Gründerpersonen. So geht ein positiver Einfluss auf die freiberufliche Überle- 272 Das Sozio-ökonomische Panel (SOEP) benswahrscheinlichkeit von einem höheren Alter der Gründerperson sowie von einer Gründung in der Berufsgruppe der Freien Heilberufe und der Freien technischen und naturwissenschaftlichen Berufe aus. Die Tabelle 57 gibt einen Überblick zu den positiven und negativen signifikanten Einflussgrößen auf eine dreijährige freiberufliche Überlebenswahrscheinlichkeit. Tabelle 57: Überblick der positiven und negativen signifikanten Einflussgrößen auf die freiberufliche Überlebenswahrscheinlichkeit, gepoolter SOEP-Datensatz 1992-2002 Einflussrichtung Signifikante Einflussgrößen auf die freiberufliche Überlebenswahrscheinlichkeit Positiv ein höheres Alter die Freien Heilberufe die Freien technischen und naturwissenschaftlichen Berufe Negativ ein Hochschulabschluss eine vorhergehende nicht Erwerbstätigkeit eine vorhergehende Beamtentätigkeit eine vorhergehende selbständige Tätigkeit Quelle: Eigene Tabelle. SOEP 1992-2002. Signifikant negativ wird die Überlebenswahrscheinlichkeit von den Größen eines Hochschulabschlusses, einer vorhergehenden nicht Erwerbstätigkeit, einer vorhergehenden Beamtentätigkeit sowie von einer vorhergehenden selbständigen Tätigkeit beeinflusst. 4.4.6 Zwischenfazit Aus den Ergebnissen des Logit-, Probit- und Relogitmodells zu den demografischen Einflussgrößen aus den personenbezogenen Ansätzen werden die hypothetischen Annahmen zum Alter der Gründer bestätigt. So zeigt ein mittleres Alter einen hoch signifikanten positiven Einfluss auf die dreijährige Überlebenswahrscheinlichkeit der freiberuflichen Gründer. Dabei wirkt sich offenbar nicht nur eine längere Schul- und Hochschulausbildung auf das Alter der Gründer, sondern insbesondere berufsspezifische Ausbildungsformen wie die Gesundheitsschule oder Fachoberschule auf ein höheres Alter der Gründer aus. In Verbindung mit dem spezifischen Humankapital, d.h. den zuvor gesammelten einschlägigen Berufserfahrungen, steigt das Alter der Gründerpersonen weiter an. Letztlich wirkt sich eine solche Vita der freiberuflichen Gründer positiv auf die späteren Überlebenschancen aus. Bestätigt werden somit die humankapitaltheoretischen Annahmen.

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Zusammenfassung

Die Arbeit verfolgt die theoretische, methodische und empirisch fundierte Analyse des freiberuflichen Gründungsgeschehens. Um die Fragestellung “Welche Determinanten beeinflussen die Gründungsaktivität und den Gründungserfolg von Freiberuflern?“ wird das Spektrum über die Phasen vor der Gründung bis zur Etablierung der freiberuflichen Tätigkeit am Markt erfasst.

Auf Grundlage des SOEP-Panels und einer Onlineerhebung tragen die Ergebnisse zu einem Erkenntnisgewinn des freiberuflichen Gründungsgeschehens bei. Gewürdigt wird dabei insbesondere die Praxis mit vielen neuen Ergebnissen aus den empirisch neu gewonnenen Daten zum Gründungsgeschehen der Freien Berufe.

Dr. Peter Paic studierte BWL und Ökonomie in Hamburg. 2008 Promotion an der Leuphana Universität Lüneburg. Zurzeit ist er Referent im Landesamt für Datenverarbeitung und Statistik (LDS NRW) in Düsseldorf.