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Peter Paic, Multivariate Ergebnisse zur Gründungsaktivität in:

Peter Paic

Gründungsaktivität und Gründungserfolg von Freiberuflern, page 227 - 237

Eine empirische Mikroanalyse mit dem Sozio-ökonomischen Panel

1. Edition 2009, ISBN print: 978-3-8329-4112-3, ISBN online: 978-3-8452-1348-4 https://doi.org/10.5771/9783845213484

Series: FFB - Schriften des Forschungsinstituts Freie Berufe der Leuphana Universität Lüneburg, vol. 17

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Das Sozio-ökonomische Panel (SOEP) 227 Random-Effects-Modell ausgewählt. Für diese Auswahl spricht auch, dass von der Stichprobe auf die Grundgesamtheit geschlossen werden soll. 4.3.6 Multivariate Ergebnisse zur Gründungsaktivität Mit Hilfe der vorgestellten statistischen Auswertungsverfahren im Kap. 4.3.5 werden die multivariaten Ergebnisse zur Wahrscheinlichkeit einer freiberuflichen Gründungsaktivität berichtet. Zuerst werden die Ergebnisse der gepoolten Querschnittsuntersuchung vorgestellt. Dem schließen sich die panelökonometrischen Ergebnisse der Längsschnittuntersuchung an. Vor dem Hintergrund relativ geringer Fallzahlen von freiberuflichen Gründern in der SOEP-Stichprobe wird für die Querschnittsuntersuchung ein gepooltes Datenmodell verwendet (SOEP 1992-2002). Als Schätzverfahren wurde ein Logit-, Probit- und Relogit-Modell eingesetzt. Mit den drei Schätzern wird die Signifikanz der Wahrscheinlichkeit einer freiberuflichen Gründungsaktivität quantifiziert. Da für die freiberuflichen Gründungen von einer Normalverteilung auszugehen ist (vgl. Kap. 3.4.5), ist in erster Linie den Ergebnissen des Probit- Modells zu folgen. Die zusätzlich aufgeführten Ergebnisse des Logit-Modells dienen dem Vergleich und besseren Einschätzung der Gesamtergebnisse. Neben dem Probit-Modell zeigt sich insbesondere das Relogit-Modell, vor dem Hintergrund der relativ kleinen Stichprobe und seltener Ereignisse, als ein weiterer geeigneter Schätzer. Die Ergebnisse des Relogit-Modells dienen gemeinsam mit den Ergebnissen des Probit-Modells als Interpretationsgrundlage. Die Tabelle 43 gibt eine Übersicht zu den Ergebnissen der Schätzungen. Ein höheres Alter hat im Probit-Modell und im Relogit-Modell einen signifikanten positiven Einfluss auf die Wahrscheinlichkeit einer freiberuflichen Gründung. Die Ergebnisse des Relogit-Modells sind hoch signifikant, während das Logit-Modell knapp am Grenzwert zur Signifikanz liegt. Alle drei Modelle zeigen zugleich einen nicht-linearen Effekt auf die Wahrscheinlichkeit einer Gründung. Demnach erhöht sich die Wahrscheinlichkeit einer freiberuflichen Gründung signifikant mit einem zunehmenden Alter der Personen (vgl. Tab. 43). Bestätigt wird somit die erste Hypothese zur Gründungsaktivität, dass ein höheres Alter der Person einen positiven Einfluss auf die Gründungsaktivität hat. Frauen haben gegenüber den Männern eine geringere Wahrscheinlichkeit freiberuflich zu gründen. In allen drei Modellen weisen sie einen hoch signifikant negativen Einfluss auf die Wahrscheinlichkeit einer Gründung auf. Dieses Ergebnis bestätigt nicht die aus den personenbezogenen Theorien abgeleitete zweite Hypothese zur Gründungsaktivität, wonach bei den Frauen gegenüber den Männern die gleiche Wahrscheinlichkeit einer freiberuflichen Gründung abgeleitet wurde. 228 Das Sozio-ökonomische Panel (SOEP) Tabelle 43: Ergebnisse des Logit-, Probit- und Relogit-Modells auf Grundlage der gepoolten berichtigten SOEP-Daten 1992 bis 2002 Theorieansatz/ Modell Logit Probit Relogit Endogene Variable: Gründer (Ja/Nein) Koeffiz. P-Val. Koeffiz. P-Val Koeffiz. P-Val Konstante -10,656 .000 -4,382 .000 -11,553 .000 Personenbezogene Ansätze Alter .084 .106 .030* .084 .136*** .002 Alter2 -.105* .077 -.037* .061 -.163*** .002 Frauen -.402*** .006 -.152*** .003 -.373** .015 Ausländer -.003*** .000 -.001*** .004 -.004*** .000 Arbeitszufriedenheit -.001 .338 -.000 .484 -.001 .521 Gesundheitszufriedenheit .138 .323 -.051 .300 .141 .313 mikro-soziales Umfeld Familienstand (Ref: ledig) verheiratet zusammen -.951*** .000 -.341*** .000 -.971*** .000 verheiratet getrennt .204 .605 .744 .613 .235 .544 geschieden -.932** .010 -.332*** .008 -.828** .016 verwitwet -.440 .424 -.138 .448 -.434 .453 Anzahl Personen im Haushalt .025 .764 .052 .860 .023 .816 Anzahl Kinder im Haushalt .161 .155 .054 .169 .155 .212 Jahresbruttoeinkommen Haush. .001 .124 .001 .132 .001 .164 Ostdeutschland -.820*** .000 -.311*** .000 -.816*** .000 Allgemeines Humankapital Schulabschluss (Ref: Haupt) Realschule .806** .015 .235** .019 .655* .056 Fachhochschulreife .508 .267 .095 .520 .447 .381 Abitur 1,280*** .005 .402*** .006 1,204** .041 anderer Abschluss -.195 .717 -.118 .482 -.199 .710 kein Abschluss 1,059* .086 .342* .073 .804 .194 Berufsausbildung (Ref: Lehre) Berufsschule -.005 .987 .010 .928 .033 .927 Schule Gesundheitswesen .875** .010 .299** .019 .910*** .007 Fachschule .453 .181 .168 .126 .478 .148 Beamtenausbildung .041 .924 .023 .880 .114 .790 sonstige Ausbildung .417 .235 .140 .268 .456 .198 Hochschulabschluss 1,217*** .000 .431*** .000 1,161*** .001 Spezifisches Humankapital Tätigkeit v. Gründung (Ref: Ang.) nicht Erwerbstätig .551* .060 .213** .032 .532 .193 Arbeitslos .246 .348 .084 .370 .287 .276 Arbeiter -1,796*** .002 -.514*** .002 -1,637*** .007 Beamte -1,160*** .002 -.447*** .000 -1,125*** .003 Selbständige .492** .014 .195*** .008 .0472** .019 Chi-Quadrat p-Value n 597 .001 232 607 .001 232 Quelle: Eigene Tabelle und Berechnungen. SOEP 1992-2002. Signifikanzen: *=10%, **=5%, ***=1%. Das Sozio-ökonomische Panel (SOEP) 229 Zur Gründungswahrscheinlichkeit von Personen mit einer ausländischen Staatsangehörigkeit (Ausländer) gegenüber Personen mit einer deutschen Staatsangehörigkeit weisen alle drei Untersuchungsmodelle einen hoch signifikanten negativen Einfluss der Ausländer auf die freiberufliche Gründungswahrscheinlichkeit aus. Das Ergebnis kann die dritte Hypothese zur Gründungsaktivität nicht bestätigen, wonach die Staatsangehörigkeit einer Person keinen Einfluss auf die freiberufliche Gründungswahrscheinlichkeit hat. Keinen signifikanten Einfluss auf die Gründungswahrscheinlichkeit weisen die subjektiven Determinanten der Arbeitszufriedenheit und der Gesundheitszufriedenheit in allen drei Modellen aus. Bestätigt werden damit die vierte und fünfte Hypothese über einen fehlenden Einfluss der subjektiven Arbeits- und Gesundheitszufriedenheit auf die freiberufliche Gründungswahrscheinlichkeit. Das mikro-soziale Umfeld ist von unterschiedlicher Bedeutung für die freiberufliche Gründungsaktivität. Gegenüber den „ledigen“ als Referenz zum Familienstand haben die Determinanten der „verheiratet zusammenlebenden“ und der „geschiedenen“ in allen drei Modellen einen hoch signifikant negativen Einfluss auf die Gründungswahrscheinlichkeit. Dabei schwächt sich die Signifikanz der „geschieden“ im Relogit-Modell gegenüber dem Probit-Modell leicht ab. Alle weiteren Determinanten zum Familienstand wie die „verheiratet getrennt“ lebenden und „verwitweten“, haben keinen signifikanten Einfluss auf die Gründungsaktivität. Die sechste Hypothese zur freiberuflichen Gründungsaktivität, ein negativer Einfluss bei einem verheirateten Familienstand auf die Gründungswahrscheinlichkeit, wird sowohl vom Logit-, Probit- als auch vom Relogit-Modell bestätigt. Vor dem Haushaltshintergrund hat weder die Größe des Haushalts (Anzahl der Personen im Haushalt) noch die Anzahl der Kinder im Haushalt einen signifikanten Einfluss auf die Gründungswahrscheinlichkeit. Das Ergebnis bestätigt auch die hypothetischen Annahmen über einen fehlenden Einfluss zur Anzahl der Kinder und Personen im Haushalt (Hypothesen sieben und acht) auf die Gründungswahrscheinlichkeit. Ein überraschendes Ergebnis zeigt die Determinante des jährlichen Bruttohaushaltseinkommens. Sowohl das Logit-, Probit-, und Relogit-Modell zeigt keinen signifikanten Einfluss auf die freiberufliche Gründungswahrscheinlichkeit. Somit findet die neunte Hypothese, mit dem Postulat einer höheren Gründungswahrscheinlichkeit mit höheren Haushaltseinkommen im Jahr vor der Gründung, keine Bestätigung. Allerdings liegen die Werte in allen Modellen relativ nahe am Grenzwert zur Signifikanz. Regionale Einflüsse werden in allen drei Untersuchungsmodellen deutlich. Sowohl das Logit-, Probit- als auch das Relogit-Modell zeigt einen hoch signifikanten negativen Einfluss auf die Wahrscheinlichkeit einer freiberuflichen Gründung in Ostdeutschland. Damit wird die zehnte Hypothese, eines negativen ostdeutschen Einflusses auf die freiberufliche Gründungsaktivität, bestätigt. 230 Das Sozio-ökonomische Panel (SOEP) Zum allgemeinen Humankapital weisen die drei Untersuchungsmodelle leicht differenzierende Ergebnisse aus. Zum Schulabschluss weist das Probit-Modell gegenüber der Referenz eines Hauptschulabschlusses einen hoch signifikanten positiven Einfluss auf die freiberufliche Gründungswahrscheinlichkeit beim Abitur aus. Einen signifikant positiven Einfluss haben der Realschulabschluss und „kein Abschluss“ als höchster Schulabschluss. Das Relogit-Modell weißt zum Realschulabschluss und dem Abitur ebenfalls einen positiven Einfluss, aber eine etwas geringere Signifikanz für deren Gründungswahrscheinlichkeit aus. Keinen signifikanten Einfluss hat im Relogit-Modell die Determinante „kein Abschluss“. Die Ergebnisse des Logit-Modells liegen zum Vergleich naturgemäß nahe den Ergebnissen des Probit-Modells. Letztlich zeigen gegenüber dem Hauptschulabschluss insbesondere die Größen „Abitur“ und „Realschulabschluss“ einen positiven signifikanten Einfluss auf die freiberufliche Gründungswahrscheinlichkeit. Hier findet die aus dem allgemeinen Humankapital abgeleitete elfte Hypothese eine signifikante Bestätigung, wonach eine höhere Schulausbildung einen positiven Einfluss auf die Gründungswahrscheinlichkeit hat. Bei den Einflussgrößen der Berufsausbildung sticht lediglich die Determinante „Schule des Gesundheitswesens“ gegenüber der Referenz „Lehre“ hervor. Hier zeigt sich ein positiver signifikanter Einfluss auf die Gründungswahrscheinlichkeit in allen drei Modellen, welcher im Relogit-Modell sogar hoch signifikant ist. Ohne Einfluss zeigen sich die „Fachhochschulreife“, die „Berufsschule“, die „Fachschule“ und die „Beamtenausbildung“. Entgegen den Annahmen aus der zwölften Hypothese zeigt eine Fachschulausbildung keinen signifikanten Einfluss auf die freiberufliche Gründungswahrscheinlichkeit. Bestätigt wird die zwölfte Hypothese ausschließlich durch die hoch signifikante Determinante „Schule des Gesundheitswesens“. Für die freiberufliche Gründungswahrscheinlichkeit hat ein Hochschulabschluss im Jahr vor der Gründung einen hoch signifikanten positiven Einfluss. Dieses Ergebnis war zu erwarten, da eine akademische Ausbildung als Voraussetzung für die Ausübung vieler freiberuflicher Tätigkeiten gilt. Dieser positive Einfluss einer Hochschulausbildung ist in allen drei Untersuchungsmodellen hoch signifikant und bestätigt somit die dreizehnte Hypothese. Beim spezifischen Humankapital stechen gegenüber der Referenz „Angestellte“ insbesondere die „Arbeiter“, „Beamte“ und „Selbständigen“ heraus. In allen drei Modellen haben „Arbeiter“ und „Beamte“ einen hoch signifikant negativen Einfluss auf die Gründungswahrscheinlichkeit. Die Ergebnisse zur Determinante der „Arbeiter“ bestätigen die Annahme der vierzehnten Hypothese, nach der die vorherige berufliche Tätigkeit als Arbeiter einen negativen Einfluss auf die Gründungswahrscheinlichkeit hat. Eine vorhergehende selbständige Tätigkeit hat dagegen einen positiven Einfluss auf die Gründungswahrscheinlichkeit. Der Effekt ist hoch signifikant im Probit-Modell und signifikant im Relogit-Modell. Die Ergebnisse aus beiden Modellen bestätigen die Hypothese sechzehn zur Das Sozio-ökonomische Panel (SOEP) 231 Gründungsaktivität. Aus der Theorie wurde ein positiver Einfluss einer vorherigen „selbständigen Tätigkeit“ abgeleitet. Abweichende Ergebnisse zwischen dem Probit- und Relogit-Modell zeigt die Determinante der nicht Erwerbstätigen im Jahr vor der Gründung. Hier ermittelt das Probit-Modell einen positiven, auf fünf-Prozent-Niveau signifikanten Einfluss, auf die Gründungswahrscheinlichkeit. Dagegen weißt das Relogit-Modell keinen signifikanten Einfluss der „nicht Erwerbstätigen“ auf die Wahrscheinlichkeit einer freiberuflichen Gründung aus. Die Ergebnisse zeigen eine gegenläufige Richtung zu den hypothetischen Annahmen. So wurde ein negativer Einfluss auf die Gründungswahrscheinlichkeit in der vierzehnten Hypothese bei einer „nicht Erwerbstätigkeit“ im Jahr vor der Gründung vorhergesagt. Ohne Einfluss auf die freiberufliche Gründungswahrscheinlichkeit zeigt sich die Determinante einer vorhergehenden Arbeitslosigkeit in allen drei Modellen. Tabelle 44: Überblick der positiven und negativen signifikanten Einflussgrößen auf die freiberufliche Gründungswahrscheinlichkeit. Querschnittsuntersuchung mit den berichtigten SOEP-Daten Einflussrichtung Signifikante Einflussgrößen auf die freiberufliche Gründungswahrscheinlichkeit Positiv ein höheres Alter ein Realschulabschluss als höchsten Schulabschluss das Abitur als höchsten Schulabschluss eine Schule des Gesundheitswesens als Berufsausbildung ein Hochschulabschluss eine vorhergehende selbständige Tätigkeit Negativ Frauen eine ausländische Staatsbürgerschaft der Familienstand „verheiratet“ der Familienstand „geschieden“ Ostdeutschland eine vorhergehende Tätigkeit als „Arbeiter“ eine vorhergehende Tätigkeit als „Beamter“ Quelle: Eigene Tabelle. SOEP gepoolte und berichtigte Daten 1992-2002. Aus den Ergebnissen des Probit-Modells und des Relogit-Modells mit dem berichtigten SOEP-Datensatz (1992-2002) konnten einige zentrale Einflussgrößen auf die freiberufliche Gründungsaktivität quantifiziert werden. So zeigt die Querschnittsuntersuchung mit den gepoolten Daten über den Beobachtungszeitraum signifikante Einflussgrößen auf. Einen positiven Einfluss auf die freiberuf- 232 Das Sozio-ökonomische Panel (SOEP) liche Gründungswahrscheinlichkeit haben ein höheres Alter, ein Realschulabschluss, das Abitur sowie eine berufliche Ausbildung im Gesundheitswesen. Ebenfalls positiv wirken sich ein Hochschulabschluss und eine vorhergehende „selbständige Tätigkeit“ vor der freiberuflichen Gründung aus. Einen negativen Einfluss auf die freiberufliche Gründungswahrscheinlichkeit haben weibliche Personen und Personen mit einer ausländischen Staatsbürgerschaft. Aus dem mikro-sozialen Umfeld wirkt sich der Familienstand „verheiratet“ und „geschieden“ sowie eine regionale Herkunft aus den ostdeutschen Bundesländern negativ auf die Gründungswahrscheinlichkeit aus. Einen negativen Einfluss hat auch eine vorhergehende Tätigkeit als „Arbeiter“ und „Beamter“ auf die freiberufliche Gründungsaktivität. Für die Längsschnittuntersuchung der freiberuflichen Gründungsaktivität wurde das Random-Effects-Modell ausgewählt. Da der vorliegende Datensatz Größen enthält, die sich auch über die Zeit nur selten (z.B. ein Schulabschluss, Staatsbürgerschaft, Kinder oder Berufsausbildung) oder zum Teil auch gar nicht ändern (z.B. das Geschlecht), wurde von der Schätzung eines Fixed-Effects- Modells abgesehen. Vorgestellt werden hier, wie zu den Querschnittsuntersuchungen, sowohl das Logit- als auch das Probit-Modell. Untersucht werden die Determinanten auf ihren Einfluss einer freiberuflichen Gründungsaktivität im Jahr vor der Gründung. Datengrundlage ist der berichtigte SOEP-Datensatz (1992-2002). Die Tabelle 45 zeigt die Ergebnisse der panelökonometrischen Auswertungen zur Logit- und Probit-Schätzung des Random-Effects-Modells auf Grundlage des berichtigten SOEP Datensatzes (1992-2002). Aus den demografischen Größen zeigt sich ein höheres Alter mit einem positiven Einfluss auf die freiberufliche Gründungsaktivität. Die Ergebnisse sind sowohl im Logit- als auch im Probit-Modell hoch signifikant. Beide Modelle zeigen einen nicht- linearen Effekt auf die Gründungswahrscheinlichkeit. Die Ergebnisse bestätigen die erste Hypothese zur Gründungsaktivität, nach der ein höheres Alter einen positiven Einfluss auf die Gründungsaktivität ausübt. Frauen haben eine geringere Wahrscheinlichkeit freiberuflich zu gründen. Im direkten Vergleich zu den Männern haben die Frauen einen negativen Einfluss auf die freiberufliche Gründungswahrscheinlichkeit. Die Ergebnisse der Schätzer sind in beiden Modellen hoch signifikant. Die zweite Hypothese, nach der die Frauen die gleiche Gründungswahrscheinlichkeit wie die Männer aufweisen, wird somit nicht bestätigt. Einen hoch signifikant negativen Einfluss auf die Gründungswahrscheinlichkeit hat eine ausländische Staatsbürgerschaft. Im direkten Vergleich zu den Personen mit einer deutschen Staatsbürgerschaft kommen sowohl der Logit- als auch der Probit-Schätzer des Random-Effects- Modells zu dem selbem Ergebnis. Die Annahme aus der dritten Hypothese, dass die Staatsbürgerschaft keinen Einfluss auf die Gründungswahrscheinlichkeit hat, findet somit keine Bestätigung. Das Sozio-ökonomische Panel (SOEP) 233 Tabelle 45: Panelökonometrische Ergebnisse der Logit- und Probit- Schätzung im Random-Effects-Modell. SOEP 1992-2002 Theorieansatz/ Determinanten Logit Probit Endogene Variable: Gründer (Ja/ Nein) Koeffizient P-Value Koeffizient P-Value Konstante Personenbezogene Ansätze Alter .322*** .000 .144*** .001 Alter2/100 -.340*** .000 -.152*** .000 Frauen -.473*** .001 -.195*** .000 Ausländer -.003*** .004 -.001*** .007 Arbeitszufriedenheit .001 .994 .001 .493 Gesundheitszufriedenheit .005 .789 .001 .748 mikro-soziales Umfeld Familienstand (Ref: ledig) verheiratet zus. -.528*** .007 -.148** .032 verheiratet getr. .515 .192 .208 .159 geschieden -.532 .143 -.152 .227 verwitwet -.447 .424 -.113 .538 Anzahl Personen im Haushalt -.251*** .003 -.113*** .001 Anzahl Kinder im Haushalt .557*** .000 .225*** .000 Jahresbruttoeinkommen Haushalt .001*** .003 .001*** .002 Ostdeutschland -.888*** .000 -.338*** .000 Allgemeines Humankapital Schulabschluss (Ref: Haupt) Realschule .301 .272 .080 .354 Fachhochschulreife .093 .805 -.024 .846 Abitur 1,209*** .000 .395*** .000 anderer Abschluss -.616 .225 -.261 .112 kein Abschluss .042 .938 -.007 .967 Berufsausbildung (Ref: Lehre) Berufsschule .097 .782 .058 .605 Schule Gesundheitswesen 1,013*** .003 .359*** .005 Fachschule .591* .078 .237** .031 Beamtenausbildung .061 .888 .040 .797 sonstige Ausbildung .548 .117 .206 .101 Hochschulabschluss 1,99*** .000 .727*** .000 Spezifisches Humankapital Tätigkeit vor Gründung (Ref: Ang.) nicht Erwerbstätig .268 .354 .105 .271 Arbeitslos .615** .018 .235** .011 Arbeiter -2,054*** .001 -.639*** .001 Beamte -1,116*** .004 -.443*** .001 Selbständige .538*** .008 .221*** .003 Chi Quadrat p-Value LogL n 513 .001 -1390 122427 481 .0001 -1414 122427 Quelle: Eigene Tabelle und Berechnungen. SOEP 1992-2002 berichtigte Daten. Signifikanzen: *=10%, **=5%, ***=1%. 234 Das Sozio-ökonomische Panel (SOEP) Keinen Einfluss haben die im Jahr vor der Gründung geäußerten subjektiven Befindlichkeiten zur Gesundheits- und Arbeitszufriedenheit. Die Ergebnisse bestätigen die vierte und fünfte Hypothese zur Gründungsaktivität. Aus dem mikro-sozialen Umfeld zeigt sich gegenüber der Referenz „ledig“ ein „verheirateter“ Familienstand der Person mit einem negativen Einfluss auf die Wahrscheinlichkeit einer freiberuflichen Gründung. Der negative Einfluss ist im Logit- und Probit-Schätzer signifikant. Ohne Einfluss auf die Gründungswahrscheinlichkeit bleiben die weiteren Größen des Familienstandes „verheiratet getrennt“, „geschieden“ und „verwitwet“. Bestätigt wird damit die sechste Hypothese, dass ein „verheirateter“ Familienstand einen negativen Einfluss auf die freiberufliche Gründungswahrscheinlichkeit hat. Überraschend sind die differierenden Ergebnisse im mikro-sozialen Umfeld zu den metrischen Größen „Anzahl der Kinder“ und „Anzahl der Personen“ im Haushalt. Während eine höhere Anzahl von Personen im Haushalt einen hoch signifikanten negativen Einfluss auf die Gründungswahrscheinlichkeit ausübt, hat eine höhere Anzahl an Kindern im Haushalt einen hoch signifikanten positiven Einfluss auf die Wahrscheinlichkeit einer freiberuflichen Gründung. Beide Ergebnisse widersprechen der siebten und achten hypothetischen Annahme zur Gründungswahrscheinlichkeit. Die Gründungswahrscheinlichkeit steigt mit einem hohen Haushaltseinkommen im Jahr vor der Gründung. So wirkt sich im Logit- als auch im Probit-Modell ein höheres jährliches Bruttohaushaltseinkommen positiv auf die freiberufliche Gründungswahrscheinlichkeit aus. Die Ergebnisse sind in beiden Untersuchungsmodellen hoch signifikant. Das Ergebnis bestätigt die neunte Hypothese zur freiberuflichen Gründungsaktivität. Eine Herkunft der Personen aus den ostdeutschen Bundesländern wirkt sich negativ auf die freiberufliche Gründungswahrscheinlichkeit aus. Im direkten Vergleich zu den westdeutschen Pedanten haben aus Ostdeutschland stammende Personen einen hoch signifikant negativen Einfluss auf die Gründungswahrscheinlichkeit in beiden Modellen. Die Ergebnisse im Logit- und Probit-Modell bestätigen die Annahmen aus der zehnten Hypothese, wonach die Gründungswahrscheinlichkeit in Ostdeutschland geringer als in Westdeutschland ausfällt. Hinsichtlich des allgemeinen Humankapitals wirkt sich das Abitur als Schulabschluss gegenüber der Referenz des Hauptschulabschlusses positiv auf die freiberufliche Gründungswahrscheinlichkeit aus. Das Ergebnis ist in beiden Modellen hoch signifikant. Ohne Einfluss zeigen sich die restlichen Determinanten des höchsten Schulabschlusses „Realschulabschluss“, „Fachhochschulreife“, „anderer Schulabschluss“ und „kein Schulabschluss“. Das Ergebnis bestätigt die elfte Hypothese, nach der ein höherer Schulabschluss einen positiven Effekt auf die freiberufliche Gründungswahrscheinlichkeit ausübt. Dies trifft allerdings nur für das Abitur zu. Das Sozio-ökonomische Panel (SOEP) 235 Bei der Berufsausbildung zeigt sich gegenüber der Referenz „Lehrausbildung“ eine Ausbildung über die „Schule des Gesundheitswesens“ mit einem hoch signifikanten positiven Einfluss auf die Gründungswahrscheinlichkeit in beiden Untersuchungsmodellen. Ebenfalls einen positiven Einfluss hat die Berufsausbildung der Fachschule. Die Werte zur Fachschule sind in beiden Modellen signifikant. Die Annahmen der zwölften Hypothese, nach der eine höhere Berufsausbildung die Gründungswahrscheinlichkeit erhöht, werden durch die Ergebnisse des Logit- und Probit-Modells gestützt. Wie aufgrund der freiberuflichen Charakteristika zu erwarten, zeigt sich eine Hochschulausbildung sowohl im Logit- als auch im Probit-Schätzer des Random-Effects-Modells mit einem positiven Einfluss auf die freiberufliche Gründungswahrscheinlichkeit. Die Werte sind hoch signifikant und auch die Koeffizienten weisen den relativ stärksten Einfluss im Untersuchungsmodell auf. Die Ergebnisse bestätigen die dreizehnte Hypothese zur Gründungsaktivität, nach der eine Hochschulausbildung einen positiven Einfluss auf die Wahrscheinlichkeit einer Gründung ausübt. Deutliche Unterschiede zeigen sich bei den Ergebnissen zum spezifischen Humankapital. Die Tests zur beruflichen Tätigkeit im Jahr vor der Gründung wurden den Angestellten als Referenz gegenübergestellt. Dabei erweist sich eine vorhergehende „selbständige Tätigkeit“ als positiv für die freiberufliche Gründungswahrscheinlichkeit. Die Ergebnisse sind in beiden Modellen hoch signifikant. Ebenfalls einen positiven Einfluss hat eine vorhergehende Arbeitslosigkeit. Die Werte sind signifikant in beiden Modellen. Dagegen wird die Gründungswahrscheinlichkeit durch eine vorherige Tätigkeit als Arbeiter und als Beamter negativ beeinflusst. Beide Determinanten sind hoch signifikant im Logit- und Probit-Modell. Ohne Einfluss bleibt eine vorhergehende „nicht Erwerbstätigkeit“ im Logit- und Probit-Modell. Die Ergebnisse bestätigen die fünfzehnte Hypothese mit einem negativen Einfluss einer vorhergehenden Tätigkeit als Arbeiter sowie die sechzehnte Hypothese mit der Annahme eines positiven Effekts auf die Gründungswahrscheinlichkeit einer vorhergehenden „selbständigen Tätigkeit“. Nicht bestätigt wird dagegen die vierzehnte Hypothese, welche einen negativen Einfluss durch eine vorherige „nicht Erwerbstätigkeit“ annahm. Die panelökonometrischen Ergebnisse des Random-Effects-Modells mit den Logit- und Probit-Schätzern konnten wichtige Einflussgrößen auf die freiberufliche Wahrscheinlichkeit einer Gründung quantifizieren. So lieferten die Längsschnittsuntersuchungen signifikante Einfußgrössen zur freiberuflichen Gründungsaktivität. Einen positiven Einfluss auf die freiberufliche Gründungsaktivität hat aus den demografischen Merkmalen und dem mikro-sozialen Umfeld des personenbezogenen Ansatzes ein höheres Alter, eine höhere Anzahl von Kindern im Haushalt sowie ein höheres jährliches Bruttohaushaltseinkommen. Beim Humankapital wirken sich positiv auf die Gründungswahrscheinlichkeit das Abitur sowie eine 236 Das Sozio-ökonomische Panel (SOEP) Berufsausbildung in der Schule des Gesundheitswesens und eine Fachschulausbildung aus. Ebenso wird die Gründungswahrscheinlichkeit durch einen Hochschulabschluss positiv beeinflusst. Aus dem spezifischen Humankapital erweist sich eine vorhergehende Tätigkeit als Selbständiger und eine vorhergehende Arbeitslosigkeit mit einem positiven Einfluss auf die spätere Gründungsaktivität. Die Tabelle 46 gibt eine Übersicht zu den signifikanten positiven und negativen Einflussgrößen. Tabelle 46: Überblick der positiven und negativen signifikanten Einflussgrößen auf die freiberufliche Gründungswahrscheinlichkeit. Längsschnittsuntersuchung mit dem berichtigten SOEP- Datensatz 1992-2002 Einflussrichtung Signifikante Einflussgrößen auf die freiberufliche Gründungswahrscheinlichkeit Positiv ein höheres Alter eine höhere Anzahl von Kindern im Haushalt ein höheres Jahresbruttoeinkommen des Haushalts Abitur Schule des Gesundheitswesens Fachschule Hochschulabschluss vorhergehende selbständige Tätigkeit Negativ Frauen eine ausländische Staatsbürgerschaft der Familienstand „verheiratet“ eine höhere Anzahl von Personen im Haushalt Ostdeutschland eine vorhergehende Tätigkeit als „Arbeiter“ eine vorhergehende Tätigkeit als „Beamter“ Quelle: Eigene Tabelle. SOEP 1992-2002. Einen negativen Einfluss auf die freiberufliche Gründungswahrscheinlichkeit üben aus den personenbezogenen Merkmalen die Determinanten „Frauen“ und „Ausländer“ sowie aus dem mikro-sozialen Umfeld die Determinanten „verheirateter Familienstand“, eine höhere Anzahl an „Personen im Haushalt“ sowie eine Herkunft aus „Ostdeutschland“ aus. Negative Einflussgrößen des spezifischen Humankapitals sind vorhergehende Tätigkeiten als „Arbeiter“ und als „Beamter“ für die freiberufliche Gründungswahrscheinlichkeit. Das Sozio-ökonomische Panel (SOEP) 237 4.3.7 Zwischenfazit Im ersten Teil des Zwischenfazits zu den multivariaten Ergebnissen der freiberuflichen Gründungsaktivität werden die Resultate der Querschnitt- und Längsschnittsuntersuchung miteinander verglichen. Der zweite Teil widmet sich den Hypothesentests freiberuflicher Gründungsaktivitäten. Ausgewählt wurden für den Ergebnisvergleich der Quer- und Längsschnittsanalysen zur freiberuflichen Gründungsaktivität ausschließlich signifikante Einflussgrößen. In den Vergleich fließen die Ergebnisse der Querschnittsuntersuchung des Probit- und Relogit-Modells mit den berichtigten und über den Beobachtungszeitraum gepoolten SOEP-Datensatz sowie die Ergebnisse des Probit- Schätzers aus dem Random-Effects-Modell zur Längsschnittsuntersuchung ein. In der Gesamtschau kommen sowohl die Querschnittsuntersuchungen mit dem Probit- und Relogit-Modell zu ähnlichen Ergebnissen als auch die Längsschnittsuntersuchungen mit dem Logit- und Probit-Schätzer des Random- Effects-Modells. Dennoch kommen beide Untersuchungsmodelle auch zu sich widersprechenden Ergebnissen. Positiv beeinflusst wird die freiberufliche Gründungswahrscheinlichkeit in allen drei Modellen durch ein höheres Alter der Person. Ebenfalls ein positiver Einfluss geht beim allgemeinen Humankapital vom Abitur als höchsten Schulabschluss sowie von der Schule des Gesundheitswesens als höchsten Berufsabschluss in den drei Modellen aus. Das Gleiche gilt über die Quer- und Längsschnittsanalysen hinweg für einen Hochschulabschluss. Hier zeigt sich ein hoch signifikanter positiver Einfluss auf die freiberufliche Gründungsaktivität. Letztlich zeigt sich über alle Modelle hinweg ein positiver Einfluss, sofern die Probanten zuvor eine selbständige Tätigkeit ausgeübt haben. Als valide negative Einflussgrößen auf die freiberufliche Gründungswahrscheinlichkeit zeigen sich über alle Modelle hinweg das weibliche Geschlecht und eine ausländische Staatsbürgerschaft bei den demografischen Größen. Aus dem mikro-sozialen Umfeld haben ein verheirateter Familienstand und Personen aus den neuen Bundesländern einen negativen Einfluss über alle Modelle. Schließlich wirken sich vorhergehende Tätigkeiten als Arbeiter und Beamter negativ auf eine spätere freiberufliche Gründung sowohl in den Quer- als auch Längsschnittsuntersuchungen aus. Vor dem Hintergrund der Vorteile panelökonometrischer Auswertungsverfahren (vgl. Kap. 4.1), auch gegenüber den Querschnittsuntersuchungen (welche in unserem Fall aufgrund der geringen freiberuflichen Gründungsfallzahl über den Beobachtungszeitraum gepoolt wurden), werden die in den Modellen unterschiedlichen signifikanten Einflussgrößen aus der Perspektive des Probit- Schätzers aus dem Random-Effects-Modell interpretiert. Hier erwiesen sich in den Querschnittsuntersuchungen die folgenden signifikanten Einflussgrößen aus dem Random-Effects-Modell „Anzahl der Personen im Haushalt“, „Anzahl der

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Zusammenfassung

Die Arbeit verfolgt die theoretische, methodische und empirisch fundierte Analyse des freiberuflichen Gründungsgeschehens. Um die Fragestellung “Welche Determinanten beeinflussen die Gründungsaktivität und den Gründungserfolg von Freiberuflern?“ wird das Spektrum über die Phasen vor der Gründung bis zur Etablierung der freiberuflichen Tätigkeit am Markt erfasst.

Auf Grundlage des SOEP-Panels und einer Onlineerhebung tragen die Ergebnisse zu einem Erkenntnisgewinn des freiberuflichen Gründungsgeschehens bei. Gewürdigt wird dabei insbesondere die Praxis mit vielen neuen Ergebnissen aus den empirisch neu gewonnenen Daten zum Gründungsgeschehen der Freien Berufe.

Dr. Peter Paic studierte BWL und Ökonomie in Hamburg. 2008 Promotion an der Leuphana Universität Lüneburg. Zurzeit ist er Referent im Landesamt für Datenverarbeitung und Statistik (LDS NRW) in Düsseldorf.