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Peter Paic, SOEP in:

Peter Paic

Gründungsaktivität und Gründungserfolg von Freiberuflern, page 52 - 53

Eine empirische Mikroanalyse mit dem Sozio-ökonomischen Panel

1. Edition 2009, ISBN print: 978-3-8329-4112-3, ISBN online: 978-3-8452-1348-4 https://doi.org/10.5771/9783845213484

Series: FFB - Schriften des Forschungsinstituts Freie Berufe der Leuphana Universität Lüneburg, vol. 17

Bibliographic information
52 Die Freien Berufe 2.4.2 Umsatzsteuerstatistik Die Datenbasis der Umsatzsteuerstatistik beruht auf den Angaben der Unternehmen zur Umsatzsteuer-Voranmeldung und dem Grundinformationsdienst der Finanzverwaltung. Rechtsgrundlage der Umsatzsteuerstatistik ist das Gesetz über Steuerstatistiken, das ab 1996 eine jährliche Durchführung der Umsatzsteuerstatistik vorschreibt (zuvor alle zwei Jahre). Berücksichtigung finden in der Umsatzsteuerstatistik alle Unternehmen deren Jahresumsatz die Grenze von 16.620 Euro übersteigt und sie damit zur Umsatzsteuer verpflichtet. Erfasst werden die Umsätze, Wirtschaftszweige, Rechtsformen und Umsatzgrößenklassen der Unternehmen. Weitere erfasste Merkmale sind Lieferungen und Leistungen, innergemeinschaftliche Erwerbe (ab 1993 - auch Käufe von Waren und Dienstleistungen aus der EU), Umsatzsteuer vor Abzug der Vorsteuerbeträge, abziehbare Vorsteuerbeträge, Umsatzsteuer-Vorauszahlung. Nicht erfasst werden die Einfuhren aus Nicht-EU-Mitgliedstaaten (vgl. Statistisches Bundesamt 2004b). Berücksichtigung finden die Freien Berufe in der Umsatzsteuerstatistik erst ab einem Mindestumsatz von 16.620 Euro. Damit dürfte ein nicht unerheblicher Teil der Freien Berufe nicht erfasst sein, zumal einige freiberufliche Tätigkeiten von der Umsatzsteuer befreit sind (vgl. Kap. 2.3). Hinzu kommen nur sehr eingeschränkte Möglichkeiten zur Verknüpfung von Person und freiberuflicher Wirkungsstätte sowie sehr wenige Informationen zum Gründungsgeschehen. Insgesamt kann die Umsatzsteuerstatistik den aufgestellten Anforderungen an eine geeignete Datenbasis zur Untersuchung des freiberuflichen Gründungsgeschehens nicht genügen. Dies betrifft sowohl die Erfassung der freiberuflich Tätigen, als auch die sehr eingeschränkt verfügbaren Informationen zum Gründungsgeschehen, sowie den fehlenden Panel-Charakter der Datenbasis. 2.4.3 SOEP Das Sozio-ökonomische Panel (SOEP) des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) ist eine repräsentative Wiederholungsbefragung privater Haushalte in Deutschland. Im jährlichen Rhythmus werden seit 1984 dieselben Personen und Familien in der Bundesrepublik befragt. Über die Laufzeit der Umfrage wurden weitere Stichproben in die laufende Erhebung integriert. Seit 1990 erstreckt sich die Studie auch auf das Gebiet der ehemaligen DDR. Ziel des SOEP ist die Erfassung der politischen und gesellschaftlichen Veränderungen in der Bundesrepublik Deutschland. Mit der Bereitstellung des Paneldatensatzes können diese Veränderungen analysiert werden. Erfasst werden sowohl die objektiven Lebensbedingungen als auch die subjektiv wahrgenommene Lebensqualität, der Wandel in verschiedenen Lebensbereichen und die Abhängigkeiten, die zwischen verschiedenen Lebensbereichen und deren Veränderungen existieren. Dazu gehören u.a. auch die Erwerbstätigkeit, das Einkommen sowie das mikro-soziale Umfeld der befragten Personen. Insgesamt stellt das SOEP für das Jahr 2002 Angaben über 25.000 Personen bereit (SOEP Gruppe 2003a). Die Freien Berufe 53 Das SOEP berücksichtigt explizit die Freien Berufe in seinen Erhebungen und ermöglicht eine bundesweite Untersuchung. Die Fallzahl der Freien Berufe beläuft sich im SOEP auf über 400 Personen im Jahr 2002 (SOEP 2002, eigene Berechnungen). Die Datenbasis stellt eine Reihe von Informationen zur freiberuflich tätigen Person und dem mikro-sozialen Umfeld zur Verfügung. Die Angaben reichen vom freiberuflichen Einkommen bis zum Humankapital. Durch die Panelstruktur lassen sich freiberufliche Gründungen herausfiltern und entsprechend dem vierten Kriterium statistisch anspruchsvoll über Längsschnittanalysen auswerten. Schwachpunkte des SOEP sind fehlende Angaben zum Startkapital und der Gründungsform (originäre oder derivative Gründung). Trotz dieser Einschränkungen entspricht das SOEP weitgehend den sechs aufgestellten Kriterien. 2.4.4 ZEW Gründungspanel Das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung GmbH (ZEW) unterhält zurzeit fünf Unternehmensdatenbanken, darunter das ZEW Gründungspanel West und das ZEW Gründungspanel Ost. Die beiden Gründungspanels enthalten im Jahr 2004 Informationen über ca. 2.8 Mio. Unternehmen in Deutschland (ZEW 2004). Der Datensatz enthält Angaben über den Firmennamen, die Firmenanschrift, den Wirtschaftszweig, die Beschäftigtenzahl, den Umsatzangaben, dem Gründungszeitpunkt und dem Datum des Handelsregistereintrags. Darüber hinaus liegen Angaben über Vergleichs- und Gesamtvollstreckungs- bzw. Konkursverfahren, das Datum der letzten Recherche, Informationen zur Recherche und der Aktualität der Angaben sowie Textfelder mit sonstigen Erläuterungen zum Unternehmen wie beispielsweise zur unternehmerischen Tätigkeit vor. Zusätzlich werden Angaben zu den Eigentümern und Führungskräften des Unternehmens erhoben. Allerdings variiert der Erfassungsumfang bei den einzelnen Variablen sehr stark (vgl. Almus, Engel und Prantel 2000, 5 f.; Harhoff und Steil 1997, 15 f.). Die Angaben des Gründungspanels für Ost- und Westdeutschland basieren auf den Daten des Verbandes der Vereinte Creditreform (VVC), einer Kreditauskunftei. Die Datenerhebung erfolgt aus verschiedenen Quellen wie öffentlichen Registern, Tageszeitungen, Geschäftsberichten, veröffentlichte Bilanzen und Kreditwürdigkeitsanfragen. Wichtigste zentrale Quellen sind das Handelsregister sowie Recherchen die aufgrund von Anfragen zur Kreditwürdigkeit von neugegründeten Unternehmen ausgelöst wurden. Durch die gesetzlichen Vorschriften für eine Handelsregistereintragung kommt es daher im Vergleich zur Unternehmensgesamtheit zu einer branchen- und größenspezifischen Untererfassung von Unternehmensneugründungen seitens VVC und damit auch in den Gründungspanel des ZEW. In erster Linie von dieser Unterfassung betroffen sind Kleinstbetriebe, landwirtschaftliche Betriebe und die Gruppe der Freien Berufe (vgl. Engel und Fryges 2002, 3; Harhoff und Steil 1997, 16).

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Zusammenfassung

Die Arbeit verfolgt die theoretische, methodische und empirisch fundierte Analyse des freiberuflichen Gründungsgeschehens. Um die Fragestellung “Welche Determinanten beeinflussen die Gründungsaktivität und den Gründungserfolg von Freiberuflern?“ wird das Spektrum über die Phasen vor der Gründung bis zur Etablierung der freiberuflichen Tätigkeit am Markt erfasst.

Auf Grundlage des SOEP-Panels und einer Onlineerhebung tragen die Ergebnisse zu einem Erkenntnisgewinn des freiberuflichen Gründungsgeschehens bei. Gewürdigt wird dabei insbesondere die Praxis mit vielen neuen Ergebnissen aus den empirisch neu gewonnenen Daten zum Gründungsgeschehen der Freien Berufe.

Dr. Peter Paic studierte BWL und Ökonomie in Hamburg. 2008 Promotion an der Leuphana Universität Lüneburg. Zurzeit ist er Referent im Landesamt für Datenverarbeitung und Statistik (LDS NRW) in Düsseldorf.