Content

Judith Hoffmann, Die Quellenlage in:

Judith Hoffmann

Die Integration Südosteuropas, page 36 - 37

Die Demokratisierungspolitik europäischer Organisationen in Albanien

1. Edition 2008, ISBN print: 978-3-8329-4075-1, ISBN online: 978-3-8452-1211-1 https://doi.org/10.5771/9783845212111

Bibliographic information
36 Demokratie nicht gesprochen werden. Insgesamt machen die Ergebnisse der Untersuchung deutlich, dass die Integrationsperspektive der EU durch den Stabilisierungsund Assoziierungsprozess (SAP) und das Stabilisierungs- und Assoziierungsabkommen (SAA) im Fall von Albanien nicht ausreichend war, um einen umfassenden Reformprozess zu erreichen. 1.6. Die Quellenlage Die Arbeit basiert auf einer Auseinandersetzung mit der Sekundärliteratur, und einer eingehenden Analyse von Primärquellen, wie u.a. offizielle Dokumente der EU, der OSZE und des Europarats, Dokumente der albanischen Regierung und anderer internationaler Organisationen in Albanien. Diese Quellen wurden während mehrerer Forschungsaufenthalte der Verfasserin in Albanien (zwischen 2000 und 2004) gesammelt. Die Untersuchung der drei Akteure (und die Auswahl ihrer Projekte) stützt sich vor allem auf eine Auswertung dieser Materialien. Während mehrmonatiger Feldforschungsphasen im Jahr 2001 und 2004 in Albanien und einem kürzeren Forschungsaufenthalt im Mai 2003 in Brüssel wurden Experteninterviews mit mehr als 50 Vertretern der drei untersuchten europäischen Organisationen sowie anderer internationaler Organisationen vor Ort, hochrangigen Vertretern der albanischen Regierung, des Parlaments und der öffentlichen Verwaltung, Wissenschaftlern und Journalisten, Vertretern von zivilgesellschaftlichen Organisationen in Albanien, die den albanischen Transformationsprozess und das ausländische Engagement (kritisch) verfolgen, sowie Vertretern der EU Kommission in Brüssel durchgeführt. Die Autorin untersuchte außerdem im Jahr 2000 während einer dreimonatigen Consultant-Tätigkeit für die Weltbank die Unterstützung des albanischen Transformationsprozesses durch multi- und bilaterale Geber in Albanien.19 Dafür wurde die Mehrzahl der in Albanien tätigen Vertreter ausländischer Hilfsorganisationen sowie Vertreter albanischer Nichtregierungsorganisationen (NROs) und Forschungsinstitutionen interviewt. Erkenntnisse aus dieser Untersuchung fließen vor allem in das Kapitel über externe Akteure in Albanien ein. Eine Übersicht über die räumliche und sektorale Verteilung der internationalen Unterstützung zum damaligen Zeitpunkt gibt Anhang II. Die Dokumente der drei Organisationen wurden neben der Untersuchung ihrer Strategien und Projektaktivitäten vor allem in Hinblick auf ihre Bewertung der Demokratisierungsfortschritte Albaniens ausgewertet. Zu den verwendeten Dokumenten zählen Strategiepapiere, Fortschrittsberichte und Beschreibungen der jeweiligen Unterstützungsprojekte. Während die Strategiepapiere und die allgemeinen Programmdokumente der drei Organisationen in den meisten Fällen öffentlich verfüg- 19 Der Auftrag wurde im Rahmen der Vorbereitungen der „Interim-Poverty Reduction Strategy“ der albanischen Regierung vergeben, die nach 2000 die neue Grundlage für die Vergabe von Weltbankkrediten in Albanien darstellte. 37 bar waren, stellte sich die Materiallage zu spezifischen Projekten (z.B. Trainingsmaßnahmen, externe Beratung, technische Assistenz) der drei Geber sehr viel schwieriger dar. Sie sind zwar zum Teil öffentlich zugänglich, beinhalten dann aber nur sehr allgemeine Informationen. Zu einem größeren Teil befinden sich detaillierte Projektunterlagen nur bei den einzelnen Organisationen vor Ort. Während der Forschungsaufenthalte war es der Autorin möglich, sie direkt vor Ort einzusehen. Dennoch war es teilweise schwierig, einen umfassenden und lückenlosen Überblick über die relevanten Projekte zu erhalten, da in einigen Fällen Projektinformationen (z.B. im Bereich Zivilgesellschaft, Verwaltungsreform) nicht über den gesamten Untersuchungszeitraum zur Verfügung standen. Selbst in den Fällen, in denen diese Informationen größtenteils vollständig vorhanden waren, hielt das Anliegen, einzelne Projekte auf ihre Ziele und ihre Ergebnisse hin zu untersuchen, der empirischen Forschungsrealität vor Ort nicht stand. Neben dem Problem der Komplexität der Projekte und ihrer Unterteilung in viele Einzelmaßnahmen, die eine klare Wirkungsanalyse erschwerten, ergaben sich weitere Probleme der empirischen Forschung aus der Arbeitspraxis der internationalen Organisationen, die sich in Albanien in einer unsicheren und instabilen Umwelt bewegen. So verzögerten sich geplante Projekte teilweise über Monate bzw. Jahre wegen Personalengpässen oder -wechseln auf Seiten der internationalen Organisationen bzw. der albanischen Institutionen oder der verspäteten Umsetzung auf Seiten Albaniens. So wurden auf der Grundlage von Projektportfolios von der Autorin Projekte und Aktivitäten der Organisationen erwartet, die tatsächlich nicht durchgeführt worden waren. Teilweise lag bei den Projekten selbst keine klare Zielbeschreibung oder Ergebnisorientierung z.B. durch die Definition von Erfolgsindikatoren vor. Der Zeitraum und die inhaltliche Tiefe der Projektuntersuchung wird daher in den einzelnen Fällen vor allem durch die Materiallage bestimmt. Aufgrund dessen nehmen die Erkenntnisse, die durch die Interviews gewonnen wurden, einen wichtigen Stellenwert in der Studie ein. Sie fließen als wichtige Hintergrundinformation in die Einschätzung der Autorin mit ein.

Chapter Preview

References

Zusammenfassung

Im Schnittfeld von Transformations- und Integrationsforschung bietet die Arbeit eine detaillierte Auseinandersetzung mit den Einflussmöglichkeiten europäischer Institutionen auf die Demokratisierung in Südosteuropa. Analysiert wird die Demokratisierungshilfe von EU, OSZE und Europarat am wenig untersuchten Fall des „scheinheiligen Demokratisierers“ Albanien. Scheinheilige Demokratisierer stellen die Demokratisierungsbemühungen europäischer Organisationen in Südosteuropa vor große Herausforderungen. Wegen der prekären Sicherheitslage weisen sie einen erhöhten Stabilisierungsbedarf auf und begrenzten dadurch die Wirkung des Engagements der europäischen Akteure. In Auseinandersetzung mit den Forschungsansätzen der Internationalen Sozialisierung, der Europäisierung und der Konditionalität leistet die Arbeit einen Beitrag zur Debatte über die Rolle externer Akteure und untersucht die Wirkungszusammenhänge zwischen der internationalen und nationalen Dimension der Demokratisierung von Transformationsländern. Die Ergebnisse der Studie werfen einen kritischen Blick auf die EU-Konditionalität und zeigen die Notwendigkeit einer neuen Integrationsstrategie für die Länder Südosteuropas auf.