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Nadine H. Pahlke, Fazit in:

Nadine H. Pahlke

Täterinnen im Nationalsozialismus, page 115 - 115

Ein kriminologischer Erklärungsversuch

1. Edition 2009, ISBN print: 978-3-8329-4052-2, ISBN online: 978-3-8452-1581-5 https://doi.org/10.5771/9783845215815

Series: Nomos Universitätsschriften - Recht, vol. 622

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115 Kompetenzen und der Einfluss der beiden Frauenvereinigungen auf die Politik und den Staat waren allerdings gering. Eine Macht- und Politikbeteiligung der Frauen war mit dem nationalsozialistischen Frauenbild nicht vereinbar. Auch die oberen, entscheidenden Ränge der Staatsjugend waren Männern vorbehalten, Frauen waren allenfalls in beratender Funktion tätig732. IV. Fazit Die Rolle der Frau in der nationalsozialistischen Zeit war geprägt von der Aufgabe der Emanzipationsbestrebungen der Weimarer Zeit. In dieser Zeit hatten sich die Frauen bedeutende Rechte erkämpft und, bedingt durch die kriegsbedingte Abwesenheit der Männer, einige Bedeutung in der Arbeitswelt erlangt. In der Jugendbewegung hatten Mädchen und junge Frauen das erste Mal die Möglichkeit, in ähnlicher Weise wie Jungen ihre Jugend mit einem größeren Maß an Freiheit zu genießen und sich hier zu entfalten. Nach der Rückkehr der Männer aus dem Ersten Weltkrieg wurden die Frauen aber wieder aus dem Berufsleben verdrängt und mit Aufkommen des Nationalsozialismus in eine extrem konservative und traditionelle Rolle zurückgedrängt, die sich im Wesentlichen auf Haus, Familie und Kinder beschränkte. Auf diesem nach dem nationalsozialistischen Rollenbild „angestammten“ Platz in der familiären Sphäre sollte sich die Frau entfalten. C. Die Kriminalität der Frau – Erklärungsansätze der Literatur Die Kriminologie differenziert in ihren Erklärungsversuchen nach weiblicher und männlicher Kriminalität und versucht, Gründe für die unterschiedliche Kriminalität der Geschlechter zu finden. Bei der Vielzahl der Erklärungsansätze zur Kriminalität der Frau ist es kaum möglich, alle Ansätze der Literatur abschließend darzustellen. Daher soll hier auf die wichtigsten Theorien der neueren Forschung bzw. auf solche eingegangen werden, die in der Diskussion um die Frauenkriminalität eine besondere Bedeutung gewonnen haben. Beachtet werden muss dabei, dass die empirische Befundlage bei weiblichen Tätern deutlich schlechter ist als bei männlichen Tätern. I. Erbbiologische und somatische Erklärungsversuche Ältere Ansätze legen den Schwerpunkt der Erklärung von Kriminalität auf die Erbbiologie und die Humangenetik und wollen namentlich durch die Zwillings- und Adoptionsforschung feststellen, inwieweit kriminelles Verhalten erblich bedingt und der Mensch Produkt seiner Gene ist. Ferner werden biologische Faktoren auf ihre 732 Wiborg in: DIE ZEIT (Nr.17) vom 21.04.2005.

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Zusammenfassung

Bisher wurde der Rolle der Frau als Täterin im makrokriminellen Gefüge des Dritten Reichs und den Ursachen für ihre Beteiligung an Menschenrechtsverletzungen, Genozid und anderen Gewalttaten in der Kriminologie und der Geschichtswissenschaft kaum Aufmerksamkeit geschenkt. Theorien beziehen sich bei ihren Erklärungsversuchen nahezu ausschließlich auf Männer als Täter.

Das Werk schließt diese Forschungslücke, indem es aus kriminologischer Perspektive der Frage nachgeht, warum sozial völlig unauffällige und angepasste Frauen zu Täterinnen von unmenschlichen, unmoralischen und ethisch verwerflichen Handlungen werden können, wie sie im „Dritten Reich“ geschahen.