Content

Rolf Eicke, Empirische Daten und Repatriierungspotential in:

Rolf Eicke

Repatriierungsstrategien für U.S.-Investoren in Deutschland, page 104 - 105

Steuerplanung mit Holdinggesellschaften

1. Edition 2009, ISBN print: 978-3-8329-4010-2, ISBN online: 978-3-8452-1657-7 https://doi.org/10.5771/9783845216577

Series: Steuerwissenschaftliche Schriften, vol. 14

Bibliographic information
104 Kapitel 3: Repatriierungsstrategien tung der Manager der ausländischen Tochtergesellschaften, um deren Zuverlässigkeit zu untersuchen.361  Ein anderer, wenngleich seltener Grund für die Repatriierung mittels Dividendenausschüttungen ist, ein Signal an die Kapitalmärkte zu senden, um die Profitabilität sowohl der U.S.-amerikanischen Muttergesellschaft als auch der ausländischen Tochtergesellschaften zu untermauern.362  Beide dieser Gründe erklären auch das steuererhöhende Verhalten mancher Unternehmen, deren Tochtergesellschaft Dividenden ausschüttet und die Muttergesellschaft gleichzeitig diese Tochtergesellschaft mit neuem Eigenkapital versorgt.363 C. Empirische Daten und Repatriierungspotential Hines und Hubbard fanden heraus, dass ausländische Tochtergesellschaften im Jahre 1984 durchschnittlich 42,1% ihrer Gewinne als Dividenden an die U.S.-amerikanische Muttergesellschaft ausschütteten. Zusammen mit Zins- und Lizenzzahlungen betrug der transferierte Gewinnanteil 60%.364 Das Repatriierungspotential lässt sich daran ablesen, dass multinationale U.S.-amerikanische Unternehmen im Jahre 2007 akkumulierte Gewinne in ausländischen Tochtergesellschaften in Höhe von $804 Milliarden ausgewiesen haben.365 Aufgrund des repatriierungsfeindlichen U.S.amerikanischen Anrechnungssystems366 muss jedoch davon ausgegangen werden, dass einige dieser in ausländischen Tochtergesellschaften ausgewiesenen Gewinne nicht ohne erheblichen Restrukturierungsaufwand 361 Siehe Desai/Foley/Hines, Dividend Policy inside the Multinational Firm (2003), EFA 2002 Berlin Meetings Presented Paper, S. 2-3, die zu dem Schluss kommen, dass »[…] the evidence implies that control problems inside firms contribute substantially to the nature of cash transfer policies and capital allocation inside multinational firms.« (S. 27). 362 Siehe, Desai/Foley/Hines, Dividend Policy inside the Firm (2002), NBER Working Paper No. 8698, S. 2-6; Desai/Foley/Hines, Dividend Policy inside the Multinational Firm (2003), EFA 2002 Berlin Meetings Presented Paper, S. 28. 363 Wissenschaftlich fundierte Belege für die Existenz und die Häufigkeit dieser Handlungen geben Desai/Foley/Hines, Dividend Policy inside the Multinational Firm (2003), EFA 2002 Berlin Meetings Presented Paper, S. 2 und Tabelle X. 364 Hines/Hubbard, Dividend Repatriations by U.S. Multinationals (1989), S. 22. 365 Weiner, Dividend Repatriation and Domestic Reinvestment, Tax Notes International 2007, Vol. 48, 827. 366 Siehe unten Kapitel 9(II.). I. Repatriierung 105 steueroptimal in die Vereinigten Staaten repatriiert werden können.367 Das größte Repatriierungspotential besitzen Unternehmen im Technologieund Pharmasektor, da sie viele immaterielle Wirtschaftsgüter besitzen, die samt ihrem Gewinnpotential leichter ins Ausland verschoben werden können als andere Wirtschaftsgüter.368 Ein Bereich des U.S.-amerikanischen Congressional Research Service schätzte im Jahre 2003, dass ca. $639 Milliarden akkumulierter Gewinne im Ausland ausgewiesen wurden, um eine Repatriierungssteuer zu vermeiden.369 Aufgrund der großen Aufmerksamkeit, die Repatriierungen durch den American Jobs Creation Act (AJCA) in den Jahren 2004 und 2005 erfahren haben, konnten die oben genannten Daten bestätigt werden. Aufgrund der zeitlich begrenzten Privilegierung von repatriierten Gewinnen in § 965 IRC wurden am Ende über $300 Milliarden repatriiert.370 Auf die Einzelheiten wird noch einzugehen sein.371 D. Repatriierungskosten, Repatriierungssteuern und Repatriierungsentscheidungen Aus U.S.-amerikanischer Sicht sind die Kosten einer Repatriierung umso geringer je höher die Anrechnungsüberhänge sind.372 Daher verursachen multinationale U.S.-amerikanische Unternehmen vor allem Repatriierungskosten dann, wenn sie nur gering besteuerte Gewinne ausländischer Tochtergesellschaften repatriieren, weil dies zu einer Reduktion der 367 Eine Auflistung der »permanently reinvested earnings« von 117 großen multinationalen Unternehmen befindet sich in Albring/Dzuranin/Mills, Tax Savings on Repatriations of Foreign Earnings, Tax Notes International 2005, Vol. 39, 933, 942-945. 368 Grubert/Slemrod, The Effects of Taxes on Investment, The Review of Economics and Statistics 1998, Vol. 80, 365; Albring/Dzuranin/Mills, Tax Savings on Repatriations of Foreign Earnings, Tax Notes International 2005, Vol. 39, 933, 934. 369 Brumbaugh, Tax Exemption for Repatriated Foreign Earnings (2003), CRS-8; Fleming/Peroni, Eviscerating the U.S. Foreign Tax Credit Limitations and Cutting the Repatriation Tax, Tax Notes 2004, 1393, 1410. 370 Weiner, Dividend Repatriation and Domestic Reinvestment, Tax Notes International 2007, Vol. 48, 827. Compared to the $425 billion forecast of JP Morgan, Update on Repatriation legislation on June 5 2004. 371 Siehe oben Kapitel 3(I.)(G.). 372 Hines, The Case against Deferral, National Tax Journal 1999, Vol. 52, No. 3, 385, 389 (Fn. 10). »Firms with excess foreign tax credits have significantly lower repatriation costs than do firms with deficit foreign tax credits, but nevertheless incur some costs in repatriating dividends from lightly taxed subsidiaries, because doing so reduces foreign tax credit carryforwards and may trigger additional costs due to the way that home country laws allocate income and expenses for tax purposes.«

Chapter Preview

References

Zusammenfassung

Die internationale Steuerplanung mit Holdinggesellschaften ist für multinationale Konzerne häufig lohnenswert. Allerdings gilt es vielerlei Fallstricke zu beachten. Der Autor stellt nicht nur die Grundlagen dieser Art von Steuerplanung dar, sondern präsentiert Strukturen, die sowohl für Praktiker als auch für Wissenschaftler von großem Interesse sind.

Spätestens wenn ein U.S.-amerikanischer Investor einen Gewinn in Deutschland realisiert hat, muss er eine Entscheidung darüber treffen, wie er den Gewinn verwendet. Hierfür gibt es drei Alternativen: Erstens, den Gewinn in Deutschland oder Europa zu reinvestieren, um diesen von der U.S.-amerikanischen Besteuerung abzuschirmen, zweitens, den Gewinn aus Europa heraus in einen Drittstaat zu leiten, um ihn dort zu investieren und von der U.S.-amerikanischen Besteuerung abzuschirmen oder drittens, die Gewinne in die Vereinigten Staaten zu repatriieren. Für die letzte Option gibt es gute Gründe. Diesen widmet sich das Werk, indem es zwei Dutzend Holdingstandorte analysiert, die eine steueroptimale Repatriierung von U.S.-Gewinnen aus Deutschland ermöglichen.

Die Dissertation wurde mit dem Gerhard-Thoma-Ehrenpreis 2009, dem Rudolf-Haufe-Nachwuchsförderpreis 2009 und dem Esche Schümann Commichau Förderpreis 2009 ausgezeichnet.