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Elena Seredkina, Technikfolgenabschätzung in Wendezeiten: Herausforderungen der Transdisziplinarität und des Nationalen in:

Michael Decker, Ralf Lindner, Stephan Lingner, Constanze Scherz, Mahshid Sotoudeh (Ed.)

"Grand Challenges" meistern, page 73 - 84

Der Beitrag der Technikfolgenabschätzung

1. Edition 2018, ISBN print: 978-3-8487-4057-4, ISBN online: 978-3-8452-8356-2, https://doi.org/10.5771/9783845283562-73

Series: Gesellschaft - Technik - Umwelt, vol. 20

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Elena Seredkina Technikfolgenabschätzung in Wendezeiten: Herausforderungen der Transdisziplinarität und des Nationalen Einleitung Entwicklungsszenarien der technischen Welt und die Gestaltung von Technikzukünften (vgl. Grunwald 2012) werden in Wissenschaft, Politik, Gesellschaft immer häufiger behandelt. Auf der Tagesordnung steht nicht mehr die Frage nach den Ressourcen der Technikentwicklung und den Ingenieurs- und Forschungskapazitäten im Mittelpunkt. In den Vordergrund ist vielmehr die Frage gerückt, wie der expandierende technologische Wandel gestaltet werden kann. Diese Fragen werden heute v. a. im Rahmen der Technikfolgenabschätzung (TA) behandelt. TA ist eine wissenschaftliche Disziplin, die auf Theorien der Bewertung und Prognostizierung von möglichen Entwicklungen von bestimmten technischen Feldern basiert, und stellt zudem eine Praxis der politischen Beratung dar. Entsprechend bedeutend sind soziale Aspekte der Technik in den zeitgenössischen philosophischen und interdisziplinären Forschungen. Bislang liegt für Westeuropa keine vollständige Analyse der Evolution der Technikfolgenabschätzung vor. Bestenfalls handelt es sich entweder um ein globales Modell der TA (vgl. Hahn/Ladikas 2014), oder um Konkretisierungen von verschiedenartigen Formen und Praktiken dieses Modells, z. B. participatory TA, real-time TA, constructive TA, parliamentary TA (vgl. Hahn/Merz/ Scherz 2015). Anliegen dieses Aufsatzes ist es, zur Schließung dieser Lücke beizutragen. Dazu möchte ich meine eigene Klassifikation der TA-Evolution vorstellen, der inter- und transdisziplinäre Forschungsstrategien zugrunde liegen. Von dem methodologischen Standpunkt sollen sie deutlich differenziert werden. Die interdisziplinäre Herangehensweise setzt einen ausschließlich rationalen Expertendialog voraus. Die transdisziplinäre Herangehensweise geht allerdings über die Grenzen der Expertengemeinschaft hinaus und erweitert maximal den Dialograum indem sie die Öffentlichkeit miteinbezieht. In der TA-Evolution lassen sich auch zwei Entwicklungsetappen bestimmen: die interdisziplinäre (ab den 1960er Jahren bis den frühen 2000er Jahren) und die transdisziplinäre (etwa seit 2002 bis heute). Dieser Artikel ist grundsätzlich der zweiten Etappe gewidmet, die die Wende zum transdisziplinären Dialogmodell (Experten – Politiker – Öffentlichkeit) im Kontext der rationellen 1 gesellschaftlichen Technikgestaltung kennzeichnet. Die transdisziplinäre Entwicklungsetappe der TA wird im Weiteren aus der Sicht verschiedener nationalen Fallbeispiele behandelt. Entwicklungsetappe der TA In der TA-Evolution kann man zwei Entwicklungsetappen betrachten: die interdisziplinäre und die transdisziplinäre. Interdisziplinäre Entwicklungsetappe der TA mit zwei Phasen (seit den 60er Jahren des 20. Jahrhunderts). Im Rahmen der ersten Phase war TA eine Praxis der politischen Beratung beim US-Kongress. Als Stärke kann die effiziente Durchführung interdisziplinärer Dialoge zwischen Expertengemeinschaft und policy makers bezeichnet werden. Zu den Schwächen gehörte die unausgereifte technokratische Ausrichtung des Office of Technology Assessment (OTA). In der zweiten Phase (seit ungefähr der 80-er Jahre des 20. Jahrhunderts) verliert TA die USA als wesentliche Treiberin der Entwicklung und etabliert sich zunehmend in Europa. In der Folge ist eine Transformation der ursprünglichen Anstöße und Zielvorstellungen zu beobachten: An den interdisziplinären Dialogen sind neben den politischen Adressaten nun nicht nur die Vertreter der wissenschaftlich-technischen Eliten, sondern auch Vertreter der Geistes- und Sozialwissenschaften aktiv beteiligt. Mit anderen Worten kann von einer Herausbildung von TA-Spezialisten gesprochen werden. In diesem Zusammenhang ist ein großer Beitrag der deutschen Technikphilosophen in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts bei der Ausarbeitung der epistemologischen und methodologischen Grundlagen der TA (F. Rapp, H. Lenk, G. Ropohl, G. Bechmann u.a.) hervorzuheben. Transdisziplinäre Entwicklungsetappe der TA (seit 2002-2003). Zu Beginn dieses Jahrhunderts wurde in der TA die partizipative Wende („participatory turn“) (Jasanoff 2003, S. 235) eingeleitet. Diese Wende kann als eine Antwort auf die neuen sozialen Herausforderungen interpretiert werden und im Endergebnis neue Umrisse einer Architektur der Partizipation hervorgebracht hat. Das Wesen dieser Wende kommt auch im Europäischen Programm „Responsible Research and Innovation“ (RRI) zum Ausdruck. Das Konzept selbst betont ethische Reflektion und weist enge Bezüge zur TA auf. Mit anderen Worten: Wir können RRI als einen integrativen Ansatz bezeichnen, der soziale Bewertung von Forschung und Innovation, STS-Verfahren und angewandte Ethik beim Design wünschenswerter Technikzukünfte vereinigt.1 2 1 Die Frage nach der Verbindung zwischen TA/RRI bleibt im europäischen akademischen Raum bislang offen. Beim Beantworten dieser Frage folge ich den Ansichten von A. Grunwald und S. 74 Elena Seredkina Zum Schwerpunkt dieser TA-Etappe wird die Herausbildung des transdisziplinären kommunikativen Raumes, in den Politiker, Experten und Zivilgesellschaft miteinbezogen sind (dreigliedriges Beteiligungsmodell). Vom methodologischen Standpunkt aus sind interdisziplinäre Forschungsstrategien von denen der transdisziplinären zu unterscheiden. Im ersten Fall handelt es sich um den Dialog zwischen den Experten, die sich durch wissenschaftsinterne Werte für die Lösung von bestimmten Ingenieurs- und theoretischen Aufgaben leiten lassen. Im zweiten Fall geht es um einen bedachten Schritt außerhalb der Expertengemeinschaft und um eine Beteiligung am Dialog aller sozialen Agenten samt ihren Zielen, Ansprüchen, Phobien, Träumen, Zukunftsvorstellungen usw. Über die Vorteile der öffentlichen Diskussion im transdisziplinären kommunikativen Raum spricht Grunwald in seinem Artikel über Nanoethik (vgl. Grunwald 2015). Seiner Meinung nach hat eine umfassende Behandlung der ethischen Probleme im Bereich der Nanotechnologien Mitte der 2000-er Jahre einen positiven Einfluss auf die öffentliche Meinung ausgeübt. Er bezeichnet diesen Effekt als „Normalisierung“ der Technologien, als Entmythologisierung. Dank dieser Diskurstätigkeit hat die Gesellschaft die Nanotechnik nicht abgelehnt, im Gegensatz zur Kernenergie und der Gentechnik. Die Expertengemeinschaft hat die (nicht immer rational begründeten) Sorgen der Öffentlichkeit nicht vom Tisch gewischt, sondern versucht mit der Gesellschaft den Dialog aufzunehmen. Forscher haben ihrerseits mit Blick auf mangelnde Kenntnisse und mögliche Risiken im nanotechnischen Bereich Klartext gesprochen, um Vertrauen bei Experten und in der Öffentlichkeit zu gewinnen.2 In den letzten Jahren zeigt die Textanalyse führender Wissenschaftler des Instituts für Technikfolgenabschätzung und Systemanalyse (ITAS), dass im Mittelpunkt des wissenschaftlichen Interesses der zivile Aspekt der Technikfolgenabschätzung im Kontext der „civic epistemologies“/„social epistemologies“ steht (S. Jassanoff, L. Hennen, L. Nierling). „Civic epistemology refers to the institutionalised practices by which members of a given society test and deploy knowledge claims used as a basis for making collective choices“ (Jasanoff 2005, S. 255). Lingner. Laut Grunwald ist RRI eine erweiterte Version von TA: „Based on the TA tradition Responsible Innovation may be characterized as a broadened extension of technology assessment complemented by ethics and STS“ (Grunwald 2011, S. 10). Lingner meint, „RRI might thus serve as an umbrella for the different TA concepts and similar frameworks like ELSI” (Lingner 2015, S. 103). Damit ist verbunden, dass “RRI tries to encompass all issues at least theoretically, whereas the diverse TA approaches and their practices proved to focus on specific key issues so far“ (ebd.). 2 Nach demselben Szenario entwickelt sich heute in Europa eine Diskussion über Innovationen in den Bereichen der synthetischen Biologie, der künstlicher Intelligenz und der Industrie 4.0. . Technikfolgenabschätzung in Wendezeiten 75 Der Mythos über die vermeintliche „Neutralität“ der TA gehört allmählich der Vergangenheit an. In der Gegenwartsgesellschaft ist eine neutrale (unpolitische) Herangehensweise gefährlich. So wird in der letzten Zeit im europäischen akademischen Raum das neue Konzept „partisan TA“ als ein demokratisches Gegengift („antidote“) gegen technokratische Ansätze intensiv diskutiert.3 In diesem Zusammenhang wird die transdisziplinäre Etappe der TA zusammen mit dem Aufstieg von RRI und zivilgesellschaftlichen Initiativen einem Instrument der Demokratisierung der Gesellschaft (Hahn/Ladikas 2014, S. 12; Owen et al. 2012, S. 751-756). Eine weitere Entwicklung der TA ist mit der Bewältigung von zwei wichtigen Herausforderungen, nämlich der transdisziplinären (epistemologischer und ethischer Bereich) und der nationalen (kultureller und sozialer Bereich), verbunden. Transdisziplinäre Herausforderung Epistemologische und ethische Grundlagen der TA/RRI (transdisziplinäre Herausforderung). In der modernen Philosophie werden Schwerpunkte von üblichen epistemologischen Problemen auf die Technikphilosophie verschoben. Die Ingenieursherangehensweise („Sichtweise des Designers“) rückt immer häufiger in den Focus der philosophischen Betrachtung. „Ingenieurisieren“ der modernen Wissenschaft kommt besonders deutlich in der neuen Biologie zum Vorschein. Unter dem Einfluss der Gentechnik, der synthetischen Biologie (Synbio), der Bewegung von Biomakers und Biohackers verwandelt sich die klassische Biologie, die die Erkenntnis der Naturprozesse als übliche Zielvorstellung hat, in eine Technowissenschaft, die das Leben nicht nur erforscht, sondern aktiv gestaltet (Seredkina 2015, S. 267-268). So erklären Grunwald und de Vriend die neue Biologie als ein Teilgebiet des nanobiotechnischen Paradigmas und betrachten sie als eine Weiterentwicklung der Molekularbiologie mit nanotechnischen Mitteln (Grunwald 2012, S. 188; de Vriend 2006, S. 23;). „Engineers believe it will be possible to design biological components and complex biological systems in a similar fashion to the design of chips, transistors and electronic circuits“ (de Vriend 2006, S. 18). So entwickelt sich Biologie von der Wissenschaft über das Leben in eine Technoscience mit dem Schwerpunkt auf der Erkenntnis und Gestaltung. Dabei ist die Gentechnik von der Synbio zu unterscheiden. Die Letztere hat nicht nur 3 3 Das Thema der „Partisan TA“ wurde am 17.-19. Mai 2017 in der Arbeitsgruppe „Politik TA“ im Rahmen der Dritten Europäischen Konferenz über Technikfolgenabschätzung in Cork (Irland) behandelt. 76 Elena Seredkina die Eigenschaften der in der Natur existierenden Organismen zu modifizieren (zu verbessern), sondern auch basisinnovative Lebensformen zu schaffen, deren Schlüsseleigenschaften von vornherein vom Forscher bestimmt werden. In der synthetischen Biologie wird der Mensch vom Veränderer des Vorhandenen zum Schöpfer von Neuem. „In fact, if synthetic biology as an activity of creation differs from genetic engineering as a manipulative approach, the Baconian homo faber will turn into a creator“ (Boldt/Müller 2008, S. 387). Es ist eine Reinterpretation der bekannten Aussage von Richard Feynman „What I cannot create, I do not understand“ notwendig (Nordmann 2015, S. 33-35). In diesem Satz sind die methodologischen Prinzipien der klassischen Physik vorhanden. Deren Wesen kann so formuliert werden: das Schaffen ist der Höhepunkt der wissenschaftlichen Tätigkeit und das Hauptkriterium für die Feststellung der Wahrheit/Falschheit von theoretischen Modellen. Anders gesagt ist das „Intelligent Design“ mit dem Begriff Verstehen verwachsen. Verstehen bedeutet Schaffen. Aber post-Baconian homo creator kann schaffen ohne zu verstehen. Darin besteht das Hauptmerkmal der wissenschaftlich-technischen Tätigkeit der modernen Entwicklungsetappe. Ein Ingenieur-Innovator erzeugt beim Defizit der Kenntnisse in der Zone der epistemologischen Unsicherheit. Und deswegen wird Unsicherheit des Folgenwissens (Unschärfeprinzip) zum Hauptprinzip für die TA. Die Unschärfe selbst ist nicht zu beseitigen, dem Risiko auszuweichen ist unmöglich, aber das kann minimiert werden, indem prognostische Wahrscheinlichkeitsmodelle konstruiert werden. So betonte Grunwald mehrmals in seinen Aufsätzen, dass „normative Unsicherheiten der Ausgangspunkt der Technikethik sind“ (Grunwald 2013, S. 4). Die Analyse von möglichen Risikoszenarien im Rahmen eines Wahrscheinlichkeitsmodells veranlasst den modernen Ingenieur die Grenzen der Expertengemeinschaft zu überschreiten und sich in den komplizierten sozialen Kontext zu vertiefen. Moralische Aporien dieser Zeit können nicht mit den Tools des Expertentums bewältigt werden, das erlaubt den Forschern einen transzendierenden Ruck der wissenschaftlichen Kenntnis in den Lebensraum festzustellen. Deswegen ist das Unschärfeprinzip immer mit dem Vorsorgeprinzip verbunden. Das bildet eine ethisch-epistemologische Basis der TA heraus. Das technologische Wissen vertieft sich immer mehr in den sozialen Kontext. Habermas bezeichnet diese Transformation als eine Wendung von den [wissenschaftlichen] Weltbildern zur Lebenswelt (vgl. Habermas 2015). Technoscience als eine moderne Form der gesellschaftlichen Produktion wird zur Hybride der Grundlagenwissenschaft und angewandter Forschung. Im Prozess der Wissensproduktion sind mehrere sozialen Agenten involviert, die die Ziele, Wahrnehmung und praktische Anwendung der erworbenen wissenschaftlichen Information bestimmen. Die klassische Struktur der Wissenschaft verschwimmt und sie erscheint als eine problemorientierte Forschung, bei der Prognostizie- Technikfolgenabschätzung in Wendezeiten 77 rungs-, Konstruktions- und Projektierungsprozeduren von zentraler Bedeutung sind. Bei solchen Forschungen geht es nicht um Wahrheitsfindung, sondern um die praktische Lösung von bestimmten Ingenieursfragen im komplizierten und sich unaufhörlich ändernden sozialen Kontext im Grenzgebiet der Ingenieur-, Natur- und Geisteswissenschaften. Die Rhetorik (doxa) versucht Philosophie (logos) zu ersetzen. Dynamisches Gleichgewicht des Lebensraums („Mit-dasein“ nach Heidegger) wird im Horizont des Vertrauens zwischen allen Beteiligten am transdisziplinären Dialog gewährleistet. So spricht Habermas über Gewissheit wie über eine spezifische Form des Wissens, das zwischen dem Wahren und dem Falschen keinen Unterschied macht und deswegen keinen apodiktischen Status beansprucht.4 Aber hier hat das keine Bedeutung. Hier ist das Wichtigste der Faktor der Vertrauensbildung, nicht die objektive Beziehung zur Wirklichkeit. In diesem Falle ist die Lebenswelt eher „der Hintergrund oder der Raum unserer Handlungen, der die Kommunikation gewährleistet“ (Habermas 2015, S. 18). Deswegen betonen Gorokhov und Decker, dass die rein wissenschaftliche Herangehensweise bei der Lösung von lebenswichtigen praktischen Problemen des Alltags als einseitig und kursichtig erscheint (Gorokhov/ Decker 2013, S. 137). Nationale Herausforderung Sozial-kulturelle Grundlagen der TA/RRI (nationale Herausforderung). Man muss betonen, wie wichtig es ist, den nationalen Kontext zu berücksichtigen, wenn man TA-Ideen in die Praxis umsetzt. Die TA als wissenschaftliche Disziplin verfügt ohne Zweifel über eine Reihe von Universalaufgaben und -methoden. In diesem Sinne überwindet das TA-Netzwerk nationale und disziplinäre Barrieren. Dabei darf man soziale Gegebenheiten und kulturelle Hintergründe nicht vergessen. Im Umfeld der nationalen Herausforderungen werden nämlich die Aufgaben der Innovationsentwicklung des Landes, gesellschaftliche Ideale, Werte, Erwartungen, Zukunftsvorstellungen usw. formuliert. Ich werde zwei Beispiele anführen, die die Bedeutung der sozialen und kulturellen Realitäten illustrieren: Beispiel 1. Roboter in der Altenpflege in Japan und in Russland. 2009 habe ich mit jungen Ingenieuren diese Frage studiert und über die Ergebnisse auf der Konferenz in Sankt-Petersburg berichtet (vgl. Seredkina 2010). Damals haben wir demonstriert, dass beim Lösen des Problems die Kultur die erste Geige spielt. Ältere Japaner fühlen sich ziemlich wohl neben dem Roboterpfleger. Im 4 4 Das neue Wort „post-truth“, das 2016 in das Oxford-Wörterbuch eingetragen wurde, unterstreicht diesen Prozess der epistemologischen Erosion. 78 Elena Seredkina russischen Kontext hingegen ist das Gegenteil der Fall. Die älteren Menschen in Russland fühlten den Robotern gegenüber eher Unbehagen, Abstoßung und sogar Angst. Warum? Die Antwort findet man in der japanischen Kultur. Viele Experten betonen, in Japan seien die Roboter-Androiden ein besonderer Kult. In der japanischen Gesellschaft wird Miteinander (also Co-Existenz) von Robotern und Menschen bereits lange öffentlich diskutiert und praktiziert. Im Japanischen, im Unterschied zum Russischen oder Deutschen, gibt es keine festen Grenzen zwischen der belebten und unbelebten Natur. Im Japanischen wird von Robotern als Lebendigen gesprochen. Hier kommen die Shintoismuswurzeln der japanischen Kultur zum Ausdruck. Ideen und Modelle von Shintoismus spielen immer noch eine wichtige Rolle im kulturellen Leben Japans und prägen die Mentalitätsbesonderheiten der Nation. Während der alte Shintoismus Bäume, Steine und die ganze Natur belebte (animierte), belebt der Neo-Shintoismus die Roboter. Deswegen haben die alten Japaner keine Angst vor den Robotern. Beispiel 2. Die Analyse von aktuellen Innovationsprozessen in Europa zeigt, dass in den letzten Jahren das Thema „Assisted Living Technology“ (ALT) zu dominieren beginnt. Der demographische Wandel ist heutzutage eine bedeutende Herausforderung in Europa. Technologien und Dienstleistungen im Bereich des autonomen Alterns sollen Autonomie, gesellschaftliche Teilhabe und Lebensqualität älterer Menschen erhöhen. Das Problem ist aber für Russland nicht so aktuell. Die durchschnittliche Lebenserwartung betrug in Deutschland im Jahre 2015 bei den Männern 78 Jahre, bei den Frauen 83 Jahre. In Russland ist die durchschnittliche Lebenserwartung 65 Jahre bei den Männern und 76 bei den Frauen. Daher, wenn wir über ALT in Russland sprechen, geht es hauptsächlich um die Behindertenpflege, insbesondere behinderte Kinder. Ich unterscheide vier nationale Modelle der TA: das amerikanische, das deutsche, das chinesische und das russische Modell. Dieses Schema ist nur bedingt korrekt, da in Europa zahlreiche weitere Spielarten und Varianten der TA- Praxis existieren (z. B. holländischer, dänischer, französischer, österreichischer, tschechischer usw.). Außerdem ist zu berücksichtigen, dass das Entstehen von der russischen und der chinesischen Version der TA im Kontext des Mangels an Bürgerinitiative und an praktischem Wissen im Bereich der TA/RRI zu betrachten ist. Im Folgenden werden einige nationale Fallbeispiele kurz dargestellt, im Kontext derer die Perspektiven und Schranken für die Entwicklung des transdisziplinären Dialogmodells gezeigt werden: Technikfolgenabschätzung in Wendezeiten 79 Amerikanisches Modell der TA: Dezentralisierung und Mangel an Bürgerinitiative Die TA als die Praxis politischer Beratung entstand in den USA. Ingenieure und Wissenschaftler halfen Politikern (Kongressmitglieder) wissenschaftlich begründete Entscheidungen im Bereich der wissenschaftlich-technischen Politik zu treffen. So existierte im amerikanischen Kontext von Anfang an eine enge Verbundenheit mit staatlicher Macht. Später verliert die TA ihre Position in den USA. Zurzeit beobachtet man hier in der akademischen und politischen Landschaft der TA überflüssige Vielfalt der Formen und eine ausgeprägte Dezentralisierung. „The lack of a centralized TA capacity moves the US back in time, pre-OTA, when TA functions existed but were so decentralized and varied that they were hardly recognized as such“ (Sadowski/Guston 2015, S. 54). In den USA gibt es nun keine staatliche oder private Organisation (Stiftung), die die Funktion eines Anführers übernehmen würde, die die Methoden erneuern, die Praxis verbessern und die strategische Führung gewährleisten könnte. Stattdessen existiert hier eine Reihe von eigenständigen Institutionen mit schwachen Verbindungen. In einem seiner Artikel analysiert Sadowski ausführlich die Geschichte der Entstehung und Entwicklung des Büros für Technikfolgenabschätzung (the Office of Technology Assessment, OTA) am US-Kongress (vgl. Sadowski 2015). Dabei überträgt er historische Fakten in den modernen Kontext, um die Mechanismen der Institutionalisierung der TA in den USA tiefgründiger zu erforschen. Laut Sadowski ist der Hauptgrund für den Fall des OTA das Ignorieren der öffentlichen Meinung. Die Gesellschaft wurde aus der Diskussion politischer Fragen der Technik und der Wissenschaft komplett ausgeschlossen (Sadowski 2015, S. 17-19). Bozeman und Sarewitz nennen diesen Mangel an Bürgerbeteiligung zu den Zeiten des OTA „public values failure“ (Bozeman/ Sarewitz 2011, S. 15). Ohne breitflächige Unterstützung von Seiten der Gesellschaft sei es unmöglich, wissenschaftlich-technische Projekte voranzubringen. Doch die amerikanische Erfahrung war nicht umsonst: Analoge Institutionen zu OTA erschienen in vielen europäischen Ländern, vor allem in Deutschland, Österreich, den Niederlanden und Dänemark. Chinesisches Modell der TA: Balancieren zwischen erzwungenem Technokratie und verantwortungsvollen Innovationen (RRI) Das Hauptmerkmal des chinesischen Modells der TA ist die führende Rolle des Staates bei einem gleichzeitigen Mangel an bürgerschaftlicher Initiative. Trotzdem zeigen die letzten Konferenzen zur TA in China einen wichtigen Trend: die chinesische wissenschaftliche Gemeinschaft sucht mit der Unterstützung I. II. 80 Elena Seredkina der Regierung nach einem Mittelweg zwischen „verantwortlichen Innovationen“ und „erzwungener Technokratie“ (Liu Yongmou, Zhao Yandong, Liao Miao, Wang Xiaowei u. a.) 5 Es sind zwei Besonderheiten des technokratischen Paradigmas in China zu benennen – Szientismus und Sozialismus. Im ersten Fall geht es um die Praxis des Einführens einer immer größeren Zahl an Ingenieuren und Wissenschaftlern in die Vorbereitung von Regierungsentscheidungen und ‑handeln. Bereits heute erlebt die Regierung der Volksrepublik China einen starken Einfluss seitens Wissenschaft. Chinesische Technokraten-Politiker betrachten moderne High- Tech, wie z. B. Big Data, künstliche Intelligenz wie ein Reinigungsmechanismus und eine Garantie gegen politische Willkür und übertriebenen Bürokratismus. Aus dieser Sicht gewährleistet Szientismus die Qualität beim Treffen von politischen Entscheidungen. Allerdings spielt Technokratie eine zweitrangige, der Idee des Sozialismus untergeordnete Rolle, betont Prof. Liu Yongmou aus der Chinesischen Volksuniversität (Peking). In diesem Zusammenhang stehen chinesische Wissenschaftler vor der Aufgabe, das technokratische Paradigma an den chinesischen sozio-politischen Kontext, vor allem an das sozialistische System anzupassen. Die Macht eines Experten-Technokraten ist in einer solchen Gesellschaft eingeschränkt und sollte durch die Bürgerinitiative von unten korrigiert werden. Russisches Modell der TA als ein Teil von der Philosophie der Wissenschaft und der Technik Auch Russland wird mit den Ambivalenzen von Wissenschaft und Technik konfrontiert. Es besteht zwar keine eigene TA-Tradition im engeren Sinne, doch Russland kann an eine bedeutende Tradition der Technikphilosophie anknüpfen, die sich in Richtung TA ausbauen lässt. Das Interesse an TA in Russland wurde schon in den 1990er Jahren durch die Werke von deutschen Philosophen wie Hans Lenk, Gotthard Bechmann, Friedrich Rapp, Günther Ropohl usw. erweckt. Die russischen Philosophen machten sich mit diesen Ideen dank der Tätigkeit von Vitaly Gorokhov vertraut. Deswegen wurde er am ITAS in Karlsruhe (Deutschland) als „Architekt der wissenschaftlichen Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Russland“ genannt. 6 Bis vor kurzem entwickelte sich die TA in Russland ausschließlich in akademischen Kreisen, im Bereich von Geistes- und Sozialwissenschaften (Cherni- III. 5 Bei der Analyse des chinesischen Modells der TA wurden die Forschungsergebnisse chinesischer Wissenschaftler (Vortragsthesen, Folien) vom internationalen philosophischen Workshop „Understanding Technology and Innovation“ vom 17. März 2017 in Peking miteinbezogen. 6 http://www.itas.kit.edu/2016_045.php. Technikfolgenabschätzung in Wendezeiten 81 kova et al. 2015, S. 109). Dabei fehlte es an ertragsreicher Zusammenarbeit mit den Vertretern aus den technischen Wissenschaften. Erst in den letzten Jahren entwickelt sich die positive Tendenz, einen engeren Kontakt zwischen den Philosophen als Trägern von Ideen der TA in Russland und den Ingenieuren herzustellen. Ansporn zu diesen Veränderungen geben die polytechnischen Universitäten in Tomsk und Perm. Leider ist der interdisziplinäre kommunikative Dialog, an dem sich Politiker auf nationaler Ebene, Experten aus dem Bereich der technischen Wissenschaften und den Geisteswissenschaften sowie die Gesellschaft beteiligen, heute in Russland unterentwickelt. In diesem Zusammenhang sei der „politische Bestandteil“ zu stärken (TA als Instrument für die Demokratisierung der Gesellschaft). Deutsches Modell der TA: auf dem Weg zu einer nachhaltigen Partizipation Aus heutiger Sicht kann das deutsche Modell als ein vorbildliches betrachtet werden, weil es die starken Seiten/Vorteile von den oben dargestellten Modellen beinhaltet. Erstens ist das deutsche Modell der TA (wie auch das russische) eng mit der akademischen Gemeinschaft verbunden. So haben die deutschen Philosophen der Technik einen wesentlichen Beitrag an der Entwicklung der Theorie der TA geleistet. Zweitens wurde das Büro für Technikfolgen-Abschätzung beim Deutschen Bundestag (TAB) nach dem Vorbild des amerikanischen OTA (the Office of Technology Assessment) geschaffen. Drittens ist die deutsche Praxis der TA/RRI durch ihre enge Zusammenarbeit mit dem Staat mit dem chinesischen Modell vergleichbar. Als Schwäche des deutschen Modells der TA kann starker Druck seitens einer unzureichend informierten, aber doch aktiven Öffentlichkeit genannt werden. Die Herausforderungen der technogenen Zivilisation verlangen nach einem beispiellosen Niveau an Wissen und Bewusstsein nicht nur von den Politikern, sondern auch von den einfachen Bürgern in den Fragen, die früher ausschließlich vom engen Kreis der Fachleute und Experten (Technoelite) entwickelt und bearbeitet wurden. In der Bürgergesellschaft besteht die reale Gefahr, dass die Durchbruchstechnologien abgelehnt werden: emotionale Slogans, populistische Behauptungen, Phobien, grundlose Erwartungen seitens der Laien können die Stimmen von Ingenieuren und Experten übertönen. In diesem Zusammenhang besteht das Problem nicht nur der „Humanisierung“ der technischen Bildung, sondern auch der „Technisierung“ der öffentlichen Meinung; Verantwortung nicht nur von oben, sondern auch von unten. Bürger als „Agenten der Veränderungen“ und „moralische Redakteure“ für die innovativen Technologien sollten auch kompetent und verantwortungsvoll sein. Deswegen spricht Jörg Sommer, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Umweltstiftung, IV. 82 Elena Seredkina Mitglied der Kommission zur „Lagerung hoch radioaktiver Abfallstoffe“ beim Deutschen Bundestag in seinem Artikel „Lasst uns über den Atommüll streiten!“ (Zeit online vom 5. Juli 2016) nicht nur von der nachhaltigen Entwicklung, sondern auch von der „nachhaltigen Partizipation“ (vgl. Sommer 2016). Schluss Auf Grundlage der durchgeführten Analyse von nationalen Modellen der TA kann man folgende drei Hauptaufgaben auf dem Weg zu einer globalen TA stellen: 1. Wie kann eine sozio-technische Synthese entwickelt werden, um technokratische Engführungen zu überwinden (das Schaffen eines Vertrauensraums zwischen den Ingenieuren und den Vertretern der Geisteswissenschaften)? 2. Wie kann ein transdisziplinärer, kommunikativer Dialog gefördert werden (Umsetzung in die Praxis eines dreigliedrigen Partizipationsmodells der TA: Gesellschaft – Politik – Experten)? 3. Wie kann eine nachhaltige Partizipation vor dem Hintergrund des Aufstiegs von RRI voran gebracht werden? Literatur Boldt, J.; Müller, O. (2008): Newtons of the leaves of grass. In: Nature Biotechnology 26, S. 387-389 Bozeman, B.; Sarewitz, D. (2011): Public value mapping and science policy evaluation. 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References
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Zusammenfassung

Der schillernde Begriff der Grand Challenges ist in aller Munde und Grund für eine kritische Auseinandersetzung mit diesem forschungsleitenden Konzept. Die Buchbeiträge widmen sich dem Thema sowohl in theoretischer Hinsicht, als auch mit Blick auf die Domänen Gesundheit, Digitalisierung und Umwelt.