Carola Richter, al., Von Smartphones, Informationsnetzwerken und Misstrauen – Mediennutzung im Kontext von Flucht in:

Z'Flucht. Zeitschrift für Flucht- und Flüchtlingsforschung, page 292 - 312

Z’Flucht, Volume 2 (2018), Issue 2, ISSN: 2509-9485, ISSN online: 2509-9485, https://doi.org/10.5771/2509-9485-2018-2-292

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Forumsbeiträge Carola Richter, Martin Emmer und Marlene Kunst Von Smartphones, Informationsnetzwerken und Misstrauen – Mediennutzung im Kontext von Flucht Zusammenfassung Der vorliegende Artikel basiert auf einer Befragung von 404 im Zeitraum 2015/16 nach Deutschland geflüchteten Personen und analysiert deren Mediennutzung in den Phasen vor, während und nach der Flucht. Es wird danach gefragt, wie und welche digitalen Medien Personen in diesen verschiedenen Fluchtphasen nutzen und woher prospektiv Flüchtende Informationen zu ihrem Zielland beziehen und diese einordnen. Die Ergebnisse kennzeichnen die Mediennutzung als eine vor allem digital mediatisierte interpersonale Kommunikation. Die Studie diskutiert die Ergebnisse vor dem Hintergrund von Überlegungen zu Informationsflüssen in migrantischen Netzwerken und zeigt die Potentiale, aber auch die damit verbundenen Risiken für die Orientierung von Geflüchteten auf. Schlagworte: digitale Medien, Internet, Smartphone, Flucht, Deutschland, Syrien, Irak, interpersonale Kommunikation, Informationen Smartphones, Information Networks and Mistrust: Refugees and their Media Use Abstract This article is based on a survey of 404 people who fled to Germany in 2015/16. The study analyses their media use before, during and after flight. It focuses on how and which digital media refugees use in these different phases and where prospective refugees obtain information about the target country of their flight. The results show that their media use is characterized by interpersonal communication that is primarily digitally mediated. The study discusses the results against 292 Zeitschrift für Flüchtlingsforschung 2. Jg. (2018), Heft 2, S. 292 – 312, DOI: 10.5771/2509-9485-2018-2-292 the background of considerations on information flows in migrant networks and points out the potentials, but also the associated risks for the orientation of refugees. Keywords: digital media, internet, smartphone, refugees, Germany, Syria, Iraq, interpersonal communication, information Einleitung Im Sommer 2015 war die Verwunderung in den deutschen Medien groß: Hilfesuchende Geflüchtete führen kaum mehr als ein paar Plastiktüten mit sich, in denen ihr Hab und Gut verstaut ist – halten aber zugleich ein Smartphone in der Hand (Meyer 2015; Stock/Özmen 2015). Dabei sind Mobiltelefone überall auf der Welt ein Gegenstand des alltäglichen Gebrauchs geworden, weshalb ihre Nutzung auch im Fluchtkontext nicht unwahrscheinlich ist. Uns interessierte, welche generelleren Muster der Mediennutzung und insbesondere der Nutzung digitaler Medien sich im Kontext aktueller Fluchtbewegungen identifizieren lassen. Wir haben dazu im Frühjahr 2016 mehr als 400 nach Deutschland Geflüchtete zu ihrer Mediennutzung vor, während und nach der Flucht befragt, um so Schlussfolgerungen zu den Informationsrepertoires der Flüchtenden und der Kanäle der Informationsflüsse ziehen zu können. In der Tat spielen digitale Medien – insbesondere Smartphones – eine besondere Rolle: Die Ergebnisse zeigen, dass Konnektivität durch digitale Medien für die überwältigende Mehrheit der Befragten essentiell ist. Smartphones sind jedoch in der Gesamtschau weniger ›Fluchthelfer‹ oder ›Lebensretter‹ wie anekdotische Berichte über die Kontaktaufnahme zu Schmugglern mittels Internet oder Geschichten über den lebensrettenden Telefonanruf aus dem sinkenden Boot suggerieren. Auch diese Fälle mag es geben. Unsere Ergebnisse zeigen jedoch, dass es vor allem die Möglichkeit des Verbundenseins mit Vorausgegangenen und Zurückgebliebenen ist, welche die Bedeutung digitaler Medien bei der Flucht ausmacht. Dies erscheint im Kontext von Netzwerktheorien zu Migration, die in der geographischen und soziologischen Migrationsforschung zu finden sind, nicht ungewöhnlich (vgl. de Haas 2010 für einen Überblick; Müller-Mahn 2000; Taha- Bascha & Panzer-Krause 2016). Prospektive Migranten orientieren sich häufig an Vorausgegangenen, zu denen zumeist durch Verwandtschaftsverhältnisse bereits Bindungen bestehen. Migrant*innen-Netzwerke können demnach als eine Art soziales Kapital aufgefasst werden, um (leichter) Zugang zu Ressourcen zu bekommen bzw. Risiken und Kosten zu minimieren (de Haas 2010: 1590). 1. Carola Richter et al. | Von Smartphones, Informationsnetzwerken und Misstrauen Z'Flucht 2. Jg., 2/2018 293 Von digitalen Medien als der konstituierenden Technologie der »Netzwerkgesellschaft« (Castells 2001) lässt sich in diesem Kontext annehmen, dass sie wesentliche Vermittlungskanäle für Informationsflüsse zwischen bereits Angekommenen und (prospektiv) Flüchtenden darstellen. Sie könnten also dazu dienen, sich bereits im Vorfeld adäquat über die Umstände der Flucht sowie die Gegebenheiten im Zielland zu informieren, um Unsicherheiten und unliebsame Überraschungen zu vermeiden. Uns interessierte daher 1) Wie und welche digitalen Medien nutzen Personen vor, während und nach der Flucht? 2) Woher beziehen prospektiv Flüchtende Informationen zu ihrem Zielland und wie ordnen sie diese ein? Im Folgenden wird dazu zunächst der Forschungsstand gesichtet, danach das methodische Vorgehen dargelegt, ehe die Ergebnisse vorgestellt und anschließend diskutiert werden. Forschungsstand Bis zu unserer Erhebung 2016 gab es in Deutschland nur wenig Forschung zur Mediennutzung von Geflüchteten – auch in anderen europäischen Ländern war das Interesse bis dato gering. Erst im Zuge der aktuellen Flüchtlingsbewegungen nach Europa nahm auch das Interesse hierzulande zu. Selbst in nicht-europäischen traditionellen Hauptzielländern von Migration wie den USA oder Australien ist der Forschungsstand zur Nutzung von Medien durch Migrant*innen bisher beschränkt. Es liegen nichtsdestotrotz einige vereinzelte Studien vor, deren Befunde hier referiert werden sollen. Die meisten der wenigen bisherigen Studien fokussieren auf die Postmigrationsphase und die Mediennutzung der Geflüchteten im Zielland (siehe nächster Abschnitt). Einige widmen sich aber auch der Transitphase bzw. der Phase, die Flüchtende als Interimsphase zwischen Flucht und Ankommen im Zielland betrachten. So haben beispielsweise di Giovanni (2013) und Wall et al. (2015) Geflüchtete in Lagern in Libanon bzw. Jordanien befragt. Sie beschreiben eine gefühlte information precarity bei den Flüchtenden, verursacht durch fehlenden Zugang zu Medientechnologien, aber auch durch das Gefühl, ständig Gerüchten und Fehlinformationen ausgesetzt zu sein und vom Staat oder anderen Instanzen überwacht zu werden (Wall et al. 2015: 2). Viele versuchen, diese prekären Zustände aufzuweichen, indem vor allem mit bereits bestehenden Netzwerken aus 2. Forumsbeiträge 294 Z'Flucht 2. Jg., 2/2018 Familie und Freunden mittels Mobiltelefonen Kontakt gehalten wird. Massenmedien, aber auch sozialen Netzwerken wie Facebook, wird laut diesen Studien dagegen wenig vertraut. Eine Studie der BBC Media Action (2016) hat in griechischen Lagern 66 Personen sowie weitere Fokusgruppen befragt und daraus Erkenntnisse über die Informationsbedürfnisse von Flüchtenden herauszuarbeiten versucht. Die Studie erörtert, dass die Flüchtenden vor allem aktuelle und zuverlässige Informationen suchten und frustriert darüber waren, dass sie diese von den dortigen einheimischen und internationalen Helfer*innen und Medien nicht erhalten konnten. Daraus resultiere eine große Orientierungslosigkeit. Studien aus Australien, Frankreich oder Italien (Leung et al. 2009; Alam/Imran 2013; Gifford/Wilding 2013; Charmarkeh 2013; Harney 2013) geben Hinweise auf die Ambivalenzen von Medientechnologien im Alltag der Geflüchteten in der Postmigrationsphase. Harney (2013) betrachtet die Mobiltelefonnutzung von Migrant*innen und Asylbewerber*innen im italienischen Neapel. Smartphones werden dabei einerseits als wichtige Instrumente zur Unterstützung der Bewältigung des Alltags herausgestellt. Charmarkeh (2013) untersucht mit ethnografischen Methoden die prekäre Situation von somalischen Geflüchteten in Frankreich und nimmt deren Social-Media-Nutzung vor, während und nach der Flucht in den Blick. Charmarkeh (2013: 50) hebt explizit hervor: »Refugees know how to employ social media, contrary to prevailing clichés, because social media play a crucial role in their navigation of the migratory trajectories and also allow them to find a place where they feel accepted«. Darüber hinaus sind aber auch die Studien von Witteborn (2011; 2012; 2015) überaus relevant. Sie hat über einen Zeitraum von drei Jahren immer wieder in sogenannten Asylbewerberunterkünften in Deutschland Menschen besucht und deren Medienpraktiken beobachtet. Ihr Interesse bestand dabei darin, zu sehen, wie diese als forced migrants beschriebenen Personen sich eine spezifische Identität durch Selbstpräsentation in den digitalen Medien erarbeiten. Insbesondere das Spannungsfeld zwischen der als unbefriedigend empfundenen Situation in Deutschland und der häufig geschönten Selbstdarstellung gegenüber den Daheimgebliebenen, die zumeist von einer deutlichen Verbesserung der Lebensumstände ausgingen, hebt Witteborn als Kernbefund heraus (Witteborn 2015). Der beständige Kontakt über virtuelle Medien zu den Daheimgebliebenen erzeuge eine Art Ko-Präsenz, die zu einem gewissen sozialen Druck bei den Migrant*innen führe – und beispielsweise in die Vermittlung geschönter Bilder ihres Lebens münden können. Auch neuere Studien, die sich insbesondere mit kürzlich geflohenen Menschen aus Syrien, Irak und Zentralasien beschäftigen, die nunmehr in Deutschland leben, stellen die Wichtigkeit des Smartphones für die Aufrechterhaltung von Carola Richter et al. | Von Smartphones, Informationsnetzwerken und Misstrauen Z'Flucht 2. Jg., 2/2018 295 Kontakten ins Heimatland heraus (Fiedler 2016, 2018). Gleichzeitig wird auch betont, dass Smartphones eine Integrations- oder zumindest eine Brückenfunktion ins Aufnahmeland haben können (Kutscher/Kreß 2015), beispielsweise durch Sprachlern-Apps. Fiedler, die 36 Tiefeninterviews mit syrischen Geflüchteten durchführte, ist eine der wenigen, die auch auf die Mediennutzung im Heimatland vor der Flucht schaut. Sie arbeitet heraus, dass die Befragten sich auf verschiedenen Wegen über die Situation im Land und im Zielland informierten, mithin also ein breites Repertoire an Informationsquellen aufwiesen. Nichtsdestotrotz wurden diese Quellen zumeist durch den Abgleich mit Informationen von persönlichen Kontakten bewertet (Fiedler 2016: 11–12). Die bisherigen Studien stellen die Relevanz von digitalen Medien als Netzwerk- und Informationskanäle heraus, weisen aber zugleich auf die ambivalenten Effekte für das Gefühl der Informiertheit und auch die Güte der Informationsvermittlung mittels digitaler Medien hin. Für uns ergab sich deshalb aus der Sichtung des Forschungsstands die Überlegung, folgende Aspekte überprüfen und konkretisieren zu wollen: n Wir möchten die Vielfalt der Funktionen von digitalen Medien für die Geflüchteten eruieren. n Wir wollen die Veränderungen dieser Funktionen in verschiedenen Kontexten der Flucht (vor, während, danach) nachzeichnen. n Wir möchten die Relevanz digitaler Medien als Teil der Informationsquellen im Abgleich mit anderen Medien einschätzen. Methodik und Feldphase Die bisherigen Studien haben vor allem mit qualitativen Befragungen und entsprechend kleinen Fallzahlen gearbeitet. Um über diese Befunde hinaus verallgemeinerbare Aussagen zur Mediennutzung von Geflüchteten treffen zu können, haben wir eine quantitative Befragung mit einem repräsentativen Sample der nach Deutschland Geflüchteten anvisiert. Entsprechend konzipierten wir die empirische Forschung wie folgt: Stichprobenziehung Die Befragung wurde vom 20. April bis 26. Mai 2016 in Berliner Notunterkünften durchgeführt. Da es weder eine Systematik für die Verteilung von Geflüchte- 3. 3.1 Forumsbeiträge 296 Z'Flucht 2. Jg., 2/2018 ten nach Nationalitäten auf die einzelnen Bundesländer noch innerhalb Berlins einen Schlüssel zur Verteilung auf bestimmte Unterkünfte gab, konnte mit einer zufälligen Verteilung der Geflüchteten in den Notunterkünften gerechnet werden. Für die Stichprobenziehung in den Unterkünften haben wir auf ein Quotenverfahren zurückgegriffen, um auch auf dieser Stufe die Repräsentativität der Daten zu gewährleisten. Die Interviewer*innen sollten bei der Ansprache der Bewohner*innen Quoten nach Herkunftsland, Geschlecht und Alter berücksichtigen, die sich aus den vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) veröffentlichten Daten über Erstanträge von Asylbewerber*innen für Januar bis Februar 2016 ergaben (s. Tabelle 1). Die Erfüllung dieser Quoten wurde während der Feldphase kontinuierlich kontrolliert. Fragebogen und Durchführung Der Fragebogen bestand aus insgesamt 145 Fragen, wobei aufgrund einer differenzierten Filterung die tatsächliche Anzahl an gestellten Fragen je nach individuellem Antwortverhalten deutlich geringer war. Es handelte sich überwiegend um standardisierte Fragetypen (z.B. Fragen mit Einfachantworten, Mehrfachantworten oder Likert-Skalen). Darüber hinaus wurden einige offene Fragen gestellt. Der Fragebogen folgte einer Logik der umgekehrten Chronologie, die den Befragten helfen sollte, sich so gut wie möglich in die jeweils abgefragten Situationen hineinzuversetzen: Zu Beginn wurde die aktuelle Situation der Geflüchteten in ihren Unterkünften in Berlin in den Blick genommen, anschließend die Kommunikation während der Flucht, darauffolgend der Umgang mit Medien im Heimatland. Der Fragebogen enthielt Blöcke mit Fragen zu unterschiedlichen Dimensionen: n Erwartungen an und Vorstellungen von Deutschland und zur Situation im Heimatland n Mediennutzung vor, während und nach der Flucht mit einem Schwerpunkt auf digitalen Medien n grundlegende demographische Angaben Technisch wurde der Fragebogen als Web-basierter Fragebogen umgesetzt, bei dem die Eingaben im Fragebogen durch die Interviewer*innen in Echtzeit elektronisch gespeichert wurden und unmittelbar nach Ende der Datenerhebung für die Auswertung zur Verfügung standen. Durch die elektronische Umsetzung war darüber hinaus eine sehr detaillierte Filterführung möglich, die den Befragten 2.1 Carola Richter et al. | Von Smartphones, Informationsnetzwerken und Misstrauen Z'Flucht 2. Jg., 2/2018 297 unzutreffende Fragen (etwa nach der Häufigkeit der Handynutzung, obwohl sie gar kein Gerät besaßen) so weit wie möglich ersparte. Insgesamt liegen der folgenden Auswertung 404 Interviews zu Grunde, die durchschnittlich jeweils 45 Minuten dauerten. Befragt wurden Personen ab 14 Jahren von muttersprachlichen Interviewer*innen in Arabisch, Farsi und Urdu. Beschreibung der Stichprobe Die Stichprobe besteht zu gut der Hälfte aus Syrer*innen (53,5%), etwa ein Viertel kommt aus dem Irak (23,8%), weitere 15,9% aus Afghanistan, Iran und Pakistan (Tabelle 1). Vergleich zwischen unserer Stichprobe und der Verteilung der Geflüchteten in Deutschland nach Daten des BAMF Stichprobe BAMF1 % (n) %2 Herkunftsland Syrien 53,5 (216) 64,5 Irak 23,8 (96) 17,7 Afghanistan 4,5 (18) 13,2 Iran 4,0 (16) 2,9 Pakistan 7,4 (30) 1,8 Sonstige 6,8 (28) - Altersgruppen 14–17 3,2 (13) 3,7 18–24 34,9 (141) 36,0 25–29 20,8 (84) 21,0 30–34 14,9 (60) 14,3 35–39 10,1 (41) 9,4 40–44 6,7 (27) 6,0 45–49 3,7 (15) 4,2 50 und älter 5,7 (23) 5,5 3.3 Tabelle 1: Forumsbeiträge 298 Z'Flucht 2. Jg., 2/2018 Stichprobe BAMF1 % (n) %2 Geschlecht Männlich 84,3 (338) 71,1 Weiblich 15,7 (63) 28,9 Prozentuierungen auf Basis gültiger Fälle; kleinere Abweichungen in den Fallzahlen gehen auf fehlende Antworten zurück. (1) Stand Januar und Februar 2016 (BAMF 2016). (2) Zur besseren Vergleichbarkeit wurden nur die Daten des BAMF für die fünf relevantesten Herkunftsländer (z.B. ohne Balkanstaaten) herangezogen. Sie ergeben in dieser Tabelle somit 100%. Laut dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF 2016) kamen 80,2% aller Asylbewerber*innen, die im Januar und Februar 2016 ihren Erstantrag in Deutschland stellten, aus den fünf Herkunftsländern Syrien, Irak, Afghanistan, Iran und Pakistan. Der etwas geringere Anteil der Menschen aus Afghanistan in unserer Stichprobe ist zum Teil sprachlichen Barrieren geschuldet, da wir keine Interviewerin für die Sprache Dari angeworben hatten. Der Großteil der Befragten war erst in den sechs Monaten vor Beginn der Feldphase nach Deutschland gekommen. Unsere Stichprobe weist einen etwas geringeren Frauenanteil als die BAMF- Werte aus, was verschiedene Ursachen haben kann. So wurden trotz der Bemühungen der Interviewerinnen häufig Männer vorgeschickt, um Interviews zu geben. Auswertung Im Folgenden haben wir die Auswertung der Daten nach Herkunftsländern strukturiert, da dies für einen Vergleich von Gruppen die Variable war, die die signifikantesten Unterschiede hervorgebracht hat. Andere demographische Variablen wie Bildung, Geschlecht oder Alter haben häufig nur im Zusammenhang mit der Variable Herkunftsland Gruppenunterschiede erklären können. Um eine ausreichend große Grundlage für statistische Berechnungen zu haben, wurden die Befragten aus Afghanistan, Pakistan und Iran unter ›Zentralasien‹ zusammengefasst und Befragte, die nicht aus diesen Ländern oder Syrien oder Irak kamen, von 3.4 Carola Richter et al. | Von Smartphones, Informationsnetzwerken und Misstrauen Z'Flucht 2. Jg., 2/2018 299 den weiteren Berechnungen ausgeschlossen.1 Die hier vorgestellten Ergebnisse sind deskriptiver Art, für die jeweils die Signifikanz von Gruppenunterschieden mittels des so genannten Chi-Quadrat-Tests getestet wurde. Dieser prüft, ob Unterschiede zwischen den Ländergruppen auch ein zufälliges Ergebnis der Stichprobenziehung sein können. Nur im Falle eines statistisch signifikanten Ergebnisses (in diesem Fall ist die Wahrscheinlichkeit p dafür, dass die Unterschiede zufällig zustande gekommen sein können, kleiner als 5%) wird davon ausgegangen, dass in der Grundgesamtheit der Geflüchteten tatsächlich ein solcher Unterschied besteht, der inhaltlich interpretiert werden kann. Sollte ein Ergebnis das Signifikanzniveau von .05 verfehlen und die Interpretation deshalb unsicher sein, wird in den Grafiken darauf hingewiesen. Ergebnisse Unsere Ergebnisse zeigen eindrücklich: Digitale Medien sind für die meisten der Befragten tatsächlich ein wichtiger Begleiter in ihrem Alltag – sowohl vor als auch nach der Flucht und in geringerem Maße auch während der Flucht. Die Nutzung digitaler Medien ist dabei laut unseren Ergebnissen relativ unabhängig von Alter und Geschlecht, signifikante Unterschiede ergeben sich aber entlang der Herkunftsländer. Insbesondere die Geflüchteten aus Syrien und Irak können als versierte Nutzer digitaler Medien eingestuft werden. Bereits in ihrem Heimatland vor der Flucht haben sie zu 75% (Iraker*innen) bzw. 65% (Syrer*innen) das Internet täglich genutzt (vgl. Abbildung 1). Während der Flucht sinkt dieser Wert – insbesondere die mangelnde Verfügbarkeit von Internetverbindungen führte dazu, dass das Internet seltener genutzt wurde. Nach der Flucht, also nach Ankunft in Deutschland, wird das Internet noch wichtiger für die Befragten. Über 86% der Syrer*innen und 82% der Iraker*innen nutzen nun das Internet täglich. Bei den Personen aus Zentralasien ist die Anzahl derjenigen, die überhaupt ins Internet gehen, vor der Flucht und auch während der Flucht deutlich geringer als bei denen aus Irak oder Syrien. Nicht einmal die Hälfte von ihnen nutzte das Internet im Heimatland täglich. Eine deut- 4. 1 Weitere Herkunftsländer von Befragten mit geringeren Fallzahlen waren Palästina, Ägypten, Jordanien, Libyen, Marokko, Algerien, Indien, Eritrea, Tschad und Somalia – diese wurden für die folgenden Erhebungen ausgeschlossen. Der den folgenden Ergebnissen zugrundeliegende Datensatz besteht also aus einer Grundgesamtheit von 377 Personen. Forumsbeiträge 300 Z'Flucht 2. Jg., 2/2018 liche Zunahme der Nutzung des Internets ist erst nach der Ankunft in Deutschland zu verzeichnen. Häufigkeit der Internetnutzung Die Unterschiede in der Nutzung und Nutzungsintensität korrelieren teilweise mit dem Bildungsgrad (Abbildung 2). Während bei Syrer*innen und Iraker*innen das Internet quer durch alle Bildungsschichten annähernd gleich stark genutzt wird, zeigt sich bei den Geflüchteten aus Zentralasien ein deutlich signifikanter Unterschied zwischen höher gebildeten und wenig- oder ungebildeten Befragten.2 Weniger Gebildete oder Ungebildete sind in dieser Herkunftsgruppe deutlich abgeschnittener von digitalen Medien. Der Zugang zum Internet wird fast ausschließlich durch das Smartphone hergestellt. Wir haben auch nach Tablets, Laptops oder stationären Computern gefragt – diese spielten aber weder im Heimatland noch in Deutschland eine wichtige Rolle für den Zugang zum Internet. Abbildung 1: 2 Im Gesamtsample der Befragten gibt es aber keine wesentlichen Unterschiede bei der Verteilung der Bildungsniveaus zwischen den Gruppen. Carola Richter et al. | Von Smartphones, Informationsnetzwerken und Misstrauen Z'Flucht 2. Jg., 2/2018 301 Tägliche Internetnutzung in Deutschland (in %) nach Bildung und Herkunftsland Keine oder einfache Bildung = keine formale Bildung oder Primary School; Gesamtschule = Secondary School; Höhere Bildung = Berufsausbildung oder Universitätsabschluss. Entsprechend war für die meisten Befragten, insbesondere aus Irak und Syrien, das Smartphone ein wichtiger Begleiter während der Flucht (vgl. Abbildung 3). Auch hier zeigt sich wieder ein signifikanter Unterschied zwischen Flüchtenden aus Irak und Syrien auf der einen und aus Zentralasien auf der anderen Seite: Die Personen aus Zentralasien nutzten einfache Mobiltelefone deutlich häufiger, und während der Flucht besaß nur ein Drittel von ihnen ein Smartphone. Ebenso zeigen sich aber auch die Veränderungen nach der Flucht: Im Zielland Deutschland besitzen nun auch zwei Drittel aller Befragten aus Zentralasien ein Smartphone. Wozu aber werden digitale Medien genutzt? Wir haben dazu mehrere Funktionen zur Auswahl gestellt, von denen sich die Befragten für die beiden meistgenutzten entscheiden sollten. Mit Kommunikationsfunktion zielten wir auf den Kontakt mit Freunden, Bekannten und Verwandten ab, mit Informationsfunktion fokussierten wir beispielsweise auf die Suche nach Nachrichten auf Websites, mit praktischen Funktionen auf die Nutzung von Services wie Geldüberweisungen oder Navigation und mit Unterhaltungsfunktion auf das Ansehen von Filmen, Musik oder Sport. Abbildung 2: Forumsbeiträge 302 Z'Flucht 2. Jg., 2/2018 Mobiltelefonnutzung Meistgenutzte Funktionen des Internets Generell lässt sich festhalten, dass insbesondere praktische Funktionen des Internets, aber auch die Informations- und die Unterhaltungsfunktion gegenüber der Kommunikationsfunktion weit zurückstehen (vgl. Abbildung 4). Die häufig in Abbildung 3: Abbildung 4: Carola Richter et al. | Von Smartphones, Informationsnetzwerken und Misstrauen Z'Flucht 2. Jg., 2/2018 303 Presseberichten hervorgehobenen praktischen Funktionen wie Navigation oder Geldüberweisungen wurden in der Gesamtschau von den Befragten nicht als das wesentliche Element der Nutzung digitaler Medien betont. Immerhin gaben zwar 29% der Syrer*innen und Iraker*innen an, auch einmal Google Maps zur Navigation genutzt zu haben, aber nur 9% der Personen aus Zentralasien. Die meisten Personen haben auch den in der Regel in Anspruch genommenen Schmuggler persönlich kontaktiert und nur in seltenen Fällen über das Internet oder per Handy. Die Konnotation des Handys als dezidiertem ›Fluchthelfer‹ lässt sich mit diesen Befunden jedenfalls nicht stützen. Die Unterhaltungsfunktion rückt während der Flucht, in der der Internetzugang ein rares Gut ist, weit in den Hintergrund. Aber auch in Deutschland erreicht sie nicht mehr den Wert aus dem Heimatland und trotz der vielfach in Interviews beschriebenen Langeweile in den Unterkünften ist Unterhaltung mittels des Smartphones für die Befragten nicht besonders wichtig. Stattdessen holt die Informationsfunktion auf. In Deutschland ist es für die Befragten sicherlich auch wegen eines Mangels an Alternativen wie dem muttersprachlichen Fernsehen essentieller, sich über das Internet Informationen zu beschaffen. Nichtsdestotrotz bleibt die Kommunikation mit Angehörigen und Bekannten der zentrale Zweck der Internetnutzung – über alle Phasen der Flucht hinweg. Nutzung von Apps und Social MediaAbbildung 5: Forumsbeiträge 304 Z'Flucht 2. Jg., 2/2018 Diese Dominanz der mediatisierten interpersonalen Kommunikation spiegelt sich auch in der Nutzung der verschiedenen Apps wider. Instant-Messaging-Dienste wie WhatsApp bzw. seine lokal präferierten Varianten wie Viber und Telegram führen die Rangliste an und sind weit wichtiger als Twitter. Mit Ausnahme der Iraker*innen spielt auch Facebook keine dominante Rolle (vgl. Abbildung 5). Generell ist zu vermuten, dass auch bei der Facebook-Nutzung vor allem die Messenger-Funktion relevant ist. Daher wird deutlich, dass digitale Medien für Flüchtende eine Verbindung zu Vorausgegangenen und Zurückgebliebenen ermöglichen sollen und mithin transnational verfügbare Kanäle für interpersonale Kommunikation darstellen. Es sind also die ausgeweiteten Möglichkeiten der interpersonalen Kommunikation, die die Nutzung digitaler Medien so relevant machen. Denn auch online verfügbare Informationen, beispielsweise aus sozialen Medien, werden nicht per se als glaubwürdiger eingestuft als solche aus anderen Medien. Wir fragten, welchen Medienquellen bei fluchtrelevanten Informationen vertraut werde (vgl. Abbildung 6). Vertrauen in MedienquellenAbbildung 6: Carola Richter et al. | Von Smartphones, Informationsnetzwerken und Misstrauen Z'Flucht 2. Jg., 2/2018 305 Nutzung von Medienangeboten im Heimatland oder im zwischenzeitlichen Aufenthaltsland Syrien (n=197)1 Irak (n=88)1 Zentralasien (n=51)1 Medium % (n) % (n) % (n) Radio2 55,3 (109) 61,4 (54) 41,2 (21) Radio: Internationale Sender2 23,9 (47) 31,8 (28) 19,6 (10) Radio: Deutsche Welle2 7,6 (15) 21,6 (19) 5,9 (3) TV2 90,4 (178) 92,0 (81) 90,2 (46) TV: Internationale Sender2 51,3 (101) 59,1 (52) 52,9 (27) TV: Deutsche Welle2 14,2 (28) 34,1 (30) 17,6 (9) Printmedien2 37,6 (74) 40,9 (36) 54,9 (28) Internet 89,8 (177) 89,8 (79) 72,5 (37) (1) Befragte, die ihre Heimat verlassen hatten, ohne sich zuvor konkret für die Flucht nach Deutschland entschieden zu haben und auch nicht mindestens drei Monate in einem zwischenzeitlichen Aufenthaltsland verbracht haben, sind aus dieser Analyse ausgeschlossen. (2) Der Chi-Quadrat-Test verfehlt in diesen Kategorien entweder das erforderliche Signifikanzniveau oder liefert aufgrund zu geringer Fallzahlen ein unzuverlässiges Ergebnis, weshalb die Unterschiede zwischen den Ländern nicht sinnvoll interpretiert werden können. Es besteht ein geringes Vertrauen in Online-Quellen, die im Falle der Iraker*innen sogar hinter die Glaubwürdigkeit des Fernsehens zurückfiel. In diesen Antworten spiegeln sich nicht zuletzt Spezifika der jeweiligen Mediensysteme wider, in denen die Geflüchteten sozialisiert sind, und damit nationale Unterschiede. So lässt sich mit Blick auf den Irak nämlich durchaus von einem pluralistischen Mediensystem mit einer Vielzahl an Fernsehsendern sprechen, denen entsprechend eine glaubwürdige Vermittlung von Informationen zugetraut wird (vgl. Wollenberg et al. 2017). Generell gibt es in der arabischen Region mit transnationalen Fernsehsendern wie al-Jazeera, aber auch BBC Arabic oder DW-Arabic eine Vielzahl an audiovisuellen Alternativen zum Staatsfernsehen (vgl. Richter/El Difraoui 2015), was den vergleichsweise hohen Wert des Vertrauens der Syrer*innen in das Fernsehen erklären könnte. Die Befragten insbesondere aus Iran sind dagegen vor allem mit sehr eindimensionalen Staatssendern vertraut, was erklären könnte, warum sie Informationen aus dem Fernsehen für wenig glaubwürdig halten. Generell überwiegt in allen Herkunftsgruppen das Vertrauen in die Informationen von anderen Menschen, sei es im direkten Gespräch oder Tabelle 2: Forumsbeiträge 306 Z'Flucht 2. Jg., 2/2018 vermittelt durch digitale Medien. Allerdings nutzen etliche Befragte eine Vielzahl an Informationsressourcen und versuchen, die jeweils aus unterschiedlichen Quellen gewonnenen Informationen miteinander abzugleichen. Die in Tabelle 2 aufgeführte (mindestens seltene) Nutzung verschiedener Medien in den Heimatländern zeigt, dass die Befragten insbesondere das Fernsehen noch stärker als das Internet genutzt haben und dabei durchaus auch internationale Sender eine Rolle spielten. Diskussion Im Kontext der Überlegungen, dass Netzwerke in Fluchtprozessen relevant sind und deshalb auch digitale Medien als Netzwerktechnologien bedeutend sein müssten, wollten wir erörtern, wie Menschen auf der Flucht digitale Medien nutzen, auf welche Weise dies geschieht und woher prospektiv Flüchtende Informationen beziehen. Im Hinblick auf den ersten Teil der Fragestellung ist klar geworden, dass Internetnutzung vor allem eine zwar digital mediatisierte, aber dennoch eine vorrangig interpersonale Kommunikation bleibt. Außerdem verändert sich die Relevanz, die der digitalen Kommunikation zugebilligt wird, in den verschiedenen Kontexten vor, während und nach der Flucht. Im Hinblick auf den zweiten Teil der Frage zeigt sich, dass beim Sammeln von Informationen Internetplattformen nicht zwingend mehr Vertrauen genießen als andere Medien. Im Folgenden sollen diese drei Befunde kurz diskutiert und im Fazit offene Fragen für die weitere Forschung abgeleitet werden. Internet = digital mediatisierte interpersonale Kommunikation Die Zugangsmöglichkeit zum Internet dient vor allem dem Aufrechterhalten von persönlichen Kontakten, die unerlässlich sind, um die Flucht und die Situation im Zielland zu meistern. Im Transitkontext selbst mag das Smartphone vor allem praktischen Fragen gelten oder dazu dienen, unmittelbar ein Lebenszeichen zu versenden. Im Postmigrationskontext jedoch, so zeigen auch unsere Ergebnisse deutlich, ist die Kommunikation mit Freunden und Familie essentiell. Die primär genutzten Services und Apps sind allesamt Instant-Messaging-Dienste, die es ermöglichen, in verschiedenen Gruppen oder mit Einzelpersonen die eigenen Bedürfnisse zu justieren und zwischen Erwartungshaltungen und eigenen Ansprüchen permanent navigieren zu können (siehe auch Witteborn 2015). Dies mag es mit sich bringen, dass ein unrealistisches Bild aus dem Zielland an Daheimgebliebene vermittelt wird, aber es ermöglicht das, was wir im Zeitalter des Web 2.0 als 5. 5.1 Carola Richter et al. | Von Smartphones, Informationsnetzwerken und Misstrauen Z'Flucht 2. Jg., 2/2018 307 soziales Netzwerken beschreiben: die Möglichkeit der Interaktion mit anderen Menschen – auch im transnationalen Kontext – und damit das Gefühl der Selbstermächtigung. Für Geflüchtete ist Internetzugang und die Nutzung des Smartphones also kein ›Zeitvertreib‹, sondern ein notwendiges Instrument, das soziale Teilhabe zumindest suggeriert und im Idealfall auch unterstützen kann. Unterschiedliche Mediennutzung im Flucht- und Ankommenskontext Die Orientierungsfunktion, die konstitutiv für Medien ist, spielt im Fluchtgenauso wie im Ankommenskontext eine große Rolle für die Geflüchteten. Allerdings steigt offensichtlich der Bedarf an und die Suche nach verlässlichen Informationen im Zielland. Es werden signifikant mehr Smartphones genutzt als vor oder während der Flucht, es wird häufiger im Internet gesurft und die Informationsfunktion wird deutlich höher gewichtet als vorher. Besonders der massive Anstieg der Smartphone- und Internetnutzung bei Geflüchteten aus Zentralasien ist eindrücklich. Ist Unterhaltung noch eine wesentliche Motivation für die Internetnutzung vor der Flucht, so ist das Smartphone im Zielland vor allem ein Hilfsmittel für die Orientierung. Während aber Geflüchtete aus Syrien und Irak tendenziell als digital natives angesehen werden können, die im Umgang mit dem Smartphone recht versiert sind, so scheinen insbesondere weniger gebildete Geflüchtete aus Zentralasien eine Stärkung der digitalen Medienkompetenz zu benötigen – gerade um auch die zahlreichen Hilfsangebote und Service-Seiten im Internet besser finden und nutzen zu können. Mediennutzung und Vertrauen Zwar ist die Nutzung digitaler Medien intensiv, aber das Vertrauen in die verschiedenen Angebote schwankt enorm. Besonders Geflüchtete aus Irak und Syrien suchten in ihren Heimatländern nach Informationen aus einer breiten Palette an Quellen – dazu gehörten das nahezu tägliche Fernsehen gefolgt von der Nutzung des Internets. Den über die Medien vermittelten Informationen wird aber nur bedingt vertraut – dies gilt auch und gerade für Informationen, die im Internet zirkulieren. Am höchsten ist das Vertrauen in Medienquellen unter den Befragten, die ein relativ plurales Mediensystem kennengelernt haben. Gerade wenn Medien durch autoritäre Staaten wie in Iran instrumentalisiert werden, wird eher bestimmten Mitmenschen und nicht Informationen aus den Medien vertraut. Dies sollte aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass auch Massenmedien im Informationsre- 5.2 5.3 Forumsbeiträge 308 Z'Flucht 2. Jg., 2/2018 pertoire von Geflüchteten eine wichtige Rolle spielen und sie mit dem notwendigen Wissen über den Hintergrund der entsprechenden Medien ihre Schlüsse aus den erhaltenen Informationen zu ziehen wissen (so zum Beispiel Wollenberg et al. 2017 zum irakischen Fall). Gerade transnational verfügbare Medien in den Muttersprachen der Geflüchteten sind eine wesentliche Informationsquelle. Hieraus ergeben sich wichtige Ansatzpunkte für deutsche Medieninstitutionen, die vor 2015 dazu tendierten, fremdsprachige Angebote aus ihren Programmen zu entfernen, mit dem Argument, dass dies der (sprachlichen) Integration in Deutschland schaden würde (Horz 2014). Im Zuge der aktuellen massiven Flüchtlingsmigration hat sich diese Haltung allerdings verändert und eine Vielzahl an fremdsprachigen Formaten (insbesondere in Arabisch) wurde in den Programmen des öffentlich-rechtlichen Rundfunks (beispielsweise WDR for you) oder auch durch private Initiativen (beispielsweise Marhaba auf n-tv oder das Refugee Radio Network) oder im Bürgerfunk (beispielsweise Alex Berlin) etabliert. Es ist aber wichtig, die Geflüchteten nicht nur auf die verschiedenen Formate aufmerksam zu machen, sondern auch generell über die Struktur und vergleichsweise höhere Autonomie des deutschen Mediensystems aufzuklären, um tatsächlich Vertrauen in die dort vermittelten Informationen schaffen zu können. Fazit Digitale Medien fügen sich offensichtlich sehr gut in den Netzwerkcharakter von Migration ein – und verstärken diesen Charakter durch ihre technologischen Möglichkeiten wiederum. Nach den Ergebnissen unserer Studie nutzen insbesondere die mit digitalen Technologien vertrauten jungen Menschen aus Syrien und dem Irak ihre Smartphones, um mit Vorausgegangenen und Daheimgebliebenen in Verbindung zu bleiben und über diese Wege Informationen zu bekommen. Informationen aus diesen Netzwerken wird deutlich mehr vertraut als den über traditionelle Massenmedien oder Websites vermittelten Informationen. Für die weitere Forschung ergibt sich hieraus der Bedarf, noch konkreter zu erfahren, welche Informationen mittels dieser Kanäle prozessiert und wie Informationen in ihrem transnationalen Transfer bewertet und eingeordnet werden. Gerade die so entstehenden Bilder vom Zielland und der erwarteten Lebenssituation dort können problematisch sein. So deuten unsere Ergebnisse bereits an, dass Informationsflüsse durch die Netzwerke positive Vorstellungen vom Zielland entstehen lassen, die zunächst bestärkend sind und die physischen und psychologischen Strapazen der Flucht ertragbar machen – im Abgleich mit dem dann Erleb- 6. Carola Richter et al. | Von Smartphones, Informationsnetzwerken und Misstrauen Z'Flucht 2. Jg., 2/2018 309 ten aber neu bewertet werden. Die Orientierungsfunktion, die Medien bietet, kann also in Netzwerkkontexten und verstärkt durch digitale Kanäle entsprechend der politischen und Medienkompetenz der Flüchtenden zu einem Fluch oder Segen werden. Literatur Alam, Khorshed/Imran, Sophia (2015), The Digital Divide and Social Inclusion among Refugee Migrants: A Case in Regional Australia, Information Technology & People, 28 (2), 344–365. BBC Media Action (2016), Voices of Refugees. 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Olaf Kleist 2019, ca. 350 S., brosch., ca. 59,– € ISBN 978-3-8487-4580-7 eISBN 978-3-8452-8831-4 Erscheint ca. Mai 2019 nomos-shop.de/31011 Der Disziplinen übergreifende Dialog ist Voraussetzung und Herausforderung der Flüchtlingsforschung. Das Buch diskutiert fünf Schlüsselthemen des Forschungsfeldes aus jeweils unterschiedlichen disziplinären Perspektiven, um zusammen ein komplexeres Verständnis von Flucht und Flüchtlingen zu präsentieren. eLibrary Nomos Nomos Interdisziplinäre Flüchtlingsforschung Schlüsselthemen eines neuen Feldes Marcel Berlinghoff | J. Olaf Kleist [Hrsg.] Dialog der Disziplinen in der Flüchtlingsforschung

Abstract

This article is based on a survey of 404 people who fled to Germany in 2015/16. The study analyses their media use before, during and after flight. It focuses on how and which digital media refugees use in these different phases and where prospective refugees obtain information about the target country of their flight. The results show that their media use is characterized by interpersonal communication that is primarily digitally mediated. The study discusses the results against the background of considerations on information flows in migrant networks and points out the potentials, but also the associated risks for the orientation of refugees.

Zusammenfassung

Der vorliegende Artikel basiert auf einer Befragung von 404 im Zeitraum 2015/16 nach Deutschland geflüchteten Personen und analysiert deren Mediennutzung in den Phasen vor, während und nach der Flucht. Es wird danach gefragt, wie und welche digitalen Medien Personen in diesen verschiedenen Fluchtphasen nutzen und woher prospektiv Flüchtende Informationen zu ihrem Zielland beziehen und diese einordnen. Die Ergebnisse kennzeichnen die Mediennutzung als eine vor allem digital mediatisierte interpersonale Kommunikation. Die Studie diskutiert die Ergebnisse vor dem Hintergrund von Überlegungen zu Informationsflüssen in migrantischen Netzwerken und zeigt die Potentiale, aber auch die damit verbundenen Risiken für die Orientierung von Geflüchteten auf.

References
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Abstract

Zeitschrift für Flüchtlingsforschung, The German Journal for Refugee Studies (Z’Flucht) is a new peer-reviewed journal which publishes academic works from diverse disciplines on questions related to forced migration and refugee studies. The journal is published twice a year by Nomos publishing house in association with the German Refugee Research Network (Netzwerk Flüchtlingsforschung) and is edited by Marcel Berlinghoff, J. Olaf Kleist, Ulrike Krause and Jochen Oltmer.

Z’Flucht provides a forum for exchange in the field of forced migration and refugee studies through empirical studies, theoretical reflections and methodological discussions. By means of international, regional or national studies, scholar may tackle questions related to the conditions, forms and consequences of forced migration and displacement, protection of refugees and efforts towards durable solutions, such as (re)integration or resettlement. Moreover, refugees’ activities and strategies utilized to contend with their experiences may be analysed. The journal includes all categories of people who have been forcibly displaced or who have fled from their homes due to violence and examines related debates, discourses, practices and concepts. As such topics can be explored from diverse perspectives, the journal places special emphasis on interdisciplinary discussions and comprises various disciplines, including law, sociology, history, politics, philosophy, ethnology, psychology, geography and economics, linguistics and literary studies.

As displacement and forced migration not only represent a growing field of research but also a broad political and practical area, this journal aims to promote the exchange between academia and practice.

Z’Flucht publishes works in three categories: academic articles, forum articles and literature reviews.

Academic articles present research findings on specific questions related to forced migration and refugees which are methodically and theoretically reflected, and consider and further the current state of research in this field. These articles undergo a double-blind peer review and are limited to 80,000 characters (including spaces). Forum articles can include shorter (field) research reports, address theoretical, methodological, conceptual and ethical questions of research or relate to current discussions in forced migration and refugee studies. Manuscripts from practitioners are welcome. The editors of the journal review all forum articles, which are limited to 35,000 characters (including spaces). Literature reviews can relate to individual or a number of new publications from the last two years which discuss aspects of forced migration and refugee studies. In view of the journal’s interdisciplinary focus, publications which cover several fields are preferred. Individual reviews are limited to 6,000 characters (including spaces), while multiple books reviews should be no longer than 20,000 characters (including spaces).

The journal predominantly publishes works written in German, but studies written in English and French may be considered.

Zusammenfassung

Die Zeitschrift für Flüchtlingsforschung (ZFlucht) ist ein neues peer-reviewed journal, das sich explizit als trans- und interdisziplinäres Organ versteht und danach strebt, als „Informationsknoten“ der wissenschaftlichen Community die interdisziplinäre Zusammenarbeit und Vernetzung in der Flüchtlingsforschung sichtbar zu machen und diese langfristig voranzutreiben.

Die ZFlucht zielt darauf, herausragende wissenschaftliche Beiträge zu den Themen Flucht, Vertreibung und anderen Formen der Gewaltmigration sowie zum Flüchtlingsschutz und zur (Re-)Integration von Flüchtlingen zu veröffentlichen. Inhaltlich relevante Beiträge können sich auf globale, regionale, nationale und lokale Entwicklungen sowie auf theoretische Auseinandersetzungen beziehen.

Die Zeitschrift ist an der Schnittstelle zwischen Wissenschaft und Praxis angesiedelt. Sie richtet sich explizit an Sozial-, Kultur-, Rechts- und GeisteswissenschaftlerInnen und zudem an BerufspraktikerInnen und EntscheidungsträgerInnen in Politik, Verwaltung, Verbänden und (internationalen) Nichtregierungsorganisationen sowie an Ehrenamtliche, Freiwillige und Fach- und Führungskräfte der Sozialen Arbeit.

Die in der ZFlucht veröffentlichten Manuskripte werden einem doppelt anonymisierten Begutachtungsverfahren (double-blind peer review) unterzogen: Eine anonymisierte Fassung des Aufsatzmanuskripts wird von mindestens zwei externen GutachterInnen geprüft. Das Periodikum möchte zur Etablierung sowie zur nachhaltigen Verankerung der Forschung über Zwangs- und Gewaltmigration im weitesten Sinne im deutschsprachigen Raum beitragen. Einzelne Beiträge erscheinen in englischer Sprache.

Die ZFlucht veröffentlicht Beiträge in den drei Rubriken „Aufsätze“, „Forum“ und „Literaturbericht“.

Die Rubrik „wissenschaftliche Aufsätze“ bietet die Möglichkeit zur Veröffentlichung der Ergebnisse wissenschaftlicher Forschung. Die Rubrik „Forum" beinhaltet unterschiedliche Beiträge wie Praxis- und Forschungsberichte, Kommentare, Debattenbeiträge und Tagungsberichte. Im „Literaturbericht“ werden Rezensionen zu thematisch passenden Werken veröffentlicht.