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Kira Kock, Jurastudium 4.0 – Im Wandel der Effektivitätssteigerung durch die Digitalisierung in:

ZDRW Zeitschrift für Didaktik der Rechtswissenschaft, page 506 - 509

ZDRW, Volume 7 (2020), Issue 4, ISSN: 2196-7261, ISSN online: 2196-7261, https://doi.org/10.5771/2196-7261-2020-4-506

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Tagungsforum Jurastudium 4.0 – Im Wandel der Effektivitätssteigerung durch die Digitalisierung Nachlese zur digitalen Bundesfachschaftentagung 2020 in Bielefeld Kira Kock* Als Dachverband der juristischen Fachschaften in Deutschland setzt sich der Bundesverband rechtswissenschaftlicher Fachschaften e.V. (BRF) aus 42 Fachschaften der bundesweit 44 juristischen Fachbereiche und Fakultäten zusammen und vertritt so mehr als 110.000 Studierende. Mit der jährlichen Hauptversammlung, der Bundesfachschaftentagung (BuFaTa), die dieses Jahr vom 05. bis 07. Juni 2020 erstmals digital unter dem Thema „Jurastudium 4.0 – Im Wandel der Effektivitätssteigerung durch die Digitalisierung“ stattfand, wird die inhaltliche Ausrichtung des BRF neu kalibriert. 120 Studierendenvertreterinnen und Studierendenvertreter diskutierten zu folgenden Themenschwerpunkten: „Zusammenarbeit mit externen Akteurinnen und Akteuren“1, „Digitales Examen“, „Datenbanken im Jurastudium“ und „Effektive Beschlussfassung“. Anhand von vorbereiteten Gutachten2 wurden die verschiedenen Themen in den Workshops aufbereitet und vertieft. Weiter wurden zur inhaltlichen Ausgestaltung der Themenkomplexe Beschlussvorlagen auf Basis jener Gutachten erarbeitet und anschließend den Teilnehmerinnen und Teilnehmern zur Abstimmung präsentiert. Die Ergebnisse3 der diesjährigen Bundesfachschaftentagung werden im Folgenden näher ausgeführt und der rechtsdidaktische Hintergrund debattiert. Digitales Examen Dass die Digitalisierung spätestens mit der digitalen Lehre im Sommersemester 2020 bei den Universitäten angekommen ist, ist unstreitig. Dabei hat schon die Digital Study von LEX superior in Kooperation mit dem BRF im Jahr 2019 aufgezeigt, dass sich 62% der über 2.500 Befragten für die Möglichkeit digitaler Klausuren aussprachen.4 Dass ein e-Examen immer zukunftsfähiger erscheint, ist gera- A. * Die Autorin ist Mitglied im Vorstand des Bundesverbands rechtswissenschaftlicher Fachschaften e.V. und Studentin der Rechtswissenschaft an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster. 1 So wurden unter anderem Erkenntnisse über die unterschiedliche Beachtung der studentischen Sicht in den universitären Meinungsbildungsprozess erlangt. Die finanzielle Abhängigkeit vom AStA sowie ein zum Teil vorherrschender einseitiger Ruf der rechtswissenschaftlichen Studierendenschaft als abgehoben und die daraus resultierende Misskommunikation zwischen den Akteurinnen und Akteuren sorgen dabei immer wieder für Konfliktpotenzial im universitären Alltag. 2 Gutachten der Bundesfachschaftentagung, https://bundesfachschaft.de/category/gutachten/gutachten -bufata-2020/ (08.10.2020). 3 Beschlussbuch der Bundesfachschaftentagung, https://bundesfachschaft.de/wp-content/uploads/2020 /08/Beschlussbuch-BuFaTa-2020.pdf (08.10.2020). 4 LEX superior, Digital Study 2019, S. 10 ff. 506 Tagungsforum ZDRW 4/2020, DOI: 10.5771/2196-7261-2020-4-506 de in Hinblick auf das spätere Berufsleben einleuchtend. So werden gleichzeitig unsere Umweltressourcen geschont, sowie der postbedingte Verlust einiger Klausuren verhindert. Jene Vorteile überwiegen auch bei den Studierenden selbst. So haben sich bei einem Pilotprojekt in Sachsen-Anhalt 2019, bei welchem die Absolventinnen und Absolventen die Wahl zwischen einem digitalen oder handschriftlichen Zweiten Juristischen Staatsexamen hatten, lediglich drei von 50 Personen für eine handschriftliche Bearbeitung entschieden.5 Dies unterstreicht nochmals die Forderungen der Studierendenschaft nach mehr Digitalisierung in der juristischen Ausbildung. Die Studierendenschaft spricht sich folglich für ein digitales Examen aus und fordert die Schaffung der Voraussetzungen für die Durchführung eines digitalen Staatsexamens. So könnte auch geschlechtsbezogener Diskriminierung aufgrund der Handschrift entgegengewirkt werden. Dennoch sollten die Studierenden die Wahl zwischen einer digitalen und handschriftlichen Bearbeitung haben. Wünschenswert wäre hierbei eine frühe Vorbereitung auf Fakultätsebene, um für die Studierenden, spätestens mit Beginn der Examensvorbereitung, eine digitale Grundlage geschaffen zu haben. Dabei sollte nicht außer Acht gelassen werden, dass den Prüfungsämtern und Studierenden erhebliche finanzielle Mittel zur Verfügung gestellt werden müssen. Der Grundsatz „Je größer das Bundesland, desto höher die finanziellen Hürden“6 sollte dabei besonders berücksichtigt werden. So gilt auch im Hinblick auf das digitale Examen der Wunsch nach mehr Gleichheit in der juristischen Ausbildung. Eine solche Möglichkeit sollte Studierenden aber nicht aufgrund ihres Studienortes verwehrt bleiben. Vielweniger noch aufgrund ihrer eigenen finanziellen Situation. Das Konzept von „Bring Your Own Device“ (BYOD), wo Prüflinge eigene Endgeräte, die mit einer Software zur Abwehr von Manipulation bespielt wird,7 nutzen, ist kritisch zu betrachten. So ist nicht nur die Software ein erheblicher finanzieller Faktor, auch die Anschaffung eines digitalen Endgerätes selbst. Zusätzlich schaffen die Unterschiede zwischen den Geräten unterschiedliche Ausgangspositionen. Dass ein größerer Bildschirm einen besseren Überblick über die Klausur selbst8 und eine bessere Tastatur eine schnellere Schreibweise mit sich bringen, erscheint einleuchtend. Die BYOD-Methode steht folglich dem Gleichheitsgrundsatz entgegen und ist daher abzulehnen. Stattdessen sieht der BRF die Justiz in der Verantwortung. Dabei sollte die Justiz entweder auf private Anbieter zurückgreifen oder sog. „Thin 5 Zunker, Anwaltsblatt, https://anwaltsblatt.anwaltverein.de/de/studium-und-referendariat/legal-tech/ details/legal-tech-endlich-das-juraexamen-am-laptop-tippen#panel-weitere-entwicklungen-zu-digital en-klausuren (08.10.20). 6 Freudenberg, NJW-aktuell 10/2019, S. 19. 7 Beurskens, in: F.A.Z. Einspruch vom 17.06.2019, https://www.faz.net/einspruch/exklusiv/elektronis ches-staats- examen-juristen-an-die-computer-16241286.html?printPagedArticle=true#pageIndex_2 (24.05.2020). 8 Beurskens, in: F.A.Z. Einspruch vom 17.06.2019, https://www.faz.net/einspruch/exklusiv/elektronis ches-staats- examen-juristen-an-die-computer-16241286.html?printPagedArticle=true#pageIndex_2 (24.05.2020). ZDRW 4 | 2020 507 Clients“ nutzen. Letztere sind keine vollwertigen Computer, sondern nutzen lediglich das Rechenzentrum des verbundenen Servers. Folglich sind sie weniger störanfällig und weisen einen geringeren Energieverbrauch auf. Datenbanken im Jurastudium Nicht nur das e-Examen, auch online-Literaturangebote erzielten durch die pandemiebedingten Bibliotheksschließungen Aufmerksamkeit. Dabei sind die Studierenden auf ein breites Angebot an Datenbanken und e-Books angewiesen. So ist dies nicht nur ein Lösungsansatz für Corona-bedingte Bibliotheksschließungen, es fördert auch die Flexibilität eines/r jeden Studierenden. Dabei liegt es in der Verantwortung der Universitäten trotz steigender Preise solche Angebote bereitzustellen. Gleichzeitig sollten Datenbanken wie „Beck-Online“ oder „Juris“ keine Monopolstellung erlangen dürfen, um eine Abhängigkeit von derartigen Literaturangeboten zu vermeiden und ein faires Preis-Leistungs-Verhältnis zu gewährleisten. Vergleicht man die Angebote der einzelnen Universitäten, so lassen sich nicht nur Abweichungen bei der Vielfalt der Datenbanken, sondern auch bei den finanziellen Ausgaben feststellen. Die Konsortialverträge zwischen den Konsortialstellen9 und Universitäten sind zuhauf allerdings mit einer Geheimhaltungsklausel verbunden. Eine solche Klausel erschwert nicht nur einen bundesweiten Vergleich, sie ist aufgrund mangelnder Transparenz grundsätzlich abzulehnen. Hier setzt sich der BRF für mehr Transparenz der Kosten und des Angebotes von Datenbanken und entsprechenden Module ein. Erreicht werden soll dies durch den Austausch zwischen den juristischen Fakultäten, oder anderen zuständigen Stellen, und den Fachschaften. Damit soll eine bessere Vergleichbarkeit der Angebote und Nutzungsmöglichkeiten von Datenbanken im Jurastudium an den verschiedenen Universitäten ermöglicht werden. So erhoffen sich die Studierenden ein breites Angebot an Datenbanken und entsprechenden Module schaffen zu können, das gerade zur Zeit der Corona-Krise bestand und auch immer noch besteht. Diesbezüglich ist auch essentiell, dass der Zugang digitalen Kommentaren sowie zu grundlegenden juristischen Zeitschriften innerhalb der Hochschulmodule gewährt wird. Es steht dem Ziel der Chancengleichheit entgegen, standortabhängigen Zugang zu juristischer Literatur zu haben. Schlussgedanke Am 07. Juni 2020 endete die digitale Tagung. Als Stimme der Jurastudierenden ist es unser Ziel, die Themen nicht nur zu diskutieren, sondern auch eine fortlaufende Optimierung des Jurastudiums zu garantieren. Dabei ist von Wichtigkeit, jene Beschlüsse zur Verbesserung der Lehre und der Studienbedingungen an die zuständigen Stellen heranzutragen und auf eine Umsetzung seitens der Fakultäten, der Jus- B. C. 9 HBZ: Beck; Hebus: juris und Jurion. 508 Tagungsforum tizprüfungsämter und der Politik hinzuarbeiten. Als „Stimme“ der Jurastudierenden in Deutschland hoffen wir dort auf einen zeitnahen Diskurs, um so die Themenkomplexe erneut aufzugreifen und kontrovers darüber debattieren zu können. Die nächste Bundesfachschaftentagung wird vom 27. bis 29. Mai 2021 als Präsenztagung in Berlin stattfinden. Dort werden wir uns in produktiven Diskussionen und Workshops mit dem Thema Gute Lehre auseinandersetzen. ZDRW 4 | 2020 509

Zusammenfassung

Als Dachverband der juristischen Fachschaften in Deutschland setzt sich der Bundesverband rechtswissenschaftlicher Fachschaften e.V. (BRF) aus 42 Fachschaften der bundesweit 44 juristischen Fachbereiche und Fakultäten zusammen und vertritt so mehr als 110.000 Studierende. Mit der jährlichen Hauptversammlung, der Bundesfachschaftentagung (BuFaTa), die dieses Jahr vom 05. bis 07. Juni 2020 erstmals digital unter dem Thema „Jurastudium 4.0 - Im Wandel der Effektivitätssteigerung durch die Digitalisierung“ stattfand, wird die inhaltliche Ausrichtung des BRF neu kalibriert. 120 Studierendenvertreterinnen und Studierendenvertreter diskutierten zu folgenden Themenschwerpunkten: „Zusammenarbeit mit externen Akteurinnen und Akteuren“1, „Digitales Examen“, „Datenbanken im Jurastudium“ und „Effektive Beschlussfassung“. Anhand von vorbereiteten Gutachten2 wurden die verschiedenen Themen in den Workshops aufbereitet und vertieft. Weiter wurden zur inhaltlichen Ausgestaltung der Themenkomplexe Beschlussvorlagen auf Basis jener Gutachten erarbeitet und anschließend den Teilnehmerinnen und Teilnehmern zur Abstimmung präsentiert. Die Ergebnisse3 der diesjährigen Bundesfachschaftentagung werden im Folgenden näher ausgeführt und der rechtsdidaktische Hintergrund debattiert.

References

Abstract

The journal “Zeitschrift für Didaktik der Rechtswissenschaft (ZDRW)” is a journalistic forum for all aspects of the academic discourse about the teaching and learning of the law and legal studies. It opens and consolidates the perspective of research with regard to teaching and thus contributes new knowledge to the debate about legal studies and university didactics.

ZDRW thus forges links between general university didactics, specialized legal didactics and legal studies. Horizons are thus broadened on both sides and different perspectives enabled with regard to teaching and learning the law. This signifies an interdisciplinary approach since in addition to legal studies, other disciplines are called on to contribute their own knowledge on teaching and learning processes. These include general higher education didactics, psychology, neurosciences and educational science, sociology and other specialized higher education didactics able to contribute towards specialized teaching in legal studies.

ZDRW addresses all phases and aspects of legal education, providing general assistance for the improvement of both teaching and learning. To this end, apart from academic articles, a practical teaching forum is planned which will present ideas and discussions of detailed concepts for events and courses of study as well as individual didactical methods, thus providing impulses and points of connection for the individual teaching activities of our readers at various levels.

Website: www.zdrw.nomos.de

Zusammenfassung

Die „Zeitschrift für Didaktik der Rechtswissenschaft (ZDRW)“ stellt ein publizistisches Forum für alle Aspekte der wissenschaftlichen Befassung mit der Lehre und dem Lernen des Rechts und der Rechtswissenschaft dar. Sie eröffnet und verstetigt die Forschungsperspektive auf die Lehre und bringt damit neue Erkenntnisse in den rechtswissenschaftlichen und hochschuldidaktischen Diskurs ein.

Die ZDRW schlägt damit Brücken zwischen der allgemeinen Hochschuldidaktik, der rechtswissenschaftlichen Fachdidaktik und der Rechtswissenschaft. So werden wechselseitig Blickwinkel erweitert und verschiedene Perspektiven auf das Lehren und Lernen von Recht und Rechtswissenschaft eröffnet. Damit ist bereits ein interdisziplinärer Anspruch benannt, da neben der Rechtswissenschaft selbst auch jene Disziplinen aufgerufen sind, die ihrerseits Erkenntnisse zu Lehr-Lern-Prozessen anbieten, diese einzubringen. Hierzu zählen neben der allgemeinen Hochschuldidaktik, der Psychologie, den Neuro- und Erziehungswissenschaften sowie der Soziologie auch andere Hochschulfachdidaktiken, von deren Erfahrungen die rechtswissenschaftliche Fachdidaktik profitieren kann.

Die ZDRW nimmt alle Phasen und Aspekte der Ausbildung in den Blick und gibt allen Hilfestellung, die Lehre und damit das Lernen zu verbessern. Hierfür ist neben den wissenschaftlichen Beiträgen ein lehrpraktisches Forum vorgesehen, das von der Vorstellung und Diskussion ausführlicher Veranstaltungs- oder auch Studiengangskonzepte bis zur Präsentation einzelner didaktischer Methoden auf vielen Ebenen Anregungen und Anknüpfungspunkte für die eigene Lehrtätigkeit der Leser bietet.

Homepage: www.zdrw.nomos.de